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Heilkräutern im Sachunterricht. Eine mehrperspektivische Betrachtung

Hausarbeit 2014 16 Seiten

Sachunterricht, Heimatkunde (Grundschulpädagogik)

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Theoretische Betrachtung des Themas ´Heilkräuter` im Sachunterricht
2.1 Heilkräuter im Fokus und der gezielte Umgang mit diesen
2.2 Eine mehrperspektivische Sicht auf Heilkräuter
2.2.1 die historische Perspektive
2.2.2 die sozio- ökonomische Perspektive

3 Methodische Betrachtung des Themas ´Heilkräuter` im Sachunterricht
3.1 Schulgartenunterricht

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Heilkräuter werden seit Tausenden von Jahren zu medizinische Zwecken verwendet und besitzen teilweise gleichzeitig die Funktion eines Würzkrautes (vgl. Winkel 1997, S. 159). Daher sind sie den Kindern oft schon bekannt. Das Lernziel der Schüler und Schülerinnen ist es, in die Lage versetzt zu werden, verschiedene Heilkräuter zu kennen, sowie den gezielten Umgang mit diesen zu erlernen. Dabei wird ihnen ein mehrperspektivischer Blick auf die Kräuter gegeben, der ihnen eine historische, kulturelle sowie sozio- ökonomische Verknüpfung deutlich macht. Die Bedeutung für die Gegenwart und Lebenswirklichkeit des Kindes wird dadurch herausgestellt.

Im ersten Teil wird auf die Kenntnisse und Fähigkeiten hingewiesen, die sich die Lehrkraft während der Vorbereitung aneignen muss. Dabei wird auf der einen Seite der soziale Aspekt aufgegriffen, indem die historische Perspektive am Modell der Heilkräuter früher und heute betrachtet und verglichen wird. Hierbei ist der Gegenwartsbezug sowie der Bezug zur Lebenswirklichkeit des Kindes stets zu bedenken. Auf der anderen Seite wird der ökonomische Aspekt aufgezeigt. Beispiele dafür ist die Anwendung im Schulgartenunterricht und dem Bau eines Kräuterbeets oder einer Kräuterspirale. Auch wird die Verfügbarkeit, Funktionalität und Wirtschaftlichkeit des Kräuteranbaus diskutiert. Im zweiten Teil wird eine mögliche Unterrichtseinheit vorgestellt. Der Aspekt der methodischen Umsetzung ist essentiell für die Erarbeitung der Thematik. Das Lernen mit allen Sinne, besonders dem Riechen und Schmecken, rückt in den Vordergrund und kann durch Methoden wie dem Duftmemory und der Zubereitung von Heil- und Würzkräutern umgesetzt werden (vgl. Birkenbell 1999, S.92). Der besonders lebensnahe Umgang mit dem Thema ist gegeben. Durch das Erforschen der einzelnen Pflanzen mit allen Sinnen, werden sich diese besonders eingeprägt und sind für die mögliche, gekoppelte Gartenarbeit bereits bekannt. Es bietet sich natürlich an, die Schulgartenarbeit nicht isoliert zu behandeln, sondern im Zuge eines ganzheitlichen Sachunterrichts. Die Schüler und Schülerinnen können die ihnen schon bekannten Kräuter mit dem Gebrauch und der Anwendung historischer Kräuter vergleichen. Ein kritischer Umgang mit dem Schmecken und das thematisieren von Giftpflanzen ist unbedingt von Nöten und wird nicht ausgelassen. Die Schulgartenarbeit bietet hier ein außergewöhnliches methodisches Handlungsfeld, bei dem die Schüler und Schülerinnen affektiv und psychomotorisch angeregt werden (vgl. Giest 2010, S. 88). Hier wird auch die handwerkliche Kompetenz gefördert. Dabei werden auch Themenfelder wie Arbeitssicherheit und Gartenarbeit angesprochen

