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Vom Minnekonflikt zum Generationenkampf in Rudolf von Ems' Werk "Willehalm von Orlens"

Seminararbeit 2017 28 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. biographischer Abriss zu Rudolf von Ems

3. Zusammenfassung des Inhaltes von ‚Willehalm von Orlens‘

4. Minne und Minnesang im mittelalterlichen Kontext

5. Minnekonflikte und daraus resultierende Generationenkonflikte im ‚Willehalm‘
5.1. Buch I
5.2. Buch II
5.3. Buch III
5.4. Buch IV
5.5. Buch V

6. Fazit

7. Bibliographie
7.1. Quellen
7.2. Sekundärliteratur

1. Einleitung

Die Geschichte ist gezeichnet von Konflikten zwischen den Generationen. Die ‚Älteren‘, die es immer gut meinen mit den ‚Jungen‘ und die ‚Jungen‘, die immer alles besser wissen als die ‚Älteren‘. Derartige Konflikte bestehen vermutlich seit Beginn der Menschheit und sind auch im 21. Jahrhundert alles andere als ein Relikt der Vergangenheit. Besonders verworren und in teils extremen Ausmaßen gestaltete sich der Generationenkonflikt im Mittelalter. Hierbei war es oft vor allem der Kampf zwischen (Schwieger-) Vater und Sohn, zwischen Alt und Jung, zwischen ‚Familienoberhaupt‘ und ‚Anwärter‘ auf dieses Amt, der teils tiefe Furchen zog.

Wer kennt nicht die verzweifelten Taten des Liudolf, der sich gegen seinen Vater König Otto erhob, um nicht die Nachfolge und den Anspruch auf den Thron zu verlieren, oder die gewalttätigen Kämpfe eines Richard Plantagenet – später besser als ‚Löwenherz‘ bekannt – gegen seinen Vater König Heinrich II. von England? Entsprechende Auseinandersetzungen finden sich aber nicht nur bei männlichen Vertretern, sondern auch bei den Frauen, wie etwa der brodelnde Konfliktherd zwischen Mathilde von Quedlinburg und ihrer Schwiegertochter Adelheid von Burgund, welche wiederum eine Rivalin in ihrer Schwiegertochter Theophanu von Byzanz sah. Aber nicht nur in der Historie selbst, sondern auch in den legendenhaft-fiktiven Geschichten und Erzählungen des Mittelalters findet sich eine ähnliche Dramatik. Wie etwa bei Gottfried von Straßburgs ‚Tristan‘, wo sich der Knecht in die Frau seines Onkels und Königs verliebt, oder aber bei Rudolf von Ems' ‚Willehalm von Orlens‘, dessen konfliktreiche Geschichte Gegenstand dieser Arbeit ist.

Bei Willehalm – so die These für diese Auseinandersetzung – entsteht der Konflikt zwischen den Generationen aus einem Minnekonflikt heraus. Daher steht die folgende Arbeit unter dem Titel: Der Minnekonflikt und die daraus resultierenden Generationenkonflikte im Werk ‚Willehalm von Orlens‘ des Rudolf von Ems.

Dabei sollen folgende Fragen als Leitmotive und Rahmenkonstrukt dienen: Wie und wann entsteht aus dem Minnekonflikt ein Generationenkonflikt? Treten diese Auseinandersetzungen offen in Erscheinung oder finden sie im nichtöffentlichen Bereich statt? Wer ist der Verursacher dieses Minne- und Generationenkonfliktes?

