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Besonderheiten des Wissensmanagements in der Biotechnologiebranche

Seminararbeit 2004 27 Seiten

BWL - Informationswissenschaften, Informationsmanagement

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biotechnologie - Anwendungen und Besonderheiten
2.1. Die Biotechnologie: Ein Überblick
2.2. Die Besonderheiten der Biotechnologiebranche
2.3 Die Cytogenik GmbH eine typische Story

3. Wissensmanagement in der Biotechnologiebranche
3.1. Die Wissensziele
3.2. Die Wissensidentifikation
3.3 Die Bewertung des Wissens
3.4. Der Wissenserwerb
3.5. Die Wissensentwicklung
3.6. Die Wissens(ver)teilung
3.7. Die Wissensnutzung
3.8. Die Wissensbewahrung

4. Das Fallbeispiel KnowBiT

5. Schlussbetrachtungen und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Anzahl der Mitarbeiter in Biotechnologiefirmen

Abbildung 2: Kreislauf des Wissensmanagements nach Probst

Abbildung 3: Wissen in der Biotechnologiebranche

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Im Rahmen dieser Seminararbeit sollen die Besonderheiten des WM in der BT-Branche untersucht werden. Es sollen dabei Anwendungsfelder und die Besonderheiten der Branche dargestellt werden. Ein weiteres Ziel ist es, die Anwendung des WM in der BT-Branche zu untersuchen und an praktischen Beispielen darzustellen. Die BT ist ein sehr forschungsintensiver Bereich und der Faktor Wissen ist von entscheidender Bedeutung. Exklusives Wissen, innovative Ideen, Flexibilität und Schnelligkeit sind die Faktoren, die für den Erfolg in der Branche entscheidend sind.[1] Um dies zu erreichen, werden Instrumente für den Umgang mit Wissen benötigt. Diese stellt das WM bereit oder unterstützt diese. Charles Darwin sagte einmal: „Es sind nicht die Stärksten einer Spezies die überleben, nicht die Intelligentesten, sondern die, die am schnellsten auf Veränderungen reagieren können.“ Dies lässt sich auch auf Unternehmen übertragen und besonders auf diese in einer so dynamischen Branche wie der BT. Die dazu notwendige Anpassungsfähigkeit und damit auch die Überlebensfähigkeit der Unternehmen können WM-Strategien sehr gut verbessern helfen. Das intellektuelle Kapital der BT-Unternehmen übersteigt bei weitem die materiellen Vermögenswerte[2], ein effizientes Management dieses Postens ist deshalb sehr wichtig. Das WM unterstützt den Erwerb, die Speicherung, die Entwicklung, die Anwendung, die Übertragung und die Verwaltung von Wissen. Die meisten Experten sind sich darin einig, dass die Bedeutung der BT in Zukunft weiter zunehmen wird.[3] Auf Grund des großen Bedarfs an Strategien im Umgang mit Wissen und dem weiterhin starken Wachsen der Branche wird auch die Nachfrage nach entsprechenden WM-Lösungen weiter steigen. Um an diesem Markt teilhaben zu können, muss man die Besonderheiten dieses Marktes kennen. Für Personen aus der BT-Branche ist es natürlich auch sehr wichtig, etwas über das WM im Zusammenhang mit ihrer Branche zu erfahren. „Der International Accounting Standard soll ab 2005 auch für die EU gelten und wird mittelfristig um die Bewertung von Intellectual Capital erweitert.“[4] Da dieser zur Zeit noch nicht gilt, ergänzen viele Unternehmen ihre Bilanzen um einen „Intellectual Capital Report“, um dessen Bedeutung zu unterstreichen. Es existiert schon eine Reihe verschiedener Methoden, um das Wissenskapital und damit die Kompetenzen der Mitarbeiter zu messen und somit bilanzierbar zu machen.[5] Dieses ist in ganz besonderem Maße für die Unternehmen der BT-Branche bedeutsam, da der größte Teil ihres Unternehmenswertes aus Intellectual Capital besteht. Ein höherer Firmenwert erleichtert die Akquisition von Fremdkapital, auf das junge Unternehmen der BT-Branche besonders angewiesen sind, und es ist außerdem im Interesse der Geschäftsführung und der Eigentümer.

2. Biotechnologie - Anwendungen und Besonderheiten

2.1. Die Biotechnologie: Ein Überblick

Hinter dem Begriff der BT verbirgt sich meist nur eine unscharfe Vorstellung und er wird oft mit der Gentechnik gleichgesetzt.

