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Videoanalyse in der Lehrerbildung. Vor- und Nachteile

Hausarbeit 2015 12 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hintergrund: Videoanalyse
2.1 Video als Unterrichtsbeobachtung in der Lehrerbildung
2.2 Voraussetzungen der Videoanalyse

3. Vorteile der Videoanalyse

4. Nachteile der Videoanalyse

5. Schluss

6. Anhang - Reflexion persönlicher Erfahrungen

7. Bibliographie

Hinweis:

Aus Gründen der Vereinfachung wird in der Arbeit ausschließlich die männliche Form verwendet. Personen weiblichen wie männlichen Geschlechts sind darin gleichermaßen eingeschlossen.

1. Einleitung

Ein elementares Werkzeug der Lehrerbildung[1] ist die Beobachtung. Während Hospitationen, Unterrichtsbesuchen und Inspektionen, kann Unterricht erfasst werden. In der Regel folgt auf die Beobachtung, wie am Beispiel des Unterrichtsbesuchs, eine Reflexionsrunde. Lehrende und Beobachter geben eine Rückmeldung zum Unterricht. Idealtypisch überlegt man gemeinsam, was gelungen und was weniger gelungen, also ausbaufähig, ist. Hierauf basierend können Handlungsstrategien überlegt werden, die zur Entwicklung von Unterricht und Lehrkraft dienen. Lehrende und Beobachter sind darauf angewiesen, schnell eine Rückmeldung zu geben und greifen auf den Fundus der eigenen subjektiven Erfahrungen zurück um Eindrücke direkt zu notieren.

Eine weitere und neure Form der Unterrichtsanalyse ist die videobasierte Unterrichtsanalyse. Welche Vorteile und Nachteile kann die videobasierte Unterrichtsanalyse in der Lehrerbildung mit sich bringen? Mit dieser Frage beschäftigt sich diese Arbeit und möchte Möglichkeiten und Schwächen der Analyse von Videoaufzeichnungen in der Lehrerbildung erarbeiten. Grundsätzlich scheint die Videoanalyse im Alltag der Lehrer eine geringe Bedeutung zu haben. Es gehört zwar zum Berufsbild, die eigene Person, das Wirken auf andere, die eigene Präsenz und den eigenen Unterricht zu reflektieren. Aber das Klischee des gemeinen Lehrers besagt, dass die Beobachtung und Bewertung der Lehramtsanwärter bis zum Ende des Referendariats enorm ist. Es regnet Feedback und man setzt sich im erhöhtem Maße mit dem eigenen Lehren und dem Unterricht auseinander. Nach dem Referendariat erfolgt eine weitere Begutachtung, die unter anderem als Grundlage für die Verbeamtung auf Lebenszeit dient. Danach, heißt es, könne man die Klassentür schließen und sich ganz seinem Unterricht widmen- ohne Störer von außen. Es herrscht bisweilen keine Willkommenskultur in den Klassen. Geschweige denn, Offenheit der videobasierten Analyse von Unterricht gegenüber und wenn, dann bloß nicht des eigenen Unterrichts. So habe ich es, wenn ich im Umfeld Schule vom Seminar: „Videobasierte Analyse von Unterrichtsprozessen“ und dieser Arbeit berichtete, häufig gehört. Die Schulen an denen ich im letzten Jahr hospitierte oder unterrichtete, immerhin waren es drei[2] an der Zahl, waren der Aufzeichnung des eigenen Unterrichts gegenüber mehr als skeptisch. Da stellt sich die Frage, warum denn eigentlich nicht?

Der erste Teil der Arbeit zeigt Vor- und Nachteile der Videoanalyse in der Lehrerbildung. Im Anhang möchte ich auf meine Erfahrung aus dem Vorbereitungsseminar für die Schulpraktischen Studien zurückgreifen und reflektieren. In Form eines Rollenspiels haben wir eine Unterrichtssequenz vorbereitet und wurden während des „Spiels“ gefilmt. Im Anschluss haben wir in kleinen Gruppen das Video gemeinsam angesehen und die Sequenz analysiert und diskutiert.

