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Einflussfaktoren auf die Entwicklung des Luxusgütermarktes in China

Am Beispiel von LVMH Moët Hennessy – Louis Vuitton SE

Bachelorarbeit 2017 72 Seiten

BWL - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Einführung
1.2 Problemstellung und Zielsetzung
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Definition des Begriffes Luxus
2.2 Definition des Begriffes Luxusmarke

3 Der weltweite Markt für persönliche Luxusgüter
3.1 Di Marktentwicklung
3.2 Die Struktur des Marktes
3.2.1 Die wichtigsten Regionen und Länder
3.2.2 Die wichtigsten Industriezweige
3.2.3 Die größten Luxusgüterhersteller der Welt
3.2.4 Die wertvollsten Luxusmarken der Welt

4 Der Luxusgütermarkt in China
4.1 Der chinesische Luxusmarkt im Überblick
4.2 Die Hauptproduktkategorien
4.3 Positive Treiber von Chinas Luxusmarkt
4.3.1 Höheres Einkommen - die wachsende Mittelschicht
4.3.2 Anstieg der High-net-worth individuals
4.3.3 Urbanisierung
4.4 Die Besonderheiten des Marktes
4.4.1 Chinesen als Zielgruppe im Ausland
4.4.2 E-Commerce
4.4.3 Chinas grauer Luxusgütermarkt

5 Luxuskonsumenten
5.1 Kulturelle Werte der chinesischen Konsumenten
5.1.1 Mianzi
5.1.2 Guanxi
5.1.3 Materialismus
5.2 Konsumentengruppen
5.2.1 Die Differenzierung nach Generationen
5.2.2 Der „Bestecher“ und der „Bestochene“
5.3 Konsumentenverhalten in China
5.3.1 Besonderheiten der chinesischen Konsumenten
5.3.2 Die Rolle der Marke

6 Korruption in China
6.1 Definition von Korruption
6.2 Die Ursachen der Korruption
6.3 Gegenwärtige Situation der Korruption
6.4 Die Antikorruptionskampagne
6.4.1 Maßnahmen
6.4.2 Motive
6.4.3 Auswirkungen

7 Die Darstellung der Einflussfaktoren am Beispiel von LVMH
7.1 Der Luxusgüterkonzern LVMH
7.2 Die Geschichte von LVMH
7.3 Geschäftsbereiche und Marken von LVMH
7.4 Die Entwicklung von LVMH in China
7.5 Gründe für den Rückgang der Nachfrage
7.6 Handlungsempfehlungen für LVMH
7.6.1 Anpassung der Preise für Luxusgüter in China
7.6.2 Das besondere Einkaufserlebnis kreieren
7.6.3 Einen bezahlbaren Luxus schaffen

8 Fazit

9 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die Entwicklung des weltweiten Marktes für persönliche Luxusgüter von 1995 bis

Abbildung 2: Globale Umsatzverteilung im Markt für persönliche Luxusgüter nach Regionen

Abbildung 3: Weltweiter Markt für persönliche Luxusgüter nach Produktsegment

Abbildung 4: Umsatz auf dem chinesischen Luxusgütermarkt von 2011 bis 2016 (in Mrd. EUR)

Abbildung 5: Marktanteil der Produktsegmente auf dem chinesischen Luxusgütermarkt

Abbildung 6: Haushaltseinkommen pro Kopf nach Einkommensgruppe in China

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Ranking der 10 weltweit größten Luxusunternehmen nach Umsatz

Tabelle 2: Ranking der 10 der wertvollsten Luxusmarken

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Einführung

„ Das elegante Leben ist der Ausdruck aller Fortschritte, die ein Land macht, da es ja alle Arten des Luxus in sich begreift. “ 1

