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Entwicklung der Rehabilitations- und Präventionsmaßnahmen nach einer Ruptur des vorderen Kreuzbandes beim Fußball

Bachelorarbeit 2017 67 Seiten

Sport - Sportmedizin, Therapie, Prävention, Ernährung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Inhaltliche Angaben
2.1 Anatomische Strukturen im Kniegelenk
2.1.1 Knöcherne und knorpelige Gelenkstrukturen
2.1.1 Menisken
2.1.2 Bandapparat
2.1.3 Gelenkkapsel
2.1.4 Muskulärer Halteapparat des Kniegelenks
2.2 Der vordere Kreuzbandriss
2.2.1 Diagnostik
2.2.1.1 Zeitpunkt der Diagnosestellung
2.2.1.2 Klinische Untersuchungsprinzipien
2.2.2 Die Wahl der Therapie: operativ oder konservativ?
2.2.3 Entwicklungen der Rehabilitationsmaßnahmen
2.2.3.1 Rehabilitation vor
2.2.3.2 Rehabilitation nach
2.2.3.3 Erkenntnisse der heutigen orthopädischen Sportmedizin
2.2.4 Präventive Maßnahmen für das vordere Kreuzband im Fußballsport
2.3 Herleitung der Fragestellung

3. Entwicklung der empirischen Untersuchung
3.1 Ansätze der quantitativen Sozialforschung
3.2 Das Grundkonzept der vorliegenden empirischen Studie
3.2.1 Darstellung der gewählten Methode
3.2.2 Überblick über die entwickelten Datenerhebungsinstrumente
3.2.3 Beschreibung der Stichproben
3.2.4 Durchführung der empirischen Studie
3.2.5 Methode der Datenauswertung

4. Ergebnisse
4.1 Fußballspieler
4.2 Fußballtrainer
4.3 Ärzte und Physiotherapeuten

5. Diskussion
5.1 Ergebnisdiskussion
5.2 Kritische Betrachtung der gewählten Methode

6. Fazit und Ausblick

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Spezielles Training beim Wiedereinstieg in den Fußballsport nach vorderer Kreuzbandruptur

Abbildung 2: Probleme im Alltag nach Kreuzbandoperation

Abbildung 3: Ärztliche und Physiotherapeutische Empfehlungen zur richtigen Behandlungsmethode

1. Einleitung

Sportverletzungen gehören gerade im Fußball aufgrund der körperbetonten Spielweise zum Alltag. Faude, Meyer, Federspiel und Kindermann (2009) berichten davon, dass beim Fußball rund 76 % aller Verletzungen in den unteren Extremitäten auftreten (vgl. S. 139). Es geht hierbei oftmals um Verletzungen der Ligamente im Sprung- oder Kniegelenk, wobei eine bei Fußballspielern sehr häufig vorkommende Verletzung der Kreuzbandriss ist.

Wenn in der Medizin über einen Kreuzbandriss gesprochen wird, ist damit in derRegel eine Ruptur des vorderen Kreuzbandes gemeint, weil diese Verletzung im Ver-gleich zum hinteren Kreuzband sehr viel häufiger auftritt (vgl. Höher, 2012, S. 1). DieZahl der Kreuzbandrupturen, die in Deutschland pro Jahr verzeichnet werden, istmittlerweile auf circa 100.000 angestiegen (vgl. ebd., S. 1). Mehr als 80 % dieserVerletzungen ziehen sich die Betroffenen während des Sporttreibens zu. Gerade beiKontaktsportarten, bei denen die Sportler mit ihrem Gegner in Körperkontakt gera-ten, kommt es regelmäßig zu schweren Kreuzbandverletzungen (vgl. Petersen, Ro-senbaum Raschke, 2005a, S. 150). Nach Höher (2012) treten die meisten Kreuz-bandverletzungen in Deutschland beim Fußball auf, was wohl auch damit zusam-menhängt, dass Fußball die am häufigsten ausgeübte Sportart ist (vgl. S. 2).

Trotz der Schwere dieser Verletzung kommt es durchaus vor, dass Spieler aufgrundihrer stark ausgeprägten Muskulatur nach einer kurzen Schmerz- und Schwellungs-periode ohne größere Probleme wieder laufen können (vgl. ebd.). Wird eine Kreuz-bandruptur nicht diagnostiziert und therapiert, kann dies schwere gesundheitlicheFolgen für den betroffenen Spieler haben. Es sollte in Bezug auf die Wichtigkeit derTherapie auch betont werden, dass die vordere Kreuzbandruptur im Fußball der häu-figste Grund für ein vorzeitiges Karriereende ist (vgl. ebd., S. 3). Musste man voreinigen Jahren nach einem Kreuzbandriss noch mit einer sehr langen Unterbrechungrechnen, fehlt ein betroffener Spieler in der heutigen Zeit, zumindest im Profibereich,selten länger als sechs Monate. Dieses Phänomen scheint jedoch auch immer mehrim Amateurfußball aufzutauchen. Kann die rasante Genesung der Spieler teilweiseauch als Folge von neuen Erkenntnissen in der Medizin und der Physiotherapie ge-sehen werden?

Die folgende Arbeit soll sich mit dem Entwicklungsprozess der medizinischen undphysiotherapeutischen Behandlung speziell im Hinblick auf die Rehabilitation und diePrävention im Fußballsport beschäftigen. Mithilfe eines selbst entwickelten Fragebo-gens sollen sowohl Ärzte und Physiotherapeuten, als auch Fußballtrainer und Fuß-ballspieler in der Region Osnabrück zur vorderen Kreuzbandruptur befragt werden.Da ich mir vor zwei Jahren ebenfalls einen vorderen Kreuzbandriss beim Fußballzuzog, konnte ich bereits viele Ansichten über diesen Themenbereich erfahren. Da-bei zeigten sich gerade in der Medizin viele unterschiedliche Meinungen und thera-peutische Herangehensweisen im Umgang mit dieser Verletzung. Während einigeÄrzte sagten, ich könne spätestens nach dem sechsten postoperativen Monat wieder in das Mannschaftstraining einsteigen, empfahlen andere eine mindestens zwölfmo-natige Pause. Auch die Therapietermine bei verschiedenen Physiotherapeuten ver-folgten unterschiedliche Ansätze. Während ich in einer Trainingseinheit bereits nachachten postoperativen Wochen Sprungübungen mit meinem verletzten Kniegelenkdurchführte, bestanden andere Therapeuten darauf, dass ich in den ersten drei Mo-naten keine dynamischen Kräftigungsübungen ausführen sollte. Ich fragte mich, wiees für einen Amateursportler wie mich innerhalb von sechs Monaten überhaupt funk-tionieren sollte, zur früheren Stärke zurückzufinden, denn anders als im Profisportfand keine tägliche Betreuung statt. Wie soll es für Amateursportler umsetzbar sein,dass mithilfe von oftmals höchstens zwei physiotherapeutische Einheiten pro Wochekeine gesundheitlichen Risiken in Kauf genommen werden, wenn bereits nach sechsMonaten wieder Fußball gespielt wird? Jahrelange Fußballerfahrung lässt vermuten,dass mit einem zu frühen Einstieg in das Mannschaftstraining auch das Wiederver-letzungsrisiko enorm steigt. Lässt sich diese Annahme empirisch belegen? WelcheUnterschiede lassen sich gerade in Bezug auf Rehabilitation und Prävention zwi-schen dem Amateur- und Profifußball finden? Aufgrund dessen, dass im Rahmender vorliegenden Arbeit über Unterschiede und Gemeinsamkeiten des Profi- und desAmateurfußballs gesprochen werden soll, ist es wichtig zu definieren, an welcherStelle zwischen den Begriffen abgegrenzt wird. Als Amateurspieler werden in dieserArbeit Spieler bezeichnet, die unterhalb der Regionalliga spielen, der Bereich zwi-schen Regionalliga und 1. Bundesliga gilt als Profifußball.

