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Analyse des Verhaltens von Max und Moritz im Bezug auf das Fetale Alkoholsyndrom und die Antisoziale Persönlichkeitsstörung

Hausarbeit 2016 23 Seiten

Psychologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Fetale Alkoholsyndrom (FAS)
2.1 Ursache, Symptomatik und Epidemiologie
2.1.1 Das fetale Alkoholsyndrom bei Max und Moritz

3 Die Antisoziale Personlichkeitsstorung
3.1 Ursache, Symptomatik und Epidemiologie
3.2 Die Antisoziale Personlichkeitsstorung bei Max und Moritz
3.3 Die Antisoziale Personlichkeitsstorung bei Wilhelm Busch

4 Schluss

5 Bibliographie
5.1 Primarliteratur
5.2 Sekundarliteratur
5.2.1 Monographie
5.2.2 Zeitschriftenartikel
5.2.3 Videos
5.2.4 Aufgerufene Webseiten
5.2.5 Bildquellen

1 Einleitung

Die Lausbubengeschichten von Max und Moritz feierten im Jahr 2015 ihren 150. Geburtstag und haben Wilhelm Busch zu einem der beliebtesten und meistverkauften deutschen Dichter gemacht. Doch die Bildergeschichten waren nicht immer unumstritten. Die Veroffentlichung des Buches loste eine Diskussion aus, ob das Buch uberhaupt fur Kinder und Jugendliche geeignet ware, da viele Padagogen die Streiche als jugendgefahrdend ansahen. In einigen deutschsprachigen Regionen, wie beispielsweise in der Steiermark, wurde das Werk sogar jahrelang fur Jugendliche unter 18 Jahren verboten1. Grund dafur war, dass es nicht - wie beispielsweise das Buch vom Struwwelpeter - den Zweck verfolgt, zu belehren und aufzuzeigen, welche Konsequenzen drohen, wenn man Streiche spielt, sondern lediglich dem Amusement dient.

Doch trotz oder gerade infolge der vordergrundig fehlenden moralischen Implikationen wurden die sieben Streiche der beiden Buben schon wenige Jahre nach der Veroffentlichung im Jahre 1865 immer popularer. Noch zu Lebzeiten Wilhelm Buschs wurde sein Werk zu einer Art Bestseller2 und ist es aufgrund des gelungenen Zusammenspiels aus Satire, bildhafter Sprache und ausdrucksstarken Zeichnungen bis heute geblieben.

Die Bildergeschichte „Max und Moritz“ beschreibt zwei Jungen, die ihren Mitmenschen durch ihre hinterlistigen Streiche das Leben schwer machen. Moritz, einer der beiden Jungen, zeigt durch sein Verhalten aber auch seine markanten Gesichtszuge charakteristische Anzeichen von FAS, dem Fetalen Alkoholsyndrom. FAS bezeichnet eine korperliche und geistige Schadigung, die durch den Alkoholkonsum der Mutter wahrend der Schwangerschaft verursacht wird. Ein Symptom davon ist unter anderem die sogenannte Antisoziale Personlichkeitsstorung.

Beleidigungen, Sachbeschadigungen, Diebstahl und Hausfriedensbruch, Tierqualerei und schwere Korperverletzung, all diese Straftatbestande, die man in den Streichen von Max und Moritz vorfindet, deuten auf eine Antisoziale Personlichkeitsstorung hin3. Inwieweit die beiden Buben diese Storung aufweisen und Moritz vom Fetalen Alkoholsyndrom betroffen ist, soll in der vorliegenden Arbeit ergrundet werden.

Die Arbeit lasst sich dementsprechend in zwei Hauptteile untergliedern. Der erste Teil beschaftigt sich mit dem FAS. Dabei werden zunachst die Ursachen, Symptome und die Epidemiologie von beschrieben. Im Anschluss werden die bei Moritz zu beobachtenden FAS-Symptome analysiert. Im zweiten Hauptteil der Arbeit werden hingegen die Ursachen, Symptome und die Epidemiologie der Antisozialen Personlichkeitsstorung erlautert und danach das antisoziale Verhalten anhand der sieben Streiche der beiden Jungen Max und Moritz analysiert. Zudem wird auf autobiografische Hintergrunde des Autors eingegangen.

