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Der Nationalsozialismus in der Kinder und Jugendliteratur

Hausarbeit 2015 16 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Holocaustliteratur in der Schule
2.1.1 Holocaustliteratur im Fach Deutsch
2.1.2 Kerncurriculum
2.2 Ein Bilderbuch thematisiert den Nationalsozialismus
2.2.1 Rosa Weiss

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Eines der dunkelsten Kapitel in der deutschen Geschichte stellt der Holocaust dar. In dieser Zeit waren die Nazis in Deutschland an der Macht und strebten die Herrschaft über ganz Europa an. Der Grund für die Ermordung aller Juden war die NS- Rassenideologie und der Antisemitismus. Das Wort „Holocaust“ leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet übersetzt vollständig verbrannt. Der „Holocaust“ ist seit 1945 als Begriff für den Genozid an Juden einschlägig. Heute hingegen definieren wir damit „die Vernichtung eines großen Gebiets oder einer großen Anzahl von Menschen.“[1] Diese Definition bezieht sich auf die Vernichtung der sechs Millionen europäischen Juden, deren Leichen hauptsächlich verbrannt wurden.[2] Von den Juden wird dieses Verbrechen seit 1948 mit dem Begriff „Shoa“ bezeichnet, was übersetzt so viel wie „Katastrophe“ oder „großes Unglück“ bedeutet.

In der folgenden Ausarbeitung möchte ich die Thematik des Holocaust dargestellt in der Kinder- und Jugendliteratur behandeln. Die Kinder- und Jugendliteratur umfasst ein weit gefasstes Spektrum, welches sich auf vielfältiger Weise definieren lässt. Eine dieser Definitionen beschreibt die Kinder- und Jugendliteratur als ein „Korpus von literarischen Werken“.[3]

Einen guten didaktischen Zugang zur anspruchsvoller Kinder- und Jugendliteratur stellen Bilder und Illustrationen, wie wir sie in Bilderbüchern finden, dar. Bild und Text ergeben zusammen ein Wechselspiel zwischen Darstellen und Erzählen. Bilder vermitteln Stimmungen, wohingegen der Text den Inhalt darstellt, welcher die Handlung erzählt. Die Wahrnehmung des Bildes ist elementar für das Verständnis, da die Darstellungs- und Erzählebene nicht voneinander zu trennen sind.[4]

Absicht meiner Arbeit ist es stets auf das exemplarisch ausgewählte Bilderbuch bezugnehmend, die Hintergründe für die umstrittene Aufnahme des Holocaust im Schulunterricht zu erläutern und mich mit der theoretischen Frage, wann und viel mehr wie man Kindern vom Holocaust und den Verbrechen der Nazis erzählen soll, zu beschäftigen.

Abschließend werde ich eine Sachanalyse des Bilderbuches „Rosa Weiss“ durchführen, an der die Thematik des Holocaust nochmals verdeutlicht werden soll.

2. Hauptteil

2.1 Holocaustliteratur in der Schule

Ein wesentlicher Bestandteil, welcher den Schülern und Schülerinnen im Laufe ihrer Schullaufbahn als eine der „dunkelsten Epochen der deutschen Geschichte“ gelehrt werden sollte, bildet die Zeit des Holocaust.[5] Die Aufgabe der Schule, unter anderem des Geschichtsunterrichts, ist es, sowohl die Wahrheit über diese Thematik, als auch die Verantwortung bezüglich des Geschehens zu vermitteln. Der Vermittlung dieses Verantwortungsgefühl kommt eine besondere Aufgabe zu. Diese soll verhindern, dass sich solche grausamen Episoden in der deutschen Geschichte wiederholen. Alle Mitglieder der Gesellschaft, sollten sich dieser Verantwortung bewusst werden. Darunter fallen somit die Lehrenden, die Kenntnisse und Wissen dieserart weitergeben sollen und auch müssen, sowie auch die lernenden Schülerinnen und Schüler, die diesen speziellen Unterrichtsstoff vermittelt bekommen.

