Lade Inhalt...

Eine Untersuchung des Einflusses von Schichtarbeit auf die subjektive Gesundheit und eines moderierenden Effekts durch das Geschlecht

Regressionsanalyse und empirische Betrachtung

Hausarbeit 2016 33 Seiten

Soziologie - Methodologie und Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Betrachtung des Untersuchungsgegenstandes
2.1. Zentrale Begriffe
2.1.1. Schichtarbeit
2.1.2. Subjektive Gesundheit
2.2. Theoretisches Modell: Schichtarbeit als Einflussfaktor auf die
subjektive Gesundheit
2.2.1. Einfluss von Schichtarbeit auf die subjektive Gesundheit
2.2.2. Begründete Auswahl der Kontrollvariablen
2.2.3. Hypothesen
2.2.4. Theoretische Modellübersicht

3. Empirisch-statistische Betrachtung des Untersuchungsgegenstandes

3.1. Datengrundlage, Stichprobe und Vorgehensweise

3.2. ist als Grundlage für dessen Messung notwendig, Statistisches Modell

3.4. Darstellung und Diskussion der empirischen Ergebnisse

4. Fazit und kritische Betrachtung

Literaturverzeichnis

Anhang

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Modellzusammenfassung

Multivariate Regression mit abhängiger Variable

subjektive_Gesundheit, unabhängiger Variable v_Schichtarbeit und

Berücksichtigung aller Kontrollvariablen

Tabelle 2: Koeffizienten

Multivariate Regression mit abhängiger Variable

subjektive_Gesundheit, unabhängiger Variable v_Schichtarbeit und

Berücksichtigung aller Kontrollvariablen

Tabelle 3: Koeffizienten

Multivariate Regression mit abhängiger Variable

subjektive_Gesundheit, unabhängiger Variable v_Schichtarbeit und Berücksichtigung aller Kontrollvariablen; gesplittet nach v_weiblich

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Theoretische Modellübersicht

Abbildung 2: Statistisches Modell

Abbildung 3: Streudiagramm

Multivariate Regression mit abhängiger Variable

subjektive_Gesundheit, unabhängiger Variable v_Schichtarbeit und

Berücksichtigung aller Kontrollvariablen

Abbildung 4: Histogramm

Multivariate Regression mit abhängiger Variable

subjektive_Gesundheit, unabhängiger Variable v_Schichtarbeit und Berücksichtigung aller Kontrollvariablen

Abbildung 5: Signifikanztest

der b-Differenz zwischen den Gruppen weibliches Geschlecht und nichtweibliches Geschlecht

1. Einleitung

Veränderungen auf dem Gebiet der Arbeitszeit sind wie kaum ein anderer Bereich der Arbeitswelt von so tiefgreifenden und in ihren Konsequenzen weitreichenden Folgen durchzogen (vgl. Müller- Seitz 1991: S. 7). Die Notwendigkeit rund um die Uhr zu arbeiten ist dabei bereits seit vielen Jahren ein viel diskutiertes Thema. Während im 20. Jahrhundert vor allem technologische und wirtschaftliche Zwänge die Schichtarbeit zu einem essentiellen Bestandteil der Arbeitswelt machten, sind es in der heutigen Zeit vor allem die steigende Zahl an Dienstleistungen, welche rund um die Uhr gefordert werden (vgl. Seibt et al. 2006: S. 1). In Deutschland arbeiten derzeit etwa 24 Millionen Erwerbstätige in Schichtarbeit (vgl. Statistisches Bundesamt 2015: S. 135-140). Aufgrund der Tertiarisierung des Wirtschaftssystems ist auch in den kommenden Jahren mit einer zunehmenden Anzahl von Erwerbstätigen in Schichtarbeit zu rechnen (vgl. Seibt et al. 2006: S. 1). Aus zahlreichen Studien ist bekannt, dass Schichtarbeit einen negativen Einfluss auf den Gesundheitszustand hat und dabei beispielsweise auf das Schlafverhalten wirkt oder das Risiko diverser Erkrankungen deutlich erhöht (vgl. Leser et al. 2013: S. 7).

