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Der Einfluss sozialer Netzwerke auf die Selbstdarstellung Jugendlicher

Möglichkeiten und Grenzen der heutigen Generation

Hausarbeit 2017 22 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Verortung in der Kommunikationswissenschaft

3. Das Selbst und Selbstdarstellung

4. Medial vermittelte Kommunikation und Selbstdarstellung im Netz

5. Web 2.0, Social Media und Soziale Netzwerke
5.1. Social Media
5.2. Soziale Netzwerke
5.3. Soziale Netzwerke: Facebook

6. Studien ÄBist du das?! - Rollenbilder Jugendlicher im Internet“
6.1. Theoretische Grundlage der Studie
6.2. Grundlagen der Studie: Selbst- und Fremdwahrnehmung
6.3. Aufbau der Studie
6.4. Methodisches Vorgehen der Studie
6.5. Ergebnisse der Studie
6.6. Kritik an der Studie

7. Beantwortung der Forschungsfrage und Fazit
7.1. Ausblick

1. Einleitung

ÄFacebook was not originally created to be a company. It was built to accomplish a social mission - to make the world more open and connected.“ - Mark Zuckerberg Hätte man Marc Zuckerberg vor zehn Jahren gesagt, dass seine Idee heute einen Umsatzvon 27.638 Millionen Dollar (Stand Oktober 2017) generieren würde, hätte er das sicher-lich nicht so gesehen wie damals (Vgl. https://de.statista.com/themen/138/facebook/ ). Fa-cebook gilt dabei als das Paradebeispiel für das Phänomen der Sozialen Netzwerke im In-ternet. Erst als relativ kleine und auch räumliche beschränkte Idee entstanden, wuchs esüber die Jahre rasch und kontinuierlich an, bevor es sich schließlich zum meist genutztenNetzwerk der Welt entwickelte (Stand Oktober 2017, Vgl. http://socialmedia-insti-tute.com/uebersicht-aktueller-social-media-nutzerzahlen/). Etwaige Konkurrenten hat manentweder aufgekauft (Beispiel Whatsapp) oder sich selbst mit weiteren Möglichkeiten aus-gestattet. Dabei kann man über den eigentlichen Nutzen der Sozialen Netzwerke für dieKonsumenten streiten. Während einige ihre Idealvorstellungen online stellen, benutzenandere das Netz wiederrum, um ihr reales Leben hinter sich lassen zu können. Man kannsich eine parallele Existenz in einer virtuellen Welt erschaffen, die sich ohne die weltlichenBeschränkungen des ‚echten Lebens‘ entwickeln lässt. So können körperlich behinderteMenschen einen Avatar oder ein Profil erstellen, welcher einen nichtbehinderten Menschenrepräsentiert. Männer können ich Frauenrollen schlüpfen, Frauen in Männerrollen. DasAlter, das Aussehen, die Herkunft, nahezu alles lässt sich Grenzenlos modifizieren (Vgl.Christakis/Fowler 2010, S. 385). Welche Attribute der Nutzer verändert, beschönigt oderweg fallen lässt soll zumindest teilweise Thema dieser Arbeit sein. Neben demUnterhaltungsaspekt und der Möglichkeit zur Kommunikation werden Soziale Netzwerkeauch gerne und oft zur Selbstdarstellung genutzt. Egal ob über Bilder oder Kommentare,mit beinahe jeder Interaktion gibt man, gewollt oder ungewollt, Informationen über sichpreis. Besonders häufig und intensiv werden solche Netzwerke von Jugendlichen genutzt,die Kinder ihrer Zeit und somit der Entwicklung sind. Facebook stellt dabei, als dasbeliebteste Netzwerk, den Heranwachsenden einen völlig unbekannten Raum zu Ver-fügung, in welchem sie interagieren können. So ergibt sich für dieKommunikationswissenschaft ein neues Forschungsfeld, welches Platz für Hypothese undStudien her gibt. Durch die Schnelllebigkeit der neuen Medien und des Internets verändernsich die Umstände und Konsumenten ständig, sodass eine erneute Überprüfung älterer Stu-dien von Nutzen ist. So auch hier angedacht:

Nutzen Jugendliche Soziale Netzwerke, hier Facebook, zur Selbstdarstellung? Und wenn ja, wodurch werden sie eingegrenzt?

