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Die Geldschöpfung der Geschäftsbanken

Studienarbeit 2018 20 Seiten

VWL - Finanzwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Bedeutung des Geldes
2.1. Die Geldfunktionen
2.2. Die Formen des Geldes
2.2.1. Das Bargeld
2.2.2. Das Buchgeld (Giralgeld)
2.2.3. Die Messung der Geldmenge

3. Geldschöpfung und Geldvernichtung
3.1. Buchgeldschöpfung der Geschäftsbanken durch Kreditgewährung
3.2. Weitere Alternativen der aktiven Buchgeldschöpfung

4. Grenzen der Buchgeldschöpfung

5. Szenario einer 100%-Reservehaltung und Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Internetverzeichnis

Anhang

Ehrenwörtliche Erklärung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Die Geldmenge im Euro-Währungsgebiet, Stand Mai 2017

Abb. 2 Geldmengenwachstum im Geldschöpfungsprozessam Beispiel eines Reservesatzes von 10% Anhang

1. Einleitung

„It is well enough that people of the nation do not understand our banking and monetary system, for if they did, I believe there would be a revolution before tomorrow morning.“ [1]

- Henry Ford -

Nicht selten wird der Wunsch verspürt, einen kleinen Goldesel als Haustier zu halten. Weil dies leider nur im Märchen möglich ist, bevorzugen viele Haushalte, das benötigte Geld in Form eines Kredites bei einer Bank zu leihen. Wohlhabendere Kunden haben hingegen ihr überschüssiges Kapital bei einer solchen angelegt. Die Bank tritt als Intermediär ein und übernimmt die Aufgabe der Risiko-, Fristen- und Losgrößentransformation. Doch wie kann es dann zu Schwankungen der Geldmenge kommen und warum liegt es nicht allein in der Macht der EZB und Notenbanken, die Höhe der Inflation zu bestimmen? Wer nimmt neben den Notenbanken noch Einfluss auf die Steuerung der Geldmenge? Oder sind es gar die Geschäftsbanken, die "kleine Goldesel in ihren Tresorräumen halten"?

Wie es Henry Ford in den 1930er Jahren bereits andeutete[2], weiß ein Großteil der Bevölkerung nicht, wie unser Bankensystem heute funktioniert und wo der Ursprung unseres Geldes liegt. Gelangt der Geldschöpfungsprozess der Banken hin und wieder in den Fokus der Medien, werden kritische Stimmen vorübergehend laut, welche dem Geldschöpfungspotenzial der Geschäftsbanken die Schuld an konjunkturellen Schwankungen und Wirtschaftskrisen zuschreiben und den Banken dieses Werkzeug entziehen wollen.[3]

Diese Arbeit soll einen Überblick über die Entstehung und den Prozess der Geldschöpfung durch Geschäftsbanken geben, sowie eine Einschätzung, ob die Geldschöpfung der Banken durch eine 100%-Reservehaltung abgeschafft werden sollte.

2. Die Bedeutung des Geldes

In unserer modernen Volkswirtschaft entwickelte sich über viele Jahrhunderte ein hoher Grad an Spezialisierung und Arbeitsteilung.[4] Um den allgemeinen Warentausch unterschiedlichster Güter zu erleichtern, bedurfte es einer einheitlichen und adäquaten Basis. Dabei sollte diese ein allgemein anerkanntes, in kleinere Einheiten unterteilbares und in seinem Wert konstantes Zahlungsmittel sein.[5]

Laut Definition der Deutschen Bundesbank ist Geld demnach „das allgemein anerkannte Tausch- und Zahlungsmittel, auf das sich eine Gesellschaft verständigt hat. Ist man durch die Rechtsordnung verpflichtet, das Geld anzunehmen, dient es als gesetzliches Zahlungsmittel, durch das eine Schuld mit rechtlicher Wirkung getilgt werden kann.“[6]

