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FinTechs und Filialbanken. Konkurrenz oder Ergänzung?

Trends im Retail Banking und im Private Banking

Studienarbeit 2018 17 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

1. Herausforderer oder gefragter Kooperationspartner?

2. Aktueller Stand in Deutschland
2.1. Filialbanken
2.2. FinTechs
2.2.1. Teilsegmente von FinTechs

3. Konkurrenz oder Ergänzung
3.1. Mögliche strategische Ausrichtungen in der Zukunft
3.1.1. Kauf oder Beteiligung an etablierten FinTechs
3.1.2. Kooperation zwischen Bank und FinTech
3.1.3. Gründung eines eigenen FinTech
3.1.4. Eigene Prozesse aktualisieren
3.2. Bestehende Zusammenarbeit und Kooperationen

4. Zusammenfassung & eigene Meinung

Literaturverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abb. 1: Übersicht über die FinTech-Unternehmen

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Herausforderer oder gefragter Kooperationspartner?

„FinTechs“ – Ein Begriff mit dem viele Deutsche nach wie vor nur wenig anfangen können.

Und das obwohl sich die Angebote der jungen Unternehmen langsam durchsetzen. Anders ist es in der Bankenwelt. Jeder Berater, Vorstand oder Investor weißsofort was damit gemeint ist, denn die jungen Finanztechnologie-Firmen mischen die Branche mächtig auf. Als Beweggründe für die Gründung werden oft die komplizierten Prozesse von Banken genannt. Die jungen Unternehmer wollen das Banking einfacher, schneller und günstiger machen. Dabei sind die Unternehmen in vielen Bereichen tätig. Seien es Kredite, Vermögensverwaltung oder der Zahlungsverkehr. Einige Gründer sind dabei in voller Goldgräberstimmung und hoffen auf ähnliche Erfolge wie sie das Online-Bezahlsystem PayPal aus den USA erlebt hat. Als Herausforderer verstehen sich dabei bereits nur noch wenige FinTechs, eher als gefragter Kooperationspartner für die etablierten Banken. Doch gibt es auch einige FinTechs die sich zu echten Konkurrenten gegenüber den etablierten Geldhäusern entwickelt haben. Allerdings wird es wie in der gesamten Start-Up-Szene nur wenige geben die am Markt bestehen bleiben.[1]

Auch das Bundesministerium für Finanzen hat den Trend der FinTechs bemerkt und im März 2017 den FinTech-Rat gegründet. Die 20 Vertreter sollen das Ministerium zu Chancen und Risiken wie auch zu Rahmenbedingungen beraten, welche nötig sind um Deutschland auch weiterhin als Nr. 1 in Sachen FinTech in Europa zu halten.[2]

Diese Literatur gestützte Arbeit soll einen Überblick über den FinTech-Markt in Deutschland und seinen Einfluss auf die etablierten Filialbanken geben. Hierfür wird zunächst die aktuelle Situation von Filialbanken kurz aufgegriffen. Dann wird ein Überblick zu FinTechs und einer Auswahl der Geschäftsfelder in denen sie tätig sind gegeben. Im darauffolgenden Teil werden mögliche strategische Ausrichtungen für etablierte Banken im Hinblick auf FinTechs beleuchtet. Zum Schluss wird eine Auswahl an Beispielen für bereits bestehende Kooperationen mit etablierten Finanzdienstleistern genannt.

2.Aktueller Stand in Deutschland

2.1. Filialbanken

Eine Vielzahl von Veränderungen führt seit Jahren zu einem Zusammenbruch des bisherigen Geschäftsmodells von Filialbanken in Deutschland.