Das OTA[6] definierte den Begriff der BT im Jahre 1991 folgendermaßen: „Biotechnologie ist der Einsatz bzw. die Nutzung lebender Organismen oder ihrer Bestandteile zur Herstellung, Modifikation oder zum Abbau von Substanzen, für Dienstleistungen (Diagnostik) oder zur Veränderung von Organismen.“ Die Gentechnik ist eine wichtige Methode der BT, kann aber mit ihr nicht gleichgesetzt werden. Die BT ist eine typische Querschnittstechnologie für zahlreiche anwendungsnahe Disziplinen wie Medizin, Biologie, Chemie, Physik, Informationstechnologie oder Materialwissenschaften. Schon heute ist der Einsatz biotechnologischer Verfahren in vielen Bereichen alltäglich, so werden Waschmittelenzyme, Vitamine, Lebensmittelzusatzstoffe, Werkstoffe oder Antibiotika mit Hilfe biotechnologischer Verfahren hergestellt.[7]

Der Gesundheitssektor. „ Biotechnologie spielt im Gesundheitssektor eine wichtige Doppelrolle: Zum Einen wird eine wachsende Anzahl neuer Diagnostika, Therapeutika und Impfstoffe mit Hilfe der Biotechnologie hergestellt. Wohl noch wichtiger ist der Beitrag zur pharmazeutischen und medizinischen Forschung.“[8] So wird die BT in fast allen Bereichen des Gesundheitssektors eingesetzt, besonders in der Pharmazie. Bei der Entwicklung und Herstellung von Medikamenten erhöht die BT die Wirksamkeit und die Verträglichkeit der Inhaltsstoffe. Es wird außerdem oftmals eine Herstellung im größeren Maßstab erst durch die BT möglich, z.B. bei der Insulinherstellung. Die Forschung im Pharmabereich ist ohne biotechnologische Methoden kaum noch vorstellbar, da die meisten Forschungsmethoden aus dem Bereich der BT stammen. Die BT bildet die Grundlage für eine Vielzahl von Diagnostikmethoden wird auch in der medizinischen Grundlagenforschung verwendet.[9]

Die Landwirtschaft. In den letzten 40 Jahren hat sich die landwirtschaftliche Nutzfläche pro Kopf der Weltbevölkerung halbiert. Um die Versorgung mit Nahrungsmitteln auch weiterhin gewährleisten zu können, muss die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft erhöht werden. Dazu wird die BT sowohl in der Pflanzenzucht als auch in der Tierzucht genutzt.[10] In der Pflanzenzucht soll nicht nur ein höherer Ertrag der Pflanzen erreicht werden, sondern auch eine höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Außerdem sollen die Pflanzen auch an widrigen Orten, z.B. mit hohem Salzgehalt oder hoher Trockenheit wachsen, um die Nutzfläche erhöhen zu können. Ähnlich wie in der Pflanzenzucht sollen auch in der Tierzucht höhere Erträge pro Tier erreicht werden und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten soll erhöht werden. Auch in der Tiermedizin werden BT - Produkte und - Methoden eingesetzt. Wurden in der Vergangenheit Zucht- oder Kreuzungsverfahren verwendet, so werden heute verstärkt Methoden der Gentechnik eingesetzt. Ein weiteres Ziel ist es, die Lebensmittelqualität durch die BT zu erhöhen. In Zeiten schwindender Ressourcen kommt der Produktion von nachwachsenden Rohstoffen eine immer größere Bedeutung zu.[11]

Die Ernährungswirtschaft. Der Einsatz von BT - Methoden in der Ernährungswirtschaft hat eine lange Tradition. Mikroorganismen oder enzymatische Verfahren werden schon seit langer Zeit in der Nahrungsmittelproduktion eingesetzt. Produkte wie Käse oder alkoholische Getränke wären sonst nicht vorstellbar. „Zu den Einsatzgebieten zählen vor allem die Milchindustrie, die Rohwurstherstellung, die Backmittelindustrie, die Produktion alkoholischer Getränke, die Herstellung von Enzympräparaten, sowie die Herstellung von Lebensmittelzusatzstoffen, wie z.B. Vitamine, Aminosäuren oder organische Säuren.“[12]

