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Trainingswissenschaftliche Leistungsdiagnostik im Basketball

Hausarbeit 2016 31 Seiten

Sport - Bewegungs- und Trainingslehre

Leseprobe

Inhalt

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Zusammenfassung

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Leistungsfaktoren im Basketball
2.1 Kondition
2.2 Koordination und Technik
2.3 Taktik

3 Diagnostische Methoden zur Leistungserfassung im Basketball
3.1 Sportmotorische Testverfahren
3.2 Systematische Spielerbeobachtung
3.3 Taktiktests
3.4 Komplexe Basketballtests

4 Fazit/Ausblick

5 Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Diese Studienarbeit befasst sich mit der trainingswissenschaftlichen Leistungsdiagnostik im Basketball. Nachdem die Leistungsfaktoren im Profil eines Basketballers dargestellt werden, wird erörtert wie diese zu diagnostizieren sind und welche Verfahren sich besonders gut aus trainingspraktischer Sicht eignen. Dazu werden sportmotorische Testverfahren, die systematische Spielerbeobachtung, Taktiktests und komplexe Basketballtests vorgestellt und erläutert und letztlich hinsichtlich der wichtigsten Gütekriterien eingeordnet und beurteilt. Es ergeben sich hierbei deutliche Unterschiede, besonders in der Validität der Verfahren, weshalb Trainer und Wissenschaftler einige favorisieren und andere ablehnen.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Beispiele sportmotorischer Testverfahren S. 18

Quelle: “Handbuch Basketball”

Abbildung 2: DBB-Side-Steps S. 21

Abbildung 3: Drop Jump und Kraft-Zeit-Kurve S.22

Quelle: www.solutions-in-sports.de

Abbildung 4: Box-Score eines Spiels der Golden State Warriors S. 24

Quelle: www.nba.com

Abbildung 5: Mögliche Grafik auf Grundlage des “Player Tracking” S. 25

Quelle: www.wired.com

1 Einleitung

Basketball ist eine äußerst beliebte Ballsportart, die im Jahre 1891 von einem kanadischen Trainer namens James Naismith erfunden wurde und hauptsächlich in der Halle gespielt wird. Die Mannschaften versuchen den Ball in den jeweils gegnerischen Korb zu werfen, der sich in 3,05m Höhe befindet. Pro Mannschaft gibt es 5 Spieler und bis zu 7 Auswechselspieler. Verwandelte Würfe aus dem Feld zählen je nach Entfernung 2 oder 3 Punkte, Freiwürfe 1 Punkt. Es gewinnt die Mannschaft, die mehr Punkte erzielen konnte. Basketball hat als Sportart inzwischen einen sehr hohen Stellenwert, auch in Deutschland. Auf höherem und professionellerem Niveau agierende Athleten weltweit sind ständig bestrebt ihre Leistung zu steigern. Die “Messung” dieser Leistung näher und unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten kennen zu lernen, weckte mein Interesse.

In seiner Gesamtheit ist hierbei die tatsächliche Leistungsfähigkeit eines Spielers in der Spielsportart Basketball außerordentlich komplex und auch nicht einfach zu diagnostizieren. Im Rahmen dieser Studienarbeit versuche ich einen Überblick über die basketballspezifische Leistungsdiagnostik zu erstellen, mit dem Ziel die verschiedenen Verfahren beurteilen und einordnen zu können.

Leistungsinformationen im Basketball sind grundsätzlich schwierig zu erfassen aufgrund des vielseitigen Spielsportcharakters und der vielen verschiedenen Leistungskomponenten, die ich im Folgenden als wichtige Ausgangsbasis ausführlich beschreiben werde. Spezifisch entwickelte Tests sind deshalb heutzutage umso wichtiger und unverzichtbarer geworden, da vor allem die Trainer für die Planung und Steuerung des Trainings und auch des Coachings immer detailliertere Informationen benötigen. Auf Grundlage der Testresultate können durch Feststellung eines “Ist”-Zustandes gezielte Trainingsmaßnahmen eingeleitet und deren Effektivität beurteilt werden. So hat sich die Leistungsdiagnostik im konditionellen, technischen und taktischen Bereich nicht nur im Basketball, sondern auch in anderen Spielsportarten stetig weiter entwickelt.

