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Analyse aktueller Wissensmanagementkonzepte

Seminararbeit 2015 22 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung

2 Ausgewählte Betrachtungskriterien für Wissensmanagementkonzepte
2.1 Wissensarten
2.2 Lernprozesse
2.3 Wissenstransformation
2.4 8 Bausteine des Wissensmanagement

3 Analyse aktueller Wissensmanagementkonzepte
3.1 Microsoft: Die Campus-Company
3.2 Itemis: Vier Tage arbeiten, einen Tag tüfteln
3.3 Deutsche Post: Aufnahme in den Club der Denker
3.4 Procter: Erweckung per Mitarbeitertausch
3.5 Gore: Startup-Klima dank Zellteilung

4 Einordung der Konzepte in eine Kriterienmatrix

5 Fazit und Ausblick

Quellenverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Unsere heutige Gesellschaft wird unter anderem von Helmut Willke als sogenannte Wissensgesellschaft beschrieben.[1]Kennzeichnend für diese Wissensgesellschaft ist, dass Wissen als wirtschaftliche Ressource gesehen wird und essentiell für die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens ist. Der Begriff Wissen steht im Mittelpunkt, ist allerdings seit jeher stark diskutiert und eine einheitliche Definition konnte sich bis heute in der Literatur nicht durchsetzen.[2]Konsens besteht hingegen weitestgehend, dass Wissen als intellektuelles Kapital einer Organisation anzusehen ist und es eine Hauptaufgabe jedes Unternehmens sein sollte, diesen Wert zu sichern, zu bewahren und auszuschöpfen.[3]Trotz dieses bedeutenden Interesses vieler Organisationen an Wissensmanagementkonzepten, herrscht eine große Unsicherheit im Umgang mit diesem Themenkomplex. Gründe hierfür sind einerseits, dass die Größe Wissen schwer quantifizierbar ist, was die Messung der Leistungsfähigkeit und Effektivität von Wissensmanagementkonzepten erschwert. Darüber hinaus gibt es sowohl in der Theorie als auch in der Praxis eine Vielzahl unterschiedlichster Ausprägungen für entsprechende Konzepte. Das Fehlen allgemeingültiger Richtlinien und theoretisch fundierter Best Practices ist für unerfahrene Unternehmen auf diesem Gebiet ein existentielles Problem. Daher ist die Erarbeitung und Umsetzung eines effektiven Wissensmanagementkonzepts eine große Herausforderung für heutige Unternehmen.

1.2 Zielsetzung

Im Rahmen dieses Assignments werden 5 Wissensmanagementkonzepte aus der Praxis nach ausgewählten Betrachtungskriterien strukturiert und bewertet. Hierzu werden im ersten Schritt die folgenden Betrachtungskriterien erläutert: Wissensarten, Lernprozesse, Wissenstransformation und 8 Bausteine des Wissensmanagements. Diese Auswahl soll aufgrund des begrenzten Umfangs des Assignment genügen. Im nächsten Kapitel folgt die Betrachtung der fünf Konzepte unter diesem theoretischen Blickwinkel. Auf diese Weise können die praktischen Ansätze analysiert und verglichen werden. Schließlich erfolgt durch diese systematische Betrachtung eine Bewertung der einzelnen Wissensmanagementkonzepte und eine tabellarische Gegenüberstellung in einer Kriterienmatrix. Ziel ist es, bewährte Best Practices für Unternehmen herauszustellen. Dies gibt Organisationen eine grobe Orientierung zur Gestaltung eines Wissensmanagementkonzepts auf Basis praxiserprobter Ansätze.

2 Ausgewählte Betrachtungskriterien für Wissensmanagementkonzepte

2.1 Wissensarten

Wie im Abschnitt 1.1. auf Seite 3 bereits aufgegriffen, gibt es keine einheitliche Definition des Begriffs „Wissen“ in der Literatur. Für dieses Assignment soll die Begriffsdefinition nach Helmut Willke als Grundlage dienen. Demnach sollen drei Grundbegriffe unterschieden werden: Daten, Information und Wissen. Die Basisoperationen von Daten sind codierte Beobachtungen in Form von Zahlen, Sprache, Texte und Bilder.[4]Informationen sind systemisch relevante Daten, die in einen Kontext eingebunden werden.[5]Wissen ist die nächste Stufe als Einbau von Informationen in Erfahrungskontexte.[6]Wissen beschreibt somit Informationen, verknüpft mit der im Gedächtnis gespeicherten Erfahrung.[7]Über diese Definition hinaus, ist für das Wissensmanagement und für eine entsprechende Beurteilung von Wissensmanagementkonzepten eine weitere Differenzierung notwendig. Wissen kann in die Arten implizit und explizit, als auch individuell und kollektiv unterteilt werden. Implizites Wissen hat eine Person aufgrund ihrer Erfahrungen, wobei diese nicht wissen muss, dass sie dieses Wissen hat oder es erklären können muss. Hier liegt das Beispiel über das Fahrradfahren nahe: eine Person kann durchaus Fahrradfahren ohne hingegen erklären zu können, wie genau es funktioniert. Explizites Wissen hingegen kann leicht dokumentiert werden, da es beschreibbar, aussprechbar und formulierbar ist.[8]