In dieser Arbeit wird die Frage behandelt, welchen Einfluss die Arbeit im Schichtbetrieb im Vergleich zu einer Tätigkeit in Normalarbeitszeit auf den subjektiven Gesundheitszustand hat. Weiterhin wird der Frage nachgegangen, ob das Geschlecht eine moderierende Rolle in dieser Einflussbeziehung einnimmt.

Die vorliegende Forschungsarbeit gliedert sich in zwei übergeordnete Kapitel, einer theoretischen Betrachtung (Kapitel 2) und einer empirisch-statistischen Betrachtung (Kapitel 3). Zu Beginn werden die definitorischen Grundlagen von Schichtarbeit und dem subjektiven Gesundheitszustand herausgearbeitet und diskutiert. Darauf folgend steht die Einflussbeziehung von Schichtarbeit auf den subjektiven Gesundheitszustand im Zentrum. Anhand dieser Betrachtung der Einflussbeziehung werden die Kontrollvariablen, die Hypothesen und ein theoretisches Modell abgeleitet.

In der empirisch-statistischen Betrachtung werden zunächst die Datengrundlage und die Vorgehensweise der Analyse vorgestellt, ehe die Operationalisierung der Variablen erläutert wird. Danach wird das statistische Modell visuell dargestellt, welches als Grundlage für die Regressionsanalyse herangezogen wird. Durch die Darstellung und Diskussion der empirischen Ergebnisse kann überprüft werden, inwiefern die Hypothesen durch die Schätzung bestätigt oder widerlegt werden können. Im Fazit wird ein zusammenfassender Überblick gegeben und die Forschungsarbeit kritisch betrachtet.

2. Theoretische Betrachtung des Untersuchungsgegenstandes

Die theoretische Betrachtung des Untersuchungsgegenstandes gliedert sich in zwei übergeordnete Teile, wobei sich der erste den definitorischen Grundlagen von Schichtarbeit und der Gesundheit zuwendet und der zweite das gesamte theoretische Modell fokussiert. Hierbei steht zunächst der Einfluss von Schichtarbeit auf die subjektive Gesundheit im Zentrum der Betrachtung, wonach auch eine begründete Auswahl der Kontrollvariablen für das Modell stattfindet. Im Folgenden werden die Hypothesen und die abschließende Modellübersicht der theoretischen Betrachtung vorgestellt.

2.1 Zentrale Begriffe

Die Definition eines Untersuchungsgegenstandes ist als Grundlage für dessen Messung notwendig, weshalb eine präzise Klärung der Begrifflichkeiten eine äußerst relevante Bedeutung zukommt. Dementsprechend muss zunächst eine Abgrenzung und Definition der zentralen Begrifflichkeiten erfolgen, um den Untersuchungsgegenstand genau zu erfassen. Nachfolgend wird ein Überblick über die aktuellen theoretischen Diskussionen und definitorischen Grundlagen von Schichtarbeit und Gesundheit gegeben.

2.1.1 Schichtarbeit

In der Bundesrepublik Deutschland ist der Begriff Schichtarbeit nicht eindeutig definiert. In seiner arbeitsrechtlichen Bedeutung versteht man unter Schichtarbeit, dass eine bestimmte Arbeitsaufgabe über einen längeren Zeitraum als die wirkliche Arbeitszeit von mehreren Arbeitnehmergruppen in einer geregelten zeitlichen Abfolge außerhalb der allgemein üblichen Arbeitszeit geleistet wird (vgl. Hamann 2005: S. 16). Ergänzend zum allgemeinen arbeitsrechtlichen Begriffsverständnis, wird nach Art. 2, Ziff. 5 der Richtlinie 2003/88/EG des Europäischen Rates und des Europäischen Parlaments kontinuierlicher Art mit Belegschaften, bei der Arbeitnehmer nach einem bestimmten Zeitplan, auch im Rotationsturnus, sukzessive an den gleichen Arbeitsstellen eingesetzt werden, sodass sie ihre Arbeit innerhalb eines Tages oder Wochen umfassenden Zeitraums zu unterschiedlichen Zeiten verrichten müssen (Art. 2, Zif. 5 der Richtline 2003/88/ !

