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Lehrprobe Schädel-Hirn-Trauma. Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Unterrichtsentwurf 2018 50 Seiten

Medizin - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

MSH Medical School Hamburg

University of Applied Sciences and Medical University

1 Bedingungsanalyse
1.1 Lernvorrausetzungen
1.2 Analyse der Lerngruppe
1.3 Information zum Ausbildungsgang
1.4 Räumliche Gegebenheiten
1.5 Materialien
1.6 Sitzordnung
1.7 Das Lehrpersonal und die Bildungseinrichtung
1.8 Die Lehrkraft

2 Sachanalyse
2.1.1 Definition des Schädel-Hirn-Traumas
2.1.2 Einteilungskriterien
2.1.3 Ursachen
2.1.4 Symptome und Diagnostik
2.1.5 Behandlungsmöglichkeiten

3 Didaktische Analyse nach Wolfgang Klafki
3.1 Gegenwartsbedeutung
3.2 Zukunftsbedeutung
3.3 Exemplarische Bedeutung
3.4 Strukturanalyse
3.5 Bezug zum Bildungsplan
3.6 Zugänglichkeit

4 Didaktische Reduktion

5 Kompetenzen
5.1 Kompetenzen tabellarisch
5.2 Lehrziele

6 Makrosequenz

7 Mikrosequenz mit Begründung der Methoden
7.1 Einstieg
7.2 Erarbeitung
7.3 Ergebnissicherung
7.4 Transfer
7.5 Stundenschluss

8 Didaktische Reserve

9 Verlaufsplanung mit Phasierung

10 Literatur

11 Tabellen und Abbildungsverzeichnis

12 Anhang

1 Bedingungsanalyse

1.1 Lernvorrausetzungen

Der Kurs PT[1] 15[2] ist eine verhältnismäßig heterogene Lerngruppe. Das Leistungsniveau ist unterschiedlich ausgeprägt. Auffallend bei der Hospitation war ein freundliches und angenehmes Lernklima. Die Lernenden unterstützten sich gegenseitig und es wurde deutlich, dass der Kenntnisstand dem eines dritten Ausbildungsjahres entsprach. Die Lernenden wirkten im Allgemeinen Interessiert am Lerngegenstand. Weitestgehend wirkten die SuS[3] ruhig und zurückhaltend. Mitschriften aus dem Unterricht basieren auf eigenen Entscheidungen, jedoch wurde das Unterrichtsmaterial (Skripte, PPP[4] etc.) auf eine zugreifbare Intranet Plattform des IPW[5] (Trainex) gestellt. Laut Aussage der Lehrkraft, Frau Seehafer, sind die Lernenden aufgeschlossen gegenüber unbekannten Aktions- und Sozialformen im Unterricht (bspw. Gruppenarbeit, Demonstrationen etc.). Dieser Eindruck bestätigte sich auch in der Hospitation am 27.04.2018. Es ist ein konstruktives Miteinander. Niemand wirkte ausgeschlossen. Durch die Struktur des Praxisraumes wirkte die Gruppe ein wenig innerhalb der Räumlichkeit verstreut. Unruhen gab es vereinzelt in Form von Austausch der Lernenden untereinander, sie wurden von der Lehrkraft erkannt und konnten durch freundliches Ermahnen beigelegt werden. Die Aufmerksamkeitsspannung ist bei Einzelnen zeitweise allerdings für einen kurzen Moment abhandengekommen, jedoch haben sie der Lehrkraft bald wieder Aufmerksamkeit geschenkt.

1.2 Analyse der Lerngruppe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

6 Wie in der Tabelle 1 dargestellt, befindet sich die zu unterrichtende Lerngruppe im dritten Ausbildungsjahr der Ausbildung zum staatlich geprüften Physiotherapeuten[7]. Die Kursgröße liegt bei 17 Personen. Von der Geschlechterverteilung sind 11 weibliche und 6 männliche Personen. Das Alter liegt sich zwischen 21 und 26 Jahren. Der Altersunterschied ist demnach dicht beieinander. Das Fachpraktikum wurde bereits absolviert und im Juli 2018 beginnt das Staatsexamen (Allgemeine Informationen Frau Paetow).