Zur Beantwortung dieser Frage beginnt die Arbeit mit der Einordnung der Thematik in die Kommunikationswissenschaft, definiert dann die wichtigsten Begriffe und Bereiche, gibt gleichzeitig einen kurzen Überblick über den Forschungsstand und analysiert dann eine regionale Studie hinsichtlich der Forschungsfrage. Die Untersuchung wird sich dabei nur auf Facebook beziehen, da eine erweiterte Studie den angeforderten und wissenschaftlichen Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, genauso wie eine Erweiterung der Untersuchungsgruppe. Auf jugendliche Heranwachsende wird sich konzentriert, da sie zum aktuellen Zeitpunkt die Generation ist, die die Entwicklung der Sozialen Netzwerke am eigenen Leib erfährt und gleichzeitig auch die erste Generation darstellt, welche selbst mit ihr aufwächst. An Möglichkeiten der Selbstdarstellung fehlt es also nicht.

2. Verortung in der Kommunikationswissenschaft

Bei der vorliegenden Arbeit lässt sich schnell der interdisziplinäre Charakter derKommunikationswissenschaft verdeutlichen. Der Fokus liegt durchaus in zweiverschiedenen Bereichen: zum einem dreht es sich um die Selbstdarstellung innerhalb derinterpersonellen Kommunikation, andererseits um jene in der Online-Kommunikation. Dietheoretische Grundlage findet sich auf zwei verschiedenen Ebenen: der kommunikations-und der sozialpsychologischen. Ausgangspunkt ist dabei die Frage nach der Identität, nachdem Selbst und wie das Individuum diese im Kommunikationsprozess darstellen. Dievorliegende Arbeit hinterfragt das Kommunikationsverhalten und die Selbstdarstellungvon jugendlichen Erwachsenen in sozialen Netzwerken im Internet anhand von Facebook.Hauptaugenmerk soll dabei auf der verbesserten Darstellung des Selbst vor einem teilweiseanonymen Publikum liegen. Die Ergebnisse dieser Untersuchung lassen einerseitsRückschlüsse auf die Nutzungsmotive der Jugendlichen zu. Andererseits gebe siegleichzeitig tiefergehende Einblicke bezüglich der Online-Kommunikation von jungenErwachsenen.

3. Das Selbst und Selbstdarstellung

Das Selbst und vor allem das Selbstbewusstsein sind zentrale Merkmale, welche denMensch vom Tier unterscheiden. Etwa im Alter von 18 bis 24 Monaten entwickeln mensch-liche Kinder eine Art rudimentäres Selbstkonzept, welches mit dem Alter an Komplexitätzunimmt. Dabei lässt sich bei Kindern feststellen, dass ihr Selbstbild klar ist und sich anleicht erkennbaren Merkmalen orientiert, wohingegen bei Erwachsenen eher die psychi- sche Verfassung und die Frage nach der Wahrnehmung durch anderer zentral ist (Vgl., Aronson/Wilson/Akert 2014, S.141).

Der Begriff des Selbst ist in der Forschung umstritten, sowohl in der Kommunikationswissenschaft, als auch in anderen Bereichen der Sozialwissenschaften. So wird es in der Pädagogik als: ÄBewusstsein des Ich von sich selbst als Subjekt des Erlebens und Erkennens im Unterschied zum Gegenstands- oder Außenweltbewusstseins“ definiert (Vgl. Schaub/Zenke 2007, S.589). Weiterhin kann es auch als Ä[…] das Wesentliche einer Person, Kern der Persönlichkeit, der die Kohärent und Stabilität eines Individuums ausmacht […]“, beschrieben werden (Vgl. Tenorth/Tippelt 2012, S. 648).

In der Kommunikationswissenschaft hat sich die Definition von Greve (2000) verbreitet.Er definiert das Selbst als: Äein dynamisches System, das einerseits auf die jeweilige Personbezogene Überzeugungs- und Erinnerungsinhalte in hoch strukturierter Form und anderer-seits die mit diesen Inhalten und Strukturen operierenden Prozesse und Mechanismen um-fasst.“ Bei dieser Definition liegt das Hauptaugenmerkt auf dem Aspekt der Selbs-treflexivität.

Im groben kann man das Selbst in verschiedene Komponenten einteilen. Einerseits bestehtdie Möglichkeit der Dreiteilung in die konative, handlungsbezogene Komponente, diekognitive Komponente, welche das Selbstkonzept beinhaltet, und die affektiveKomponente, welche die Bewertung des Selbstkonzepts und die Selbstwertschätzungmiteinschließt (Vgl. Six/Gleich/Gimmler 2007, S.118). Man kann das Selbst auch in dieBereiche Selbsterkenntnis, Selbstkontrolle, Selbstdarstellung und Selbstwertgefühlunterteilen, wobei diese schon sehr spezifische Bereiche darstellen würde (Vgl.Aronson/Wilson/Akert 2014, S.142).