Unter Schichtarbeit werden im Allgemeinen alle Formen der Arbeitszeitorganisation verstanden, bei welchen Arbeit entweder zu wechselnder Zeit (Wechselschichtmodelle) oder zu gleichbleibender, aber ungewöhnlicher Zeit (Permanent-Schichtmodelle) ausgeübt wird (vgl. Knauth/Hornberger 1997: S. 9). Demgegenüber handelt es sich nicht um Schichtarbeit, wenn die Arbeitszeit regelmäßig innerhalb der Normalarbeitszeit liegt1. Im Kontext dieser Forschungsarbeit wird insbesondere die zeitliche Variation der Arbeitszeit in Abgrenzung zum Normalarbeitstag als Schichtarbeit definiert.

2.1.2 Subjektive Gesundheit

Der Begriff Gesundheit kann aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden. Aus diesem Grund lassen sich in der entsprechenden Literatur eine Vielzahl verschiedener Definitionen und Auffassungen von Gesundheit und Krankheit finden.

Eine der wohl zentralen Anlaufstellen, wenn es um das Thema Gesundheit geht, stellt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dar. Deren Aufgabe besteht im Rahmen der Vereinten Nationen darin, alle Belange der öffentlichen Gesundheit zu verwalten (vgl. WHO 2016).

Sic betrachtet Gesundheit als einen „[...] Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen“ (WHO 1946: S. 1). liier findet zum im einen eine Abgrenzung von einer weiteren möglichen Definition statt, „[...] das Fehlen von Krankheit und Gcbrcchcn.“ So geht das biomcdizinische Krankheitsmodcll bei Gesundheit von der „[...] Abwesenheit von Krankheit, genauer genommen [der] Abwesenheit von Erregern, Abweichungen von Normwerten und messbaren Fchlfunktioncn [...]“ (Vonncilich 2016: S. 45) aus.

Andererseits zeigt die Gesundheitsdefinition der WHO einen äußerst komplexen und schwer zu erfassenden Gesundheitsbegriff auf. Das Wohlbefinden eines Individuums auf körperlicher, geistiger und sozialer Ebene ist in hohem Maße subjektiv und stellt somit eine erhebliche Herausforderung als Forschungsgebiet dar. Für Mediziner stellt der subjektiv erfahrene Gemütszustand eines Patienten einen ebenso relevanten Betrachtungsgegenstand dar, wie die objektive Diagnose des Arztes. Denn diese, „[...] z.B. ein medizinischer, psychologischer oder sprachtherapeutischer Befund - muss keineswegs mit dem Befinden der Betroffenen, mit ihrem subjektiv Erlebten übereinstimmen“ (Franke 2012: S. 25).

„Subjektive Vorstellungen hängen von den allgemeinen und konkreten Umständen ab, unter denen sie zum Thema werden, wobei Geschlecht, Alter und Gesundheitszustand besonders zentrale Einflussfaktoren sind“ (Flick 1998: S. 8). Die dieser Feststellung zugrundeliegenden Determinanten des subjektiven Gesundheitszustandes wurden in der Wissenschaft häufig betrachtet und Modelle abgeleitet.

Auf Basis einer Untersuchung zum Thema „Laienverständnis von Gesundheit“ von Claudine Herzlich ergaben sich drei wesentliche Dimensionen anhand derer Individuen ihren eigenen Gesundheitszustand beurteilen. Die „negative Dimension“ betrachtet Gesundheit als das Nichtvorhandensein von Krankheiten und Beschwerden. Die „funktionale Dimension“ bezieht sich hingegen auf die Fähigkeit, den alltäglichen Handlungen ohne physische oder psychische Einschränkungen nachgehen zu können. Abschließend behandelt die „positive Dimension“ die durch Gesundheit hervorgerufenen und begünstigten positiven Faktoren wie Lebensfreude, Fitness und Wohlbefinden (vgl. Mueller/Heinzel-Gutenbrunner 2001: S. 9). Diese Auffassung wurde im Rahmen einer Studie der Cambridge Universität mit etwa 9000 Befragten bestätigt (vgl. ebd.: S. 9).