Im Folgenden werde ich die im Basketball benötigten Leistungsfaktoren beschreiben, danach die basketballspezifische Leistungsdiagnostik vorstellen, Beispiele für die unterschiedlichen Test- und Diagnoseverfahren anführen und letztlich ein entsprechendes Fazit in Hinblick auf ihre Güte ziehen. Dies geschieht auf Grundlage der Studie der verschiedenen wissenschaftlichen Literatur, die ich für diese Arbeit durchgeführt habe, als auch aufgrund meiner eigenen ehemaligen Erfahrung als aktiver Spieler (2. Bundesliga).

2 Leistungsfaktoren im Basketball

Der Erfolg im Sportspiel Basketball wird aufgrund seiner Komplexität von vielen individuellen Leistungsfaktoren bestimmt.

Als wichtigste individuelle Leistungsfaktoren im Basketball nennen Bösing, Bauer, Remmert, der Deutsche Basketball-Bund und Lau (2014, S. 33) “Taktik, Koordination und Technik, Kondition, Konstitution, psychische Dispositionen und soziale Kompetenzen”. Wobei hier explizit betont wird, dass “als generelle Leitlinie des Basketballtrainings gilt, die Leistungsfaktoren im Bereich des jeweiligen Optimums und nicht etwa maximal zu entwickeln”(Bösing et al., 2014, S. 34).

Die konditionellen Leistungsfaktoren “sind ‘Mittel zum Zweck’ und werden erst in den koordinativ-technischen Spielhandlungen wirksam”(Bösing et al., 2014, S. 34). Da weiter alle Spielhandlungen von der Taktik geprägt werden, lässt sich also festhalten, dass zwischen den Leistungsfaktoren bzw. Voraussetzungen im Leistungsprofil Wechselwirkungen bestehen, die den Erfolg beeinflussen. Dies ist äußerst relevant für das Training als auch den Wettkampf, da man als Basketball-Trainer die Leistungsentwicklung eines Spielers auch immer ganzheitlich betrachten sollte.

Sowohl bei den konditionellen, als auch z.B. bei den taktischen oder koordinativ-technischen Komponenten gibt es in der spezifischen Ausbildung der Leistungsfaktoren Unterschiede je nach Spielerposition und – typ. So benötigt ein klassischer Center im Training teilweise eine andere Ausbildung als beispielsweise ein Point Guard (Aufbauspieler).

Außerdem spielen individuell die körperliche Konstitution und das Fähigkeitsprofil eine Rolle: So muss körperliche Gesundheit gegeben sein. Weiter ist es wenig sinnvoll einen Spieler mit anthropometrischen Daten wie z.B. 165 Zentimeter Körpergröße als Center einzusetzen. Anthropometrisch eine größere Rolle im Basketball spielt auch die Armspannweite, vor allem beim Rebounding oder beim Blocken von Würfen.

Außerdem benötigt je nach Fähigkeitsprofil z.B. ein “Face-up Center”, der seine Offensiv-Aktionen im 1 gegen 1 meistens mit dem Gesicht zum Korb beginnt, teilweise andere Trainingsinhalte als ein “Post-up Center”, der sein 1 gegen 1 meistens mit dem Rücken zum Korb einleitet.

Psychische Dispositionen und soziale Kompetenzen (z.B. die Fähigkeit im Team zu agieren) bilden weitere Faktoren im Leistungsprofil.

Die psychischen Dispositionen werden meist in Fragebögen diagnostiziert. Hier wird ein psychologisches Stärken- und Schwächenprofil erstellt, wodurch oft bereits im Vorfeld eine Eignung für den höheren Leistungsbereich bestätigt oder ausgeschlossen werden kann.

Im Folgenden gehe ich auf die drei Leistungsfaktoren Kondition, Koordination und Technik und Taktik aufgrund ihrer Komplexität und auch der sehr trainingspraktischen Möglichkeiten zu ihrer Diagnose (besonders beim Leistungsfaktor Kondition) näher ein.

