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Die Auswirkung des Multikulturalismus auf die Kreativität

Bachelorarbeit 2018 26 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1. Einleitung

2. Begriffsdefinition von Kreativität
2.1. Aspekte der Forschung von Kreativität und die kreative Person
2.2. Methoden zur Messung von Kreativität und Kreativitätstests

3. Begriffsdefinition von Multikulturalismus
3.1. Verschiedene Aspekte des Multikulturalismus
3.2. Methoden zur Messung von multikulturellen Erfahrungen

4. Zusammenhang zwischen Multikulturalismus und Kreativität
4.1. Einfluss einer multikulturellen Umgebung auf die Kreativität
4.1.1. Die allgemeine Rolle der multikulturellen Erfahrungen in der kreativen Leistung
4.1.2. Das Leben im Ausland
4.1.3. Die kulturellen Differenzen
4.2. Die Bedingungen vom Nutzen der multikulturellen Erfahrungen
4.2.1. Auflösung der Konflikte
4.2.2. Die Persönlichkeitsmerkmale
4.2.3. Die Zeit
4.2.4. Konfrontation mit der Sterblichkeit
4.2.5. Die gesellschaftlichen Konditionen
4.3. Auswirkungen der multikulturellen Erfahrungen der Individuen auf die kollektive Kreativität
4.4. Multikulturalismus und Kreativität bei Kinder und Jugendlichen

5. Resümöe und Diskussion

Die fachdidaktischen Überlegungen

Literatur

Abstract

Im heutigen Gesellschaft wachsen die Menschen häufig nicht mit einer einzigen Kultur auf, sondern in einer Umgebung, die oft bikulturell, zwei- oder auch mehrsprachig ist.

Ziel dieser Arbeit ist, den Begriff Multikulturalismus in einem positiven Kontext zu betrachen und die Vorteile der multikulturellen Erfahrungen bekannt zu machen.

Das Thema dieser Arbeit sind die vorteilhaften Auswirkungen des Multikulturalsmus auf die menschliche Kreativität. Der Fokus liegt dabei auf den Konditionen, die den Nutzen der multikulturellen Erfahrungen ermöglichen. Die positive Auswirkung der Diversität auf die Kreativität der in dieser Gesellschaft lebenden Menschen wird auf der Grundlage verschiedener Forschungen und Literaturrecherchen diskutiert. Dabei werden auch die Schlüsselbegriffe anhand unterschiedlicher Literatur erklärt. Der Zusammenhang zwischen Multikulturalismus und Kreativität wird auch im schulischen und im beruflichen Kontext beobachtet.

Abschließend werden fachdidaktische Überlegungen zu dieser Thematik erörtert und dabei werden vor allem die möglichen positiven Effekte der multikulturellen Erfahrungen der Schüler und Schülerinnen auf die kollektive Kreativität im Klassenraum oder in einer Gruppenarbeit betrachtet.

1. Einleitung

Im Jahr 2016 hatten in Österreich 22% der Bevölkerung Migrationshintergrund, und die Tendenz der Wanderung der Bevölkerung ist auf der ganzen Welt ähnlich. Deswegen ist die Rolle der verschiedenen Kulturen, das Umgang mit Wertediversität und die positive Betrachtung des Multikulturalismus heutzutage sehr wichtig.

Daher haben auch verschiedene Kulturen einen großen Einflußaufeinander. Solche Effekte können ebenso im Gehirn auftreten, denn die bikulturelle Umgebung beeinflusst auch kognitive Prozesse. Die Erforschung der menschlichen Kreativität ist auch in der positiven Psychologie ein Schwerpunkt geworden, aber es entwickelten sich auch neue Bereiche der Psychologie, wie die multikulturelle Psychologie und die Kulturpsychologie.

In der Zeitgenossen Kulturpsychologie sind Kultur und Kreativität untrennbar verknüpft (Glaveanu, 2010a, 2010b). Die Kulturpsychologie bindet derzeit eine dynamische, qualitative und transaktionale Analyse der Kreativität und Kultur ein und beansprucht die systematischen (Csikszentmihalyi, 1988) und soziokulturellen Theorien (Sawyer, 2006).

