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Chancen und Grenzen des Blended Learning im schulischen Kontext

Hausarbeit (Hauptseminar) 2018 20 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Begriff Blended Learning in der Bildungswissenschaft

3. Chancen und Grenzen des Blended Learning im schulischen Kontext
3.1. Chancen des Blended Learning im schulischen Kontext
3.2. Grenzen des Blended Learning im schulischen Kontext

4. Abschlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Spätestens seit der sozial-liberalen Regierung der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts ist Bil­dung in Deutschland ein Thema, das sich quer durch die Gesellschaft und in verschiedenen Facetten einem hohen Stellenwert erfreut.

In Zeiten der Digitalisierung, in denen ganze Berufsbilder von der Bildfläche zu ver­schwinden drohen, demgegenüber jedoch im quartären Sektor neue Berufsbilder entstehen, erreicht das Thema Bildung einen neuen Stellenwert in der öffentlichen Diskussion.[1] Heute sind nicht Wenige der Meinung, Bildung schaffe Wohlstand. Ob dem so ist, sei da­hingestellt. Demungeachtet erleichtert Bildung im deutschen Gesellschaftssystem den Zu­gang zu Arbeit. Es bleibt die Frage, in welcher Form Bildungsinstitutionen in Deutschland den digitalen Wandel mitgehen, wie sie diesen in ihren Unterricht integrieren, welche Me­thoden zur Anwendungen kommen, sowie welche didaktischen Begründungen für die aus­gewählten Methoden ins Feld geführt werden.

״Es bedarf keiner Erläuterung, dass Konzepte des E-Leamings [...] zu einer ganz erhebli­chen Steigerung der Qualität der Lehre führen können. Wichtig in solchen Aussagen ist das Wort können, denn allein die Verfügbarkeit oder der Einsatz von Multimedia und Internet bringt noch keine didaktische Innovation hervor.“ (Reinmann-Rothmeier 2003, s. 13)

An welchen Stellen des Unterrichts können traditionelle Lernformen sinnvoll, also zielfüh­rend von neuen Lemformen abgelöst werden? In der Diskussion um dieses Thema fallen immer wieder Begriffe wie ,elearning‘, ,online-learning‘, ,web based training‘ und andere. Aus der Diskussion um diese Begriffe etablierte sich auch der Begriff Blended Learning, eine Art Symbiose aus Präsenzlehre und eLearning (vgl. Fredebeul, 2007, s. 11.).

Die vorliegende Arbeit geht der Leitfrage nach, welche Chancen und Grenzen Blended Learning im schulischen Kontext hat. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass es sich um eine grundlegende Betrachtung handelt. Wer die gewonnenen Erkenntnisse vertie­fen möchte, der findet am Ende dieser Arbeit weiterführende Themen zur Empfehlung.

Zum Beantworten der dieser Arbeit zugrunde liegenden Leitfrage, soll zunächst eine für diese Arbeit geltende belastbare Definition zum Blended Learning formuliert werden, nach der sich eine Debatte über die Chancen und Grenzen von Blended Learning im schulischen Kontext anschließt. Die Resultate dieser Debatte sollen anhand praxistauglicher Unter- richtsbeispiele[2] dargestellt werden. Es schließt sich im Fazit die Beantwortung der Leitfra­ge an. Außerdem wird ein Ausblick zum weiteren Verfolgen des Themas gegeben.

2. Der Begriff Blended Learning in der Bildungs­wissenschaft

Welchen Inhalt möchte das Kompositum Blended Learning, das auf Deutsch gemischtes Lernen heißt, vermitteln und was verbirgt sich inhaltlich hinter diesem Namen?

Da sich bis heute keine wissenschaftlich belastbare Definition finden lässt, auf die sich eine Vielzahl von Forschenden stützt, ist der beste Weg zur Findung einer solchen das Aus­schlussverfahren. Hierzu sollen im Folgenden einige Begriffe, die mit Blended Learning in Verbindung gebracht werden, vorgestellt, aber vor allem voneinander abgegrenzt werden. Es soll am Ende dieses Prozesses eine zumindest für diese Arbeit belastbare Definition von Blended Learning Stehen.

