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Interessentheorie - Grundzüge der Interessentheorie mit Bezug auf musikpädagogische Zusammenhänge

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 18 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Interesse?
2.1 Individuelles Interesse
2.2 Situationales Interesse

3. Wie kann Interesse gesteigert werden?
3.1 Motivationale Orientierung

4. Was hält Interesse dauerhaft aufrecht?

5. Wie wichtig ist Interesse bei der Probenarbeit eines Orchesters?

6. Schlusswort

7. Erklärung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Aus dem vielseitigen Themenbereich der Probenpädagogik von Michael Stecher aus dem Jahre 2001 habe ich das Thema Interesse ausgewählt.

In dieser Arbeit werden die Grundgedanken der Interessentheorien u.a. von Andreas Krapp, Hans Schiefele und Manfred Prenzel vorgestellt und in Bezug dazu gestellt, wie wichtig Interesse bei der Orchesterarbeit ist.

Im ersten Kapitel meiner Arbeit erkläre ich, was man unter Interesse versteht. Hierbei lege ich Wert auf die Ursprünge und auf die Entwicklung des Interessenbegriffs.

Im zweiten Abschnitt werden wichtige Merkmale von Übe- und Lernstrategien dargelegt, die zur Aufrechterhaltung von Interesse entscheidend beitragen.

Die wichtige Frage, wie Interesse dauerhaft aufrechterhalten wird, beleucht ich im dritten Abschnitt.

Zuletzt gehe ich der Frage nach, wie wichtig Interesse der Musiker und Musikerinnen im Orchester bei der Probenarbeit ist.

2. Was ist Interesse?

Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „Interesse“ stammt aus dem lateinischen Wort „inter-esse“ und bedeutet dazwischen sein in Raum und Zeit.

Schon im Mittelalter bekam das Wort eine abgeänderte Bedeutung, der Begriff Interesse wurde für die Bestimmung einer Wertdifferenz verwandt.

Später war mit Interesse all das gemeint, was allgemein einer Person nützt.

Mit dem 18. Jahrhundert erhielt das Wort die Bedeutung, die wir heute kennen: Interesse als Aufmerksamkeit, die der Mensch einem Interessengegenstand entgegenbringt.

Das erste geordnete pädagogische Interessenkonzept entwickelte Herbart in seiner allgemeinen Pädagogik von 1806. Dies war die Grundlage der weiter folgenden Interessentheorien.

In der Zeit der Reformpädagogik wurden Definitionsansätze des Interessenbegriffs geschaffen. Das eigene Gebiet Interessenforschung folgt aus diesen Ansätzen ungefähr 1920.

Nach dem heutigen Stand der Erkenntnis wird Interesse als „Relation zwischen Person und Gegenstand“[1] definiert. Mit dem Gegenstand ist ein „Umweltausschnitt“[2] gemeint, den die Person als eigene Einheit, also unabhängig von anderen Gegenständen als Ganzes auffasst.

Die Relation zwischen Person und Gegenstand wird durch drei wichtige Merkmale gekennzeichnet:

1. kognitiver Merkmalsbereich

Durch die Beschäftigung mit einem Gegenstand werden kognitive Erweiterungen geschaffen. Man verfügt über ein zunehmendes Verständnis und über Klarheit. Man kann sich Bezüge selbständig verdeutlichen, reines Fachwissen wird immer weiter ausgebildet und man lernt zu differenzieren und kann sich Probleme bewusst machen und Lösungen suchen.

2. emotionale Erlebnisse

Eine interessierte Person erfährt durch den Umgang mit dem Gegenstand Gefühle. Sie kann die Beschäftigung als angenehm und freudvoll empfinden. Oder sie empfindet Bewunderung und Faszination für den Gegenstand. Gefühle, die dem Interessengegenstand gelten, sind charakteristisch für eine gute Person-Gegenstand Beziehung.