Die folgende Arbeit soll dazu dienen, die Frage zu beantworten, welche Wirkung die Diversität und der Multikulturalismus auf die Kreativität haben. Können eine multikulturelle Umgebung oder eine multikulturelle Herkunft die Kreativität und Produktivität der Individuen oder der Gruppe fördern? Wie beeinflusst die heterogene Umgebung die Kinder in der Schule und in der Familie? Nach der Bearbeitung der Literatur soll die Frage nach dem Zusammenhang von Multikulturalismus und Kreativität ausgeführt und beantwortet werden.

2. Begriffsdefinition von Kreativität

2.1. Aspekte der Forschung von Kreativität und die kreative Person

Es gibt zahlreiche Definitionen dafür, was die Bedeutung der Kreativität ist. Die kreative Originalität bedeutet eigentlich, dass eine Person fähig ist, zahlreiche Gedanken und Ideen hervorzubringen und diese danach zu bearbeiten und in etwas Originelles umzuwandeln (Saad, Damian, Benet-Martinez, G. Moons & Robins, 2012).

Die Prozesse, die mit der Kreativität zusammenhängen, beinhalten die kreative Vorstellungskraft (Dziedziewicz & Gajda, Karwowski, 2014). Zeitgenosse Ansichten betrachten die menschliche Kreativität als Ergebnis der selben fundamentalen kognitiven Prozessen, die der menschlichen Wahrnehmung zugrunde liegen, zum Beispiel des generativen Prozesses oder des divergenten Denkens, das Guilford (1950) beschreibt - die Fähigkeit, viele Ideen und Lösungen für dasselbe Problem zu generieren. Kreativität ist nicht gleichbedeutend mit divergentem Denken (divergent thinking, DT), aber es ist ein gutes Potenzial für die kreative Leistung (Çelik, Storme & Forthmann, 2016).

Guilford verstand die Kreativität als eine spezielle Form des Denkens. Das divergente Denken ist ein Arbeitsvorgang, der wichtig für die Kreativität ist (Guilford, 1950, 1967). Es wurde in dem so genannten Strukturmodell der Intelligenz aufgeführt (Guilford, 1967). Divergentes Denken ist nützlich für offene Probleme und Probleme mit mannigfaltigen Lösungen. Das divergente Denken umfasste dabei mehrere Dimensionen und Merkmale: Problemsensitivität (erkennen, dass und wo ein Problem besteht), Ideenflüssigkeit (in kurzer Zeit viele Ideen hervorbringen), Flexibilität (gewohnte Wege des Denkens verlassen; neue Sichtweisen und neue Lösungen entwickeln), Redefinition (bekannte Objekte neu verwenden, improvisieren), Elaboration (anpassen der Ideen an die Realität) sowie Originalität (die Fähigkeit seltene und ungewöhnliche Ideen zu produzieren) (Guilford, 1950, 1967).

Die Kreativität bedeutet also die Einzigkeit, Originalität und die Neuigkeit der Ideen. Die Kreativität ist die zeitnahe Lösung (Flexibilität) für ein Problem mit ungewöhnlichen, vorher nicht gedachten Mitteln (Originalität) und mehreren Möglichkeiten der Problemlösung (Ideenflüssigkeit), die für das Individuum vor der Problemlösung nicht in irgendeiner Weise denkbar ist (Problemsensitivität) (Guilford, 1950).