2.1. Die Geldfunktionen

Geld besitzt verschiedene Eigenschaften, um den o. g. Ansprüchen zu genügen und die verschiedenen Funktionen ausüben zu können. Wie bereits angesprochen, dient Geld in erster Linie als Tausch- und Zahlungsmittel. Der Austausch verschiedenster Güter soll vereinfacht, aber auch Kredite gewährt und Schulden beglichen werden. Um diesen Funktionen gerecht werden zu können, ist es notwendig, dass das Geld in seiner jeweiligen Form allgemein akzeptiert und in seinem Wert anerkannt wird.[7]

Geld bietet den Vorteil, unterschiedliche Güter und Vermögenswerte miteinander vergleichbar zu machen und einen gemeinsamen Wertmaßstab zu schaffen. Um als Recheneinheit verwendet werden zu können ohne eine Vielzahl verschiedener Tauschverhältnisse zu beachten, wird eine ausreichende Teilbarkeit des Geldes vorausgesetzt.[8]

Verfügt das Geld über eine allgemeine Akzeptanz als Tauschmittel und übernimmt es die Funktionen als Recheneinheit, so ergibt sich die Möglichkeit, Kauf und Verkauf zu verschiedenen Zeitpunkten durchzuführen. Der Wert der Waren kann für einen gewissen Zeitraum gespeichert und später eingetauscht werden. Geld verfügt somit über eine Wertaufbewahrungsfunktion. Möglich ist dies jedoch nur, wenn das Geld in seinem Wert konstant bleibt. Besonders deutlich wird diese Funktion beim Sparen: Sparen ermöglicht eine Konservierung eines bestimmten Wertes, über welchen später verfügt werden kann - Sparen ist zeitlich verzögerter Konsum.[9] Die Relevanz des Vertrauens der Konsumenten in die Wertbeständigkeit des Geldes wird später anhand des ungedeckten Rechengeldes deutlich.[10]

2.2. Die Formen des Geldes

2.2.1. Das Bargeld

Im Laufe der Zeit hat sich die Gestalt des Geldes oft gewandelt. In seiner primitivsten Form dienten als wertvoll erachtete Naturgüter, wie Kaurischnecken, Felle oder Vieh, als Tauschmittel: das Warengeld. Es handelt sich dabei um Waren mit einem intrinsischen[11] Wert. Später gewannen Edelmetalle zunehmend an Bedeutung. Durch die begrenzten Vorkommen und damit verbundene Knappheit, war ein, nur geringen Schwankungen unterliegender, Werterhalt gegeben und ihre physische Beschaffenheit ermöglichte eine leichte Teilbarkeit als Gewichtsgeld, sowie eine lange Haltbarkeit im Gegensatz zu verderblichen Waren wie Fleisch oder Öle. Um ein ständiges Abwiegen von Metallbarren verschiedener Größe und Gestalt zu vermeiden, entwickelten sich einheitlich genormte Formen der Edelmetalle: das Münzgeld. Auch wenn diese Form des Geldes allen notwendigen Funktionen durch seine vorhandenen Eigenschaften entsprach, ergab sich dennoch ein Nachteil: In großen Mengen erwies sich der Transport hoher Gewichte als logistische Herausforderung. Die Erfindung des Wechselbriefes im mittelalterlichen Europa ermöglichte den Kaufleuten, lediglich mit einer verbrieften Verpflichtung, welche gegen Vorlage des Papiers zu einem bestimmten Zeitpunkt in bar eingelöst werden musste, zu handeln. Auch die Vergabe von Krediten war durch diese Form des gedeckten Papiergeldes nun möglich. Jedoch war diese Form der Kreditpapiere an Personen und Orte gebunden und die formlose Weitergabe nicht problemlos möglich. Erst im 17. Jahrhundert kauften Privatbanken Edelmetalle und Wechselbriefe auf und gaben die ersten Banknoten aus. Löste man diese bei einer Bank ein, erhielt man den verbrieften Betrag in Form des Edelmetalls ausgezahlt. Das Problem des Umganges mit großen Geldbeträgen bei gleichzeitig leichtem Umlauf der Banknoten war somit gelöst. Auch wenn der Wert des Papiergeldes unabhängig vom Material ist, waren die Währungen bis ins 20. Jahrhundert zumindest teilweise mit Gold gedeckt. Heute besitzen die meisten Volkswirtschaften Währungen ohne Edelmetalldeckung, sogenannte „Fiat-Währungen“[12].[13] Dieses fiduziarische Rechengeld ohne intrinsischen Wert wird vom Staat per Befehl oder Erlass zu Geld bestimmt. Der Wert des Papiergeldes löste somit den Geldwert vom Materialwert der Basis ab und schuf eine Währung, deren Stabilität vom Vertrauen in einen ideell geschaffenen Wert, und damit von einem verantwortungsbewussten Umgang abhängt. Ohne staatliche Kontrolle durch die Zentralbanken könnte aufgrund der dadurch deutlich geringerer Herstellungskosten eine unbegrenzte Anzahl von Banknoten in den Umlauf gebracht und die Werterhaltungsfunktion nicht gewährleistet werden.[14]