2.1 Kondition

Der Kondition kommt im Basketball eine besondere Rolle zuteil, da überdurchschnittliche konditionelle Grundlagen natürlich Voraussetzung für die Entwicklung der anderen Faktoren im Leistungsprofil eines Basketballers sind (siehe Kapitel 2). Es lässt sich aus trainingsmethodischer Sicht in den konditionellen Grundvoraussetzungen differenzieren in die Fähigkeiten Ausdauer, Schnelligkeit, Kraft und Beweglichkeit.

Die Ausdauer beschreibt nach Röthig (1992, S. 41) “[...] die Fähigkeit, eine Belastung ohne Ermüdung über einen möglichst langen Zeitraum auszuhalten, in weiterer Folge die eintretende Ermüdung bei sportlicher Beanspruchung bis hin zur Ausbelastung und in Grenzfällen bis zur Erschöpfung überstehen zu können”. Schnabel, Harre und Krug (2008, S. 179) schreiben weiter “Ausdauer als Leistungsvoraussetzung sichert eine zuverlässige Dauerbeanspruchung mit optimaler Intensität und stabiler Technik im Training und im Wettkampf und begrenzt oder verhindert gar ermüdungsbedingte Leistungseinschränkungen”.

Ein Basketballspiel dauert im Normalfall (ohne Verlängerung wegen Gleichstand nach regulärer Spielzeit) 40 Minuten bzw. nach den Regeln der Nordamerikanischen Profiliga NBA 48 Minuten. Für den Erfolg ist es unabdingbar, eine möglichst hohe Intensität und stabile Technik in dieser Spielzeit dauerhaft aufrechtzuerhalten. Eine potentielle Ermüdung resultiert aus einer Verarmung der Energiereserven, damit verbunden sind z.B. Komponenten wie eine Verschiebung im Wasser- und Elektrolythaushalt, eine verminderte Enzymaktivität oder der Anstieg von Laktat und anderen Stoffwechselzwischenprodukten. Ein Basketballspieler möchte seine Ermüdungsgrenze hinausschieben, um Einbußen bei Athletik, Koordination, Technik und taktischer Entscheidungsfindung zu verhindern. Dies wird gewährleistet durch die Grundlagenausdauer, die “die Basis aller sportartspezifischen Arten der Ausdauer” (Schnabel et al., 2008, S. 180) ist. Besonders gute Spieler zeichnen sich deshalb unter anderem durch eine hohe Grundlagenausdauer aus, die es ihnen ermöglicht die genannten Einbußen zu minimieren und Ermüdungsprozesse zu kompensieren.

Spezifisch für ein Basketballspiel ist der azyklische Wechsel in kurze schnellkraftdominierte Phasen hoher Intensität, z.B. bei Sprints im Fast Break (Schnellangriff), Sprüngen zum Rebound oder bei der Fußarbeit in der Verteidigung. Wiederholt gibt es in der Gesamtbelastung kurze Unterbrechungen mit erneutem Antritt. Neumann (1990, S.165) spricht hier von einer benötigten “azyklischen Langzeitausdauer mit Intervallcharakter”.

Aufgrund der hohen Belastungsintensität in diesen kurzen Intervallen findet hier für die Resynthese des benötigten Energieträgers ATP in der Arbeitsmuskulatur überwiegend eine Beanspruchung der anaerob-alaktaziden Energiereserven statt. Bei einer selteneren hochintensiven Belastungsdauer von mehr als ca. 5 Sekunden findet eine anaerobe Verstoffwechselung des Glykogens statt, die durch Bildung von Laktat zu einer Übersäuerung der Arbeitsmuskulatur führt, also zu einer Beanspruchung der anaerob-laktaziden Energiereserven. Für die bereits beschriebene Grundlagenausdauer hingegen wird die aerobe Energiebereitstellung benötigt, d.h. bei ausreichendem Sauerstoff werden freie Fettsäuren und bei etwas mehr Intensität Glykogen aus den Muskeln und der Leber für die Bereitstellung von Energie herangezogen.

Wie es im Sportspiel typisch ist, werden im Basketball dementsprechend alle Formen der Energiebereitstellung benötigt.

