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Jean-Jacques Rousseau

Hausarbeit 2001 16 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Jean –Jacques Rousseau
2.1.Seine Bedeutung für die Pädagogik

3. Zentrale Begriffe in Rousseaus Erziehungsgedanken
3.1.Der Naturbegriff
3.2.Die negative oder indirekte Erziehung

4. Entwicklung und Erziehung im Zusammenhang mit dem Naturbegriff
4.1.Die Idee der natürlichen Entwicklung und das System der natürlichen Erziehung
4.1.1.Der Erzieher
4.1.2.Erziehungsmittel
4.2.Die Notwendigkeit von Erziehung

5. Der Bildungsgang
5.1.Die intellektuelle Bildung
5.2.Die Gefühlsbildung
5.3.Die soziale Bildung

6. Fazit

7. Literatur

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit möchte ich die Pädagogik und die Erziehung an hand von Jean – Jacques Rousseau etwas näher durchleuchten und darstellen, da sich gerade durch ihn in der Geschichte der Pädagogik eine tiefgreifende Wandlung vollzog. Er brachte in die bis dahin überlieferte Erziehung völlig neue Aspekte und Vorstellungen ein und setzte für seine Zeit unvorstellbare Maßstäbe und Zielsetzungen.

Aus diesem Grund liegt es nahe, zunächst einiges über seine Bedeutung für die Pädagogik zu sagen und wie er von seinen staatstheoretischen Überlegungen zu den pädagogischen Rückschlüssen kam, die er überwiegend in seinem pädagogischen Hauptwerk Emile- oder Über die Erziehung (1762) festgehalten hat.

Nach der Klärung einiger für seine Pädagogik wichtige Begriffe komme ich dann konkret auf seine entwicklungspsychologischen und pädagogischen Überlegungen zu sprechen.

2. Jean – Jacques Rousseau (* 1712 in Genf, + 1778 in Ermonville)

2.1. Seine Bedeutung für die Pädagogik

Eingelagert in die Ideen der Aufklärung sollten vor dem Hintergrund des Ancien Regime nicht nur Tradition und Glaube mit den dazugehörigen überlieferten Werten, Institutionen, Konventionen und Normen rational hinterfragt werden. Auch für die Pädagogik vollzog sich ein grundlegender Wandel: durch das Reflektieren über Sinn und Zweck der Erziehung entstand ein völlig neues erzieherisches Eigenverständnis und der Mensch an sich rückte in den Vordergrund.

Als Ausgangspunkt für das Verständnis von Rousseaus Pädagogik muss allerdings zunächst Rousseaus Menschenbild und seine sozial-politische Auffassung über die damalige Zeit geklärt werden.

Rousseau geht in all seinen Betrachtungen von der These aus, das der Mensch von Natur aus gut ist. Alle Menschen werden frei geboren und sind nahezu gleich. Zwar verkennt auch er nicht, dass zwischen den Menschen Ungleichheit besteht und der Mensch dazu neigt, über die anderen herrschen zu wollen, aber für ihn liegt der Grund für diese faktische Ungleichheit einzig und allein in der Vergesellschaftung der Menschheit und dem daraus resultierenden Gesellschaftszustand. Seiner Meinung nach lebten die Menschen zu Anbeginn der Menschheit in einem glücklichen unabhängigen Naturzustand. Sie waren instinktgeleitete Vernunftwesen deren einzige Gefühlsprinzipien die natürliche Selbstliebe und das Mitleid waren. Die Selbstliebe diente in erster Linie der individuellen Selbsterhaltung. Das Mitleid charakterisierte ihn als sentimentales und sensibles Wesen und sorgte für die Erhaltung der Gattung Mensch. Ansonsten war der Mensch im Urzustand überwiegend für sich selbst und einsam. Er lebte autark und war mit dem zufrieden, was er hatte. Dadurch wurde das natürliche Gleichgewicht seiner Bedürfnisse und den dazu notwendigen Fähigkeiten erhalten und somit auch sein glücklicher unabhängiger Zustand. Jedoch war diesem Menschen seine natürliche Unabhängigkeit nicht bewusst, da ihm im Urzustand das dazu nötige Selbstbewusstsein fehlte. Ein Selbstbewusstsein erlangte der Mensch erst beim Übergang in den gesellschaftlichen Zustand. Diesen Wechsel vom Naturzustand in den Gesellschaftszustand beging der Mensch laut Rousseau jedoch nicht von sich aus, sondern äußere Umstände, wie Klimaänderungen oder die wachsende Population, haben ihn dazu gezwungen, sich mit anderen Menschen zusammenzuschließen. Durch diese unfreiwillige Sozialisation des ursprünglich isoliert lebenden Menschen begannen die einzelnen Individuen sich miteinander zu vergleichen und hegten den Wunsch sich zu unterscheiden, sich z.B. durch Privateigentum voneinander abzuheben. Durch Neid und Eifersucht entwickelte sich aus der natürlichen Selbstliebe des Menschen ein neues unnatürliches Gefühl: das der Selbstsucht.