1.3 Information zum Ausbildungsgang

Die Ausbildungsdauer, wie bereits erwähnt, beträgt drei Ausbildungsjahre und richtet sich nach den APrVO[8] für Physio- und Ergotherapeuten und dem Thüringer Rahmenlehrplan 2008. Die Ausbildung schließt mit einem Staatsexamen ab. Physiotherapiekurse gibt es fünf am IPW. Ausbildungsbeginn ist jedes Jahr zum 01.09.2018. Von der Ausbildungsstruktur her gliedert sich die Ausbildung in ein und dreiviertel Jahre theoretischen und praktischen Unterricht am IPW. Nach dem ersten Ausbildungsjahr absolvieren die Lernenden ein vierwöchiges Hospitationspraktikum. Nach eineinhalb Jahren findet in dem Ausbildungsgang eine Zwischenprüfung statt. Das erfolgreiche Bestehen dieser Ausbildung ist Voraussetzung für den Antritt des vorgesehenen Fachpraktikums. Zum Ende des zweiten Ausbildungsjahres beginnt dieses und dauert 40 Wochen an. Eine Praktikumsbetreuung von Seiten der Schule ist vorgesehen. Dieses Praktikum erfolgt in Kooperationskliniken /-praxen. Innerhalb der drei Jahre sind maximal 60 Fehltage erlaubt. Die Ausbildung zum staatlich examinierten Physiotherapeuten kostet am IPW 420 Euro Schulgeld pro Monat. Zusätzlich zur Ausbildung lässt sich berufsbegleitend ein Studium an der MSH Medical School Hamburg absolvieren. Die Studiengangstruktur ist eine Blockstruktur und findet alle vier Wochen am Freitagnachmittag und Samstag ganztägig statt. Beginn des Studiums ist der 01.10. des Jahres.

1.4 Räumliche Gegebenheiten

Das Institut für praxisorientierte Weiterbildung befindet sich im dritten Stock auf einer Ebene. Insgesamt verfügt das IPW über elf Räumlichkeiten. Sie umfassen drei Gymnastikräume, drei kleine und zwei große Seminarräume. Die großen Seminarräume haben feste Tische, die kleinen Stühle mit Klapptischen. Es befinden sich dort eine Küche und Sitzgelegenheiten auf dem Flur. Zusätzlich gibt es noch zwei Besprechungsräume. Der für den Unterricht vorgesehene Seminarraum S2 ist mit einem Whiteboard, einem Flip-Chart-Ständer und einem Beamer ausgestattet. Das Raumklima ist hell und freundlich. Große Fenster sorgen für Licht. Der Raum ist sehr großund bietet genügend Platz, um Gruppenarbeitstische vorzubereiten.

1.5 Materialien

Zusätzlich zu den Raumausstattungen können im Sekretariat auch zwei Methodenkoffer ausgeliehen sowie ein Kopierer genutzt werden.

1.6 Sitzordnung

Die Sitzordnung des Kurses im Seminarraum 2 findet in Sitzreihen statt. Diese Sitzordnung wird beibehalten und bietet sich an, dem mediengestützten Unterrichtsgespräch und dem Tafelbild zu folgen. Für die geplante Gruppenarbeit ist es nicht störend, da die Kleingruppen sich auch in dieser Sitzordnung zusammenfinden können und keine Tische oder Stühle während des Unterrichtes beiseite gerückt werden müssen.

1.7 Das Lehrpersonal und die Bildungseinrichtung

Alle festangestellten Lehrkräfte des Bildungsinstitutes, in dem auch die auslaufende Ausbildung zum staatlich geprüften Ergotherapeuten stattfindet, haben einen akademischen Abschluss oder befinden sich in Ausbildung. Sechs der Lehrkräfte sind staatlich examinierte Physiotherapeuten und eine Lehrkraft ist staatlich examinierter Ergotherapeut vom Erstberuf her. Als angestellte Honorarkräfte stehen eine Diplom-Ökotrophologin und PT, zweiÄrzte, eine Rechtsanwältin und ein Rettungsassistent zur Verfügung. Sprechzeiten sind während des Schulalltags in den Pausenzeiten, da sich sonst meist alle Lehrkräfte im Unterricht befinden.

