Lade Inhalt...

Die gesellschaftliche Wahrnehmung von Jugendarbeitslosigkeit

Der Bedeutungswandel der Beschäftigungsfähigkeit aus der Sicht von Jugendlichen und der Umgang mit Jugendarbeitslosigkeit

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 23 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Jugendarbeitslosigkeit in der heutige Zeit
2.1 Der Umgang mit Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland
2.2 Der Umgang mit Jugendarbeitslosigkeit in der EU
2.3 Anregungen gegen Jugendarbeitslosigkeit

3. Ausgewählte Studien zu Jugend und Beruf
3.1 Die Bertelsmann-Studie „Jugend und Beruf“
3.2 „Die Shell-Studie“
3.3 „Die Jim-Studie“

4. Bedeutung von Jugendarbeitslosigkeit
4.1 Bedeutungswandel des Arbeitsverständnisses
4.2 Selbstverantwortung: „Jugend in eigener Sache“
4.3 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Anzahl jüngerer Arbeitslose im Alter von 15 bis unter 25 Jahren

Abbildung 2:Arbeitslosenquote nach Altersgruppe (<25 Jahre) im EU-Vergleich

Abbildung 3: Allgemeine Lebenszufriedenheit der Jugendlichen (nach sozialer Schicht)

Abbildung 4: Wie sehen Jugendliche im Alter von 12 bis 25 Jahren ihre persönliche Zukunft

Abbildung 5: Geräte-Ausstattung im Haushalt

Abbildung 6: Gerätebesitz Jugendlicher

1. Einleitung

„Jugend bedeutet ein Doppeltes: sie ist einmal eine subjektive biographische Lebensphase, in der Aufgaben der inneren Entwicklung, des Lernens, der Identitätsbildung anstehen; sie ist zum anderen eine gesellschaftlich bestimmte Lebenslage, abhängig von gesellschaftlichen Bedingungen und Erwartungen, vor allem aber von der Zukunft und Zukunftsfähigkeit der zentralen Regelungen und Grundlagen unserer Arbeitsgesellschaften“[1], so Richard Münchmeier, Autor der vielbeachteten Jugend-Studie der Shell-AG aus dem Jahre 1997. Er begründet anhand einer empirischen Fallstudie, dass die gesellschaftliche Krise die Jugend erreicht hat. Dabei ginge es Jugendlichen weniger um Probleme der subjektiven biographischen Lebensphase (Identitätsfindung; Partnerwahl; Verselbstständigung), sondern vielmehr um die gesellschaftliche Lebenslage (Massenarbeitslosigkeit; Lehrstellenmangel; Sozialabbau; Verarmungsprozesse). Zunehmend wird die Arbeitslosigkeit als Normalitätserfahrung angesehen. Fast jeder zweite Heranwachsende im Alter von 12-25 Jahren nannte in der 12.Shell-Fallstudie „Jugend von 1997“ als Hauptproblem die Arbeitslosigkeit. Eine Problematik, die uns bis heute und wohlmöglich auch die nächsten Jahrzehnte beschäftigt. In der Wahrnehmung der Begrifflichkeit „Arbeitslosigkeit“ scheint in der gesamten jungen Generation Konsens zu herrschen. Aus Sicht der Jugendlichen bietet die Gesellschaft oftmals eine ungünstige Chancenstruktur, in der man wirtschaftliche, soziale sowie ökologische Versäumnisse früherer Generationen ausbaden müsse. Diese prägende Generationenerfahrung findet sich ebenfalls in der gegenwärtigen Gesellschaftsstruktur wieder, auch wenn sich die Gewichtung der Versäumnisse leicht verschoben haben mag. Beispielhaft als ökologisches Problem der heutigen Generation stellt sich zunehmend die Thematik der Atomenergie und des Atommülls dar. Der heutigen jungen Generation stehen sich im Bereich Beruf und Bildung zwei Komponenten gegenüber: die zunehmend starke Leistungsorientierung [„Abitur als Pflicht“] sowie die ausgeprägten Sozialbeziehungen [„Mein Vater kennt durch einen Bekannten den Geschäftsführer von (…)“; „Facebook-Generation“] und die Wirtschaftskrise sowie die unsicher gewordenen Berufsverläufe und Perspektiven [lediglich Zeitarbeit, Minijobtätigkeiten, Monatsbefristete Arbeitsverhältnisse etc.]. Dennoch gehen die Jugendlichen mit den Herausforderungen in Alltag, Beruf und Gesellschaft eher pragmatisch und optimistisch um (siehe 16.Shell-Fallstudie, 2010). Eine interessante und nachvollziehbare These ist, dass neben der Familie als wohl wichtigsten Bereich der sozialen Identifikation die berufliche Arbeit die soziale Selbstwahrnehmung des modernen, abendländischen Menschen wie kaum ein anderer Bereich bestimmt. „In der gesellschaftlichen Wahrnehmung scheint nichts mehr über die Tüchtigkeit eines Menschen auszusagen als sein beruflicher Werdegang […] “ (Aßländer, 2005, S.5), so bestimmt dieser Auffassung nach die Beschäftigungsfähigkeit in Form eines beruflichen Verdienstes über persönlichen Erfolg (Geschäftsführer eines Unternehmens etc.), im Gegenzug bedeutet Arbeitslosigkeit ein Makel in der gesellschaftlichen Wahrnehmung und persönliches Versagen (z.B. Selektion anhand von überteuerten Wohngebieten). Inwiefern sich diese Gedanken in den Köpfen der Jugendlichen wiederfinden und ob die Beschäftigungsfähigkeit einen solch hohen Stellenwert im Leben der jungen Menschen hat, möchte ich anhand ausgewählter Studien analysieren. Im Rahmen dieser Modularbeit lässt sich diese Thematik lediglich andeuten.

