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Freiheit des Selbstbewusstseins. Hegels Begriff von Herrschaft und Knechtschaft in der "Phänomenologie des Geistes"

von G. Diken (Autor)

Hausarbeit 2016 9 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Hegelsche Methode

3. Die Wahrheit der Gewissheit seiner selbst: Der Weg des Bewusstseins durch die Bewegung der Erfahrung
3.1 Die Verdoppelung des Selbstbewusstseins

4. Selbstständigkeit und Unselbstständigkeit des Selbstbewusstseins: Herrschaft und Knechtschaft
4.1 Beidseitige Anerkennung
4.2 Der Kampf um Leben und Tod
4.3 Die Abhängigkeit zwischen Herr und Knecht: Der Weg zur Freiheit

5. Fazit

1. Einleitung

Das Wort Phänomenologie leitet sich aus den griechischen Wörtern phainomenon (Erscheinung) und logos (Wort/Lehre) ab. Bei Hegels „Phänomenologie des Geistes“ handelt es sich also um einen Versuch, die Erscheinungsweisen des Geistes systematisch zu beschreiben. Der Aufbau der Phänomenologie folgt in insgesamt acht Kapiteln in den verschiedenen Erscheinungsformen des Geistes. Hegel untersucht dabei wie das Subjekt zur Erkenntnis gelangt, in dem den Weg von der sinnlichen Gewissheit bis hin zum absoluten Wissen beschreibt. Zu den bekanntesten Stellen in der Phänomenologie des Geistes gehört der Abschnitt über das in Herr und Knecht gespaltene Selbstbewusstsein. Hegel weist den beiden Teilen die Eigenschaften zweier antiker Ideologien zu: der Stoiker (Herr) und der Skeptiker (Knecht). Diese Schlüsselstelle zeigt, dass Hegel die Entwicklung des Geistes nicht nur individualpsychologisch, sondern immer auch menschheitsgeschichtlich betrachtet.

In der vorliegenden Arbeit möchte ich den Abschnitt Herrschaft und Knechtschaft untersuchen. Hierfür werde ich zunächst die Methode Hegels und die Entwicklung des Bewusstseins zum Selbstbewusstsein darstellen. In anschließenden Kapitel Herr und Knecht möchte ich das Verhältnis der dargestellten Selbstbewusstseine erläutern und die Entwicklung bis hin zur Selbstständigkeit des Knechts aufzeigen. Im Zentrum dieser Arbeit steht hierbei die Frage, durch welche Komponenten die Befreiung des Knechts herbeigeführt werden.

2. Die Hegelsche Methode

Das Prinzip der Hegelschen Methode ist die dialektische Aufhebung. Hegel spricht hierbei von einer Aufhebung des An-sich-seins und des Für-sich-seins in ein An-und-für-sich-sein. Es handelt sich hierbei um eine Aufhebung im dreifachen Sinne, die er wie folgt darstellt: Aufhebung im Sinne von Negation/Beendigung, Aufhebung im Sinne von einer Höherentwicklung, und Aufhebung im Sinne von Aufbewahren. Hegel sieht die Wirklichkeit in einer dialektischen Bewegung mit der sie fortschreitet. Die Dialektik ist für ihn nicht nur eine Denkmethode, sondern auch das Prinzip, das die Natur befolgt, beispielsweise die historische Entwicklung der Menschheit. Das Leben entwickelt sich durch Widersprüche und den daraus folgenden Einheiten, und bleibt gleichzeitig auch immer Widerspruch und Einheit.

3. Die Wahrheit der Gewissheit seiner selbst: Der Weg des Bewusstseins durch die Bewegung der Erfahrung

Hegel beschreibt das Bewusstsein von Anfang an als absolut, auch schon als nur sinnliche Gewissheit. Das Bewusstsein ist sich jedoch seiner selbst noch nicht Gewiss, das heißt es weiß noch nicht, dass es absolut ist. Es ist noch kein Selbstbewusstsein; also noch „an sich“ und noch nicht „an und für sich“. Durch den Weg der Erfahrung über einen dialektischen Prozess wird das Bewusstsein zum Selbstbewusstsein. Der dialektische Prozess findet zum einen an seinem Wissen, und zum anderen am entsprechenden Gegenstand statt. Die dialektische Bewegung, aus der ein neuer wahrer Gegenstand entspringt, nennt Hegel Erfahrung. Das heißt also, dass durch Erfahrung ein neues Wissen entsteht, und sich somit auch der Gegenstand beziehungsweise der Blick auf den Gegenstand verändert. Somit ist es also die Erfahrung, die den ersten Gegenstand vom zweiten erkannten Gegenstand differenziert. Diese Differenz beinhaltet auch den dialektischen Prozess, nämlich die Auflösung des Widerspruchs von gemeintem und später erkanntem Wahren. Dieser Widerspruch zwischen dem erkannten Gegenstand und dem wirklichen Gegenstand ist stets vorhanden, sodass jedes Mal, wenn das Bewusstsein versucht eine eigene Einheit und eine Einheit des Gegenstandes zu finden, die folgende Diskrepanz umso größer ist. Der Erfahrungsprozess besteht somit daraus, immer neue Einheiten aus Widersprüchen zu schaffen. Es ist also ein dialektischer Prozess, der implizit durch Widersprüche vorangetrieben wird.

