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Wir alle spielen Theater

Hausarbeit 2005 23 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II. Einleitung

III. Biographie

IV. „Wir alle spielen Theater“
1. Einleitung
2. Darstellungen
2.1 Der Glaube an die eigene Rolle
2.2 Fassade
2.3 Dramatische Gestaltung
2.4 Idealisierung
2.5 Ausdruckskontrolle
2.6 Unwahre Darstellungen
2.7 Mystifikation
2.8 Dichtung und Wahrheit
3. Das Ensemble
4. Ort und ortsbestimmtes Verhalten
5. Sonderrollen
6. Kommunikation außerhalb der Rolle
6.1 Behandlung der Abwesenden
6.2 Regieanweisungen und Inszenierungsgespräche
6.3 Ensemble-Verschwörung
6.4 Neugruppierungen
7. Die Technik der Eindrucksmanipulation
7.1 Eigenschaften und Maßnahmen der Verteidigung
7.1.1 Dramaturgische Loyalität
7.1.2 Dramaturgische Disziplin
7.1.3 Dramaturgische Sorgfalt
7.2 Schutzmaßnahmen
7.3 Takt und seine Erwiderung

V. Fazit

VI. Literaturverzeichnis

II. Einleitung

Erving Goffmans Werk „The Presentation of Self in Everyday Life“ („Wir alle spielen Theater - Die Selbstdarstellung im Alltag“) ist Grundlage dieser Vordiplomshausarbeit. Es thematisiert die Interaktion, setzt also die Kopräsenz von mindestens zwei Anwesenden voraus, wobei „die Selbstdarstellung die primäre Informationsquelle ist. Die Anwesenden sind auf Selbstdarstellungen angewiesen, um wechselseitig in Erfahrung zu bringen, wer der Andere ist.“ (Lenz 2001, 246). Der Einzelne möchte sich möglichst vorteilhaft darstellen und benutzt hierfür verschiedene Darstellungsmittel, wie sie laut Goffman auch in der Theaterwelt zum Einsatz kommen. Dieses „Buch über Theorie der Gesellschaft verwendet ausgiebig empirisches Material, das Goffman durch beobachtende Teilnahme während eines Forschungsaufenthalts auf den Shetland-Inseln sammelte.“ (Gerhardt 2001, 189). Deshalb sind auch häufig Beispiele aus dem so genannten „Shetland-Hotel“ aufgeführt. Allerdings werde ich eher selten auf diese eingehen, sondern mich mehr auf die weiter erwähnten Beispiele beziehen, um über die Shetland-Situation hinaus die weitreichende, vielleicht sogar allgemeingültige Bedeutung Goffmans Aussagen hervorzuheben.

Wesentlich an Goffmans Werk ist, dass seine soziologischen Beschreibungen auf der Metapher des „Theatrum mundi“ basieren. Er schildert also die Selbstdarstellung im Alltag in Analogie zum Bühnenschauspiel und bedient sich einer der Theaterwelt entlehnten Sprache. In dieser Hausarbeit werde ich Kernaussagen aus „Wir alle spielen Theater“ festhalten, mich ferner einzelnen sich ergebenen Gesichtpunkten kritisch widmen und abschließend zu Goffmans Theatermetapher einige Überlegungen anstellen. Meine Hausarbeit ist nach folgendem Konzept aufgebaut.

Um dem Leser einen Eindruck von Goffman selbst zu vermitteln, werde ich im Rahmen der vorliegenden Hausarbeit mit einer Biographie des Autors beginnen, bei der auch kleine, für seine Arbeiten bedeutungsvolle Hinweise zu seinem Charakter zu finden sind. Allerdings verzichte ich auf eine chronologische Aufzählung seiner Werke, dies würde hier den Rahmen sprengen. Anschließend fasse ich Goffmans Grundgedanken zu seinen sieben Kapiteln mit ihren Unterpunkten synchron zu seinem eigenen Inhaltsverzeichnis unter dem Abschnitt „Wir alle spielen Theater“ zusammen und gebe dezente Stellungnahmen. Auf die „Vorworte“ von Lord Ralf Dahrendorff sowie von Goffman selbst beziehe ich mich erst im Fazit, weil diese Hintergründe sowie weiterführende Fragestellungen thematisieren und für den eigentlichen Inhalt des Buches sowie an dieser Stelle der Hausarbeit weniger relevant sind. Ferner ignoriere ich hier das achte Kapitel „Zusammenfassung“, da ich mich mit diesem Aspekt selbst im Abschnitt „IV.