Die vorliegende Arbeit ist wie folgt aufgebaut: Beginnend mit einführenden Bemer-kungen zur Anatomie, werden im weiteren Verlauf des zweiten Kapitels sowohl dieunterschiedlichen Therapiemaßnahmen als auch die rehabilitativen Entwicklungenseit den 1970er Jahren, bezogen auf eine Ruptur des vorderen Kreuzbandes, be-schrieben. Der empirische Teil der Arbeit (als drittes Kapitel) beginnt mit einem kur-zen Überblick zur quantitativen Sozialforschung, bevor anschließend das Grundkon-zept der im Rahmen dieser Bachelorarbeit durchgeführten empirischen Studie be-schrieben wird. Nachfolgend sollen die Ergebnisse der Studie zuerst präsentiert(viertes Kapitel) und anschließend vor dem Hintergrund der im zweiten Kapitel dar-gestellten Informationen eingeordnet und diskutiert (fünftes Kapitel) werden. Hinzukommt eine kritische Bewertung der gewählten Methode. Abschließend sollen dieErgebnisse der Studie im Zusammenhang mit dem bereits vorhandenen Hinter-grundwissen in einem zusammenfassenden Fazit festgehalten werden (sechstes Ka-pitel).

2. Inhaltliche Angaben

Das folgende Kapitel soll ein theoretisches Hintergrundwissen zur vorderen Kreuz-bandruptur liefern. Dafür sollen zuerst die anatomischen Grundlagen des Kniege-lenks beschrieben werden, bevor anschließend auf die Verletzung des vorderenKreuzbandes eingegangen werden soll. Im weiteren Verlauf des zweiten Kapitelswerden außerdem die Diagnostik und die unterschiedlichen Therapiemöglichkeitenbeleuchtet, bevor anschließend der Entwicklungsprozess der Rehabilitation chrono-logisch dargestellt wird. Danach soll der heutige Stand der Sportmedizin in Bezugauf die Rehabilitation präsentiert werden und die in der Literatur beschriebenen Mög-lichkeiten der Prävention von vorderen Kreuzbandrupturen sollen genauer aufge-zeigt werden. Zum Abschluss des zweiten Kapitels soll die Herleitung der Fragestel-lung erfolgen.

2.1 Anatomische Strukturen im Kniegelenk

Das Kniegelenk ist als Verbindung zwischen Ober- und Unterschenkel ein Scharnier-gelenk, das neben einer geringen Rotationsbewegung bei gebeugtem Knie seineHauptbewegungsrichtungen hauptsächlich in Flexion und Extension hat. Es wird inder Literatur als ein „zusammengesetztes Gelenk“ (Aus der Fünten, Faude,Hecksteden, Such, Hornberger Meyer, 2013a, S.113) bezeichnet, weil der Gelenk-kopf durch das distale Ende des Oberschenkelknochens (Femur) gebildet wird undder Tibiakopf als Gelenkpfanne dient. Darüber hinaus besteht ein weiteres Gelenkzwischen dem distalen Oberschenkel und der Rückfläche der Kniescheibe (Patella)(vgl. ebd., S. 113). Laut Ehrich und Gebel (2000) ist das Kniegelenk das am stärkstenbelastete Gelenk des menschlichen Körpers und wird hauptsächlich durch die ischi-ocruralen Muskelgruppen und den Musculus1 quadriceps femoris bewegt und stabi-lisiert (vgl. S. 114).

2.1.1 Kn ö cherne und knorpelige Gelenkstrukturen

Das Kniegelenk besteht aus den drei Knochen: Femur, Tibia und Patella. Der Ge-lenkkopf wird vom distalen Ende des Oberschenkelknochens (Femur) gebildet undder Kopf des Schienbeins (Tibia) gilt als Gelenkpfanne (vgl. Aus der Fünten et al.,2013a, S. 113). Am Ende des Femurs liegen zwei Kondylen, die auf der Vorderseitedes Knies vereint sind, auf der Rückseite jedoch eine sichtbare Trennung aufweisen.Die beiden Kondylen dienen als Gelenkfläche des Oberschenkelknochens, habendarüber hinaus aber jeweils einen Knochenvorsprung am lateralen und medialenEpikondylus, der als Epikondyl bezeichnet wird (vgl. ebd., S. 113). Am lateralen undmedialen Epikondylus setzen die beiden Kollateralbänder an. Das Schienbein hateinen breiten Kopf und an der Tuberositas tibae inseriert das Ligamentum patellae.

Das Ligamentum patellae bildet unterhalb der Patella die Fortsetzung der unterenQuadrizepssehne des vorderen Oberschenkels, die die Kniescheibe einbettet.Die reibungslose Gleitfähigkeit des Kniegelenks wird durch den hyalinen Gelenk-knorpel sichergestellt, der eine glatte Oberfläche bildet und dadurch Reibungen zwi-schen den Gelenkpartnern verhindert (vgl. ebd., S. 99, 113). Der nerven- und gefäß-lose Gelenkknorpel, ist druck- und biegefest und dient als Stützgewebe im viel be-lasteten Kniegelenk. Die Synovialflüssigkeit, die den Gelenkknorpel umgibt, ist so-wohl für die Ernährung des Knorpels, als auch für die Gleitfähigkeit im Kniegelenkzuständig.

2.1.1 Menisken

Die beiden Menisken, die als Knorpelscheiben zwischen Oberschenkelknochen undSchienbeinknochen verwachsen sind, haben eine stoßdämpfende Funktion, diegleichzeitig auch eine Oberflächenreibung der beiden nicht übereinstimmenden Kno-chen verhindert (vgl. Plesch, Sieven Trzolek, 2009, S. 104). Innen- und Außen-meniskus bestehen aus Bindegewebe und „sind beweglich am Schienbein fixiert“(ebd., S.104). Sie arbeiten sowohl bei Flexion, Extension und Rotation des Kniege-lenks aktiv mit, denn bei den unterschiedlichen erwähnten Bewegungsrichtungen,die im Kniegelenk stattfinden, werden die Menisken verformt und in unterschiedlicheRichtungen verschoben. Dies führt dazu, dass die Inkongruenz der Kniegelenksflä-chen ausgeglichen wird und die Kontaktflächen der Knochen vergrößert werden,wodurch das Kniegelenk an Stabilität gewinnt (vgl. ebd., S. 105).

Der Ursprung und die Form der beiden Menisken ist jedoch sehr unterschiedlich:Während der mediale Meniskus eine halbmondförmige Form aufweist und mit demLigamentum collaterale tibiale und der Area intercondylaris anterior verwachsen ist,ist der laterale Meniskus „ringförmig“ (Aus der Fünten et al., 2013a, S.113) und be-weglicher, da er nicht mit dem Seitenband verwachsen ist (vgl. Ehrich Gebel, 2000, S. 115).