1.8 Die Lehrkraft

Die unterrichtende Lehrkraft ist staatlich examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger und befindet sich seit Juni 2017 als Lehrkraft an der Gesundheits- und Krankenpflegeschule des Helios Klinikums Uelzen. Berufsbegleitend absolviert die Lehrkraft ein Studium zum Medizinpädagogen, welches mit einem Bachelorabschluss endet. Im Zeitraum 2008 bis 2016 befand sich die Lehrkraft im Operationsdienst des Chirurgisch-Traumatologischen Zentrums der Asklepios Klinik St. Georg in Hamburg. Die Tätigkeitsfelder umfassten, neben der Versorgung polytraumatisierter-, traumatologischer-, wirbelsäulenchirurgischer-, allgemein- und gefäßchirurgischer, hand-und plastikchirurgischer- sowie urologischer Patienten, auch neurochirurgische operativ-pflegerische Versorgung. In den dortigen acht Jahren hat die Lehrkraft regelmäßig an Ruf- und Bereitschaftsdiensten teilgenommen. Daher ist die Lehrkraft auf Grund der Erfahrung und des Bildungs- und Kenntnisstandes qualifiziert, das Thema Schädelhirntrauma im Fach Spezielle Krankheitslehre Chirurgie zu unterrichten. Während der Ausbildung und des Studiums sind Module wie Anatomie und Krankheitslehre, aber auch Pädagogische Psychologie und Didaktik absolviert worden.

2 Sachanalyse

2.1.1 Definition des Schädel-Hirn-Traumas

Das Schädel-Hirn-Trauma, auch Schädel-Hirn-Verletzung genannt, kann als Folge einer Gewalteinwirkung verstanden werden, die zu Funktionsstörungen oder Verletzung des Gehirns geführt hat (Firsching, R, et.al. 2015). Im ICD10[9] ist dieses Krankheitsbild unter der Schlüsselnummer S06.0-S06.09 kodiert. Weiterhin kann man das SHT[10] auch benennen, je nach Art der Gewalteinwirkung: ein stumpfes SHT auf Grund eines Sturzes oder Verkehrsunfalls oder ein perforierendes, durch Schuss- oder Splitterverletzung herbeigeführt. (Neitzel, C. & Ladehof, K., 2015). In Deutschland erleiden pro Jahr ca. 266.000 Menschen ein SHT, das bedeutet 332 Personen pro 100.000. Die Medizinischen Behandlungskosten belaufen sich auf schätzungsweise 2,8 Mrd. Euro (Hackenberg, K. & Unterberg A., 2016). 60-70% aller Polytraumen gehen mit dem SHT einher (Rieckels, E., 2016).

Ein SHT kann mit Prellungen der Kopfschwarte, des knöchernen Schädels, Schädigung der Gefäße oder der Dura Mater[11] einhergehen (Firsching, R. et. al., 2015). Diese Verletzungen des Schädels können isoliert oder kombiniert mit Verletzungen des Gehirns auftreten (Berlit, P. 2014). Handelt es sich um reine Verletzung des Kopfes ohne Hirnfunktionsstörung, wird diese als Schädelprellung bezeichnet. (Firsching, R. et.al., 2015)

Ist die Gewalteinwirkung so stark, dass die Dura Mater eingerissen ist und eine Verbindung zur Außenwelt besteht, so spricht man von einem offenen SHT, was ein Infektionsrisiko birgt. Ist die Dura Mater nicht verletzt, handelt es sich um ein geschlossenes Schädel-Hirn-Trauma. (Firsching, R., et. al., 2015, & Mayer, C., & Siems, W., 2011).