„Wir alle spielen Theater““ beschäftige. Durch diese Zusammenfassung von Goffmans Leitgedanken zur Selbstdarstellung im Alltag kann sich der Leser nun einen Überblick über Goffmans Buch verschaffen. Daraufhin werden im letzten Gliederungspunkt dem „Fazit“ einige wesentliche Aspekte des Werkes aus soziologischer Sicht konkludiert. Hier setzte ich mich unter anderem mit der von Goffman gewählten „Theatermetapher“ kritisch auseinander.

III. Biographie

Erving Goffman wurde als Sohn einer jüdischen Familie 1922 in Manville (Kanada) geboren. Zunächst studierte er in Toronto Soziologie und beendete es 1949 in Chicago mit einem „Master“. (vgl. Hettlage / Lenz 1991, 10). Zwischen 1949-1951 führte er auf den Shetland-Inseln Feldforschungen durch. 1951 kehrte er nach Chicago zurück, um über die Ergebnisse jener „Studie des Alltagslebens von Bewohnern einer Shetland-Insel“ (Knoblauch 2001, 18) seine Dissertation zu schreiben. 1953 erwarb er den Doktortitel und arbeitete an der Chicago University weiter. „The presentation of Self in Everyday Life“ ist die erste und wohl populärste Buchpublikation von ihm und erschien „zunächst als Monographie an der Universität Edinburgh (1956) und drei Jahre später in erweiterter und überarbeiteter Fassung“ (Lenz 2001, 246) . Allgemein betrachtet, enthüllt Goffman in seinen „elf Büchern, zehn davon ins Deutsche übersetzt, einen schreibbesessenen Soziologen, dessen hervorstechendeste Eigenschaft darin besteht, sich mit dem Vertrautesten, Alltäglichsten und Banalsten zu beschäftigen und darin Ungewöhnlichstes, Abenteuerlichstes und Erregendstes zu entdecken.“ (Oswald 1984, 211) . Bis 1969 lehrte er an der University of California und nahm dann eine Professur für Psychologie und Anthropologie an der University of Pennsylvania an. 1981 wurde er Präsident der Amerikanischen Gesellschaft für Soziologie. Jedoch konnte er seine Antrittsrede nicht mehr halten. Er starb am 19.11.1982 in Philadelphia. (vgl. Hettlage / Lenz 1991, 15).

IV. „Wir alle spielen Theater“

1. Einleitung

Goffman beginnt dieses Werk mit folgender These. Trifft ein Einzelner mit anderen zusammen, versuchen diese Informationen über ihn zu erlangen. Sie verfolgen hierbei den Zweck „die Situation zu definieren, so daß die anderen im voraus ermitteln, was er (der Einzelne) von ihnen erwarten wird und was sie von ihm erwarten können.“ (Goffman 2004, 5). Die Handlungen des Einzelnen beeinflussen die anderen bei der Deutung der Situation, bei der ihnen frühere Erfahrungen mit ähnlichen Personen behilflich sind.

Goffman definiert hier „Interaktion“. Sie ist ein wechselseitiger Einfluss von Individuen untereinander bezüglich ihrer Handlungen. Die „Rolle“ bezeichnet vorherbestimmte Handlungsmuster während einer Darstellung. (vgl. 2004, 18). Die „Darstellung“ wird im nächsten Kapitel erörtert.