Eine der wichtigsten motorischen Grundeigenschaften eines Basketballspielers ist die Schnelligkeit. Spieler mit besserer Schnelligkeitsfähigkeit besitzen eine größere Mobilität, die überall auf dem Spielfeld und in jeder Spielsituation hilfreich ist. Schnabel, Harre und Krug (2008, S. 169) definieren die Schnelligkeit als “Koordinativ-konditionelle determinierte Leistungsvoraussetzung; Fähigkeit, um in kürzester Zeit auf Reize zu reagieren bzw. Informationen zu verarbeiten sowie Bewegungen oder motorische Handlungen unter erleichterten und/oder sportartspezifischen Bedingungen unter Zeitdruck ausführen zu können, wobei durch eine sehr kurze Belastungsdauer eine Leistungslimitierung durch Ermüdung ausgeschlossen werden soll.”

Die Schnelligkeit ist ein sehr komplexer Einflussfaktor im Basketball, da z.B. ein schneller Antritt im 1 gegen 1 Anforderungen an die Schnellkraft stellt, die eher dem Faktor Kraft zuzuordnen wären. Deshalb unterscheidet man begrifflich zwischen der elementaren Schnelligkeit und der komplexen Schnelligkeit. Die elementare Schnelligkeit befasst sich mit der psychophysischen Anlage, z.B. dem Anteil der FT-Muskelfasern oder der Leitgeschwindigkeit von Reizen im Nervensystem. Sie lässt sich differenzieren in die Reaktionsschnelligkeit und die Koordinationsschnelligkeit (Vgl. Schnabel et al., 2008, S. 169).

Die Reaktionsschnelligkeit bezieht sich im Sportspiel Basketball auf optische Informationen und die Dauer der entsprechenden Reaktion darauf. Trainierbar sind hier vor allem Wahlreaktionen, wie z.B. ein schneller Richtungswechsel in der Verteidigung als Reaktion auf ein Crossover-Dribbling (Handwechsel) des offensiven Spielers oder ein Touch-Pass (weiterleiten eines Zuspiels mit nur kurzer Ballberührung) im Schnellangriff als Reaktion auf die Position von Mitspieler und Verteidiger. Sportarttypisch ist auch die Reaktionsschnelligkeit bei der Umstellung von Angriff auf Verteidigung bzw. von Verteidigung auf Angriff (der Basketballer bezeichnet diese Umstellung als “Transition”).

Die Koordinationsschnelligkeit meint im Basketball hingegen z.B. die Schnelligkeit einer Kontraktion durch Ansteuern der FT-Fasern wie beim Antritt im 1 gegen 1. Diese Kontraktion initiiert willkürlich eine automatisierte motorische Bewegung von sehr kurzer Dauer, in der eine Bewegungskorrektur nicht mehr möglich ist.

Neben der elementaren Schnelligkeit gibt es als weitere Komponente die komplexe Schnelligkeit. Sie beschreibt die Schnelligkeit in Beziehung zu einer anderen Einflussgröße, wie im oben genannten Beispiel die Schnellkraft. Sie lässt sich unterteilen in die Handlungsschnelligkeit und die Bewegungsschnelligkeit (Vgl. Schnabel et al., 2008, S. 169).

Unter der Handlungsschnelligkeit versteht man hauptsächlich die Schnelligkeit des Prozesses, der stattfindet bei der Aufnahme einer Information, während der Verarbeitung, bis hin zur entsprechenden Reaktion. Um eine bestimmte Handlungsaufgabe zu erfüllen, wird ein kognitiver Vorgang in Gang gesetzt. Ist ein Sprint notwendig um den Ball zu erreichen? Habe ich genug Platz zum Verteidiger für einen Jumpshot (Sprungwurf), der zur motorischen Lösung der Handlungsaufgabe (Beginn des Sprints bzw. Ausführung des Jumpshots) führt? Je besser die Handlungsschnelligkeit austrainiert ist, desto kürzer ist hier die Gesamtdauer. Abhängig ist diese Dauer hauptsächlich von den strategisch- und technisch-taktischen individuellen Leistungsvoraussetzungen des Spielers.