Bei einer Gegenüberstellung dieses Modells und der Gesundheitsdefinition der Weltgesundheitsorganisation lassen sich einige Anknüpfungspunkte und Parallelen identifizieren. Kurz zusammengefasst bestimmt die WHO Gesundheit durch körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden sowie durch die Abwesenheit von Krankheiten. Der letztere Punkt kann mit der negativen Dimension des Modells nach Herzlich in Verbindung gebracht werden. Auch die positive Dimension, die als eine Determinante „Wohlbefinden“ beinhaltet, deckt sich mit dem Wohlbefinden der WHO-Definition auf körperlicher, geistiger und sozialer Ebene. Abschließend entspricht die funktionale Dimension der Vorstellung von Gesundheit, wenn keine physischen (nach WHODefinition: körperlichen) und psychischen (nach WHO-Definition: geistigen) Einschränkungen vorliegen, welche eine Bewältigung des Alltags hemmen würden.

Auf Basis dieser Argumentation soll also im Rahmen der vorliegenden Forschungsarbeit subjektive Gesundheit als latentes Konstrukt verstanden werden, welches sich, orientiert an der Definition der Weltgesundheitsorganisation, aus den Bereichen körperlichem, geistigem und sozialem Wohlbefinden sowie der Abwesenheit von Krankheiten und Gebrechen zusammensetzt.

2.2 Theoretisches Modell: Schichtarbeit als Einflussfaktor auf die subjektive Gesundheit

Die Auseinandersetzung des Menschen mit seiner Arbeitsumwelt und die daraus abzuleitenden Konsequenzen werden seit vielen Jahren in arbeitswissenschaftlichen und arbeitsmedizinischen Disziplinen als zentrale Forschungsgegenstände betrachtet. Der Einfluss von Schichtarbeit auf die subjektive Gesundheit von Menschen wird in der Forschung kontrovers diskutiert (vgl. Fleischmann 2014: S. 37). Unzählige verschiedene Theorien und empirische Untersuchungen in der Literatur versuchen die Folgen von Schichtarbeit auf die Gesundheit der Arbeitnehmer zu erfassen. Schichtarbeit und insbesondere Nachtarbeit werden als Risikofaktor für diverse Gesundheitsbeeinträchtigungen betrachtet (vgl. Kachisi/Kutscher 2015: S. 1). Dabei wird häufig ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Schichtarbeit und auftretenden Krankheitsbildern postuliert (vgl. ebd.: S. 1; vgl. Müller-Seitz 1991, S. 24). Es stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob und inwiefern eine Variation der zeitlichen Lage von Arbeit einen Einfluss auf subjektive Gesundheit von Arbeitnehmern nimmt.

2.2.1 Einfluss von Schichtarbeit auf die subjektive Gesundheit

Prävalenzdaten lassen darauf schließen, dass Schichtarbeit einen erhöhten Krankenstand im Vergleich zu Arbeit von Normalbeschäftigten zur Folge hat (vgl. ebd.: S. 59). Nach dem Belastungs- und Beanspruchungskonzept für Schichtarbeit von Rutenfranz besteht für alle Schichtarbeiter die objektiv identische Belastung darin, dass zeitverschoben zur Tagesperiodik essentielle Körperfunktionen ablaufen. Dies führt auf Dauer zu einer Störung der biologischen Rhythmik und damit zu einer Störung der Zeitstruktur von Körperfunktionen (vgl. Knauth/Hornberger 1997: S. 25). Diese biologische Desynchronisation wird als Ursache für eine große Anzahl von Erkrankungen herangezogen, wodurch die Gesundheit, das subjektive Wohlbefinden sowie das familiäre und private Leben beeinträchtigt werden. Die Stärke der Beeinträchtigung von Gesundheit durch Schichtarbeit wird zudem durch intervenierende Faktoren, zwischengeschalteter Einflussgrößen, wie beispielsweise individuellen Eigenschaften des Schichtarbeiters (Alter, Persönlichkeit, Biorhythmus, Anpassungsfähigkeit u.v.m.) beeinflusst (vgl. ebd.: S. 25).