2 Theoretische Betrachtung des Themas ´Heilkräuter` im Sachunterricht

Heilkräuter und auch Heilpflanzen enthalten ätherische Öle sowie Gerb- und Bitterstoffe, die in der richtigen Aufbereitung und Verwendung „verdauungsfördernd, appetitanregend, beruhigend oder anregend auf den Organismus wirken“ können (Winkel 1997, S. 159). Im Allgemeinen sind sie oft entweder hemmender oder heilender Natur. Da pflanzliche Arzneimittel in der heutigen Zeit noch Verwendung finden und auch in der Schulmedizin eine wichtige Rolle spielen, ist das Wissen um Heilpflanzen und deren Gebrauch sowie deren Wirkung eine immer noch aktuelle Thematik (vgl. Lehrnbecher 1995, S. 9). Bei der Themenwahl im Sachunterricht ist es wichtig auf Kriterien wie der Zugänglichkeit, dem lebensweltlichem Bezug und der Exemplarität zu achten. Es geht vordergründig darum, bei den Kindern grundlegendes Wissen anzubahnen und Kompetenzen zu fördern, wie zum Beispiel das Beobachten, Experimentieren sowie Konstruieren oder die Informationsverarbeitung. Der Sachunterricht ist dafür in verschiedenste Perspektiven geteilt. Naturbezogenes Lernen beschreibt die Perspektive, in der „Pflege und aktives Gestalten von Natur“ im Vordergrund stehen (Giest 2010, S.56). Im Schulgartenunterricht kann das observieren und darstellen von Naturphänomenen sehr gut umgesetzt werden. Die raumbezogene Perspektive geht darauf ein, inwiefern Bereiche als wandelbar und nutzbar und oft von Menschen geschaffen wahrgenommen werden und somit der Prozess in Gang kommt, selber Räume zu gestalten. Im Bezug zu Heilpflanzen ist dies hier das Erkennen von naturgegebenen Räumen und Faktoren, wie Standort, Konkurrenzverhalten oder auch Lebensbedingungen zu nennen (Giest 2010, S.46). Das historische Lernen gibt den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu verstehen, dass die Gegenwart Produkt der Vergangenheit ist und sie somit die Gestaltung der Zukunft verantworten (vgl. Giest 2010, 52ff). Baier beschreibt die Aufgabe des Lehrers als Ermöglichung einer „Bildung und Erziehung […], die ein im Heute vollzogenes und auf die Zukunft gerichtetes begründetes Handeln im Hinblick auf die Lösung von Schlüsselproblemen des menschlichen Lebens und Überlebens begünstigt“ (Baier 2001, S.14). Krankheit ist ein Problem der Menschheit und wird durch Ärzte und Wissenschaftler auch im Bezug auf die Inhaltsstoffe und den Gebrauch von Heilpflanzen betrachtet (vgl. Fritzsche 1990, S.5). Dieses Problem menschlichen Lebens, welches auch oft schon von Schulkindern erfahren wird, kann im Sachunterricht aufgegriffen werden und durch die naturnahe Betrachtung von Heilpflanzen von Statten gehen, wodurch der Lehrende ein breites Spektrum an Fähigkeiten einfließen lassen muss. Der Lehrende muss das Wissen über ökologische, ökonomische und historische Zusammenhänge besitzen und im Bezug auf den Schulgartenunterricht auch mit gärtnerischen Fertigkeiten und Motivation ausgestattet sein (vgl. Winkel 1997, S. 45).