Diese Feststellung machte bereits Honoré de Balzac, einer der bedeutendsten Schriftsteller des 19. Jahrhunderts in Frankreich. Seinen Worten nach spiegelt sich der soziale und kulturelle Wandel einer Gesellschaft im Besonderen in der Luxusindustrie wider. Die verschiedenen Luxusgüterhersteller, wie z.B. Louis Vuitton oder Chanel, steigerten ihre Umsätze in den letzten 20 Jahren jährlich mit Produkten wie Handtaschen, Schuhe, Schmuck und Parfüms.2 Dabei spielte der chinesische Markt, der einst für westliche Luxusunternehmen unzugänglich schien, eine bedeutende Schlüsselrolle. Mit der schnell wachsenden Wirtschaft in den 90ern und frühen 2000er Jahren sowie der enormen Bevölkerungszahl hat sich China inzwischen zum drittgrößten Luxusgütermarkt der Welt entwickelt. Chinesen gehören weltweit nicht nur zu den wichtigsten Konsumenten von Luxusgütern, sondern gelten auch als wichtigsten Wachstumstreiber der globalen Luxusindustrie.3

1.2 Problemstellung und Zielsetzung

Nachhaltigen Erfolg auf dem chinesischen Luxusgütermarkt zu generieren stellt die Luxusgüterhersteller vor neue Herausforderungen. Hierbei gilt es die bereits bestehenden Wettbewerbsvorteile sowie Marktpositionen mit Wachstumsstrategien und innovativen Ideen zu kombinieren.

Das Problem liegt nicht nur darin, dass das Konsumverhalten der Chinesen, aufgrund ihrer kulturellen Werte sich sehr stark von dem der westlichen Welt unterscheidet und ihre Ansprüche sowie ihr Verständnis von Luxus sich zunehmend verändern, auch die jüngsten politisch-ökonomische Veränderungen im Land führen zu weiteren Unsicherheiten auf dem chinesischen Luxusgütermarkt.4 Ziel dieser Arbeit ist es durch die systematische Analyse relevanter Textquellen in Form von Fachliteraturen, Marktstudien oder aktuelle Beiträge aus dem Internet, Trends und Entwicklungen des Luxuskonsums der Chinesen zu untersuchen. Außerdem wird der Markt und die wichtigsten Faktoren, die die Nachfrage beeinflussen, analysiert. Basierend auf diesen Analysen werden Handlungsempfehlungen für die Praxis abgeleitet, die den Geschäftserfolg im modernen China nachhaltig stärken.

1.3 Aufbau der Arbeit

Im Rahmen der theoretischen Grundlagen, erfolgt im folgenden Kapitel zunächst die Definition und Abgrenzung des Luxusbegriffs und des Luxusmarkenbegriffs. Das darauffolgende Kapitel beschäftigt sich mit dem weltweiten Luxusgütermarkt und bietet einen grundlegenden Überblick über die Entwicklung des Marktes sowie relevante Marktstrukturen. Anschließend wird das Luxussegment in China betrachtet, wobei die Besonderheiten des Marktes beschrieben werden. Im fünften Kapitel erfolgt eine Darstellung der kulturellen Werte, das unbewusste Fundament chinesischen Konsumverhaltens, und eine Einführung in die daraus resultierenden Besonderheiten des Konsumverhaltens der chinesischen Luxusgüterkäufer. Aufgrund der großen Bedeutung widmet sich Kapitel 6 ausschließlich dem Problem der Korruption in China bzw. der Antikorruptionskampagne von Staatspräsidenten Xi Jinping, was ein entscheidender Einflussfaktor auf die Geschäfte mit Luxusgütern in jüngster Vergangenheit darstellt.

In Kapitel 7 folgt die Vorstellung des französischen Luxusgüterkonzerns LVMH Moët Hennessy - Louis Vuitton SE. Dabei steht die Entwicklung des Konzerns seit der Erschließung des chinesischen Marktes, unter Einbeziehung sämtlicher in dieser Arbeit untersuchten Einflussfaktoren, im Mittelpunkt. Das Kapitel endet mit der Formulierung von Handlungsempfehlungen für den Luxusgüterkonzern in China. Ein Fazit schließt die Arbeit ab.

2. Theoretische Grundlagen

Durch die nähere Betrachtung der Begriffe Luxus und Luxusmarke wird im Folgenden die theoretischen Grundlagen aufgeführt, die für das Verständnis des Luxuskonzepts wesentlich sind.

