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Verbesserung der Lage der Frauen in der Aufklärung?

Hausarbeit 2001 15 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Frauenbild

3. Frauenleben
3.1 Alltag
3.1.1 Arbeit
3.1.2 Ehe und Familie
3.2. Bildung
3.2.1 Unterrichtung der Mädchen
3.2.2 Literatur für Frauen
3.2.3 Salons

4. Ansätze zur Veränderung

5. Schluss

Literatur

1.Einleitung

Die Aufklärung hat in Europa eine eklatante Wirkung gezeigt, sowohl in geistigem, wie auch im gesellschaftlichen Sinne. Den Höhepunkt bildete die Französische Revolution, die zur Deklaration der Menschen- und Bürgerrechte führte. So sollten auf den Grundwer-ten der Aufklärung basierend alle Menschen frei und mit gleichem Recht leben dürfen. Doch wen betraf diese Definition?

(...)

Wohl grüßten freie Männer sich als Brüder,

Nur Bürger gab es, nicht mehr Herr und Knecht;

Wohl sangen sie der Liebe Bundeslieder

Und fühlten sich als ein erneut Geschlecht.

Doch auf die Schwestern blickten stolz sie nieder,

Der Menschheit Hälfte blieb noch ohne Recht,

Blieb von dem Ruf: „Für alle!“ ausgenommen-

Ihr muss erst noch der Tag des Rechtes kommen.

(...)[1]

Eine rechtliche Gleichstellung hatte die Aufklärung für die Frauen also nicht bewirkt. Daher auch das bewusste Hinzufügen eines Fragezeichens an das Thema dieser Arbeit. Überwiegend wird das achtzehnte Jahrhundert als das „Jahrhundert der Frau“ bezeichnet[2].

Inwiefern das zutrifft und ob es konkrete Verbesserungen für Frauen gab, soll im folgen-den erläutert werden. Dazu werde ich zunächst auf die Frauenbilder der Philosophie ein-gehen und dann, basierend auf darstellenden Werken, das reelle Leben der Frauen im 18.Jahrhundert kurz charakterisieren. Dabei sollen die herkunftsbedingten Unterschiede Beachtung finden. Die Literaturlage zum Thema „Frauen in der Aufklärung“ ist reichlich, oft aber stark an Einzelaspekten wie zum Beispiel Bildung und Literatur orientiert, was die Sozialgeschichte der Frauen in den Hintergrund treten lässt.

2. Frauenbild

„Seit jeher haben Männer die Frau auf ihre Vorstellung von ihr reduziert und damit eine erfolgreiche Strategie verfolgt. Diese Vorstellungen halten sich natürlich auch im 18. Jahrhundert, scheinen jedoch ins Wanken zu geraten."[3]

Das bedeutet, dass die Vorstellungen des Mannes über die Frau sozusagen vor der Frau sind, genauer: die Sichtweise des Mannes bezieht sich auf ein durch seine Vorstellungen erzeugtes Objekt, das mit dem reellen Wesen meist nicht übereinstimmt[4].

Der folgende Abschnitt behandelt den Frauendiskurs der männlichen Philosophen.

Ein Großteil der Philosophen der Aufklärung sah in der Frau die untergeordnete Gefährtin des Mannes – so auch die Bezeichnung „femelle de l´homme“[5] in der Ecyclopédie. Es gab nur wenige Ausnahmen, auf die ich in Punkt 4 kurz eingehen werde.

Für das Frauenbild der Philosophen der Aufklärung wurde gern das Naturrecht zu Rate gezogen, da es die erarbeiteten Ergebnisse gut legitimierte.

So ist die Ungleichheit zwischen Mann und Frau naturgewollt und ein grundsätzliches Ordnungsprinzip.

Die Basis der Ungleichheit bildet das Geschlecht[6], dass sich Männer und Frauen unterscheiden ist auch schwer zu leugnen. Ausgehend vom rein körperlich Unterschied werden dann auch geistige und charakterliche Unterschiede erkannt[7]. So wird der Mann mit Stärke und Vernunft gleichgesetzt und die Frau mit Schönheit und Gefühl, wobei das Gefühl die Vernunft der Frau ist.

