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Popliteratur: Kodwo Eshuns 'Heller als die Sonne, Abenteuer in der Sonic Fiction'

Hausarbeit 2004 15 Seiten

Musikwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.der Autor

3. Eshuns Sichtweise auf Musik
3.1. Musikjournalismus
3.2. Technologie
3.3. Afrofuturismus

4. „Sonic Fiction“ als Popliteratur

5. Fazit

6.Quellenverzeichnis

1.Einleitung

Kurz vor der Jahrtausendwende erschien Kodwo Eshuns Buch „Heller als die Sonne, Abenteuer in der Sonic Fiction“. Schon der Titel suggeriert, dass es sich hier um eine etwas andere Art von Musikjournalismus handelt. Zwangsläufig dachte ich, als ich das Buch zum ersten Mal in die Hand nahm, an fremde Welten, Außerirdische, Raumschiffe – kurz: Science-Fiction. Doch es geht hier nicht um „science“, Wissenschaft, es geht um „sonic“, Sound. Es handelt sich wörtlich übersetzt um so etwas wie „klangliche Phantasien“. Klangliche Phantasien, wissenschaftlich geformte Klänge, bei genauerer Betrachtung offenbart sich die Verwandtschaft von Science-Fiction und Musik.

Betritt man ein Tonstudio, insbesondere eins für frühe elektronische Musik, so liegt es oftmals nicht fern, an das Labor eines Wissenschaftlers zu denken. Und auch die Herangehensweise vieler Computermusikproduzenten von heute wirkt höchst wissenschaftlich. Sounds werden mit Hilfe verschiedenster, nur für den Fachmann erkennbarer, Methoden in minimale, winzige Einzelteile zerlegt und neu zusammengesetzt. Effektgeräte und Synthesizer machen aus Studios Forschungsplätze, die sich der Beschaffenheit des Klangs widmen. Somit ist auch die Darstellung der Musiker im Labor auf dem Plattencover von Parliaments „The Clones of Dr. Funkenstein“ (Abb.1) leicht nachzuvollziehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Sonic Fiction“ beschreibt in einem Wort den Einzug von elektronischer Musik in unser „hörbares Universum“. In den 50ern nimmt diese neuartige Klangwelt mit Musique Concrete, Pierre Schaeffer und Pierre Henry ihren Anfang und zieht vorbei an Star-Trek, Orion und Odysee 2001. Das Alien entwickelt sich fortlaufend über P-Funk, HipHop, Elektro, Acid, Teckno, Dub und Djungle und gebärt seine Kinder: George Clinton, Grandmaster Flash, Kraftwerk, Phuture und viele mehr. Diese aufzuzählen überlasse ich dann doch lieber Kodwo Eshun selbst, der sein Werk als „eine Studie über Zukunftsvisionen in der Musik von SunRa bis 4Hero“[1] zusammenfasst.

Im folgenden Text möchte ich die besondere Sichtweise des Autors auf Musik erläutern. Dabei erscheint mir die Frage nach dem Einfluss der Technik zentral. Nachdem damit schließlich die Grundgedanken Kodwo Eshuns zusammengefasst sind, möchte ich außerdem das Buch aus der Perspektive von Pop und Popliteratur betrachten. Ist „Heller als die Sonne, Abenteuer in der Sonic Fiction“ ein Werk der so genannten Popliteratur? Inwiefern zählt es zur Popkultur oder ist es einem solchen Kontext nahezu fremd?

2.der Autor

Kodwo Eshun ist Autor, Essayist, DJ, Kunst-Kurator und Musikjournalist. Er wurde 1968 in England geboren und studierte englische Literatur und Literaturwissenschaft in Oxford. Er lebt in London und arbeitet dort als Dozent der „visual cultures“ am Goldsmith College. Außerdem lehrt er am Dutch Art Institute der Universität Amsterdam „sonic culture“. Er publiziert für verschiedene Zeitschriften, zu denen unter anderem „the wire“, „id“, „the Face“ und der „Melody Maker“ zählen.

