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Entwicklung von präventiven Maßnahmen zur Reduktion von Burnout

Fallstudie im Kollegium einer Grundschule

Studienarbeit 2016 148 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärung
2.1 Burnout
2.2 Stress
2.3 Stressoren
2.4 Belastungen und Beanspruchung

3. Problemstellung
3.1 Entstehung von Burnout
3.1.1 Reizorientiertes Stressmodell
3.1.2 Reaktionsorientiertes Stressmodell
3.1.3 Transaktionales Stressmodell

4. Primärpräventive Maßnahmen
4.1 Verhältnispräventive Maßnahme
4.2 Verhaltenspräventive Maßnahme

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Das Anliegen dieser Arbeit ist die Ableitung und Darstellung präventiver Maßnahmen zur Reduktion der Inzidenz von Erschöpfungskrankheiten bzw. Burnout im schuli­schen Umfeld. Dazu wird zunächst die Problemstellung dargestellt, indem die Aus­gangslage mit Hilfe von Stressmodellen beschrieben wird. Nachfolgend können In­terventionsansätze aufgrund der Ergebnisse abgeleitet werden. Diese sollen dazu dienen, die zum Burnout führenden Faktoren zu reduzieren. Damit soll dieser Ansatz präventiv wirksam werden und das Auftreten von Burnout verringern.

2. Begriffsklärung

Im Rahmen dieser Arbeit erscheint es sinnvoll, Begriffe wie Stress oder Burnout zu klären, da diese unscharfe Begriffe des alltäglichen Sprachgebrauchs darstellen. Um Unklarheiten zu vermeiden, sollen diese nachfolgend definiert werden.

2.1 Burnout

Burnout zeigt sich als Dreiklang aus emotionaler Erschöpfung, Depersonalisierung und verringerter Leistungsfähigkeit[1]. Mit dem Burnout-Syndrom gehen verminderte soziale Kontakte, Fehlzeiten, Ressortwechsel oder auch schlechte persönliche Ge­sundheit einher. Der Begriff Burnout ist kein medizinischer Fachterminus und wird im ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Prob­lems) deshalb nicht im Kapitel V (F), für alle psychischen Krankheiten erwähnt, son­dern fällt in die Kategorie Z (= Zusatzkodierung). Hier finden sich Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswe­sens führen.

2.2 Stress

Schaper (2014) definiert Stress als „ein subjektiv intensiv unangenehmer Span­nungszustand, der aus der Befürchtung entstehe, dass eine stark aversive, zeitlich nahe (oder bereits eingetretene) und lang andauernde Situation sehr wahrscheinlich nicht vollständig kontrollierbar ist[...]"[2] Aus der Definition wird ersichtlich, dass Stress ein Zustand ist, welcher erlebt wird. Trotz der Aufteilung mancher Autoren in positiven und negativen Stress, sogenannten Eustress und Distress[3], steht in der Forschung meist der negative Stress im Vordergrund, wie auch die Definition von Richard S. Lazarus (1981) zeigt, für welchen Stress ein Ereignis ist, „in dem äußere oder innere Anforderungen die Anpassungsfähigkeit eines Individuums, eines sozia­len oder organischen Systems beanspruchen oder übersteigen,..."[4]

2.3 Stressoren

Als Stressor werden Ursachen für Stress bezeichnet. Gerrig et al. (2011) nennen Stressoren „Ereignisse, welche von einem Organismus eine Art von Anpassungsre­aktion erfordern [...].“[5]

Als allgemeine Klassifikation der Stressoren eignet sich eine Einteilung in drei Berei­che[6]:

- Das materiell-technischen System: z.B. Lärm von Schülern, Zeitdruck beim Wechsel in verschiedene Klassen, etc.
- Das soziale System: z.B. Konflikte im Kollegium, etc.
- Das personalen System: z.B. persönliche Dispositionen wie Ängstlichkeit, etc.

2.4 Belastungen und Beanspruchung

Der Vollständigkeit halber erwähnt werden Belastungen und Beanspruchung, welche dem Stresskonzept übergeordnet sind und den Begriffen Stressoren und Stress ent­sprechen[7]. Unterscheidungsmerkmal ist die Verwendung von Belastung und Bean­spruchung auch in einem neutraleren Kontext, wogegen Stressoren und Stress auf belastende Perspektiven hindeuten[6]. Da im Rahmen dieser Arbeit der Fokus auf ne­gativen Einflüssen liegt, wird der Begriff Stress bzw. Stressoren verwendet.

