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Der Antisemitismus in Österreich seit dem Zweiten Weltkrieg

Hausarbeit 2015 14 Seiten

Soziologie - Religion

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung: Antisemitismus

3. Nachkriegsantisemitismus

4. ‚Wiedergutmachung‘ – ‚Reparation‘

5. Antisemitismus in der zweiten Republik am Beispiel von VdU

6. Resümee

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Es ist erschreckend aber auch überraschend zugleich, dass das Phänomen des Antisemitismus auch heute noch – nach jahrhundertelangem Bestand sowie nach schlimmen Erfahrungen des Nationalsozialismus – besonders wissenschaftliches Interesse und Bearbeitung verdient, da sein Ende leider einfach nicht vorzusehen ist. Dabei bleibt der Entwurf dieser Vorurteilsform stets erhalten.

Die unterschiedlichen Arten, Ursachen und Wirkungen von Antisemitismus wurden und werden nach wie vor von unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen untersucht. Doch sie waren oft zeitlich eingeschränkt oder basierten auf bestimmte Fragestellungen, wobei es nicht heißt, dass diese keine Gültigkeit haben. Im Gegensatz, sie sind sehr zentral und wertvoll. Soweit ich das im Auge habe ist die wissenschaftliche Antisemitismusforschung, wie sie heutzutage von verschiedenen Disziplinen aufgegriffen wird, noch eine junge Wissenschaft.

In der zeitgenössischen Antisemitismusforschung hat sich die Erkenntnis hervorgebracht, dass eine umfassende Erforschung der Antisemitismus nur durch die Einbeziehung unterschiedlicher Disziplinen ermöglicht werden kann.

Diese folgende Arbeit befasst sich mit dem Antisemitismus ab dem zweiten Weltkrieg sowie deren Stellung heute.

Nach der Einleitung folgt eine kurze Begriffsbestimmung des Begriffs Antisemitismus. Danach gibt es einen kurzen Überblick über den Nachkriegsantisemitismus, in dem beschrieben wird, welche Rolle die Juden nach dem Zweiten Weltkrieg in der österreichischen Bevölkerung gespielt haben. Aufgrund dessen baut die Überschrift der ‚Wiedergutmachung‘ – ‚Reparation‘ auf, denn hier wird bestimmt, in welcher Weise diese Begriffe in der deutschen Sprache verwendet werden. Letztendlich wird ein Antisemitischer Ausdruck in der Zweiten Republik anhand eines Beispiels, nämlich der Verband der Unabhängigen (VdU) beschrieben. Das Resümee fasst diese folgende schriftliche Arbeit kurz zusammen und gibt einen status quo.

Im Literaturverzeichnis sind jene Werke angegeben, welche auch wirklich für diese schriftliche Arbeit verwendet wurden.

2. Begriffsbestimmung: Antisemitismus

Der Begriff Antisemitismus wurde 1979 vom deutschen Journalist Wilhelm Marr geprägt und bezeichnet Judenfeindschaft oder Judenfeindlichkeit. Marr bezeichnete mit dem Begriff Antisemitismus, die Diskriminierung und die Verfolgung der Juden allein aufgrund ihrer Abstammung und Religion. Somit handelt es sich um eine bestimmte Form von Rassismus. Heute unterscheidet man in der neueren deutschen Forschung zwischen der traditionellen, religiös fundierten Judenfeindschaft (=Antijudaismus) und dem säkular-modernen, rassistischen Antisemitismus, wenn auch in beiden Haltungen gleiche oder ähnliche Muster und Motive vorhanden sind. Allgemein gilt der Begriff Antisemitismus als Ausdruck des Rassismus (=Fremdenfeindlichkeit).[1]

Der Antisemitismus begann schon in der vorchristlichen Zeit. Damals wurden nicht erklärbare Naturereignisse oder Krankheiten entweder der Zauberei von Hexen oder den Juden zugeschrieben. Es kam zu Juden und Hexenverbrennungen sowie zu schweren Judenverfolgungen im 15. und 16. Jahrhundert. Da der Antisemitismus in allen Kulturen vorkommt, in denen Juden als Minderheit leben, muss man davon ausgehen, dass nicht die religiösen Spannungen zwischen Juden und Christen für den Antisemitismus ausschlaggebend sind. Sie können aber zur Erklärung dafür herangezogen werden, dass der Antisemitismus in Europa während zwei Jahrtausenden besonders ausgeprägt war.