2.1 Heilkräuter im Fokus und der gezielte Umgang mit diesen

Heilpflanzen können durch ihre vielfältigen Inhaltsstoffe in pathologischen Situationen als therapeutisches Mittel eingesetzt werden und somit zur Heilung beitragen. Würzkräuter werden zum würzen oder als Duftstoffe genutzt. Oft sind dies die gleichen Pflanzen und werden nur durch den Gebrauch unterschieden. Im weiteren Verlauf wird auf eine eingeschränkte Auswahl an Heilpflanzen zurückgegriffen, welche sich auf Bohnenkraut, Zitronenmelisse, Salbei, Thymian und die echte Kamille beschränkt. Diese Kräuter können im Schulgarten angebaut werden. Das Bohnenkraut, welches im Juli bis August als ganzes Kraut gebündelt und getrocknet werden kann, dient als Hilfe gegen Blähungen, bei Husten und Magenerkrankungen. Es ist außerdem verdauungs- und appetitanregend, weswegen es auch gern als Gewürzkraut genutzt wird. Es kann als Tee getrunken werden (vgl. Dörfler 1989, S. 270/ Fritzsche 1990, S.51/ Winkel 1997, S.159). Gegen Atembeschwerden aber auch als Hilfe bei Störungen des Magens, des Darms oder des Herzens sowie als Wundheilmittel kann die Zitronenmelisse eingesetzt werden. Von ihr werden nur die Blätter, die außerhalb der Blütezeit gepflückt wurden, genutzt, welche bei 40°C getrocknet worden sind. Ein Aufguss der Blätter wirkt beruhigend und krampflösend (vgl. Dörfler 1989, S. 184). Der Salbei wirkt antiseptisch und kann so als Entzündungshemmer eingesetzt werden. Besonders wirksam ist er bei Entzündungen im Mund und Rachen und kann auch bei Magen- und Darmerkrankungen krampflösend wirken. Er kann als Tee, als konzentrierte Tropfen oder auch als Bonbon eingesetzt werden (vgl. Dörfler 1989, S. 262). Salbei wie auch Thymian sind sehr beliebt bei Husten, Heiserkeit oder Erkältung. Thymian hat die Wirkung schleim- und krampflösend zu wirken und hilft bei Husten und Bronchitis, sowie Keuchhusten. Außerdem hat Thymian auch appetitanregende und desinfizierende Wirkungen und von ihm können Blüten sowie Blätter genutzt werden (vgl. Dörfler 1989, S. 290/ Winkel 1997, S.159). Die Blütenköpfe der echten Kamille werden an sonnigen Tagen in der Mittagszeit geerntet und an einem warmen und luftigen Ort getrocknet. Sie wirkt entzündungshemmend und krampflösend und äußerlich als Wundheilung bei Verbrennungen, Furunkeln oder im Mundraum. Die Kamille kann als Tee, als Mundspülung oder auch als Aufguss genutzt werden (vgl. Dörfler 1989, S. 180). Allgemeine Verwendung von Heilkräutern ist oft der Tee, aber auch der Kaltauszug, als Spülung, Kräuterkissen oder im Dampfbad verwendet entfalten sie ihre Wirkung. Wer nicht gerne Tee trinkt, kann auch die ungetrockneten Blätter verwenden (vgl. Fritzsche 1990, S.40). Bei einigen Kräutern kann auch die Rinde aufgekocht werden oder Pulver, sowie Extrakte und der Preßsaft genutzt werden. Es ist immer wichtig, sich über die Dosis im Klaren zu sein (vgl. Breindl. 1994, S.367). Die richtige Aufbereitung der Heilpflanze ist essentiell für die Konservierung der Inhaltsstoffe, um sie zu medizinischen Zwecken einsetzen zu können. Sie teilt sich auf in die Ernte, die Trocknung und die Lagerung. Bei der Ernte ist zu beachten, dass die Pflanzenteile nicht nass sein dürfen. Daher eignet sich ein sonniger Vormittag zur Ernte am besten, da die Kräfte der Pflanzen über den Tag nachlassen. Wichtig ist es, zu bedenken, wo gepflückt wird, da Luftverschmutzung oder Schädlingsbefall bedacht werden muss. Auch ist der Zeitpunkt wichtig. Blätter sollten jung aber schon ausgebildet sein, die Blüten frisch und das Kraut zu Beginn der Blütezeit gesammelt werden (vgl. Breindl 1994, S. 351). Der Vorgang des Trocknens ist für die Konservierung der Wirkstoffe und das Lagern von Nöten. Bei der natürlichen Trocknung sollte ein luftiger und schattiger Platz gesucht werden. Bei direkter Sonnenbestrahlung können Inhaltsstoffe und ätherische Öle verloren gehen. Bei der künstlichen Trocknung im Backofen wird das Erntegut auf einem Backblech ausgelegt und bei 40°C und offener Tür getrocknet. Die Kräuter sind richtig getrocknet, wenn sie noch etwas grün und bei Blüten die Farbe noch erkennbar ist. Außerdem sollten sie spröde sein und leicht zerbröseln. Zur Aufbewahrung können trockene, Licht- und Luftgeschützte Behälter benutzt werden, wie Weißblechdosen oder auch braune Glasgefäße (vgl. Breindl 1994, S. 357/ Fritzsche 1990, S. 38f.).

2.2 Eine mehrperspektivische Sicht auf Heilkräuter

Im Sachunterricht herrschen verschiedene Perspektiven vor, die eine mögliche Sicht auf ein Thema lenken. Es wird auf fünf eingeschränkt, die sozialwissenschaftliche, die naturwissenschaftliche, die geografische, die historische sowie die technische Perspektive (vgl. GDSU 2013, S.5). Bei dem Thema Heilkräuter ist es möglich diese Sichtweisen zu verbinden und somit einen ganzheitlichen Sachunterricht zu schaffen. Im Weiteren wurde eine Auswahl aus den Perspektiven getroffen.