2. Darstellungen

Goffman definiert den Begriff „Darstellung“ als das „Gesamtverhalten eines Einzelnen (…), das er in Gegenwart einer bestimmten Gruppe von Zuschauern zeigt, und das Einfluss auf diese Zuschauer hat.“ (2004, 23). Dieses Kapitel gliedert sich in folgende acht Unterpunkte:

2.1 Der Glaube an die eigene Rolle

Es wird bei einer Darstellung des Einzelnen davon ausgegangen, dass die Zuschauer den hervorgerufenen Eindruck ernst nehmen. Nun stellt sich die Frage, in „wieweit der Einzelne selbst an den Anschein der Wirklichkeit glaubt, den er bei seiner Umgebung hervorzurufen trachtet.“ (Goffman 2004, 19). Goffman skizziert zwei Extreme: einmal denjenigen Darsteller, der komplett von seinem eigenen Spiel gefangen genommen wird und von diesem getäuscht werden kann sowie denjenigen, der an seiner eigenen Rolle zweifelt und der nicht wirklich sein Publikum überzeugen vermag. Dieser gilt somit als zynisch.

Die Entwicklung vom Unglauben, also vom Mangel an innerer Überzeugung an die eigene Rolle, hin zum Glauben, bezogen auf die eigene Rolle, lässt Goffman durch ein Zitat des amerikanischen Soziologen Robert Ezra Park (1864-1944) beschreiben: „Es ist wohl kein historischer Zufall, daß das Wort Person in seiner ursprünglichen Bedeutung eine Maske bezeichnet. Daher liegt eher die Anerkennung der Tatsache, daß jedermann überall und immer mehr oder weniger bewusst eine Rolle spielt. (…) Die Rolle, die wir zu erfüllen trachten -, ist die Maske unser(es) wahr(en) Selbst (s): das Selbst, das wir sein möchten. Schließlich wird die Vorstellung unserer Rolle zu unserer zweiten Natur (…). Wir kommen als Individuen zur Welt, bauen einen Charakter auf und werden Personen. “ (Goffman 2004, 21).

2.2 Fassade

Jener Part der Darstellung, der das „standardisierte Ausdrucksrepertoire, das der Einzelne im Verlauf seiner Vorstellung bewusst oder unbewusst anwendet“ (Goffman 2004, 23), präsentiert, bezeichnet Goffman als „Fassade“. Diese Fassade enthält die Elemente des Bühnenbildes sowie die der persönlichen und sozialen Fassade. Die szenischen Komponenten wie Möbelstücke und Dekorationselemente gehören in das „Bühnenbild“, das ein gestalteter Raum ist, in dem z.B. das Individuum auftritt. Jener Raum kann eine Wohnung o.Ä. sein.

Als „persönliche Fassade“ bezeichnet man die Ausdrucksmittel, „die wir am stärksten mit dem Darsteller identifizieren und von denen wir erwarten, daß er sie mit sich herumträgt.“ (Goffman 2004, 25). Solche Fassaden beinhalten Merkmale wie Kleidung, Alter, Größe etc.. Die „soziale Fassade“ umfasst soziale Erwartungsmuster bezogen auf eine entsprechende Rolle; z.B. wie sich ein Pfarrer in der Gesellschaft verhalten sollte.

Für verschiedene Rollen können die gleichen Fassaden gewählt werden. Die abstrakten stereotypen Erwartungen an solche Fassaden können zur Folge haben, dass die soziale Fassade institutionalisiert wird. „Die Fassade wird zu einer „kollektiven Darstellung“ und zum Selbstzweck“ (Goffman 2004, 28). Somit nimmt der Darsteller nicht nur eine soziale Rolle an, sondern auch die zur „dramatischen Gestaltung“ zählende entsprechende Fassade.

2.3 Dramatische Gestaltung

Die Tätigkeit eines Individuums soll während einer Interaktion das ausdrücken, was auch wirklich ausgedrückt werden soll. Deshalb ist diese Handlung mit relevanten Hinweisen für das Publikum versehen. Um die Signifikanz solcher Tätigkeiten zu betonen, werden „unsichtbare Kosten in sichtbare“ (Goffman 2004, 32) transformiert. So können die Kunden des Leichenbestatters seine laufenden Kosten wie Versicherungen nicht „sehen“. Deshalb muss dieser Dienstleister, um seine Kosten zu decken, die Preise für seine „sichtbaren“ Leistungen wie bspw. für einen Sarg hinreichend erhöhen.

Insgesamt gesehen, soll die dramatische Gestaltung das Besondere an einer Rolle betonen.

2.4 Idealisierung

Die dramatische Gestaltung ist hier eine „Methode, durch die eine Darstellung „sozialisiert“, das heißt dem Verstän dnis und den Erwartungen der Gesellschaft, vor der sie stattfindet, angepasst wird.“ (Goffman 2004, 35).