Für die vorliegende Abhandlung wurde folgende Literatur in besonderem Maße herangezogen und soll somit vorab vorgestellt werden. Zur Vorstellung der Person des Autors, Rudolf von Ems, wurden im Besonderen Xenja von Ertzdorff, Horst Brunner und Max Wehrli herangezogen. Die Willehalm-Erzählung ist bislang nicht ins Neuhochdeutsche übersetzt worden, sondern liegt nur in der mittelhochdeutschen Edition beziehungsweise in den Handschriften Rudolfs von Ems vor. Entsprechend wurden die mittelhochdeutschen Zitate für diesen Diskurs anhand der Textausgabe von Victor Junk herangezogen.[1] Diese ist auf der Seite der Universität Heidelberg als Permalink online zugänglich. Ertzdorff widmet sich in ihrer Habilitationsschrift dem höfischen Roman im 13. Jahrhundert und bezieht sich dazu auf die Person Rudolfs von Ems.[2] Horst Brunner liefert mit seinem Werk in der Reclam-Ausgabe einen wesentlichen Überblick über die Literatur und das literarische Schaffen in der mittelalterlichen Epoche.[3] Dasselbe gilt für Wehrli, der ebenfalls einen epochenübergreifenden Ansatz liefert und dabei exemplarisch auf einzelne Autoren näher eingeht.[4] Zum Diskurs der Minne wurden vor allem die C.H. Beck Ausgabe „Ehre und Mut, Âventiure und Minne“[5] unter der Herausgabe von Otfrid Ehrismann, die Monographie „Minnesang im 13. Jahrhundert. Eine Einführung“[6] von Gert Hübner sowie Günther Schweikles Beitrag „Minnesang“[7] in den Realien zur Literatur herangezogen. Für die Auseinandersetzungen und Handlungsabläufe im Hauptteil wurden als diskursive Unterstützung vor allem Franziska Wenzels „Situationen höfischer Kommunikation“[8] zur Verortung der Öffentlichkeit beziehungsweise Nichtöffentlichkeit der Konflikte, Otfried Ehrismann und Albrecht Classens Werk „Ehre und Mut, Âventiure und Minne“[9] zu den Tugenden und den Handlungen Wilhelms, sowie Gudrun Aker zur Position und Rolle der Frau im Kontext höfischer Bewährung herangezogen.[10]

Im Vorfeld der Abhandlung wurde zum besseren Verständnis des Diskurses zunächst ein Überblick über die Person des Autors gegeben. Des Weiteren findet sich unter Punkt drei eine Einführung zur Minne und zum Minnesang, um ein Rahmenwissen des zu behandelnden Inhalts zu gewährleisten, bevor auf den textuellen Inhalt des ‚Willehalm von Orlens‘ unter den gestellten Leitfragen eingegangen wurde.

2. biographischer Abriss zu Rudolf von Ems

Rudolf von Ems gilt heute als einer der bedeutendsten Autoren des 13. Jahrhunderts.[11] Dennoch ist über sein Leben nur wenig Wissen gesichert. Ertzdorff legt die Vermutung nahe, dass Rudolf dem Geschlecht der Grafen von Hohenems entstammte, welche ihren Sitz im heutigen Vorarlberg hatten.[12] Bei Wehrli wird zusätzlich darauf verwiesen, dass diese ursprünglich als Ministerialen im Dienste der Herren von Montfort standen.[13] Wann genau Rudolf von Ems geboren wurde, ist nicht bekannt. Allerdings dürfte er eine äußerst umfassende Bildung in einer der lateinischen Klosterschulen der Vorlande genossen haben.[14] Etwas näher bekannt, sind die Sterbedaten, wenn auch nur auf ein Jahrzehnt eingegrenzt, so starb Rudolf vermutlich zwischen 1250 und 1260.[15] Seine Schaffenszeit wird entsprechend zwischen 1220 und 1250 angesiedelt.[16] Durch Gönner und Mäzene „in seiner näheren Heimat“[17] schuf Rudolf seine ersten Werke ‚Der gute Gerhard‘ sowie ‚Barlaam und Josaphat‘. Der ‚Willehalm von Orlens‘ liegt nach 1235 vor. Auftraggeber des literarischen Werkes war der staufische Beamte Konrad von Winterstetten, der in den Diensten Kaiser Friedrichs II. stand.[18] Dieser Konrad von Winterstetten zählte zu den mächtigsten Reichsministerialen seiner Zeit und bekleidete zudem als Berater und Erzieher der jungen Könige Heinrich und Konrad eine außerordentlich wichtige Rolle im Heiligen Römischen Reich.[19] Das literarische Fundament für den ‚Willehalm von Orlens‘ erhielt Rudolf von Johannes von Ravensburg, welcher die Geschichte oder ein Exemplar davon aus Frankreich mitbrachte.[20] Auf Basis dieses Textes schrieb Rudolf „eine Art Fürstenbiographie“,[21] welche mit lehrbuchhaftem Charakter versucht dem Lesenden zentrale Themen wie etwa das richtige höfische Verhalten, den Minnedienst, das Waffenhandwerk oder politisches Verhandeln zu vermitteln.[22]