Weiterhin wird das SHT unterteilt nach Art der Schädigung des Hirns und des Gewebes. Ein SHT kann mit einer primären Hirnläsion auftreten, das heißt: im Augenblick der Gewalteinwirkung wurden Neuronen und Zellen irreversibel geschädigt (Kontusion, Einblutung, Substanzverlust). Ebenso können sich zeitlich verzögert Sekundärläsionen addieren. Im Verlauf entsteht eine zunehmende Schädigung des Hirngewebes durch eine Verminderung des CPP[12], sprich: es wird eine Hypoxie dieses Gewebes herbeigeführt durch pathophysiologische Vorgänge der Osmolarität von Natrium- und Kalium-Ionen durch ATP[13] -Mangel. Durch den Mangel an ATP können die Ionenpumpen der Hirngewebszellen nicht für einen Austausch von Natrium und Kalium vom Intrazellularraum in das Interstitium und umgekehrt sorgen. Natrium verbleibt vermehrt in den Zellen und Kalium außerhalb. Durch das dadurch entstehende osmotische Gradientengefälle kommt es zur Flüssigkeitsansammlung in den Gewebszellen. Ein Hirnödem entsteht. Ebenso können Raumforderungen durch Blutungen (Subarachnoidalblutung, intrazerebrale Blutung)[14] aufgrund hirnversorgender Gefäße[15] oder durch Hämatombildung in unterschiedlichen Regionen (Subdurales Hämatom, Epidurales Hämatom)[16] des Hirnareals entstehen. Hierbei steigt der ICP[17] und vermindert dadurch die Perfusion des Hirngewebes (CPP sinkt ab) und dieses wird ischämisch und geht unter. Der Fokus der klinischen Behandlung von Schädel-Hirn-Traumen richtet sich ebenso auf die Vermeidung bzw. Therapie der Sekundärläsionen, da primär irreversibel geschädigte Strukturen nicht therapiert werden können (Firsching, R. et.al., 2015 & Neitzel, C. & Ladehof, K, 2015 ).

2.1.2 Einteilungskriterien

Die Einteilung des SHT nach seiner Schwere erfolgt mittels Glascow Coma Scale, einer Skala, womit sich der Zustand des Patienten beurteilen lässt[18]. Der klinische Zustand des Patienten kann sich bei einem SHT jederzeit schnell verbessern als auch verschlechtern, deswegen ist es wichtig, den Status des Patienten in regelmäßigen Abständen neu mit diesem Messinstrument zu erheben. Die international am häufigsten verwandte Einteilung des SHT in drei Schweregrade - leichtes- mittleres- und schweres Schädelhirntrauma - erfolgt aus den neurologischen Teilbefunden bzw. den Summenscoren. Das leichte SHT umfasst einen GCS-Score von 13-15 Punkten, das mittlere einen Score von 9-12 und das schwere SHT einen Score von 8 oder weniger Punkten. Der beste Zeitpunkt der Erfassung ist hierbei direkt am Unfallort, 6-12 Std. nach Unfall, im Krankenhaus und 48 Std. nach Unfall. Die Validität und Reliabilität ist mit Vorsicht zu sehen, da durch Analogosedierung oder bspw. Intubation, sprich Beatmung des Patienten, die Werte verbessert sind durch die Maßnahmen, was eine „falsche Sicherheit“ sein kann. (Firsching, R., et. al., 2015, Mayer, C, & Siems, W., 2011)

In Deutschland gibt es noch eine weitere Einteilung der Schweregrade nach Tönnis und Loew: ebenfalls in drei Schweregrade, die nach der Dauer der Bewusstlosigkeit klassifiziert werden. Hier spricht man von einem leichten SHT, wenn die Dauer der Bewusstlosigkeit unter fünf Minuten beträgt, von einem mittelschweren SHT bei einer Dauer von bis zu einer halben Stunde und von einem schweren SHT, wenn die Bewusstlosigkeit über eine Stunde anhält.[19] Diese Art der Einteilung hat laut dem Deutschen Kongress der Neurochirurgen allerdings eine nachrangige Bedeutung, da diese Einteilung immer erst retrospektiv erhoben werden kann und somit für die unmittelbare Beurteilung des Krankheitsbildes keinen primären Nutzen aufweist. Wichtig ist also die engmaschige Beurteilung des Zustandes des Patienten, da die Behandlung sich nach dem aktuellen klinischen Bild richtet. (Welk, I., 2014 & Firsching, R., 2015)

2.1.3 Ursachen

Die Ursachen für die Entstehung eines Schädel-Hirn-Traumas sind seit den 70er Jahren einem Wandel unterlegen. Waren es zu der damaligen Zeit Verkehrsunfälle, welche als Hauptursache galten, stehen nunmehr Stürze an erster Stelle. Die Verkehrsunfälle bilden die zweithäufigste Ursache, was wohl eine bessere Prävention und Verkehrssicherungsmaßnahmen (Helmpflicht etc.) mit sich brachten. An dritter Stelle stehen Gewalttaten und an vierter Stelle Sportunfälle. (Hackenberg, K. & Unterberg A., 2016, Sollman, W.-P., 1997 & Rieckels, E., 2016).