Gerade aufgrund der Zeitverschiebung von Schlaf- und Arbeitszeit gegenüber der Zeitstruktur des biologischen Rhythmus entsteht eine besondere Beanspruchung. Dementsprechend gilt Schichtarbeit in der Forschung als gesundheitlicher Risikofaktor (vgl. Müller-Seitz, 1991: S. 24). Durch zahlreiche Studien ist belegt, dass Störungen zirkadianer Rhythmen, wie sie bei Schichtarbeitern häufig identifiziert werden, zu Gesundheitsbeeinträchtigungen wie Müdigkeit, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Appetitlosigkeit, Übergewicht sowie physischer und kognitiver Leistungsminderung führen (vgl. Struck et al. 2012: S. 37; vgl. Leser et al. 2013: S. 1ff.). Eine unerlässliche Voraussetzung für das körperliche, geistige und soziale Wohlbefinden wird dementsprechend durch unzureichenden Schlaf bzw. durch Schlafstörungen negativ beeinflusst (vgl. Paridon et al. 2012: S. 91).

Insbesondere durch das Auftreten von Schlafstörungen über einen längeren Zeitraum, steigt die Wahrscheinlichkeit von Folgeerkrankungen deutlich an. Magen-Darmerkrankungen, Herz-Kreislauf- Störungen oder auch Diabetes werden dabei als die häufigsten Folgeerkrankungen von Schichtarbeitern diagnostiziert (vgl. ebd.: S. 93-99; vgl. Müller-Seitz 1991: S. 24ff.; vgl. Kachisi/Kutscher 2015: S. 30-39). Nach Flick hängt der subjektiv empfundene Gesundheitszustand neben soziodemographischen Merkmalen vor allem von dem tatsächlichen Gesundheitszustand ab (vgl. Flick 1998: S. 8). Dementsprechend bedingt das Auftreten von Krankheiten den subjektiven Gesundheitszustand und führt bei dem Betroffenen zu einer schlechteren Bewertung des eigenen Zustandes.

Neben den physischen Symptomen sind bei Schichtarbeitern Auswirkungen auf die Psyche zu beobachten. Von sozialem Stress bis zu Angstzuständen und Depressionen ist das Spektrum psychischer Krankheitsbilder vielseitig (vgl. Jamal 2004: S. 113-119; vgl. Jansen et al. 2004: S. 139- 148). Costa führte dies insbesondere auf die Desynchronisation des Schlaf- und Wachrhythmus zurück (vgl. Struck et al. 2012: S. 6).

Ein weiterer Faktor, welcher auf die subjektive Gesundheit Einfluss nimmt, ist das wahrgenommene soziale Umfeld (vgl. WHO 1946: S. 1). Die Auswirkungen der Schichtarbeit beziehen sich auch auf den privaten Lebensbereich der Arbeitnehmer. Der häufige Wechsel der Arbeitszeit führt zu einer Beeinträchtigung des kulturellen und sozialen Lebensbereiches (vgl. Müller-Seitz 1991: S. 30f.). An kulturellen Veranstaltungen können Schichtarbeiter oftmals erschwert partizipieren, da diese häufig während wechselnder Arbeits- oder Schlafzeiten stattfinden. Dementsprechend ist die Pflege von sozialen Kontakten nicht ohne großen Aufwand möglich. Dies zeigt sich unter anderem an einer deutlich geringeren Kontaktintensität von Schichtarbeitern im Vergleich zu Beschäftigten in einem Normalarbeitsverhältnis und hat oftmals eine gesellschaftliche Isolierung zur Folge (vgl. ebd.: S. 31). Durch zahlreichen Studien kann also nachgewiesen werden, dass Schichtarbeit einen negativen Einfluss auf den subjektiv empfundenen Gesundheitszustand hat. Die Folgen von Schichtarbeit wirken auf körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden sowie auf das Vorhandensein von Krankheiten und Gebrechen. Dies deckt sich mit der Gesundheitsdefinition der WHO und dem in Kapitel 2.1.2 behandelten Modell zu den drei Dimensionen der subjektiv empfundenen Gesundheit.

