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Helden als Leitbilder für die Jugend

Hausarbeit 2005 15 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Thema: Helden - Leitbilder in der Jugend

1. Einleitung

2. Definition

3. Antike Helden

4. Moderne Helden
4.1.1. Filmhelden
4.1.2. Sporthelden

5. Wie Jungen ihre Helden sehen
5.1. Helden und Jungen
5.2. Helden und Männlichkeit
5.3. Helden und Väter

6. Der Einfluss der Helden auf die Jungen
6.1. Mann werden
6.2. Das Ende der Helden?

7. Schlussbemerkung

8. Quellen

1 Einleitung

Obwohl viele, die mit Jugendlichen beschäftigt sind, wissen, wie wichtig aktuelle Helden für diese sind, und obwohl viele Jungen mehr Zeit mit diesen Figuren verbringen als zum Beispiel mit ihren Vätern, wissen viele Menschen nur sehr wenig über die Bedeutung der Helden für Jungen.

„Für Kinder und Jugendliche gibt es in den speziell für sie geschaffenen Medien eine ganze Reihe von Leitbildern, die zur Identifikation einladen. Sie sind meist sehr geschlechtsspezifisch ausgerichtet.“ Kinder und Jugendliche schenken diesen Leitbildern eine große Bedeutung, wenn reale Vorbilder fehlen – wenn Väter fehlen, sich Eltern keine Zeit für ihre Kinder nehmen oder wenn Jugendliche sozial isoliert sind.

Ich werde in meiner Hausarbeit versuchen herauszufiltern was für ein Bild von Männlichkeit Jugendlichen durch Helden vermittelt wird und inwieweit der Einfluss der Helden Jugendlichen beim Erwachsenwerden unterstützen oder hindern.

2 Definition

"Held, ursprünglich ein Mann, vornehmlich ein Krieger, der sich durch hervorragende Tapferkeit und besonders ruhmreiche Taten auszeichnete. In dieser Bedeutung erscheinen u.a. die Hauptpersonen in der Heldensage. Als Held wird darüber hinaus auch eine Person betitelt, die im Mittelpunkt eines Geschehens steht oder durch vorbildliches Verhalten Bewunderung und Anerkennung hervorruft. "

Ein Held ist die Hauptfigur einer Geschichte, Legende oder Sage, die über Kräfte (nicht nur körperliche, sondern auch geistige Kräfte) verfügt, die weit über die eines normalen Menschen hinausgehen, so dass er zu einer außergewöhnlichen guten Tat (einer "Heldentat") in der Lage ist, die ihm Ruhm beschert. […] Ein Held entspricht normalerweise der Definition dessen, was in der jeweiligen Kultur als gut und edel gilt. 3 Antike Helden In der klassischen Mythologie sowie in den Mythen aller Kulturen werden die idealen Anlagen und Talente ihrer Helden beschrieben. Der klassische Held ist in jeder Hinsicht ein Meister: Er besteht alle Prüfungen, befreit die Welt von Übeltätern und geht am Ende als Sieger hervor.

Die Mythologie ist reich an Helden jeder Art. Manche, wie Achilles und Beowulf, sind Kriegshelden, andere, wie Odysseus oder Siegfried, sind Helden zu Friedenszeiten. „Manche sind konstruktiv, wie Herakles oder Perseus; wieder andere sind eher Helden des Charakters als der Tat, wie Ödipus oder Hektor, die angesichts ihrer hoffnungslosen Lage standhaft blieben.“

Auch in den Religionen der Welt werden vorzugsweise Männer hervorgehoben und als Wohltäter, Retter der Welt, Beschützer der Armen, Schwachen und Kranken dargestellt. Die Helden der Religionen werden als einfache Menschen dargestellt, die von Gott auserwählt wurden heldenhafte Taten zu vollbringen.

Ein Held des Alten Testaments im Christentum ist zweifellos Moses, der die Israeliten aus Ägypten ins gelobte Land führte. Ein anderer klassischer Held der Bibel ist David, der im ungleichen Kampf gegen Goliath, nur mit einer einfachen Steinschleuder bewaffnet, gewann und später König wurde.

Märchen sind nicht einfach nur Kindergeschichten. Ihrem Ursprung nach sind sie Geschichten von Erwachsenen für Erwachsene. Sie haben in alten Zeiten zur Unterhaltung gedient und die Rolle gespielt, die heutzutage Kino, Rundfunk und Fernsehen innehaben.

Die meisten Märchenhelden haben über Jahrhunderte und häufig in vielen Ländern bis heute nichts von ihrem Glanz eingebüßt. Das hat kaum eine literarische Figur geschafft. Viele Märchengestalten sind ins gesellschaftliche Bewusstsein eingegangen, z.B. der Märchenprinz. Er ist ein archetypisches Bild - Archetypen sind, nach C.G. Jung, Urbilder, die sich tief im Unterbewusstsein der Menschen befinden - des Mannes, aber nicht das einzige. Außer dem Märchenprinz gibt es noch weitere Repräsentanten des Männlichen, von Königen, Brüdern und Kriegern, Zauberer bis zu den Halunken.

„Der Eisenhans“, ein Märchen der Gebrüder Grimm, sowie alle anderen Initiationsgeschichten zeigen, wie sich Jungen von den Erwartungen der Eltern lösen um sich ein eigenes Vorbild suchen. Diese Vorbilder sollen Jungen helfen sich selbst zu erkunden und die eigene Männlichkeit zu entdecken.

Doch wo finden Jungen heutzutage die Helden?

4 Moderne Helden

Kinder suchen und finden ihre Helden vorzugsweise über die Medien. Das Fernsehen zum Beispiel hat mit Zeichentricks und Filmen immer wieder mythische Themen aufgegriffen, Mythen der Antike und des Mittelalters, Mythen vom Abenteuer im Weltraum, mythische Erzählungen und Märchen.

4.1 Filmhelden

Der Held im Fernsehen ist oft ein Einzelgänger, der ein Doppelleben führt. Er verkörpert einerseits den netten Nachbarn von nebenan, der alltägliche Arbeiten in der gewohnten Welt ausübt, bis er den Ruf des Abenteuers wahrnimmt. Diesem Ruf folgt er jedoch nur mit Widerwillen, er wird praktisch durch die Umstände dazu gezwungen. Im Laufe des Spielfilms stellt sich oft heraus, dass dieser Held riesige Fähigkeiten besitzt und mutiger zu sein schein, als er selbst es für möglich gehalten hätte. Er ist immer zur Stelle, um das Böse zu bekämpfen sowie die Schwachen und Armen zu beschützen. Als einsamer Krieger begibt er sich in die Wildnis, quasi in das Reich des Feindes, umgeben von Gefahren, wilden Tieren und giftigen Pflanzen. Er besteht Bewährungsproben, Prüfungen, trifft Verbündete und kehrt schließlich mit einem Schatz in die gewohnte Welt zurück. Jungen möchte sich mit ihren Helden identifizieren um ihre Phantasie beizubehalten, selbst einmal ein Held zu werden. Obwohl die Fähigkeiten, Geschicklichkeit und der Mut des Helden sich vollkommen von dem der Zuschauer unterscheidet, scheint doch beinahe jeder Held einmal ein ganz normaler Mann oder Junge gewesen zu sein. Laut Wolfgang Schmidbauer (1981) dient die Doppelexistenz der Helden nicht zwangsläufig der Identifizierung des Zuschauers mit seinem Helden, sondern weckt in ihm eine Überlegenheit gegenüber dem Helden. Der Zuschauer kennt die wahre Identität seines Helden, was ihn selbst mächtiger macht als den Helden.

Der Held hat heute zwar sein Gesicht verändert, doch seine Eigenschaften sind die gleichen geblieben. Er kämpft immer noch selbstlos und mutig gegen alles was die Menschheit bedroht und gefährdet. Die heutigen TV-Helden sind jedoch nicht mehr nur Helden, sie sind Superhelden wie z. B. Superman oder Batman – sie alle führen im Film ein Doppelleben, doch sie haben übernatürliche Kräfte und Fähigkeiten. Es scheint so, als verkörperten sie von der Figur des starken Herakles bis zur geschickten und unscheinbaren Figur des Davids alle Helden auf einmal. Doch wer die Superhelden von heute näher betrachtet, erkennt immer noch Parallelen zu den antiken Helden. So wurde Superman, wie Moses von seinen Eltern ausgesetzt und von einer fremden Familie aufgezogen, bis er seine wahre Bestimmung entdeckte. Er ist unverwundbar bis auf eine Schwachstelle (seine Anfälligkeit für Kryptonit, einem Gestein seines Heimatplaneten). Damit schließt er sich seinen unverwundbaren und antiken Vorfahren Achilles (Achillesferse) sowie Siegfried (Lindenblattfleck auf der Schulter) an!

4.2 Sporthelden

Sport und Sportveranstaltungen genossen schon immer ein hohes Ansehen, sowohl früher als auch heute. Wenn zur Zeit der Römer die Gladiatorenkämpfe viele Zuschauer ins Kolosseum lockten, füllen heute die Fußballspiele, Boxkämpfe oder sonstige Sportveranstaltungen die Stadien. Ausnahmeathleten wurden allzeit mit Erfurcht bestaunt und werden bis heute noch verehrt.

Der Sportheld zeichnet sich dadurch aus, dass er auf Grund von überragenden Leistungen, gepaart mit Niederlagen und Schicksalsschlägen einerseits der Durchschnittswelt enthoben ist, aber andererseits in der Art und Weise, wie er als Person dargestellt wird auch den Eindruck vermittelt, ich bin einer von euch. Diese Identifizierungsmöglichkeit ist wesentlich von der Information abhängig, die über die spezifische Sporttätigkeit hinausreicht. Doch auch hier gibt es Parallelen zu den antiken Sporthelden.

Der wohl bekannteste und älteste klassische Sportheld ist Herakles, ein Halbgott, gezeugt von Zeus, dem mächtigsten griechischen Gott und Alkmene, einer irdischen Frau. Damit ist er auf der einen Seite ein Mensch wie jeder andere, auf der anderen Seite aber auch etwas Übernatürliches. Erst durch seine Wettkämpfe und heroischen Taten wurde er zu einem nationalen Held und schließlich auch für seinen Mut, seine Kraft, Geschicklichkeit und Ausdauer belohnt, indem er in den Kreis der Götter aufgenommen wurde.

„Sport ist ein Wettkampf, er braucht Sieger und Besiegte, sonst verliert er an Reiz.“ Er bietet Jungen die Möglichkeit ihren Körper zu spüren, Größe und Stärke auszuspielen und mit Siegen und Niederlagen umzugehen. Jungen versuchen ihren Körper durch Leistungen unter Beweis zu stellen und an Mitstreitern zu messen, um die Klasse ihrer Sporthelden näher zu kommen.

Zu Herakles Zeit gab es noch keine Medien, die seine Wettkämpfe weltweit ausstrahlen konnten. Heute kann die ganze Welt zuschauen, welcher Sportler welches Land in welcher Sportart oder Disziplin vertritt. Sportler die einen Sieg für ihr Land davon tragen sind nicht einfach nur Sporthelden, sie werden darüber hinaus noch zu Nationalhelden, die von der ganzen Welt bewundert werden.

Viele Jungen identifizieren sich mit Fußballstars oder anderen Sportlern, die sie über das Fernsehen weltweit beobachten können. Sie können täglich ihre sportlichen Leistungen verfolgen und werden so zum Nachahmen angespornt. „Und weil beim Fußball keine Mannschaft ohne die Unterstützung ihrer Fans auskommt, haben alle teil am Sieg und an der Niederlage.“

Aber in der Art wie Fairness und Sportsgeist im Hochleistungssport immer weniger werden, verschwinden auch positive Identifikationsfiguren. Egozentrische Individualisten bestimmen immer mehr das Bild des Sports, obwohl es auch Ausnahmen gibt.

5 Wie Jungen ihre Helden sehen

5.1 Helden und Jungen

Der Prototyp des Helden befindet sich – wie der männliche Jugendliche – in einem Zwischenstadium zwischen Jugend und Erwachsensein. Er ist kein Kind mehr und im Vollbesitz seiner körperlichen und geistigen Kräfte, aber er hat sich noch nicht seiner Bestimmung gestellt und sich auch nicht in neue Bindungen begeben.

Der Held kann für Jungen zweierlei Bedeutung haben. Er kann als Identifikationsfigur dienen und für das stehen was der Jugendliche gern sein möchte. Oder er kann das sein, was der Jugendliche haben möchte, d. h. eine Art Ersatzperson für jemanden, der verloren gegangen ist oder für den Jugendlichen nicht so ideal erscheint.

- Dass der Held als Ersatz für eine nichtvorhandene oder verlorene Person dient, fällt dadurch auf, dass oft sowohl die Idole (z.B. Popstars, Filmstars) von männlichen als auch weiblichen Jugendlichen männlich sind. Das könnte mit der Unerreichbarkeit und Ferne der Väter zusammen hängen, die Ersatzbilder eher notwendig macht.

Da Heldenfiguren stark an gängigen Geschlechtsstereotypen orientiert sind, leisten sie ihren Beitrag zur gesellschaftlichen Konstruktion von Männlichkeit. „Indem sie für Jungen phantasierte ‚Väter’ und Interaktionspartner darstellen, füllen sie die Löcher im schwierigen Weg von Jungen zur männlichen Identität. Sie ermöglichen die Erfüllung von Wünschen nach Schutz und Nähe.“

- Dient der Held als Identifikationsfigur, muss dieser nicht unbedingt positive Züge tragen. „Gerade im Zuge der Opposition gegen die elterliche Werte und Normen können auch ‚böse’ Figuren glorifiziert und verehrt werden.“ Zudem wird in der Jugend das Verhältnis zur Gesellschaft wichtig. In vielen Action-Filmen stehen die Helden außerhalb der Gesellschaft, aber nehmen trotzdem die traditionelle Rolle des Beschützers ein. Die Helden sind zwar Außenseiter und gehören zur Randgruppe der Gesellschaft, beschützen bzw. retten diese jedoch oft vor Gefahr und Zerstörung, da die schützenden Institutionen versagen. Die Figuren bleiben im Rahmen der vorgegebenen Norm, können allerdings zwischenzeitlich auch ‚böse’ Anteile ungestraft ausleben. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen dadurch für den Jugendlichen. „Hierin unterscheiden sich die Helden der Jugendlichen von den einfacheren Gut-Böse-Schemata der Helden der jüngeren Jungen.“

Für Action-Filme interessieren sich jedoch nicht alle männlichen Jugendlichen. Laut Tim Rohrmann (1994), sind vor allem Haupt- und Realschüler aus unteren Schichten, die sich dafür begeistern. Sie sind wenig anspruchsvoll, was ihre Lebensziele angeht, eher passiv und an einem konventionellen Lebensstil orientiert. Das ist genau die Gruppe, die am ehesten dazu neigt, sich Helden, die ein traditionelles Bild von Männlichkeit vermitteln, als Vorbild zu nehmen.

5.2 Helden und Männlichkeit

„Echte Männer werden gemacht, nicht geboren…“ heißt es in „Mythos Mann“ von David D. Gilmore. Echte Männer gibt es in großer Anzahl in den Medien, speziell im Fernsehen und im Kino. Doch im Filmkonsum ist die Distanz zum Geschehen relativ groß. Bei vielen männlichen Vorbildpersonen ist das vielleicht sogar ganz gut. Denn das Männerbild im Kino und im Fernsehen ist häufig traditionell, brutal und oft undemokratisch. Welcher Kinoheld hat denn ernsthafte Schwächen oder zeigt sich von seiner emotionalen Seite?

Vom klassischen Bild eines Helden gibt es sehr viele Attribute, die auch dem traditionellen Männerbild zugeordnet werden können. Der Mann hat vor allem willensstark, selbstsicher, aktiv und dominant zu sein, aber auf keinen Fall ängstlich. Er handelt nicht gefühlsbetont. Er zeigt keine Schwächen, jedenfalls keine, die seinem Bild in der Öffentlichkeit abträglich sein könnten. Der Mann ist Ernährer und Beschützer.

Doch im Zuge gesellschaftlicher Veränderungen hat sich das klare traditionelle Männerbild gewandelt. Carol Lee schreibt in ihrem Buch „Hilflose Helden“, „dass man als Held von gestern nicht mit Problemen von morgen fertig wird.“ Das heißt allerdings nicht, dass überall das alte Männerbild verschwunden ist. Aber der Beschützer wird eigentlich nicht mehr benötigt. Fast alle Schulabgänger sind heute in der Lage für sich selbst zu sorgen und das sind ja zu 50 % Frauen. Die gesellschaftlichen Strukturen und die sehr engen Vorgaben am Arbeitsplatz lassen wenig Raum für Beschützer von Witwen und Waisen. Geld verdienen und somit für den Lebensunterhalt einer Familie zu sorgen ist anders als früher nicht mehr eindeutig geschlechtsspezifisch männlich.

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Details

Seiten
15
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638399623
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v41759
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule Ludwigsburg (ehem. Evangelische Fachhochschule Reutlingen-Ludwigsburg; Standort Ludwigsburg)
Note
1,0
Schlagworte
Helden Leitbilder Jugend

Autor

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