3. Problemstellung

Einer Studie der DAK aus dem Jahre 2013 zufolge sind lediglich 41% der Lehrer der Auffassung, dass ihr Gesundheitszustand ausreicht, um bis zum gesetzlichen Pensi­onsalter im Lehrerberuf zu arbeiten. Weiterhin gaben 45% aller Befragten an hoch belastet zu sein und „schlecht abschalten zu können[8] “. Die meistgenannten Belas­tungsmerkmale sind Unterrichtsstörungen, Disziplinprobleme, Sozial verhalten, zu große und heterogene Klassen sowie permanenter Zeitdruck[9]. Diese Belastungsfak­toren könnten sich im Kontext aktueller Entwicklungen noch weiter verschärfen. Die Integration von Flüchtlingskindern beispielsweise erhöht einerseits die Heterogenität und Größe der Klassen, andererseits werden zusätzliche komplexe Anforderungen, bedingt durch die Biographien der Kinder, fehlenden Sprachkenntnissen oder Verhal­tensauffälligkeiten, an die Lehrkräfte gestellt. Weiterhin sind bundeslandübergreifen- de Inklusionsbestrebungen, also die Eingliederung der bislang in Förderschulen un­terrichteten Kinder in Regelschulen anzuführen[10].

3.1 Entstehung von Burnout

Um Interventionsansätze ableiten und begründen zu können soll nachfolgend an verschiedenen Modellen die Entstehung von Burnout-Erkrankungen dargestellt wer­den. In der Burnout-Forschung haben sich „stresstheoretische Modelle durchgesetzt, die für die Erklärung von Burnout [...] personale und arbeitsbezogene Faktoren be­rücksichtigen[11].“ Nach Lenzen et al (2014) werden grundsätzlich drei Konzepte un­terschieden[12]: Reizorientierte, reaktionsorientierte und transaktionale Stresskonzep­te. Aus Platzgründen wird auf eine detaillierte Beschreibung des jeweiligen Modells zugunsten des Praxistransfers verzichtet.

3.1.1 Reizorientiertes Stressmodell

Im Rahmen reizorientierter Stressmodelle wird Stress durch äußere Einflüsse deter­miniert und kann so im Rahmen der Verhältnisprävention eingesetzt werden. Im Rahmen dieser Arbeit wird das Anforderungs-Kontroll-Modell aus den verschiedenen reizorientierten Modellen ausgewählt, da es aktuell in der Forschung erfolgreich ein­ gesetzt wird[13].

Diesem Modell folgend wird Stress von zwei Faktoren determiniert: Den psychischen Anforderungen an die Arbeitsaufgabe einerseits, sowie dem Entscheidungsspielraum als Ressource, um mit den Aufgaben umgehen zu können. Grafisch dargestellt ergibt sich eine 4-Felder- Matrix mit den möglichen Kombinationen[14]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Anforderungs-Kontroll-Modell. Eigene Darstellung mit unwesentlicher Änderung: Vgl. Wieland et al. 2004, S. 28

Die psychische Anforderungen haben im Lehrberuf stark zugenommen, vor allem die extrem hohe Interaktionsdichte im Unterricht[15], steigende Klassengrößen, der wach­sende Anteil verhaltensauffälliger Schülerinnen und Schüler, Reizüberflutung und Freizeitstress[16] oder auch allgemeine Erziehungsdefizite in Verbindung mit überstei­gerter Erwartungshaltung an die Lehrkräfte können hier beispielhaft angeführt wer­den. Aufgrund des für Lehrerinnen und Lehrer typischen großen Entscheidungs- und Handlungsspielraumes, liegt das Aufgabengebiet zwar eigentlich im positiv besetzten Feld der „aktiven Tätigkeit“, diese potenzielle Ressource wird jedoch zum zusätzli­chen Risikofaktor: unklare Aufgabendefinitionen und Kriterien für den Erfolg der Tä­tigkeit erzeugen hier zusätzlich Unsicherheit[16]. Dieses Modell zeigt ein hohes Risiko für Erkrankungen wie Burnout, wenn wie im Falle der Lehrkräfte, hohe Anforderun­gen auf geringes Kontrollerleben treffen.