Individuelles Wissen ist das Wissen einer einzelnen Person. Kollektives Wissen oder auch organisationales Wissen ist mehr als die Summe der individuellen Wissensbasis und beinhaltet darüber hinaus die Beziehungs- und Verknüpfungsmuster zwischen den Elementen.[9]Der Übergang vom impliziten zum expliziten als auch vom individuellen zum kollektiven Wissen ist eine essentielle Problematik für den Aufbau von effektiven Wissensmanagementkonzepten. Dieses Problem wird insbesondere in den Ausarbeitungen und Modellen von Nonaka thematisiert, dies soll in Kapitel 2.3 Wissenstransformation auf Seite 7 weiter vertieft werden.

2.2 Lernprozesse

Entsprechend der Unterscheidung von individuellen und kollektiven Wissen kann zwischen individuellen und kollektiven Lernzirkel unterschieden werden. Der individuelle Lernzirkel wird von einer einzelnen Person durchlaufen. Er beginnt mit der Wahrnehmung der Realität, welche anhand des Erfahrungswissens reflektiert wird. Anschließend erfolgt die Analyse des Erfahrenen auf Grundlage des Konzeptwissens. Daraufhin können neue Verhaltensorientierungen entwickelt werden, welche das sogenannte Planungswissen voraussetzen. Schließlich folgt die Phase des Handelns, welche das Handlungswissen erfordert.[10]Außer den einzelnen Wissensbausteinen – Erfahrungswissen, Konzeptwissen, Planungswissen, Handlungswissen - kann zwischen der operationalen und konzeptionellen Lernebene differenziert werden. Operativ ist hierbei das tatsächliche generieren von Handlungen und die Wahrnehmung der Realität. Die Analyse des Erfahrenen und Entwicklung von Verhaltensorientierungen hingegen sind konzeptioneller Natur.[11]

Für Organisationen ist insbesondere die Kollektivierung dieses erlangten individuellen Wissens von großer Bedeutung. Dieser Prozess kann ebenfalls in einem Zirkel mit folgenden Schritten beschrieben werden: Kollektivierung, Institutionalisierung, Handlung und Feedback.[12]Kollektivierung bedeutet das Teilen des individuellen Wissens mit der Organisation, Institutionalisierung die Bereitstellung als autorisiertes Wissen, Handlung ist die Realisierung durch die Individuen. Schließlich kann durch das Feedback der individuelle Lernzirkel erneut gestartet werden.[13]

2.3 Wissenstransformation

Neben der Umwandlung von individuellen zu kollektiven Wissen, spielt die Transformation von impliziten zu expliziten Wissen eine wichtige Rolle. Diese Wissenstransformation kann in vier Formen geschehen: Sozialisation, Externalisierung, Kombination und Internalisierung.[14]

