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Berufsbildung im internationalen Vergleich. Deutschland und China

Im Spannungsfeld von Frontalunterricht und Schüleraktivierung. Analyse und Reflexion über das Anforderungsprofil für Lehrer

Hausarbeit 2017 21 Seiten

Didaktik - BWL, Wirtschaftspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Ziele, Bedeutung und Funktion internationaler Vergleichsforschung in Bildung und Berufsbildung
2.2 China – Bildungstradition, kulturelle und gesellschaftliche Hintergründe
2.3 Kurzbeschreibung der Berufsbildungssysteme
2.3.1 China
2.3.2 Deutschland

3. Analyse
3.1 Vergleich der Berufsbildungssysteme
3.2 Der Versuch einer Implementierung der deutschen dualen Berufsausbildung in die chinesischen Bildungsstrukturen
3.3 Anforderungsprofil an Lehrer
3.3.1 Standards der Lehrerbildung in Deutschland
3.3.2 Schlussfolgerungen für die Anforderungsprofile an Lehrer im Rahmen des Vergleichs deutscher und chinesischer Berufsbildung

4. Fazit und Ausblick

5. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Merkmale beruflicher Bildung

1. Einleitung

„Durch Bildung verschönert der Mensch sein eigenes Ich. Er schämt sich nicht, zu lernen und zu fragen. Fragen und Forschen sind die Wurzeln des Wissens, Denken und Nachsinnen der Weg“ (Konfuzius ca. 551 v. Chr. - 479 v. Chr.).

Ganz im Sinne dieses Zitats widmet sich diese Ausarbeitung der exemplarischen Erfassung gegenwärtiger Herausforderungen für berufsbildende Schulen, der Untersuchung dieser vor dem Hintergrund der aktuellen Anforderungen an das duale System der beruflichen Ausbildung und die Reflexion dieser im Hinblick auf das Anforderungsprofil für Lehrer.

Für die Erörterung wird folgende Frage leitend sein: „Welche Vorstellungen von Berufsbildung finden wir im internationalen Vergleich?“ Diese Ausarbeitung konzentriert sich exemplarisch auf den Vergleich zwischen den Berufsbildungssystemen Deutschlands und Chinas.

Im internationalen Vergleich gelten Deutschland und China als besonders starke Volkswirtschaften. Ein wesentlicher Indikator für den wirtschaftlichen Fortschritt eines Landes ist das Bildungs- bzw. Berufssystem. Die berufliche Bildung erfüllt eine wichtige wirtschaftliche Funktion im Hinblick auf die Höherqualifizierung und Integration junger Menschen ins Erwerbsleben sowie die Vermittlung qualitativ hochwertiger fachlicher Kompetenzen. Zukünftige Entwicklungen wie die Europäisierung, die Internationalisierung und die Globalisierung stellen besondere Herausforderungen für die Berufsbildung eines jeden Landes dar. Für den Erhalt und die Steigerung internationaler Wettbewerbsfähigkeit hat die Berufsbildung eine Schlüsselrolle inne. Durch das Zusammenrücken von Gesellschaften werden interkulturelle Kompetenzen in der beruflichen Bildung zunehmend wichtiger.

Vorgehensweise
Um zunächst die Sinnhaftigkeit dieser Arbeit zu untermauern, erklärt das einleitende Kapitel im Rahmen der theoretischen Grundlagen die grundlegenden Ziele, die Bedeutung und die Funktion internationaler Vergleichsforschung im Rahmen der Bildung und der Berufsbildung. Zum besseren Verständnis der Erörterung werden im Anschluss kulturelle und gesellschaftliche Hintergründe und die Bildungstradition Chinas vorgestellt. Es folgt eine Kurzbeschreibung des deutschen und des chinesischen Berufsbildungssystems. Im dritten Kapitel werden die Berufsausbildungssysteme der Weltmarktführer Deutschland und China miteinander verglichen und wesentliche Unterschiede herausgearbeitet. Zudem soll der Versuch einer Implementierung des deutschen Systems der dualen Berufsausbildung in die chinesischen Bildungsstrukturen erörtert werden. Des Weiteren stellt sich die Frage, welche Anforderungen sich an Lehrende aus der Vielzahl der zu bewältigenden Herausforderungen und Veränderungen ergeben. Um dies zu beantworten, werden anschießend die Standards der Lehrerbildung in Deutschland anhand des bildungspolitischen Kompetenzkatalogs der KMK erläutert. Abschließend werden Schlussfolgerungen für die Anforderungsprofile an Lehrer im Rahmen der Erkenntnisse des Vergleichs deutscher und chinesischer Berufsbildung gezogen. Das letzte Kapitel rundet die Arbeit mit einer Schlussbetrachtung ab, fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und gibt einen Ausblick.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet.

