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Das Verhältnis Frau - Computer und mögliche Ursachen im Sozialisationsprozess

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 19 Seiten

Pädagogik - Medienpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Männlich – Weiblich
2.1. Klärung des Begriffs Sozialisation
2.2. Geschlechtsrollenstereotype Verhaltensweisen
2.3. Aneignung geschlechtsspezifischen Verhaltens im Sozialisationsprozess
2.4. Zwischenbilanz

3. Zugang zu Computer und Technik
3.1. Computernutzung von Mädchen und Jungen
3.2. Frauen und Männer am PC
3.3. Frauen in der Informations- und Kommunikationstechnik

4. Mögliche Rückschlüsse von der Computernutzung auf den Erwerb rollentypischer Verhaltensweisen im Sozialisationsprozess

5. Ausblick

Verwendete Literatur

1. Einleitung

Computer und Internet stellen in der heutigen Zeit ein wichtiges Medium zur Wissensaneignung und Kommunikation dar. In diversen Studien wird deutlich, dass die Nutzung dieses Mediums in den letzten Jahren stetig zunimmt. Für die unterschiedliche Verbreitung und Anwendung dieses Mediums gibt es verschiedene Erklärungsmöglichkeiten. So kann der Gebrauch eines Computers unter anderem abhängig sein vom sozialen Stand, Bildungsgrad aber auch vom Geschlecht der Anwender.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Nutzungshäufigkeiten und Nutzungspräferenzen in Bezug auf Computer und Internet. Dabei soll, unter Betrachtung des Sozialisationsprozesses, der geschlechtsspezifische Aspekt genauer betrachtet werden. Es wird versucht, eine Erklärung für die unterschiedliche Art und Ausprägung der Computeranwendung zu finden, und diesbezüglich soll festgestellt werden, inwieweit die Aneignung rollentypischer Verhaltensweisen in der Kindheit ein Motiv darstellt.

Dabei werden zunächst die Begriffe Sozialisation und Geschlechterrollenstereotype im Allgemeinen geklärt. Die Zuweisung und schließlich die Übernahme der weiblichen bzw. männlichen Rolle findet in der Kindheit statt und begründet sich, neben verschiedenen anderen Faktoren, in der unterschiedlichen Behandlung von Mädchen und Jungen.

In dem Zusammenhang soll betrachtet werden, wie der weibliche und männliche Zugang zur Technik aussieht und wie sich eventuell vorhandene Unterschiede darstellen. Damit ist hier nicht nur die Anwendung von Computersoftware sondern auch deren Herstellung bzw. Programmierung gemeint. Außerdem wird gemeinhin der Computer der Technik zugeordnet und oftmals ist dies immer noch eine Männerdomäne, in der es sich für Frauen schwieriger darstellt einzuziehen, bzw. akzeptiert zu werden. Das Verhältnis Frauen und Technik bzw. neue Technologien soll hier näher ausgeführt werden.

Ein weiterer Teil dient der Erörterung unterschiedlicher Computernutzung von Frauen und Männern. Hierbei wird untersucht, ob Rückschlüsse auf den kindlichen Sozialisationsprozess gezogen werden können

2. Männlich – Weiblich

In diesem Teil der Arbeit soll zunächst der Sozialisationsbegriff geklärt werden. Innerhalb dieser Thematik steht der Geschlechteraspekt im Vordergrund. Der Erwerb geschlechtsspezifischer Verhaltensweisen kann untersucht werden, indem die Sozialisationsfaktoren und deren Bedeutung, die unterschiedliche Behandlung von Mädchen und Jungen und schließlich die Rollenaneignung genauer betrachtet werden.

2.1. Klärung des Begriffs Sozialisation

Der Begriff Sozialisation bezeichnet den Prozess der Ontogenese, d.h. die Entwicklung des einzelnen Menschen im Laufe seines Lebens. Helga Bilden definiert Sozialisation als “[...] den Prozeß (sic), in dem aus einem Neugeborenen ein in der Gesellschaft handlungsfähiges Subjekt wird (und bleibt). Sie findet statt, indem das sich bildende Individuum zunehmend teilhat an den sozialen Praktiken, in denen die Gesellschaft sich selbst produziert und verändert. Es ist in diesen sozialen Praktiken und in der Übernahme und Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlich Vor-Strukturierten (nicht einfach fix Vorgegebenen), dass wir Frauen und Männer werden” (Bilden, 1991, S.279).