Als Ausgangspunkt der Diskussion zur Findung der Begriffsdefmition sind sogenannte tra­ditionelle Lernformen zu nennen. Hierunter fallen Begriffe wie Frontalunterricht, die all­gemeine Präsenzlehre, sowie zu dieser gehörende Sozialformen wie Gruppenarbeit, Stati­onsarbeit, Projektarbeit und viele weitere, auf die im Folgenden zunächst nicht näher ein­gegangen werden soll.

Es muss in einem nächsten Schritt der schier omnipräsente Begriff eLearning[3] eingeführt werden. ״Wenn von e-Leaming die Rede ist, sollte man nachfragen, was genau damit ge­meint ist, denn der Begriff ist - wie die meisten ,bouzz words’ - weder allgemein gültig definiert, noch wird er einheitlich verwendet“ (Reinmann-Rothmeier, 2003, s. 31). Es soll also mit einer Erklärung begonnen werden.

Das kleine e zu Beginn steht für electronic. Der Begriff bezieht sich also auf das Lernen mit elektronischen, technischen Hilfsmitteln, wie zum Beispiel mit den Medien Computer oder Tablet. ״Medien sind Vermittler von Botschaften im Rahmen von Kommunikations­Prozessen. In ihrer Spezifik wenden sie sich - zum Teil zumindest - vorrangig an ein be­stimmtes Sinnessystem.“ (Brandstätter 2008, s. 126). Da sich die elektronischen Medien rasant weiterentwickeln, sollten auch Handys heute zum Bereich des eLearnings gezählt werden. ״Dabei ist es von Bedeutung, dass die Informations- und Kommunikationstechno­logien mit den Lernprozessen selbst unmittelbar verbunden sind und nicht nur rudimentäre Hilfsmittel darstellen.“ (Fredebeul 2007, s. 7).

Traditionellen Lemformen und hierbei vor allem der Präsenzlehre liegen eine Interaktion zwischen SuS (Schülerinnen und Schülern) und Lehrkraft zu Grunde. Beim eLearning ist dies nicht der Fall. Der größte Unterschied zwischen den zunächst genannten traditionellen Lemformen und dem eLearning ist, dass letzteres nicht die Anwesenheit von Lernerinnen und Lehrkraft zur gleichen Zeit am gleichen Ort zur Voraussetzung macht. ״Dieses gleich­zeitige Interagieren im materiellen, sinnlich fassbaren Raum macht den wesentlichen Un­terschied zwischen konventionellen Lemformen und eLearning aus.“ (Fredebeul 2007, s. 7).

Nicht nur weitreichender, sondern vor allem detailreicher als Fredebeuls Ansatz ist die De­finition von eLearning des E-Leaming-Centers der Universität Wien, die in Strasser, 2011 wie folgt formuliert ist:

״Eine etwas weiter gefasste Definition von eLearning umfasst alle digitalen Medien (Websites, CD-Rom, Onlinedokumente, Video, Audio, etc.), die für Lehr- und Lemzwecke erstellt werden. eLearning kann somit als Oberbegriff für didaktische Gestaltungsmodelle verwendet werden, die neue Informations- und Kommunikationstechnologien nutzen, um den kontinuierlichen Zu­griff auf Leminhalte zu erleichtern und Online-Zusammenarbeit und -Austausch zu ermögli­chen.“

Es müssen nach diesem Ansatz für den schulischen Bereich ebenso Schulserver, die den Austausch von Lehr-, und Lemmaterialien in einem rechtssicheren Raum ermöglichen, sowie allgemein cloudgestützte Lehr- und Lernmöglichkeiten in den Fassungsbereich des eLearnings mit einbezogen werden.