3. Nachkriegsantisemitismus

Nach dem nationalsozialistischem Eroberungs- und Vernichtungskrieg zwischen 1941 und 1945 waren bei Kriegsende die jüdischen Gemeinden in Mittel- und Osteuropa zerstört. Die Überlebenden Juden wurden bei ihrer Rückkehr aus den Lagern, Verstecken sowie ihren Fluchtländern von einem andauernden Antisemitismus empfangen. Nachweise gibt es, die wiederlegen, dass allein in Polen hunderte von Juden nach der Befreiung ermordet wurden, aber auch in der Slowakei und Ungarn.[2]

Schon im Sommer 1945 gab es Migrationen der Juden nach Österreich bis 1946. Doch besonders nach dem blutigen Pogrom von Kielce in Polen flüchteten massiv Juden nach Österreich. Doch Österreich war nur eine Zwischenstation der Juden, denn sie wanderten dann von dort nach Italien oder Deutschland. Damals gab es eine gut funktionierende jüdische Hilfsorganisation sowie eine gute Infrastruktur. Juden wurden dann ab Herbst 1945, abgesehen von ihrer Staatsangehörigkeit, als Verfolgte des NS-Regimes wie alliierte DPs (=Angehörige der Vereinten Nationen) behandelt.[3]

Schon vor Kriegsende war den Alliierten bewusst, dass die Niederringung des Nazi-Regimes zugleich eine Flut von Flüchtlingen am europäischen Kontinent generell verursachen würde. Es lief die Gefahr, dass unkontrollierte Menschenmassen die militärischen Verfahren der Alliierten verhindern und aufgrund mangelnder Hygiene und fehlender medizinischer Versorgung Seuchen ausbrechen könnten.[4]

Daher war es von großer Wichtigkeit, als ersten Schritt die Kontrolle über die DPs zu bekommen, sie mit Lebensmittel, Kleidung und Medikamenten zu versorgen um sie danach in ihre Herkunftsländer zurückzuführen.[5]

Dabei gab es immer wieder Ernährungs- und Sicherheitsprobleme: Die allgemeine Menschenmasse nach Nationalitäten zu erfassen, in Lagern unterzubringen, sie zu verpflegen, medizinisch zu betreuen und vor allem die Angehörigen der Vereinten Nationen rasch in ihre Heimatländer zu ‚verschicken‘. Doch viele wollten nicht in ihre Heimatländer, sei es aus politischen oder aus anderen Gründen. Währenddessen emigrierten noch weitere Juden aber auch Bevölkerung aus der Ukraine, Ungarn und Rumänien.[6]

Bis 1947 wanderten dann fast eineinhalb Millionen Menschen in ihre Heimatländer zurück. Doch die Flüchtlinge und DPs übertrafen trotzdem noch die einheimische Wohnbevölkerung in Österreich. Nicht nur aufgrund der katastrophalen Versorgungslage wurden Juden von der österreichischen Bevölkerung abgelehnt, sondern aufgrund der auch in der Nachkriegszeit andauernden NS-Propaganda.

