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Die Poetik des Erinnerns im Roman "Spaltkopf" von Julya Rabinowich

Diplomarbeit 2018 91 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmungen
2.1 Gedächtnis & Erinnerung
2.2 Identität

3 Gedächtnis & Erinnerung in der Literatur
3.1 Kollektives Gedächtnis & individuelle Erinnerung
3.2 Erinnerungsorte
3.3 Erinnerungsfiguren

4 Identitätskonstruktion und Erinnerungskonzepte in der Literaturwissenschaft
4.1 Narrative Identitätstheorie
4.2 Mimesis des Erinnems
4.2.1 Die Zeitstruktur
4.2.2 Raumdarstellung
4.2.3 Narrative Vermittlung

5 Der ״Spaltkopf‘ als unkonventionelle Autobiographie
5.1 Der klassische Autobiographiebegriff
5.2 Die autobiographische Dimension der Gegenwartsliteratur
5.3 Autobiographische Züge im ״Spaltkopf‘

6 Die Poetik des Erinnems im ״Spaltkopf‘
6.1 Inhalt & Aufbau
6.2 Ich bin nicht daheim. Ich bin angekommen
6.3 Die Hunde von Ostia
6.3.1 Ostia als Erinnemngsort
6.3.2 Adoleszenz in der Fremde
6.3.3 Erinnerte Gefühle als Verbindung zur Gegenwart
6.3.4 Bruch der Eltern und Verstummen
6.4 Baba Yaga Girl

7 Zusammenfassung der Analyse

8 Conclusio

9 Literaturverzeichnis
9.1 Untersuchte und zitierte Primärliteratur
9.2 Sekundärliteratur
9.3 Intemetquellen

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in dieser Diplomarbeit die Sprachform des generi­sehen Maskulinums angewendet. Es wird an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die aus­schließ liehe Verwendung der männlichen Forni geschlechtsunabhängig verstanden werden soll.

Ich möchte mich hiemiit recht herzlich bei den Personen bedanken, die mich während der ge­samten Dauer meines Studiums unterstützt haben. Mein besonderer Dank gilt meinen Eltern, die mir mein Studium ohne jegliche Einwände ermöglicht haben und all meine getroffenen Entscheidungen befürwortet haben. Besonders meine Mutter möchte ich an dieser Stelle her­vorheben, da sie mir stets zur Seite stand.

Außerdem möchte ich an dieser Stelle meine Großeltern erwähnen, die mir stets ihr Vertrauen geschenkt haben und mich seelisch unterstützt haben. Danke, dass ihr niemals an mir gezweifelt habt und immer für mich da seid!

Ein Dankeschön geht nochmals an meine gesamte Familie, die während der Studienzeit mit mir mitgefiebert hat und die unterschiedlichsten Launen und Gefühle mit mir teilen musste.

An dieser Stelle möchte ich auch meine zwei Freundinnen erwähnen, die für mich - bereits seit dem Kindergartenalter an - immer ein offenes Ohr hatten und mir stets neue Motivation ge­schenkt haben. Vielen Dank dafür!

1 Einleitung

Der Spaltkopf von Julya Rabinowich ist ein Entwicklungsroman der deutschsprachigen Gegen­Wartsliteratur, der komplexe Migrations- und Integrationsprobleme abbildet. Mit diesem Ro­man hat Julya Rabinowich den Rauriser Literaturpreis gewonnen. Der Roman stellt die autobi­ographische Geschichte einer Emigration dar, deren Protagonistin Mischka sich zwischen zwei Welten bewegt und erwachsen wird. Obwohl die Exil-Problematik im Mittelpunkt des Textes steht, gibt es auch zahlreiche andere Aspekte, die einer Analyse bedürfen. In der Literaturwis­senschaft wird dieser Roman vor allem im Kontext der Migrationsliteratur erforscht. Dabei wird der Fokus auf die Analyse der migrationsbezogenen und interkulturellen Aspekte im Roman gerichtet, während andere Themen und Perspektiven weniger Beachtung seitens der Literatur­Wissenschaftler finden. Aus diesem Grund setzt sich die vorliegende Arbeit mit der Poetik des Erinnems im Roman Spaltkopf auseinander.

Das Ziel der Arbeit ist die Analyse von Erinnerungspraktiken im Spaltkopf Bei der Betrachtung eines Romans unter dem Gedächtnis- und Erinnerungsaspekt wird deutlich, dass dieser indivi­duelle, familiäre und kulturelle Erinnerungspraktiken abbildet und problematisiert. In diesem Sinne übernimmt der Roman die Funktionen der Gedächtnisbildung und -reflexion.1 Die theo­retische Grundlage für die Betrachtung von Gedächtniskonzepten bilden Ausführungen von Astrid Erll und Ansgar Nünning sowie die grundlegende Theorie des kollektiven Gedächtnisses von Maurice Halbwachs. Aber auch die Erinnerungskonzepte von Jan und Aleida Assmann werden herangezogen. Aleida Assmann bestimmt den Begriff der Erinnerungsorte und unter­scheidet zwischen Generationenorten und traumatischen Orten.2 Vor diesem Hintergrund be­fasst sich Jan Assmann mit den Erinnerungsfiguren. Er hebt die Bedeutung der Distanz bei der Auseinandersetzung mit dem Erinnern und den Erinnerungen in der Literatur hervor.3

Der Spaltkopf weist mehrere autobiographische Züge auf, stellt jedoch eine unkonventionelle Biographie dar: Die Wirklichkeit bzw. die Realität der Protagonistin werden anhand der An- häufüng von zerrissenen Erinnerungen konstruiert, wobei ein nicht chronologischer Erinne­rungsprozess vollzogen wird. Ein Erinnerungsvorgang ist immer mit der Reduktion der Korn- plexität verbunden, wobei eine sogenannte Verdichtung der Erinnerungen stattfindet. Dies lässt 1 sich auch im Spaltkopf beobachten. Dabei werden individuelle Erinnerungen mit dem kulturel­len Gedächtnis des jüdischen Volkes verknüpft. Dadurch finden ein Prozess der Selbstfindung bzw. eine Wiederherstellung der Selbstidentität und eine Neuverortung der Protagonistin statt, indem ihrer Familie eine stabilisierende Funktion zukommt.[1]

In diesem Kontext lässt sich die Forschungsfrage der Arbeit wie folgt fomiulieren: Auf welche Weise werden Erinnerungen im Roman von Julya Rabino wich konstruiert und wie tragen sie zur Selbstfindung bzw. Identitätskonstruktion der Protagonistin bei? Dabei werden verschie­dene Ebenen analysiert: einerseits die Ebene der narrativen Strukturen und andererseits die Mo­tivebene des Romans.

Das Ziel und die Forschungs frage der Arbeit bedingen auch ihren Aufbau. Die Arbeit besteht aus einem theoretischen und einem analytischen Teil. Im theoretischen Teil werden Grundlagen zum Konzept des Erinnems und des Gedächtnisses sowie zu Erinnerungspraktiken und Erinne- rungs figuren erörtert. Außerdem soll auf die narrative Identitätstheorie und auf die ,Mimesis des Erinnems‘ näher eingegangen. Daneben beschäftigt sich diese Arbeit auch auf mit den au­tobiographischen Zügen des Romans. Es werden Mechanismen der Konstruktion von Erinne­rungen in der Literatur und deren Zusammenhang mit den Mechanismen der Selbstbildung er­forscht. Im analytischen Teil der Arbeit findet eine tiefgreifende Analyse der Poetik des Erin- nems im Spaltkopf statt. Diese fokussiert sich zunächst natürlich auf die Erinnerungen der Hauptprotagonistin und ihre Konstruktion, aber auch die Motivebene der einzelnen Kapitel so­wie die sprachliche Ebene wird berücksichtigt. Es wird außerdem versucht auf einzelne Passa­gen, die für die Identitätsfindung der Protagonistin von Bedeutung sind, näher einzugehen. Nach dem analytischen Teil folgt nochmals eine Reflektion der Ergebnisse und es wird sich zeigen, wie der Prozess des Erinnems auf die Identitätskonstmktion der Protagonistin einge­wirkt hat.