2. Hintergrund: Videoanalyse

2.1 Video als Unterrichtsbeobachtung in der Lehrerbildung

Im Rahmen der Unterrichtsforschung sind videobasierte Unterrichtsanalysen ein wichtiger methodischer Zuwachs. Sie werden nicht mehr vornehmlich und ausschließlich zu dokumentarischen Zwecken genutzt, sondern auch zur Erforschung und Erfassung eines repräsentativen Querschnitts der Praxis im Unterricht. Videostudien wie die TIMSS Video Study 1995 / 1999 waren die ersten internationalen Studien, die Leistungen von Schülern der 8. Klasse, den mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht, das Lehrerverhalten und das Unterrichten durch Videoanalyse untersuchte. Ihr Ziel war es, den Unterricht im internationalen Vergleich repräsentativ zu beschreiben. Weiterhin sollten Ursachen für die Leistungsunterschiede im Unterrichtsgeschehen direkt nachprüfbar sein. Durch Vergleiche sollte der Frage nachgegangen werden, welche Formen des Unterrichts besonders gute Leistungen erbringen (vgl. http://www.timssvideo.com/timss-video-study). Vielmehr noch beschreibt Nowak 2011 die „...Ergebnisse der großen Bildungsstudien [sind] als Initiatoren einer neuen Welle der Videografie...“ (Nowak 2011: 23). Hierdurch wurde die Bedeutung für die Unterrichtsanalyse deutlich und selbst die Kultusministerkonferenz spricht eine Empfehlung für den Nutzen der Videografie in der Lehrerbildung und Lehrerausbildung aus. Der Nutzen und Mehrwert der Unterrichtsanalyse solle im Erwerb von Professionswissen durch das Begreifen und Verstehen von Unterrichtssituationen ausgebildet werden. Dies meint insbesondere „Selbstreflexions- und Diagnosekompetenzen und unterrichtliche Fertigkeiten, die letztendlich eine Verbesserung der Unterrichtsqualität bedingen sollen“ (Nowak 2011: 23).

Im schulischen Kontext eröffnet die Videoanalyse vier Blickwinkel. Den auf das Lehrerhandeln, auf die Unterrichtsgestaltung, auf das Schülerhandeln und auf die Entwicklung der Schulkultur. Diese vier Blickwinkel „müssen bei einer konkreten Unterrichtssequenz nach spezifischen Kriterien aufgeschlüsselt und differenziert werden.“ (Nowak 2011: 26). Konkrete Einsatzmöglichkeiten der Videoanalyse sind in der Lehrerausbildung, Lehrerfortbildung und in individuell durchgeführten Untersuchungen in schulischen unterrichtlichen Kontext, z.B. der kollegialen Fallberatung zu finden (vgl. Nowak 2011: 29).

Als Beobachtungsinstrument in der Lehrerbildung erfüllen Videoanalysen zwei Basisfunktionen. In Form des Anschauens von Unterrichtsvideos anderer Lehrer, können Lehrkräften wünschenswerte Handlungsweisen und Methoden vorgeführt werden. Zweitens schult es die Wahrnehmung und Reflexionsfähigkeit des eigenen Handelns und Unterrichts. In dieser Form wird für den Beruf relevantes Wissen entwickelt und aufgebaut. Dieses Wissen und die Erfahrung sind für die Art des eigenen Unterrichts obligat, unabhängig ob erfahrener Lehrer, oder Lehrer in der Ausbildung (vgl. Krammer Reusser: 2005).

Krammer Reusser 2005 verweisen außerdem auf sogenannte Video Clubs. Hier treffen sich Lehrer und besprechen eigene Aufnahmen des Unterrichts in der Gruppe. Der anfängliche Fokus auf den Lehrer als Person, die beurteilt und bewertet wird, wird ein Prozess in Gang gesetzt, der den Perspektivwechsel von Lehrerperson auf das Lernen evoziere. Statt Handlungen verbessern zu wollen und Vorschläge für Alternativen zu haben, verlagere sich die Analyse hin zum Verstehen der eingesetzten Wege und Methoden. Die Qualität des Unterrichts wurde vergrößert (vgl. Krammer Reusser: 2005).

2.2 Voraussetzungen der Videoanalyse

Beobachtungen in der Videoanalyse können verschiedenartig ablaufen. Die Analyse von Unterrichtsvideos kann in Form der Selbstbeobachtung stattfinden. Der Lehrer untersucht den eigenen Unterricht. In Form der gemeinsamen Beobachtung untersucht man mit mehreren Beobachtern ein Unterrichtsvideo. Die Videos können Aufnahmen des eigenen Unterrichts sein, die eines Kollegen, best-practice Beispiele und Modellvideos (vgl. Dalehefte Kobarg: 2013).

Die Konzentration auf einen spezifischen Fragekomplex kann die Aufmerksamkeit bündeln. Die Betrachtung wird durch die Untersuchungsfrage gelenkt. Dies kann zur Konsequenz haben, dass Begebenheiten, die sich außerhalb des Fragekomplexes befinden, nicht wahrgenommen werden (vgl. Dalehefte Kobarg: 2013). Beobachtungsfehler können bei der Untersuchung von Unterrichtssequenzen auftreten: Zu große Identifikation mit den Akteuren der Aufnahme, situative und subjektive Überbewertung der aufgenommenen Situationen und die eilige Bewertung von Situationen. Das Verlangsamen des Bewertungsprozesses und das Verhindern einer eiligen Deutung der Videos, können Wahrnehmungsfehler verringern (vgl. Dalehefte Kobarg: 2013).