3.1 Die Verdoppelung des Selbstbewusstseins

Während die sinnliche Gewissheit einen Gegenstand in seiner Ganzheit erfasst und die Wahrnehmung ihn in Eigenschaften aufgliedert, ist es die Aufgabe des Verstandes, das Ding hinter den Eigenschaften zu erkennen, um sich hieraus einen Begriff machen zu können. Als Kategorie wirkt hierfür die Kraft. Sie ist es, die das Innere der Gegenstände ausmacht. Die Kraft ist wesentlich stets doppelt vorhanden, und zwar als Kraft und Gegenkraft, die sich wechselseitig beeinflussen. Erfassen und durchschauen kann die Kraft und ihre Gesetze nur der Verstand. Wenn der Verstand hinter die sinnliche Welt blickt und die Kraft dahinter entdeckt, erfährt er von seinem Wissen. Er wird zum Selbstbewusstsein, zum Wissen um sich selbst. Das Selbstbewusstsein als für-sich-seiendes Wesen wird angetrieben von der Begierde. Diese Begierde bezieht sich auf einen unmittelbaren Gegenstand der sinnlichen Gewissheit und des Wahrnehmens. Somit hat das Bewusstsein als Selbstbewusstsein einen doppelten Gegenstand, den unmittelbaren Gegenstand und sich selbst. Es sieht in ihm jedoch kein anderes Wesen, sondern lediglich sich selbst und hebt es daher doppelsinnig auf, um sich selbst darin wiederzufinden. Daraufhin findet es zu sich selbst und lässt das andere Selbstbewusstsein somit frei. Durch die Befriedigung der Begierde nach dem Gegenstand in Form von Vernichtung oder Veränderung, erlangt es seine wahre Gewissheit über sich selbst, macht aber auch die Erfahrung von der Selbstständigkeit seines Gegenstandes. Dieser Gegenstand hat somit ein eigenes Selbstbewusstsein, welches sich im Selbstbewusstsein realisiert. Es „ist ein Selbstbewusstsein für ein Selbstbewusstsein.“[1] Das Selbstbewusstsein zeichnet sich sowohl durch das aus, wovon es sich unterschieden hat, als auch durch das von diesem Unterschiedene. Somit ist es gleichzeitig Gegenstand und auch Unterschiedenheit. Dadurch entstehen im Selbstbewusstsein zwei Extreme. Die Mitte dieser Extreme ist das Selbstbewusstsein selbst.

4. Selbstständigkeit und Unselbstständigkeit des Selbstbewusstseins: Herrschaft und Knechtschaft

4.1 Beidseitige Anerkennung

Das Selbstbewusstsein realisiert sich also nur als ein bloß Lebendiges als Begierde. Es findet seine Befriedigung als Selbstbewusstsein aber nur in seiner Realisierung als Selbstbewusstsein.[2] Diese Realisierung findet es an sich nur in einem anderen Selbstbewusstsein. Damit wäre der Begriff des Geistes erlangt. Die beiden Selbstbewusstseine sind zwar füreinander existent, erkennen sich aber nicht gegenseitig als selbstständige für-sich-seiende Wesen an. Das Selbstbewusstsein braucht seine Einheit, die es nur in der gegenseitigen Anerkennung der beiden Extreme erfährt. Diese Einheit entsteht nur in und durch die Anerkennung des Anderen. Das Bewusstsein wird sich somit nicht nur seiner selbst, sondern auch der Gewissheit des anderen seiner selbst gewiss. Das Selbstbewusstsein wird nicht wie zuvor mit einem unmittelbarem Gegenstand, sondern mit einem für-sich-Seienden Selbstständigem konfrontiert:

„Das Selbstbewusstsein ist an und für sich, indem und dadurch, dass es für ein Anderes an und für sich ist; d.h. es ist nur als ein Anerkanntes.“[3]

[...]


[1] Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Phänomenologie des Geistes. Frankfurt am Main, 1970. S. 144

[2] Vgl. Ebenda

[3] Ebenda, S. 145

Details

Seiten
9
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668679542
ISBN (Buch)
9783668679559
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v419310
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Philosophie
Note
2,0
Schlagworte
Hegel Phänomenologie des Geistes Herrschaft und Knechtschaft

Autor

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    G. Diken (Autor)

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