Die Bionik. Der Begriff Bionik ist eine Kombination der Begriffe Biologie und Technik und kann unter dem Motto „Lernen von der Natur“ zusammengefasst werden. Die Natur hat in dem über Millionen von Jahren andauernden Evolutionsprozess zahlreiche Problemlösungen entwickelt, die Naturwissenschaftler sowie Ingenieure selbst bei heutigem Wissensstand noch vor große Herausforderungen stellen. Das Ziel der Bionik ist es, diese Problemlösungen für den Menschen nutzbar zu machen. Einsatzgebiete der Bionik sind robuste Materialverbünde, raffinierte Mobilitätsmechanismen, funktionale Bau- und Wohnweisen, perfektionierte IuK - Systeme bis hin zu hochempfindlichen Wahrnehmungssensoren.[13]

Der Umweltbereich. „Biotechnologie kann im Umweltbereich prinzipiell für die Analytik und Überwachung, für den Abbau sowie auch für die Vermeidung von Umweltbelastungen benutzt werden.“[14] Mikroorganismen zum Abbau von Umweltverschmutzungen im Abwasserbereich oder in der Bodenrenaturierung werden schon seit langem eingesetzt. Ein großes Ziel ist die Entwicklung einer nachhaltigen Wirtschaftsweise, wodurch eine dauerhafte Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen auch für folgende Generationen gewährleistet werden soll. Die Entwicklung umweltfreundlicher industrieller Produktionsmethoden und Produkte ist dabei die wichtigste Aufgabe. Vorteile biotechnologischer Verfahren sind die Vermeidung von Abfall- und Nebenprodukten, hohe Wirkungsgrade und die Schließung des Stoffkreislaufes durch den Einsatz von Roh- und Reststoffen biologischen Ursprungs.[15]

2.2. Die Besonderheiten der Biotechnologiebranche

„Die Biotechnologiebranche ist ein Beispiel für eine auf Wissen basierende Industrie. Die Kernaufgaben sind Forschung und Entwicklung und die wichtigste Vermögensgröße ist das intellektuelle Eigentum.“[16] Die BT-Branche ist ein sehr junger Wirtschaftszweig und ist durch eine sehr hohe Dynamik gekennzeichnet. So ist der Anteil neugegründeter Unternehmen (“Start-up“) verhältnismäßig hoch und die Anzahl etablierter Unternehmen ist eher gering. Ein Großteil der Firmengründungen basiert auf einer innovativen Idee, die zur Marktreife gebracht werden soll. So ist der FuE – Aufwand der BT-Unternehmen sehr hoch und entspricht mit über 60 % vom Umsatz dem zwanzigfachen des bundesweiten Durchschnitts.[17] Typischerweise schließen sich dazu einige Personen mit ähnlichem Wissenshintergrund zusammen und gründen eine Firma. Das Resultat dieser Gegebenheiten ist, dass die BT-Firmen meist sehr klein sind und relativ wenig Mitarbeiter beschäftigen. Siehe dazu die Ergebnisse der Studie „Arbeitsmarkt Biotechnologie“, graphisch dargestellt in Abbildung 1. Auf der X – Achse ist die Anzahl der Unternehmen und auf der Y- Achse die Anzahl der Mitarbeiter abgetragen. Gut zu erkennen ist, dass bei kleinen Mitarbeiterzahlen die Anzahl der Unternehmen deutlich höher ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Anzahl der Mitarbeiter in Biotechnologiefirmen[18]

