Lade Inhalt...

Die venezianische Oper im 17. Jahrhundert

Seminararbeit 2004 18 Seiten

Theaterwissenschaft, Tanz

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Anfänge der Oper – ein kurzer Überblick

3 Das Venedig im 17. Jhrd

4 Die ersten kommerziellen Opernhäuser
4.1 Teatro San Cassiano
4.2 Teatro SS Giovanni e Paolo
4.3 Teatro San Moisé
4.4 Teatro Novissimo
4.5 Sonstige Theater

5 Die Opernschaffenden
5.1 Komponisten
5.2 Librettisten
5.3 SängerInnen
5.4 Bühnenbildner

6 Entwicklung und zukunftsweisende Neuerungen der venezianischen Oper bis 1700

7 Schlußbetrachtung

Bibliographie

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Grundriss des Teatro Giovanni e Paolo (um 1655)

Abbildung 2: Monteverdi

Abbildung 3: Anna Renzi

1 Einleitung

Ab 1640 wird Venedig zum Zentrum der damals noch kleinen Opernwelt und überflügelt damit gleichzeitig in musikalisch-künstlerischer Hinsicht die bis dahin dominierenden Städte Florenz und Mantua. Grund dafür die zu jener Zeit entstehenden kommerziellen Opernaufführungen. Venedig ist im 17. Jhrd. der erste Ort, an dem sich der Wandel von höfischer zu öffentlich zugänglicher Oper vollzieht.

Nach einer kurzen Einführung in die Frühgeschichte der Oper werden in dieser Arbeit die ersten Theaterhäuser, in denen kommerzielle Opernaufführungen stattfanden, näher untersucht, sowie ein Überblick über maßgebende künstlerische Persönlichkeiten und deren Auswirkungen auf die weitere Operngeschichte gegeben, um einen umfassenden Einblick in das venezianische Musiktheater des 17. Jahrhunderts und dessen zukunftsweisende Neuerungen zu ermöglichen.

2 Die Anfänge der Oper – ein kurzer Überblick

Als das älteste erhaltene Opernwerk in unserem Sinne gilt „Euridice“ von Peri (Libretto: Rinuccini). Es wurde im Jahr 1600 im Palazzo Pitti[1] des Grafen Bardi zu Florenz uraufgeführt.[2] Diesem Werk folgten in den kommenden Jahren etliche weitere an italienischen Adelshöfen, vor allem in Florenz und Mantua. Die Oper entstand am Ende der Renaissance, in einer Zeit, in der vor allem klassische, mythologische Stoffe behandelt wurden. Nachdem 1637 im venezianischen Teatro San Cassiano erstmals ein Opernwerk öffentlich aufgeführt worden war, öffneten in Venedig der Reihe nach weitere Theaterhäuser ihre Pforten für das Musiktheater. Werke waren rar und wurden daher oft schnell geschrieben, worunter nicht selten sowohl Qualität als auch Originalität leideten. Pahlen vergleicht die Situation zu Beginn des 17. Jhrds. mit der drei Jahrhunderten später aufkommenden Massenproduktion von Filmen in der Pionierzeit des Kinos.[3]

3 Das Venedig im 17. Jahrhundert

Venedig war in der Spätrenaissance vor allem durch seine politische Stabilität geprägt. Das lag nicht zuletzt daran, dass Venedig zu jener Zeit im Gegensatz zu anderen italienischen Stadtstaaten kein Fürstentum war, sondern eine Republik, in der Adelige und Händler gleichermaßen Einfluss ausübten. Venedigs wirtschaftliche Macht begründete sich auf die im 16. Jhrd. eroberten Kolonien in der heutigen Türkei und Griechenland, darunter auch Kreta. Die venezianischen Bürger sahen ihre Stadt gerne als „neues Rom“, was auch in der einen oder anderen venezianischen Oper ihren Niederschlag fand.[4] Nicht einmal die Exkommunizierung durch den Vatikan nach der Verbannung der Jesuiten aus Venedig konnte daran viel ändern. Selbst Kriege gegen das Osmanische Reich und eine Pestepidemie im Jahr 1630, die einem Drittel der Bevölkerung (50.000 Einwohner) das Leben kostete, konnten nicht verhindern, dass Venedig zu einer der größten Touristenattraktionen in Europa aufstieg. So verdoppelte sich Venedigs Einwohnerzahl während der sechs- bis achtwöchigen Karnevalszeit.[5]

