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Piagets Untersuchungen zur Entstehung und Entwicklung menschlicher Erkenntnis und zur genetischen Epistemologie

Ausarbeitung 2011 13 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

1.Einleitung

Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine Auseinandersetzung mit der Frage, was Erkenntnistheorie ist. Unter Rücksichtnahme des inneren Verhältnisses der Themenbereiche interessiert Piaget die Entstehung und Entwicklung menschlicher Erkenntnis als Prozess. Die genetische Erkenntnistheorie stellt das wissenschaftliche Pendant bezüglich des Interesses von Piaget dar. Piaget nennt sein Interesse ein psychologisches und er stellt dieses anderen Wissenschaftsinteressen zur Seite: dem philosophischen Interesse, das der Erkenntnis der Erkenntnis um ihrer selbst willen gilt, und dem soziologischen Interesse, das in der Erkenntnis der gesellschaftlichen Nutzung von Erkenntnis als Produkt, also als Wissen liegt. Hinzugefügt werden kann das pädagogische Interesse an der Überlieferung von Wissen als Produkt von Erkenntnis einerseits und das Interesse an der Entwicklung von Hilfestellungen zur Optimierung der Entstehung und Entwicklung menschlicher Erkenntnis als Prozess, insbesondere bei Jugendlichen andererseits. Das pädagogische Interesse ist mithin in eine genetische Erkenntnistheorie geradezu hineingezogen.

Die Untersuchungen Piagets zur Entstehung und Entwicklung menschlicher Erkenntnis und zur genetischen Epistemologie knüpfen an unterschiedliche Wissenschaftstraditionen an.

An dieser Stelle ist zunächst der Deutsche Idealismus des 18. Jahrhunderts mit den Philosophen Immanuel Kant (1724-1804) und Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770- 1831) anzuführen. Piaget hat sich vor allem mit deren Fragen nach den wirklichen Voraussetzungen und den Voraussetzungen der Möglichkeit von Erkenntnis im Allgemeingültigen und der wissenschaftlichen Erkenntnis im Besonderen beschäftigt. Daher entspringt sein epistemologisches, also sein erkenntnistheoretisches Interesse. Als Naturwissenschaftler lag sein Augenmerk besonders auf den Organismen als System und deren Grundstrukturen. Als Biologe galt sein Interesse der Entstehung und Entwicklung, also der Genese von Strukturen. In fast allen Bereichen, die den handelnden und denkenden Menschen bezüglich der mathematischen, physikalischen, moralischen oder sozialen Schwierigkeiten anbelangen, hat Piaget empirisch geforscht. Daher liegt seine Stärke sowohl in der breiten Offenheit und Spannung seiner wissenschaftlichen Reichweite als auch in der Verknüpfung von Theorienbildung und empirischer Forschung.

2.Zentrale Perspektiven Piagets Theorie

„Die Entwicklung kann als eine erste und zentrale Perspektive der Theorie Piagets angesehen werden. In der psychologischen Literatur werden mehrere Modelle menschlicher Entwicklung beschrieben. Das Modell von Entwicklung, das Piaget seiner Theorie zugrunde legt, wird als konstruktivistisch bezeichnet (Oerter/Montada 1982)“1 Bezüglich des konstruktivistischen Theorieansatzes wird von einem aktiven Transfer zwischen Individuum und kultureller und sozialem Milieu ausgegangen, wobei primär dem Individuum die Aktivität beigemessen wird. Der Mensch wird dabei als Organismus angesehen, der die Möglichkeiten der Umwelt in einem aktiven Sinn aufnimmt und für sich selbst "organisiert", "konstruiert" oder "konzeptualisiert".

"Entwicklung ist so in gewisser Weise eine Selbstkonstruktion. Der Mensch braucht zwar eine Umwelt, ihre Anregungen und Widerstände, aber die Umwelt determiniert nicht seine Entwicklung, sie selbst wird durch den erkennenden Organismus als inneres Modell konstruiert (Oerter/Montada 1982)“.2

In der Struktur der Selbstinstruktion ist die zweite Perspektive zu sehen. Piaget stützt sich bei der Entwicklung von Strukturen auf die menschliche Grunderfahrung der Verknüpfung von Handeln und Denken. Er unterscheidet zwei Arten von Handlungen: Zum einen isolierte Handlungen, wie beispielsweise Steine werfen oder Dinge berühren und zum anderen koordinierte Handlungen, bei denen ein Mensch mit anderen interagiert oder mit Dingen arbeitet.