2 Begriffsbestimmungen

Im nachfolgenden Kapitel werden die wichtigsten Termini, die oftmals in dieser Arbeit ver­wendet werden, definiert und näher erläutert. Im Konkreten handelt es sich um die Begriffe ,Gedächtnis‘, ,Erinnerung‘ und ,Identität‘. Hierbei ist zu erwähnen, dass die ersten beiden Be­Zeichnungen als Schlüsselbegriffe der aktuellen kulturwissenschaftlichen Diskussion gelten. Beide Termini bilden nämlich mnestische Funktionen ab, die sich jedoch voneinander unter- scheiden.[2] Der Terminus ,Identität‘ wird in den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Diszip­linen verwendet. Aus diesem Grund wird versucht, einen Überblick über die jeweilige Bedeu­tung des Begriffs aus philosophischer, psychologischer und sozialwissenschaftlicher Sicht zu geben.

2.1 Gedächtnis & Erinnerung

Die Kultur- und Literaturwissenschaftlerin Aleida Assmann formuliert Folgendes in Bezug auf den Begriff ,Gedächtnis‘ :

Das Phänomen des Gedächtnisses ist in der Vielfalt seiner Erscheinungen nicht nur transdisziplinär in dem Sinne, daß es von keiner Profession aus abschließend und gültig zu bestimmen ist, es zeigt sich auch innerhalb der einzelnen Disziplinen als widersprüchlich und kontrovers.[3]

Tatsächlich lässt sich keine allgemein gültige Definition des Gedächtnisbegriffs finden. Es soll trotzdem versucht werden, den Gedächtnisbegriff aus unterschiedlichen Disziplinen heraus nä­her zu erläutern.

Zunächst ist festzuhalten, dass der Begriff des Gedächtnisses mit dem der Erinnerung verknüpft ist, denn ״das Gedächtnis ist der Aufbewahrungsort aller Erinnerungen“[4]. Somit erschließt sich auch die Funktion des Gedächtnisses, denn diese besteht darin, dass alle Erinnerungen sowohl aufgearbeitet als auch gespeichert werden. Durch diesen Prozess wird es möglich, dass Erinne­rungen auch zukünftig wieder abgerufen werden können. Das Gedächtnis jedes einzelnen Men­sehen wird durch alle Erfahrungen, die jemand im Laufe seines Lebens sammelt, konstruiert.

Es bildet daher ein grundlegendes und wichtiges Vermögen des Menschen, denn ohne ein Ge­dächtnis kann weder ein erkennendes Wahmehmen noch ein Lernen stattfinden.[5]

Der Begriff ,Gedächtnis‘ wird von dem Begriff ,Erinnerung‘ differenziert, da das menschliche Gedächtnis grundsätzlich zur Speicherung von Erfahrungen und Erinnerungen dient. Dahinge­gen wird Erinnerung ״als Wiederbelebung von im Gedächtnis Behaltenem“[6] definiert. Es ist stets möglich, sich bereits vergangene Erinnerungen wieder ins Gedächtnis zu rufen und diese Erfahrungen somit zu vergegenwärtigen. Dazu führt Scharfetter in seinem Text Allgemeine Psychopathologie weiter aus:

Gedächtnis und Erinnerung ermöglichen die Geschicklichkeit des Menschen. Das Ereignete wird im Gedächtnis der individuell-lebensgeschichtlich gültigen, nach den soziokulturellen Gegebenheiten mitgeprägten Weise gestaltet und verdichtet - und wirkt dauernd in unsere Gegenwart hinein [...], in welcher Zukunft eintrifft.[7]

Eine weitere Funktion bzw. Fähigkeit des Gedächtnisses ist, dass man Informationen erwerben kann und diese, gleich wie die Erinnerungen, speichern und abrufen kann. Das Gedächtnis dient demnach auch als eine ״Art der Informationsverarbeitung“[8].

Im Allgemeinen wird das Gedächtnis als etwas wahrgenonmien, das automatisch jeder Mensch besitzt bzw. das genetisch bereits vorhanden ist und zur Verfügung steht. Diese Annahme wird von der neurobiologischen Definition des Begriffs ,Gedächtnis‘ jedoch widerlegt, denn in der bis heute noch anerkannten Definition von Sinz heißt es:

Unter Gedächtnis verstehen wir die lemabhängige Speicherung ontogenetisch erworbener Informa­tion, die sich phylogenetischen neuronalen Strukturen selektiv artgemäß einftigt und zu beliebigen Zeitpunkten abgerufen, d.h. für ein situationsangepaßtes Verhalten verfügbar gemacht werden kann. Allgemein formuliert, handelt es sich um konditionierte Veränderungen der übertragungseigen­schaften im neuronalen ,Netzwerk‘, wobei unter bestimmten Bedingungen den Systemmodifikatio­nen (Engrammen) entsprechende neuromotorische Signale und Verhaltensweisen vollständig oder teilweise reproduziert werden können.[9]

Es ist somit festzuhalten, dass ein Gedächtnis erst ontogenetisch erworben werden muss und nichts Angeborenes ist. Durch die fortschreitende Entwicklung eines Menschen wird das Gedächtnis erworben. Es kann jedoch auch zu einem Verlust des Gedächtnisses kommen, z. B. durch spezifische Krankheiten oder ein Schädeltrauma.

Des Weiteren differenziert man zwischen dem episodischen, dem semantischen und dem pro- zeduralen Gedächtnis. ״Das episodische Gedächtnis speichert biographische Erlebnisse“[10], während das semantische Gedächtnis dazu dient, sich bestimmte gelernte Inhalte einzuprägen. Im Gegensatz dazu werden mithilfe des prozeduralen Gedächtnisses die körperlichen Fähigkei­ten eines Menschen verinnerlicht. Diese Fähigkeiten unterscheiden uns Menschen von anderen Lebewesen. Wir sind durch unser Gedächtnis in der Lage, das Erlebte zu nutzen, indem wir die Erfahrungen für die Planung oder auch Gestaltung von Zukünftigem einsetzen.[11] Demnach ist das Hervorrufen von Erinnerungen mehr als ein bloßes Abrufen von Informationen. Es ist je­doch zu beachten, dass das Gedächtnis nicht nur eine bewusste Ebene hat, sondem auch eine vor- und unbewusste Ebene.[12] Dies hat zur Folge, dass Menschen in der Lage sind, sich an mehr zu erinnern, als ihnen eigentlich bewusst ist. Hierbei geht es auch wieder um Erinnerungen, die im Laufe eines Lebens gesammelt und abgespeichert wurden. Diese im Vorbewusstsein gespei­cherten Erinnerungen können in bestimmten Situationen wieder in das Bewusstsein gerufen werden. Anders verhält es sich mit Erinnerungen, die in der unbewussten Ebene des Gedacht- nisses aufgenommen werden. Das Unbewusste äußert sich für gewöhnlich nur in Träumen.[13] Es ist zu beachten, dass unbewusste Erinnerungen nicht mit dem Vergessen von Erinnemngen gleichzusetzen sind. Man spricht hier in der Psychoanalyse nämlich von verdrängten Erinne­rungen und nicht vom Vergessen. ״Verdrängt werden übemiäßig schmerzliche oder beschä­mende Erinnerungen, die sich der Integration in unser bewusstes Selbstbild verweigern. Das verweist auf den engen Zusammenhang zwischen Gedächtnis und Identität.“[14] Bevor jedoch auf den Begriff ,Identität‘ näher eigegangen wird, folgen noch weitere Ausfühmngen, die den Prozess des Erinnems erläutern.