Auf der monetären Seite stehen gleich mehrere Herausforderungen. Das anhaltende Niedrigzinsniveau, die zunehmenden Kapitalanforderungen an Banken, steigende Kosten durch das weiterhin recht dichte Filialnetz in Deutschland und die immer umfangreicheren regulatorischen Anforderungen. Auf der ideologischen Seite macht vor allem ein verändertes Kundenverhalten den Banken zu schaffen. Wie in allen anderen Branchen ist der Einfluss durch die digitalen Technologien immer größer werdend und die hybriden Kunden stellen neue Anforderungen an Banken. Das Internet und die mobilen Dienste bieten einen einfachen Zugang zu Produkten, Beratung und Vergleichen. Dadurch geht der wichtige persönliche Kontakt und somit auch die Bindung zwischen der Bank und dem Kunden verloren. Spätestens seit der Finanzkrise und dem damit verbundenen Vertrauensverlust treffen die Bankberater auf besser informierte Kunden, die nicht blind vertrauen, sondern durch das Internet, wenn auch nur oberflächlich, informierter denn je sind.

Zusätzlich ist der Wettbewerbsdruck seit vielen Jahren gestiegen. Dabei kann allein mit Lockangeboten, wie dem kostenlosen Girokonto inkl. Startguthaben oder anderer Rabatte, der Kampf um den Kunden nicht mehr gewonnen werden.[3]

Durch diese Veränderungen und damit immer schmäleren Gewinnen werden die Banken zum Sparen gezwungen. Das tun sie hauptsächlich durch Fusionen und Filialschließungen. So sank die Gesamtanzahl an Banken in Deutschland im Jahr 2016 um 3,7%. Am meisten davon betroffen sind Genossenschaftsbanken und Sparkassen. Allein bei diesen Akteuren sank die Anzahl um 61 Institute. Zusätzlich werden immer mehr Filialen geschlossen. Im Jahr 2016 waren es 5,9% weniger Zweigstellen als im Vorjahr, dieser Trend wird sich fortsetzen. Um den Anforderungen von jungen Menschen gerecht zu werden, wird in Zukunft immer stärker in die Digitalisierung als in die Filiale vor Ort investiert. Hier müssen sich die etablierten Kreditinstitute jedoch mit anderen, neuen Konkurrenten auseinandersetzen, den FinTechs![4]

2.2. FinTechs

„Der Ausdruck FinTech setzt sich aus Financial Services und Technology zusammen und bezieht sich auf Unternehmen, die mit Hilfe moderner Technologie spezialisierte Finanzdienstleistungen anbieten.“[5]

Dies ist eine von vielen möglichen Definitionen des Begriffs FinTech, eine einheitliche gibt es nicht. Aufgrund des sehr weiten Spektrums an Geschäftsmodellen und angebotenen Produkten, sowie Dienstleistungen ist eine allgemein gültige Definition nicht möglich.[6]

Bei FinTechs geht es um Finanzdienstleistungen die mit intensivem Technologieeinsatz den Kunden angeboten werden. Das Angebot umfasst eine Vielzahl von Business-to-Consumer-Angeboten, also solche die sich an einen Privatkunde richten, oder aber Business-to-Business-Angeboten, also solche die sich an Unternehmen oder Banken selbst richten. Meist sind es etablierte Bankdienstleistungen die aufgegriffen, abgewandelt und / oder auf andere Art umgesetzt werden.[7]

In Deutschland hat der Trend bereits um das Jahr 2000 begonnen. Erste Vorreiter waren Anbieter wie smava und auxmoney – beide im Bereich von Peer-to-Peer Landing, d.h. der Kreditvermittlung zwischen Privatkunden. Ein wirklich neues Produkt wird dabei von FinTechs nur selten angeboten. Doch unterscheiden sie sich maßgeblich durch eine wesentlich höhere Benutzerfreundlichkeit und intuitivere Bedienung. Zudem werden die Prozesse laufend optimiert und automatisiert. So können die Dienstleistungen in der Regel auch kostengünstiger angeboten werden.[8]

In einer Studie für das Bundesfinanzministerium von Oktober 2016 wird von einer Anzahl von 433 FinTechs ausgegangen. Diese haben im Jahr 2015 im Bereich von Finanzierungen und Vermögensmanagement ein Volumen von rund 2,2 Mrd. EUR erreicht. Zusätzlich ein Volumen von rund 17 Mrd. EUR im Bereich von Transaktionen bewegt und wurden von ca. 1,2 Mio. Deutschen genutzt.[9]