Viele Mediävisten und Historiker sehen im textlichen Protagonisten Wilhelm von Orlens eine verschriftlichte Form von König Wilhelm dem Eroberer.[23] Nach Brunner zu urteilen, hebt sich Rudolf unter anderem von den vorhergehenden Autoren und jenen seiner Zeit ab, weil er historisch-fundierte Stoffe in seinen Werken verarbeitete, jedoch ging es den mittelalterlichen Romanautoren und Rudolf von Ems dabei nicht um eine objektiv historische Erkenntnis, sondern die „Historie gab vielmehr eine Vorstellung von der eigenen Stellung innerhalb der Welt- und Heilsgeschichte“.[24]

3. Zusammenfassung des Inhaltes von ‚Willehalm von Orlens‘

Gleich zu Beginn des Romans verliert der junge Wilhelm beide Elternteile. Am Tag seiner Geburt wird nämlich sein Vater Willehalm von Jofrit von Brabant erschlagen, seine Mutter stirbt nur wenig später, als sie den Leichnam ihres Gatten sieht. Jofrit nimmt sich schuldbewusst des Säuglings an und übernimmt in der Folge die Erziehung des Knaben bis zu jenem Tag, an welchem Wilhelm die Wahrheit über seinen vermeidlichen Ziehvater erfährt. Von nun an hegt er plötzlich den Wunsch an den englischen Königshof zu reisen, um dort seine Ausbildung fortzusetzen. In London angekommen wird Wilhelm von König Rainher prompt als Spielgefährte dessen Tochter Amelie zugeteilt, in welche sich Wilhelm während seiner Dienstjahre verliebt. Die Königstochter steht Wilhelms Zuneigung zunächst jedoch abweisend gegenüber. Dieses Verhältnis ändert sich erst als Wilhelm schwer erkrankt. Den Tod des Spielkameraden fürchtend, entschließt sich Amelie von da an die Werbung anzunehmen, wenn Wilhelm die Ritterwürde erlangt. Nach rascher Genesung zieht dieser daher zurück nach Frankreich, erhält die Schwertleite und beweist sich in zahlreichen Turnieren – unter anderem gegen König Gilbert von Aragon und gegen König Avenis von Spanien.

Um mit Amelie die Kommunikation aufrecht erhalten zu können, wird zwischen den Liebenden der Diener Pitipas als Bote eingesetzt. Eines Tages berichtet Pitipas seinem Herrn jedoch, dass Amelie auf Wunsch des englischen Königs und aus staatspolitischen Interessen mit König Avenis von Spanien verheiratet werden soll. Auf diese Hiobsbotschaft hin reist Wilhelm mit einigen anderen Rittern zurück nach England und versucht die Königstochter zu entführen. Die Könige Rainher und Avenis schaffen es jedoch das Paar einzuholen und Wilhelm gefangen zu nehmen. Wilhelms Strafe heißt Verbannung. Er wird des Reichs verwiesen und dürfe so lange nicht zurückkehren, bis der König selbst ihn rufe. Zudem wird ihm ein Sprechverbot auferlegt, welches nur Amelie brechen kann und der Speerschaft, der ihn im Kampf verletzte, bleibt in der Wunde stecken, um zu signalisieren, dass Wilhelm eine der ritterlichen Tugenden gebrochen hat.

Wilhelm gelangt auf seiner anschließenden Irrfahrt zu den Königen von Cornwall und Norwegen. Dort befreit ihn eine Königstochter von dem Speer und er hilft dem norwegische König Amýlot in einem Kampf gegen dessen Gegner. Auf einer Insel trifft Wilhelm schließlich die Äbtissin Savine und befreit diese von ihrer Zinspflicht. Da Savine die Schwester des englischen Königs Rainher ist, erfährt Amelie von Wilhelms Taten und beschließt ihn zu treffen. Auf einem Fest am norwegischen Königshof trifft sich das Liebespaar wieder, Amelie erlöst Wilhelm von seinem Schweigen und sie feiern gemeinsam Hochzeit.