2.2.1 die historische Perspektive

Ziel der historischen Perspektive ist es, von den Erfahrungen der Kinder ausgehend zu exemplarischen Themen überzuleiten und sie so zur „Begegnung, Erschließung und der Auseinandersetzung mit Fragen des menschlichen Lebens und Handelns im Wandel der Zeit“ zu führen (GDSU 2013, S.56). Den Bezug zu Heilkräutern in der historischen Perspektive hat Dörfler in wie folgt dargestellt: „Sehr oft hat die Forschung bestätigt, was durch Erfahrung schon lange bekannt war.“(Dörfler 1962, S.9) Fritzsche formuliert etwas drastischer, dass das Wissen um Wirkungen der Heilpflanzen so alt sei, wie die Menschheit selber (vgl. Fritzsche 1990, S.5). Daraus lässt sich schlussfolgern, dass die Erfahrung mit eigenen Krankheiten die Motivation zum Wissenserwerb über Heilpflanzen im Sachunterricht darstellt und damit eine Brücke zu der historischen Verwendung von Heilpflanzen gebaut wird. Somit ist der Anbau einer Pflanze im Schulgarten die Verbindung zu einem Apothekergarten im Mittelalter oder den Lehren des Paracelsius. Dies ist die Möglichkeit für Schüler und Schülerinnen, Gegenwart und Vergangenheit zu verbinden. Den Schulkindern kann deutlich gemacht werden, dass bereits der prähistorische Mensch zwischen essbaren und nicht essbaren Pflanzen unterscheiden konnte, dem Grundgedanken von Heilpflanzen, und dass dieses Wissen durch die Jahrtausende überliefert wurde. Bereits dir Sumerer, welche im 5. Jahrtausend vor Christus lebten, schrieben mit Keilschrift und schufen Überlieferungen, genauso wie die Perser und Inder im 3. Jahrtausend vor Christus oder auch die Ägypter. Beispiel dafür ist der Wegerich, welcher in Mitteleuropa bis in die jüngere Steinzeit zurückverfolgt werden konnte. Die griechische Heilkunde auf Grundlage von Heilpflanzen wurde durch Hippokrates bekannt und von Aristoteles und seinen Schülern weitergeführt. Die von Aristoteles verfasste ´Große Arzneimittellehre` behielt bis ins Mittelalter Gültigkeit. Der um 200 nach Christus populär gewordene Galen ist Namensvater der Galenischen Arzneimittel, welche Arzneien ohne chemische Umsetzung sind (vgl. Dörfler 1989, S. 7). Im Mittelalter wurden die Klostergärten gebräuchlicher Weise auch als Apothekergärten bezeichnet, da die Mönche die medizinische Versorgung der Bevölkerung übernahmen (vgl. Winkel 1997, S. 31). Ein Meilenstein der Heilkunde ist auch die Lehre des Paracelsius, welche sich darauf beruft, dass pflanzentypische Merkmale und Formen als Zeichen für deren Wirkung angesehen werden können (vgl. Schneebeli- Graf 1992, S. 51). Durch technische Fortschritte wie den Buchdruck in der Renaissance oder auch die Entdeckung Amerikas oder des wirklichen Seewegs nach Indien gelangten viele neue Erkenntnisse nach Europa und wurden von Fuchs, Bock oder auch Brunfels aufgeschrieben (vgl. Dörfler 1989, S. 8). Dieser Erfahrungsschatz ist uns in der heutigen Zeit immer noch zugänglich und wird in der Schulmedizin genutzt. Die Stellung der Heilpflanzen haben sich über Jahrtausende hinweg gefestigt und können als interkulturell angesehen werden, wenn man nur bedenkt, dass die Geschichte der Heilpflanzen von den Sumerer zu den Indern und Ägyptern, zu Griechen bis zu deutschsprachigen Autoren führt. Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass man bei der Herstellung von Medikamenten stets auf die Pflanze und die historischen Erkenntnisse angewiesen ist (vgl. Dörfler 1962, S. 7).

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Details

Seiten
16
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668675063
ISBN (Buch)
9783668675070
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v418421
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,7
Schlagworte
heilkräutern sachunterricht eine betrachtung

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