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Ziele, Bedeutung und Funktion internationaler Vergleichsforschung in Bildung und Berufsbildung

Um die Sinnhaftigkeit dieser Arbeit zu untermauern, werden zunächst die wissenschaftlichen Erkenntnisziele, Bedeutungen und Funktionen einer allgemeinen internationalen Vergleichsforschung in Bildung und Berufsbildung dargelegt. Der Vergleich stellt ein wichtiges methodisches Instrument zur Ursachenanalyse innerhalb sozialwissenschaftlicher Forschung dar (vgl. Kaelble 2003: 473). Mithilfe des Vergleichs können die Gemeinsamkeiten und Unterschiede verschiedener Kulturen, Gesellschaften, politischer Systeme oder wirtschaftlicher und technischer Entwicklungsstände untersucht werden und so einen Beitrag zu einem tieferen Verständnis leisten (vgl. Gao 2014: 12).

Durch internationale Vergleichsforschung können nicht nur Gemeinsamkeiten oder Unterschiede in den Bildungssystemen erkannt, sondern auch Mängel im eigenen Bildungssystem und Vorzüge anderer Länder ausgemacht werden. So müssen nicht alle Phasen der Entwicklung nachgeahmt werden, es entsteht ein gegenseitiger Lernprozess, in dem Fehler nicht nachvollzogen, sondern „übersprungen“ werden können.

Um einen Transfer von Elementen des einen Berufsschulsystems auf das andere zu ermöglichen, ist unbedingt auch der historische Hintergrund beider Bildungssysteme zu entschlüsseln und einzubeziehen. Die spezifischen Entwicklungsgänge sollten stets auch unter politischen, sozialen, ökonomischen, kulturellen und gesellschaftlichen Voraussetzungen beleuchtet werden, die die Entstehung der Systeme beeinflusst haben könnten. So kann die Vergleichsforschung erfolgreich dabei behilflich sein, gezielt zur Verbesserung des Berufsbildungssystems eines Landes beizutragen. Vor dem Hintergrund von Globalisierung und Internationalisierung kommt der Vergleichsforschung eine immer wichtigere Rolle zu (vgl. ebd.: 13 f.).

2.2 China - Bildungstradition, kulturelle und gesellschaftliche Hintergründe

Zu einem besseren Verständnis werden zunächst Chinas Bildungstradition erläutert, gesellschaftliche und kulturelle Aspekte dargestellt, einige Angaben zur Geschichte Chinas gemacht sowie aktuelle landeskundliche Informationen vorgestellt. Um das chinesische Bildungssystem zu verstehen, müssen auch die Bildungstraditionen sowie die gesellschaftlichen und kulturellen Faktoren berücksichtigt werden. Die Entwicklung von Bildungsstrukturen kann auf Hemmnisse treffen, die durch besondere Traditionen und kulturelle Hintergründe bedingt sind.

In der Volksrepublik China (VR China) mit seiner Hauptstadt Beijing (Peking) leben auf einer Fläche von 9.572.419 Quadratkilometern 1.311.904.000 Einwohner. Die mehr als 1,3 Milliarden Menschen machen ein Fünftel der gesamten Weltbevölkerung aus. Trotz der seit Ende der 1970er Jahre propagierten Ein-Kind-Politik ist die demografische Entwicklung der VR China noch nicht wie erhofft rückläufig. Die Bevölkerung verteilt sich ungleichmäßig auf das Land. Da die Lebensbedingungen im Westen durch Wüsten und Gebirge äußerst hart sind, leben die meisten Chinesen im Osten des Landes (vgl. Glöckner 2013: 192).