2.2.2. Das Buchgeld (Giralgeld)

Neben dem Papiergeld entwickelte sich fast zeitgleich das Buchgeld, welches nur in den Kontobüchern der Banken erscheint. Das Bargeld machte Ende Mai 2017 im Euro-Währungsgebiet mit rund 1 Mrd. Euro nur ca. 17% der Geldmenge M1[15] aus, da sich größere Zahlungen mit Hilfe des Giralgeldes[16] von Konto zu Konto deutlich bequemer und sicherer tätigen lassen. Giralgeld zirkuliert in Form von täglich fälligen Sicht-, Termin- und Spareinlagen. Buchgeld kann zwar jederzeit in Bargeld umgewandelt werden und wird im wirtschaftlichen Alltag akzeptiert, es stellt jedoch selbst kein gesetzliches Zahlungsmittel dar.[17]

2.2.3. Die Messung der Geldmenge

Der Werterhalt des ungedeckten Geldes ist von der Geldmenge abhängig und dadurch für das Bankensystem von großer Bedeutung. Um einen Überblick über die Geldmenge in der Europäischen Union zu ermöglichen, definiert das Eurosystem drei Maße der Geldmengenabgrenzung, aufbauend nach Liquiditätsnähe.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Die Geldmenge im Euro-Währungsgebiet, Stand Mai 2017Quelle: Eigene Darstellung, angelehnt an Deutsche Bundesbank (Hrsg.) (2017), S. 71.

Erfasst wird so wenn auch durch die teilweise fließenden Übergänge nur ungenau der Geldbestand von Nichtbanken - Guthaben von Banken auf Zentralbankkonten werden dabei nicht beachtet. Diese Sichteinlagen Dritter und jegliches von der Zentralbank in Umlauf gebrachtes Bargeld wird als Zentralbankgeld, „Geldbasis“ oder auch „M0“ bezeichnet.[18]

3. Geldschöpfung und Geldvernichtung

Der Bargeldbestand macht aktuell nur noch ca. 10% der gesamten Geldmenge M3 aus. Banknoten und Münzen dürfen im Euroraum prinzipiell nur von Zentralbanken in Umlauf gebracht werden. Dies erfolgt, indem ein von der Zentralbank gewährter Kredit, Guthaben oder durch Ankauf von Vermögenswerten durch die Zentralbank erhaltenes Guthaben einer Geschäftsbank in bar ausbezahlt wird. Ebenso kann überflüssiges Bargeld jederzeit von den Geschäftsbanken eingezahlt und die Menge des zirkulierenden Bargeldes reguliert werden. Wie jedoch entsteht Buchgeld, der größte Teil unseres Geldbestandes?