3. Wertschätzungen

Ein Interessengegenstand unterscheidet sich von anderen Gegenständen dadurch, dass er eine besondere Wertschätzung erhält. In einer Rangliste, in der Gegenstände aufgelistet sind, mit denen sich eine Person beschäftigt, steht der Gegenstand, der mit Interesse behandelt wird, an erster Stelle. Eine interessierte Person „(…) nähert sich dem Gegenstand ihres Interesses mit der Geste der Wertschätzung, der Bereitschaft, sich etwas sagen zu lassen, was sie noch nicht wusste, der Erwartung, im Umgang mit der Sache, um die es geht, Spannung, Überraschung und Befriedigung zu erleben. (…)“[3] Die Person wird weiterhin von einem inneren Gefühl geleitet, welches ihr Freude bereitet neue Merkmale des Gegenstandes kennen zu lernen und ist voller Hoffnung und Ehrgeiz. Durch die eindringliche Beschäftigung mit dem Interessengegenstand versucht die Person immer mehr von der Sache zu verstehen und schafft durch die Erschließung des Gegenstandes mehr und mehr Bereicherungen, die die Person auch an sich selber erfährt. „Die Person gewinnt Identität über ihren Bezug zum Interessengegenstand.“[4] Das bedeutet, dass die interessierte Person durch die Beschäftigung mit dem Gegenstand nach Selbstverwirklichung strebt.

„Über eine bestimmte Sache Bescheid zu wissen, erscheint sinnvoll, nicht bloß um eines Nutzens willen, vielmehr erschließt sich ein Lebenssinn. Und welchen anderen Sinn könnte das Leben eines Menschen denn haben, als die Welt zu begreifen, in der er lebt; (…)“[5]

2.1 Individuelles Interesse

Zur Einzigartigkeit des Menschen gehört, dass er individuelle Interessen besitzt und diese bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Jeder Mensch hat eine andere „Empfänglichkeit oder innere Bereitschaft zu etwas.“[6] Die individuellen Interessen sind „persönlichkeitsspezifische Vorliebe(n) für ein Gebiet.“[7]

Handlungen, die zur Erschließung eines Interessengegenstandes führen, kommen aus dem Inneren heraus, sind eine „generelle Einstellung“ der interessierten Person zum Gegenstand. Sie werden ohne Zwang durchgeführt, sondern frei nach dem Willen der Person. Es ist also Handlungsbereitschaft vorhanden.

Für die interessierte Person hat das persönliche Interesse eine wertvolle Bedeutung; es trägt zur Erweiterung und Bereicherung des Selbstkonzeptes bei.

2.2 Situationales Interesse

Unter situationalem Interesse versteht man besondere Anreize von Außen, die auf eine Person einwirken. Diese Anreize sollen Interesse wecken und Motivation fördern. Auch kann situationales Interesse zur „Verbesserung der kognitiven Verarbeitungsprozesse“[8] beitragen.

Das situationale Interesse stellt somit die Gegenposition zum individuellen Interesse dar. Beide Interessentypen wirken auf den Menschen ein, der eine von Innen, der andere von Außen.

Daher sind sie auch nicht gänzlich von einander zu trennen. Interessenorientierte Handlungen bestehen immer aus beiden Komponenten. Von welchem Interesse eine Person stärker gelenkt wird, hängt vom „Entwicklungsniveau des Interesses“[9] ab.

Bei schwach ausgeprägtem individuellen Interesse wird die interessierte Person mehr von situationalem Interesse gelenkt: Die Interessantheit eines Gegenstandes an sich weckt Neugier und Motivation, auch von Innen heraus den Gegenstand weiter zu erfahren. Um das individuelle Interesse also zu erweitern und zu festigen, ist situationales Interesse notwendig.

Umgekehrt verhält es sich etwas anders. Wenn eine Person ein hoch ausgeprägtes individuelles Interesse besitzt, ist kaum Interessantheit von Außen notwendig, da die interessierte Person von ganz alleine so viel Motivation besitzt, sich mit einem Gegenstand intensiv zu befassen.

[...]


[1] M. Prenzel, A. Krapp, H. Schiefele,1986, S.166

[2] ebenda, S.166

[3] H. Schiefele, 1986, S.155

[4] M. Prenzel, A. Krapp, H. Schiefele, 1986, S.167

[5] H. Schiefele, 1986, S.156

[6] M. Stecher, 2001, S.156

[7] A. Krapp, 1992, S.748

[8] A. Krapp, 1992, S.749

[9] A. Krapp, 1992, S.150

Details

Seiten
18
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638404150
ISBN (Buch)
9783656202509
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v42372
Institution / Hochschule
Folkwang Universität der Künste
Note
2,0
Schlagworte
Interessentheorie

Autor

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Titel: Interessentheorie - Grundzüge der Interessentheorie mit Bezug auf musikpädagogische Zusammenhänge