2.1 Definition des Begriffes Luxus

Der Begriff Luxus stammt ursprünglich aus der lateinischen Sprache und wird von den Wörtern „ lux “ und „ luxuria “ abgeleitet.5 Das lateinische Wort „ lux “ bedeutet übersetzt Licht und Helligkeit und ist eine Anspielung auf die typischen Merkmale von Luxusgütern, wie zum Beispiel die Schönheit, die Kraft und die Ausstrahlung eines funkelnden Diamanten.6 „Luxuria“ als Luxuskonzept hat historisch betrachtet, in der Römerzeit bis zu den Anfängen des 18. Jahrhunderts, eine vorwiegend negative Tradition, da es vor allen Dingen mit Ausbeutung, Überfluss, Genusssucht, Wollust und Verschwendung assoziiert wurde.7 Erst im Verlauf der Industrialisierung relativierte sich das Verständnis für den Begriff Luxus, zumal der volkswirtschaftliche Nutzen von Luxus immer mehr in den Vordergrund rückte.8 In der Literatur existieren für den Begriff Luxus zahlreiche Definitionsansätze. Der Luxusbegriff unterliegt einem ständigen Veränderungsprozess und hat sich in den letzten tausend Jahren stets neu definiert.9 Demzufolge wird in Abhängigkeit des politisch- ökonomischen und gesellschaftlichen Wandels der Terminus Luxus, je nach Zeitepoche, unterschiedlich gedeutet und ist im Grunde genommen ein soziologisches Phänomen.10 Auch heute lässt sich eine eindeutige Definition dieses Begriffes nicht finden.

Eine weitere Schwierigkeit mit dem Begriff Luxus zeigt die vielzitierte Definition von Werner Sombart aus dem Jahr 1913: „Luxus ist jeder Aufwand, der über das Notwendige hinausgeht.“11. Hieran lässt sich die Subjektivität und Relativität des Luxusbegriffs klar erkennen. Die Beurteilung was eine Notwendigkeit und was Luxus ist, erfolgt ausschließlich nach subjektiven Kriterien. Mit anderen Worten, das was für den einen eine Notwendigkeit ist, verkörpert zugleich für eine andere Person Luxus.12 Für den einen ist Luxus der Besitz materieller Gegenstände und für den anderen stellt gemeinsame Zeit mit der Familie eine Kostbarkeit dar. Luxus liegt demnach im Auge des Betrachters und hängt stark von den jeweiligen Kulturen und Individuen ab.13

Die Relativität von Luxus liegt darin begründet, dass der Luxusstatus je nach Raum und Zeit sich kontinuierlich verändert.14 Unsere Vorstellung von Luxus unterliegt den Trends der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklungen. Folglich haben sich frühere Luxusprodukte in Industriestaaten im Laufe der Zeit zu gängigen Alltagsgegenständen aus der Massenproduktion gewandelt. Ein Beispiel: zu Beginn der 1960er Jahre galt der Kühlschrank als Neuheit und war ein Luxusgut. Nur 13% der deutschen Bundesbürger konnten sich zu dieser Zeit diesen Luxus leisten. Heute gehört der Kühlschrank zum Standardrepertoire und ist aus den Haushalten kaum wegzudenken.15 Dieses Beispiel zeigt die Relativität von Luxus und den Wandel von Luxusgütern zu Alltagsgegenständen auf.

2.2 Definition des Begriffes Luxusmarke

In der Luxusindustrie nehmen Marken eine besondere Rolle ein. Die Kunden suchen im Internet nach " Hermès" oder " Louis Vuitton" und nicht mehr nach einer "Ledertasche".16 Die Marke selbst, vor allem sogenannte Luxusmarken, ist für die Luxusbranche unerlässlich, wie der französische Markenexperte Jean- Noël Kapferer schreibt: „There is no luxury without brands“17. Eine einheitliche Definition für den Begriff Luxusmarke zu finden ist gleichermaßen schwierig, wie die Klärung der allgemeinen Luxusthematik. Um eine Luxusmarke zu klassifizieren wird generell zwischen der angebotsorientierten Perspektive und die nachfrager- bzw. wirkungsorientierte Perspektive unterschieden. Bei der angebotsorientierten Klassifizierung werden die Begriffe Luxusgut und Luxusmarke gleichgesetzt, d.h. die Klassifizierung hängt von der Einteilung der Produktkategorie ab.18 Es wird zwischen der Marke und der unter ihr angebotenen Produkte unterschieden. Aus wirkungsorientierter Perspektive erfolgt die Einstufung als Luxusmarke „[…] vielmehr auf Basis einer ganzheitlichen Beurteilung des abstrakten Markenkerns […]“19.