Wie zuvor schon festgestellt wurde, bezeichnet Erinnern den Prozess, sich bereits vergangene Erfahrungen wieder ins Gedächtnis zu mfen. Hervorzuheben ist, dass das Erinnern in der Ge­genwart stattfindet. Die gegenwärtige Situation nimmt jedoch Einfluss auf das Wiederkehren der Erinnerung und auf deren erneute Abspeicherung. Folglich kann sich die Erinnerung durch das erneute Hervorrufen und die nochmalige Abspeicherung verändern. Wesentlich für eine Erinnerung ist, dass sie immer in einem bestimmten Kontext steht. Des Weiteren kann man sie auch inmier in eine gewisse Zeit und einen Ort einordnen.[15] Der Vorgang des Erinnems ist mit dem selektiven Vorgang der Wahrnehmung zu vergleichen. Denn so, wie die Menschen unter­schiedliche, subjektiv wichtig erscheinende Bestandteile der Wirklichkeit wahmehmen, ge­schieht auch der Erinnerungsprozess ähnlich subjektiv und selektiv. Gewisse Aspekte einer vergangenen Erinnerung können durch die laufende Veränderung des eigenen Erfahrungshin­tergrundes in der Gegenwart bedeutsamer wirken und an Prägnanz gewinnen oder auch in den Hintergrund geschoben werden. Daniel L. Schacter, ein amerikanischer Neuropsychologe, schreibt hierzu: ״Erinnerungen sind die hinfälligen, aber machtvollen Produkte dessen, was wir aus der Vergangenheit behalten, über die Gegenwart glauben und von der Zukunft erwarten.“[16] Für Schacter stellen Erinnerungen demnach einen Ausdruck der momentanen Sinnproduktion dar. Er betrachtet das Erinnern aus einer konstruktivistischen Sichtweise.

Die konstruktivistische Auffassung von Schacter ist mit der des französischen Soziologen und Philosophen Maurice Halbwachs vergleichbar. Halbwachs gilt bis heute als einer der Begründer der Gedächtnisforschung. Er stellte in seiner Studie ,Les cadres sociaux de la mémoire‘ aus dem Jahr 1925 fest, dass sich individuelle Erinnerungen auf die Rekonstruktion der sozialen Rahmenbedingungen der Gegenwart beziehen.[17] Des Weiteren werden Erinnerungen durch ak­tuelle Faktoren der Gegenwart, wie Z. B. Geschlecht, Religion oder soziales Milieu, beeinflusst. Halbwachs nimmt zudem auch an, dass Erinnerungen nicht von der Vergangenheit, sondern vielmehr von der Gegenwart geprägt werden. Mit dieser Annahme unterscheidet sich die Erin­nerungstheorie von Halbwachs deutlich von anderen zeitgenössischen Theorien, wie sie bei­spielsweise Aby Warburg aufstellte.[18]

Zusammenfassend lässt sich ableiten, dass das Gedächtnis ein Medium ist, in dem Erinnerun­gen abgespeichert sind und über das diese wieder aufgerufen werden können. Wobei es nicht automatisch ein Gedächtnis gibt, sondern dieses erst durch das Leben bzw. Erleben eines Menschen aufgebaut werden muss. Anschließend kommt es in der Gegenwart zum Prozess des Erinnems. Vergangenes wird vergegenwärtigt und nochmals hervorgerufen. Durch einen ver­änderten bzw. weiterentwickelten Erfahrungshintergrund kann es jedoch möglich sein, dass nun andere Aspekte der Erinnerung bedeutsamer werden und die Erinnerung in Folge anders abge­speichert wird.

2.2 Identität

Neben den oben erläuterten Begriffen wird in dieser Arbeit auch wiederkehrend die Bezeich­nung ,Identität‘ verwendet werden. Darum ist es notwendig, auf diesen Temiinus im Vorfeld näher einzugehen. Im Allgemeinen besteht die Identität einer Person aus deren Namen, dem Geburtsdatum bzw. Alter und dem Geschlecht. Zusätzlich besteht eine Identität noch aus den Eigenschaften des Charakters der Person, aber auch aus körperlichen Merkmalen (z. B. Haar­farbe, Augenfarbe, Körpergröße usw.).[19] Diese Identität einer Person haben Menschen generell im Kopf, wenn sie im Alltag über andere sprechen. Es beschäftigen sich jedoch sehr viele un­terschiedliche Disziplinen mit dem Identitätsbegriff, wie z. B. die Psychologie, die Philosophie, aber auch die Sozialwissenschaft. Die Autoren Köck und Ott definieren in ihrem Wörterbuch für Erziehung & Unterricht den Begriff beispielsweise folgendermaßen:

Identität bezeichnet die völlige Übereinstimmung eines Individuums oder einer Sache mit sich selbst. In Bezug auf die Identität des Menschen spricht die Psychologie von einem dynamischen Selbstkon­zept, das lebenslang in Entwicklung begriffen ist, im Wechselspiel mit dem sozialen Umfeld, konti­nuierlich Veränderungen und in Form von Identitätskrisen.[20]

In der Psychologie und der Sozialwissenschaft unterscheidet man weiters zwischen zwei Ver­wendungsweisen des Begriffs: Entweder spricht man hier von der personalen Identität, die sich auf eine einzelne Person bezieht, oder von einer kollektiven Identität.[21] Haußer schreibt zur personalen Identität in seiner Identitätspsychologie, dass ״die Instanz, die über die Identität eines Menschen Auskunft zu geben vermag“[22], nur der betroffene Mensch selbst sein kann und niemand anderer dazu in der Lage ist. In seinen Ausführungen beschreibt er weiter, dass man eine Identität von einer ״Rolle“[23] und der ״Persönlichkeit“[24] unterscheiden kann. Denn die

Identität stellt weder die gesellschaftlichen Verhaltensweisen bzw. Rollen dar, die Menschen im Alltag haben, noch ist sie die Totalität der psychischen Merkmale bzw. die Persönlichkeit eines Menschen.[25] Identität hat ihren Ursprung im Bewusstsein des Subjekts und existiert auch in dessen Bewusstsein. Im psychologischen Kontext geht man jedoch auch davon aus, dass die Identität von einem Subjekt selbst und auch von anderen Menschen geprägt wird. Es herrscht sozusagen ein Zusanmienwirken von einem Dazugehörigkeitsgefühl, das nach innen gerichtet ist, und der Abgrenzung von anderen Subjekten.[26]

Die Philosophie hingegen hat einen etwas anderen Ansatz in Bezug auf die personale Identität. Diese bildet sich hier nicht durch bestimmte Eigenschaften eines Individuums heraus, sondern steht immer mit etwas anderem in Relation. Der Identitätsbegriff ist aus philosophischer Sicht stets ein Relationsbegriff, denn es macht erst Sinn, von den Identitätsmerkmalen einer Person zu sprechen, wenn man diese in Relation zu etwas anderem setzen kann. Daher ist z. B. die Frage ,Wer bin ich?‘ schwieriger zu beantworten, wenn man sie nicht in Relation zu etwas setzt. Es wäre demnach einfacher zu fragen: Wer bin ich verglichen mit damals? Die personale Identität wird in der Philosophie auch als ein ״andauemd[er] Prozess der Konstruktion einer Einheit des Selbst“[27] definiert. Wobei in diesem Prozess jeder versucht, eine Kohärenz bzw. eine Kontinuität zu erreichen. Wir Menschen werden in diesem Konstruktionsprozess inmier wieder beeinflusst, sei es durch unser eigenes Handeln, unsere Selbstwahmehmung oder durch die Reflexion von Reaktionen anderer auf unser Handeln.[28]

Für den oftmals verwendeten Begriff ,Identität‘ lässt sich in der Wissenschaft keine allgemein gültige und für alle Disziplinen geltende Definition finden. Trotzdem sollten die grundlegenden Erkenntnisse aus den zuvor erläuterten Ansätzen nochmals kurz zusammengetragen werden. Es lässt sich demnach festhalten, dass eine Identität immer im Bewusstsein eines Menschen exis­tiert. Sie wird jedoch im Leben eines Menschen geprägt durch unterschiedlichste Erfahrungen und Veränderungen, die oftmals auch Identitätskrisen hervorrufen können. Ziel ist es jedoch, dass eine Kohärenz geschaffen wird bzw. eine völlige Übereinstimmung und Wesensgleichheit. Außerdem sind sich die zuvor erwähnten Disziplinen einig, dass die personale Identität etwas darstellt, das Menschen voneinander unterscheidet und sie zu etwas Einzigartigem macht.