Oftmals wird die Produktidee soweit entwickelt, bis sie an andere Firmen speziell im Pharmabereich verkauft werden kann. In pharmazeutischen Bereichen sind Neugründungen innerhalb der Organisation von großen Pharmakonzernen im Rahmen einer „Starburst -Organisation“[19] häufig vorzufinden.[20] Auch Dienstleistungen rund um die Forschung oder die innovative Idee werden sehr häufig angeboten.[21] Die zu erledigenden Tätigkeiten kann man als Wissensarbeit bezeichnen.[22] Diese hauptsächlich im FuE Bereich anfallenden Aufgaben erfordern ein sehr hohes Fachwissen, so dass das Personal im Allgemeinen sehr gut qualifiziert ist. Es werden fast ausschließlich sehr gut ausgebildete Fachkräfte beschäftigt, meist ein sehr hoher Anteil von Akademikern.[23] BT-Firmen sind sehr stark auf externes Wissen angewiesen, deshalb siedeln sie sich meist in der Nähe von anderen BT-Firmen oder Forschungsinstituten an und bilden Netzwerke.[24] So gibt es in Deutschland verschiedene BT-Regionen mit jeweiligen Schwerpunkten. Die Firmen schließen sich dazu in sogenannten Clustern wie z.B. dem BT - Cluster Halle zusammen und profitieren voneinander.[25] Diese Kooperationen finden nicht nur auf lokaler Ebene statt. So findet man in der BT – Branche eine hoch spezialisierte, international vernetzte, grundlagenorientierte Forschung vor.[26] Die Kapitaldecke der Firmen ist im Allgemeinen sehr dünn, den wichtigsten Vermögenswert stellt meist das spezifische Wissen der Unternehmung dar. Viele Unternehmen schaffen es nicht aus eigener Kraft ihre Produktidee zur Marktreife zu bringen, sie benötigen dazu externe Hilfe. Meist sind dies nicht nur finanzielle Probleme, die sich durch die Beschaffung von Fremdkapital oder Beteiligungen lösen lassen, sondern auch Probleme auf Grund fehlenden Wissens.[27] Durch die Breite des Wissensspektrums im BT-Bereich kann eine kleine Firma mit ihrem meist sehr begrenzten Spezialwissen schnell an ihre Grenzen stoßen. Oft fehlt es den jungen Unternehmen nicht nur an Fachwissen, sondern auch an betriebswirtschaftlichem Know-how. Die Fähigkeit, die innovative Idee schnell und exklusiv auf den Markt zu bringen, entscheidet über Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens.

2.3 Die Cytogenik GmbH eine typische Story

Die Cytogenik GmbH beschäftigt sich mit der Entwicklung von Verfahren im Bereich der Vitro-Diagnostik und hat 5 Mitarbeiter. Die beiden Unternehmensgründer waren zuvor als Forscher auf diesem Gebiet an der Universität beschäftigt, in dieser Zeit wuchs die Geschäftsidee heran. Die Firma siedelte sich in unmittelbarer Nähe zur Universität an und unterhält immer noch engen Kontakt, so sind 3 Mitarbeiter weiterhin im Uni-Labor tätig. Das grundlegende Wissen war schon seit geraumer Zeit bekannt, aber die Gründer erwarben sich weiterführendes Spezialwissen im Bereich der Vitro-Diagnostik. Aus diesem Wissen entstand die Geschäftsidee, Diagnosesonden zu entwickeln, und mit dieser Idee haben sich die beiden Forscher selbstständig gemacht. So sollten neuere Diagnosesonden entwickelt werden und der Ausschuss im Produktionsprozess reduziert werden. Während des Entwicklungsprozesses stießen die Forscher im Bereich der Mehrfachmarkierungen an ihre Grenzen, es fehlte ihnen einfach das spezifische Know-how. Durch die Zusammenarbeit mit Mitarbeitern der Chemie GmbH, die sich im gleichen Gebäude befindet (Cluster), konnte eine Lösung gefunden werden. Die dazu notwendigen chemischen Verfahren waren bereits alle bekannt, den Mitarbeitern der Cytogenik GmbH fehlte es nur an dem entsprechenden chemischen Know-how. Das Aneignen des chemischen Know-hows wurde von der Geschäftsführung als zu aufwendig eingestuft, der Rückgriff auf das Wissen der Chemie GmbH wurde als effizienter erachtet. Somit entstand eine Kooperation zwischen den Unternehmen und die Produktidee konnte realisiert werden.[28]