Das System des Ancien Regime im feudalabsolutistischen Frankreich seiner Zeit spiegelt diesen durch Ungleichheit und Unterdrückung geprägten Gesellschaftszustand wieder. Als Anhänger der Aufklärung richtet auch er sein Denken gegen die damals vorherrschende Bevormundung durch Kirche und Adel und die gesellschaftliche Unterteilung in Stände. In einigen seiner Werke fordert er als Kulturkritiker und Sozialphilosoph die Wiederherstellung der natürlichen Gleichheit der Menschen, deren Anspruch auf Freiheit und deren Recht auf Individualität. Auf politischer Ebene entstand hierzu 1762 der Gesellschaftsvertrag. Sein Anliegen ist eine „vernünftige“ Gesellschaftsordnung, in der die Individualrechte, wie Freiheit, Eigentum und Sicherheit, selbstverständliche Elemente sind. Aus diesem Grund lehnt er, im Gegensatz zu den Enzyklopädisten und anderen Anhängern der Aufklärung, die Fortschritte in Wissenschaft, Technik und Kunst ab. Seiner Meinung nach sind eben diese neuen Errungenschaften schuld am Zerfall von Sitte und Moral. Sie haben den Menschen zum Sklaven der gesellschaftlichen Verhältnisse gemacht und ihn noch weiter vom Naturzustand entfernt. Ausführlich äußert er sich hierzu in seiner 1749 erschienenen Abhandlung über die Frage: „ Hat die Erneuerung der Wissenschaften und Künste dazu beigetragen, die Sitten zu veredeln?“. Hier fordert er zwar nicht direkt eine Rückkehr zum Urzustand, aber er ermahnt an die im Urzustand vorhandenen Werte –Freiheit, Unschuld, Tugend –zurück zu erinnern und somit eine Verschlimmerung der Verhältnisse zu verhindern.

Durch die für den Gesellschaftszustand typische Einführung von Eigentum und die ebenfalls typische Festlegung der zivilen Gesetze wurde die Ungleichheit unter den Menschen zu einem anerkannten Gesetz gemacht. Der Mensch hat sich laut Rousseau von einem ursprünglich guten, freien und gleichen Geschöpf der Natur zu einem schlechten, gefesselten und unterdrückten Geschöpf der Gesellschaft entwickelt.

Hier beantwortet sich auch die Frage, warum Rousseau sich nicht nur als Philosoph, Schriftsteller und Kulturkritiker einen Namen machte, sondern auch als Pädagoge. Seine sozial-politischen Auffassungen stellen die Ausgangspunkte und Grundlagen für seinen Erziehungsgedanken dar: sein Anliegen als Pädagoge ist es, einen Menschen zu erziehen, der jedem bürgerlichen Staat, so wie Rousseau ihn in seinem Sozialvertrag darstellt, ein nützlicher und guter Bürger werden kann. Seine pädagogischen Gedanken sind hauptsächlich in seinem 1762 erschienenen Erziehungsroman Emile –oder Über die Erziehung festgehalten. In der heutigen Zeit gilt Rousseau weitverbreitet als der Entdecker der Kindheit, mit all ihrer Eigenart und ihrem Eigenrecht als Entwicklungsstufe (vgl. hierzu Wei, Y., 1993). Er entwickelte eine für seine Zeit völlig neue Sichtweise auf das Kind, immer im Hinblick auf seine These, dass der Mensch von Natur aus gut ist.

3. Zentrale Begriffe in J.J. Rousseaus Erziehungsgedanken

3.1. Der Naturbegriff

Um Rousseaus Erziehungsgedanken verständlich darzulegen, ist es notwendig, den Begriff der Natur, wie Rousseau ihn verwendete, etwas näher zu betrachten.

Die Natur im Sinne Rousseaus lässt sich im Nachhinein nur schwer präzise definieren. In seinen Zusammenhängen stellt sie ein komplexes Konstrukt dar, mit je nach Zusammenhang unterschiedlichen Bedeutungen.

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Details

Seiten
16
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638403436
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v42267
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
keine Note
Schlagworte
Jean-Jacques Rousseau

Autor

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Titel: Jean-Jacques Rousseau