Nachdem in diesem ersten Kapitel die grundlegenden Begriffsbestinmiungen erläutert wurden, folgt eine theoretische Vertiefung im Bereich der Erinnerungspraktiken, denn es sollte nun möglich sein, zwischen Gedächtnis und Erinnerungen unterscheiden zu können.

3 Gedächtnis & Erinnerung in der Literatur

In den letzten Jahrzehnten kommt es in der Wissenschaft häufig vor, dass die Verknüpfung von Gedächtnis und Erinnerung mit der Literatur untersucht wird. Fortwährend werden neue Un­tersuchungen in diesem Bereich durchgeführt und Studien veröffentlicht. Eine grundlegende theoretische Basis für solche Untersuchungen bietet das von Astrid Erll und Ansgar Nünning herausgegebene Text Gedächtniskonzepte der Literaturwissenschaft. In diesem werden drei Herangehensweisen unterschieden, die sich auf die Analyse des Zusammenhangs zwischen Li­teratur und Gedächtnis bzw. Erinnerung anwenden lassen: Entweder bezieht man sich auf das ״Gedächtnis der Literatur“[29], auf das ״Gedächtnis in der Literatur“[30] oder auf die ״Literatur als Medium des Gedächtnisses“[31]. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass der Gedächtnisbegriff in der Literatur im übertragenen Sinne zu verstehen ist. Man kann die Literatur als ein Symbol­system oder als Sozialsystem begreifen.[32] Betrachtet man Literatur als Symbolsystem, so kommt es dazu, dass durch die Intertextualität zu anderen literarischen Werken die Literatur zum Gedächtnis ihrer selbst wird. Sieht man die Literatur jedoch als ein Sozialsystem an, so hätte Literatur zwei wesentliche Bestandteile, die für die Herausbildung eines Gedächtnisses der Literatur essentiell sind: den Kanon und die Literaturgeschichte.[33]

Die später folgende Analyse des Romans Spaltkopf wird sich mit dem Gedächtnis in der Lite­ratur auseinandersetzen. Diese Forschungsrichtung hat das Ziel, die Darstellung von Erinne­rungen und auch die Bildung eines Gedächtnisses in literarischen Werken zu analysieren.[34] ״Literarisches Erzählen kann [nämlich] kulturelle, familiäre und individuelle Erinnerungsprak­tiken abbilden und bestätigen, aber auch problematisieren und durch künstlerische Imaginatio­nen von Alternativen konterkarieren.“[35]

Wichtig ist jedoch darauf zu achten, dass Literatur nicht nur individuelle Erinnerungen trans­portiert, sondern diese auch als Teile eines kulturellen und kollektiven Gedächtnisses vermittelt. Aus diesem Grund wird zunächst kurz auf die Theorie von Maurice Halbwachs eingegangen, der sich mit der individuellen Erinnerung und dem kollektiven Gedächtnis näher beschäftigte.

3.1 Kollektives Gedächtnis & individuelle Erinnerung

Der Begriff des kollektiven Gedächtnisses stanmit von Maurice Halbwachs, der sich damit in seinen gleichnamigen Studien (mémoire collective) beschäftigte, und von Aby Warburg, der sich aus kulturhistorischer Perspektive damit beschäftigte. Beide haben das Phänomen des kol­lektiven Gedächtnisses untersucht.39

Die Forschung von Halbwachs beruht auf dem ״sozialen Gruppengedächtnis“40. Dieses be­zeichnet ein Erlebnis, das dadurch stabilisiert wird, dass sich Menschen über das austauschen, was sie gemeinsam erlebt haben. Halbwachs stellt jedoch fest, dass ein Erlebnis niemals exakt in der Erinnerung daran rekonstruiert werden kann. Wie Halbwachs ist auch Erll der Meinung, dass eine exakte Wiedergabe des bereits Erlebten nicht möglich ist, da alleine die Erinnerung und Wiederholung von Ereignissen in unserem Gedächtnis zu abwegigen Vorstellungen führen. Bei Halbwachs wird die Gesellschaft außerdem stark in den Erinnerungsprozess eingebunden. Für ihn stehen sogar persönliche Gedanken und Erinnerungen in Bezug zur Gesellschaft und in den weiteren Ausführungen seiner Überlegungen werden individuelle Erinnerungen sogar zu einem sozialen Prozess. Nach Halbwachs greifen Menschen während des Erinnerungsprozesses auf soziale Rahmenstrukturen wie z. B. Sprache, Zeit, Raum und Erfahrung (,cadres sociaux‘) zurück.41 Folglich lässt sich ableiten, dass jedes Erinnern grundsätzlich sozial verankert ist, und es somit kein individuelles, sondern nur ein kollektives Gedächtnis gibt, das aus den unter­schiedlichen Erinnerungen der Menschen entsteht. Ähnlich wie Halbwachs schreibt auch Ass­mann zur Thematik des kollektiven Gedächtnisses Folgendes:

Es ist zwar immer nur der Einzelne, der Gedächtnis ״hat“, aber dieses Gedächtnis ist kollektiv geprägt. [...] Erinnerungen auch persönlichster Art entstehen nur durch Kommunikation und Inter­aktion im Rahmen sozialer Gruppen.42

Einzig und allein die Kindheitserinnerung - damit ist die Erinnerung eines Kindes an ein allein erlebtes Ereignis gemeint und nicht die Erinnerung als erwachsene Person an die Kindheit - wird von Halbwachs als eine potenziell rein individuelle Erinnerung betrachtet.[36] Denn bei ei­ner solchen Erfahrung bleibt das Subjekt bzw. das Kind frei von den Einflüssen seiner sozialen Umgebung. Es kommt im Laufe der Zeit aber dazu, dass auch diese Erinnerung durch die zuvor schon angesprochenen sozialen Rahmenstrukturen beeinflusst und somit auch verändert wird. ״Individuell im strengen Sinne sind nur die Empfindungen, nicht die Erinnerungen“[37], denn Erinnerungen beanspruchen unser Denken und dieses ist von den verschiedenen sozialen Grup­pen, zu denen wir gehören, beeinflusst. Dahingegen sind die Empfindungen an unseren Körper gebunden und nicht an unseren Geist.

3.2 Erinnerungsorte

Da nun geklärt wurde, was nach Halbwachs der Unterschied zwischen dem kollektiven Ge­dächtnis und einer individuellen Erinnerung ist und wie ein Gedächtnis in der Literatur generiert werden kann, wird näher auf das Phänomen der Erinnerungsorte eingegangen. Für die nachfol­genden Ausführungen werden die Ansichten der deutschen Literatur- und Kulturwissenschaft­lerin Aleida Assmann herangezogen und genauer erläutert. Bevor jedoch spezifisch auf die Er­innerungsorte eingegangen wird, soll ein Verständnis für Assmanns Herangehensweise an die Thematik geschaffen werden. Grundlegende Unterscheidungen, aber auch die Entwicklung ei­nes kulturellen Gedächtnisses werden erklärt. Weiters wird die Bedeutung des Mediums der Schrift hervorgehoben und dargestellt.