Bei der Selbstdarstellung sollte der Einzelne die offiziell anerkannten Werte der Gesellschaft verkörpern und somit ein Ideal darstellen. Eine angemessene Selbstdarstellung ist unter anderem bei sozialem Aufstieg ausschlaggebend. Einer der relevantesten „Bedeutungsträger innerhalb der sozialen Klassen sind die Statussymbole“ (Goffman 2004, 36).

Der Darsteller neigt dazu Handlungen, die mit seinen eigentlichen Idealen nicht kongruieren, zu verbergen wie den „geheimen Konsum“ z.B. von Alkohol. Möchte ein Darsteller erfolgreich sein, so muss er den „extremsten Klischeevorstellungen des Publikums“ (Goffman 2004, 40) entsprechen. Goffman führt das Beispiel eines Straßenbettlers vor der Jahrhundertwende auf. Dieser müsste sich, um „Erfolg“ zu erreichen, extrem verhalten; er müsste z.B. verlumpt an einer Brotkruste nagend am Straßenrand sitzen. Zu beachten ist ebenso die gewollte negative Darstellung, um sich absichtlich in ein ungünstiges Licht zu rücken.

Idealisierung bedeutet auch, dass der Einzelne der momentanen Darstellung seiner Rolle sowie dem Publikum „etwas Besonderes und Einmaliges“ (Goffman 2004, 47) verleiht. Dies illustriert das enttäuschte Verhalten von Patienten, wenn sie sich der Routine des Arztes und seiner eventuellen Vergesslichkeit z.B. auf die Fakten der letzten Visite bezogen, bewusst werden.

2.5 Ausdruckskontrolle

Der Darsteller verlässt sich darauf, „daß sein Publikum kleine Hinweise als Zeichen für wichtige Momente der Vorstellung annimmt.“ (Goffman 2004, 48). Jedoch kann auch folgende negative Konsequenz entstehen, nämlich dass das Publikum zufällige, ungewollte Gesten oder Zeichen falsch deutet. Somit kann eine Fehlinterpretation zu einer nicht geplanten Definition der Situation führen. Dieses Missverstehen kann umgangen werden, in dem möglichst viele Nebenereignisse so eintreten, dass sie die Zuschauer kaum oder gar nicht mehr beeindrucken. Besteht die Gefahr, dass die Situation anders als die vorherige gedeutet wird, so sollte der Darsteller gerade hier die Unstimmigkeiten zwischen Gefühle und Verhalten verbergen. Allgemein lässt sich feststellen, dass „durch soziale Disziplin (…) eine Rolle von innen her durchgehalten werden (kann). “ (Goffman 2004, 54).

2.6 Unwahre Darstellungen

Durch die Neigung des Publikums den Hinweisen des Darstellers zu trauen und sie zu interpretieren, kann es Gefahr laufen, irregeführt und getäuscht zu werden. Diese Art der Darstellung nennt Goffman „unwahre Darstellung“.

Das Publikum verurteilt den einen trügerischen Darsteller, dessen ganzes Leben auf einer Lüge basiert, streng wie z.B. einen Hochstapler. Hingegen kann es für jemanden sogar Sympathie empfinden, der versucht einen verhängnisvollen Makel zu verbergen, wie bspw. ein ehemaliger Sträfling zu sein. (vgl. Goffman 2004, 56). Wird der Darsteller beim offensichtlichen Lügen ertappt, verliert er nicht nur in diesem Schauspiel sein Ansehen, sondern sein kompletter Ruf ist gefährdet. Allerdings werden so genannte „fromme Lügen“, die ein Arzt oft zur Schonung des Empfindens seines Patienten verwendet, nicht verabscheut. Es werden also nicht alle unwahren Darstellungen gleich bewertet. Nach taktisch klugen Kunstgriffen der Kommunikation, bei denen absichtlich ein falscher Eindruck vermittelt wird, ohne sich der direkten Lüge zu bedienen, agiert oft die Öffentlichkeit. Goffman verweist an dieser Stelle auf die britische Verwaltungsordnung: „Es darf nichts gesagt werden, was nicht wahr ist; aber es ist ebenso überflüssig und manchmal sogar im öffentlichen Interesse unerwünscht, alles was relevant und wahr ist, zu sagen; die Tatsachen dürfen in jeder geeigneten Reihenfolge mitgeteilt werden.“ (2004, 59). Fehlinformanten ist es also erlaubt, „Nutzen aus Lügen zu ziehen, ohne im strengen Sinne gelogen zu haben.“ (Goffman 2004, 58).