Die traditionellen Vorurteile, Ängste und Stereotype überdauerten das Ende des NS-Regimes. Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit wurden in Österreich nicht in der NS-Herrschaft geprägt, sondern waren schon bis ins 19. Jahrhundert ersichtlich. Doch das NS-Regime ließ die bestehenden Vorurteile in Gesetze hineinfließen, welche somit den Umgang mit den Fremden in der rassistischen deutschen Gesellschaft zu festgelegt werden sollte. Somit bildete sich eine durch Lebensmittelknappheit entstandene Versorgungspyramide. An deren Spitze die Deutschen damit auch Österreicher und am unteren Ende standen die Bevölkerungsgruppen, welche zur Vernichtung vorgesehen waren, nämlich KZ-Häftlinge und sowjetische Kriegsgefangene.[7]

Sämtliche Vorurteile welche die Österreichische Bevölkerung gegen die alliierten DPs hatte, wurden einer ganz bestimmten Gruppe ausgerichtet – den Juden. Abgesehen davon steigerten sich nach dem zweiten Weltkrieg der Rassismus und der Antisemitismus:

„ (…) jüdische Soldaten der ‚Jewish Brigade‘ und Abgesandte der ‚Jewish Agency‘ aus Palästina brachten in den ersten Wochen den Überlebenden nicht das nötige Verständnis entgegen, entsprachen doch die befreiten KZ-Häftlingen so gar nicht dem zionistischen Ideal des selbstbewußten und kämpferischen ‚neuen Juden‘.“[8]

Wie man in dem vorherigen Zitat sieht wurden, wie seit 1948 der Staat Israel, überlebende Juden und Jüdinnen zum Störfaktor, zum unliebsamen ‚ Mahnmal der Erinnerung ‘. In der Bundesrepublik war nach dem Jahr 1952 erfolgten Abschluss der Entschädigungsverhandlungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel und mit dem Ende der Entnazifizierung in den 1950er Jahren Antisemitismus kein Thema mehr. In Österreich hingegen zogen sich die Entschädigungsverhandlungen mit den jüdischen Organisationen in die Länge, was antisemitische Abwehrhandlungen mit sich brachte.[9]

In den Anfangsjahren hielten sich Juden aus Osteuropa von der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) fern, die Beziehung zwischen diesen genannten und den Wiener Juden glich einer gegenseitigen Abgrenzung. Nicht nur österreichische Politiker, auch assimilierten Juden gegenüber den jüdischen Flüchtlingen ablehnend gegenüber. Wahrscheinlich aus Angst versuchte die IKG einen idealtypischen Juden zu präsentieren, um die in den Nachkriegsjahren auch in vielen kleinen Ortschaften auffallenden jüdischen Flüchtlinge verschwinden zu lassen. Die stark überalterte jüdische Gemeinde in Wien verdankt ihr Überleben letztendlich aber der Zuwanderung von jüdischen Flüchtlingen aus Osteuropa.[10]

Demütigung, Verfolgung, Entwürdigung und Ermordung prägten die Schoah, welche auch Überlebende mitzutragen hatten. In dieser Situation erwies sich der Zionismus als einzig sinnhafte Überlebensstrategie. Israel wurde für die Überlebenden nicht nur zur letzten Zufluchtsoption im Falle einer neuen Verfolgung, die Gründung des jüdischen Staates 1948 galt auch als Beweis für die Lebensfähigkeit des jüdischen Volkes.[11]

[...]


[1] Vgl. Poliakov, 1977, S. 36-37.

[2] Vgl. Wassermann, 2002, S. 66.

[3] Vgl. Ebd., S. 67-68.

[4] Vgl. Jacobmeyer, 1985, S. 30.

[5] Vgl. Pegel, 1997, S. 24-25.

[6] Vgl. Albrich, 1988, S. 25-26.

[7] Vgl. Wassermann, 2002, S. 68-69.

[8] Segev, 1995, S. 161.

[9] Vgl. Botz/Oxaal (u.a.), 2002, S. 357.

[10] Vgl. Embacher, 1995, S. 91-93.

[11] Vgl. Botz/Oxaal (u.a.), 2002, S. 365-366.

Details

Seiten
14
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668678231
ISBN (Buch)
9783668678248
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v418692
Institution / Hochschule
Universität Wien
Note
2
Schlagworte
antisemitismus österreich zweiten weltkrieg

Autor

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Titel: Der Antisemitismus in Österreich seit dem Zweiten Weltkrieg