Endlich ruft auch König Rainher Wilhelm zurück. Am Hof in London erhält Wilhelm zudem die Ländereien seines Ziehvaters Jofrit, der sich in ein Kloster zurückzieht. Jahre später fällt Amelie und Wilhelm auch noch das englische Königreich zu, welches sie weise und gerecht regieren.

4. Minne und Minnesang im mittelalterlichen Kontext

Der Begriff der ‚Minne‘ gehört zu jenen Begrifflichkeiten, die unser heutiges Verständnis beziehungsweise unsere heutige Sicht auf das Mittelalter stark beeinflussen. Die Minne war jenes ‚Zauberwort‘, welches das Bild des blutrünstigen Kriegers in jenes des schwärmenden Ritters verwandelte, der eine höher gestellte Frau ohne Wenn und Aber besang.

Der deutsche Minnesang kam im 12. Jahrhundert zunächst „im bayrischen und österreichischen Donauraum“[25] auf und entstammte vermutlich französisch-aquitanischen Vorbildern: den okzitanischen Trobadors.[26] Allerdings beschreibt das Wort ‚Minne‘ nicht (nur), wie heute allgemein angenommen wird, die ‚höfische Liebe‘, welche gezeichnet ist von verzweifelter Sehnsucht nach der unerreichbaren vrôwe. Das semantische Spektrum reichte von einfacher Freundlichkeit bis hin zur religiösen Ekstase.[27] Die Grundbedeutung des Wortes ‚Minne‘ von Althochdeutsch minna ist – laut Günther Schweikle – „freundliches Gedenken“.[28] Dieser Übersetzung ins Neuhochdeutsche schließt sich auch die Mediävistin Katharina Boll an. Bei ihr wird der Begriff „minne“ als „liebendes Gedenken“[29] definiert. Boll betont jedoch zugleich, dass es sich bei der Minne um eine Art semantische Leerstelle handelt, da eine genaue Definition beziehungsweise Konnotation des Begriffes von Autor zu Autor differiert.[30] Dennoch etablierte sich der Minnebegriff in der Romantik als ein, auf die ‚höfische Liebe‘ fokussierter.[31] Diese Konnotation haftet dem Wort bis heute an. Minne und Minnesang werden somit grundsätzlich als Liebeslyrik eingestuft. Für den hier angeführten Diskurs rund um Rudolfs von Ems ‚Willehalm von Orlens‘ trifft diese Konnotation beziehungsweise die semantische Definition des Wortes ‚Minne‘ für ‚höfische Liebe‘ zu. Die Minnesänger formten diesbezüglich den in vielen Texten angesprochenen Frauendienst. Das bedeutet, der Ritter dient[32] bedingungslos einer höher gestellten Dame und wirbt um deren Gunst und Liebe.[33] Im Regelfall ist diese Hingabe eine unerwiderte Liebesgeschichte. In vielen Liedern der sogenannten ‚Hohen Minne‘ wird die Frau vom werbenden, lyrischen-Ich als „gleichgültig, hochmütig, unnahbar, abweisend, ja feindselig“[34] stilisiert. Der Autor erhebt sie in eine noch höhere ethisch-gesellschaftliche Position, verleiht ihr den Status einer Minneherrin und versucht sich in der Folge durch minnehafte Bemühungen zu bewähren.[35] Als Lohn erhofft sich der Werbende eine entsprechende Zuwendung der vrôwe, welche nicht zuletzt die „sexuelle Zuwendung der Dame“[36] beinhaltet. Aber Ziel diese Art ‚Bewährungsminne‘ ist ebenso ein Bestehen beziehungsweise Bewältigen trotz Hoffnungslosigkeit, um dadurch ein höheres Ansehen und gesteigertes Prestige zu erlangen,[37] oder um eine ethische Vervollkommnung zu erstreben.[38]

5. Minnekonflikte und daraus resultierende Generationenkonflikte im ‚Willehalm‘

5.1. Buch I

Da der Roman als Fürstenlehre die ritterlichen Tugenden ansprechen und behandeln sollte, finden sich im Text mehrere Stellen, die in den Diskurs der vorab gestellten Leitfragen gesetzt werden können und die Synthese von Minnekonflikt und Generationenkonflikt veranschaulichen. Der erste Minnekonflikt, aus dessen Produkt sich ein Generationenkonflikt ergibt, erscheint bereits zu Beginn der Erzählung.