Der in der Arbeit verwendete Materialkorpus umfasst neben Wilhelm Buschs Buch „Max und Moritz“4 zahlreiche literaturwissenschaftliche Publikationen, die sich mit der Biografie und den Werken des Autors auseinandersetzen. Desweiteren dienten zahlreiche medizinische und psychologische Bucher der Erlauterung der Symptome des FAS und der antisozialen Personlichkeitsstorung.

Infolge des runden Jubilaums der Veroffentlichung von Buschs ,,Max und Moritz“ im Jahr 2015 fanden sich zahlreiche Zeitungsartikel und Dokumentationen zu seinem Werk. Bislang fand der Aspekt, dass eine antisoziale Personlichkeitsstorung dem Verhalten der Jungen zugrunde gelegen haben konnte, in der Literaturwissenschaft aber keine Beachtung. Es ist dort hingegen die Rede von ,,abweichendem Verhalten“5 und ,,missratenen Kindern“6. Dies deutet zwar durchaus auf eine antisoziale Personlichkeitsstorung hin, wird aber nicht naher untersucht. Hinweise, dass Moritz vom Fetalen Alkoholsyndrom betroffen sein konnte, lassen sich ebenfalls nicht in literaturwissenschaftlichen Werken finden. Allerdings gibt es Aussagen daruber, dass Moritz vom Fetalen Alkoholsyndrom betroffen sein konnte, in einer medizinischen Fachzeitschrift7. Die These, dass sich das Verhalten der beiden durch eine pathologische Storung des Sozialverhaltens erklaren lasst, kann zudem in einem psychologischen Werk uber „Bewegungstherapien bei psychischen Erkrankungen“ entnommen werden.8.

Bislang spielte die Untersuchung pathologisch verursachter Komponenten im Verhalten der beiden Hauptfiguren von Wilhelm Buschs Werk „Max und Moritz“ in der Literaturwissenschaft offenkundig keine nennenswerte Rolle. Nicht zuletzt deshalb soll in der vorliegenden Arbeit naher beleuchtet werden, inwieweit das Fetale Alkoholsyndrom bei Moritz sowie eine Antisoziale Personlichkeitsstorung maBgeblich dafur waren und Busch in derart verursachten, typischen Verhaltensweisen gewissermaBen Vorlagen fur sein Werk fand.

2 Das Fetale Alkoholsyndrom (FAS)

2.1 Ursache, Symptomatik und Epidemiologie

Das Fetale Alkoholsyndrom ist die am meisten auftretende korperliche und geistige Fehlentwicklung bei Kindern, die nicht genetisch bedingt und vermeidbar ist. FAS entsteht durch den Alkoholkonsum der Mutter wahrend der Schwangerschaft und ist nicht heilbar. Schatzungen zufolge werden jedes Jahr 10000 Kinder mit dem Fetalen Alkoholsyndrom geboren9. In Deutschland wird laut einem Artikel von Spohr und Steinhausen aus dem Jahr 2008 mit jahrlich 3000 bis 4000 betroffenen Neugeborenen gerechnet10.

Der Alkoholkonsum wahrend der Schwangerschaft kann gravierende Folgen haben, die von korperlichen und geistigen Einschrankungen des Kindes bis hin zur Fehlgeburt reichen. Der Grund dafur ist, dass der von der Mutter konsumierte Alkohol die Plazenta schnell und ungehindert passiert und dann vor allem in die fetale Lunge, Leber, Nieren, Dunndarm, Bauchspeicheldruse, Herzmuskel und Kleinhirn wandert. Da Alkohol in der fetalen Leber nicht abgebaut werden kann, erfolgt der Abbau des Alkohols fast ausschlieBlich durch Enzyme. Dieser Prozess dauert jedoch doppelt so lange wie bei Erwachsenen11 und verursacht dementsprechend starke Schaden in den betroffenen Organen. Das AusmaB verschiedenster korperlicher und aber auch geistiger Beeintrachtigungen hangt dabei stark vom AusmaB des Alkoholkonsums der Mutter ab.

Die meisten Kinder und Erwachsenen mit FAS haben korperliche Einschrankungen, die sich schon vor der Geburt oder aber auch erst mit fortschreitendem Alter zeigen konnen.