Weiterhin lassen sich die Ursachen auch altersspezifisch zuordnen. Es werden drei Gipfel in der Alterskurve deutlich; zum einem in der frühen Kindheit, den höchsten Gipfel nimmt man in der späten Jugend und dem frühen Erwachsenenalter wahr und einen weiteren bei älteren Menschen um die 75 Jahre. In der frühen Kindheit sind Stürze, bspw. vom Wickeltisch als Hauptursache, und in den jungen Erwachsenalter Unfällen durch die mangelnde Fahrerfahrung Ursache. Das Verhältnis Männern gegenüber Frauen ist ca. 3:1. (Hackenberg, K. & Unterberg A., 2016, Sollman, W.-P., 1997 & Rieckels, 2016).

Auch können andere Erkrankungen, wie z.B. der Herzinfarkt, Schlaganfall etc., zum SHT führen (Firsching, R., et. al., 2015),

2.1.4 Symptome und Diagnostik

Diagnostisch ist das erste Mittel der Wahl die Eigen- und Fremdanamnese von Patient und Angehörigen, Zeugen etc. Diese liefert Hinweise auf eine potentielle intrakranielle Verletzung. Zum Beispiel durch die Art der Fahrzeugschädigung, Absturzhöhe (Informationen über die Gewalteinwirkung) oder die Dauer des Bewusstseinsverlustes. Ebenso ob diese initial oder im Verlauf aufgetreten ist. Auch die zeitnahe Medikamentenanamnese ist heranzuziehen, um beispielsweise herauszufinden ob Antikoagulantien eingenommen wurden (Firsching, R., et. al., 2015).

Zudem werden neurologische Untersuchungen durchgeführt. Durchgesetzt hat sich da die GCS[20]. Bewusstseinsklarheit, Bewusstseinseintrübung oder Bewusstlosigkeit, Pupillenreaktion oder Seitenungleichheit sowie lichtstarre Pupillen geben ebenso Auskunft über eine Schädigung des Hirns bspw. durch eine Blutung. Auch die Motorik wird überprüft. Eine motorische Störung oder motorische Unruhe können beispielsweise Auskunft über eine Verletzung der pyramidalen Nervenbahnen und Axonschädigungen durch Scherverletzung oder Kleinhirnschädigung durch bspw. Blutungen geben (Firsching, R., et. al., 2015). Weitere neurologische Tests wie Gleichgewichtstests, Finger-Nase-Versuch, Wechselspiel von Agonist und Antagonistaktivierung der Muskeln geben Auskünfte über eine Schädigung des Kleinhirns. Eine Hypoglykämie muss ausgeschlossen werden. Die Wirbelsäule muss immer mit betrachtet werden, da 15% der Patienten eine zusätzliche Verletzung dieser aufweisen. (Firsching, R., et. al., 2015, & Neitzel, C. & Ladehof, K, 2015).

Eine weitere sehr wichtige diagnostische Methode ist das bildgebende Verfahren des CCTs. Eine Indikation für ein CCT ist immer gegeben bei komatösen Patienten, Bewusstseinseintrübungen, Amnesien, anderen neurologischen Störungen, mehrfaches Erbrechen in engen Zusammenhang mit der Gewalteinwirkung, Krampfanfällen, Zeichen einer Schädelfraktur (Liquoraustritt aus Nase oder Ohr, Brillen-, Monokelhämatom, sichtbare Knochenfragmente etc.), bei Verdacht auf Impressionsfraktur oder Liquorfistel und bei Antikoagualantieneinnahme (Firsching, R., et. al., 2015).

Bei bewusstlosen Patienten muss immer eine genaue körperliche Untersuchung erfolgen, da der Patient sich nicht mitteilen kann, und bei Gewalteinwirkung häufig Begleiterkrankungen einhergehen.