Nur kurz nachdem Willehalm von Jofrit erschlagen wurde, gebärt dessen Frau Ylie ihm einen Sohn und nennt ihn Wilhelm.[39] Dieser Wilhelm soll nun seinem Vater nachfolgen und als künftiger Herrscher über die Ländereien Willehalms regieren. Doch Ylie besteht darauf, den Leichnam ihres Ehegatten zu sehen und lässt sich trotz Verbots des französischen Königs Vilippe von nichts davon abbringen. Als der Sarg geöffnet und der tote Herzog vor ihr aufgebahrt wird und sie sich über ihn beugt, um den Körper an sich zu drücken, bricht der Anblick des toten Geliebten ihr jedoch das Herz:

„Do naigte sich die gůte

mit clagelichem můte

Hin uf die bare sa zestunt […],

Mit menges herze srike

Druhte si an sich den lip.

Do úberwac das rane wip […]

Der tot ir das herze brach

Und vůrt ir blůt zer stunde

Zer nasen us und zem munde;

Dú edel raine gůte

Begos mit ir blůte

Den lichamen von ir not.

Also lac si bi im tot.“[40]

Anhand dieser Schilderung ist die Todesursache Ylies als ein erster Minnekonflikt im Text zu betrachten. Die Minne, die Zuneigung und Liebe zu ihrem Gemahl und der Verlust desselben, trafen sie so sehr, dass ihr Herz entzweibrach und sie ebenfalls starb. Der Generationenkonflikt hierbei ergibt sich aus der Tatsache, dass der soeben geborene Wilhelm nun nicht nur ohne Vater, sondern auch ohne Mutter ‚dasteht‘. Dieser erste Generationenkonflikt kann somit als Ausgangsbasis aller folgenden betrachtet werden, die im Text vorkommen, denn wären Wilhelms Eltern – hier insbesondere seine Mutter – nicht gestorben, so hätte Wilhelm als Nachfolger seines Vaters am Hofe erzogen werden können, unter der Obhut seiner Mutter, die die Regentschaft für ihn führt, bis der Knabe die Adoleszenz erreicht hätte. Ähnliche Beispiele finden sich zahlreich in den mittelalterlichen Aufzeichnungen.[41] In diesem Szenario wäre Wilhelm nie zu Jofrit gekommen und in der Folge womöglich nicht an den Hof König Rainhers gereist.

Damit kann mit dieser ersten Konfliktszene ein Fundament und erstes Beispiel angeführt werden, wo sich Minne- und Generationenkonflikt im Roman überschneiden, beziehungsweise sich der Generationenkonflikt aus dem Minnekonflikt speist.

[...]


[1] Junk, Victor (Hg.) (1905): Rudolfs von Ems Willehalm von Orlens, Hrsg. aus dem Wasserburger Codex der fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek in Donaueschingen. Berlin: Weidmann (Deutsche Texte des Mittelalters, 2), online unter: http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/Junk1905, eingesehen im Oktober 2017.

[2] Ertzdorff-Kupffer, Xenja von (1967): Rudolf von Ems. Untersuchungen z. höfischen Roman im 13. Jahrhundert. Habil.-Schrift, Freiburg i. Br. München: W. Fink.

[3] Brunner, Horst (2013): Geschichte der deutschen Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit im Überblick. Erweiterte und bibliographisch aktualisierte Ausgabe. Stuttgart: Reclam (Reclams Universal-Bibliothek, Nr. 17680).

[4] Wehrli, Max (1997): Geschichte der deutschen Literatur im Mittelalter. Von den Anfängen bis zum Ende des 16. Jahrhunderts. 3., bibliogr. erneuerte Aufl. Stuttgart: Reclam.