2.1.2 Bandapparat

Die Stabilität wird durch die kräftigen Führungsbänder des Kniegelenks gewährleis-tet. Hierzu zählen das ligamentum collaterale laterale (Außenband) und das liga-mentum collaterale mediale (Innenband), die bei der Extension maximal gespanntsind und so eine seitliche Verschiebung des Kniegelenks in gestreckter Position ver-hindern. Das ligamentum cruciatum anterius (vorderes Kreuzband) und das ligamen-tum cruciatum posterius (hinteres Kreuzband) zielen vor allem darauf ab, eine Ver-schiebung des Kniegelenks nach ventral oder nach dorsal zu unterbinden.

Ligamentum collaterale laterale

Das Außenband des Kniegelenks hat eine Länge von fünf bis sieben Zentimeter understreckt sich vom lateralen Femurepikondylus bis zum Fibulakopf (vgl. Merl Im-hoff, 2000, S. 8). In der Beugeposition sind Außen- und Innenband entspannt und ermöglichen dem Kniegelenk die Rotation und eine damit verbundene „leichte Aufklappbewegung“ (Plesch et al., 2009, S. 104) nach außen und innen.

Ligamentum collaterale mediale

Der mediale Kollateralbandkomplex „ist ein dreieckiges plattes Band, das in die Membrana fibrosa der Kapsel eingebaut und mit dem Meniscus medialis fest verwachsen ist“ (Platzer, 2013, S. 206). Es ist zehn bis zwölf Zentimeter lang und circa einen halben Zentimeter breit (vgl. Plesch et al., 2009, S. 110). Das Innenband entspringt an der medialen epikondylären Anheftung und setzt circa fünf Zentimeter unterhalb des Tibiaplateaus an (vgl. Merl Imhoff, 2000, S. 7).

Ligamentum cruciatum anterius (LCA)

Das circa drei bis vier Zentimeter lange vordere Kreuzband ist ein parallelfaserigesBand zwischen der dorsalen Begrenzung der Innenfläche des lateralen Femurkon-dylus und der vorderen Mitte des Tibiakopfes (vgl. Teller, König, Weber Hertel,2002, S. 29). Seine Ansatzflächen haben einen größeren Durchmesser als das Zent-rum, weshalb in der Literatur auch von einer „trompetenförmigen Ausbreitung“ (ebd., S. 42) gesprochen wird. Bei Knieextension befindet sich auch das vordere Kreuz-band in der Streckung, bei der Flexion des Kniegelenks hingegen ist ein leicht ge-krümmter Verlauf des LCA erkennbar. Die Hauptfunktionen des vorderen Kreuzban-des sind die Stabilisation des Knies und das Verhindern der Rotation im Kniegelenk.Außerdem verhindert das LCA ein Weggleiten der Tibia gegenüber dem Femur nachanterior.

Ligamentum cruciatum posterius (LCP)

Das hintere Kreuzband wird als das kräftigste Band im Kniegelenk angesehen (vgl.ebd., S. 42) und entspringt an der lateralen Seitenfläche des medialen Femurkon-dylus. Der Ansatzpunkt des LCP befindet sich am Ansatzplateau des Tibiakopfes.Ähnlich wie das LCA, schränkt das hintere Kreuzband die Knierotation ein und trägtzur Stabilisation des Kniegelenks bei. Die Hauptfunktion des LCP liegt allerdings da-rin, zu verhindern, dass die Tibia gegenüber dem Femur nach posterior weggleitet.

2.1.3 Gelenkkapsel

Die Gelenkkapsel (Capsula articularis genu) stellt den Kontakt zwischen distalemFemurende, proximalem Tibiaende und den Rändern der Kniescheibe sicher undwird somit als eine Verbindung der Knochenstrukturen des Knies gesehen. Die In-nenhaut der Gelenkkapsel wird als Membrana synovialis bezeichnet und bildet dieGelenkflüssigkeit (Synovia), die nicht nur für die Ernährung des Knorpels, sondernauch für die reibungslose Bewegung des Kniegelenks von großer Bedeutung ist.

2.1.4 Muskul ä rer Halteapparat des Kniegelenks

Die Hauptbewegungsrichtungen des Kniegelenks, die von der Muskulatur ausgeführtwerden, „sind die Beugung und Streckung; in geringem Ausmaß (15°) sind [auch]Innen- und Außenrotation möglich“ (Aus der Fünten et al., 2013a, S.114). Daher lässtsich die Muskulatur in Beugemuskulatur, Streckmuskulatur und Rotatoren untertei-len.

Beugemuskulatur

Die Flexion im Kniegelenk wird fast ausschließlich durch die Muskulatur in der Ober-schenkelrückseite betrieben. Die wichtigste Bedeutung bei der Beugung des Knie-gelenks wird dem M. biceps femoris, dem M. Semimembranosus und dem M. semi-tendinosus beigemessen, die zusammen als ischiocrurale Muskulatur bezeichnetwerden. Weitere wichtige Muskeln, die bei der Flexion von großer Bedeutung sind,sind der M. gracilis und der M. sartorius. Im Bereich der Unterschenkelmuskulaturspielt vor allem der M. popliteus eine wichtige Rolle bei der Beugung des Kniege-lenks. Dem M. gastrocnemius wird als Flexor des Kniegelenks allerdings keine sehrentscheidende Bedeutung zugemessen, da er laut Tillmann (2009) vor allem für einePlantarflexion oder die Supination des Fußes zuständig ist (vgl. S. 77).

Streckmuskulatur

Für die Extension im Kniegelenk und die Kontrolle der entgegengesetzten Bewegungist fast ausschließlich die Quadrizeps-Gruppe zuständig (vgl. Ehrich Gebel, 2009, S. 116). Diese besteht aus dem M. rectus femoris, dem M. vastus medialis, dem M. vastus intermedius und dem M. vastus lateralis. Der M. rectus femoris ist aller-dings der Einzige der vier Muskeln, der seinen Ursprung am Hüftknochen nimmt unddadurch eine Wirkung auf zwei Gelenke hat (vgl. Zimmermann, 1989, S. 80). „Der M. rectus femoris wird in seiner Streckfunktion unterstützt durch die Mm. vasti. Diese haben ihren Ursprung am Femur“ (ebd. S. 82). Durch die Partellasehne ist der M. quadriceps femoris mit der Tibia verbunden und hat so die größte Wirkung bei der Streckung des Kniegelenks.

Der M. quadriceps femoris ist ein sehr kräftiger Muskel, der bis zu dreimal mehr Arbeit leistet als die Flexoren, da er gegen die Schwerkraft arbeiten muss.

Rotatoren

Nach Kapandji (2006) sind die Kniegelenksbeuger auch gleichzeitig Rotatoren (vgl. S. 142). „Muskeln, die lateral der vertikalen Drehachse XX’ inserieren, sind Außen-rotatoren“ (ebd., S. 142) während „Muskeln, die medial der vertikalen Achse XX’ desKniegelenks inserieren“ (ebd., S. 142) als Innenrotatoren bezeichnet werden. Zu denAußenrottoren gehören der M. biceps femoris und der M. tensor fasciae latae (nurbei Flexion Außenrotator). Zu den Innenrotatoren gehören der M. sartorius, der M. semitendinosus, der M. semimembranosus, der M. gracilis sowie der M. popliteus (vgl. ebd., S. 142).

Des Weiteren tritt bei der maximalen Extension des Kniegelenks die sogenannteSchlussrotation auf. Dieser Mechanismus beschreibt eine Außenrotation des Unter-schenkels bzw. eine Innenrotation des Oberschenkels um ungefähr 5° während derletzten 10 % der Kniestreckung. Die Schlussrotation wird vor allem durch das vordereKreuzband hervorgerufen (vgl. Jagodzinski, Friederich Müller, 2016, S. 38). Siesorgt für zunehmende Stabilität des Kniegelenks, weil die beiden Kollateralbändergespannt werden und so ein „Ausbrechen“ des Knies nach medial oder lateral ver-hindert wird.