2. Jugendarbeitslosigkeit in der heutige Zeit

Es gab Zeiten in der menschlichen Evolution, da jagte man, statt zu arbeiten, um zu überleben. In der Antike stand man der Arbeit schon skeptischer gegenüber, galt als Müh und Last und wurde der Notwendigkeit geschuldet, für den eigenen Lebensunterhalt zu sorgen. In der modernen, abendländischen Gesellschaft muss man nicht mehr unbedingt jagen oder arbeiten, um zu überleben. Man bekommt in der Regel auch ohne eine Erwerbstätigkeit[2] eine Wohnung sowie Verpflegungsgeld zur Verfügung gestellt. Und dennoch herrscht große Unzufriedenheit unter jüngeren und älteren Menschen, da Arbeit nicht mehr ausschließlich für die Lebenssicherung steht. „Jugendliche verstehen in der überwiegenden Mehrheit Arbeit keineswegs als notwendiges Übel oder ausschließlich als Maßnahme für den Broterwerb, sondern Arbeit ist für sie ein identitätsstiftendes Element im Leben“ (Mansel, J.& Speck, K. (2012, S.22). In Zeiten der Sozial- und Wohlfahrtsstaaten rückt zunehmend die gesellschaftliche Wahrnehmung von Arbeitslosigkeit in den Fokus der Medien, so wird die berufliche Arbeit zunehmend mit der Selbstverwirklichung und Anerkennung in der Gesellschaft verbunden. Mittlerweile werden im Plenum Lösungsansätze diskutiert, wie man die Problematik der Jugendarbeitslosigkeit präventiv, situativ und reaktiv bekämpfen kann. Eine Expertenrunde der Düsseldorfer Initiative für Jugend & Arbeit benennt als oberstes Gebot für die Zukunft „Mehr Optimismus“[3]. Grundlage dieses Gebotes ist die Annahme, dass Pessimismus zu Passivität führe und in Bezug auf Arbeitslosigkeit ein nicht zu bestimmender Faktor sei. Mitunter sollen Zweifler gemieden oder ausgeschlossen werden. Unter dem Aspekt Optimismus sei auch der Mut der jungen Generation gefragt, gewisse Wagnisse einzugehen. Die wohl größten sowie entscheidenden Einflussfaktoren, um in der Gesellschaft eine neue Stimmung zu verbreiten, sind die Medien[4]. Neben diesen Gedankenspielen werden aber auch politische Maßnahmen der Nachbarländer diskutiert. In diesem Kapitel soll eine kurze Bestandsaufnahme von Jugendarbeitslosigkeit anhand von empirischen Ergebnissen vorgenommen werden. Dabei werden auch Daten anderer europäischer Nationen berücksichtigt und analysiert. In den Statistiken über (Jugend-) Arbeitslosigkeit sind die methodischen Unzulänglichkeiten kritisch anzumerken (z.B. Abhängigkeit von rechtlichen Regelungen und Arbeitsmarktreformen; Nichtberücksichtigung von Weiterbildungs- und Trainingskurse; Registrierungspflicht[5] ) sowie arbeitsmarkt- und beschäftigungspolitische Maßnahmen, die die Bilanzen „beschönigen“ können (Zeitarbeit, geringfügige Beschäftigungsverhältnisse). Dies macht einen Vergleich mit den anderen Ländern äußerst schwierig. Vor allem die Begriffsdefinition eines Arbeitslosen sorgt für Verwirrung. So werden laut der Bundesagentur für Arbeit unter Arbeitslosen solche Personen verstanden, welche „[…] vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen oder nur eine weniger als 15 Stunden wöchentlich umfassende Beschäftigung ausüben beziehungsweise eine versicherungspflichtige, mindestens 15 Stunden wöchentlich umfassende Beschäftigung