Von diesen Prämissen ausgehend wird das Frauenbild weiterentwickelt. So wird die Vernunft der Frau als kindliche Vernunft bezeichnet und die Fähigkeit zu abstrahieren wird ihr abgesprochen[8]. Des weiteren ist die Frau demnach nur begrenzt zu Rationalität fähig und lässt sich stark von ihren Gefühlen leiten. Moralisch wird die Frau als eine Mischung aus Sünde und Tugend betrachtet. So hat sie einerseits die Fähigkeit zur Koketterie und Verführung, hat aber andererseits ein natürliches Schamgefühl[9]. Die Frau wird zwar vom Mann beherrscht, ist aber auf der Gefühlsebene durchaus in der Lage ihren Ehemann zu beeinflussen und Macht auf ihn auszuüben[10].

Das Idealbild der Frau ist die Ehefrau und Mutter[11], die genügend gebildet ist, ihren Mann zu erfreuen, die Kinder zu erziehen und den Haushalt zu leiten. Sie ist zufrieden mit dem was sie hat, nicht zu schön und gleichmütig.

Der Platz der Frau ist im Haus, während der Mann außerhalb seinen Geschäften nachgeht. Eine Lohnarbeit ist für die Frau nicht denkbar, ihr einziger Lebenszweck ist die Versorgung und Zufriedenheit des Mannes[12]. Demnach sind ledige, geschiedene und zum Teil verwitwete Frauen gering geschätzt, da sie nach dieser Philosophie ihren Lebenszweck missachten[13]. Auch eine zu weitreichende Bildung entspricht nicht dem Lebenszweck der Frau und ist daher widernatürlich.

3. Frauenleben

Nicht nur das Frauenbild, sondern vor allem die tatsächlichen Lebensumstände geben Aufschluss über die Lage der Frauen in der Epoche der Aufklärung.

Als wichtige Bereiche wurden Arbeit und Familie ausgewählt, als spezifisch für die Aufklärung der Aspekt Bildung. Die Veränderungen, die sich im Arbeitsleben abzeichne-ten beruhten teils auf dem Frauenbild der Aufklärung, teils auf wirtschaftlichen Verän-derungen[14]. Der Bereich der Familie und Ehe hat zwar durch theoretische Schriften Beachtung gefunden, inwieweit aber aufklärerische Ansätze umgesetzt wurden ist hier besonders schwer nachzuvollziehen.

Das reale Frauenleben bzw. der Alltag unterscheidet sich je nach Stand und ökonomischer Situation, was, soweit möglich, beachtet wird.

Dennoch lassen sich auch Gemeinsamkeiten herausstellen: Den Großteil des Frauenall-tags füllten der Haushalt, ob in eigenhändiger Bearbeitung oder Organisation der Gesin-dearbeit, und die Betreuung der Kinder aus. Bei Frauen aus dem Volk war oft zusätzlich selbständige oder Lohnarbeit ein Bestandteil des Alltags. Für bürgerliche und adlige Frauen „bereicherte“ die Unterhaltung der Gäste ihres Mannes den Alltag[15].

3.1 Alltag

3.1.1 Arbeit

Unter Arbeit soll hier sowohl bezahlte, als auch unbezahlte (Haushalts-)Arbeit verstanden werden.

Auf dem Land war Frauenarbeit durch Haushalt, Mitarbeit in der Landwirtschaft und zum Teil durch „nichtagrarische Nebenerwerbstätigkeiten“[16] geprägt.

Zu den Arbeitsbereichen in der Stadt zählt zum Beispiel das Handwerk. Waren Frauen im späten Mittelalter noch als ausgebildete Handwerker und auch als Meisterinnen tätig, beschränkt sich im 18. Jahrhundert ihre Tätigkeit im Handwerk auf die –unqualifizierte- Mitarbeit im Familienbetrieb[17]. Ähnliches gilt im Bereich Handel, hier waren Frauen hauptsächlich im Verkauf beschäftigt.

Im Bereich der Lohnarbeit gab es die Möglichkeit als Tagelöhner - vor allem in der Erntezeit - oder als Angestellte in Privathaushalten oder Manufakturen zu arbeiten. Auch für diesen Bereich gilt, dass den Frauen meist der Zugang zur Qualifizierung versperrt wurde und sie damit wesentlich schlechter als Männer verdienten[18].