Kodwo Eshun untersucht vor allem elektronische Musik im Kontext neuer Technologien und den so genannten Afrofuturismus (Siehe 3.3.). In diesem Zusammenhang entstand 1998 auch sein wohl bekanntester Text "More Brilliant than the Sun: Adventures in Sonic Fiction". Kodwo Eshun ist kein Autor im klassischen Sinne, er bezeichnet sich selbst eher als einen "konzeptuellen Ingenieur"[2]. Er agiert in einem bestimmten künstlerischen Umfeld, indem er Aussagen, kulturelle Phänomene, Fiktionen, Ausdrucksformen aufnimmt, um sie in andere Kontexte zu übertragen und aufeinander wirken bzw. ineinander verschränken zu lassen. Dies ist ein erstes Anzeichen dafür, dass er sich auch in die Gruppe von Autoren der Popliteratur, auf die ich später noch genauer eingehen werde (Siehe Punkt 4), einreihen lässt.

3. Eshuns Sichtweise auf Musik

Herausragend an seinem Buch ist, dass der Autor mit „Sonic Fiction“ eine ganz individuelle Sichtweise auf Musik offenbart, den Musikjournalismus in gewisser Hinsicht revolutioniert.[3] Hier stellt sich zusätzlich die Frage, was der Autor mit Begriffen wie „Futurrhythmusmaschine“, „Afrofuturismus“ und „Motion Capturing“ eigentlich meint und was in der Geschichte der „Alienmusik“ prägend, auffällig, zukunftsweisend erscheint.

3.1. Musikjournalismus

Eigentlich ist Kodwo Eshuns Werk einfach eine weitere Auseinandersetzung mit elektronisch beeinflussten Musikstilen und Musikern bzw. DJs[4]. Es geht nicht darum, verschiedene Musiker in die richtigen Schubladen zu ordnen: „Abstract Beats, Math Rock, Intelligent Techno, richtiger Drum`n`Bass, diese cleveren Genres für behämmerte Leute“.[5] Es wird nicht die Geschichte von P-Funk bis Techno noch einmal linear erzählt, auch wenn sich diese natürlich teilweise anhand des Textes nachvollziehen lässt. Vielmehr kommt hier eine ganz persönliche, subjektive Art sich mit der Materie auseinanderzusetzen zum Vorschein, was schon allein durch häufige eher umgangssprachliche Formulierungen (s.o.) deutlich wird. Trotzdem hat man es hier auch nicht mit gewöhnlichem Musikjournalismus oder einer außergewöhnlich umfangreichen Sammlung von Plattenkritiken zu tun. Kodwo Eshun nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die technologisch geformte Musikkultur. Dabei ist es dem Leser selbst überlassen wo er ein und aussteigt.

„Heller als die Sonne ist eine Maschine für das Reisen mit Gedankengeschwindigkeit, eine Sonde für das Eindringen in neue Bereiche des Möglichkeitsraums.“[6]

[...]


[1] Eshun, Kodwo: „Heller als die Sonne, Abenteuer in der Sonic Fiction“. Berlin 1999, S. 211

[2] http://www.hkw.de/de/programm/tagesprogramm/ba_technomusikreisen/c_index.html.

[3] http://www.argekultur.at/kunstfehler/ShowArticle.asp?AR_ID=1028&KF_ID=8

[4] Vgl.: Poschardt, Ulf: „Dj Culture“. Reinbek 2001.

[5] Eshun, Kodwo: „Heller als die Sonne, Abenteuer in der Sonic Fiction“. Berlin 1999, S.25

[6] Eshun, Kodwo: „Heller als die Sonne, Abenteuer in der Sonic Fiction“. Berlin 1999. S. 0

Details

Seiten
15
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638399982
Dateigröße
788 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v41808
Institution / Hochschule
Universität Lüneburg
Note
1,3
Schlagworte
Popliteratur Kodwo Eshuns Heller Sonne Abenteuer Sonic Fiction

Autor

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Titel: Popliteratur: Kodwo Eshuns 'Heller als die Sonne, Abenteuer in der Sonic Fiction'