suchen […]“[6]. Diese Definition schränkt die Auswahl ungenügend ein und berücksichtigt nicht jede Gruppe ohne ein zufriedenstellendes [andauerndes und gültiges] Beschäftigungsverhältnis. Die Bedeutung der Beschäftigungsfähigkeit wird hier anhand einer zu leistenden Wochenstundenanzahl festgehalten, die in gesonderten Fällen auf diese Weise nicht erfasst werden kann. „Hinzu kommt, dass die Teilnehmenden an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik nicht als arbeitslos definiert werden. Auf der anderen Seite werden auch Personen als arbeitslos erfasst, die im begrenzten Umfang bereits erwerbstätig […] sind. […]. Die Erwerbs- und Arbeitslage der Jugendlichen stellt sich darauf aufbauend im europäischen Vergleich unterschiedlich dar“[7]. Die aufgeführten Definitionen sollen verdeutlichen, welch unterschiedliche Auffassungen länderübergreifend zur Thematik Arbeitslosigkeit festgehalten werden können, da man diese Definitionen vielerlei deuten und verzerren kann. Eine internationale Vergleichbarkeit fällt nicht nur aufgrund dieser Definitionsunterschiede schwer.

2.1 Der Umgang mit Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland

Vergleicht man die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen von Jugendlichen in den letzten 20 Jahren so zeigt sich, dass die Arbeitslosenquote von jungen Menschen im Alter von 15 bis unter 25 Jahren in wirtschaftlich schwierigen Zeiten besonders ansteigt (siehe Abb. 1). Dies ist damit zu begründen, dass Arbeitgeber in Zeiten wirtschaftlicher Engpässe sich scheuen, Ausbildungsplätze zu besetzen. Charakteristisch dafür das Jahr 2005. Wurden im Zeitverlauf des Jahres 2004 noch rund 75.000 Arbeitslose im Alter von 15 bis unter 20 Jahren verzeichnet, so stieg diese Zahl 2005 auf ein Maximum von etwa 124.000 arbeitslosen Jüngeren, das macht einen Anstieg von 65%. Auch wenn der prozentuale Anteil von Arbeitslosen Jüngeren im Alter von 15- bis unter 25-Jährigen vergleichsweise gering ist (ca. 23%), so stieg die absolute Anzahl im gleichen Zeitraum um knapp 115.000 auf über 620.000 arbeitslose Heranwachsende. Bei solch erschreckenden Werten bemühen sich wiederum die politischen Verantwortlichen in Deutschland um effektive sowie schnell wirkende lokale und nationale Maßnahmen. Zum einen werden Jugendliche einer bestimmten Zielgruppe in arbeitsmarktpolitischen Fördermaßnahmen aufgefangen (Berufliche Weiterbildung etc.). „Zum anderen variieren aber auch die Jugenderwerbs- bzw. Arbeitslosenquoten zum Teil erheblich nicht nur nach der wirtschaftlichen Prosperität[8] der Region sowie dem Qualifikationsniveau der Jugendlichen“[9]. Zu diesen Kategorien zählen: Regionale Herkunft; Risikofaktoren [gemeint geringe schulische Bildung/ ohne berufliche Ausbildung]; Zunahme atypischer Arbeitsverhältnisse [Zeitverträge etc.]; Arbeitslosigkeit als normale Episodenerfahrung; Zunahme von Erfahrungen mit Langzeitarbeitslosigkeit; Hartz-IV-Bezug als Normalitätserfahrung[10]. Die letzten drei Kategorien befassen sich nahezu ausschließlich mit der Normalitätserfahrung von Arbeitslosigkeit. Dass sich die Bedeutung von der Beschäftigungsfähigkeit in diesem Zusammenhang gewandelt