Die Wirtschaft Chinas ist seit Beginn der Reformpolitik im Jahr 1978 von Wachstum geprägt. Wirtschaftlich ist die VR China eine der wichtigsten Wachstumsregionen weltweit. Mit ihren Wachstumsraten ist sie die viertgrößte Wirtschaftsmacht nach den USA, Japan und Deutschland. Das kontinuierliche Wirtschaftswachstum ruft jedoch auch Probleme hervor. Zu den Herausforderungen gehört der Ausgleich von sozialen Spannungen und wirtschaftlichen Differenzen zwischen den unterschiedlichen Regionen. Vom Wirtschaftswachstum profitieren vor allem die östlichen und südlichen Provinzen. Der Transformationsprozess führt zu einer Verschärfung sozialer Ungleichheit. Da die Städte nicht genügend Arbeitsplätze für die vom Land abgewanderte Bevölkerung bieten, stellt die hohe Arbeitslosigkeit ein zusätzliches soziales Problem dar. Bei der Höhe der Emission von Treibhausgasen hat die VR China die USA inzwischen abgelöst, sodass der Schutz der Umwelt eine weitere Herausforderung darstellt (vgl. ebd.: 193). Im chinesischen Sinn ist Wirtschaft viel stärker an das Kollektiv gebunden und bildet den Ausgangspunkt wirtschaftlicher Überlegungen in China. Der Staat strebt eine gerechte Verteilung in der Gesellschaft an, um dadurch eine soziale Harmonie zu schaffen. Zudem haben Ethik und Moral Vorrang vor dem Recht. Fleiß, Sparsamkeit und Selbstdisziplin bilden spezifische Werte der Wirtschaftsgesinnung. Die wichtigste gesellschaftliche Organisationsform lautet „danwei", das soziale Kernstück zum Verständnis von Betrieb und Gesellschaft. Der Begriff bringt die Verbindung vom politischen System, Sozialisation und betrieblicher Arbeit zum Ausdruck (vgl. Chinaweb 2006: o. S.).

Die VR China hat es sich zum Ziel gesetzt, sich zu einer Gesellschaft des kleinen Wohlstandes zu entwickeln. Problematisch auf dem Weg in eine Wissensgesellschaft ist das niedrige Bildungsniveau der chinesischen Arbeitskräfte und der daraus resultierende Mangel an ausgebildeten Fachkräften (vgl. Aulig 2006: 10). Dadurch, dass der Arbeitsmarkt sehr lange Zeit durch die staatlichen Planungsbehörden geregelt wurde, sind Bildungssystem und Arbeitsmarkt bis heute entkoppelt. Das Niveau und das soziale Ansehen der Facharbeiter in China sind bis heute sehr gering. So spielt die berufliche Bildung in China traditionell und kulturell eine untergeordnete, eher abgewertete, Rolle. Die chinesische Bildungstradition wird durch den Konfuzianismus gekennzeichnet. Das vom Konfuzianismus geprägte Bildungsideal liefert den Maßstab für Bildung, bei dem berufliche Bildung nur eine untergeordnete Rolle spielt. Im Mittelpunkt dieser Philosophie stehen die hierarchische Ordnung und die Sitten- und Tugendlehre. Im Konfuzianismus genossen die Gebildeten ein hohes gesellschaftliches Ansehen und standen an der Spitze der Gesellschaft. Aufgrund dessen wird die körperliche Arbeit tief verachtet (vgl. Glöckner 2013: 192). Der Konfuzianismus besagt, „dass eine Tätigkeit, die mit dem Kopf ausgeübt wird, eine bessere Stellung in der Gesellschaft genießt als eine Tätigkeit, die mit den Händen ausgeführt wird“ (BQ-Portal 2016: o. S.). Daher genießt die Allgemeinbildung ein höheres Ansehen in der Gesellschaft als die berufliche Bildung (vgl. ebd.: o. S.).