Bei vielen Kindern tritt beispielsweise postnataler Minderwuchs auf, d.h. das Gewicht, die Lange und der Kopfumfang der Kinder mit FAS entspricht bei termingerechter Geburt der 34. statt der 40. Schwangerschaftswoche. Desofteren ist die Schwangerschaft durch reichlich Alkoholkonsum jedoch auch verkurzt12. Neben den Entwicklungsverzogerungen leiden die Betroffenen auch haufiger an Epilepsie13, Hor- und Sehstorungen, Herzfehlern und Gehirnschaden14. Bei Babys und Kleinkindern lassen sich zudem verschiedenste Gesichtsveranderungen feststellen, die jedoch meist mit fortschreitendem Alter verschwinden. Dazu gehort unter anderem eine breite, kurze Nase mit nach vorne weisenden Nasenlochern. Der Mund weist einen kaum erkennbaren Lippenwulst und eine sehr schmale Oberlippe auf und das Philtrum, die Rinne zwischen Nase und Oberlippe, ist flach oder fehlt sogar ganz. Kinder mit FAS weisen meist ein kurzes und fliehendes Kinn auf. Ihre Ohren sind groB und oft nicht richtig ausgeformt und die Augen klein und schmal. Bei extremen Gesichtsveranderungen, wie beispielsweise sehr stark hangenden Augenlidern, die die Sehfahigkeit einschranken, wird nicht selten eine Operation notig15.

Betroffene leiden haufig unter geistigen Einschrankungen wie Verhaltens-, Lem-, Schlaf- und Intelligenzstorungen. Verhaltensauffalligkeiten wie ein gestortes Sozialverhalten und Konzentrationsschwachen zeigen sich oft erst nach Jahren. Viele Kinder mit FAS bekommen beim Eintritt in die Schule groBe Probleme, da sie vergleichsweise oft hyperaktiv sind und aufgrund eines durchschnittlichen IQs von 70 starke Schwierigkeiten beim Lernen haben16. Auch eine retardierte Sprachentwicklung und verschiedene Sprachstorungen, die von Stottern und Stammeln bis hin zu eingeschranktem Vokabular und Redetempoproblemen reichen, stellt vor allem beim Eintritt in die Schule eine groBe Herausforderung fur die Betroffenen dar17. Auch der Umgang mit anderen Personen erweist sich oft als schwierig. Personen mit FAS weisen haufig ,,gestorte Beziehungen zu Gleichaltrigen, ubermaBige Abhangigkeit von Erwachsenen, vermehrte Erziehungs- und Disziplinprobleme[...], fehlendes Distanzverhalten, herabgesetztes soziales Urteilsvermogen, sowie eine Haufung von affektiven Storungen mit Wutausbruchen, spezifischen Angsten und allgemeiner Angstlichkeit“18 auf. Oft wird das Verhalten von Personen, die vom FAS betroffen sind, als “bose Absicht“ gedeutet und ihr Verhalten, das sich durch Lob und Tadel kaum beeinflussen lasst, stark kritisiert und bestraft. Da die Betroffenen jedoch nur sehr schwer aus den Konsequenzen ihrer Handlungen lernen konnen, fuhren die Bestrafungen jedoch kaum zu einer Anderung im Verhalten19. Antisoziales Verhalten und Kriminalitat gelten als groBes Problem bei Nachkommen von Alkoholikern20. Eine angemessene Betreuung und Anleitung beispielsweise in Pflege- familien oder geeigneten Einrichtungen ist oft notig, um junge Menschen mit Fetalem Alkoholsyndrom vor Missbrauch aber auch haufig unbeabsichtigten Gesetzeskonflikten zu schutzen21.

Zusammenfassend lasst sich sagen, dass das durch den Alkoholkonsum der Mutter wahrend der Schwangerschaft hervorgerufene Fetale Alkoholsyndrom ein umfassendes Storungsbild umfasst, welches von charakteristischen Gesichtsmerkmalen, wie eine schmale Oberlippe, ein fliehendes Kinn und eine kurze Nase uber korperliche Einschrankungen wie Seh- und Horstorungen, Epilepsie und Herzfehlern sowie Gehirnschaden bis hin zu Verhaltensstorungen wie Lern-, Intelligenz- und Sprachstorungen sowie antisozialem Verhalten, reicht.