Es ist demnach vor allem verbindbar mit den schon existierenden Ideen; die Kreativät ist also die Fähigkeit, scheinbar unverwandte Ideen und Kenntnisstrukturen miteinander zu verknüpfen. (Çelik, Storme & Forthmann, 2016) Aber die Kreativität dient auch dazu, etwas Neues und Wesentliches hinzuzufügen und hilft bei der Beschaffung spannender, neuer und nützlicher Ideen (Leung, Maddux, Galinsky, & Chiu, 2008; Çelik et al., 2016; Sawyer, 2006). Es ist die Aktivität, die zu originellen und nützlichen Produkten führt (Dziedziewicz, Gajda, Karwowski, 2014). Der kreative Prozess ist ein mysteriöses Phänomen, das auf einer unbewussten Ebene funktionsfähig ist. Der magische „Aha” Moment der Entdeckung, der Punkt an dem die Idee bewusst wird, ist der Moment, wegen dem die Kreativität als überraschend, unerwartet, unlogisch und abweichend erscheint. Die Kreativität springt oft vorwärts in eine Stelle, die eigentlich vom ursprünglichen Gebiet, in dem die Idee angemessen wäre, weit entfernt ist.

Die Kreativität kann auch im Schlaf auftreten: der österreichischer Komponist Anton Bruckner hat gesagt, dass er geträumt hat, dass ein Freund ihm das Eröffnungsthema der berühmten Sinfonie no. 7 in E Major gepfiffen hat. Er ist aus dem Traum aufgewacht und hat die Melodie aufgeschrieben (Leung et al., 2008).

Es erscheint schwierig, die Kreativität wissenschaftlich und systematisch zu untersuchen, aber es gibt viel über sie in der psychologischen Literatur. Etliche psychologische Faktoren unterstützen die Kreativität: die Elemente der Persönlichkeit, die Affekte, die Kognition und die Motivation. Die Persönlichkeitsforschung hat bewiesen, dass kreative Menschen zum Nonkonformismus, zur Unabhängigkeit, zur intrinsischen Motivation und zur kreativen Selbstwirksamkeit neigen (Leung et al., 2008; Dziedziewicz et al., 2014). Sie sind meistens offen für Neues und risikobereit (Feist, 1998; Leung et al., 2008). Die Intelligenz, die Toleranz der Ambiguität, das Selbstbewusstsein und die kognitive Flexibilität sind auch bei kreativen Menschen auffindbar. Kreative Menschen verfolgen ihre Träume eher für intrinsische als für extrinsische Motivation. Die Kreativität scheint zu blühen, wenn die Menschen in positivem oder neutralem affektiven Zustand sind, und nicht wenn sie traurig sind (Leung et al., 2008).

Es gibt auch ein anderes Vorgehen - The Creative Cognition Approach - das besagt, dass jeder kreativ sein und extraordinäres kreatives Ergebnis haben kann, wenn er die normalen kognitiven Prozesse effektiver nutzt. Dieses Vorgehen bestimmt zwei Arten von kognitiven Prozessen, die ins kreative Denken verwickelt sind: die generativen und die forschenden Prozesse. Die generativen Prozesse bestehen darin, dass die Menschen relevante Informationen suchen, um Ideen mit unterschiedlichem kreativen Potenzial zu generieren. Die explorativen Prozesse beinhalten die genaue Überprügung der die Ideen, um zu bestimmen, welche weiterverarbeitet werden sollen, sowie derenÄnderung, Ausarbeitung und Transformation (Leung et al., 2008).

2.2. Methoden zur Messung von Kreativität und Kreativitätstests

Es gibt viele Diagnoseansätze zur Erfassung von Kreativität sowie eine Pluralität an Messverfahren. In den 1980er Jahren gab es schon mehr als 255 Kreativitätstests, und seitdem haben der Bedarf an psychometrischer Erfassung und auch die Anzahl an Messverfahren zugenommen (Palmer, 2016). Die Messung der Kreativität beruht meistens auf folgenden Messfaktoren: die unterstützenden kognitiven Prozesse, die Performanz und die Kreativität selbst. Um die kreative Performanz zu messen, wird die kreative Erkenntnis in Bezug auf problemlösende Aufgaben und der Schaffung entfernter aber effektiver Assoziationen bewertet. Die Produktion von kreativen Geschichten und divergenten Ideen wird oft auch bewertet (Leung et al., 2008).