Ein leistungsfähiges Berufsbildungssystem kann einen wichtigen Beitrag zu einem stabilen Wirtschaftswachstum und gesellschaftlicher Stabilität leisten. Ein solches System könnte sowohl die Grundbildung in den ländlichen Gebieten erhöhen als auch der Wirtschaft dringend benötigte hochqualifizierte Facharbeiter zur Verfügung stellen (vgl. Aulig 2006: 11). Bildung hat eine besondere Bedeutung für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung eines Landes. Aber auch das Entwicklungspotenzial einer Gesellschaft hängt entscheidend vom Bildungsniveau seiner Mitglieder ab (vgl. Gao 2014: 15).

2.3 Kurzbeschreibung der Berufsbildungssysteme

2.3.1 China

„Der Staat befürwortet die Entwicklung der Erwachsenenbildung in verschiedener Art, damit der Bürger auf eine angemessene Art und Weise eine politische, wirtschaftliche, kulturelle, wissenschaftliche, technische, berufliche Ausbildung oder Bildung auf Lebenszeit erhalten kann“ (§ 19, Bildungsgesetz der Volksrepublik China).

Das chinesische Bildungssystem besteht aus vier Ebenen: die Elementarstufe (Kindergarten), die Primarstufe (Grundschule), die Sekundarstufe (Mittelschule) sowie die Tertiärstufe (Universität bzw. Berufshochschule). Die Sekundarstufe gliedert sich in die Sekundarstufe I (Unterstufe der Mittelschule) und die Sekundarstufe II (Oberstufe der Mittelschule). In die Sekundarstufe ist auch das berufliche Schulwesen integriert. Der Ebene der Sekundarstufe II lassen sich vier verschiedene Berufsschultypen zuordnen: die Berufsmittelschule (Oberstufe), die Fachmittelstufe, die Facharbeiterschule sowie die Fachmittelschule für Erwachsene.

Ziel dieser Schulen ist der Erhalt einer beruflichen Grundbildung als Qualifikation für eine Beschäftigung. Um in die nächste Schulebene einzutreten, müssen im Gegensatz zum deutschen Bildungssystem in China Aufnahmeprüfungen bestanden werden, sodass der Druck auf die Schüler schon früh sehr hoch ist (vgl. Gao 2014: 25 f.). Voraussetzung zur Aufnahme eines Hochschulstudiums ist das Bestehen der national einheitlichen Hochschulaufnahmeprüfung („gao kao“). Bei diesen Prüfungen sind die Absolventen der beruflichen Schulen im Nachteil, da sich die Hochschulaufnahmeprüfung in der Regel auf theoretische Kenntnisse allgemeinbildender Schulen bezieht. Wobei das chinesische Ausbildungssystem nicht mit dem deutschen dualen Ausbildungssystem und einer Trennung von Theorie und Praxis vergleichbar ist (vgl. ebd.: 27). Neben den allgemeinbildenden Mittelschulen, die auf die Universitäten vorbereiten, gibt es berufsbildende sowie technische Mittelschulen, die die Schüler für zukünftige Berufe qualifizieren.

Ein Kritikpunkt an der beruflichen Bildung in China ist ihre Praxisferne und Theorielastigkeit (vgl. Glöckner 2013: 206). Die Schwächen des chinesischen Berufsbildungssystems liegen in der hochgradig spezialisierten und verschulten Ausbildung, die zu einer Loslösung der Berufsschulausbildung von den Anforderungen des Arbeitsmarktes führt. In Klassenräumen für bis zu 50 Schülern oder mehr erfolgt sowohl der praktische als auch der theoretische Teil der Ausbildung durch lehrerzentrierten Frontalunterricht (vgl. Aulig 2006: 79 f.). Durch einen Ausbau des Berufsbildungssystems innerhalb Chinas Modernisierungskurs verspricht man sich, eine qualitative Verbesserung des Ausbildungsniveaus der Arbeitskräfte zu erreichen (vgl. ebd.: 93):

[...]

Details

Seiten
21
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668676589
ISBN (Buch)
9783668676596
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v418805
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
2,0
Schlagworte
berufsbildung vergleich deutschland china spannungsfeld frontalunterricht schüleraktivierung analyse reflexion anforderungsprofil lehrer

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