Die Bewegungsschnelligkeit bezieht sich hingegen nach Schnabel, Harre und Krug

(2008, S. 173) “[...] ausschließlich auf die motorische Komponente der Handlung und äußert sich während der Bewegungsausführung. Diese vollzieht sich immer in Raum und Zeit und führt zu einer Ortsveränderung einzelner Teile oder des gesamten Körpers in einer bestimmten Zeit”. D.h. je besser die Bewegungsschnelligkeit trainiert ist, desto kürzer die Gesamtdauer einer Bewegungsausführung. Tiefer gehend wird hier differenziert zwischen azyklischer und zyklischer Bewegungsschnelligkeit. (Vgl. Schnabel et al., 2008, S. 173-174).

Ein Beispiel aus dem Basketball für eine azyklische Bewegung wäre die Wurfbewegung. Für einen Distanzschützen ist es wichtig in der Lage zu sein einen Sprungwurf in kürzester Zeit ausführen zu können, bevor sein Verteidiger in der Nähe ist. Die Basketballer sprechen auch von einem “schnellen Release”. Die besten Spieler erreichen hier Werte von bis zu 0,7 Sekunden, in denen ein immer noch technisch stabiler Wurf ausgeführt werden kann.

Eine typische sportartspezifische zyklische Bewegung ist der Sprint ohne Ball sowohl in der Offense als auch in der Defense. Der Sprint wird allgemein unterteilt in verschiedene Phasen, die nerval, muskulär und energetisch unterschiedliche Anforderungen an den Spieler stellen: Die Startphase, die Beschleunigungsphase, die Phase der maximalen Geschwindigkeit und die Phase des Geschwindigkeitsabfalls. Nach offiziellen Regeln der FIBA beträgt die Abmessung eines Spielfeldes 28 mal 15 Meter. Ein Basketballspieler versucht sich demnach in einem potentiellen Sprint innerhalb von maximal 28 Metern der Phase der maximalen Geschwindigkeit bzw. der lokomotorischen Schnelligkeit (Vgl. Schnabel et al., 2008, S. 174) anzunähern, bzw. sich mit einer möglichst hohen Geschwindigkeit zyklisch zu bewegen. Deshalb spielt, auch bedingt durch den Intervallcharakter dieser Sportart (siehe S. 5), für einen Basketballer die Beschleunigungsfähigkeit eine besonders große Rolle. Sie beschreibt die Fähigkeit, die maximale Endgeschwindigkeit durch möglichst zweckorientiertes Nutzen des Beschleunigungsweges zu erreichen. Je größer die Beschleunigungsfähigkeit bzw. Beschleunigungskraft ist, in desto kürzerer Zeit wird das Kraftmaximum in einem Sprint erreicht. In ihr wird außerdem erneut der für die komplexe Schnelligkeit typische Bezug zur Schnellkraft deutlich.

Die Kraft bezeichnet “die energetische Basis für alle sportlichen Leistungen, bei denen die beanspruchten Muskeln mehr als etwa 30% ihrer maximal verfügbaren Kraft einsetzen müssen.” (Schnabel et al., 2008, S. 158)

Man unterscheidet gemeinhin die vier Basis-Kraftfähigkeiten Maximalkraft, Kraftausdauer, Reaktivkraft und Schnellkraft.

Die Grundlage der Kraftausdauer, der Reaktivkraft und der Schnellkraft ist hierbei die Maximalkraft. Sie ist laut Schnabel, Harre und Krug (2008, S. 159) “die höchste Kraft, die der Sportler bei willkürlicher Muskelkontraktion auszuüben vermag.”

Sie ist unter anderem abhängig vom physiologischen Muskelquerschnitt. Je dicker der Muskel ist, desto größer ist die Anzahl der zur Muskelkontraktion benötigten Proteine Aktin und Myosin. Daraus folgt eine stärkere Kontraktion.

Eine weitere Größe um die Kraft qualitativ zu beschreiben ist die Muskelfaserverteilung. Es ist genetisch ein Muster an Slow-Twitch-Fasern (ST-Fasern: Langsam ermüdend, langsam kontrahierend, vergleichsweise schwach) und Fast-Twitch-Fasern (FT-Fasern: Stark, schnell, aber auch schnellere Ermüdung) vorgegeben, das FT-Faserspektrum eines Menschen kann jedoch durch Training graduell verändert werden. Entscheidend ist hierbei vor allem die Länge von Belastungs- und Erholungsphasen.