Symptome eines SHT können in unterschiedlichen Zeitintervallen und zu jeder Zeit auch nach der Gewalteinwirkung auftreten. So kommt es bei einer epiduralen Blutung erst im späteren Verlauf zu einem Bewusstseinsverlust (Firsching, R., et. al., 2015).

Klassische Symptome eines SHT sind Bewusstseinsstörungen, Kopfschmerzen und Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, einseitigeÄnderung der Pupille (lichtstarr, vergrößert), Sehstörungen, Übelkeit und Erbrechen sowie Amnesie. (Firsching, R., et. al., 2015, Neitzel, C. & Ladehof, K, 2015, Hackenberg, K. & Unterberg A., 2016)

Weiterhin kann sich im klinischen Bild eine Skalpierungsverletzung, knöcherne Frakturen des Schädels, Deformitäten des Schädels, Liquoraustritt, Verletzung der Dura Mater, intrakranielle Läsionen und Schocksymptomatik zeigen (Firsching, R., et. al., 2015, Neitzel, C. & Ladehof, K, 2015, Hackenberg, K. & Unterberg A., 2016 ).

Bei Schädigungen des Nervensystems können zusätzlich zu Amnesien (anterograde und retrograde Amnesie, Amnesie bis einem Tag bei leichtem, Amnesie bis zu sieben Tage bei mittelschwerem und Amnesien über eine Woche bei schwerem Schädelhirntrauma), Wachheitsstörungen, Orientierungsstörungen, auch Krampfanfälle, Lähmungen, Streckkrämpfe und Koordinationsstörungen auftreten bis hin zum Mittelhirnsyndrom, Hirnstammzeichen oder zur Herniation . (Firsching, R., et. al., 2015)

Blutungen gehen mit einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes bis zum Bewusstseinsverlust, Veränderung der Pupillen (Seitenungleichheit, Lichtstarre, einseitig) und dem Kreislaufversagen einher. Bei Ödemen und Blutungen ist eine deutliche Verlagerung der Mittelinie[21] im CCT sichtbar (Firsching, R., et. al., 2015).

2.1.5 Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung eines SHT richtet sich nach dem eingeschätzten Schweregrad nach GCS, vor oder in klinischer Behandlung und konservativ oder chirurgisch/operativ.

Der Fokus der Therapie liegt auf der Prävention und Behandlung von Sekundärläsionen. Ziel ist es die Hirndurchblutung zu erhalten und einen Anstieg des ICP zu vermeiden und den CPP zu gewährleisten. Empfohlen wird, den ICP bei 25mmHG und den CPP bei 70mmHG zu halten (Neitzel, C. & Ladehof, K, 2015).

Am Unfallort wird der bewusstlose Patient mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma intubiert (GCS< 8), um für ausreichende Atmung zu sorgen und die Atemwege zu sichern. Eine Sauerstoffsättigung von unter 90% sollte vermieden werden. RR[22] sollte systolisch nicht unter 90mmHG[23]. Nach einem SHT sind Hypoxie und Hypotonie signifikant mit Verschlechterung des klinischen Out-comes verbunden. (Firsching, R., et. al., 2015)

Die Klinik sollte nach bestmöglicher Erreichbarkeit und Ausstattung ausgewählt werden. Bei einem mittelschweren bis schweren SHT bei Patienten sollte immer eine Klinik mit einer neurochirurgischen Abteilung angesteuert werden mit einer Interdisziplinären Versorgungsmöglichkeit (Schockraum). (Firsching, R., et. al., 2015 & Sollman, W.-P., 1997)

Glukokortikoide sollten vermieden werden, da ein signifikantes Risiko besteht, innerhalb von 14 Tagen zu versterben (14-Tages Letalität) ( Firsching, R., et. al., 2015).

Bei einem Verdacht auf ein vorliegendes Mittelhirnsyndrom (Pupillenerweiterung, Strecksynergismen, progrediente Bewusstseinslage) kann eine hyperosmolare Lösung (Mannitol oder Natriumchlorid 0,9%) infundiert werden. Dieses kann den ICP kurzzeitig senken. (Firsching, R., et. al., 2015).