Das divergente Denken wird mit verschiedenen Instrumenten gemessen. In der Studie von Çelik, Storme & Forthmann (2016) wurde das schon 1967 von Guilford entwickelte Messinstrument benützt - der „Alternative Uses Task”. In dieser Aufgabe sollen die Teilnehmer so viele Ideen wie möglich über die kreativen Nutzungsmöglichkeiten verschiedener Gegenstände (Büroklammer, Backsteine, Zeitung) auflisten. Sie haben ungefähr zwei Minuten Zeit pro Gegenstand. Die Punkte werden anhand der Kriterien „Ideenflüssigkeit” und „Originalität” erzielt. Die Ergebnisse werden anhand dieser Dimensionen bewertet (Guilford, 1967; Çelik et al., 2016).

Der FDCT (Franck Drawing Completion Test) war ursprünglich ein Test für die Messung von Maskulinität und Femininität, aber heutzutage wird er für die Bewertung der kreativen Imagination verwendet. Der Test beinhaltet 36 unvollständige Zeichnungen, die vervollständigt werden müssen (Franck & Rosen, 1949).

Eine Anpassung an den Kreativitätstest von Franck ist die „unvollständige Figuren Aufgabe” (incomplete figures task) im „Torrance Test des kreativen Denkens”. Der Torrance Test (TTCT; Torrance, 1974) misst das divergente Denken und dadurch die Kreativität. Dieser Test ist weltweit der berühmteste Test für die Messung der Kreativität, er wird am häufigsten benützt und wurde auch oft kritisiert. Dieser Test hat figurale und verbale Teile und misst das divergente Denken basierend auf den Merkmalen, welche von Guilford (1950) bestimmt wurden.

Das Kerzenproblem ist ein kognitiver Leistungstest, der den Einfluss der funktionellen Fixiertheit auf die Problemlösekapazitäten eines Probanden misst. Es wurde vom Gestaltpsychologen Karl Duncker entwickelt und nach seinem Tod im Jahre 1945 posthum veröffentlicht. (Maddux & Galinsky, 2007; Leung et al., 2008)

Das Kerzenproblem wurde von Duncker 1945 erstellt. Dabei dürfen die Testsubjekte nur folgende Materialien verwenden: eine Packung Streichhölzer, eine Schachtel mit Reißnägeln und eine Kerze. Der Test erfordert vom Probanden, eine brennende Kerze an einem an der Wand hängenden Korkbrett so zu befestigen, dass das Wachs nicht auf den Boden tropft. Die Lösung besteht darin, die Reißnägel aus der Schachtel zu nehmen, in der sie sich befinden, stattdessen die Kerze in die Schachtel zu stellen, die Reißnägel zu verwenden, um die Schachtel am Korkbrett zu fixieren und dann die Kerze mit den Streichhölzern zu entzünden. Die Lösung wird als Maßstab für die Kreativität betrachtet, weil sie auch die Fähigkeit, die Objekte als ausführende Funktionen (verschieden von ihren typischen Funktionen) zu sehen, einbezieht. (Leung et al., 2008)

3. Begriffsdefinition von Multikulturalismus

3.1. Verschiedene Aspekte des Multikulturalismus

Leung et al. (2008) definiert Kultur als eine Zusammenstellung von locker organisierten Ideen und Gebräuchen, produziert und reproduziert von einem Netzwerk von miteinander verbundenen Individuen. Die eigene Kultur beeinflusst die Maler, Künstler, aber auch Menschen im Allgemeinen (Simonton & Ting, 2010). Die Konzepte der Menschen sind über die Kulturen hinweg ähnlich, aber es gibt genug Unterschiede, wegen derer die Effekte von Kulturen auch berücksichtigt werden müssen (Rudowicz, 2003; Simonton & Ting, 2010; Hempel & Sue-Chan, 2010)

Der Multikulturalismus ist ein komplexes und vielschichtiges Phänomen und aus diesem Grund wird er oft auf verschiedene Art und Weise in der existierenden Literatur operationalisiert (Çelik et al., 2016).