2.2 Der vordere Kreuzbandriss

Der vordere Kreuzbandriss gehört zu einer der folgenschwersten Verletzungen imSport. Gerade körperliche Sportarten (z.B. Fußball) stellen ein enormes Verletzungs-risiko für die Athleten dar. Laut Merkle (o. J.) „ist eine deutliche Zunahme von Kreuz-bandverletzungen beim Fußballspielen zu verzeichnen“, obwohl rund 70 % der vor-deren Kreuzbandrupturen ohne gegnerische Einwirkung entstehen (vgl. Petersen etal., 2005a, S. 150). Eine Verletzung des vorderen Kreuzbandes tritt häufig auf, nach-dem der betreffende Spieler einen plötzlichen Richtungswechsel während des Lau-fens vollführt hat und eine damit verbundene Verdrehung im Kniegelenk stattfindet.Nichtsdestotrotz entstehen viele Kreuzbandrupturen, gerade in körperbetontenSportarten, auch durch direkten Kontakt mit dem Gegenspieler.

Eine vordere Kreuzbandruptur kann sowohl durch einen knöchernen Ausriss desKreuzbandes am lateralen Femurkondylus, als auch durch einen Riss des Bandesselbst entstehen. In einigen Fällen kommt es auch zu einem Anriss des betreffendenLigaments. Laut Schabus und Bosina (2007) trägt vor allem die Schnelligkeitsent-wicklung des Fußballspiels zum häufigen Auftreten von vorderen Kreuzbandverlet-zungen bei (vgl. S. 26). Andere Experten sehen in diesem Zusammenhang eher diestetigen Veränderungen des Schuhwerkes als maßgeblichen Einflussfaktor (vgl.Schneiders, 2013).

Das folgende Kapitel soll einzelne medizinische und rehabilitative Vorgehensweisen,die nach einer vorderen Kreuzbandruptur erfolgen sollten, chronologisch beschrei-ben und den in den letzten Jahrzehnten vollzogenen Entwicklungsprozess heraus-stellen.

2.2.1 Diagnostik

Laut Schneiders (2013) sind Rupturen des vorderen Kreuzbandes im Amateurfußballbeinahe zu einer alltäglichen Verletzung geworden und auch im Profifußball scheintes eine ansteigende Zahl an Kreuzbandverletzungen zu geben (vgl. Faude et al.,2009, S. 139). Ein von Seeliger (2008) befragter Kniespezialist der Mediapark Klinikin Köln (Dr. Peter Schäferhoff), weist im Zusammenhang mit der Zunahme vonKreuzbandverletzungen darauf hin, dass „sich die Diagnostik so sehr verbessert[hat], dass man heute jede [Verletzung] entdeckt“. Der Arzt erklärt, dass früher eineweitaus oberflächlichere Diagnose erfolgt sei, bei der die Behandlung aus Eingipsen und Ruhigstellen bestanden habe, bevor ohne Rehabilitationsprogramm wieder mitdem Fußballtraining begonnen worden sei (vgl. Schneiders, 2013). Schäferhoff, derauch Vereinsarzt des 1. FC Köln ist, ist außerdem der Ansicht, dass die Anzahl anKreuzbandverletzungen gerade im Amateurbereich zunimmt (vgl. ebd.).Um diese schwerwiegende Verletzung des Kapsel-Bandapparates bestmöglich zubehandeln, spielt die genaue klinische Diagnostik eine sehr entscheidende Rolle.Anderenfalls ist oft eine Instabilität im Kniegelenk die Folge, die im weiteren Verlaufzu Folgeschäden wie zum Beispiel Arthrose führen kann (vgl. Schmidt-Wiethoff Dargel, 2007, S. 389). Auch wenn bei einem „muskulär und koordinativ geschultenSportler die Instabilität [...] anfänglich kompensiert werden kann“ (ebd., S.385), ist eszwingend notwendig den betroffenen Spieler schnellstmöglich in eine Unfallambu-lanz einzuliefern (vgl. Meier Schur, 2006, S. 79).

2.2.1.1 Zeitpunkt der Diagnosestellung

Die Untersuchung des Patienten und die damit verbundene Diagnosestellung sollteschnellstmöglich erfolgen, weil oftmals durch Einblutungen in das Gelenk starkeKniegelenkschwellungen auftreten können (vgl. Schabus Bosina, 2007, S. 27).Diese erschweren eine sachgemäße Untersuchung und können unter Umständenbleibende Schäden im Kniegelenk verursachen (vgl. Schmidt-Wiethoff Dargel,2007, S. 385), die dauerhafte Leistungsminderungen des betroffenen Sportlers nachsich ziehen können (vgl. Steinbrück, 1982, S.12). Allerdings können durch richtigeFragestellungen an den Patienten und durch die Ausführung verschiedener klini-scher Stabilitätstests bereits in der Anamnese Schlüsse gezogen werden, ob es sichum eine Kreuzbandverletzung handeln könnte. Diese werden zu den Untersu-chungsprinzipien der klinischen Diagnostik gezählt und sollen im folgenden Abschnittgenauer beschrieben werden.

2.2.1.2 Klinische Untersuchungsprinzipien

Nach Schmidt-Wiethoff und Dargel (2007) werden die Symptome einer vorderenKreuzbandverletzung mit „Schmerzen und Funktionseinschränkungen“ (S. 385), so-wie einem blutigen Erguss im Kniegelenk und einem Gefühl von Instabilität beschrie-ben. Durch das passive und aktive Bewegen des Kniegelenks und die klinische Prü-fung der Bandstabilität mithilfe des Lachman-Tests, können erfahrenen Ärzte oftschnelle und sichere Diagnosen treffen (vgl. Schabus Bosina, 2007, S. 27). Dar-über hinaus findet der Schubladentest bei einer extensionsnahen Stellung des Knie-gelenks häufig Anwendung. Wenn der Patient eine vordere Kreuzbandruptur hat,spürt man das „Klopfen“ (ebd., S. 28) nicht mehr, das normalerweise durch das zwi-schen Tibia und Femur gespannte vordere Kreuzband erzeugt wird. Außerdem wirddem Pivot-shift-Test eine tragende Rolle bei der Überprüfung der Funktionalität desvorderen Kreuzbandes und der Kniestabilität beigemessen. Das Kniegelenk befindetsich hierbei in der Extension und wird unter Valgusdruck, axialem Druck und leichterInnenrotation schnell gebeugt. Beim Auftritt einer vorderen Subluxation der Tibia bei 30 bis 40° Flexion wird der Test als positiv bewertet und spricht für eine Ruptur des vorderen Kreuzbandes (vgl. Jagodzinski et al., 2016, S. 22f.).