2.2.2 Begründete Auswahl der Kontrollvariablen

Um die Einflussstärke von Schichtarbeit auf den subjektiv empfundenen Gesundheitszustand möglichst von weiteren Einflussstärken bereinigen zu können, sollen ausgewählte Kontrollvariablen in das theoretische Modell integriert werden (vgl. Urban/Mayerl 2011: S. 81ff). Deren Auswahl orientiert sich an der zugrundeliegenden Gesundheitsdefinition der WHO, welche, wie in Kapitel 2.1.2. dargestellt wurde, in hohem Maße mit den Dimensionen eines subjektiven Gesundheitszustandes in Verbindung gebracht werden kann. Es sollen Variablen verwendet werden, welche auf den körperlichen und geistigen Zustand des Individuums wirken. Der soziale Aspekt kann aufgrund fehlender verwendbarer Variablen im zugrundeliegenden Datensatz als Kontrollvariable nicht berücksichtigt werden.

Für Schichtarbeit typische Tätigkeiten sind durch körperlich anstrengende und psychisch belastende Arbeiten charakterisiert (vgl. Leser et al. 2013: S. 3f.). Schichtarbeiter üben dabei im Durchschnitt Tätigkeiten mit höheren körperlichen Belastungen aus, als Normalarbeitszeitbeschäftigte (vgl. ebd.:

S. 5). Darüber hinaus ist der psychische Druck von Schichtarbeitern aufgrund von Zeit- und Leistungsdruck höher als bei Normalarbeitszeitbeschäftigten (vgl. ebd.: S. 6). Da die Arbeitsbedingungen einen Einfluss auf die subjektive Gesundheit haben (vgl. ebd.: S. 1; vgl. Dahlgren/Whitehead 1991: S. 11), sollen diese als Kontrollvariablen untersucht werden. Bezogen auf das körperliche Wohlbefinden wird körperliche Belastung (X2) betrachtet. Zudem soll auch der Einfluss von Zeit- und Leistungsdruck (X3) als psychische Dimension mit aufgenommen werden. Da der Schichtarbeiter starken Belastungen und damit Stress ausgesetzt ist, versucht er durch eine Bewältigungsstrategie mit dem Stressor umzugehen. Diese Bewältigungsstrategien (Coping) zeichnen sich unter anderem durch einen erhöhten Konsum von Zigaretten, Alkohol, koffeinhaltigen Getränken (u.a. Kaffee und Energiegetränke) sowie Arzneimitteln aus und führen oft zu einer weiteren Verschlechterung des Gesundheitszustandes (vgl. Müller-Seitz 1991: S. 25; vgl. Dahlgren/Whitehead 1991: S. 11). Das Copingverhalten soll als Kontrollvariable (X4) aufgenommen werden, um einer Verzerrung des Einflusses von Schichtarbeit auf den subjektiven Gesundheitszustand zu verhindern. Ein überdurchschnittlicher Konsum von Tabak und Alkohol wird dabei als gesundheitsschädliches Copingverhalten betrachtet.