Im Vorfeld sollte geklärt werden, dass Assmann in ihrem Werk Ermnerungsräume zwischen zwei Arten von Gedächtnissen unterscheidet. Zum einen definiert sie ein kulturelles Gedacht- nis, das über Epochen und Generationen besteht und durch ״normative Texte gestützt ist“[38] [39], zum anderen verweist sie auf das kommunikative Gedächtnis, das maximal drei Generationen miteinander verbindet und für gewöhnlich durch mündliche Weitergabe der Erinnerungen ge­bildet wird. Sie führt weiter aus, dass sich diese beiden Arten des Gedächtnisses in einer Krise befinden. Es wird in diesem Zusammenhang von der ״Krise des Erfahr ungsgedächtmsses^ gesprochen. Der Grund für diese Krise ist, dass sich der Blickwinkel der Betrachtung der Ver­gangenheit durch einen erneuten Generationenwechsel verändert. Aus der gegenwärtigen Ver­gangenheit, die durch die vorletzte Generation noch besteht, wird eine reine Vergangenheit, weil die Generation, die noch persönliche Erinnerungen weitergeben könnte, ausstirbt. Ass­mann spricht hier explizit die ״überlebenden der größten Katastrophe [des vergangenen] Jahr- hunderts“[40] an und meint damit die überlebenden des Holocaust.

Während das Erfahrungsgedächtnis verblasst und allmählich zu einer reinen Vergangenheit wird, baut sich aktuell eine neue Forni von Gedächtnis auf, das von Medien gestützt wird. Vor allem das kollektive Gedächtnis wird durch unterschiedliche Formen der Medien gezielt ge­steuert. Auch das kulturelle Gedächtnis ist auf Instanzen wie die Medien und Politik angewie­sen, denn es erfolgt durch diese ein Übergang von einem lebendigen und individuellen Ge­dächtnis, das durch Erinnerungen aufgebaut ist und vor allem mündlich weitergegeben wurde, zu einem künstlichen kulturellen Gedächtnis.[41] Demnach wird den Medien eine wichtige Funk­tion zugeschrieben, da sie sozusagen als Stützen eines kulturellen Gedächtnisses fungieren. Die unterschiedlichen Medien (Bilder, Filme, Computer etc.) haben jeweils einen anderen Zugang zum kulturellen Gedächtnis, aber das wichtigste Gedächtnismedium für den Prozess, ein kultu- relies Gedächtnis aufzubauen, ist immer noch die Schrift. ״Die Schrift, die der Sprache folgt, speichert anders und anderes als die Bilder, die sprachunabhängige Eindrücke und Erfahrungen festhalten.“[42]

Auch wenn das Medium der Schrift eine besondere Stellung innerhalb der Gedächtnismedien hat, gibt es auch andere, für die Speicherung von Erinnerungen relevante Medien. Der Begriff ,Erinnerungsort‘ wurde durch Pierre Nora, einem französischen Historiker, geprägt. Dieser ver­suchte in den 1970er und 1980er Jahren das französische Kulturerbe vor dem Untergang und Schwund durch die Globalisierung zu bewahren. Zu diesem Zweck sammelte er französische Erinnerungsorte und ließ diese beschreiben.[43] Für Nora waren Erinnerungsorte dadurch be- stinmit, dass sich an diesen Orten das kollektive Gedächtnis festmachen lässt. Demnach stellen Orte ein nach außen verlagertes bzw. extemalisierendes Gedächtnismedium dar. Doch nicht jeder Ort, den ein Mensch während seines Lebens besucht, wird zu einem Gedächtnismedium.

Dies geschieht nur dann, wenn an einer gewissen Stelle oder Lokalität etwas besonders Bedeut­sames geschieht. Sei es ein religiöser Akt, ein besonderes historisches Ereignis, das in die Ge­schichte eingehen wird, oder ein biographisch einschneidendes Erlebnis, das an einem Ort statt­findet. Der Schauplatz des Geschehens hat die Möglichkeit, ein Gedächtnis zu bilden, das selbst dann noch besteht, wenn sich ein kollektives Vergessen oder Verdrängen einstellen sollte.[44] Es lässt sich immer wieder beobachten, dass Menschen an Orte zurückkehren, die für sie selbst oder auch für Familienmitglieder bedeutsam sind. Ein noch typischeres Beispiel für so ein Ver­halten wäre das religiöse Pilgern, bei dem jährlich unzählige Touristen an eine heilige Stätte reisen, weil sich dort in der Vergangenheit - mag sie auch noch so viele Jahrhunderte her sein - etwas Besonderes abgespielt hat. Konmien Menschen dann an ihrem Erinnerungsort an, er­folgt eine wechselseitige Reanimation. Nicht nur die Erinnerung wird durch den Ort reaktiviert, sondem auch der Ort wird durch das Erinnern reanimiert.[45] ״Denn biographisches und kultu- relies Gedächtnis läßt sich nicht in die Orte auslagem; diese können Erinnerungsprozesse nur im Verbund mit anderen Gedächtnismedien anstoßen und abstützen.“[46] Man könnte auch sagen, dass Orte zwar den Erinnerungsprozess anregen, aber nicht per se ein kulturelles Gedächtnis bilden. Dennoch empfinden Menschen Erfahrungen, die sie beispielsweise an einem konkreten historischen Ort sammeln, als eindringlicher, als wenn sie nur davon hören oder lesen. Infolge­dessen sind spezielle Orte für die Konstruktion eines kulturellen Erinnerungsraumes bedeut­sam, denn im Gegensatz zur Erinnerung von Individuen, Epochen oder ganzer Kulturen bleibt der Erinnerungsraum kontinuierlich erhalten und besteht dauerhaft. Während Kulturen sich wandeln und eine von der anderen abgelöst wird, festigen sich Erinnerungen lokal, indem sie im Boden verankert werden.[47] Sie stellen dabei eine Art Kontaktzone der Gegenwart mit der Vergangenheit dar. Assmann hat Noras Konzept der Erinnerungsräume weiter differenziert und unterscheidet Generationenorte und traumatische Orte.

Generationenorte stechen aus den einfachen Erinnerungsorten heraus, weil sie mit einer ganz besonderen Gedächtniskraft versehen sind. Diese resultiert aus der oftmals seit Jahrzehnten an­dauernden Verbindung von den Orten mit Familiengeschichten.[48] Daher werden sie auch als Familienorte bezeichnet. Dieses Phänomen wurde bereits vor Assmann beobachtet, denn be­reits Nathaniel Hawthrone, der 1850 das Buch Der scharlachrote Buchstabe veröffentlicht hat, sprach darin von Generationenorten. Assmann beschreibt die Generationenorte als jene Orte, an die alle Mitglieder einer Familie über viele Generationen hinweg gebunden sind. Im Nor­malfall werden sie an jenem Ort geboren und auch wieder begraben.[49] Im Laufe der sich wan- deinden und modernisierenden Gesellschaft stößt dieses traditionelle Konzept der Generatio­nenorte jedoch an seine Grenzen. Die modernen Lebensformen befinden es nicht mehr für nö­tig, sich an einen Ort zu binden, und lehnen die Klammerung eines Menschen an eine bestimmte Lokalität ab. Für die Moderne stellt ein Familienort den Gegensatz zum damaligen Fortschritt dar. ״Modernisierung erfordert [nämlich] ein bewegliches Bewußtsein, das sich freigemacht hat von ortsfesten Mächten und Kräften. Die Bindungskraft erinnerungsträchtiger Orte wird dabei ersetzt durch den neutralen Raum als eine der menschlichen Verfügung freigegebene Di- mension.“[50] Die Modernisierung hat demnach zur Folge, dass Generationen- bzw. Familienorte aussterben und diese Generationenkette unterbrochen wird.

Eine weitere Kategorie von Erinnerungsorten sind die traumatischen Orte. Es ist für einen Men­sehen nicht möglich, einen affirmativen Bezug zu einem traumatischen Ort herzustellen. Die Geschichte, die an so einem Ort stattgefunden hat, kann einfach nicht erzählt werden, da das Trauma, welches dort geschehen ist, sich an den Ort bindet. Wohingegen es sich im Falle eines Erinnerungsortes genau umgekehrt verhält, denn dieser wird dadurch gestärkt, dass man die Geschichte erzählt und diese durch den Ort zusätzlich verifiziert wird.[51] Es ist jedoch möglich, dass sich solche traumatischen Orte in Erinnerungsorte wandeln. Dies geschieht, wenn neue Generationen, die selbst nicht das Trauma erlitten haben, an diesen Ort zurück к ehren und ver­suchen, das geschehene Unrecht zu verarbeiten bzw. die traumatischen Erfahrungen zu verge- genwärtigen.[52]

Neben realen Schauplätzen kann auch die Literatur ein Erinnerungsort sein. Es ist zwar durch die Literatur nur bedingt möglich, den Ort und all seine lebhaften Eindrücke darzustellen, den­noch kann versucht werden, innere Bildwelten entstehen zu lassen oder Gerüche, Geräusche oder Empfindungen zu transportieren. Vor allem kann die Literatur aber das menschliche Han­dein nacherzählen und beschreiben. Durch autobiographische Erzählungen, historische Be­richte, Dokumente oder schriftliche Artefakte können auch in der Literatur Erinnerungsorte entstehen, die eine Brücke zur Vergangenheit schaffen. Durch die Autoren, Zeitzeugen oder

Historiker bauen sich Erinnerungsorte in Texten auf, die sich immer auf einen bestinmiten Ort und eine bestimmte Zeit beziehen. Trotzdem muss festgehalten werden, dass das Medium der Literatur die Erinnerungen zwar durch Darstellungstechniken aktiviert und erinnernde Be­wusstseinsprozesse hervorruft, aber dennoch nur eine Nachahmung der Realität darstellt.[53]

Aus den zuvor erläuterten Ausführungen geht hervor, dass sich auch die Literaturwissenschaft mit dem Forschungsfeld der Gedächtnistheorie beschäftigt. Durch die Wiedergabe von indivi­duellen Erinnerungen in der Literatur bildet sich ein kulturelles und kollektives Gedächtnis her­aus. Dieses kollektive Gedächtnis wird immer durch äußere soziale Einflüsse gebildet. Als Ba­sis für dieses kollektive Gedächtnis werden die individuellen Erinnerungen angesehen, die je­doch schnell beeinflusst werden. Des Weiteren wird ein kulturelles Gedächtnis durch be­stimmte Medien weitergegeben. Als wichtigstes Medium für diesen Prozess ist die Schrift zu nennen. Daneben gibt es aber auch das Medium der Erinnerungsorte. Diese Orte sind von ihrer Vergangenheit und deren Ereignissen geprägt und rufen somit immer wieder Erinnerungen ins Gedächtnis. Neben realen Orten, wie Z. B. Generationenorten oder traumatischen Orten, kann auch die Literatur einen solchen Erinnerungsort bilden.

3.3 Erinnerungsfiguren

Neben den Erinnerungsorten, die von Aleida Assmann beschrieben wurden, bringt Jan Ass­mann, der unter anderem auch Professor für Kulturwissenschaften ist, den Begriff der ,Erinne- rungs figur‘ hervor. Erinnerungsfiguren entstehen durch eine ״unauflösliche Verschmelzung von Begriff und Bild“[54] und lassen somit eine sinnliche Erinnerung zu. Sie stellen gewisse Fix­punkte der Vergangenheit dar, die zu symbolischen Figuren werden. An diese symbolische Fi­guren klammem sich wiederum die Erinnerungen. Nach seiner Annahme kann die Wahrheit sich nur dann in den Erinnemngen einer Gmppe bzw. eines Kollektivs einprägen, wenn sich diese in konkreter Forni zeigt, sei es als Person, Ort oder als konkretes Ereignis.[55] Wir verbin­den diese Erinnemng dann mit einem bestimmten Begriff, der von uns einen Sinn zugeteilt bekommt. Die Erinnemngsfiguren entstehen somit durch das Zusammenwirken von Erfahrungen und Begriffen.[56] Sie helfen uns dabei, Vergangenes zu aktivieren. Diese Erinne­rungsfiguren werden von Assmann durch drei wesentliche Merkmale charakterisiert:

- konkreter Bezug auf Zeit und Raum
- konkreter Bezug auf eine Gruppe
- Rekonstruktivität[57]

Auf jedes einzelne Merkmal wird in den nachfolgenden Ausführungen näher eingegangen und die Überlegungen von Assmann werden erläutert.

Erinnerungsfiguren beziehen sich immer auf einen belebten Raum und eine erlebte Zeit. Ass­mann bezeichnet dies auch als ״raum- und zeit-konkret“[58] ■ Zeitkonkret werden die Erinnerun­gen, weil sie sich an besonders herausragende Ereignisse klammem oder weil durch die zykli- sehe Wiederkehr des Ereignisses immer wieder ein Erinnemngsbezug hergestellt wird. Als Bei­spiel für zyklisch stattfindende Ereignisse können Feste oder Feiertage hergenommen werden. Unabhängig davon, ob sie nun kirchliche oder bürgerliche Festtage sind, ist es nur wichtig, dass sie eine kollektiv erlebte Zeit widerspiegeln. Zusätzlich wird so eine zeitlich-konkrete Erinne- mngsfigur auch in einen belebten Raum eingeordnet. Diese Räume sind für die Gmppe bzw. das Kollektiv relevante Orte. Je nach sozialem Milieu sind andere Räume von Bedeutung. Da­neben sind aber auch die umgebende Dingwelt, beispielsweise Möbel, Gegenstände, Geräte und Maschinen, und ihre Anordnung im Raum prägend für die Entstehung einer Erinnemngs- figur. ״Jede Gmppe [...] ist bestrebt, sich Orte zu schaffen und zu sichern, die nicht nur Schau­plätze ihrer Interaktionsfomien abgeben, sondern Symbole ihrer Identität und Anhaltspunkte ihrer Erinnerung.“[59] Das bedeutet, dass Menschen und Gruppen dazu tendieren, ihre Erinnerung zu verräumlichen, weil dadurch die Erinnemngen stärker im Gedächtnis haften bleiben.

Das zweite Merkmal einer Erinnerungsfigur ist, dass sie inmier gmppenbezogen oder, wie Ass­mann es nennt, ״identitätskonkret“[60] ist. Das bedeutet, dass sich die Erinnerungsfiguren auf eine konkrete lebendige Gmppe beziehen und von dieser auch generiert werden. Sie drücken, zu­sätzlich zur Konstmktion von Vergangenheit, die allgemeine Haltung und Einstellung der Gruppe aus und die Grundlagen ihrer Gruppenidentität bzw. ihres Selbstbildes werden stabili- siert.[61]

Als ein weiteres Merkmal, durch das sich Erinnerungsfiguren charakterisieren lassen können, ist die Rekonstruktivität zu nennen. Diese hängt auch mit der zuvor beschriebenen Gruppenbe- zogenheit des kollektiven Gedächtnisses zusammen. Mit dieser Rekonstruktivität ist gemeint, dass nur ein Teil der Vergangenheit im Gedächtnis bleiben kann, und zwar jener, der von der Gesellschaft mit ihrem Bezugsrahmen rekonstruiert werden kann.[62] Erinnerungsfiguren lassen sich demnach nicht prospektiv, sondem rückwärtsgewandt konstruieren. Wenn die Vergangen­heit zurück ins Gedächtnis gerufen wird, entsteht eine Erinnerungsfigur, die komprimiert ist. Das bedeutet, dass sich die erinnerte Vergangenheit im Gegensatz zur historischen Vergangen­heit verändern kann. Im Unterschied zur Geschichte vollzieht das Gedächtnis nämlich eine Re­organisation der Vergangenheit.[63]

Bereits Halbwachs stellte diese Trennung von Geschichte und Gedächtnis auf. Er war der Mei­nung, dass Ereignisse erst dann zu Geschichte werden, wenn die Gruppe einer Epoche und damit auch ihr gesamtes Gedächtnis verschwindet. Zu erwähnen ist hierbei jedoch auch, dass das Gedächtnis nicht nur die Vergangenheit rekonstruiert, sondem auch die Gegenwart und die Zukunft organisiert. Assmann erläutert dazu Folgendes:

Auch das Neue kann immer nur in der Form rekonstruierter Vergangenheit auftret en. Traditionen sind nur gegen Traditionen, Vergangenheit nur gegen Vergangenheit austauschbar. Die Gesellschaft übernimmt nicht neue Ideen und setzt diese an die Stelle ihrer Vergangenheit, sondem sie übernimmt die Vergangenheit anderer als der bisher bestimmenden Gruppen.[64]

Sowohl die Erinnemngsorte als auch die von Jan Assmann definierten Erinnemngsfiguren kön­nen dazu beitragen, dass ein Gedächtnis in der Literatur konstituiert wird. Alle gesammelten Erinnemngen werden im Gedächtnis eines Menschen aufbewahrt, folglich kommt es durch die Verschriftlichung von Erinnemngen dazu, dass sie im Medium der Literatur gespeichert wer­den. Welche Bedeutung Erinnemngen innerhalb eines literarischen Werks haben, kann jedoch nur durch eine genaue Analyse festgestellt werden. Dabei ist es wichtig, im Vorhinein über Erinnemngskonzepte und ihre Darstellungsweisen in literarischen Werken Bescheid zu wissen.

Aus diesem Grund werden im folgenden Kapitel zwei Theorien vorgestellt, die zur Beantwor­tung der in dieser Arbeit gestellten Forschungsfrage beitragen.

4 Identitätskonstruktion und Erinnerungskonzepte in der Literaturwis­senschaft

Für diese Arbeit wird es vor allem im Analyseteil von Bedeutung sein, die Konstruktion von Erinnerung im Roman Spaltkopf zu beschreiben. Daher soll bereits im theoretischen Teil erläu­tert werden, wie Erinnerung in der Literatur konstruiert wird und ob es somit in weiterer Folge auch zur Bildung einer Identität kommt.

Generell spielt die Verbindung zwischen einer Erinnerung und Identität eine große Rolle in der zeitgenössischen Literatur. Vor allem der Erinnerungsaspekt, der Vergangenes rekonstruiert, bildet eine Grundthematik literarischer Texte.[65] Es bestehen unzählige Erzähltexte, in denen die Darstellung von Erinnerungen einer Gruppe oder eines Individuums im Zentrum stehen und thematisiert werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt in der Literatur ist das Vergessen von Erin­nerungen, seien es die eines Individuums oder sogar die einer ganzen Gruppe. Es geht in diesem Kontext auch oftmals darum, ״wie sie auf der Grundlage von oftmals ephemeren Vergangen­heitsversionen Identitäten imaginieren“[66].

Einen besonderen Stellenwert für die Disziplin der Literaturwissenschaft hat die Untersuchung des Zusammenwirkens von Erinnerung, Identität und Literatur. Man versucht im Rahmen der Literaturwissenschaft durch das zuvor angesprochene Zusammenwirken kulturwissenschaftli­che Erkenntnisse zu gewinnen. Anhand von solchen literarischen Untersuchungen ist es mög- lieh, dass man gesellschaftliche Sinngebungsprozesse näher erforscht, aber auch aktuell vor­herrschende Gedächtnisinhalte oder Wertehierarchien können im Zentrum der Forschung ste­hen. Des Weiteren wird oftmals versucht herauszufinden, welche Rolle die Literatur im Prozess der Erfahrungsaneignung spielt.[67] Das Feld der literaturwissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema ,Erinnerung‘ und ,Identitätsfindung‘ in der Literatur ist demnach breit gelächert.

Die Analyse von literarischen Texten eignet sich grundsätzlich gut, um die Verbindung von Erinnerung und Identität aufzuzeigen, da die Texte sich auf unterschiedlichste Weise mit kul­tureher Konstruktion von Erinnerung, aber auch mit Erinnerungs- und Identitätskonzepten be­schäftigen. Es werden - vor allem in Erzähltexten - immer wieder formästhetische Verfahren entworfen, die dazu dienen, eigenständige Identitäts- und Erinnerungsmodelle zu entwickeln. Durch diese literarischen Inszenierungen kommt es dazu, dass die individuellen und kollektiven Erinnerungen beeinflusst werden. Außerdem wird dadurch die Vergangenheit geprägt und zu­gleich werden auch Selbstbilder verändert.[68]

Doch nicht nur in der Literatur finden sich Untersuchungen über die Wirkung und Bedeutung von Erinnerungen in Bezug auf die Identitätskonstruktion eines Subjekts, sondern auch in un­terschiedlichen wissenschaftlichen Bereichen wurden seit dem Ende der 1980er Jahren viele Forschungsansätze gebildet, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen. All diese Ansätze verbindet ein gemeinsamer Grundgedanke: Ohne ein Erinnerungsvermögen wäre die Ausbil­dung einer Identität nicht möglich. Demnach kann eine Identitätskonstruktion ohne das Erleben von Ereignissen und deren nachfolgende Abspeicherung als Erinnerungen nicht stattfinden. Außerdem hat man festgesteht, dass die Herausbildung einer Identität nicht ausschließlich syn­chron stattfindet, sondern auch diachron abläuft. Wichtig ist in diesem Prozess auch die Bildung einer Kontinuität. Diese wird jedoch nur hergesteht, wenn sich ein Subjekt an Vergangenes erinnert und es dadurch zu einer Verarbeitung der temporalen Differenz kommt.[69]

Weitere Ansätze - vor allem aus der Narrations- und Kognitionspsychologie - beschreiben die Eigenart von individuellen Erinnerungen. Zentral ist hierbei auch die besondere Bedeutung der individuellen Erinnerung für die Konstitution einer Identität. Auch hierbei wird wieder festge­halten, dass Erinnerungen nicht die reine Wiedergabe von bereits erlebten Ereignissen abbilden, sondern nur eine gegenwärtige Rekonstruktion des Erlebten unter gewissen Bedingungen dar­stehen. Demnach steht die Erinnerung zwar nicht die Wirklichkeit dar, aber sie bildet trotzdem eine spezifische Wahrheit. Diese wird als Grundvoraussetzung gesehen, denn ohne sie könnte es nicht zu ״eine[r] identitätsstiftende[n] Aneignung der individuellen Vergangenheit“[70] kom­men. Man sollte also festhahen, dass aus psychologischer Sicht ohne Erinnerungen keine Iden­tität gebildet werden kann.

[...]


[1] Vgl. Monika Riedel: Die deutschsprachige interkulturelle Gegenwartsliteratur russischer Einwanderer und ihrer Nachfahren. In: Handbuch des Russischen in Deutschland. Hrsg, von Kai Witzlack-Makarevich und Nadja Wulff. Berlin: Frank & Timme 2017. s. 576.

[2] Vgl. Christian Scharfetter: Allgemeine Psychopathologie. Eine Einführung. 5. Aufl. Stuttgart, New York: Georg Thieme 2002. s. 135.

[3] Assmann: Erinnerangsorte. s. 16.

[4] Christian Gudehus; Ariane Eichenberg; Harald Welzer: Gedächtnis und Erinnerung. Ein interdisziplinäres Handbuch. Stuttgart [u.a.]: Metzler 2010. s. 75.

[5] Vgl. Christian Scharfetter: Allgemeine Psychopathologie. Eine Einfühmng. 5. Aufl. Stuttgart, New York: Georg Thieme 2002. s. 135.

[6] Ebda.

[7] Ebda. [Hervorhebimg im Original]

[8] Hans Goller: Erleben, Erinnern, Handeln. Eine Einführung in die Psychologie und ihre philosophischen Grenzfragen. Stuttgart: w. Kohlhammer 2009. s. 101.