Durch den falschen Eindruck eines Individuums in einer Rolle können alle anderen Handlungsbereiche zweifelhaft erscheinen bzw. diskreditiert werden, auch wenn der Einzelne in diesen eventuell nichts zu verbergen hat. Deshalb haben Schauspieler oft innerhalb ihrer Darstellung Angst, entlarvt zu werden.

Ferner kann ein entstandener Eindruck durch mangelnde Übereinstimmung mit der Realität entwertet werden. Zu beachten ist, dass Darsteller versuchen den einmal geschaffenen Eindruck auch aufrechtzuerhalten. Es ist irrelevant, ob „die Darstellung von Betrügern und Lügnern zwar offensichtlich falsch ist und sich in der Hinsicht von gewöhnlichen unterscheidet, (entscheidend ist jedoch), dass (…) in beiden Fällen der Darsteller die gleiche Sorgfalt aufwenden muß,“ (Goffman 2004, 62) um den bereits erwähnten entstandenen Eindruck aufrechtzuerhalten. Ob nun die Wahrheit oder die Unwahrheit dargestellt wird, es muss darauf geachtet werden, dass „Darstellung

(en) Ausdrucksweisen ausschließen, durch die der hervorgerufene Eindruck entwertet werden könnte.“ (Goffman 2004, 62). Somit schließt Goffman diesen Unterpunkt mit jenem Satz ab: „In Folge dieser gemeinsamen dramaturgischen Bedingungen können wir Darstellungen, die vollkommen unwahr sind, ausnützen um etwas über vollkommen aufrichtige Darstellungen zu erfahren.“ (2004, 62).

2.7 Mystifikation

Bei Darstellungen wird manches verschleiert, um beim Zuschauer Mystifikation bezüglich der Vorstellung hervorzurufen. Goffman sieht die „Wahrnehmung als eine Art gemeinschaftlichen Kontakt“ (2004, 62), bei dem die Kontrolle über das Wahrgenommene die Kontrolle über den hergestellten Kontakt ist.

Darsteller erzeugen beim Publikum Ehrfurcht durch Einschränkung des Kontakts zu ihm. Eine solche soziale Distanz illustriert folgendes Beispiel, bei dem der Berater seinen norwegischen König warnt, dass durch Vertraulichkeit Verachtung entsteht. „Ich sagte ihm, er müsse sich auf einen Podest stellen und dort bleiben; dann erst könne er auch gelegentlich gefahrlos heruntersteigen. Das Volk wolle keinen König, mit dem es auf ein Picknick gehen kann, sondern etwas Ungreifbares wie das delphische Orakel.“ (Goffman 2004, 64).

Des Weiteren können Geheimnisse der Darsteller z.B. durch Andeutungen Mystifikation hervorrufen. Der Darsteller muss nun hier verhindern, dass sein Publikum bemerkt, dass in der Realität kein Mysterium existiert.

2.8 Dichtung und Wahrheit

Der letzte Punkt der „Darstellung“ beschäftigt sich mit Dichtung und Wahrheit.

Das Publikum neigt dazu, „ehrliche Darstellung so zu sehen, als fände sie ohne Absicht statt.“ (Goffman 2004, 65); also wenn das Verhalten natürlich und unbewusst ist, gilt es als ehrlich. Stattdessen hält der Zuschauer eine künstliche Darstellung für mühselig.

Goffman untersucht hier „die unmittelbare Beziehung zwischen Aufrichtigkeit und Darstellung“ (2004, 66). Manche Darstellungen brillieren durch vollkommene Aufrichtigkeit und andere durch grundsätzliche Unehrlichkeit.

[...]

Details

Seiten
23
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638404624
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v42430
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
2,0
Schlagworte
Theater

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