Bilderbücher beispielsweise erweisen sich als eine gute Möglichkeit den Schülerinnen und Schülern die Zeit des Holocaust nahe zu bringen. Die Darstellung des Holocaust ist dabei sicher eine der schwierigsten Aufgaben, zu welcher keine ultimative Lösung in der Umsetzung gegeben ist. Ein hilfreiches Lehrmittel ist das „Maus- Comic“ von Art Spiegelmann. Hier werden winzige Bilder in Comicform sowie sprechende Tiere verwendet, um die Geschichte eines Überlebenden während der Zeit des Holocaust zu erzählen.

Viele Autoren sehen dies als eine Chance, Kinder an die Wirkungsgeschichte dieser Zeit heranzuführen. Jedoch ist der Umgang mit dieser Literatur stets umstritten, daher gibt es viele kontroverse Meinungen bezüglich dieses Themas. Einige davon vertreten die Meinung, dass es zu früh und zu grausam sei, um Kinder mit diesem dunklen Teil der Geschichte, den selbst Erwachsene kaum begreifen können, zu konfrontieren. Andere hingegen behaupten, man könne Kindern keinen Schonraum bieten, in dem sie „abgeschottet von der Realität und den Tabus“ leben.[6] Laut Birkmeyer und Kliewer muss diese Problematik, welche sich als sehr schwierig erweist, eine der Hauptaufgaben sein, „ein klares und ein mündiges Bewusstsein für den Tiefpunkt der Menschheit, den Holocaust, aufrecht zu erhalten.“[7] Allerdings ist nicht nur dieser Punkt zentral, denn gleichzeitig sollte ein Prozess der Weiterentwicklung stattfinden. Geschichte beschäftigt sich nicht nur mit der Vergangenheit, dem Zeitpunkt des Geschehenen, sondern Geschichte entfaltet sich auch im hier und jetzt.[8]

Wer sich mit der Theorie der Holocaustgeschichte in der Schule befassen und diese aufbereiten will, muss beachten, dass Vorkenntnisse seitens der Lernenden nicht immer gleichermaßen vorhanden sind. Daher ist es meines Erachtens nach trotz kontroverser Forschungsmeinungen wichtig, dass Kinder schon in der Grundschulzeit und zu Beginn der Sekundarstufe I mit diesem Thema in Berührung kommen. Einen weiteren wesentlichen Aspekt stellt die eigene Gefühlslage zu diesem Thema dar. Beispielsweise helfen Erfahrungen oder Erlebnisse zur Zeit des Holocaust in der eigenen Familie durch Großeltern, den Kindern den Umgang mit dieser Thematik bewusster zu machen und sie dadurch so nah wie möglich an diese heranzuführen.[9] Die Verbindung zwischen „dem offiziellen kulturellem Gedächtnis und dem kommunikativen Gedächtnis in den Familien“[10] ermöglicht es den Bezug herzustellen. Darüber hinaus sollte den Kindern die Möglichkeit geboten werden, selbständig mit diesem Themenbereich arbeiten zu können. Darunter fallen beispielsweise außerschulische Lernchancen und -orte, wie der Kontakt zu Überlebenden oder der Besuch einer Ausstellung zum Thema Holocaust. Ihnen sollte die Chance gegeben werden, Emotionen selbstständig verarbeiten zu können. Gleichzeitig muss den Schülerinnen und Schülern jedoch bewusst gemacht werden, dass die Lehrpersonen immer im Hinterkopf behalten werden sollte. Denn diese können möglicherweise bei der Verarbeitung von Gefühlen hilfreich sein.[11]

Jedoch gibt es auch Seiten, welche sich als problematisch offenbaren. Als bedenklich erweist sich hier einerseits, dass bedeutungsvolle „empirische Untersuchungen“[12], welche sich über die Praxis des Unterrichts in den Schulformen und Klassenstufen beschäftigen, nicht vollständig vorhanden sind. Andererseits fehlen didaktische Mittel, um die Holocaust- Literatur vermitteln zu können.