Sozialisation ist die Wissensumwandlung von impliziten zum impliziten Wissen und kann als Erfahrungsaustausch beschrieben werden. Ein Beispiel ist, wie Auszubildende in Praxiseinsätzen von ihren Betreuern lernen. Hier kann sogar implizites Wissen erworben werden ohne Sprache, durch Beobachtung, Nachahmung und Praxis.[15]„Externalisierung ist ein Prozess der Artikulation von impliziten Wissen in expliziten Konzepten.“[16]Das implizite Wissen wird also in Metaphern, Analogien und Modelle übertragen, wobei hier Diskrepanzen entstehen können. Dennoch können diese im Unternehmenskontext zu neuen Interpretationen und Lösungsansätzen anregen. So können zum Beispiel durch Expertendialoge verschiedener Abteilungen nützliche Analogien für Produktenwicklungen entdeckt werden. Kombination ist die Umwandlung von expliziten zu expliziten Wissen und dient dazu verschiedene Bereiche von Wissen miteinander zu verknüpfen.[17]Dies funktioniert über den Austausch via Medien, wie Dokumente, Meetings oder elektronische Netzwerke. Zum Beispiel könnten die gesammelten Erfahrungen eines Chemieunternehmens über das Chemikaliengesetz nicht nur für die eigene Produktion und Vermarktung verwendet werden, sondern auch dazu, entgeltliche Schulungen für Kunden abzuhalten. Internalisierung wandelt explizites in implizites Wissen um, und wird daher auch durch den Ausdruck „Learning by Doing“ beschrieben.[18]Wenn zum Beispiel Mitarbeitern explizites Wissen in Form von Dokumenten, Handbüchern oder Erfolgsgeschichten zur Verfügung gestellt wird, können diese es leicht internalisieren und für ihren Berufsalltag anwenden. Individuen können also Erfahrungen durch Sozialisation, Externalisierung und Kombination in Form von gemeinsamen mentalen Modellen internalisieren und in ihrer Arbeit einbringen. Auf diese Weise kann schließlich neues Wissen im Unternehmen geschaffen werden. Das Modell nach Hanuko wird daher auch als „Wissensspirale“ bezeichnet.[19]Erst das dynamische Durchlaufen der vier Formen der Wissensumwandlungen führt zu der gewünschten Wissensschaffung.

2.4 8 Bausteine des Wissensmanagement

In den Kapiteln 2.1 bis 2.3 konnten die Begriffe Wissen, Lernprozesse und Wissenstransformation erklärt werden. Diese Prozesse, Transformationen und letztlich das erschaffene Wissen müssen im Unternehmen gesteuert, gelenkt und gefördert werden. Hierfür bieten die Autoren Probst, Raub und Romhardt ein bekanntes Modell: Bausteine des Wissensmanagements.[20]Dieses umfasst acht Elemente auf strategischer und operativer Ebene, um einen systematischen Umgang mit der Ressource Wissen zu erlangen.[21]In Abbildung 1 wird das Modell dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Bausteine des Wissensmanagement. Quelle: Wissensmanagement Einführung, o.J., S.32.

[...]


[1]Vgl. Willke, H., Systemisches Wissensmanagement, 1998, S.1.

[2]Vgl. Bodrow, W. / Bergmann, P., Wissensbewertung, 2003, S.35.

[3]Vgl. Götz, K., Zwischen Wissen und Nichtwissen, 2002, S.47.

[4]Vgl. Willke, H., Systemisches Wissensmanagement, 1998, S.13.

[5]Vgl. Fischer, T. V., Wissensmanagement Einführung, o.J., S.10.

[6]Vgl. Willke, H., Systemisches Wissensmanagement, 1998, S.13.

[7]Vgl. Bodrow, W. / Bergmann, P., Wissensbewertung, 2003, S.37.

[8]Vgl. Willke, H., Systemisches Wissensmanagement, 1998, S. 13.

[9]Vgl. Fischer, T. V., Wissensmanagement Einführung, o.J., S.13.

[10]Vgl. Fischer, T. V., Wissensmanagement Einführung, o.J., S.27.

[11]Vgl. Fischer, T. V., Wissensmanagement Einführung, o.J., S.27.

[12]Vgl. Hartlieb, E., Wissenslogistik, 2012, S.78.

[13]Vgl. Fischer, T. V., Wissensmanagement Einführung, o.J., S.28.

[14]Vgl. Nonaka, I./ Takeuchi, H., Organisation des Wissens, 1997, S.75.

[15]Vgl. Nonaka, I./ Takeuchi, H., Organisation des Wissens, 1997, S.75.

[16]Vgl. Nonaka, I./ Takeuchi, H., Organisation des Wissens, 1997, S.77.

[17]Vgl. Nonaka, I./ Takeuchi, H., Organisation des Wissens, 1997, S.81.

[18]Vgl. Nonaka, I./ Takeuchi, H., Organisation des Wissens, 1997, S.82.

[19]Vgl. Nonaka, I./ Takeuchi, H., Organisation des Wissens, 1997, S.84.

[20]Vgl. Romhardt, K., Organisation aus der Wissensperspektive, 1998, S.52.

[21]Vgl. Fischer, T. V., Wissensmanagement Einführung, o.J., S.32.

Details

Seiten
22
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668674479
ISBN (Buch)
9783668674486
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v418327
Institution / Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
1,7
Schlagworte
Systemtheorie Wissensmanagement Wissen Wissensmanagementkonzepte Wissensarten Lernprozesse Wissenstransformation

Autor

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