4 Die ersten kommerziellen Opernhäuser

Aufgrund der oben bereits angesprochenen wirtschaftlichen Orientierung der Stadt ist die Tatsache, dass wohlhabende venezianische Patrizierfamilien schließlich begannen, die ihnen zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln zum Teil auch in Opernaufführungen zu investieren, nicht verwunderlich. Die ersten, die das Potential der „Dramma per Musica“ erkannten, war die Familie Tron, denen das Teatro San Cassiano gehörte. Benannt wurde das Theater, so wie die meisten in dieser Zeit, nach der nächstgelegenen Kirche. Die Besitzer beauftragten entweder eine Schauspielertruppe, Künstlergemeinschaft oder einen Impressario mit der künstlerischen Umsetzung. Schauspielertruppen und Künstlergemeinschaften brachten sich künstlerisch selbst ein, während Impressarios auf eigene Kosten Künstler anheuerte.[6]

Die im Folgenden genannten Theater sind eine Auswahl der meines Erachtens wichtigsten venezianischen Opernhäuser des 17. Jahrhunderts und sollen ein Gefühl für die Vielfalt des damaligen Opernlebens geben.

4.1 Teatro San Cassiano

Das Theater wurde 1565 von Palladio als Sprechtheater erbaut und befand sich wahrscheinlich auf dem Areal des Klosters Caritá, das dem heutigen Touristen als als Accademia (Museum) bekannt ist. Der Holzbau brannte im Jahr 1629 ab, woraufhin er aufgrund seiner Popularität baldmöglichst wieder aufgebaut wurde, diesmal aus Stein. Das Theater hatte fünf Logen-Reihen, mit je 31 Logen pro Reihe. Im Jahr 1637 wurde das Gebäude mit der ersten öffentlichen Opernaufführung wieder eröffnet. Man spielte Francesco Manellis „L’Andromeda“ (Libretto von Benedetto Ferrari).[7] Die Operntruppe bestand aus sieben Sängern und einem Orchester aus zwei Cembalos, zwei Trompeten und zwölf weiteren Instrumenten. Der Zuschauerraum soll 6.000 Personen [!] Platz geboten haben.[8] Bis zum Jahr 1700 wurden im Teatro San Cassiano 37 neue Opern aufgeführt. Doch auch im 18. Jahrhundert spielte das Theater eine wichtige Rolle. So soll beispielsweise Antonio Vivaldi (1678-1741) für dieses Theater komponiert[9] und der bis heute berühmte Kastrat Farinelli (1705-1782) dort gesungen[10] haben. Aufgrund des Erfolges des Teatro San Cassiano im Jahr 1637 widtmeten sich nach und nach immer mehr öffentliche Theater der Oper.

4.2 Teatro SS Giovanni e Paolo

Ursprünglich um 1635 aus Holz als Sprechtheater-Bühne erbaut, übersiedelte das Theater durch den Erfolg des Teatro San Cassiano motiviert an die Stelle einer Commedia-dell-Arte-Bühne im Jahr 1638, wo es teils aus Stein, teils aus Holz neu erbaut wurde. Das von der Familie Grimaldi betriebene Theater überragte an Größe und Ausstattung das Teatro San Cassiano.[11] Hinter jeder Loge befand sich ein kleiner Umkleideraum.[12] Nicht weniger als 99 Opern wurden bis zum Jahr 1700 aufgeführt, darunter auch Monteverdis „Poppea“ (1642)[13]. Danach wurden jedoch Opern nach und nach durch Sprech-Komödien ersetzt. Nachdem 1748 das Dach eingestürzt war, wurde das einst so glorreiche Theater als Geschäft genützt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Grundriss des Teatro Giovanni e Paolo (um 1655)[14]

4.3 Teatro San Moisé

Im Jahr 1640 wurde das für Opern umgebaute Theater als drittes Operntheater der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Eigentümer war die Familie Zane. Zur Eröffnung wurde Monteverdis „Arianna“[15] gezeigt, eine Neueinstudierung der bereits 1609 komponierten und am Hof von Mantua aufgeführten Oper. Nach dem Wiederaufbau, den ein Feuer im Jahr 1678 notwendig machte, faßte das Theater lediglich 800 Personen und hatte zwei Logen-Reihen. Von 1679 bis 1682 wurden Puppenspiele (auch Opern) aufgeführt. 1685 kehrten schließlich wieder menschliche Darsteller auf die Bühne zurück. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurden 34 Opern gegeben. Ab 1872 wurde die Puppen-Tradition wieder eingeführt und hielt sich bis Anfang des 20. Jahrhunderts.[16]