Die dritte Perspektive zeigt ein Entwurf der Genese menschlicher Erkenntnisleistungen. Auf der Basis empirischer Untersuchungen hat Piaget vier Stufen der Entwicklung menschlicher Erkenntnisleistungen erstellt:

die sensomotorische Stufe (von der Geburt bis etwa zwei Jahre) die präoperative Stufe (zwei bis ca. Sieben Jahre) die Stufe der formalen Operationen (sieben bis ca. elf Jahre) die Stufe der formalen Operationen (elf Jahre und älter) Man kann die jeweiligen Perioden nur auf dem Hintergrund des Zusammenwirkens von der Entwicklung der Strukturen und verschiedener Funktionen nachvollziehen, die in den jeweiligen Abschnitten ablaufen.3

Jede Stufe enthält eine Periode der Genesis und eine Periode des Erreichens. „Das Erreichen ist durch die fortschreitende Organisation einer aus inneren Operationen zusammengesetzten Struktur gekennzeichnet“.4

Jede Struktur zeigt zugleich das Erreichen der einen Stufe und den Ursprung der folgenden Stufe eines neuen evolutionären Vorgangs. Der Ablauf der Stufen ist konstant. Das Alter bei deren Ankommen kann unter anderem innerhalb spezieller Grenzlinien in Abhängigkeit von Motivationsfaktoren, Training, kultureller Umgebung variieren.5 Die Vermittlung von einer früheren zu einer nächsten Stufe folgt in Analogie zu dem Vorgang der Integration einem Gesetz der Implikation, also werden frühere Strukturen zu einem Teil späterer Strukturen.

2.1 Operationen als Grundstrukturen des Handelns und Denkens

"Nun haben alle diese Koordinationsformen Parallelen in logischen Strukturen, und mir scheint, daß es derartige Koordinationen auf der Ebene der Handlungen sind, die die Grundlage der sich später im Denken entwickelnden logischen Strukturen bilden. Genau dies ist unsere Hypothese (Piaget 1973a)“.6

Logisches Denken oder das Erkennen entwickeln sich im Handeln. Aus genetischer Sicht kann ebenso davon gesprochen werden, dass aus logischen Strukturen Handlungen vorweggenommen werden. Die in diesem Gedankengang auftretende Frage, ob das Handeln zuerst da sei und die Erkenntnis beweise oder ob der Ablauf umgekehrt sei, meidet Piaget. Er hinterfragt den Aspekt, ob das Denken oder das Handeln zuerst vorhanden sei, indem er postuliert, dass das menschliche Dasein generell beides voraussetzt. Insofern kann man sagen, dass das Erkennen in einer, psychologischen, logischen und sozialen Beziehung zum Handeln steht und umgekehrt.

„Die genetische Erkenntnistheorie versucht, Erkennen, insbesondere wissenschaftliches Erkennen, durch seine Geschichte, seine Soziogenese und vor allem die psychologischen Ursprünge der Begriffe und Operationen, auf denen es beruht, zu erklären.“ 7

Diese hier genannten Begriffe und Operationen stammen hauptsächlich aus dem Alltagsbewusstsein, so dass die Ausgangspunkte dieser Begriffe und Operationen deren Geltung für das Erkennen und in dem Erkennen auf einer fortgeschrittenen Stufe verdeutlichen können.

[...]


1 http://www.uni-

mainz.de/FB/Philosophie_Paedagogik/agas/content/Projektseiten/PIAGET/PIAGET/Leben/genet/genet.ht ml

2 Vgl. ebd.

3 Vgl. http://www.uni-

mainz.de/FB/Philosophie_Paedagogik/agas/content/Projektseiten/PIAGET/PIAGET/Leben/genet/genet.ht ml

4 http://www.uni-

mainz.de/FB/Philosophie_Paedagogik/agas/content/Projektseiten/PIAGET/PIAGET/Leben/genet/genet.ht ml

5 Vgl. http://www.uni-

mainz.de/FB/Philosophie_Paedagogik/agas/content/Projektseiten/PIAGET/PIAGET/Leben/genet/genet.ht ml

6 http://www.uni-

mainz.de/FB/Philosophie_Paedagogik/agas/content/Projektseiten/PIAGET/PIAGET/Leben/genet/genet.ht ml

7 Piaget 1973, Einführung in die genetische Erkenntnistheorie, S.7

Details

Seiten
13
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668686229
ISBN (Buch)
9783668686236
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v420606
Institution / Hochschule
Universität Paderborn
Note
2.0
Schlagworte
piagets untersuchungen entstehung entwicklung erkenntnis epistemologie

Autor

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Titel: Piagets Untersuchungen zur Entstehung und Entwicklung menschlicher Erkenntnis und zur genetischen Epistemologie