[5] Ehrismann, Otfrid; Classen, Albrecht (1995): Ehre und Mut, Âventiure und Minne. Höfische Wortgeschichten aus dem Mittelalter. München: Beck.

[6] Hübner, Gert (2008): Minnesang im 13. Jahrhundert. Eine Einführung. Tübingen: Narr (Narr-Studienbücher).

[7] Schweikle, Günther (1995): Minnesang. 2., korrigierte Aufl. Stuttgart: Metzler (Sammlung Metzler, 244).

[8] Wenzel, Franziska (2000): Situationen höfischer Kommunikation. Studien zu Rudolfs von Ems "Willehalm von Orlens". Zugl.: Dresden, Techn. Univ., Diss., 1998. Frankfurt am Main: Lang (Mikrokosmos, 57).

[9] Ehrismann, Otfrid; Classen, Albrecht (1995): Ehre und Mut, Âventiure und Minne. Höfische Wortgeschichten aus dem Mittelalter. München: Beck.

[10] Aker, Gudrun (1983): Die "Gute Frau". Höfische Bewährung und asketische Selbstheiligung in einer Verserzählung der späten Stauferzeit. Zugl.: Karlsruhe, Univ., Diss., 1982. Frankfurt am Main: Lang (Europäische Hochschulschriften Reihe 1, Deutsche Sprache und Literatur, 603).

[11] Ertzdorff-Kupffer 1967, S. 7.

[12] Ebd., S. 10.

[13] Wehrli 1997, S. 484.

[14] Ebd.

[15] Ertzdorff-Kupffer 1967, S. 10.

[16] Brunner 2013, S. 258.

[17] Ebd.

[18] Ertzdorff-Kupffer 1967, S. 10.

[19] Brakert, Helmut (1968): Rudolf von Ems. Dichtung u. Geschichte. Habil.-Schrift, Heidelberg. Heidelberg: C. Winter (Germanische Bibliothek: Reihe 3. Untersuchungen und Einzeldarstellungen), S. 26.

[20] Ertzdorff-Kupffer 1967, S. 221.

[21] Wehrli 1997, S. 487.

[22] Ebd., S. 487–488.

[23] Brunner 2013, S. 260.

[24] Brunner 2013, S. 259–260.

[25] Hübner 2008, S. 5.

[26] Ebd.

[27] Ehrismann und Classen 1995, S. 136–138.

[28] Schweikle 1995, S. 169.

[29] Boll, Katharina (2007): Alsô redete ein vrowe schoene. Zugl.: Würzburg, Univ., Diss., 2005. Königshausen und Neumann, Würzburg, S. 77.

[30] Ebd.

[31] Ehrismann und Classen 1995, S. 136.

[32] man könnte beinahe ‚unterwirft sich‘ sagen.

[33] Hübner 2008, S. 5.

[34] Schweikle 1995, S. 171.

[35] Ebd., S. 172.

[36] Hübner 2008, S. 5.

[37] Schweikle 1995, S. 172.

[38] Ebd., S. 173.

[39] „Da wider ist mir ain sun geborn, An dem ich ergezzet bin; Nach Verlust han ich gewin. Was kan mir nu gewerren? Habit ir ǒch ainen herren An minem herren nu verloren, So ist an andre ú geborn“, Junk 1905, VZ 1700–1706.

[40] Junk 1905, VZ 1929–1944.

[41] zum Beispiel für Otto III., für welchen erst dessen Mutter Theophanu und später dessen Großmutter Adelheid von Burgund die Regentschaft führten. – vgl. Keller, Hagen (2001): Die Ottonen. Orig.-Ausg. München: Beck (Beck'sche Reihe, 2146: C. H. Beck Wissen), S. 69.

Details

Seiten
28
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668677432
ISBN (Buch)
9783668677449
Dateigröße
615 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v418816
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Note
1
Schlagworte
Rudolf von Ems Minnekonflikte Minne Generationenkonflikte Minnesang Willehalm von Orlens Mediävistik Mittelhochdeutsch Mittelalter Generationenkampf Wilhelm Wilhelm der Eroberer Frankreich Literaturgeschichte England Tobias Pamer

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