3. Wissensmanagement in der Biotechnologiebranche

Ein Grossteil der BT-Firmen ist sehr klein, unter ihnen ist auch ein sehr hoher Anteil von „Start-Up s“. Aus diesem Grund gibt es meist auch kein spezifisches WM-Budget oder einen explizit Verantwortlichen. Die Planung, Steuerung und Kontrolle von WM-Aktivitäten obliegt in den meisten Fällen direkt der Geschäftsführung.[29] Die meisten dieser Firmen versuchen neue innovative Produkte zu entwickeln und anschließend zu vermarkten. Der Entwicklungsprozess ist durch einen hohen Anteil an Wissensprozessen gekennzeichnet, es wird sehr viel Wissen benötigt und auch sehr viel Wissen dabei generiert. Sowohl die Bereitstellung des notwendigen Wissens als auch die Sicherung des neuen Wissens muss gewährleistet werden. Eine Aufgabe des WM ist es deshalb, den Innovationsprozess im Unternehmen zu unterstützen, auch unter der Zielsetzung, Innovationsprozesse zu beschleunigen, um die „time to market“[30] zu reduzieren. Der größte Wert einer BT-Firma ist fast immer ihr sehr spezifisches Fachwissen über einen abgegrenzten Bereich. Geht dieses Wissen oder deren Exklusivität verloren, so verliert das Unternehmen meist ihren wichtigsten Wettbewerbsvorteil. Da nur ein begrenzter Teil des Wissens durch Patente oder andere Schutzrechte geschützt werden kann, ist die Sicherung des Wissen eine sehr bedeutende Aufgabe für das WM.[31] In der Regel wird meist sehr gut qualifiziertes Personal eingesetzt. Die Aus- und Weiterbildung, aber auch die Identifizierung und Rekrutierung relevanter Wissensträger stellt deshalb eine weitere Herausforderung für das WM dar. „Der einzige wesentliche Wettbewerbsvorteil eines Pharma- oder BT-Unternehmens, ist die organisatorische Fähigkeit, neues intellektuelles Eigentum zu generieren, zu schützen und zu verwerten“.[32] All dies zu gewährleisten und zu unterstützen ist die Kernaufgabe des WM in der BT-Branche. Die einzelnen Aufgaben und die Besonderheiten des WM im Kontext der BT-Branche sollen nun exemplarisch am WM-Konzept von Probst et. al. erläutert werden. Dieses ist graphisch in Abbildung 2 dargestellt, dort sind die 8 Aufgaben des WM und ihre Verknüpfungen miteinander dargestellt. Die Wissensziele und die Wissensbewertung stehen oberhalb der restlichen Aufgaben, da sie alle anderen Aufgaben maßgeblich determinieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Kreislauf des Wissensmanagements nach Probst et. al.[33]

3.1. Die Wissensziele

In der BT-Branche ist das Wissen wohl der bedeutendste Produktionsfaktor. Bei strategischen Entscheidungen sollte deshalb der Faktor Wissen stark in den Planungsprozess einbezogen werden. „Die Wissensziele geben den Maßnahmen und Aktivitäten des WM eine Richtung vor und legen fest, wo im Unternehmen welches Know-how aufgebaut werden soll.“[34] Wissensziele dienen aber auch als Messinstrument für den Erfolg des WM im Unternehmen. Die Ziele des WM sollten an den Unternehmenszielen ausgerichtet sein, dabei wird festgelegt, welche Beiträge das WM zum Erreichen der Unternehmensziele leisten soll. Dazu muss der Ist-Zustand aufgenommen und der Soll-Zustand definiert werden, um dann eine eventuell auftretende Wissenslücke eliminieren zu können. Es muss dabei auch geprüft werden, auf welchen Gebieten die Unternehmung einen Wissensvorsprung hat oder haben soll und wo Konkurrenten stehen. Aus diesen Überlegungen leiten sich dann die Wissensziele ab und bilden die Grundlage für alle weiteren WM-Entscheidungen und deshalb ist ihre richtige Definition von allergrößter Bedeutung. Es muss ebenfalls definiert werden, wie das Unternehmen das vorhandene Wissen nutzen will. Dies ist bei einer BT-Firma ein sehr bedeutender Aspekt und es stellt sich die Frage, ob und wie das Wissen selbst verwertet werden soll, oder einem anderen zur Verwertung überlassen werden sollte.[35] Aber auch Hindernisse des WM gilt es zu identifizieren, um sie ausschalten zu können. So sind eine auf Wissensprozesse ausgerichtete Unternehmenskultur und ein entsprechender organisatorischer Rahmen wichtige normative Wissensziele. Die Definition normativer Ziele soll Barrieren gegenüber der WM – Strategie abbauen und ist sehr entscheidend für den Erfolg der WM-Initiative.[36] In der BT-Branche beziehen sich die Wissensziele zumeist auf FuE Aktivitäten. Die Wissensziele geben vor, in welchen Bereichen welches Wissen gesichert, beschafft, entwickelt, genutzt oder aufbewahrt werden soll. Dazu kann eine Fähigkeitenmatrix erstellt werden, aus der dann Normstrategien für das WM abgeleitet werden können.[37] Auch an den strategischen Implikationen eines Patentportfolios können Wissensziele orientiert werden.[38] Festgelegt wird auch, inwieweit IuK - Technologien zum Einsatz kommen sollen oder welche Personen in das WM involviert werden. Ein wichtiger Punkt bei der Definition der Wissensziele ist es, eine gemeinsame Sprache zu finden, so sollen auch alle das Gleiche unter den WM - Zielen verstehen. Im Bereich der BT ist dies weitestgehend unproblematisch, da die Mitarbeiter in den kleinen Unternehmen meist einen sehr ähnlichen Hintergrund aufweisen. Die Definition der Wissensziele sollte auf allen 3 Managementebenen[39] erfolgen, um entsprechend der Organisationsstruktur die Maßnahmen durchführen zu können. „Der Trend geht dazu über eine explizite Strategie mit einem besonderen Fokus auf das strategische Management des intellektuellen Kapitals zu haben. Diese Geschäftspläne sind häufig die einzige Möglichkeit für neugegründete klein- und mittelständische Unternehmen, um an Kapital zu kommen.“[40] Auch aus diesem Grund sind detaillierte Wissensziele für die meist noch jungen und eigenkapitalschwachen BT-Unternehmen von besonderer Bedeutung. Im Rahmen von besonders in der BT häufig vorkommenden Kooperationen können neue Ziele entstehen, oder es müssen einzelne Ziele mit den jeweiligen Partnern abgestimmt werden. In der BT-Branche ist die WM-Strategie zumeist sehr aggressiv und stark auf Innovation ausgerichtet.[41] In der Regel wird im Schwerpunkt eine Personalisierungsstrategie gewählt, im Gegensatz zu vielen anderen Branchen, die mehrheitlich eine Wiederverwendungsstrategie verfolgen.[42]