3.1. Buchgeldschöpfung der Geschäftsbanken durch Kreditgewährung

Auch Geschäftsbanken können analog zur Zentralbank Geschäftsbankengeld schaffen, indem Buchkredite an Kunden vergeben werden. Nach eingehender Bonitätsprüfung wird dem Kreditnehmer der Kreditbetrag als Sichteinlage eingebucht, gleichzeitig ergibt sich für den Kunden eine Verbindlichkeit in Form einer Rückzahlungsverpflichtung zu späterem Zeitpunkt. In der Bankbilanz ergeben sich daraus sowohl eine Forderung ggü. des Kunden, sowie auch eine Verbindlichkeit zur Bereitstellung der Sichteinlage.[19]

Durch eine beiderseitige Bilanzverlängerung wurde so Buch- oder auch Giralgeld geschaffen.[20] Die Bilanz der Zentralbank bleibt hingegen unverändert. Zentralbankgeld übernimmt jedoch eine zentrale Rolle, wenn Kunde X den Kreditbetrag für Zahlungsvorgänge verwendet. Wendet Kunde X den geschaffenen Giralgeldbetrag auf, um ein Gut zu erwerben, wird der mittels Überweisung an den Käufer Kunde Y übertragene Betrag dessen Konto als Sichteinlage gutgeschrieben - das Buchgeld fließt in dem Falle an Bank B ab. Die Sichteinlagen der Geschäftsbank A verringern sich also um den entsprechenden Betrag. Gleichermaßen steigen die Sichteinlagen der Bank B um den selben Betrag - es kommt zu einer Verrechnung des Zentralbankgeldes auf den Zentralbankkonten der Banken.[21]

Die Geldschöpfung mittels Kreditvergabe erfolgt demnach zunächst unabhängig von bestehenden Guthaben auf Zentralbankkonten.

Verfügt eine Geschäftsbank jedoch nicht über ausreichend Zentralbankgeld, um die Zahlungsvorgänge des Kunden durchzuführen, hat sie die Möglichkeit, neues Zentralbankgeld über den Interbankenmarkt oder in Form eines Refinanzierungs-geschäftes[1] direkt von der Zentralbank zu erhalten. Voraussetzungen für letzteres ist jedoch, dass die Bank über ausreichende Sicherheiten verfügt oder die verpfändeten Sicherheiten der Kunden unter der Berücksichtigung von Abschlägen zur Verfügung stellen kann und die Zahlung eines Zinssatzes für die Bereitstellung - den sog. „Leitzins“ vornimmt.[22] Anhand dieses Beispiels wird besonders deutlich, dass die Buchgeld[2] -schöpfung mittels Kreditvergabe völlig unabhängig von Kundeneinlagen und damit ein reiner Buchungsvorgang ist. Die Annahme der ausschließlichen Handlung der Bank als Intermediär im Prozess der Kreditvergabe ist damit widerlegt.

3.2. Weitere Alternativen der aktiven Buchgeldschöpfung

Neben der Buchgeldschöpfung durch Kreditvergabe als wichtigster geldschöpfender Vorgang, haben Geschäftsbanken auch die Möglichkeit, Geld durch Ankäufe von Vermögenswerten, wie beispielsweise Wertpapieren, zu schaffen. Im Zuge des Ankaufes wird dem Verkäufer eine Sichteinlage in Höhe des Kaufpreises eingebucht.[23] Im Gegensatz zur Kreditvergabe, welche eine Mittelrückführung zu späterem Zeitpunkt garantiert, ist diese geldschöpfende Transaktion endgültig. Der Kunde kann das geschaffene Giralgeld jedoch ebenso jederzeit abziehen.[24]

Eine weitere Möglichkeit der Buchgeldschöpfung ergibt sich im Zusammenhang mit internationalen Zahlungsvorgängen. Wird beispielsweise eine Ware ins Ausland exportiert und erhält der Exporteur den Verkaufserlös auf ein inländisches Konto gutgeschrieben, ergibt sich daraus ein Mittelzufluss aus dem Ausland - Geld wird geschaffen ohne Einflussnahme der inländischen Geschäftsbank.[25]