Als weiteres Betätigungsfeld sind Ämter anzuführen. Frauen standen dabei der Beruf der Hebamme, der allerdings im 18. Jahrhundert immer mehr durch Ärzte verdrängt wurde[19] und die Arbeit als Hausmutter in öffentlichen Fürsorgeeinrichtungen offen. Die Aufgaben einer amtlichen Hausmutter ähneln denen einer Hausfrau.

Einen wichtigen Arbeitsbereich eröffnete die Aufklärung. Es entstanden mehr öffentliche Schulen und speziell Mädchenschulen, in denen Frauen als Lehrerinnen arbeiten konnten[20].

Die bisherigen Ausführungen bezogen sich auf Arbeiten, die mit dem Ziel den Lebensunterhalt zu sichern erfolgten und nur durch Frauen aus dem Volk ausgeführt wurden. Dazu zählt auch die Heimarbeit, das heißt hauptsächlich Spinnarbeit und die Verarbeitung von Stoffen, die später verkauft wurden[21].

Ein großer Arbeitsbereich für Frauen war der Haushalt. Je nach Stand war die Einbindung darin anders charakterisiert. Frauen aus den wohlhabenden, gehobenen Schichten waren mit der Organisation und Leitung des Haushaltes beschäftigt. Frauen aus dem Bürgertum und dem Adel gingen keiner Lohnarbeit nach.

[...]


[1] Louise Otto-Peters: Freiheit für alle. 1847. In: H. Brandes (Hrsg.): Der Menschheit Hälfte blieb noch ohne Recht, Wiesbaden 1991, S.8.

[2] Vgl. D. Godineau: Die Frau der Aufklärung. In: M. Vovelle (Hrsg.): Der Mensch der Aufklärung. Frankfurt a.M., 1996, S. 321.

[3] M. Crampe-Casnabet: Aus der Philosophie des 18. Jahrhunderts. In: Geschichte der Frauen. Frühe Neuzeit (= Bd.3). Frankfurt a. M., New York, 1994, S.333.

[4] Vgl. ebda. S. 333.

[5] So eine Beschreibung in der Encyclopédie, zitiert nach: D. Godineau, a.a.O., S. 324.

[6] Vgl. ebda. S. 323.

[7] Vgl. ebda. S. 325f.

[8] Vgl M. Crampe-Casnabet, ebda., S. 348.

[9] Vgl. M. Crampe-Casnabet, ebda.., S. 344f.

[10] M. Crampe-Casnabet, a.a.O. S. 346.

[11] Ebda. S. 349.

[12] D. Godineau, a.a.O., S. 322.

[13] Vgl. A. van Dülmen(Hrsg.): Frauenleben im 18. Jahrhundert, Leipzig/Weimar, 1992, Vorbemerkung zum Kapitel: Zwischen Ausgrenzung und Selbständigkeit. S. 298.

[14] C. Vanja: Zwischen Verdrängung und Expansion, Kontrolle und Befreiung. Frauenarbeit im 18. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum. In: VSWG, Bd. 79, Heft 4 (1992), S. 457.

[15] Ebda. S. 466f.

[16] C. Vanja, a.a.O., S. 460. Dazu zählt vor allem das Spinnen.

[17] Vgl. ebda. , S. 462f.

[18] Vgl. D. Goudineau, a.a.O., S. 337.

[19] Vgl. A. van Dülmen: Frauenleben. Ausgrenzung, a.a.O., S. 299.

[20] Vgl. ebda. S.299.

[21] Die Herstellung und Verarbeitung von Stoffen erfolgte auch für den Eigenbedarf und wurde dann nur von der Frau geleistet. An der Produktion zum Verkauf war meist die ganze Familie beteiligt. Vgl. C. Vanja, ebda., S. 474.

Details

Seiten
15
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638404792
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v42454
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
2,0
Schlagworte
Verbesserung Lage Frauen Aufklärung

Autor

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Titel: Verbesserung der Lage der Frauen in der Aufklärung?