Eine besonders hohe Beeinflussung des Selbst durch Kommunikation lässt sich in frühsterKindheit feststellten, welche vordergründig die Eltern-Kind-Beziehung betrifft. Jedoch istKommunikation nicht der einzige Faktor, der das Selbstbild bestimmt, so führen auchgenetische Faktoren zu bestimmten Effekten (Vgl. Six/Gleich/Gimmler 2007, (S.167).

Das Selbst und das Selbstbild spielt einen großen Teil im alltäglichen Leben, nicht zuletzt,weil es einen Einfluss darauf ausübt, wie man Informationen aufnimmt und verarbeitet.Dabei werden solche, die einen Bezug zum Selbst haben eher aufgenommen und sind imNachhinein auch besser abrufbar. Darüber hinaus bevorzugen Menschen Informationen dieihre eigenen Ansichten bestätigen, wenn sie Bereiche betreffen in denen sie ein klaresSelbstbild von sich haben. In anderen Bereichen, in denen man ein eher getrübtes Selbstbild besitzt, werden positive Informationen gewünscht. Menschen neigen außerdem dazu,Rückmeldungen als zutreffend zu bewerten, wenn sie die eigenen Sichtweisen bestätigen(Vgl. Six/Gleich/Gimmler 2007, S. 119ff.). Eine weitere Einteilung des Selbst, welchegerade in den sozialen Netzwerken deutlich zu unterscheiden ist, ist die in den privaten undden öffentlichen Bereich. Bei Ersterem geht es vordergründig um private, persönliche undvertrauliche Selbstaspekte. Ist sich das Individuum dieser verstärkt bewusst, dann ist essich seiner Gefühle, Meinungen und Überzeugungen im Klaren und handelt konform zudiesen. Beim öffentlichen Selbst dagegen dreht es sich um die allgemeinen Selbstaspekte,welche offen gezeigt werden können. Liegt dieser Teil des Selbst verstärkt vor, ist derKonsument von den sozialen Erwartungshaltungen gelenkt (Vgl. Misoch 2006, S.137).

Nicht nur der Mensch, auch das Selbst interagiert und reagiert in unterschiedlichen sozialenKontexten divergent. Dabei ist es sehr variabel und wird durch den sozialen Konstruktions-prozess geformt. Der Konstruktion und Interpretation des Selbst liegen verschiedene Mo-tive zugrunde, die durch unterschiedliche Aspekte (Genetik, soziale Erfahrungen,Fähigkeiten und Fertigkeiten) eingeschränkt sind. Grob gesagt entwickelt sich das Selbstdurch das Handeln in der ‚sozialen Welt‘. Die Überzeugungen und Gefühle die ein Menschzu sich selbst hat, entspricht der deskriptiven Beschreibung von ihm selbst (Vgl.Jonas/Stroebe/Hewstone 2014, S.143).

Die Selbstdarstellung kann man, wenn man eine Dreiteilung des Selbst vornimmt, imkonativen Bereich verorten. Unter anderem findet man folgende Definition in der Kom-munikationswissenschaft: Ä[…] als das Bemühen verstanden, den Eindruck zu steuern, denman bei anderen hinterlässt.“ (Vgl. Six/Gleich/Gimmler 2007, S.122) Dabei kann manzwischen verschiedensten Formen der Darstellung des Selbst unterscheiden: die protektiveund die akquisite Selbstdarstellung. Bei ersterer geht es um die Vermeidung ungünstigerBilder von einem selbst, bei letzterer um das Erzielen von Erfolgen, einen positivenEindruck zu hinterlassen, auch wenn dieser Weg mit gewissen Risiken verbunden ist.Darüber hinaus lässt sich die Darstellung vom Selbst auch noch nach anderen Elementenunterscheiden. Wenn die eigene Selbstwertschätzung besonders hoch ist, ist man bemühtkompetent nach außen zu wirken, formuliert Kritik deutlich und bringt sie als Tatsache,und nicht als subjektive Meinung, auf den Punkt. Ist sie dagegen niedrig, sind Menschenbemüht Sympathien zu gewinnen, sie verhalten sich eher vorsichtig und zurückhaltend undformulieren Kritik indirekt und verhaltend. Auch beim Geschlecht lassen sich Unterschiedeausmachen. Sind Frauen meist bescheidener in ihrer eigenen Selbstdarstellung undberücksichtigen sie die Beziehung zum jeweiligen Gesprächspartner, neigen Männer dazu eine auf ihre Kompetenzen bezogene, deutlichere Selbstdarstellung zu betreiben. Ebensolassen sich hinsichtlich der verschiedenen Kulturen Unterschiede finden. So schreibt manden eher westlichen Kulturtypen ein ÄIndependentes Selbstkonzept“ zu, welches dieBetonung der Individualität und der Unabhängigkeit umfasst. Eher kollektivistischausgelegten Kulturtypen wird eine anders geprägte Selbstdarstellung zugeschrieben: dasInterdependentes Selbstkonzept, welches die Verbundenheit mit anderen betont.