Bildgebende Untersuchungsverfahren

Damit Beschädigungen am Knochen oder knöcherne Ausrisse ausgeschlossen wer-den können, „werden Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen angefertigt“ (List, 2009, S. 309). Diese werden außerdem durch eine axiale Zielaufnahme der Patella ergänzt(vgl. Schmidt-Wiethoff Dargel, 2007, S. 386). Um versorgungspflichtige Begleitver-letzungen zu erkennen, ist es für den Patienten unausweichlich sich einer Magnetre-sonanztomographie (MRT) zu unterziehen, weil sich durch die Röntgenaufnahmenweder Schäden an den Menisken noch an den Kollateralbändern erkennen lassen.Hinzukommend kann mithilfe der MRT ein genauer Therapieplan ausgearbeitet wer-den, der dem Patienten Informationen in Bezug auf die Rekonstruktion, den eventu-ellen Operationszeitpunkt und die Ausheilprognose des Kniegelenks gibt (vgl. Scha-bus Bosina, 2007, S. 30). Oftmals treten gerade beim sehr körperbetonten Fuß-ballsport neben einem Kreuzbandriss auch schwere Begleitverletzungen im Kniege-lenk auf, die eine Operation für den Patienten obligatorisch machen (vgl. Plesch etal., 2009, S. 114; Aus der Fünten, Faude, Skorski Meyer, 2013, S. 205). Leumann,Weisskopf, Wildisen, Hirschmann, Küttel, Vavken, Spring, Pagenstert, Goricki, Bie-dert und Romero (2013b) berichten, dass bei 75% der Patienten, die an einer vorde-ren Kreuzbandruptur leiden, auch Begleitverletzungen diagnostiziert werden (vgl. S. 8). Dies ist einer von vielen Gründen dafür, dass viele Fußballspieler sich für die operative Behandlungsmethode entscheiden. Dennoch gibt es viele verschiedene Faktoren, die einen Spieler eventuell auch dazu bewegen eine konservative Therapiemethode zu wählen. Das nachfolgende Unterkapitel wird sowohl die konservative als auch die operative Behandlungsmethode kritisch betrachten und die Vor- und Nachteile der beiden Therapien untersuchen.

2.2.2 Die Wahl der Therapie: operativ oder konservativ?

„Bis Ende der 1990er Jahre galt die konservative Behandlung von Kreuzbandruptu-ren im Wachstumsalter als Standardverfahren“ (Preiss, Brodhun, Stietencron Frosch, 2012, S. 848). Durch die diagnostischen Fortschritte in der Medizin, spezielldurch Kernspinuntersuchungen, wird in der heutigen Zeit im Normalfall fast jede Ver-letzung im Kniegelenk frühzeitig erkannt, weshalb immer mehr operative Rekonstruk-tionen des vorderen Kreuzbandes vorgenommen werden (vgl. Schmidt-Wiethoff Dargel, 2007, S. 386). Laut Diemer und Sutor (2012) werden in den USA pro Jahrbei rund 200.000 Patienten, die an einer Ruptur des vorderen Kreuzbandes leiden,Transplantate eingesetzt (vgl. S. 40). In Deutschland ist die Zahl der Operationengemessen an der „Bevölkerungsstärke sogar noch höher als in den USA“ (ebd., S. 40). Gerade im jungen Alter und bei hoher sportlicher Aktivität wird dem Patientengeradezu „selbstverständlich“ (ebd., S.40) empfohlen sich einer Operation zu unter-ziehen. Hierbei wird dem Patienten das gerissene Kreuzband zumeist durch eine körpereigene Sehne (z. B. Teil der Patellasehne oder durch die Sehne des M. semitendinosus und M. gracillis) transplantiert. Trotz der Tatsache, dass viele Ärzte und Wissenschaftler unterstreichen, bei der Wahl einer Behandlungsmethode vor allem die Umstände der Verletzung zu beachten (vgl. Leumann et al., 2013b, S. 9), wählt ein Großteil der Patienten eine operative Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes, obwohl in vielen Fällen auch durch konservative Therapien gute Ergebnisse erzielt werden könnten (vgl. Renström Kelm, 2007, S. 392).

Bisher gibt es sehr wenige wissenschaftliche Studien, die sich damit beschäftigen,welche der beiden oben genannten Behandlungsmethoden die erfolgversprechen-dere ist (vgl. ebd., S. 392). Daher gibt es bei den untersuchenden Ärzten immer wie-der Meinungsverschiedenheiten und ihre Empfehlungen können dabei stark variie-ren (vgl. Leumann et al., 2013b). Ascher (o. J.) verweist beispielsweise darauf hin,dass sich seiner Erfahrung nach „etwa die Hälfte der Patienten ideal für einen kon-servativen Behandlungsversuch“ eignen und dass die konservative Ausheilungsrateeiner vorderen Kreuzbandverletzung in den letzten zehn Jahren circa 30 % betragenhat. Preiss et al. (2012) berichten davon, dass bei bis zu 91 % der konservativ the-rapierten Patienten Instabilitäten auftreten (vgl. S. 848). Auch List (2009) verdeut-licht: „Eine Ausheilung des rupturierten Kreuzbandes ist nicht zu erwarten; man kannjedoch die Instabilität bis zu einem gewissen Grad durch eine starke, reaktionsfähigeMuskulatur kompensieren“ (S. 309). Außerdem wird in der Literatur teilweise die An-sicht vertreten, dass ein Patient mit einer konservativ versorgten Kreuzbandverlet-zung eine kürzere Rehabilitationszeit benötigt als ein Patient, der sich einer Opera-tion unterzieht (vgl. Diemer Sutor, 2012, S. 40; Gesundheitsdirektion des KantonsZürich, 2009, S.9). Dies bedeutet, dass der betreffende Spieler auch entsprechendschneller in den Arbeitsalltag beziehungsweise auf das Spielfeld zurückkehrt.

In Schweden sind viele Ärzte der Meinung, dass es von entscheidender Bedeutungist, dass konservative und operative Therapie als gleichwertig angesehen werden.Die Ärzte sprechen gegenüber dem Patienten keine klare Empfehlung für eine derbeiden Therapiemöglichkeiten aus, sondern wägen in einem klinischen Entschei-dungsprozess ab, welche Behandlungsmethode dem Patienten am besten zu seinervollen Genesung verhilft. Bei einem isolierten Kreuzbandriss wird beispielsweise ersteinmal auf eine Operation verzichtet und versucht in den folgenden drei bis sechsMonaten konservativ zu therapieren (vgl. Diemer Sutor, 2007, S. 41). Dabei ist vorallem das Ziel, durch physikalische und manuelle Therapie das volle Bewegungs-ausmaß des Kniegelenks wiederherzustellen und es von Reizungen zu befreien. Au-ßerdem ist einer der zentralen Aspekte auch der Muskelerhalt des M. quadricepsfemoris (vgl. ebd., S. 41). Wenn es dem Patienten gelungen ist die vorgegebenenZiele zu erreichen, wird die konservative Therapiemethode fortgesetzt. Anderenfallswird dem Patienten empfohlen sich nur bei zukünftig hoher sportlicher Belastung ei-ner Operation zu unterziehen. Im weiteren Verlauf der konservativen Behandlungwird durch subjektive und objektive Tests immer wieder die Stabilität des Kniege- lenks und dessen Funktion überprüft. Patienten, deren Testergebnisse positiv ausfallen werden von den Medizinern als „Coper“ (ebd., S. 41) bezeichnet, weil ihre Kniegelenksfunktion wiederhergestellt wurde.