Abbildung 1: Anzahl jüngerer Arbeitslose im Alter von 15 bis unter 25 Jahren

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit 2013, Arbeitslosigkeit im Zeitverlauf; Datenbasis: Januar 2013, Tabellengrundlage 2.4.1.

hat, deuten einige Autoren an (u.a. Aßländer, 2005). Fakt ist, dass aus Studien[11] hervorgeht, dass Jugendarbeitslosigkeit schon 1997 als größte Angst unter jungen Menschen empfunden wurde. Dabei sollte man aus dem Blickwinkel der Jüngeren berücksichtigen, dass vor der durchgeführten Shell-Studie „Jugend 97“ die Jugendarbeitslosigkeit binnen zwei Jahren (Erfassungszeitraum 1995-1997) von 9,5% auf 12,2% stieg. Auch wenn sich die statistischen Werte in Deutschland seit dato wie in kaum einem anderen europäischen Land verbesserten [der prozentuale Anteil an arbeitslosen Jüngeren im Alter von 15- bis unter 25-Jährigen halbierte sich in der Zeitspanne von 1997 bis 2012 von 12,2% auf 6,0%], scheint die Debatte Jugendarbeitslosigkeit längst noch nicht am Ende. Dies liegt vor allem in den sich verändernden sozialen und moralischen Werthaltungen von „Arbeit“ der heutigen Gesellschaft begründet.