4. Grenzen der Buchgeldschöpfung

Schöpfen Banken Buchgeld, müssen Sie auch mit einem möglichen Abfluss geschaffener Sichteinlagen rechnen und dementsprechende Refinanzierungsgeschäfte eingehen. Dabei sollten die Banken auf eine Fristenkongruenz für mittel- bis langfristig finanzierte Risikoaktiva achten. Doch die Mittelbeschaffung, z. B. über längerfristige Schuldverschreibungen, verursacht der Bank ebenfalls Kosten. Als wirtschaftliche Unternehmen handeln Banken nach einem Gewinnmaximierungsprinzip und müssen dem entsprechend abwägen, welche Finanzierungsgeschäfte sich für das Unternehmen als rentabel erweisen. Dabei spielt der Zins, zu dem die Refinanzierung erfolgt eine große Rolle, ebenso müssen Kosten für mögliche Ausfälle (Risikokosten), Verwaltungsaufwand und Überwachungskosten einkalkuliert werden.[26] Risikoreiche Investitionen verlangen höhere Finanzierungskosten, welche die Bank mit einem Margenaufschlag an den Kunden weitergeben muss. Die wirtschaftliche Entwicklung und der damit verbundene Finanzierungsbedarf von Nichtbanken bildet dabei den Ausgangspunkt für die Kreditschöpfung. Die Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit könnte die Geschäfts[3] -banken dazu verleiten, höhere Risiken gegen geringere Aufschläge bei gleichbleibendem Refinanzierungszins einzugehen, wobei der erwartete risikoangepasste Ertrag bei steigendem Ausfallrisiko sinkt. Um einen allgemeinen Anstieg von unzureichend unterlegten Risikoaktiva kontrollieren zu können, unterliegen Banken Regulierungs[4] -vorschriften, wie beispielsweise Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften. Kredite sind demnach mit einer risikogewichteten Eigenkapitalquote zu unterlegen. Diese Regulierungen sollen nicht allein ungedeckten Kreditausfällen vorbeugen, sondern dienen ebenfalls der Regulierung des Geldmengenanstiegs und einer damit verbundenen möglichen Veränderung des Preisniveaus.[27]

Die Zentralbank kann demzufolge den Leitzins als Instrument zur Geldmengensteuerung nutzen. Ein niedriger Leitzins ermöglicht den Banken eine günstige Refinanzierung und kann zzgl. Gewinnmarge diesen günstigen Zinssatz auch an Kunden weitergeben. Die Kreditnachfrage wird auf Grund günstiger Finanzierungsvoraussetzungen am Markt steigen. Indirekt kann so ebenfalls Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung und allgemeine Investitionsbereitschaft genommen werden. Im Gegenzug dazu würde ein Anstieg des Leitzinses die Refinanzierungsgeschäfte der Geschäftsbanken verteuern. Um weiterhin wirtschaftlich rentabel arbeiten zu können, gäben Banken diese hohen Zinsen an Kunden weiter, was gleichzeitig die Investitionsbereitschaft durch erhöhte Finanzierungskosten abschwächen und einen Rückgang des Wirtschaftswachstums bedeuten könnte.[28]

5. Szenario einer 100%-Reservehaltung und Schlussbetrachtung

Infolge der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise wurden die Regulierungsmaßnahmen für das Bankensystem zunehmend verschärft. Kritiker schätzen diese verschärften Maßnahmen jedoch als nicht ausreichend ein, um die Stabilität des Finanzsystems zu stärken - sie plädieren für eine 100% Deckung der Sichteinlagen.

Zur Vereinfachung soll von einem Modell ausgegangen werden, in dem ausschließlich 100 Geldeinheiten (GE) als Bargeld zur Verfügung stehen. Wird in dieser Volkswirtschaft nun eine Bank gegründet, welche dem alleinigen Zweck der sicheren Aufbewahrung dient, wandelt sich nach Einzahlung der gesamte Bargeldbestand in Sichteinlagen um. Diese dürfen jedoch nicht weiterverliehen werden und bilden sog. Reserven. Es ergibt sich folgende Bankbilanz:

Die Bank hält also 100 GE in ihrem Tresor als Reserve auf der Aktivseite. Gleichzeitig ergibt sich eine Verbindlichkeit auf der Passivseite - sie schuldet ihren Kunden 100 GE.