Dieser Prozess, der von jedem durchlaufen wird, um von der Gesellschaft akzeptiert zu werden, wird allgemein Sozialisation genannt. Der Mensch passt sich aktiv und passiv in ein Raster ein, das es zulässt, ihn einzuordnen. Anders ausgedrückt meint Sozialisation das Lernen der normativen Ordnung einer Gesellschaft. Damit ist aber nicht gemeint, dass Sozialisation ausschließlich als Normierung zu sehen ist. Es wird gleichzeitig die Entwicklung der Persönlichkeit bzw. der Individualität gefördert. “Im Zentrum des Sozialisationsprozesses steht die Entwicklung und Veränderung der menschlichen Persönlichkeit” (Tillmann, 1989, S.11). Auf der einen Seite werden wir wie jede(r) andere, gleichzeitig werden wir jedoch auch wie kein(e) andere(r).

In Abgrenzung zum Begriff der Erziehung, meint Sozialisation “[...] die Gesamtheit der Lernprozesse im weitesten Sinne [...]” (Geulen, 1994, S. 102). Im Falle der Sozialisation kann es sich um eine bewusste, gewünschte oder geplante Vorgehensweise handeln und zu einem beliebigen Zeitpunkt an einem beliebigen Ort stattfinden (vgl. ebd.). Die Erziehung stellt eine Teilmenge der Sozialisation dar - Erziehung ist sozusagen gezielte, geplante Sozialisation.

2.2. Geschlechtsrollenstereotype Verhaltensweisen

Schon in dem Mythos von Adam und Eva werden Frauen und Männern verschiedene Eigenschaften zugesprochen. Menschen orientieren sich an den vorgegebenen “typisch männlichen” und “typisch weiblichen” Verhaltensmustern. Demnach seien Frauen z.B. versierter im emotionalen Bereich, während Männern logisches Denken und Verstand zugesprochen wird.

Wie emanzipiert sich die Gesellschaft auch immer darstellt, die starre Einordnung in bestimmte Klischees findet sich immer wieder. “Wenn wir aber die ‘männlichen‘ und ‘weiblichen’ Eigenschaftszuweisungen und ihre relative Bewertung für unsere Kultur gut kennen, wissen wir auch, daß (sic) diese Eigenschaften immer auch fiktiv sind. In der Praxis werden Personen nicht dann dem einen oder anderem Geschlecht zugewiesen, wenn sie die dazugehörigen Eigenschaften unter Beweis gestellt haben, sondern umgekehrt werden ihnen die Eigenschaften unterstellt und ihr Verhalten wird bewertet nach Maßgabe ihrer Geschlechtszugehörigkeit; außerdem werden zahlreiche Ausnahmen tagtäglich akzeptiert” (Hagemann-White, 1984, S. 80). Die jeweils typischen Handlungsweisen und zugewiesenen Eigenschaften sind trotzdem dermaßen stark etabliert, dass es mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden ist, aus diesen Konventionen auszubrechen.

Aufgrund der vorherrschenden Geschlechtsrollenbilder innerhalb der Gesellschaft, stellen sich automatisch Erwartungen an das jeweilige Geschlecht. Um nicht “aus dem Rahmen zu fallen”, versucht die Mehrzahl sich einzufügen. Die Grenzen, die den Individuen gesteckt werden, lassen sich gut am Beispiel des “Rahmens” verdeutlichen. Die “Bilder” von Frauen und Männern beinhalten bestimmte Anforderungen und Erwartungen. Innerhalb dieser Bilder gibt es einen Spielraum, innerhalb dessen gehandelt werden kann. Diesem Spektrum an Verhaltensweisen sind jedoch deutliche Grenzen gesetzt, die als “Rahmen” bezeichnet werden können. Die Individuen leben nur in einem konkreten, eigenwilligen Teil dieser Erwartungen und Anforderungen. Wenn sie dabei aus dem Rahmen zu fallen drohen, folgen gesellschaftliche Sanktionen. Dass tatsächlich Abweichungen in verschiedenen Verhaltensweisen auftreten, kann nicht geleugnet werden. Unterscheidungen bei den Geschlechtern finden sich jedoch weniger in der Ausprägung bestimmter Verhaltensmuster als in der Art und Weise der Ausführung.