Abb. 1: Übersicht über die FinTech-Unternehmen

Quelle: G. Dorfleitner/L. Hornuf, FinTech-Markt in Deutschland, http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Internationales_Finanzmarkt/2016-11-21-GutachtenLangfassung.pdf;jsessionid=170209AF7D0808AB53FF84A57192FFE5?__blob=publicationFile&v=3 Seite 16 [Zugriff: 13.01.2018]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Doch haben FinTechs nicht nur positive Seiten. Auch sie haben mit Risiken und Schwächen zu kämpfen die einem Erfolg im Wege stehen. So ist bekannt, dass die aufgeschlossenen und informierten Kunden weit in der Unterzahl sind. FinTechs müssen also das Wissen der Kunden rund um die angebotenen Technologien und Finanzdienstleistungen verbessern. Erst wenn der Kunde von den neuen Möglichkeiten erfährt, sie versteht und auch den Nutzen für sich erkennt, wird er sie auch in Anspruch nehmen. Damit einher geht die geringe Wechselbereitschaft von Kunden. Das mangelnde Wissen rund um Finanzdienstleistungen ist dabei nicht der Hauptgrund, sondern eher Bequemlichkeit und fehlende Anreize. Außerdem sind Finanzdienstleistungen Vertrauensgüter. Sicher hat das Vertrauen in die etablierten Banken stark gelitten. Doch besteht durch ihr Alter noch ein teilweise höheres Vertrauen als gegenüber einem Neueinsteiger. Bei jungen FinTechs ist stets unklar ob und wie lange es durchhält und was bei eventuellen Insolvenzen mit den eigenen Geldern oder Krediten passiert. Hier ist es wichtig positive Aspekte wie Kapitalausstattung, Zertifikate, bestandene Prüfungen und Haftungsschirme den potentiellen Kunden zu kommunizieren um Vertrauen zu schaffen. Zusätzlich besteht die Gefahr der Regulierung. Diese ist nicht zu verachten, da sie außerhalb des Einflussfaktors der Unternehmen liegt. Vor allem die bedrohten etablierten Banken könnten Anstrengungen vornehmen um die Rahmenbedingungen für Start-Ups zu verschlechtern.[10]

Hinzu kommt eine mögliche Abhängigkeit von Algorithmen. Dadurch sind FinTechs schnell auch Ziele von Hackerangriffen und Datenmissbrauch. Laut einer Handelsblatt-Umfrage sorgt sich jeder 4. um Cyberangriffe auf die digitalen Systeme. In diesem Punkt ist das Vertrauen gegenüber den etablierten Instituten jedoch nicht besser. Und die sind es, die sich aufgrund der jungen Wilden immer mehr in Bewegung setzen müssen, da die neuen Mitbewerber die gesamte Branche angreifen. Eine Auswahl an Teilsegmenten bzw. Geschäftsfeldern soll nun im Folgenden beschrieben werden.[11]

2.2.1. Teilsegmente von FinTechs

Zahlungsverkehr:

Dieses Teilsegment ist ein Kerngeschäft von Banken und ist zugleich am härtesten umkämpft. Nicht nur der Marktführer in Sachen ePayments (d.h. elektronische Zahlungen) Paypal sondern auch viele FinTechs in Deutschland wollen hier den Kunden benutzerfreundlichere, schnellere und multikanalfähige Lösungen anbieten.

Einige konzentrieren sich auf den Bereich Mobile Payments, also Zahlungen per Smartphone. Andere auf das Bezahlen im Internet, also Onlinezahlungen. Und wieder andere fokussieren den Bereich Mobile-Point-of-Sale, also die Umfunktionierung von Smartphone und Tablet zum Zahlungsterminal für Händler.[12]

Banken fühlen sich in diesem Bereich zurecht bedroht. Bereits 2015 liefen ca. 41% der Zahlungen im Internet über Nicht-Banken. Das bedeutete 15% mehr innerhalb von 2 Jahren. Das Gefährliche für Banken ist dabei die verlorene Verbindung zum Konto und somit auch zum Kunden.[13]

Finanzierung:

In diesem Teilsegment wird zwischen den verschiedenen Crowdfinanzierungen und dem Kredit oder Factoring unterschieden. Als Crowd (engl. Menge) geben hierbei eine Vielzahl von Einzelpersonen die finanziellen Mittel für ein Vorhaben. Dies kann von Privatpersonen und Unternehmen initiiert worden sein. Beim Crowdfunding spendet die Crowd einen Beitrag für das genannte Vorhaben. Je nach Aufmachung des Initiators erhalten die Unterstützer gar keine oder keine monetäre Gegenleistung. Anders ist dies beim Crowdinvesting. Hier erhalten die Anleger des Projektes später Anteile des Unternehmens, meist am Eigenkapital. Hingegen handelt es sich um Crowdlending wenn die Anleger einen Kredit mit vorher festgelegtem Zinssatz vergeben. Die FinTechs treten bei allen Crowdfinanzierungen als Vermittler auf und finanzieren sich durch Gebühren bei erfolgreicher Finanzierung. Im Bereich Kredit vermitteln die Unternehmen Kreditanfragen von Privatpersonen oder anderen Unternehmen an Partnerbanken. Teilweise handelt es sich hierbei um Kredite über sehr kurze Zeiträume.[14]

Einige FinTechs haben sich auch auf den Bereich Factoring spezialisiert. Hier bestand vor allem für Gründer und selbstständige Freiberufler das Problem von Mindestumsätzen die von den etablierten Anbietern verlangt wurden. Diese Mindestumsatzanforderung besteht bei den FinTechs wie z.B. Decimo, Pagido oder Rechnung24 in der Regel nicht. Auch bieten einige ein sogenanntes unechtes Factoring an. Hierbei wird lediglich die Forderung zur Liquiditätsverbesserung vorfinanziert. Das Ausfallrisiko verbleibt dabei beim Factoring-Nehmer. Außerdem sind die Angebote der FinTechs auch hier schneller und unkomplizierter in der Abwicklung.[15]

Vermögensmanagement:

Grundsätzlich gehören zu diesem Teilsegment FinTechs die Beratung, Anlage oder Verwaltung von Vermögen anbieten. Doch lassen sich auch in diesem Teilsegment verschiedene Bereiche abgrenzen. Bei den sogenannten Robo-Advicern handelt es sich um FinTechs die Anlageempfehlungen bieten und teilweise auch Anlageentscheidungen für den Kunden treffen. Dies geschieht auf Basis eines Algorithmus dem wiederum verschiedene passive Investitions- und Streuungsstrategien zugrunde liegen. Meistens werden die Risikobereitschaft, der Zeithorizont sowie weitere Ziele vom Kunden abgefragt und bei dem Ergebnis berücksichtigt. Dies geschieht voll automatisiert und teilweise nicht nur einmal, sondern fortlaufend entsprechend einer Portfolioverwaltung.[16]

Des Weiteren sind unter diesem Teilsegment auch die Personal Finance Management (kurz PFM) Lösungen zu finden. Die in diesem Bereich aktiven FinTechs haben es sich zur Aufgabe gemacht die Verwaltung und Analyse von Bankkonten zu vereinfachen. Zu den Funktionen gehören meist Finanzkalender für die Übersicht über wiederkehrende Zahlungen, Finanzplaner für die Analyse der monatlichen Zahlungen und die Verwaltung mehrerer Konten von unterschiedlichen Banken über ein zentrales Portal. Aber auch rein die bessere Gestaltung hinsichtlich der Benutzerfreundlichkeit rund um das Online-Banking wird teilweise angeboten. Einige FinTechs bieten nicht nur die erweiterten Funktionen für das Girokonto, sondern bieten das Girokonto auch gleich mit an und haben somit eine benutzerfreundliche und innovative Komplettlösung.[17]

Anbieter des sogenannten Social-Tradings gehören ebenfalls in das Teilsegment Vermögensmanagement. Hierbei werden Privatanleger und professionelle Anleger zusammengeführt. Die Kunden haben die Möglichkeit sich über die einzelnen Anlagestrategien der Profis zu informieren und ihr eigenes Portfolio automatisch nach der Strategie ihrer favorisierten Profis aufbauen zu lassen. Auch ist es bei einigen Anbietern möglich seine eigene Strategie für andere Nutzer zur Verfügung zu stellen und so, bei entsprechendem Erfolg, zum Star-Trader zu werden.[18]

Sonstige:

In diesem Bereich sind 3 Arten von FinTechs zu finden.