Patienten sollten hyperventiliert werden. Behandlungsmethoden bzw. Strategien in der Versorgung einer Klinik werden unterschieden in operative und konservative Therapie. Die jeweilige Behandlungsmethode richtet sich nach Ausmaß, Beteiligung der Gefäße, Schädelknochen, Hirnhäute und Gewebsdefekte und Schweregrad des SHTs. (Firsching, R., et. al., 2015)

Eine sofortige notfallmäßige operative Versorgung erfolgt bei einer im CCT sichtbaren Raumforderung oder intrakraniellen Verletzungen. Hier erfolgt die sofortige Entlastung. Grund kann eine traumatische intrakranielle Verletzung sein, wie das Epiduralhämatom[24], die Subarachnoidalblutung und ein Intrazerebralhämatom und Impressionsfrakturen, ebenso bei sichtbarer Verlagerung zerebraler Strukturen, besonders bei Verlagerungen der in der Mittellinie gelegenen dritten Ventrikel. Indikation für die notfallmäßige Operation ist neben dem klinischen Befund das CT (Dicke, Volumen, Lokalisation, Ausmaßdes Hämatoms sowie Verlagerung).

Operationen mit aufgeschobener Dringlichkeit können offene und geschlossene Impressionsfrakturen ohne Mittellinienverlagerung sein, auch nicht bedrohlich/vital erforderliche Operationen, wie Begleitverletzungen im Rahmen der Primärversorgung (Firsching, R., et. al., 2015).

Operative Methoden sind zum einen die Entlastungskraniektomie. Durch die Entfernung der Schädelkalotte über dem geschädigten Areal mit bspw. einer Raumforderung durch Hämatom, aber auch durch Sekundärläsion (ICP Steigerung durch z.B., Hirnödem) erfolgt eine operative Druckentlastung. Ebenso kann eine Duraerweiterungsplastik durch Einschneiden der Dura Mater und Einnähens eines Patches (Neuropatch) erfolgen.

Es sei erwähnt, dass es auch nicht-raumfordernde intrakranielle Blutungen mit stabilem neurologischen Befund gibt. Diese werden engmaschig durch ICP- Messung und CT-Überwachung sowie neurologischen Untersuchungen überwacht. Verschlechtert sich der Zustand des Patienten oder nimmt die Raumforderung zu, muss allerdings operativ eine Entlastung erfolgen.

Wichtig ist ebenfalls die Messung des ICP. Dies soll erfolgen, da die Überwachung des SHT-Patienten nur eingeschränkt möglich ist. Ebenso ist der ICP wichtig, um den CPP bestimmen und sich vergewissern zu können, dass das Hirngewebe durchblutet und somit versorgt ist. Um den ICP kontinuierlich zu messen, kann eine sogenannte invasive ICP-Messung erfolgen. Diese wird mittels Bohrlochtrepanation und Einlage einer externen Ventrikeldrainage, gelegt in den 3. Ventrikel, erfolgen. Ebenso kann über diese Liquor abgelassen werden, um den ICP zu senken und CPP im Sollbereich (zwischen 50-70mmHG) zu halten (Firsching, R., et. al., 2015).

Die nicht-operative Therapie ist in erster Linie die Prävention, um die Entstehung eines SHTs zu vermeiden. Ansonsten soll bei leichteren Formen ohne Sekundärläsionen, welche eine Entlastung notwendig machen, eine engmaschige Kontrolle der Neurologie und des Kreislaufs (RR und Puls) über 48 Stunden erfolgen (Pflege Pocket, zentrale Notaufnahme). hyperosmolare Infusionen (Mannitol) kann zur kurzfristigen Senkung des ICPs eingesetzt werden. Der Oberkörper soll 30 Grad erhöht gelagert werden. Schmerzen können mit Analgetikagabe behandelt werden. Auch das senkt den ICP. Wundversorgung, Antibiotika bei offenen Traumen und Benzodiazepine bei Krampfanfällen dienen ebenso der Versorgung. Glukokortikoide sollen vermieden werden. Bei frontobasaler Lage des SHTs sind Breitbandantibiotika sinnvoll. Ebenso kann die Hypothermie-Therapie bei Patienten angewandt werden, um Hirngewebe zu schützen (Firsching, R., et. al., 2015). Intensivmedizinische Überwachungstherapie erfolgt bei schweren SHT (Monitoring, O2 Gabe 5l/min, arterieller Zugang zur invasiven Blutdruckmessung, Beatmung bei GCS kleiner als 8, Analgosedierung zur Vermeidung der Hirndrucksteigerung durch Husten, Pressen, Anlage einer Venenverweilkanüle/eines zentralen Venenkatheters, Infusionstherapie) (Welk, I, 2014 & Firsching, R., et. al., 2015).