[9] Hans-Joachim Markowitsch: Dem Gedächtnis auf der Spur. Vom Erinnern und Vergessen. Frankfurt am Main: WBG 2002. s. 83. zit. nach Reiner Sinz: Neurobiologie und Gedächtnis. Neiuonennetzwerke imd Infor- mationsspeichemng im menschlichen Gehirn. Stuttgart: Gustav Fischer 1979. s. 19.

[10] Lexikon der Geisteswissenschaften. Sachbegriffe - Disziplinen - Personen. Hrsg, von Helmut Reinalter imd Peter J. Brenner. Wien, Köln, Weimar: Böhlau2011. s. 233.

[11] Vgl. Hans Goller: Erleben, Erinnern, Handeln. Eine Einführung in die Psychologie und ihre philosophischen Grenzfragen. Stuttgart: w. Kohlhammer 2009. s. 95.

[12] Lexikon der Geisteswissenschaften. Sachbegriffe - Disziplinen - Personen. Hrsg, von Helmut Reinalter imd Peter J. Brenner. Wien, Köln, Weimar: Böhlau2011. s. 234.

[13] Vgl. ebda.

[14] Vgl. ebda, s. 235.

[15] Vgl. Hans Goller: Erleben, Erinnern, Handeln. Eine Einführung in die Psychologie und ihre philosophischen Grenzfragen. Stuttgart: w. Kohlhammer 2009. s. 95.

[16] Daniel L. Schacter: Wir sind Erinnerung. Gedächtnis und Persönlichkeit. 2. Aufl. Reinbek bei Hamburg: Ro- wohlt-Taschenbuch-Verlag 2001. s. 496.

[17] Vgl. Astrid Erll: Kollektives Gedächtnis imd Erinnenmgskulturen. Eine Einführung. 3. Aufl. Stuttgart: J.B. Metzler 2017. s. 14. Im Folgenden zitiert als: Erll: Kollektives Gedächtnis.

[18] Vgl. Gerhard Echterhoff; Martin Saar: Das Paradigma des kollektiven Gedächtnisses. Maurice Halbwachs und die Folgen. In: Dies.: Kontexte und Kulturen des Erinnems. Maiuice Halbwachs und das Paradigma des kol­lektiven Gedächtnisses. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft 2002. s. 13-35.

[19] Vgl. Friedrich Karl Krämer: Zeit imd personale Identität. Berlin, Boston: De Gruyter 2014. s. 21.

[20] Peter Köck; Hanns Ott: Wörterbuch für Erziehung & Unterricht. 3100 Begriffe aus den Bereichen Pädagogik, Didaktik, Psychologie, Soziologie, Sozialwesen. 5. Aufl. Donauwörth: Auer 2002. s. 312.

[21] Michael Quante; Jürgen Straub: Identität. In: Gedächtnis und Erinnerung. Ein interdisziplinäres Lexikon. Hrsg, von Nicolas Pethes imd Jens Ruchatz. Reinbeck bei Hamburg: Rowohlt 2001. s. 269.

[22] Karl Haußer: Identitätspsychologie. Berlin [u.a.]: Springer 1995. s. 3.

[23] Ebda.

[24] Ebda.

[25] Vgl. ebda.

[26] Vgl. Michael Quante: Personale Identität. Stuttgart: UTB 1999. s. 39.

[27] Otto Ulbricht: Physisches Altem und Identität in Autobiographien des 16. Jahrhunderts. In: Alterskulturen des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Hrsg, von Elisabeth Vavra. Wien: Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften 2008. s. 316.

[28] Vgl. ebda.

[29] Astrid Erll; Ansgar Nünning: Literaturwissenschaftliche Konzepte von Gedächtnis. Ein einführender über­blick. In: Gedächtniskonzepte der Literaüuwissenschaft. Theoretische Grundlegung und Anwendungsperspekti­ven. Hrsg, von dens. Berlin [u.a.]: De Gruyter 2005. s. 2.

[30] Ebda.

[31] Ebda.

[32] Vgl. ebda.

[33] Vgl. ebda.

[34] Vgl. ebda, s. 4.

[35] Eva Kormann: Bruchstücke großer imd kleiner Konfessionen. Vom gelegentlichen Widersprach zwischen in­dividuellem, familiärem und kulturellem Gedächtnis: Grass, Timm und Wiłkomirski. In: Gedächtnis und

[36] Vgl. Franziska Schüffler: Die Macht meiner Erinnerungen - Was individuelle Erinnerungspraktiken zur Anth­ropology of Memory beitragen können. 01.03.2015. URL: http://www.univie.ac.at/alumni.ksa/images/text-docu- ments/ASSA/ASSA-Joumal-2015-03_AnthropologyOfMemory.pdf [06.02.2018].

[37] Assmann: Das kulturelle Gedächtnis, s. 37.

[38] Assmann: Erinnerungsräume, s. 13.

[39] Ebda. [Hervorhebung im Original]

[40] 4י Ebda, s. 14.

[41] 4B Vgl. ebda, s. 15.

[42] ך Ebda, s. 20.

[43] Robert Rduch: Was sind Erinnemngsorte für den Literaturwissenschaftler? In: Germanistik in Polen. Ge­schichte - Perspektiven - interdisziplinärer Dialog. Hrsg, von Andrzej Katny und Katarzyna Lukas. Frankfurt am Main: Peter Lang 2011. s. 100.

[44] Vgl. Assmann: Erinnemngsränme. s. 21.

[45] Vgl. ebda.

[46] Ebda.

[47] Vgl. ebda, s. 299.

[48] Vgl. ebda, s. 301.

[49] Vgl. ebda.

[50] 5י Ebda, s. 302.

[51] 5B Ebda, s. 329.

[52] Annett Schulze: Erinnerungen im Konflikt. Nation-Building-Prozesse im Post-Apartheid-Südafrika. Wiesba­den: Springer VS. [Vorher: Berlin, Univ., Diss. 2012.] s. 45.

[53] Vgl. Michael Basseier; Dorothee Birke: Mimesis des Erinnems. In: Gedächtniskonzepte der Literaturwissen­schaft. Theoretische Grundlegung und Anwendungsperspektiven. Hrsg, von Astrid Erll und Ansgar Nünning. Berlin, New York: De Gruyter 2005. s. 123 f. Im Folgenden zitiert als: Basseier; Birke: Mimesis des Erinnems.

[54] Assmann: Das kulturelle Gedächtnis, s. 38.

[55] Vgl. ebda.

[56] Vgl. ebda.

[57] Ebda.

[58] 63 Ebda.

[59] Ebda, s. 39.

[60] Ebda.

[61] 6* Vgl. ebda, s. 40.

[62] Vgl. ebda, s. 42.

[63] Vgl. Ebda.

[64] Ebda.

[65] Vgl. Basseier; Birke: Mimesis des Erinnems. s. 123.

[66] Birgit Neumann: Literatur, Erinnerung, Identität. In: Gedächtniskonzepte der Literaturwissenschaft. Theoreti- sehe Grundlegung und Anwendimgsperspektiven. Hrsg, von Astrid Erll und Ansgar Nünning. Berlin [u.a.]: De Gruyter 2005. (^Medien imd kulturelle Erinnerung. Bd. 2.) s. 149. Im Folgenden zitiert als: Neumann: Literatur, Erinnerung, Identität.

[67] Vgl. ebda.

[68] Vgl. ebda, s. 149-150.

[69] Vgl. ebda, s. 150.

[70] Ebda.

Details

Seiten
91
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668706101
ISBN (Buch)
9783668706118
Dateigröße
784 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v426236
Institution / Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz
Note
2,5
Schlagworte
poetik erinnerns roman spaltkopf julya rabinowich

Autor

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Titel: Die Poetik des Erinnerns im Roman "Spaltkopf" von Julya Rabinowich