[...]


[1] Kulicke et. al., 2002, S. 6

[2] Clarke, Turner, 2004

[3] Bundes Ministerium für Bildung und Forschung, 2001, S.4

[4] NN, 2004, S.9

[5] Grübel et. al., 20004

[6] Office of Technology Assessment der USA

[7] Reiß, Koschatzky, 1997, S. 1 - 2

[8] Reiß, Koschatzky, 1997, S. 2

[9] Reiß, Koschatzky, 1997, S. 2 - 3

[10] Reiß, Koschatzky, 1997, S.5 - 7

[11] Bundes Ministerium für Bildung und Forschung, 2001, S.11 -13

[12] Reiß, Koschatzky, 1997, S.6

[13] Bundes Ministerium für Bildung und Forschung, 2004

[14] Reiß, Koschatzky, 1997, S. 7

[15] Bundes Ministerium für Bildung und Forschung (b), 2004

[16] Clarke, Turner, 2004, S. 40: The biotechnology industry is an example of a knowledge-based industry with its main fuction being research and development and ist primary asset being its intellectual Property.

[17] Informationssekretariat Biotechnologie, 2004,

[18] Quelle: Kompetenzzentrum für Informations-, Kommunikations- und Biotechnologie, 2002, S.13

[19] vgl. North, 1999, S. 84 - 85

[20] z.B. Aventis Pharma AG

[21] Kulike et. al., 2002, S.6

[22] vgl. Kriterien nach Maier, 2004, S.44 - 47

[23] Kompetenzzentrum für Informations-, Kommunikations- und Biotechnologie, 2002, S.12 - 14

[24] Clarke, Turner, 2004

[25] Informationssekretariat Biotechnologie, 2004

[26] Döhren et. al., 2002, S. 171

[27] Clarke, Turner, 2004

[28] Büschken, Blümm, 2004, S.25 – 42

[29] Edler, 2003, S.13 - 38

[30] Die Zeit die benötigt wird eine Produktidee zu einem marktfähigen Produkt zu entwickeln.

[31] Menrad et. al., 1999, S.21 - 23

[32] Kirkman, 2004

[33] Quelle: Probst et. al., 1999, S.58

[34] Lehner, 2000, S.244

[35] Menrad et. al., 1999, S.17 - 18

[36] Probst et. al., 1999, S.72 - 77

[37] Probst et. al., 1999, S.83 - 94

[38] Clarke, Turner, 2004

[39] strategisch, taktisch und operativ

[40] Clarke, Turner, 2004, S. 40: Tendency to have explizit strategies, with particular foci on the strategic Management of Intellectual Property. These buisiness plans are frequently the only way that these start-up small and medium enterprises gain access to finance.

[41] vgl. Maier, 2004, S.124 - 125

[42] vgl. Kriterien: Hansen et.al., 1999, S.109

Details

Seiten
27
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638401319
ISBN (Buch)
9783638656382
Dateigröße
985 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v41990
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik
Note
1,3
Schlagworte
Besonderheiten Wissensmanagements Biotechnologiebranche Seminar Wirtschaftsinformatik Informationsmanagement

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Titel: Besonderheiten des Wissensmanagements in der Biotechnologiebranche