Ein anderer Faktor für die individuelle Kraftentwicklung ist z.B. die intramuskuläre und intermuskuläre Koordination. In Form einer motorischen Einheit werden Muskelfasern unwillkürlich angesteuert durch ein Motoneuron. Die Rekrutierung, also die “Auswahl” der motorischen Einheiten, z.B. die Kontraktionsfolge nach dem Hennemannschen Prinzip (Vgl. Hennemann, Shahani und Carpenter, 1965), und die Frequenzierung (Aktivitätsgrad jeder beteiligten motorischen Einheit) sind hier die bedeutenden Faktoren, sowie die Synchronisationsfähigkeit (synchrone Aktivierung einer größeren Anzahl von motorischen Einheiten).

Auch die emotionale Konstitution ist ein weiterer Faktor, der die Maximalkraft bestimmt, denn eine der Kraftanforderung entsprechende Willenskraft oder Schmerztoleranz beeinflussen die Leistungen im Maximalkraftbereich ebenfalls.

Da im Laufe eines Basketballspiels verschiedenste Bewegungen der Spieler stattfinden, sind mehrere Kraftdimensionen gefordert. Laut Steinhöfer und Warobiow werden extrem hohe Anforderungen an die nachgebende exzentrische und die überwindende konzentrische Muskelarbeit und somit an die Schnell-, Explosiv- und Reaktivkraft gestellt (Vgl. Steinhöfer und Warobiow in Hagedorn, Niedlich und Schmidt, 1996). Sie führen weiter aus (In Hagedorn et al., 1996, S. 64-65): “Zudem müssen alle Aktionen über verhältnismäßig lange Zeit möglichst ohne Leistungsverlust durchgehalten werden, d.h. auch die Kraftausdauer hinsichtlich dieser Belastung ist wichtig.” Demnach spielen also alle Kraftdimensionen eine wichtige Rolle, da natürlich auch immer die angesprochene Maximalkraft als begrenzender Faktor bzw. als Grundlage für die anderen Krafteigenschaften zu nennen ist. Die exzentrische und konzentrische Muskelarbeit kommt im Basketball besonders in der Sprintkraft, der Sprungkraft und der Wurfkraft zum Ausdruck. Die dritte Form der Muskelarbeitsweise, die isometrische (statisch-haltend, keine Längenveränderung der Muskeln) Kontraktion, kommt zum tragen in der relativ niedrigen Verteidigerposition, in der die Oberschenkelmuskulatur die entsprechende Haltearbeit verrichtet.

Für einen Basketballspieler ist weiter die Maximalkraftentwicklung im Rumpf, im Schultergürtel und an den Gelenken, besonders an der Bein-Streck-Schlinge mit Hüfte, den Knien und den Fußgelenken, nicht nur zur Leistungsverbesserung unverzichtbar. Aufgrund der Belastung bei der hohen Anzahl von Sprüngen und Sprints mit möglichst explosivem Antritt ist die dortige Muskelstabilität besonders wichtig für die Verletzungsprophylaxe während des Trainings und im Wettkampf. In meiner eigenen langjährigen Erfahrung im Basketballsport ist mir die Häufigkeit von Verletzungen wie Kreuzbandrissen oder Bänderrissen sowohl des Außen- als auch Innenbandes im Fußgelenk durchaus aufgefallen. Die Maximalkraftentwicklung im Rumpf, im Schultergürtel und in der Bein-Streck-Schlinge spielt nicht nur eine Rolle für die Sprung-, Wurf- oder Sprintkraft und die Verletzungsprophylaxe, sondern auch spielleistungsspezifisch beim Absorbieren von Stößen eines Gegenspielers im Laufe eines Basketballspiels. Diese treten am häufigsten auf beim Rebounding (z.B. beim Ausboxen des Gegenspielers), beim Dribbling an einem Gegenspieler (z.B. beim Post-up), beim Block stellen oder beim Korbleger oder Wurf (z.B. für ein potentielles 3-Punkte Spiel, bei dem der Korberfolg erzielt wird trotz eines Foulspiels für einen anschließenden Extra-Freiwurf). Die Entwicklung der Maximalkraft bzw. die Masseentwicklung im Sinne eines Hypertrophietrainings ist deshalb sehr sinnvoll für die allgemeine Stabilität. Trainiert werden sollte mit Bedacht, da eine überproportionale Massezunahme in einer Verminderung der Schnelligkeit münden kann. Die Kraftentwicklung der Fingerbeuger und –strecker sollte ebenfalls nicht vernachlässigt werden, um Kapselverletzungen zu vermeiden. Die Schnellkraft und Reaktivkraft sind entscheidend für die allgemeine Spielleistungsfähigkeit (siehe bereits genannte Beispiele S. 5-7), jedoch ist eine Entwicklung in diesem Bereich im Gegensatz zu der Maximalkraft nicht entscheidend für die Verletzungsprophylaxe.