3. Vorteile der Videoanalyse

Die Videoanalyse fungiert als Beobachtungsmethode in der Lehrerbildung. Die Vorteile für den Unterricht und die Reflexion und Entwicklung didaktischer Methoden lassen sich im Kontrast zu den herkömmlichen Beobachtungsmethoden beleuchten. Gegenüber der konventionellen Untersuchungsmethoden wie Interview, Hospitation und ihre Mitschriften, Fragebögen und Audioaufnahmen, hat die Videoanalyse einen Karenzraum, der die konkrete Forschungsfrage und etwaige Kategorienraster nicht zuvor en détail festgelegt braucht. Im Gegensatz zu Transkripten und Audioaufnahmen, kann die Videoanalyse auch non-verbale Kommunikationsformen zeigen und bietet dem Beobachter einen ganzheitlicheren Ausschnitt der Situation. Videos transportieren Informationen auf mehreren Ebenen. Die Beobachter werden auf mehreren Ebenen angesprochen (vgl. Dalehefte Kobarg, 2011). Grundlegend kann die Videoanalyse Aufschluss über Vorgehensweisen und Muster geben und bei der Selbstbeobachtung sieht man etwas, was man während des Unterrichts selbst nicht sähe.

Unterricht ist ein komplexer Prozess, in dem viele Dinge parallel passieren. Unterrichtsvideos sind unabhängig von Raum und Zeit und können dauerhaft und repetitiv vom Beobachter in unterschiedlichem Tempo abgespielt werden. Eine voreingenommene Art der Betrachtung kann durch Wiederholbarkeit und Wechsel der Betrachter minimiert werden. Die Arbeit mit Unterrichtsvideos fördert die Zunahme und Spezialisierung echten Wissens über Lehr- Lernprozesse (vgl. Krammer Reusser: 2005).

Ohne Druck, kann der komplexe Unterricht analysiert werden. Beobachter sind frei davon, schnell und hastig den ersten gewonnenen Eindruck nicht festzuhalten. Ganz im Gegenteil wird durch mehrmaliges Ansehen der erste Eindruck verifiziert, berichtigt und vertieft. Entscheidungen bezüglich des Beobachtungsgegenstandes werden modifiziert und verändert. Beobachtungsperspektiven werden unter didaktischen und fachlichen Aspekten angepasst. Die Videoanalyse eröffnet die Möglichkeit, vorher nicht Wahrgenommenes und Unauffälliges, aber Interessantes, durch häufiges Ansehen zu entdecken. Die Beobachter in Form von Hospitanten stören das Unterrichtsgeschehen nicht und manipulieren somit das Forschungsfeld nicht (vgl. Dalehefte Kobarg, 2011).

Durch den ressourcenorientierten Einsatz der Videoanalyse, wird Unterricht im Sinne einer best-practice dokumentiert und vorgeführt. Die Hospitation von Kollegen wird vom Klassenzimmer hinter den Bildschirm verlegt und kollegiale Fallbesprechung entsprechend auf Grundlage der Aufnahme geführt. Das Video kann weiteren Experten zur Beratung und Diskussion gezeigt werden. Die Videoanalyse eignet sich auch um neue Methoden in den Unterricht einzuführen, diese zu reflektieren und zu korrigieren. Wie schon in Kapitel 2 erwähnt, hilft die Videoanalyse im Rahmen der Lehrerbildung zur Steigerung der Professionalität (vgl. Nowak 2001: 30).

Videoanalyse, ob individuell oder kooperativ, unterstützt die Weiterentwicklung von Unterricht. Eine problemorientierte Betrachtung kann die Suche nach Lösungen und Handlungsmöglichkeiten eröffnen, ohne zu bewerten. Die Videoanalyse eröffnet die Sicht auf Dinge, die während des Unterrichtens nicht sichtbar sind (vgl. Dalehefte Kobarg, 2011).

[...]


[1] Lehrerbildung, sowohl im Sinne der Fortbildung erfahrener Lehrer, als auch Lehrer in der Ausbildung.

[2] Dies gibt lediglich einen subjektiven Eindruck wieder.

Details

Seiten
12
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668680333
ISBN (Buch)
9783668680340
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v418615
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,7
Schlagworte
videoanalyse lehrerbildung vor- nachteile

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Titel: Videoanalyse in der Lehrerbildung. Vor- und Nachteile