Der Begriff der Selbstdarstellung ist in der Kommunikationswissenschaft eng mit demBegriff des Impression Managements verwoben, welcher selbst aus der ImpressionManagement Theorie von Erving Goffman stammt. Diese geht auf sein Werk ÄWir allespielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag“ zurück, in welchem er das Verhalten vonsozialen Interaktionen beispielhaft durch eine Theateraufführung beschreibt. Dabei istGoffmann der Meinung, dass Menschen im Alltag zu einer Art Theaterschauspieler werdenund den Mitmenschen nur ein bestimmtes Bild von sich vermitteln wollen. Das Leben seiaußerdem, wie auf einer Theaterbühne, in verschiedene Bereiche eingeteilt. Je nachdem obman sich vor oder hinter den ‚Kulissen‘ befindet, zeigt man eine andere Facette seinerselbst. Dabei sind nur solche ‚echt‘, welche sich abseits des ‚Publikums‘ aufzeigen (Vgl.Aronson/Wilson/Akert 2006, Seite 177).

4. Medial vermittelte Kommunikation und Selbstdarstellung im Netz

Medial vermittelte Kommunikation ist aus dem heutigen Alltag kaum noch wegzudenken.Sie zeichnet sich, im Unterschied zur interpersonellen Kommunikation, durch gewissenMerkmale aus. Je nach gewählten Medium nutzt der Konsument mehr oder weniger Sin-neskanäle: bei der Radionutzung braucht er nur seinen Hörsinn, bei der TV-Nutzung oderim Kino sowohl Hör- als auch Sehsinn, mit den neusten Techniken auch Tastsinn. Ein wei-terer Unterschied besteht gleichermaßen darin, dass man Gespräche in Echtzeit synchronmit mehreren verschiedenen Partnern führen kann, aber auch asynchron zum Beispiel durchE-Mail-Verkehr. Dabei ist die Mediennutzung an sich vom Selbst des jeweiligenIndividuums abhängig. Es nutzt die symbolische Selbstergänzung als Teil derSelbstdarstellung. Konkret, der Konsument nutzt Symbole um das Selbst in die Richtungdes angestrebten Ideals zu ergänzen. Damit befriedigt er sein Bedürfnis nach derDarstellung der eigenen Sichtweisen vor einem Massenpublikum und durch die positiveBewertung dieser entsteht auch ein entsprechendes Gefühl (Vgl. Six/Gleich/Gimmler 2007,S.125). Vordergründig ist es dieser Aspekt, der Jugendliche und Erwachsene in die sozialenNetzwerke zieht, da diese vergleichsweise sehr geringen Zugangsschwellen und -anforderungen haben. Dafür spielt die Wahl des Netzwerkes oder des Mediums im Allgemeinen eine Rolle. Diese hängt wiederrum auch vom Selbst des Konsumenten ab.Hat dieser eine eher gering ausgeprägte Selbstwertschätzung, präferiert er den E-Mail-Verkehr. Besitzt er hingegen eine stark ausgeprägte Selbstwertschätzung, sucht er diedirekten Gespräche (Vgl. Six/Gleich/Gimmler 2007, S.122). Diese Auswahlmechanismenlassen sich auch auf die sozialen Netzwerke übertragen: so nutzen vermutlich Menschenmit einem stark ausgeprägten Selbstwertgefühl direkte und nicht-anonymisiertePlattformen wir Twitch oder Youknow, welche für ihre Möglichkeit des livestreamensbekannt sind. Die Konsumenten stellen sich selbst vor die Kamera, meist auch ohneVerkleidung oder Ähnlichem, und interagieren live mit dem kommentierenden Publikum.Dem gegenüber stehen praktisch alle Chatforen, in denen man mit einem ausgedachtenNamen und ohne einem Bild oder anderen Informationen miteinander in Kontakt tretenkann. Darüber hinaus zeigt sich, dass private Webseiten, aber auch solche wie Facebook,Twitter und Co., das optimale Instrument zur Selbstdarstellung sind. Mit vergleichsweisesehr geringem Aufwand lässt sich schnell ein Massenpublikum erreichen. Gleichzeitig lässtsich die Darstellung des Selbst durch den Konsumenten stark in die gewünschte Richtunglenken (Vgl. ebd., S.125ff).

Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass soziale Interaktion auf dem Prinzip vonWYSIWIY (nach Cherny, 1998) basiert. Ausgeschrieben heißt das ganze Äwhat you see istwhat i say“ - der Benutzer hat also die Freiheit zu entscheiden, was er projiziert und somitfür andere sichtbar macht. Zusammen mit der Anonymität und den daraus resultierendenPseudonymen im Netz kann ebenjene Freiheit den Nutzer zur Hemmungslosigkeitveranlassen. Das Selbst im Internet ist stark fragmentiert und vertritt meist multiple Persönlichkeiten. Dies resultiert aus der teilweise vorherrschenden problematischen Bezie-hung zwischen der konstruierten Identität im Cyberspace und des Selbst im realen Leben.Die Freiheit Aspekte des Selbst zu verschleiern oder komplett neu zu erschaffen bedingtdie Möglichkeit zu erhöhtem Selbstausdruck, aber auch zur verstärkten Selbstdarstellung(Vgl. Reid-Steere 2003, S.256-280).

Ergänzend zur Selbstdarstellung findet sich auch das Phänomen der Selbstoffenbarung imNetz. Eine Balance zwischen diesen beiden Anteilen des Selbst beschreibt das privacy pa-radox. Die Selbstoffenbarung umfasst dabei alle Prozesse, in denen das Individuum Infor-mationen von sich preisgibt, die eher intimer und privater Natur sind. Im Zusammenhangmit neuen Medien hat sich ergeben, dass Menschen eher dazu geneigt sind solche Informa-tionen einem Artefakt, sprich hier dem Computer, gegenüber preiszugeben als anderenMenschen. Dies wird bedingt durch die persönliche und öffentliche Selbstaufmerksamkeit, den social context cues, der social preference, der physischen Isolation bei computerver-mittelten Kommunikation und der vorherrschenden Anonymität (Vgl. Misoch 2006, S.136-137).

5. Web 2.0, Social Medien und Soziale Netzwerke

Der Begriff Web 2.0 wird häufig als Synonym zu Social-Media genutzt, umfasst aber einen viel größeren Bereich der Internetmedien. Hauptsächlich spielt der Begriff auf die, massiven Veränderungen im Internet der letzten Jahre an. Er entstand unteranderem in Zusammenarbeit mit Tim O´Reilly, welcher ein Jahr nach der Entstehung des Begriffs diesen in sieben Punkten präzisierte:

(1) Web als Service-Plattform
(2) Einbeziehung der kollektiven Intelligenz der Nutzer
(3) Daten stehen im Mittelpunkt der Anwendung
(4) Neue Formen der Softwareentwicklung
(5) ÄLeichtgewichtige“ Programmiermodelle
(6) Software, die auf vielen Geräten verwendet wird
(7) Rich User Experience

Diese Merkmale umfasst den kompletten Bereich, den man heutzutage unter Web 2.0verstehen kann. Darüber hinaus ergeben sich auch neue Problembereiche, gerade imjuristischen Sinn betritt man häufig Neuland. Das Web 2.0 lebt im Grund genommendavon, dass Nutzer ihre Vorlieben, Interessen und ähnliche persönliche Informationenteilen. Daher ergeben sich neue rechtliche Grundlagen, bei denen es vermutlich noch einigeJahre dauern kann, bis sich das Rechtssystem angepasst. Wichtig, auch für die juristischenGrundlagen, sind besonders hier die Datenschutzbedingungen. Für Firmen entwickeln sichneue Geschäftsmodelle, in denen Kundendaten und die Akquisition dieser, eine große Rollespielen. Mit dem Aufkommen des Web 2.0 entsteht auch eine völlig neue Oberfläche, dietypisch für dieses Phänomen wird. Sie ist farbenfroh, verspielt und kennt prinzipiell keinestrengen Gestaltungsregeln. Das Webdesign selbst zeichnet sich durch kontrastreicheFarben, Badges, Bänder, Schaltflächen, Schatten, Farbverläufe und Spiegeleffekte aus.Nichtsdestotrotz verändern sich diese Merkmale dauerhaft (Vgl. Haider 2012, S.24-29).

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Details

Seiten
22
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668675919
ISBN (Buch)
9783668675926
Dateigröße
600 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v418749
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Kommunikationswissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Soziale Netzwerke Facebook Twitter Social Network Instagram Selbstdarstellung Jugendliche Gefahr Gefahren

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Titel: Der Einfluss sozialer Netzwerke auf die Selbstdarstellung Jugendlicher