4.4 Teatro Novissimo

Der 1641 fertiggestellte Holzbau war zum einen das vierte Theater, in dem Opern kommerziell aufgeführt wurden, zum anderen aber, und das ist das bemerkenswerte, das erste Theater, welches speziell und ausschließlich für Opern-Aufführungen erbaut wurde. Im Gegensatz zu den bereits erwähnten Theatern stand es nicht im Besitz einer einzigen Familie, sondern gehörte einer Gruppe venezianischer Adeligen. Das Theater eröffnete mit „La finta pazza“ von Francesco Sacrati, welche einer der größten „Hits“ jener Zeit wurde. Dennoch währte die Lebenszeit des Theaters nicht lange, genauer gesagt nur fünf Saisonen. Dies lag vermutlich an den hohen Kosten, die sich im Laufe der Jahre summierten.[17] Worsthorne nennt ein Feuer im Jahr 1647 als Grund für den Untergang des Theaters.[18]

4.5 Sonstige Theater

Nach dem Teatro Novissimo begannen auch die Theater SS. Apostoli (1649), San Appolinare (1651) und San Salvatore (1661) Opern aufzuführen.[19] Letzteres Theater existiert heute unter dem Namen Teatro Goldoni und dient als Sprechbühne.[20] Im 1678 erbauten Teatro San Giovanni Grisostomo werden heute noch Opern aufgeführt. Es trägt seit dem 19. Jahrhundert den Namen Teatro Malibran und steht gegenwärtig unter der Verwaltung des erst viel später erbauten Teatro La Fenice (1789).[21]

[...]


[1] Vgl. Pahlen, Kurt: Das neue Opern-Lexikon. - Weyarn: Seehamer 1995, S. 512.

[2] Vgl. ebenda, S. 14.

[3] Vgl. ebenda, S. 15.

[4] Vgl. Somerset-Ward, Richard: Oper. Ein Streifzug durch 400 Jahre Musiktheater,
München: Knesebeck 1999, S. 20.

[5] Vgl. ebenda, S. 21.

[6] Vgl. Rosand, Ellen: Opera in Seventeenth-Century Venice. The Creation of a Genre. - Berkeley,
Los Angeles, Oxford: University of California 1991, S. 79f.

[7] Vgl. Worsthorne, Simon T.: Venetian Opera in the seventeenth century. - Oxford:
Clarendon 1954, S. 28.

[8] Vgl. Somerset-Ward, 1999, S. 284.

[9] Vgl. Musicline: Diven, Dramen und Belcanto. Online unter: http://www.musicline.de/de/genre/lexikon/Klassik/Italienische+Oper [23.4.2004].

[10] Vgl. Hanné, Ingo: Farinelli, nicht nur ein Sänger, Musikwissenschaftliche Arbeit, Online unter URL: http://www.irih.de/ihcounter/farinelli.htm [23.4.2004].

[11] Vgl. Rosand, 1991, S. 77.

[12] Vgl. Worsthorne,1954, S. 11.

[13] Vgl. Somerset-Ward, 1999, S. 26.

[14] Quelle: Worsthorne, 1954, Plate 5.

[15] Vgl. ebenda, S. 31.

[16] Vgl. Worsthorne, 1954, S. 31.

[17] Vgl. Rosand, 1991, S. 88ff.

[18] Vgl. Worsthorne, 1954, S. 31.

[19] Vgl. ebenda, S. 32f.

[20] Vgl. Veniceword unter: http://www.veniceword.com/goldoni2003.html [16.5.2004].

[21] Vgl. Teatro La Fenice: Teatro Malibran, http://www.teatrolafenice.it/teatro/ altre_sedi/index.jsp?sezione=malibran&categoria=nell_ottocento [16.5.2004].

Details

Seiten
18
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638402439
ISBN (Buch)
9783656760542
Dateigröße
3.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v42135
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft Wien
Note
1
Schlagworte
Oper Jahrhundert Entstehung Frühgeschichte

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die venezianische Oper im 17. Jahrhundert