Nach Leumann et al. (2013b) müssen dennoch 51% aller „Coper“ im Nachhinein amKreuzband operiert werden, weil ihr Kniegelenk eine zu große Instabilität aufweist(vgl. S. 7). In einem anderen Artikel bestätigen Leumann und Valderrabano (2013a)ebenfalls, dass „wenn man alle Patienten primär konservativ behandeln würde, 50 %eine doppelte Rehabilitation durchlaufen“ (S. 5) müssten. Keller, Hochleitner, Wei-kard Kurz (2014) unterstreichen, dass jedem Patienten ermöglicht werden solltedie für ihn am besten zutreffende Therapie zu wählen, da es sich bei vorderen Kreuz-bandverletzungen um Einzelfallentscheidungen handele (vgl. S. 20). Es wird außer-dem zum Ausdruck gebracht, dass es nach wie vor sehr wenige hochwertige Studienzum Vergleich der beiden Therapien gibt (vgl. ebd., S. 20; Gesundheitsdirektion desKantons Zürich, 2009, S. 3). Die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich (2009)empfiehlt, sich vor allem bei sehr hoher sportlicher Aktivität oder bei gravierendenBegleitverletzungen einer Operation zu unterziehen (vgl. S. 2). Darüber hinaus ist eswissenschaftlich gesichert, dass konservativ therapierte Sportler weitaus öfter Prob-leme mit Instabilität im betreffenden Knie haben (vgl. Renström Kelm, 2007, S. 393) und ein höheres Risiko für nachfolgende Meniskusverletzungen besteht (vgl.Leumann et al. 2013b, S. 10; Preiss et al., 2012, S. 848). Nichtsdestotrotz bringt eineOperation am Kniegelenk auch Risiken für den Patienten mit sich: „Allgemeine Risi-ken (Infektion, Thrombose usw) und spezifische Risiken (Fehlplatzierung, Kraftver-sagen [...]“ (Leumann et al., 2013b, S.9) werden dabei unterschieden. Außerdembesteht nach einer Operation ein Restrisiko, dass das Transplantat nicht richtig an-wächst oder im schlimmsten Fall erneut reißt. In der Literatur wird deshalb ausdrück-lich darauf hingewiesen, dass man als Arzt einem Patienten keine pauschale Emp-fehlung für eine der beiden Therapien aussprechen sollte, ohne vorher genau überdessen persönliche Ambitionen und Umstände gesprochen zu haben (vgl. Keller etal., 2014. S. 21; Hinterwimmer, Engelschalk, Sauerland, Eitel Mutschler, 2003, S. 374).

Bei einer Entscheidung für die operative Therapie gilt es für den Patienten allerdingsauch „Das Problem des ‚Gelegenheits-VKB-Operateurs’“ (Renström Kelm, 2007, S. 393) zu beachten. Die Autoren sind der Meinung, dass sehr viele Operationen am vorderen Kreuzband von Operateuren geleitet werden, die weniger als zehn Kreuzbandoperationen pro Jahr durchführen (vgl. ebd., S. 393). Dies sei der Grund für Folgeprobleme, weshalb der Schlüssel zu einer erfolgreichen operativen Behandlung ein erfahrener Operateur sei (vgl. ebd., S. 393).

2.2.3 Entwicklungen der Rehabilitationsma ß nahmen

Neben der gewählten Behandlungsmethode spielt auch die Nachbehandlung durchphysiotherapeutische Betreuung und rehabilitatives Training eine tragende Rolle fürden Erfolg des gesamten Heilungsverlaufes (vgl. Höher, 2005, S. 41). Gerade imLeistungssport soll durch intensive Betreuung und frühzeitiges Training der Spieler eine möglichst schnelle Rückkehr auf das Fußballfeld erfolgen. Viele Profifußballersind bereits wenige Wochen nach einer Operation wieder im Training (vgl. Witt, 2017)und fallen oftmals weniger als sechs Monate für den Spielbetrieb aus. Dies ist vorallem dem Fortschritt in der Medizin und Physiotherapie zu verdanken, denn wäh-rend das verletzte Kniegelenk vor einigen Jahrzenten vor Beginn des Rehabilitati-onsprozesses noch bis zu acht Wochen immobilisiert wurde (vgl. Kraus, 1935, S.548f.; Jonasch, 1964, S. 37f.), wird in der heutigen Zeit nach wenigen Tagen aktivam Erhalt und Aufbau der Muskulatur gearbeitet. Das nachfolgende Unterkapitel sollden Entwicklungsprozess einiger Rehabilitationskonzepte der letzten Jahrzehnte be-leuchten, bevor anschließend über die Behandlungsmethoden der heutigen Sport-medizin berichtet wird.

2.2.3.1 Rehabilitation vor 1990

Lamb (2012) berichtet, dass Verletzungen des vorderen Kreuzbandes in den 1960erund 1970er Jahren aufgrund von fehlenden diagnostischen Kenntnissen oftmalsnicht erkannt oder behandelt wurden. Den Ärzten waren zwar klinische Tests (wiebeispielsweise der Schubladentest) bekannt, dennoch konnten isolierte Kreuz-bandrupturen auf diese Weise nicht in jedem Fall festgestellt werden (vgl. Chambat,Guier, Sonnery-Cottet, Fayard Thaunat, 2013, S. 181). Dies war einer der Gründedafür, dass Sportler trotz schwerer Knieverletzungen weiter am Spielbetrieb teilnah-men und durch die unzureichende Kreuzbandfunktion Begleitschäden im betroffenenKniegelenk auftraten (vgl. Lamb, 2012). Häufig auftretende Folgen nicht behandelterKreuzbandverletzungen waren beispielsweise Meniskusschäden oder Arthritis. Oft-mals bedeutete dies für die Spieler, dass sportliche Aktivität auf hohem Niveau nichtmehr möglich war. Einer der führenden Ärzte des Hospital for Sepcial Surgery in NewYork (Dr. Russell F. Warren) betont außerdem, dass es einen enormen Anstieg inZahl der durchgeführten Operationen zu verzeichnen gebe. Seiner Einschätzungnach wurden in seiner Klinik in den 1970er Jahren ungefähr fünf Operationen proJahr am vorderen Kreuzband durchgeführt, während es in der heutigen Zeit ungefähr 1.000 sind (vgl. Lamb, 2012).

Nach einer Operation war die anschließende Rehabilitation in den meisten Fällendurch eine sehr lange Immobilisationszeit bestimmt, die es für den Sportler sehrschwierig machte seine dadurch vollständig abgebaute Muskulatur zu trainieren (vgl.Jonasch, 1964, S. 37f.). Burri, Pässler und Radde (vgl. 1973) fanden anhand einerStudie heraus, dass bei einer Flexion zwischen 20 und 60 Grad keine Zugspannungauf einem der Kreuzbänder lastet und somit auch eine Nachbehandlung mit einge-schränktem Bewegungsausmaß keine größeren Probleme darstellen würde (vgl. S. 378). Die Behandlung nach Henkemeyer und Burri (1973) sieht nach einer siebentägigen Immobilisation und gesicherter Wundheilung einen Bewegungsgips vor (vgl. S. 380). Nach 24 Stunden ist es für den Patienten bereits möglich unter voller Belas-tung und innerhalb des erlaubten Bewegungsgrades zu gehen. Der Bewegungsgipswird für circa sechs Wochen getragen, bevor anschließend eine kurze Phase derÜbungsbehandlung folgt, bis der Patient sein Kniegelenk über 90 Grad gebeugt und voll gestreckt bewegen darf. Helbing und Burri (1977) zeigten, dass die volle Knie-gelenksbeweglichkeit der Patienten bei einer Behandlung mit Bewegungsgips be-reits nach vier bis sechs Wochen erreicht worden war, während ein mit achtwöchigerImmobilisation behandelter Patient mindestens drei Monate Zeit dafür benötigte (vgl. S. 452f.).