Zum einen die sogenannten InsureTechs. Dies sind FinTechs, die im Bereich von Versicherungen (engl. Insurence) aktiv sind und hier meist ein Peer-to-Peer Angebot haben. Dabei werden unter den Versicherten Gruppen gebildet die sich im Schadensfall gegenseitig unterstützen.

Auch zu den sonstigen FinTechs gehören die Anbieter, welche Vergleichs- oder Suchfunktionen für Finanzdienstleistungen anbieten.[19]

Zuletzt sind unter diesem Segment noch die FinTechs des Bereichs Bank-IT zu nennen. Ihr Angebot gilt nicht den Kunden sondern den Banken an sich. Das Spektrum reicht hierbei von Dokumentenmanagement, -sortierung und -auswertung bis hin zum vollwertigen Kernbanksystem. Dabei versuchen die Anbieter diese im Hinblick auf Schnelligkeit und Benutzerfreundlichkeit zu optimieren. Auch Speziallösungen für die Daten- und Nutzungsauswertung am Kunden wird von FinTechs für Banken angeboten. Und sogar neue Kreditratings über im Internet öffentlich zugängliche Basisdaten werden von FinTechs erstellt.[20]

3. Konkurrenz oder Ergänzung

3.1. Mögliche strategische Ausrichtungen in der Zukunft

3.1.1. Kauf oder Beteiligung an etablierten FinTechs

Durch den Kauf eines ganzen FinTechs oder aber die Beteiligung an ihm ergeben sich meist für beide Seiten Vorteile. Die Bank kann die innovative Dienstleistung des FinTechs ihren eigenen Kunden anbieten um sich von anderen Banken abzugrenzen. Das FinTech wiederum kann auf die breite Kundenbasis der Bank zugreifen und sich so weiter verbreiten. Allerdings ist der Kauf des Unternehmens für die Bank dabei mit hohen Investitionen bzw. Kosten verbunden. Vor allem für Genossenschaftsbanken und Sparkassen sind die Preise unmöglich aufzubringen. Zudem besteht die Gefahr einer Selbstschädigung, wenn durch das Angebot des FinTechs eigene Produkte benachteiligt werden und somit Erträge verloren gehen. Außerdem muss seitens der Eigentümer des FinTechs die Bereitschaft zum Verkauf vorhanden sein und es ist schwierig zu gewährleisten, dass das Fintech nicht seine Start-Up Mentalität und Kreativität verliert.[21]

3.1.2. Kooperation zwischen Bank und FinTech

Auch hier kann die Bank ihren Kunden neue und innovative Dienstleistungen anbieten und das Fintech bekommt Zugriff auf eine breite Kundenbasis. Gleichzeitig muss die Bank nur geringe Investitionen aufbringen und die Eigentümer des FinTechs müssen nicht verkaufen. Jedoch ist das Potential zur Selbstschädigung der Bank durch ein sich überschneidendes Angebot größer. Und das FinTech kann die Kooperation als eine Art Sprungbrett ausnutzen, um seinen Kundenstamm zu erweitern und später auch die Produkt- und Servicepalette ausbauen. Daher sollte hierbei aus Sicht der Bank der Fokus auf FinTechs gelegt werden die lediglich das eigene Angebotsspektrum erweitern.[22]

3.1.3. Gründung eines eigenen FinTech

Die Gründung eines eigenen FinTech hat den großen Vorteil der Steuerungsmöglichkeiten seitens der Bank. Zudem besteht weniger die Gefahr, dass Kunden zu anderen Anbietern bzw. Unternehmen abwandern. Des Weiteren bleiben die Erträge aus der Dienstleistung in der Unternehmensgruppe, auch wenn eine Überschneidung mit dem bestehenden Angebot besteht. Doch existiert die Gefahr das Ideen und Innovationen von den bestehenden Bereichen und Strukturen unterdrückt werden um den eigenen Fortbestand zu sichern. Daher sollte bei eigenständigen Gründungen darauf geachtet werden, dass diese außerhalb der bestehenden Struktur aufgebaut werden. Sowieso benötigt es hierfür einen besonderen Typus von Mitarbeiter sowie spezielle Rahmenbedingungen und ein spezielles Umfeld um den richtigen Start-Up Charakter zu erhalten.[23]