Der Begriff multikulturelle Erfahrung (multicultural experience) bezieht sich auf alle direkten und indirekten Erfahrungen, welche die Individuen machen, wenn sie mit Mitgliedern von fremden Kulturen interagieren, zusammenwirken und sich gegenseitig beeinflussen (Leung et al., 2008). Wenn wir über multikulturelle Erfahrungen sprechen (multicultural experience), können wir behaupten, dass das kreative Ganze größer als die Summe seiner Teile ist (Tadmor, Satterstrom, Jang & Polzer, 2012). Multikulturell zu sein oder multikulturelle Erfahrungen zu haben bedeutet, dass man mit subjektiv abweichenden Lebensweisen konfrontiert wird, die auf Wertegestaltungen aufgebaut wurden. Diese können unsere Weltanschauung bis in die Grundfesten erschüttern (Çelik et al., 2016).

Es gibt auch ein neues Forschungsfeld, welches als „Multikulturelle Psychologie“ bezeichnet wird. Die multikulturelle Psychologie betrifft alle Aspekte des menschlichen Verhaltens, die auftreten, wenn sich Menschen mit zwei oder mehreren kulturellen Hintergründen begegnen. (Leung et al., 2008)

3.2. Methoden zur Messung von multikulturellen Erfahrungen

Die multikulturelle Erfahrung und die Kreativität sind beide schwer erfassbare Konstrukte und die Forscher sind noch zu keinem Konsens über den besten Messinstrumenten gelangt (Chiu & Hong, 2005; Glover, Ronning, & Reynolds, 1989).

Leung et al. (2008) benützen ein multimethodisches und eklektisches Vorgehen, um die multikulturelle Erfahrung und die Kreativität zu messen. Die Umfrage zur multikulturellen Erfahrung (MES - Multicultural Experience Survey) ist sehr wichtig in der Messung des Multikulturalismus. Die multikulturelle Erfahrung wird dabei anhand der Dauer eines Auslandsaufenthalts, die Ausdehnung der Interaktionen und der Kontakte mit fremden Kulturen (die Geschichte der Einwanderung von der Familie, die Zweisprachigkeit, Interaktionen mit Menschen mit verschiedenen nationalen und ethnischen Hintergründen), sowie anhand von Fremdsprachenkenntnissen, Nationalität der Freunde, Lieblingsmusiker, Lieblingsrestaurant und Lieblingsspeisen, usw. in einem Laborexperiment gemessen (Leung & Chiu, 2010, 2008; Leung et al, 2008).

4. Zusammenhang zwischen Multikulturalismus und Kreativität

4.1. Einfluss einer multikulturellen Umgebung auf die Kreativität

4.1.1. Die allgemeine Rolle der multikulturellen Erfahrungen in der kreativen Leistung

Die Beziehung zwischen der multikulturellen Erfahrung und der Kreativität wurde schon früher vorausgesetzt und angenommen, aber es gab lange Zeit keine Studie und keinen Beweis. Aber die Menschen haben sich schon früh mit der Idee beschäfigt und in der Praxis in den Schulen und in der Arbeit eingesetzt (Bassett-Jones, 2005; Leung et al., 2008).

Multikulturelle Erfahrung erhöht die kreative Leistung und die Verwendung von einigen kognitiven Prozessen, die die Kreativität unterstützen. Zwei kognitiven Prozesse sind dabei sehr wichtig: die Rekrutierung der Ideen aus unbekannten Kulturen für die Expansion von kreativen Ideen und die spontane Wiederauffindung von unkonventioneller Kenntnis aus dem Gedächtnis. Es wurde bewiesen, dass die multikulturellen Erfahrungen die kognitive Flexibilität verbessern und das kreative Denken steigern (Antonio et al. 2004; Cheng, Sanchez-Burks, & Lee, 2008; Leung el al., 2008; Maddux & Galinsky, 2009; Maddux, Leung, Chiu, & Galinsky, 2009; Storme et al., 2016; Çelik, Storme & Forthmann, 2016). Die multikulturellen Erfahrungen fördern außerdem die kreative Leistung (Crisp & Turner, 2011; Leung et al., 2008; Chang, Hsu, Shih, & Chen, 2014).