Dass der Begriff eLearning diversitär aufzufassen ist, zeigt im Vergleich zu zuvor genann­tem Zitat eine Anmerkung aus dem Jahr 2005, in der gesagt wird ״der Begriff eLearning soll als Sammelbegriff für nahezu jedes Bildungsangebot verwendet werden, das mit der digitalen Welt in Verbindung gebracht wird.“ (Seufert / Euler 2005, s. 6). Eine Fortführung dieser Arbeit unter Maßgabe dieser Definition würde den Rahmen, der diese Ausführungen begrenzt, sprengen. Eine Eingrenzung des Begriffes ist deshalb unabdingbar. Eine Hin­Wendung zu den Formen des eLearning soll bei dieser Eingrenzung helfen. Doch welche Formen können unter dem Namen eLearning zusammengefasst werden und an welcher Stelle beginnt die Hinführung zum gesuchten Begriff Blended Learning? Es soll sich zu­nächst dem ersten Teil der vorangegangenen Frage gewidmet werden.

,,Aufgrund des semantisch sehr global anmutenden Terminus .E-Learning', bedarf es sicherlich einer terminologischen Einteilung, um die einzelnen Formen des E-Leamings verständlich zu machen. Dewe und Weber zieht [sic] eine von Back et al. (1998) und Reinmann-Rothmeier entworfene Unterscheidung heran:

- E-Learning by distributing׳. Hier wird die Funktion der Distribution von Informationen ange- sprechen, bei der die Lernenden Information selbstgesteuert aufnehmen, verarbeiten und um­setzen.
- E-Learning by interacting: In diesem Verständnis von E-Leaming interagieren die Lernenden - vielleicht zusätzlich unterstützt durch Teletutoren - mit dem System, das möglichst Rück­meldungen gibt um somit auch als Lemen durch Feedback bezeichnet wird.
- E-Learning by collaborating: Bei dieser komplexesten Form übernehmen die neuen Medien die Funktion, kollaborative und kooperative Arbeitsprozesse zwischen den Lernenden in ei­ner Lemumgebung anzustoßen." (Strasser 2011, s. 13)

Folgende Grafik aus Reinmann-Rothmeier, 2003, s. 33 gibt eine visuelle Zusammenfas­sung der oben genannten Formen des eLearning mit der Eingliederung der Sicht des Ler- nenden und der Funktion der Medien in eine Abbildung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Untergliederung des eLeamings lässt sich ebenso in Fredebeul, 2007, S.10 finden und soll für diese Arbeit als grundlegend ausreichend angesehen werden. Für die drei For­men des eLearnings sind Medien als Transmitter oder Vermittler von Wissen gefragt. Es handelt sich also jeweils um ein mediengestütztes Lernarrangement. Dass Medien den Un­terricht stützen und nicht komplett tragen, zeigt wiederum, dass weiterhin Lehrkräfte von Bedarf sind.

״Der Einsatz von E-Leaming-Medien per se bewirkt [jedoch] noch keine nachhaltige Verände­rung der Lehr- und Lempraxis. Um E-Leaming über einmalige Versuche von medienaffinen Einzelpersonen hinaus im Geschäftsbetrieb einer Bildungsorganisation effektiv und längerfristig zu verankern, sind umfassende Konzepte notwendig" (Wippermann 2008 zitiert nach Spary (Hg.) 2014, s. 76).

Welche Konzepte kommen hierfür in Frage? An dieser Stelle bietet es sich an, die inhaltli­che Hinführung zum Blended Learning[4] einzuleiten, denn in einem nächsten Schritt müs­sen die traditionellen Lernformen mit den genannten Formen des eLearning zusammenge­führt werden.

Innerhalb des Blended Learning können drei verschiedene Formen der Verknüpfung von Präsenzlehre und eLearning[5] formuliert werden. Diese sind in Anlehnung an Fredebeul, 2007 (S. 12) und Reinmann-Rothmeier, 2003 (S. 33) die folgenden:

- Anreicherung tradierter Lernformen
- Virtuelle Ausrichtung
- Intégratives Arrangement

Wiederum soll eine Grafik das Verständnis der Verzahnung genannter eLearning-, wie tra­ditioneller Lemformen erleichtern (Grafik aus Fredebeul, 2007, s. 13):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Anreicherung tradierter Lernformen wird als das Hinzufügen von eLearning-Elemen- ten zu bestehenden traditionellen Konzepten verstanden, (vgl. Fredebeul, 2007, s. 12).