2.1.1 Das fetale Alkoholsyndrom bei Max und Moritz

Inwieweit die von Wilhelm Busch beschriebene und gezeichnete Figur des Moritz Anzeichen des Fetalen Alkoholsyndroms aufweist, soll im folgenden Abschnitt untersucht werden. Hierzu werden zunachst korperliche Anzeichen mit Hilfe der Zeichnungen von Moritz analysiert und anschlieBend Verhaltensauffalligkeiten, die im Buch zu finden sind, genauer betrachtet.

Abbildung in dieser leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Das Portrait von Moritz22

Abbildung in dieser leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Das Portrait eines Jungen mit FAS23

Abbildung in dieser leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Das Profil von Moritz24

Abbildung in dieser leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Das Profil von einem Jungen mit FAS25

[...]


1 Vgl. Wischmann, Claus.: Max und Moritz - Die unglaubliche Geschichte eines Kinderbuchs, in: https://www.youtube.com/watch?v=K0XAzBnckIE, 2015 (Stand: 27.12.2016).

2 Vgl. ebd.

3 Vgl. Schury, Gudrun: Ich wollt ich war ein Eskimo. Wilhelm Busch. Die Biographie, Berlin 2010 S. 100

4 Busch, Wilhelm: Max mid Moritz, in: Doch die Kafer, kritze, kratze ..., Berlin 11988.

5 Vgl. Ueding, Gert: Wilhelm Busch. Das 19. Jh. En miniature, Frankfurt am Main und Leipzig erweiterte undrevidierte Neuausgabe 2007 S 93

6 Ebd, S. 95.

7 Feldmann, Reinhold: Das fetale Alkoholsyndrom in der Kunstgeschichte, in: Zeitschrift fur praktische Augenheilkunde Heft 1, 2011, S. 21-22.

8 Holter, Gerd: Bewegungstherapie bei psychischen Erkrankungen. Grundlagen und Anwendung, Koln 2011, S. 473.

9 Vgl. Burk, A.: Fetales Alkoholsyndrom, in: Zeitschrift fur praktische Augenheilkunde Heft 1 (2011), S. 11.

10 Vgl.: Spohr, Hans-Ludwig, Steinhausen, Hans-Christoph: Fetale Alkohol-Spektrum-Storung. Persistierende Folgen im Erwachsenenalter, in: Deutsches Arzteblatt Heft 41 (2008), S. 693.

11 Vgl.: Schenk, Britta: Die Alkoholembryopathie. Klinische Symptomatik und Entwicklungsverlauf mit Fallbeispiel, Halle (Saale) 1992, S. 1-3.

12 Vgl. ebd. S. 12.

13 Vgl. ebd. S.1.

14 Vgl.: Burk, A, 2011, S. 11.

15 Vgl. Vom Knappen, Beate; Thater, Helga; Loser, Hermann: Alkoholschaden bei Kindern. Ratgeber fur Alkoholembryopathie, Freiburg im Breisgau 1987, S. 22.

16 Vgl.: Burk, A 2011, S. 11.

17 Vgl. Schenk, Britta 1992, S. 30.

18 Ebd.

19 Vgl. Feldmann, Reinhold 2011, S. 22.

20 Vgl. Schenk, Britta 1992, S.32.

21 Vgl. Feldmann, Reinhold 2011, S. 22.

22 Feldmann, Reinhold 2011, S. 21.

23 O.V.: http://static-content.springer.com/image/art%3A10.1007%2Fs00112-007-1567- 9/MediaObjects/112_2007_1567_Fig1_HTML.jpg (aufgerufen: 29.12.2015).

24 Feldmann, Reinhold 2011, S. 22.

25 O.V.: http://static-content.springer.com/image/art%3A10.1007%2Fs00112-007-1567- 9/MediaObjects/112_2007_1567_Fig1_HTML.jpg (aufgerufen: 29.12.2015).

Details

Seiten
23
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668683860
ISBN (Buch)
9783668683877
Dateigröße
748 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v419620
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Institut für Germanistik
Note
1,3
Schlagworte
Fetales Alkoholsyndrom Max und Moritz Antisoziale Persönlichkeitsstörung

Autor

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