Die Verbindung mit Menschen aus anderen Kulturen macht es möglich, um die Ecke zu denken und die Gewohnheiten aufzugeben, welche die Kreativität behindern (Maddux, Leung, Chiu, & Galinsky, 2009; Dziedziewicz, Gajda, Karwowski, 2014). Aus der kognitiven Perspektive aktiviert die Begegnung (oder auch nur die Vorstellung davon) mit verschiedenen Kulturen die kreative Geisteshaltung und erweitert die Grenzen von typischen kognitiven Kategorien sowie den Bereich der Konzepte und Assoziationen, die zu kreativeren Lösungen führen (Dziedziewicz et al., 2014).

Der Experiment von Leung & Chiu (2008,2010) liefert einen direkten Beweis für eine zwangslose Rolle von der Erschließung neuer Kulturen in kreativen Leistungen. Dieser Experiment wurde mit Europäer-Amerikanern (Amerikaner mit europäischer Abstammung) ausgeführt. Diese hatten schon einige Kenntnis über die chinesische Kultur. Die Partizipanten, die sich zuerst eine Slideshow über die Verschmelzung bzw. die Fusion oder die Nebeneinanderstellung der amerikanischen und der chinesischen Kultur angeschaut hatten, waren kreativer als die Teilnehmer, denen die beiden Kulturen nur separat präsentiert worden waren. (Leung et al., 2008; Leung & Chiu, 2008, 2010)

Europäer-Amerikanischen Studenten, die mehr multikulturelle Erfahrungen hatten, hatten eine höhere Flüssigkeit in der Schaffung von Ideen alsjene Studenten, die nicht so viele multikulturelle Erfahrungen hatten (Leung et al., 2008; Leung & Chiu, 2008). Eine Person, die vorher verschiedenen Kulturen ausgesetzt war, ist nach diesem Experiment fähig, scheinbar unverbundene Ideen spontan aus beiden Kulturen zu sammeln, diese nebeneinander zu stellen stellund und mit diesen Ideen in neuer Art und Weise zu integrieren (Chiu & Hong, 2005).

In zwei Experimenten von Wan & Chiu (2002) haben die Forscher die folgenden Ergebnisse bekommen: die Teilnehmer, die zuvor eine Aufgabe gelöst hatten, wo sie nicht übereinstimmende, neue Konzepte miteinander kombinieren sollten, hatten bessere Ergebnisse im Torrance Kreativitätstest, als die Personen, die zuvor eine ordentliche konzeptuelle Kombination durchführen sollten. Als Beispiel für eine neue Kombination kann z.B. „Was ist ein Fahrzeug, das auch ein Fisch ist?” angesehen werden, für eine gewöhnliche Kombination z.B. „Was ist eine Pflanze, die auch ein Brennstoff ist?”. (Leung et al., 2008; Wan & Chiu, 2002)

Also die multikulturelle Erfahrung kann Kreativität in fünffacher Weise fördern:

(a) mit der Bereitstellung eines direkten Zugangs zu neuen Ideen und Konzepten von anderen Kulturen,
(b) durch die Kreation der Fähigkeit für das Sehen multipler und grundlegender Funktionen hinter den gleichen Formen,
(c) mit der Entstabilisierung routinierter Kenntnisstrukturen, wodurch die Möglichkeit auf die Zugänglichkeit von der normalerweise unzugänglichen Kenntnis erhöht wird,
(d) mit der Förderung der Synthesis scheinbar unverträglicher Ideen aus diversen Kulturen, sowie

[...]

Details

Seiten
26
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668702554
ISBN (Buch)
9783668702561
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v424832
Note
Schlagworte
auswirkung multikulturalismus kreativität

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