3.1.4. Eigene Prozesse aktualisieren

Eine weitere Möglichkeit ist es die eigenen Prozesse und Strukturen zu vereinfachen und zu digitalisieren. So ist zum Beispiel ein Großteil der Produkte und des Service bisher nicht online verfügbar. Attraktive und effiziente Interfaces würden helfen, die Kundenzufriedenheit zu verbessern. Im gleichen Zug würde die Effizienz der eigenen Prozesse gesteigert werden. Alle Prozessschritte hinsichtlich dem Nutzen für den Kunden zu überdenken und somit komplexe Strukturen zu reduzieren ist jedoch nicht einfach und stellt eine große Herausforderung dar.[24]

[...]


[1] Vgl. K. Schneider, Fintechs auf dem Prüfstand, in: Handelsblatt, Nr. 229, vom 28.11.2017, Seite 30/31.

[2] Vgl. Bundesministerium der Finanzen: BMF gründet FinTechRat, http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Pressemitteilungen/Finanzpolitik/2017/03/2017-03-22-pm-fintech.html [Zugriff: 13.01.2018]

[3] Vgl. M. Kinting/S. Wißmann, Zukunftsfähiges Banking im perfekten Zusammenspiel zwischen Mensch und Technologie, in: Everling, O./Lempka, R. (Hrsg.), Finanzdienstleister der nächsten Generation, 1. Aufl., Frankfurt am Main 2016, Seite 6

[4] Vgl. Handelsblatt: Das große Bankensterben http://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/bundesbank-statistik-das-grosse-bankensterben/19812486.html [Zugriff: 13.01.2018]

[5] Springer Gabler – Gabler Wirtschaftslexikon: FinTech Ausführliche Erklärung http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/-2046338299/fintech-v2.html [Zugriff: 13.01.2018]

[6] Vgl. G. Dorfleitner/L. Hornuf, FinTech-Markt in Deutschland, http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Internationales_Finanzmarkt/2016-11-21-GutachtenLangfassung.pdf;jsessionid=170209AF7D0808AB53FF84A57192FFE5?__blob=publicationFile&v=3, Seite 15ff [Zugriff: 13.01.2018]

[7] Vgl. V. Tiberius/C. Rasche, Disruptive Geschäftsmodelle von FinTechs: Grundlagen, Trends und Strategieüberlegungen, in: Tiberius, V./Rasche, C. (Hrsg.), FinTechs – Disruptive Geschäftsmodelle im Finanzsektor, Wiesbaden 2017, Seite 2

[8] Vgl. I. Kipker/S. Serges, Was Banken von FinTechs lernen können, in: Everling, O./Lempka, R. (Hrsg.), Finanzdienstleister der nächsten Generation, 1. Aufl., Frankfurt am Main 2016, Seite 307f

[9] Vgl. G. Dorfleitner/L. Hornuf, FinTech-Markt in Deutschland, http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Internationales_Finanzmarkt/2016-11-21-GutachtenLangfassung.pdf;jsessionid=170209AF7D0808AB53FF84A57192FFE5?__blob=publicationFile&v=3, Seite 15 [Zugriff: 13.01.2018]

[10] Vgl. V. Tiberius/C. Rasche, Disruptive Geschäftsmodelle von FinTechs: Grundlagen, Trends und Strategieüberlegungen, in: Tiberius, V./Rasche, C.(Hrsg.), FinTechs – Disruptive Geschäftsmodelle im Finanzsektor, Wiesbaden 2017, Seite 19ff

[11] Vgl. K. Schneider, Fintechs auf dem Prüfstand, in: Handelsblatt, Nr. 229, vom 28.11.2017, Seite 30/31