3.1.2 Reaktionsorientiertes Stressmodell

Reaktionsorientierte Modelle sind eher biologisch orientiert und sehen Stress als Re­aktion auf Stressoren, welche das „Allgemeine Adaptionssyndrom“ auslösen[17]. Hans Seyle, kanadischer Endokrinologe und erster moderner Forscher, welcher seit den 1930er Jahren physiologische Auswirkungen von Stress auf den Körper untersuchte, beschrieb das Allgemeine Adaptionssyndrom[18]. In diesem Ansatz liegt die Annahme zugrunde, dass sich der Organismus durch Stressoren aus seinem Gleichgewichts­zustand bzw. der Homöostase bewegt und somit eine Anpassungsreaktion, Adapti­on, erfolgt um den vorigen Zustand wiederherzustellen[19]. Koronare Herzerkrankun­gen werden seit Selyes Studien mit chronischem Stress in Verbindung gebracht[20], was sich laut Gerrig (2011) in den Häufigkeiten der Herzkrankheiten von Typ A und Typ B Persönlichkeiten widerspiegelt[21].

Im Allgemeinen Adaptionssyndrom lassen sich drei Phasen unterscheiden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Allgemeines Adaptionssyndrom. Eigene Darstellung mit wesentlicher Änderung: Vgl. Gerrig et al., S.471.

Mit Hilfe der reaktionsorientierten Stressforschung können Stressoren untersucht werden, die chronisch auf die Lehrkraft einwirken. Als Beispiel lassen sich hohes An­spannungsniveau, Zeitdruck, Verhaltensauffälligkeiten oder stimmliche Belastung nennen[22]. Erwähnenswert ist auch der Sprechpegel, der 60 dB(A) nicht überschrei­ten sollte. Schallpegelmessungen zeigen allerdings, dass bei 20% der Lehrkräfte einen Sprechpegel >75 dB(A) vorliegt, was einer „unzumutbare Lärmbelästigung“ entspricht[23]. Die Folgen dieser chronischen Stressoren in der Erschöpfungsphase sind vielfältig und äußern sich z.B. in Depressionen und dauerhaft gesenkter Stress­resistenz[24]. Dies würde Erschöpfungserkrankungen bzw. Burnout-Erkrankungen zur Folge haben, welche „bei Lenkungen zur Folge haben, welche „bei Lehrkräften häufiger als in anderen Berufsgruppen Vor­kommen[20] “.

[...]


[1] Vgl. Myers, S. 796 & Zimbardo, 2011, S.497 & Schaper, 2014, S.531

[2] Schaper, 2014, S.519

[3] Vgl. z.B. Gerrig et al., 2011, S.485.

[4] Lazarus & Launier, in: Nitsch, 1981, S.226, zitiert nach Tameling, S.26.

[5] Gerrig et al., 2011, S.477.

[6] Vgl. Schaper, 2014, S.519.

[7] Vgl. Greifetal, 1991, S.3ff.

[8] Vgl. DAK Studie, 2011: „Lehrergesundheit. Was hält Lehrkräfte gesund“. Online unter: https://www.dak.de/dak/download/Studie_Lehrergesundheit-1318902.pdf [zuletzt online: 19.11.2016]

[9] Vgl. BLLV Befragung, 2003: „Arbeitsbelastung in Schulen“. Online unter: http://www.bllv.de/fileadmin/Dateien/Land-PDF/Pressemitteilungen/Pressekonferenzen/20030514_arbis/arbis.pdf [zuletzt online: 19.11.2016].

[10] Vgl. Knaus, 2013, „Das Elend der Lehrer. Inklusion überfordert Lehrer“. Online unter: http://www.wiwo.de/politik/deutschland/schulpolitik-inklusion-ueberfordert-lehrer/8984614-4.html [zuletzt online: 20.11.2016].

[11] Vgl. Lenzen et al., 2014, S. 81.

[12] ebenda.

[13] Vgl. Wieland, 2004, S. 27 ff.

[14] Vgl. Schaper, 2014, S. 522 ff.

[15] Vgl. Lenzen et al, 2014, S.91

[16] Vgl. Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (2016): „BLLV News“. Online unter URL: https://www.bllv.de/Newsansicht.805.0.html?&cHash=f430ffc2ce16f41b4b3751648031 a4e3&tx_ttnews%5Btt_ne ws%5D=1344 [letzter Zugriff am: 19.11.2016]

[17] Vgl. Schaper, 2014, S.521

[18] Vgl. Gerrig et al., 2011, S.471

[19] Vgl. Myers, 2014, S.528

[20] Vgl. Lenzen et al., 2014, S.83

[21] Vgl. Gerrig et al., 2011, S.353

[22] Vgl. Scheuch et al, 2015

[23] Vgl. Lenzen et al, 2014, S.95

[24] Vgl. Gerrig et al., 2011, S.471

Details

Seiten
148
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668713055
Dateigröße
3.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v419482
Institution / Hochschule
Donau-Universität Krems - Universität für Weiterbildung
Note
1,0
Schlagworte
entwicklung maßnahmen reduktion burnout fallstudie kollegium grundschule

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