2.3. Aneignung geschlechtsspezifischen Verhaltens im Sozialisationsprozess

Der Grundstein geschlechtsspezifischen Verhaltens wird in der Kindheit gelegt. Die Internalisierung bestimmter Verhaltensmuster wird beeinflusst durch verschiedene Sozialisationsfaktoren. Grundsätzlich lassen sich diese in innerfamiliäre und außerfamiliäre Faktoren einteilen. “Es gibt entsprechend der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung verschiedene soziale Anforderungen an Männer und Frauen und entsprechende Individualitätsformen. Vorformen davon und Annäherungen daran sind die Anforderungen an männliche und weibliche Kinder” (Bilden, 1980, S. 787).

Die wesentlichen Faktoren, die bei der kindlichen Sozialisation im Vordergrund stehen, sind die Einflüsse und Anforderungen innerhalb und außerhalb der Familie. Es ist wichtig zu beachten, dass das Kind dem Sozialisationsprozess nicht passiv ausgesetzt ist. Wie in der Definition von Helga Bilden in Kapitel 2.1. zitiert, hat das Individuum aktiv teil an der Sozialisation. Im Laufe der Entwicklung verschiebt sich die “Fremdkontrolle” zunehmend in Richtung “Selbstkontrolle” (vgl. Bilden, 1991, S. 787). Zu Beginn der Entwicklung üben die Eltern den primären Einfluss auf die Kinder aus. Allerdings merkt Hagemann-White an, dass es schwierig ist, “[...] den Anteil der Erwachsenen und den Anteil der Kinder an dem gegenseitigen Sozialisationsprozeß (sic) genau auszumachen” (1984, S. 49).

Ein Grund für die geschlechtstypischen Verhaltensweisen der Kinder liegt in der unterschiedlichen Art und Weise, in der Mädchen und Jungen behandelt werden. Von Geburt an werden Menschen dem weiblichen oder männlichen Teil der Bevölkerung zugeteilt. Kinder werden durch Kleidung, aber auch durch Spielzeug auf bestimmtes Rollenverhalten vorbereitet. Ihnen werden Werte und Normen durch den sachgerechten Umgang mit Spielzeug vermittelt (vgl. Bilden, 1980, S. 789). Oftmals findet man in den Kinderzimmern kleine Puppenstuben für Mädchen. „Kleine Jungen hingegen lernen schon früh mit Autos und kompliziertem mechanischen Spielzeug umzugehen – Dinge, mit denen sie als Junge oder Mann umgehen werden. Also auch hier bei den Jungen bereits im zarten Alter das Einüben, die Entfaltungen angeblich ‚natürlicher’ Fähigkeiten und Eigenschaften. In Wahrheit jedoch ist das bei beiden Geschlechtern nichts weiter als das Schaffen der Vorraussetzungen für die spätere geschlechtsspezifische Arbeitsteilung und damit auch die Reproduktion der bestehenden geschlechtsspezifischen Herrschaftsverhältnisse“ (Scheu, 1977, S. 77).

Die unterschiedliche Zuordnung von Verhaltensweisen oder erwünschten Fähigkeiten zu ‚männlich’ und ‚weiblich’ spiegelt sich also auch in der ungleichen Ausstattung der Spielzeugkisten von Mädchen und Jungen wieder. „Schon die Trennung von Spielzeug für Jungen und für Mädchen – wie es ganz besonders die entsprechende Werbung widerspiegelt – und wie wir sie in den dazugehörigen Ecken in Kindergärten zum Beispiel finden, betont eine besondere Geschlechtszugehörigkeit und führt zur Verstärkung der Zuordnung“ (Aufenanger, 2003, S. 8).

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Details

Seiten
19
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638404006
Dateigröße
640 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v42347
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
gut
Schlagworte
Verhältnis Frau Computer Ursachen Sozialisationsprozess Jugend Internet Ungleichheit

Autor

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