Ein weiteres Rehabilitationsprogramm, das in den 1970er Jahren entwickelt wurde,ist sowohl für konservativ als auch operativ behandelte Patienten anwendbar. Yama-moto, Hartman, Feagin und Kimball (1975) legen in dem von ihnen empfohlenenTrainingsprogramm großen Wert auf dynamische Übungen, um die „agility“ (S. 289)(Beweglichkeit) des Sportlers wiederherzustellen. Hierbei geht es vor allem darum,bei schnellen Bewegungen oder Richtungsänderungen kein Instabilitätsgefühl imKniegelenk zu verspüren oder ein Körperungleichgewicht zu vernehmen. Es werdenvon den Autoren allerdings keine Angaben über eine Ruhigstellung des Kniegelenksnach einer Operation oder die Belastungssteigerung während des Programmes ge-macht. Die Verfasser beschreiben lediglich, dass der erste Teil ihres Rehabilitations-programmes durch progressive Widerstandsübungen vor allem der Kraftsteigerungund der Verbesserung des Muskelumfangs dient. Im zweiten Teil konzentriert mansich dann mehr auf die Beweglichkeit und das Vertrauen in das verletzte Knie kon-zentriert. Basisübungen des Programmes sind zum Beispiel Seilspringen, Zehen-stand oder Treppensteigen (vgl. ebd., S. 290).

Paulos, Noyes, Grood und Butler (1981) entwickelten zu Anfang der 1980er Jahreein Rehabilitationsprogramm für Kreuzbandverletzungen, das sich vor allem auf dieArt und Dauer der verschiedenen Rehabilitationsphasen beziehen sollte (vgl. S. 140f.). Die Autoren unterstreichen in der Einleitung ihres Artikels, dass die Reha-bilitation nach einer Kreuzbandverletzung eine ebenso große Bedeutung für eine er-folgreiche Genesung hat, wie die richtig gewählte Operationsmethode. Darüber hin-aus wird beschrieben, dass das vorgestellte Rehabilitationsprogramm nicht wie einRezeptbuch („cookbook“) (ebd., S. 141) für jeden Patienten mit dem gleichen Erfolganwendbar sei, sondern individuell abgewogen werden müsse, wie das Trainings-programm aufgebaut sein soll. Paulos et al. (1981) errichten durch den Aufbau ihresProgrammes einen schützenden Schirm („protecting umbrella“) (S. 141) für den Pa-tienten, um dadurch auch langsam heilenden Bandstrukturen genügend Zeit zur Re-habilitation zu geben.

Das Konzept gibt fünf Phasen der Rehabilitation vor, wobei jede Phase in zwei un-terschiedliche Perioden unterteilt ist. Die frühe Heilungsperiode stellt den ersten Ab-schnitt des Programmes dar und beinhaltet eine sechs wöchige Ruhigstellung desKniegelenks mithilfe eines Gipsverbands in einer Flexionsstellung von 30° bis 60°(vgl. ebd., S. 142). Der Patient darf das verletzte Bein nicht belasten und kann sichnur mithilfe von Unterarmgehstützen fortbewegen. Wenn diese Form der Fortbewe-gung über einen längeren Zeitraum gut funktioniert, dürfen auch die Zehenspitzenden Boden berühren, allerdings darf nicht mit dem Fuß aufgetreten werden. LautPaulos et al. (1981) heilen die Ligamente des menschlichen Körpers sehr viel lang- samer als angenommen, weshalb eine Ruhigstellung des Kniegelenks unausweich-lich ist (vgl. S. 142). In den ersten Wochen nach der Operation soll sich der Patientvor allem mit verschiedenen Kraftübungen für das unverletzte Bein und die oberenExtremitäten fit halten, aber auch langsam isometrische Übungen mit dem verletztenBein durchführen.

Nach ungefähr sechs bis zwölf Wochen beginnt die kontrollierte Bewegungsperiode,die durch eine wöchentliche Vergrößerung des Bewegungsausmaßes des Gipsver-bandes um 5° Extension und 10° Flexion gekennzeichnet ist. Während dieser Peri-ode werden vor allem isotonisch die ischiocruralen Muskelgruppen gestärkt, bis derPatient in einem Bewegungssektor von 15° bis 90° Flexion arbeiten kann (vgl. ebd., S. 143).

Die zweite Phase des Rehabilitationsprogrammes, die als Phase der eingeschränk-ten Protektion bezeichnet wird, wurde hauptsächlich für die Entwöhnung der Unter-armgehstützen entwickelt. Die Entwöhnungsperiode erstreckt sich von der 12. biszur 16. Woche nach der Operation, und wird durch die ansetzende Laufperiode (17.- 24. Woche) fortgesetzt. Der Gipsverband des Patienten wird entfernt, denn dasHauptaugenmerk in dieser Phase liegt darauf, dass der Patient auf das eigenstän-dige Gehen vorbereitet wird (vgl. ebd., S. 144). Die Autoren legen fest, dass dasverletzte Bein erst nach vier Monaten wieder voll belastet werden darf, sofern keineSchwellungen auftreten und 10° bis 80° Flexion für den Patienten kein Problem sind.Des Weiteren wird eine Schiene verwendet um das verletzte Kreuzband vor einerReruptur zu schützen. Zur Eingliederung des Patienten in den Alltag empfehlen dieAutoren leichtes Fahrrad fahren oder Schwimmaktivitäten ab der 17. Woche. DieVerfasser glauben, dass zu viel Wert daraufgelegt wird, schnellstmöglich eine großeBewegungsspanne zu erreichen und viele Rerupturen durch ein langsames Heran-führen der Patienten an Alltagssituationen verhindert werden können (vgl. ebd., S. 145).

In den letzten drei Phasen des Konzepts geht es vor allem um die Entwicklung derdynamischen Stabilität durch Kraft, Ausdauer und Koordination. Die dritte Phase be-ginnt ab der 24. Woche (geschützte Aktivitätsperiode) und beinhaltet die Belastungund Kräftigung aller Muskelgruppen im operierten Bein. Die Autoren betonen aller-dings, dass Lauftraining und Luftsprünge noch nicht erlaubt sind und während desTrainings eine Schiene getragen werden muss (vgl. ebd., S. 145). Die leichte Aktivi-tätsperiode beginnt ab der 31. Woche und bezieht sich vor allem auf das Trainingder Muskelausdauer. Es werden nun auch isokinetische Übungen in das Rehabilita-tionsprogramm aufgenommen. Nach ungefähr neun bis zwölf Monaten nach derOperation beginnt die Phase der Rückkehr zur Aktivität. Die fortgeschrittene Reha-bilitationsperiode beinhaltet eine maximale Kraftsteigerung der Beinmuskulatur, so-wie die Wiedergewinnung von Koordination und Ausdauer im verletzten Bein. EineSchiene empfehlen die Autoren lediglich bei sehr starken Belastungen. Die anknüp-fende Laufperiode wird erst bei mindestens 75% der normalen Quadricepsstärke be-gonnen und ist ein sechs- bis zwölfwöchiges Laufprogramm. Beginnend mit kurzenund einfachen Laufübungen (z.B. Geradeauslaufen), wird das Anforderungsniveau gesteigert, sodass das Programm mit komplexen Übungen (z.B. Achtenlaufen) endet (vgl. ebd., S. 146).