2.1.1 Holocaustliteratur im Fach Deutsch

Um die Thematik des Holocaust an die Schülerinnen und Schüler vermitteln zu können, ist es wichtig, diese nicht nur auf den Geschichtsunterricht zu beschränken, sondern die gesamte Schulbildung mit einzubeziehen.[13] Bei einem solchen fächerübergreifenden Unterricht bildet die Absprache innerhalb des Kollegiums einen wichtigen Bestandteil. Hierbei sollte beachtet werden, dass sich die Themen nicht überschneiden, denn dies hat zu Folge, dass ständige Wiederholungen stattfinden, welche zum Aufkommen von Langeweile führen könnte. Die Methode des fächerübergreifenden Unterrichts fordert deshalb höchste Kreativität und Flexibilität. Jedoch sind nicht nur die Inhalte, sondern auch die Lehrmittel, die Bücher sowie die Lehrpersonen, deren Aufgabe es ist, die Thematik des Holocaust zu repräsentieren, wesentlich. Laut Birkmeyer erweist sich der Deutschunterricht als zentraler Gegenstand für die Vermittlung des Holocaust. Die Sprache und der Geschichtsunterricht korrelieren sehr stark miteinander. Dies lässt sich beispielsweise an dem erschienenen Werk „LTI – Notizbuch eines Philologen“ von Victor Klemperer verdeutlichen. Denn zu der Zeit des Holocaust wurden bedeutungsvolle Werke der deutschen Sprache publiziert.[14] Ebenso spielen die hinterlassenen textlich verfassten Zeugnisse, welche durch Lehrbücher vermittelt werden können, eine große Rolle. Bücher lassen uns das Geschehene wiedererleben ohne es gleichzeitig zu verfälschen. Sie „mahnen uns, das Dasein der Vergangenheit zu akzeptieren.“[15]

Der Deutschunterricht bietet vor dem Geschichtsunterricht einen ersten Zugang zu dem Thema des Holocaust sowie erste emotionale Eindrücke. Ein zentrales Thema, dass dabei im Fach Deutsch berücksichtigt werden sollte ist: „Das kollektive Gedächtnis zum Thema Holocaust“[16], welches auf Bildern, Texten oder Denkmälern basiert.[17] Die Aufgabe des Deutschunterrichts im Bezug auf den Holocaust beruht darauf, sich kritisch, mit Hilfe speziell ausgewählter Literatur, mit dieser Problematik auseinanderzusetzten. Obwohl eine breite Auswahl an pädagogischer und didaktischer Literatur zu dem Thema „Holocaust Education“[18] existiert, gibt es immer noch zahlreiche theoretische Kontroversen, welche die Aufnahme und Behandlung der Thematik in pädagogischen Handlungsfeldern behindern.

Als übergeordnete Aufgabe einer Lehrperson beschreiben Fechler und Kößler folgendes:

„Wir Lehrer haben eine besondere Verantwortung für die Jugend, nämlich zu verhindern, dass noch einmal ein Volk ein anderes verfolgt, und dafür zu sorgen, dass der Fremde und der andere in seiner Eigenart verstanden werden.“[19]

Das im nächsten Kapitel beschriebene Bilderbuch von Rosa Weiss bildet einen möglichen Weg zur Heranführung von Schülerinnen und Schülern an das Thema des Holocaust im Deutschunterricht. Das Schicksal jüdischer Menschen wird auf ästhetisch anspruchsvolle und inhaltlich überzeugende Weise erzählt. Wie bereits mehrfach erläutert, ist auch hier ein grundlegendes Vorwissen erforderlich. Monika Plath und Karin Richter haben in einem ihrer Bücher Aussagen von Kindern über den Holocaust dokumentiert. Es lässt sich feststellen, dass Kinder zunächst sehr vage Aussagen zum Thema Krieg (1) treffen können, teilweise jedoch mit Detailwissen wie beispielweise zur Aufteilung Deutschlands (2) oder zu der Person Hitlers (3) überraschen.

1. „Da werden Menschen umgebracht.“

„Meine Oma war ein Flüchtling, die ist weggegangen.“

2. „Deutschland wollte die ganzen anderen Länder erobern wegen den Rohstoffen und so, damit Deutschland das reichste Land der Welt wird... Das haben sie dann das zweite Mal probiert, deswegen heißt der auch 2. Weltkrieg. Das erste Mal war, glaube ich, mindestens hundert Jahre früher.“

3. „Der hat andere seine Arbeit machen lassen.“

„Weil Hitler das Hakenkreuz hatte ist es heute verboten.“

„Hitler, der konnte immer gute Reden halten, da haben die Leute gedacht, dass er klug ist und sind drauf rein gefallen.“[20]

Das diffuse, teils gefährliche und kuriose Halbwissen, welches Kinder sich hauptsächlich durch die Medien oder ihr soziales Umfeld angeeignet haben, kann durch die Thematisierung im Deutschunterricht anhand der Bilderbücher korrigiert bzw. ergänzt werden. Dabei soll es sich allerdings nicht um einen geschichtlichen Gesamtzusammenhang des zweiten Weltkriegs handeln, sondern nur verständliche Antworten auf Fragen geben, die Kindern ansonsten Angst machen oder zunächst ihre Urteilsfähigkeit und Urteilskraft negativ beeinflussen könnten.