Anhand des Beispiels ist erkennbar, dass sich zwar Bargeldbestände in Sichteinlagen wandeln können, die reale Geldmenge der Volkswirtschaft dieses Modells ändert sich jedoch nicht. Bei Einhaltung eines Reservesatzes von 100% der Banken haben die Banken demnach keine Möglichkeit zur Einflussnahme auf die Geldmenge.[29]

Überträgt man das Modell nun auf eine Volkswirtschaft, die lediglich eine partielle Reserve in Form eines bestimmten Reservesatzes erlaubt - in diesem Beispiel ein Reservesatz von 10% - so können Banken zur wirtschaftlichen Entwicklung der Volkswirtschaft beitragen, in dem Kredite zur Finanzierung angeboten werden.

[...]


[1] Social Justice (Hrsg.) (1937), S. 10.

[2] Vgl. ebenda, S. 10.

[3] Vgl. Seidenbiedel (2012), S. 1ff.

[4] Vgl. Jarchow (1998); S. 1f.

[5] Vgl. Jarchow (1998); S. 1f.

[6] Deutsche Bundesbank (Hrsg.) (2018) (s. Internetverzeichnis).

[7] Vgl. Mankiw, Taylor (2016), S. 793.

[8] Vgl. Deutsche Bundesbank (Hrsg.) (2017a), S. 10f.

[9] Vgl. Jarchow (1998), S. 3.

[10] Vgl. Deutsche Bundesbank (Hrsg.) (2017a), S. 11.

[11] auch: inneren, eigenen.

[12] Lat. „fiat“: es werde; verdeutlicht die Anerkennung des Wertes durch Beschluss gesetzgebender Organe.

[13] Vgl. European Central Bank (Hrsg.) (2017), erster Abschnitt (s. Internetverzeichnis); vgl. Deutsche Bundesbank (Hrsg.) (2017a), S. 12-17; vgl. Mankiw, Taylor (2016), S. 794; vgl. Huber (2013), S. 15-17.

[14] Vgl. Deutsche Bundesbank (Hrsg.) (2017a), S. 17.

[15] Vgl. Abb. 1: Die Geldmenge im Euro-Währungsgebiet, Stand Mai 2017.

[16] Ital. „giro“: Rundreise.

[17] Vgl. Deutsche Bundesbank (Hrsg.) (2017a), S. 56f.

[18] Vgl. Deutsche Bundesbank (Hrsg.) (2017a), S.74.

[19] Vgl. Huber (2013), S. 21ff.

[20] Vgl. Gischer, Herz, Menkhoff (2012), S. 69.

[21] Vgl. Mankiw, Taylor (2016), S. 801-805; vgl. Deutsche Bundesbank (Hrsg.) (2017b), S. 18f.

[22] Vgl. Deutsche Bundesbank (Hrsg.) (2017a), S. 78.

[23] Vgl. Gischer, Herz, Menkhoff (2012), S. 71.

[24] Vgl. Deutsche Bundesbank (Hrsg.) (2017b), S. 20.

[25] Vgl. ebenda, S. 19-20.

[26] Vgl. Mankiw, Taylor (2016), S. 806-809.

[27] Vgl. Mankiw, Taylor (2016), S. 806-809; vgl. Deutsche Bundesbank (Hrsg.) (2017b), S. 23-26.

[28] Vgl. Deutsche Bundesbank (Hrsg.) (2017a), S. 78.

[29] Vgl. Mankiw, Taylor (2016), S. 801f.

Details

Seiten
20
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668689824
ISBN (Buch)
9783668689831
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v421614
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
1,3
Schlagworte
Geldschöpfung Banken Bank money creation Geldschöpfungsprozess Buchgeld Giralgeld

Autor

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Titel: Die Geldschöpfung der Geschäftsbanken