Als Kontrast zu den beschriebenen, oft nachteiligen Arbeitsbedingungen im Schichtbetrieb, kann die eigene Wohnumgebung als Erholungsort verstanden werden, an welchem ein der Schichtarbeit gegenüberstehender Regenerationsprozess vollzogen werden kann (vgl. Frick/Buchecker 2009: S. 3). Hierbei ist jedoch entscheidend, in welchem Wohnumfeld sich das Individuum befindet. Denn unpassende Umstände der Wohnumgebung, wie beispielsweise Lärm- und Abgasbelastungen hemmen nicht nur den Regenerationsprozess, sondern können ebenso negative Auswirkungen auf den objektiven und damit auch den subjektiven Gesundheitszustand haben (vgl. Dahlgren/Whitehead 1991: S. 11ff.). Deshalb wird die Wohnumgebung (X5) als Kontrollvariable in das Modell aufgenommen.

2.2.3 Hypothesen

Auf Basis der im Vorfeld behandelten theoretischen Überlegungen sollen im Folgenden die Hypothesen formuliert werden.

Die erste Hypothese bezieht sich auf den angenommenen Einfluss von Schichtarbeit auf den subjektiven Gesundheitszustand.

H1: Wenn ein Individuum in Schichtarbeit tätig ist, dann verschlechtert sich dessen subjektiver Gesundheitszustand.

Hypothese zwei geht von einem moderierenden Effekt des Geschlechts2 auf die in Hypothese 1

postulierten Zusammenhang zwischen Schichtarbeit und subjektiver Gesundheit aus.

H2: Wenn weibliches Geschlecht besteht, dann verstärkt sich der negative Effekt von Schichtarbeit auf die subjektive Gesundheit (Moderatorhypothese).

2.2.4 Theoretische Modellübersicht

Aus den bisher gewonnenen Erkenntnissen ergibt sich folgendes theoretisches Modell:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Theoretische Modellübersicht

3. Empirisch-statistische Betrachtung des Untersuchungsgegenstandes

Durch die theoretische Betrachtung des Untersuchungsgegenstandes wurde das Fundament für die empirische Untersuchung gelegt. Nun können durch eine empirisch-statistische Analyse des postulierten Einflusses von Schichtarbeit auf die subjektive Gesundheit die in Kapitel 2.2.3 formulierten Hypothesen überprüft werden. Zuerst werden die Stichprobe, die Datengrundlage und die Methode vorgestellt. Folgend wird die Operationalisierung der Variablen beleuchtet. Danach wird das endgültige statistische Modell präsentiert und es erfolgt die Darstellung und Diskussion der empirischen Ergebnisse. Durch eine mögliche Passungenauigkeit (Modell-Dilemma) aufgrund der Konstruktion des empirisch-statistischen Modell aus dem theoretischen Modell (vgl. Urban/Mayerl 2011: S. 20f.), soll ein besonderes Augenmerk auf die Anforderungen der Regressionsmodellierung gelegt werden. Deshalb ist es wichtig die Modellannahmen in Form der Regressionsdiagnostik zu untersuchen und zu überprüfen.

[...]


1 Die Normalarbeitszeit in Deutschland umfasst eine 5-Tage-Woche mit bis zu 40 Stunden ohne Veränderung der zeitlichen Lage. Die Arbeitszeit liegt zwischen 6 und 17 Uhr (vgl. Knauth/Hornberger 1997: S. 9).

2 Anhand zahlreicher Studien kann festgemacht werden, dass bei dem subjektiven Gesundheitsempfinden geschlechtsspezifische Unterschiede vorliegen. Hierbei schätzen Männer ihren subjektiven Gesundheitszustand besser ein als Frauen (Statistisches Bundesamt 2012: S. 38; Lange 2014: S. 38). Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede bestätigen sich auch bei der Betrachtung von Schichtarbeiterinnen und Schichtarbeiter (vgl. Leser et al. 2013: S. 6.).

Details

Seiten
33
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668688032
ISBN (Buch)
9783668688049
Dateigröße
656 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v421193
Institution / Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern
Note
1,0
Schlagworte
Schichtarbeit Gesundheit Sbjektive Gesundheit Regressionsanalyse Moderatoranalyse Moderatoreffekt Regression empirische Arbeit

Autor

Zurück

Titel: Eine Untersuchung des Einflusses von Schichtarbeit auf die subjektive Gesundheit und eines moderierenden Effekts durch das Geschlecht