Die letzte Phase des vorgestellten Programmes beinhaltet die Rückkehr in den nor-malen sportlichen Alltag. Beginnend mit Koordinationstraining und sogenannten„Skill Drills“ (ebd., S. 146), ist es dem Patienten nach kurzer Zeit erlaubt wieder inseiner ursprünglichen Sportart teilzunehmen. Jedoch sollte das Training unbedingtunterbrochen werden, wenn Erschöpfungssymptome wahrgenommen werden, weilviele Rerupturen passieren, wenn die Muskulatur erschöpft ist. Darüber hinaus legendie Autoren fest, dass diese Phase frühestens nach neun Monaten beginnen darfund normalerweise mindestens ein Jahr gewartet werden sollte, bevor mit der Phaseder Aktivität und Erhaltung gestartet werden kann. Es wird außerdem empfohlen,dass Bandagen oder Tapes während des Sporttreibens getragen werden, um demKörper ein zusätzliches Sicherheitsgefühl zu geben (vgl. ebd., 146f.).

Ein weiteres Rehabilitationsprogramm wurde von Markey (1985) entwickelt und siehtneben Kraft und Bewegung der Muskulatur auch Ausdauer, Beweglichkeit und Fle-xibilität als zentrale Punkte der Rehabilitation an (vgl. S. 513f.). Es wird die Meinungvertreten, dass zu frühes und zu aggressives Muskelaufbautraining schnell zu einerÜberlastung und zu postoperativen Schmerzen führen kann. Daher sollte die Mus-kulatur zu Beginn des Programmes möglichst exzentrisch und mit wenig Gewichtbelastet werden. Der Autor ist außerdem der Meinung, dass das Kniegelenk einebedeutende Beziehung mit anderen Gelenken des Körpers hat. Hierbei geht es vorallem um das Hüftgelenk, weshalb der Körper des Patienten beim Ausführen derexzentrischen Übungen in vertikaler Position bleiben sollte (vgl. ebd., S. 520).

Huegel und Indelicato (1988) entwickelten ein weiteres Rehabilitationsprogramm,was sie in vier zeitliche Phasen unterteilten (vgl. S. 801f.). Sie entwickelten ein Trai-ningsprogramm, welches deutlich anspruchsvoller und aggressiver ist als die zuvorerwähnten. Die erste Phase der frühen Bewegung, die direkt nach der Operationbeginnt, besteht aus einer sieben- bis zehntägigen Immobilisationsphase des Knie-gelenks bei 30° Flexion und passivem Bewegungstraining bis zur sechsten Woche(vgl. ebd., S. 802). Die festgestellte Orthese wird nach zehn Tagen geöffnet und derPatient darf im vollen Bewegungsumfang passiv beugen und strecken. Trotz dessen,dass keine Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit des Patienten vorgegebenwerden, darf das verletzte Bein beim Gehen auf Unterarmgehstützen nicht belastetwerden.

Nach Ablauf der ersten sechs Wochen wird die Orthese entfernt und es ist dem Pa-tienten erlaubt, teilbelastend erste Gehversuche (mit Unterarmgehstützen) zu unter-nehmen. Huegel und Indelicato (1988) geben an, dass durch aktive Übungseinheitenfür den M. quadriceps femoris eine schnelle vollständige Streckung des verletztenKniegelenks erreicht werden kann (vgl., S. 804). Dieses Ziel gilt es anzuvisieren,denn wenn nur 10° oder weniger zur vollen Extension fehlen, kann das Gewicht derTeilbelastung gesteigert werden. Die Autoren empfehlen außerdem, dass nach Ab-lauf der ersten sechs Wochen die ersten isokinetischen Übungseinheiten für die is-chiocrurale Muskulatur erfolgen. Isokinetisches Training des M. quadriceps femoris erlauben die Verfasser erst vier Monate nach der Operation und dies auch nur bis 40° Extension. Je nach individuellem Patientenfortschritt ist die Vollbelastung des operierten Beins nach sechs bis acht Wochen wieder erlaubt und die Unterarmgehstützen können entfernt werden (vgl. ebd., S. 805).

Fünf bis sechs Monate postoperativ beginnt die Joggingphase, die mit kurzen Lau-feinheiten auf geradem Untergrund begonnen werden sollte. Zum Schutz des Knie-gelenks empfehlen die Autoren, dass eine Orthese beim Training getragen wird. DerPatient sollte zu Beginn der Joggingphase mindestens 65% der normalen Quadri-cepsstärke wieder zurückerlangt haben, sodass ein gesunder und sicherer Laufstilausführbar ist. Abhängig vom individuellen Wohlbefinden kann der Patient die Dis-tanz und die Intensität seiner Übungseinheiten eigenständig verringern oder vergrö-ßern. Die normale sportliche Aktivität des verletzten Spielers soll erst beim Erreichenvon 85% bis 90% der normalen Quadricepsstärke erlaubt werden. Die beiden Ver-fasser unterstreichen, dass sich in der vierten Phase ihres Rehabilitationskonzeptesvor allem auf die psychische Befindlichkeit und die Beweglichkeit des Patienten kon-zentriert werden soll. Huegel und Indelicato (1988) sind der Meinung, dass für eineerfolgreiche Rückkehr auf den Fußballplatz einerseits eine starke Muskulatur, aberandererseits auch das psychische Wohlbefinden des Patienten eine sehr wichtigeRolle spielt (vgl. S. 808). Die Autoren geben für eine Verbesserung der psychischenBefindlichkeit und der Propriozeption eine Auswahl von Gleichgewichtsübungen,Sprintvariationen oder Side-Steps. Es wird zusätzlich darauf hingewiesen, dass dasTraining mit kurzen Belastungsphasen begonnen werden sollte, ehe eine Steigerungdes Übungsanspruches und der Aktivität im Laufe der Zeit erfolgt (vgl. ebd., S. 809f.).

2.2.3.2 Rehabilitation nach 1990

Anfang der 1990er Jahre entwickelten Whittington und Carlson (1991) ein Rehabili-tationsprogramm, was sich in sechs Phasen unterteilen lässt (vgl. S. 149). In derersten Phase der Rehabilitation (0 bis 3 Wochen) gilt es den Patienten maximal zuschützen und durch passive, kontrollierte Übungen den Bewegungsumfang und dieKraft im Kniegelenk zu steigern. Der Schwerpunkt des Krafttrainings liegt hierbei inden ersten Wochen auf der Ischiocruralmuskulatur, denn bis zur zehnten postopera-tiven Woche sollen keine Übungseinheiten für den M. quadriceps femoris durchge-führt werden. Es ist dem Patienten während der ersten Phase erlaubt beim Gehenmit Unterarmgehstützen sein verletztes Bein zum Teil zu belasten. Zum Ende dieserPhase sollen dem Patienten die Unterarmgehstützen bereits entwöhnt werden (Voll-belastung) und es wird mit isokinetischem Training für die Ischiocruralmuskulatur be-gonnen (vgl. ebd., S. 150 f.).

Die Phase des gemäßigten Schutzes (3. bis 12. Woche postoperativ) beinhalte nachWhittington und Carlson (1991) vor allem eine Leistungs- und Kraftsteigerung derverletzten Beinstrukturen (vgl. S. 151). Ab der sechsten Woche wird neben der ae-roben Ausdauer auch an Gewichtsmaschinen trainiert, wobei bei allen Aktivitäteneine funktionelle Orthese getragen werden muss.

[...]


1 Im Folgenden wird aus Gründen der Lesbarkeit das Wort Musculus durch M. abgekürzt werden.

Details

Seiten
67
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668675391
ISBN (Buch)
9783668675407
Dateigröße
935 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v418628
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück – Sportwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Kreuzbandriss Fußball Rehabilitation Prävention Knieverletzung

Autor

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Titel: Entwicklung der Rehabilitations- und Präventionsmaßnahmen nach einer Ruptur des vorderen Kreuzbandes beim Fußball