Folgende Intentionen, welche in Anbetracht der Behandlung des Holocaust mit Schülerinnen und Schülern gelten und diese im Geschichtsunterricht gelehrt werden, könnten beispielweise fächerübergreifend im Deutschunterricht stattfinden. Kinder sollten zunächst Verständnis für das Phänomen Faschismus bekommen, und wissen, dass dieser nicht alleine auf die Person Adolf Hitler zurückzuführen ist. Des Weiteren soll Kindern durch diese Informationen die Angst vor einer Wiederholung des Holocaust genommen werden. Wie bereits schon in Kapitel 2.1 erläutert, sollte auch hier die Durchführung der Unterrichtseinheit, bei welcher offene Arbeits- und Sozialformen zugelassen werden, um das Miteinander stärken zu können, berücksichtigt werden. Emotionen und Erfahrungen der Kinder müssen hierbei stets beachtet werden.[21]

Wie bereits oben genannt, bietet meines Erachtens nach das Werk von Roberto Innocenti „Rosa Weiss“ einige Möglichkeiten für den Einstieg in die Materie. Es gibt eine Vielfalt an Unterrichtsmaterial für den Deutschunterricht, welches Lehrern zur Verfügung steht, allerdings diesen noch einen eigenen Spielraum lässt. Es ist oft eine Frage der Differenzierung und der Komplexität, abhängig vom Alter und dem Wissenstand der Gruppe, mit welcher man die Geschichte aufbereiten möchte.

[...]


[1] Rogasky, B. (2002). Der Holocaust: Ein Buch für junge Leser. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch. S. 11- 12

[2] Vgl. a.a.O.: S.14

[3] Lange, G. (2011). Kinder- und Jugendliteratur der Gegenwart: Ein Handbuch (1. Aufl.). Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren. S.3

[4] Vgl. a.a.O.: S. 217- 218

[5] Birkmeyer, J., & Kliewer, A. (2010). Holocaust im Deutschunterricht: Modelle für die Sekundarstufe I (1. Aufl.). Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren. S.1-2

[6] Plath, Monika, Richter Karin (2009). „Holocaust“ in Bildergeschichten. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.. S.5

[7] Birkmeyer, J., & Kliewer, A. (2010). Holocaust im Deutschunterricht: Modelle für die Sekundarstufe I (1. Aufl.). Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren. S.2

[8] ebd.

[9] Vgl. a.a.O: S.9

[10] ebd.

[11] Vgl. a.a.O: S.10

[12] a.a.O: S.4

[13] Vgl. a.a.O: S.1

[14] ebd.

[15] a.a.O: S.2

[16] Birkmeyer, J., & Kliewer, A. (2010). Holocaust im Deutschunterricht: Modelle für die Sekundarstufe I (1. Aufl.). Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren. S.5

[17] ebd.

[18] Plath, Monika, Richter Karin (2009). „Holocaust“ in Bildergeschichten. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren. S.6

[19] Fechler, Bernd, Kößler, Gottfried (2000). „Erziehung nach Ausschwitz“ in der multikulturellen Gesellschaft. Pädagogische und soziale Annäherungen. München: Juventa Verlag. S.5

[20] Plath, Monika, Richter Karin (2009). „Holocaust“ in Bildergeschichten. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren. S. 10

[21] Vgl. Bergmann, Klaus, Rohrbach Rita (2005). Kinder entdecken Geschichte. Theorie und Praxis historischen Lernens in der Grundschule und im frühen Geschichtsunterricht. Schwalbach: WOCHENSCHAU Verlag. S.301

Details

Seiten
16
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668701717
ISBN (Buch)
9783668701724
Dateigröße
754 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v419723
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
10,0
Schlagworte
nationalsozialismus kinder jugendliteratur

Autor

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