Im Gegensatz zu Individualsportarten (z.B. Hüftbeweglichkeit beim Hürdenlauf) oder anderen Sportspielen, bei denen positionsabhängig eine hohe Beweglichkeit gefordert ist (z.B. Spagatbewegung beim Eishockey- oder Handballtorwart), ist die Beweglichkeit im Basketball keine überdurchschnittlich entscheidende Komponente der Leistungsfaktoren. Sie wird bei Schnabel, Harre und Krug (2008, S. 146) genau definiert als „Leistungsvoraussetzung, die den bei der Ausführung von Bewegungen oder der Einnahme bestimmter Haltungen erreichbaren Bewegungsspielraum der Gelenke bzw. Gelenksysteme betrifft und als motorische Fähigkeit des Menschen in Erscheinung tritt.“ Möchte man sportliche Techniken erlernen (mehr zu den Techniken im Basketball siehe Kapitel 2.2) und sportartspezifische Bewegungen präzisieren, benötigt man als Grundvoraussetzung ein gewisses Maß an Beweglichkeit. Auch im Basketball ist sie trotz der angeführten untergeordneten Rolle eine Voraussetzung für jegliche Lauf-, Wurf-, Pass- oder Sprungbewegungen. Die Beweglichkeit ist abhängig von der konstitutionellen Grundlage (z.B. Stellung der Gelenkflächen), der konditionell-energetischen Grundlage (z.B. Kraftfähigkeit der bewegenden Muskeln) und der koordinativen Grundlage (z.B. Koordination von Agonisten und Antagonisten). Weitere Einflussgrößen sind auch die Tageszeit oder die Temperatur. Eine größere Beweglichkeit soll muskuläre „Stiffness“ (Steifheit) und Dysbalancen vermeiden, weshalb ein Dehntraining auch im Basketball als sinnvoll erachtet wird. Außerdem wird durch eine optimal geschulte Beweglichkeit eines Basketballspielers die angemessene Ausführung aller technischen Aspekte gewährleistet und die muskuläre Voraussetzung für den spezifischen Bewegungsfluss bei allen Bewegungsaufgaben geschaffen. Gerade in der tiefen Verteidigungshaltung muss eine Beweglichkeit im Hüft- und Kniegelenk beim Ausfall- und Nachstellschritt gegeben sein. Im Rumpf wird diese z.B. bei Drehbewegungen mit Ball (Spin-Move um einen Verteidiger) benötigt. Beim Dribbeln, Passen, Fangen und Werfen wird eine spezifische Beweglichkeit im Handgelenk und in den Fingergelenken gefordert, die aufgrund der hohen Belastungen hier sehr hilfreich sein kann, auch im verletzungsprophylaktischen Sinne.

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Details

Seiten
31
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668688131
ISBN (Buch)
9783668688148
Dateigröße
957 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v421180
Institution / Hochschule
Deutsche Hochschule für Gesundheit und Sport (vormals H:G Hochschule für Gesundheit & Sport, Technik & Kunst)
Note
1,7
Schlagworte
trainingswissenschaftliche leistungsdiagnostik basketball

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Titel: Trainingswissenschaftliche Leistungsdiagnostik im Basketball