2.2 Der Umgang mit Jugendarbeitslosigkeit in der EU

Wenn man die Jugendarbeitslosigkeit in den europäischen Ländern miteinander vergleicht, muss man neben der differenzierten Auffassung von Arbeitslosigkeit und Erwerbslosigkeit auch die unterschiedlichen politischen, wirtschaftlichen, ökonomischen, ökologischen und sozialen Entwicklungen berücksichtigen. Im Folgenden soll der Fokus aber nicht in den Ursachen von Jugendarbeitslosigkeit liegen, sondern vielmehr darin, wie einzelne Nationen versucht haben, die Arbeitslosigkeit der jungen Generation aufzuhalten und zu bekämpfen. „Für die Durchschnittsbetrachtung ist die Aussage zutreffend, dass mit steigendem Bildungsniveau das Risiko bzw. die Wahrscheinlichkeit der Arbeitslosigkeit abnimmt“[12]. Die Folge dessen war, dass es unabhängig von konjunkturellen Schwankungen der letzten Jahrzehnte zu einer Bildungsexpansion kam. Zudem nahm ein Großteil der Jugend neben dem Pflichtschulbesuch an weiterführenden Bildungsgängen teil. Die Übergangsphase in das Berufs- und Arbeitsleben hat folglich in allen Ländern an Zeitdauer, Vielfalt, Flexibilität und Komplexität zugenommen. Dennoch erfahren viele ausgebildete und studierte Heranwachsende den Status der Arbeitslosigkeit. Und dass der „[…] andauernde Ausschluss von der Erwerbsarbeit in der für die Persönlichkeitsentwicklung formativen Phase Jugend negative Folgen für das Selbstbild, das Selbstwertgefühl und die Ausbildung der eigenen Identität haben kann“[13], lässt sich auch anhand der eigen Person nachvollziehen. Es bilden sich viele verschiedene Jugendliche mit verschiedenen Situationen und Problemen heraus: So wurde in einigen europäischen Ländern „Individualisierung“ als konzeptionelle Neuorientierung mit dem zentralen Bestandteil der Selbstverantwortung, Selbstverwirklichung und Anerkennung erprobt. In Großbritannien wurde neben der subventionierten Förderung von Praktikumsstellen und der beruflichen Ausbildung von Jugendlichen im Jahre 1998 das Programm „New Deal“ beschlossen. Der „New Deal“ als Bündel vielfältiger Maßnahmen für 18- bis 25 jährige nicht Berufstätige hatte zum Ziel, die jungen Leute aus dem Sozialhilfesystem in das Arbeitsleben einzugliedern. Mit Erfolg, denn die Hälfte der Absolventen konnten in nicht subventionierte Arbeitsverhältnisse übernommen werden. Ein Grund für den Erfolg war, dass im Vergleich zu Deutschland das britische System weniger reglementiert ist [nach dem 16. Lebensjahr gibt es keine Aus- und Weiterbildungspflicht] und der Arbeitsmarkt weniger strukturelle Barrieren aufweist[14], daher lässt sich der „New Deal“ kaum auf Deutschland übertragen. In den Niederlanden trat 1992 für Jugendliche und junge Erwachsene bis zum 27. Lebensjahr das „Gesetz zur Garantie der Jugendarbeit“ (JWG) in Kraft. Jugendliche erhielten damit eine Garantie für einen staatlich finanzierten JWG-Arbeitsplatz. Eine Maßnahme, die vor allem dann für Jugendliche verpflichtend war, sobald diese länger als ein halbes Jahr arbeitslos waren. Diese Arbeitsstellen wurden in öffentlichen Einrichtungen, im Bildungsbereich und im Dienstleistungssektor geschaffen. Diese Integration der Jugendlichen in den regulären Arbeitsmarkt berücksichtigte nicht alle Randgruppen (z.B. Obdachlose; Ausbildungsabbrecher…) und schränkt die Ermöglichung einer eigenen, freien Arbeitsidentität ein (nur ausgewählte Arbeitsstellenbereiche), erhöht aber die Chancen für den allgemeinen

Abbildung 2:Arbeitslosenquote nach Altersgruppe (<25 Jahre) im EU-Vergleich

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eurostat (2012), Datenbasis: Arbeitslosenquote nach Altersgruppe. Download über http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/employment_unemployment_lfs/data/main_tables (Stand: 07.02.2013)