3 Didaktische Analyse nach Wolfgang Klafki

Die Didaktische Analyse nach dem Erziehungswissenschaftler Wolfgang Klafki ist ein Modell, mit dem die Lehrkraft sich bei der Planung und Vorbereitung des Unterrichtes auseinandersetzt. Klafki erwartet von Lehrern, dass sie sich mit den zu unterrichtenden Inhalten beschäftigen. Der Lehrer stellt sich die Frage: Sind die ausgewählten Inhalte auch tatsächlich für die Schülerinnen und Schüler[25] geeignet, gehaltvoll und von exemplarischer Bedeutung für Gegenwart und Zukunft? Der Lehrende überprüft also durch das Vorhandensein genannter Kriterien, ob der Unterrichtsgegenstand geeignet scheint. (Jank, W. & Meyer, H., 2004)

3.1 Gegenwartsbedeutung

Die Berufswelt des Physiotherapeuten ist durch die praktische Tätigkeit am Menschen mit unterschiedlichsten Krankheitsbildern geprägt. Es ist von großer Bedeutung für den Therapeuten, Krankheitsbilder zu benennen, zu erkennen und den Verlauf der Krankheit anhand der auftretenden Symptome einschätzen zu können. Das zusätzliche Wissen um die Ursache und die Diagnostik und Therapie der Krankheitsbilder ist unerlässlich, um geeignete physiotherapeutische Maßnahmen krankheitsbildbezogen anzuwenden ebenso wie Komplikationen und Veränderungen der Krankheit SHT frühzeitig zu bemerken und die Therapie anzupassen oder den Zustand an den Arzt weiterzuleiten.

[...]


[1] PT=Physiotherapie

[2] 15= Die Nummer bezeichnet die Reihenfolge, in der die Kurse seit Eröffnung der Schule gestartet haben. PT15 ist demnach der 15. Kurs

[3] SuS=Schülerinnen und Schüler

[4] PPP=PowerPoint Präsentation

[5] IPW= Institut für praxisorientierte Weiterbildung

[6] Studenten wird hier einheitlich verwendet für Studenten und Studentinnen

[7] Physiotherapeut wird nachfolgend bezeichnend für Physiotherapeut und Physiotherapeutin genannt

[8] APrVO= Ausbildungs- und Prüfungsverordnung

[9] International Classifikation of Deseases GM, 2014

[10] Schädel-Hirn-Trauma

[11]Äußere Hirnhaut

[12] CPP= Cranial Perfusions Pressure = Minimaler Druck im Gewebe welcher die Hirndurchblutung aufrechthält. Der CPP wird ermittelt durch den Intra Craniellen Druck und den mittleren arteriellen Blutdruck (Diastolischer Blutdruck + ein Drittel x Blutdruck systolischer Wert – Blutdruck diastolischer Wert.

[13] Adenintriephosphat

[14] Siehe Abbildung 5

[15] Siehe Abbildung 6

[16] Siehe Abbildung 1

[17] Intra-cranieller Druck

[18] Siehe Abbildung 2

[19] Siehe Abbildung 3

[20] Siehe Abbildung 2

[21] Siehe Abbildung 4

[22] RR= Blutdruck nach Riva Rocci

[23] Millimeter Wassersäule

[24] Sieh Abbildung 4 und 5

[25] Nachfolgend abgekürzt mit SuS

Details

Seiten
50
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668702141
ISBN (Buch)
9783668702158
Dateigröße
749 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v425096
Note
1.3

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Titel: Lehrprobe Schädel-Hirn-Trauma. Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten