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Was ist der ideale Staat? Gegenüberstellung der Theoretiker J.J. Rousseau und J. Locke

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 29 Seiten

Didaktik - Politik, politische Bildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Sachanalyse
2.1 Politische Theorie und GG
2.2 John Lockes Repräsentationstheorie
2.3 J.J. Rousseaus Identitätstheorie

3. Stundenverlauf
3.1 Beschreibung der Unterrichtsreihe
3.2 Verlaufsplanung: „Was ist der ideale Staat?“
3.3 Didaktisch- Methodische Analyse
3.4 Didaktische Perspektiven
3.5 Didaktische Analyse nach K.G. Fischer

4. Lernkompetenzen

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

1. Einleitung

Wenn man die politische Theorie in der Schule behandeln möchte, so muss man sich die Frage nach der heutigen aktuellen Bedeutung der Theorien stellen. Da die Gesellschaft, sowie die Strukturen unseres politischen Systems auf dem GG basieren fällt den politischen Theorien in sofern eine Bedeutung zu, dass sie als elementares Gedankengut unsere Verfassung bestimmen. Es sind damit konkret die Vertreter des Konstitutionalismus (John Locke; Charles de Montesquieu) gemeint. Vergleichend kann man dagegen als Beispiel anderer Systeme die Vertreter des Absolutismus (Machiavelli; Hobbes) und der direkten Volkssouveränität (J.J. Rousseau) nennen. Doch nicht nur in unserer Verfassung sind die Grundzüge der damaligen Theoretiker vorhanden, auch zu aktuellen Themen kann man die politische Theorie als Lösungsansatz heranziehen. Als Beispiel kann man den Verlust von Werten, Normen und Prinzipien nennen, unter denen unsere Gesellschaft leidet. Auffallend ist, dass sich bestimmte Fragestellungen , die sich Aristoteles und John Locke damals schon stellten, heute ebenfalls noch aktuell sind. Das sind z.B. Fragen nach der individuellen Freiheit und gesellschaftlichen Verpflichtungen des Menschen, wie auch Fragen nach den Aufgaben und Grenzen staatlicher Kontrolle und Macht. In Debatten und politischen Diskussionen spielen diese Themen in Parlament und Medien eine nicht zu unterschätzende Rolle. Es lohnt sich also, sich möglichst frühzeitig und intensiv mit dem Denken dieser Theoretiker zu befassen, nicht zuletzt um ein Verständnis für politische Entscheidungen und dessen Sinngehalt zu bekommen. Ebenfalls lassen sich gut Vergleiche zwischen verschiedenen Denkrichtungen im Hinblick auf Staatsaufbau, Staatslenkung, Volksbeteiligung und Gewaltenteilung vornehmen. Bei der Analyse von Regierungssystemen und Ideologien wird man nicht zuletzt auf typische Inhalte der Theoretiker stoßen, wobei jedoch oftmals die zentralen Aussagen in den Werken „auslegbar“ sind und dies von unterschiedlichen Regimen ausgenutzt wurde bzw. als Vorwand genutzt wurde um Scheindiktaturen o.ä. zu errichten.

2. Die Sachanalyse

2.1 Politische Theorie und GG

Um die politische und gesellschaftliche Stabilität unserer politischen Ordnung zu gewährleisten benötigt man grundlegende Werte, Prinzipien und Regeln. Diese sind in der BRD im Grundgesetz, speziell in den Grundrechten, verankert. Die Grundrechte spiegeln im wesentlichen die klassischen Menschen- und Bürgerrechte wieder. Die klassischen Menschen- und Bürgerrechte sind Inhaltlich vom Europarat (von dessen Mitgliedern) am 4.11. 1950 in der „Konvention zum Schutze der Menschen- und Grundfreiheiten“, sowie in den „Pariser Zusatzprotokollen“ vom 20.3. 1952 beschlossen worden. Dies war ein erster Versuch die Grundrechte völkerrechtlich anzuerkennen. Seit dem Jahr 1959 existiert der Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte mit Sitz in Straßburg[1].

Die Grundrechte enthalten neben den Freiheitsrechten und „Teilhaberrechten“ (Rechte des einzelnen auf staatliche Leistungen) auch als dritte, wichtige Hauptgruppe die Staatsbürgerrechte (politischen Rechte). Diese Rechte geben dem Staatsbürger die Gewährleistung von Mitwirkungsbefugnissen im Gemeinwesen (Art. 8+ 9 GG), das Recht auf Staatszugehörigkeit (Art. 16 GG), aktives und passives Wahlrecht (Art. 38+ 39 GG), sowie das Recht auf Zugang zu öffentlichen Ämtern (Art. 33, Abs.2). Diese Grundrechte basieren in Grundzügen auf dem Gedankengut von John Locke. In seinem Werk „Zwei Abhandlungen über die Regierung“ (1690) legt er seine Vorstellungen von Menschenbild, Gesellschaft und Staatsauffassung dar.

2.2 John Lockes Repräsentationstheorie

Bei Locke wird der Mensch frei und gleich geboren. Alle Individuen besitzen bei ihm den gleichen Macht – und Rechtsanspruch. Die Grenzen der Freiheit bildet für ihn jedoch die gleiche Freiheit des Anderen. Lockes Menschenbild im Naturzustand beschreibt es als vernunftbegabtes Wesen, das die Fähigkeit besitzt in Freiheit und Eigenverantwortung seine Handlungen zu regeln. Er soll über seine Person und über seinen Besitz selbstständig verfügen dürfen. Niemand darf ihm sein Leben, sein Eigentum oder seiner Freiheit abtrünnig machen. Die bürgerliche Gesellschaft stellt sich Locke so vor, als dass der Mensch seine Macht an eine politische Gemeinschaft abtritt, die für ihn handeln und entscheiden soll. Grundlegend funktioniert dies deswegen, da der Mensch gut ist und einen Zustand des Friedens haben möchte. Eine Gesellschaft ist aber nur möglich, wenn sich alle zusammenschließen.

Lockes Herrschaftsauffassung beschreibt, dass die politische Herrschaft nicht aufhebbar ist. Politische Herrschaft ist übertragene Herrschaft durch das Volk. Das Individuum kann bestimmte, im Naturzustand vorherrschende Rechte nicht selbst ausführen und braucht dafür übergeordnete, von ihm gewollte und gewählte Instanzen. Ein Beispiel wäre das Justizwesen, das aktuelle und verbindliche Gesetze schafft und somit individuelle Willkür bei der Bestrafung verhindert.

Ein weiteres Merkmal ist die Herrschaft auf Zeit, sowie der Missbrauch der politischen Macht. Das Volk sollte die Macht zurückbekommen, wenn das Amt missbraucht wird. Die Regierung ist auf die Zustimmung und auf das Vertrauen des Volkes angewiesen.

Der Souverän ist Repräsentant des Volkes. Es überträgt ihm Individualrechte. Die staatliche Ordnung ist eine Art Vertragsverhältnis zwischen Regierung und Bürger. In Lockes Theorie existieren zwei Gewalten (exekutive und judikative Gewalt). Richterliche und legislative Gewalt sind bei ihm eine Gewalt.

Lockes Theorie fragt nach der Legitimation staatlicher Herrschaft. Für ihn hat der Staat im wesentlichen die Aufgabe, Leben, Freiheit und Eigentum der Bürger zu sichern. Locke geht es außerdem noch um die Frage, wie der Missbrauch staatlicher Macht verhindert werden kann. Seine Repräsentationstheorie bedeutet namentlich, dass die Macht „aus dem Volk gewählten Vertretern übertragen wird“ (Repräsentant).

2.3. J.J. Rousseaus Identitätstheorie

Anders waren dagegen die Vorstellungen von J.J. Rousseau. Seine Auffassung vom Naturzustand und Staatsaufbau, sowie von Gewaltenteilung und Gesetzen verhält sich zum Teil konträr zu Locke. Rousseau sah den Menschen im Naturzustand ebenfalls als gut an. Der Mensch lebt nach seinen wahren Bedürfnissen in natürlicher Freiheit und Unabhängigkeit. Er kennt kein Recht und kein Unrecht, sowie moralische Beziehungen und Pflichten. Markant ist nun folgendes: alle Menschen sind nicht nur gleich, sondern haben auch, da sie nur nach ihren wahren Bedürfnissen leben, den gleichen Willen. Es gibt kein Eigentum, sowie keine Form von Individualität oder Egoismus. Kein Bürger „will mehr“ als der Andere. Sobald Individualität zugelassen wird, ist der Mensch unfrei und gefangen. Denn er erwirbt sich Eigentum und macht damit andere Menschen zu Sklaven.

[...]


[1] Vgl. Hesselberger, D., Das Grundgesetz. Kommentar für die politische Bildung, Bonn 2003, S. 58.

Details

Seiten
29
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638399517
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v41748
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Institut für Politikwissenschaft Jena
Note
2,3
Schlagworte
Staat Gegenüberstellung Theoretiker Rousseau Locke Politische Theorie Bezugsrahmen Gegenstand Bildung

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Titel: Was ist der ideale Staat? Gegenüberstellung der Theoretiker J.J. Rousseau und J. Locke