Arbeitsmarkt. Das JWG ist eine der Gründe, warum sich die Jugendarbeitslosenquote in den Niederlanden kontinuierlich auf einem geringen Niveau befindet (siehe Abb. 2). In Dänemark gibt es eine Vielzahl an präventiven Maßnahmen gegen Jugendarbeitslosigkeit, seien es Bildungsangebote, Berufsberatungen, Beschäftigungsprojekte, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, vor allem im öffentlichen Sektor, Subventionen an Arbeitsgeber für Lehrlingsbeschäftigung etc. Im Jahre 1996 wurde ein „Programm gegen Jugendarbeitslosigkeit (YUP) für arbeitslose gering qualifizierte Jugendliche bis 25 Jahren zur Verbesserung ihrer Beschäftigungsmöglichkeiten und zu ihrer Bildungsmotivierung eingerichtet“ (Richter, I. & Sardei-Biermann, S.,2000, S. 225). Schon damals verstanden es die Dänen, mit „Mehr Optimismus“ unter dem Aspekt „Aktivierungsansätze“ ein spezielles, individualisiertes Programm für Jugendliche zu entwickeln. Eine weitere gezielte Strategie zur Aktivierung der jungen Arbeitslosen war die „Arbeitslosenversicherung“, bei der man Unterstützung nur gegen aktive Bildung, Ausbildung und Beschäftigung gewährleistet bekommt. Die Arbeitslosenquote in Dänemark konnte im Zeitraum von 1999 (9,1%) bis 2008 (8,0) kontinuierlich gesenkt werden, stieg aber in den letzten Jahren aufgrund der wirtschaftlichen Misslage bis auf 14,3 % an (siehe Abb. 2). In Finnland hatte der Zusammenbruch der Handelsbeziehungen (vor allem mit der damaligen Sowjetunion) erheblichen Einfluss auf die Jugendarbeitslosigkeit (im Zeitraum von 1990 bis 1991 von 9,3% auf 16,3 %)[15].Neben subventionierten Bildungsprogrammen, Ausbildungsstellen, Colleges, Beschäftigungsprogrammen und dem zwischenzeitlichen Programm „Alternativen zur Arbeitslosigkeit“ konnte die Jugendarbeitslosigkeit nicht gesenkt werden. Dem finnischen System fehlen gegenwärtig alternative Modelle zur Bekämpfung dieser Problematik (Vgl. Richter & Sardei-Biermann, 2000). In der Schweiz und in Österreich wurde seit Ende der 90er Jahre eine Vielfalt von berufsbildungs- und arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen entwickelt, um Beruf und Schule einander näher zu bringen. In Österreich wurde 1998 das Jugendausbildungs-Sicherungsgesetz (JASG) verabschiedet, gegenwärtig auch in Deutschland ein Auffangnetz für Lehrstellensuchende, welches jeweils staatlich subventioniert ist. Ziele des JASG sind die Verbesserung der Rahmenbedingungen (Kapazitäten etc.) für die duale Ausbildung sowie der Zugang zu einer Ausbildung. Zudem wurde in vielen Bereichen Österreichs das duale System auf ein triales Modell (Ausbildung in einer Bildungseinrichtung, in Berufsschule und im Betrieb) ausgeweitet. Vergleicht man die Jugendarbeitslosenquoten der einzelnen Länder zum EU-Durchschnitt, so fällt auf, dass die Werte von Deutschland, der Niederlande und Österreich prozentual unter der Hälfte des EU-Durchschnitts liegen und somit idealerweise Leitbilder zur Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit liefern können (siehe Abb. 2).

[...]


[1] Münchmeier, R. (1998). Die Bedeutung von Arbeit und Arbeitslosigkeit für deutsche Jugendliche-Ergebnisse aus der Shell Jugendstudie ´97-. In: Grothe, C./ Maenning,W. (Hrsg.). Jugend &Arbeit. Die Düsseldorfer Thesen. S. 17

[2] Def. nach der ILO: „Jede Person im erwerbsfähigen Alter, die in einem einwöchigen Berichtszeitraum mindestens eine Stunde gegen Entgelt oder […] gearbeitet hat.“ Statistisches Bundesamt (2012)

[3] Vgl. Groth & Maennig (1998), S.7

[4] Vgl. Jim-Studie (2011)

[5] Vgl. Mansel,J./ Speck,K. (2012a), S. 12-25

[6] Bundesagentur für Arbeit (2012) Download über: http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Grundlagen/Datenstandard-XSozial/Handbuch/Generische-Publikationen/Handbuch-Arbeitslose-und-Arbeitsuchende-V10.pdf (Stand: 14.02.2013)

[7] Mansel,J./ Speck,K. (2012b), S. 16

[8] (vom lat. für Gedeihen) ist ein wirtschaftswissenschaftlicher Ausdruck. Quelle: http://de.wikipedia.org/ wiki/Prosperit%C3%A4t (Stand: 05.02.2013)

[9] Mansel,J./ Speck, K. (2012c), S.19

[10] Vgl. Mansel,J./ Speck,K. (2012d), S.19-21

[11] Vgl. Shell-Studie „Jugend 97“

[12] Richter I. & Sardei-Biermann, S. (2000), S. 19

[13] Mansel, J. & Speck, K., 2012, S. 22

[14] Vgl. Richter, I. & Sardei-Biermann, 2000

[15] Vgl. Eurostat (2012)

Details

Seiten
23
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668679764
ISBN (Buch)
9783668679771
Dateigröße
578 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v419326
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,7
Schlagworte
gesellschaftliche Wahrnehmung Jugendarbeitslosigkeit Shell-Studie Jim-Studie Generation Probleme Jugend

Teilen

Zurück

Titel: Die gesellschaftliche Wahrnehmung von Jugendarbeitslosigkeit