[12] Vgl. I. Kipker/S. Serges, Was Banken von FinTechs lernen können, in: Everling, O./Lempka, R. (Hrsg.), Finanzdienstleister der nächsten Generation, 1. Aufl., Frankfurt am Main 2016, Seite 308

[13] Vgl. S. Burgmaier/S. Hürthig, Kampf oder Kooperation – Das Verhältnis von jungen Wilden und etablierten Geldinstituten, in: Brock, H./Bierberstein, I. (Hrsg.), Multi- und Omnichannel-Management in Banken und Sparkassen, Wiesbaden 2015, Seite 103

[14] Vgl. G. Dorfleitner/L. Hornuf, FinTech-Markt in Deutschland, http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Internationales_Finanzmarkt/2016-11-21-GutachtenLangfassung.pdf;jsessionid=170209AF7D0808AB53FF84A57192FFE5?__blob=publicationFile&v=3, Seite 5ff [Zugriff: 13.01.2018]

[15] Vgl. I. Kipker/S. Serges, Was Banken von FinTechs lernen können, in: Everling, O./Lempka, R. (Hrsg.), Finanzdienstleister der nächsten Generation, 1. Aufl., Frankfurt am Main 2016, Seite 311

[16] Vgl. G. Dorfleitner/L. Hornuf, FinTech-Markt in Deutschlanhttp://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Internationales_Finanzmarkt/2016-11-21-GutachtenLangfassung.pdf;jsessionid=170209AF7D0808AB53FF84A57192FFE5?__blob=publicationFile&v=3, Seite 7 [Zugriff: 13.01.2018]

[17] Vgl. I. Kipker/S. Serges, Was Banken von FinTechs lernen können, in: Everling, O./Lempka, R. (Hrsg.), Finanzdienstleister der nächsten Generation, 1. Aufl., Frankfurt am Main 2016, Seite 314

[18] Vgl. S. Burgmaier/S. Hürthig, Kampf oder Kooperation – Das Verhältnis von jungen Wilden und etablierten Geldinstituten, in: Brock, H./Bierberstein, I. (Hrsg.), Multi- und Omnichannel-Management in Banken und Sparkassen, Wiesbaden 2015, Seite 106

[19] Vgl. G. Dorfleitner/L. Hornuf, FinTech-Markt in Deutschland, http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Internationales_Finanzmarkt/2016-11-21-GutachtenLangfassung.pdf;jsessionid=170209AF7D0808AB53FF84A57192FFE5?__blob=publicationFile&v=3, Seite 10 [Zugriff: 13.01.2018]

[20] Vgl. I. Kipker/S. Serges, Was Banken von FinTechs lernen können, in: Everling, O./Lempka, R. (Hrsg.), Finanzdienstleister der nächsten Generation, 1. Aufl., Frankfurt am Main 2016, Seite 316f

[21] Vgl. I. Kipker/S. Serges, Was Banken von FinTechs lernen können, in: Everling, O./Lempka, R. (Hrsg.), Finanzdienstleister der nächsten Generation, 1. Aufl., Frankfurt am Main 2016, Seite 321f

[22] Vgl. I. Kipker/S. Serges, Was Banken von FinTechs lernen können, in: Everling, O./Lempka, R. (Hrsg.), Finanzdienstleister der nächsten Generation, 1. Aufl., Frankfurt am Main 2016, Seite 322f

[23] Vgl. I. Kipker/S. Serges, Was Banken von FinTechs lernen können, in: Everling, O./Lempka, R. (Hrsg.), Finanzdienstleister der nächsten Generation, 1. Aufl., Frankfurt am Main 2016, Seite 323

[24] Vgl. I. Kipker/S. Serges, Was Banken von FinTechs lernen können, in: Everling, O./Lempka, R. (Hrsg.), Finanzdienstleister der nächsten Generation, 1. Aufl., Frankfurt am Main 2016, Seite 323f

Details

Seiten
17
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668701540
ISBN (Buch)
9783668701557
Dateigröße
586 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v419463
Institution / Hochschule
Frankfurt School of Finance & Management
Note
1,0
Schlagworte
FinTech Bank Filialbank Banking

Autor

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