Die virtuelle Ausrichtung hingegen ist das Gegenteil der Anreicherung tradierter Lernfor­men. Hier nehmen virtuelle Lemphasen den Großteil des Unterrichts ein. Die konventio­nellen Lernformen ergänzen die virtuellen.

Das integrative Arrangement gewichtet die eLearning-Anteile ebenso hoch wie die Anteile konventioneller Lemformen. Man könnte an dieser Stelle zugespitzt von Blended Learning in Reinform sprechen.

Während der bis hierher erläuterten Begriffen ist deutlich geworden, dass die Definition des Begriffs Blended Learning vielseitig sein kann. Somit ist es angebracht der Definition selbst den Raum einzugestehen, der nötig ist, damit auch die folgenden Kapitel ausrei­chend Rückbezug nehmen können. Die Definition des Kompositums Blended Learning für den schulischen Bereich soll für diese Arbeit wie folgt lauten:

Blended Learning, zu deutsch gemischtes Lernen, ist eine Lernform, deren Ziel es ist die Vorzüge des eLearnings, und hierunter fallend eLearning by distributing, eLearning by interacting, sowie eLearning by collaborating, in traditionelle Lemformen wie Prä­senzlehre und den dazugehörigen Sozialformen (bspw. Gmppenarbeit) didaktisch an­gemessen, sinnvoll und effektiv zu integrieren.

Da nicht davon ausgegangen werden kann, dass der Ansatz des Blended Learning bereits vollumfassend in deutschen Schulen zur Anwendung kommt, was zu einem Großteil mit der fehlenden digitalen Ausstattung der Schulen, aber auch mit der fehlenden fachlichen Kompetenz der Lehrkräfte in einen Zusammenhang zu bringen ist und damit begründet werden kann, darf Blended Learning weiter als pädagogische Innovation für den Regelun­terricht gelten. Blended Learning kann den Unterricht verändern und weiterentwickeln. ״Aus der Veränderungsperspektive geht es um das Konsolidieren, Optimieren und Erneu­ern auf einem höheren Entwicklungsniveau. Innovationen werden als Investitionen auf die nächste Periode getätigt, um auch in dieser die Bildungs- und Organisationsziele bestmög- lieh erreichen zu können“ (Seufert, Meier 2013; Iberer 2010 a zitiert nach Spary (Hg.) 2014, s. 76). In welcher Form kann also Blended Learning zu Anwendung gebracht wer­den, um Bildungsziele bestmöglich zu erreichen?

Daraus ergibt sich die Frage, die in den nächsten Kapiteln beantwortet werden soll: Welche Chancen und Grenzen hat das Blended Learning im schulischen Kontext?

[...]


[1] Vgl. Vortrag von Richard David Precht im Rahmen der Veranstaltung ״Bildung vs. Wissen“ des Stuttgarter Dialogs über Wirtschaft und Gesellschaft, https ://www.youtube ■com/watch?v=ZXhu- g e43tk (letzter Aufruf am 22.02.2018, um 13:54h)

[2] Mit Blick auf die Beispiele sei vorab konzediert, dass sich das Spektrum der Auswahl dieser al­lein auf die Unterrichtspraxis in der Schule beschränkt.

[3] Eigentlich müsste der Begriff eTeaching genannt werden, da aus der Perspektive der Lehrer ar­gumentiert wird. Gleiches gilt für Blended Learning - Blended Teaching.

[4] Da das Blended Learning traditionelle Lemformen mit den drei genannten Formen des eLe- amings verbindet, sollte auf Deutsch eigentlich nicht vom Blended Learning, sondem eher vom ״hybride(n) Lemarrangement" (vgl. Fredebeul 2007, s. 12) gesprochen werden.

[5] Unter das eLearning fallen an dieser Stelle selbstverständlich alle drei zuvor genannten Unter- gliedemngen: E-Leaming by distributing, E-Leaming by interacting und E-Leaming by collabora­ting.

Details

Seiten
20
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668688216
ISBN (Buch)
9783668688223
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v421334
Institution / Hochschule
Universität Kassel – Institut für Bildungswissenschaften
Note
14
Schlagworte
Blended Learning Digitale Medien Medienkompetenz in der Schule Lehramt Medien Lehramt Medienkompetenz

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