Dieser wahrgenommene Kern einer Luxusmarke spiegelt sich nach Dubois/Laurent/Czellar in sechs Faktoren wider, welche zugleich auch als Merkmale zur Unterscheidung von einer Luxusmarke und einer NichtLuxusmarke dienen20:

1. Hohe Qualität

„Product excellence is the primary prerequisite of luxury“21. Eine extraordinäre Produktqualität, hinsichtlich der verwendeten Materialien und der Verarbeitung, stellt das Hauptmerkmal einer Luxusmarke dar.

2. Hoher Preis

Kennzeichnend für eine Luxusmarke ist auch das hohe Preisniveau im Vergleich zu anderen Marken aus der gleichen Produktkategorie.22 Die Hochwertigkeit der Produkte rechtfertigt in den meisten Fällen die hohen Preise und wird von der Mehrheit der Konsumenten als Qualitätsgarantie wahrgenommen.23

3. Einzigartigkeit

Neben der hohen Qualität und dem hohen Preis ist die schwere Erhältlichkeit bzw. die Knappheit der Produkte ausschlaggebend für Luxusmarken. „The essence of luxury is singularity: everything that makes the piece appear out of the ordinary“24.

4. Ästhetik

Das ästhetische Merkmal bezieht sich hier nicht nur auf das Produkt selbst, sondern auch die Art und Weise wie es präsentiert wird. Der Luxuskonsum soll zu einem alle Sinne ansprechendes Einkaufserlebnis werden.25 Hierzu schreibt Dubois/Laurent/Czellar: „Luxury products not only look beautiful, but also are (and should be) pleasant to hear, smell, taste or touch. Luxury is the source of sensual pleasure“26.

5. Historie

Aufgrund der Verankerung der Luxusmarke in der Vergangenheit, erhöht eine lange Historie und Tradition den wahrgenommenen Wert der Luxusmarke.27

6. Nicht-Notwendigkeit

Luxusgüter werden als überflüssig bzw. nicht notwendig wahrgenommen. Luxusprodukte sind keine lebensnotwendigen Produkte, d.h. nicht die Funktionalität verleiht dem Produkt den besonderen Wert, sondern der zusätzliche symbolische und emotionale Nutzen.28

Folglich kann nach Lasslop eine Luxusmarke „[...] definiert werden als ein Nutzenbündel mit spezifischen Merkmalen (unter anderem Knappheit), die zu einem weit überdurchschnittlichen differenzierten Vorstellungsbild im Kopf des Konsumenten, einer Dominanz der ideellen Markenfunktion und in Konsequenz zu einem weit überdurchschnittlichen wahrgenommenen Gesamtnutzen, einer weit überdurchschnittlichen Begehrlichkeit sowie einer weit überdurchschnittlichen Preisbereitschaft führen. Die Kategorisierung als Luxusmarke ist dabei stets relativ, das heißt interpersonell und situativ unterschiedlich sowie zeitlich nicht konstant.“29.

Es bedarf die Faszination und Anziehungskraft der Marke um das Potenzial eines Luxusproduktes vollständig auszuschöpfen. Durch die Marke wird sowohl das Luxusprodukt, als auch der Konsument aufgewertet, sie dient der Selbstverwirklichung und weckt Wünsche und Träume beim Konsumenten. Der wirtschaftliche Erfolg der Luxusgüterindustrie ist, wie in keiner anderen Branche, auf den Einfluss der Luxusmarke zurückzuführen.30

3. Der weltweite Markt für persönliche Luxusgüter

Nach Bain & Company umfasst der weltweite Luxusmarkt 10 Segmente, bestehend aus persönlichen Luxusgütern, Luxusfahrzeuge, Luxushotels, Luxuskreuzfahrten, Designermöbel, edle Kunstobjekte, hochwertige Lebensmittel, Luxus-Weine und -Spirituosen, Luxusyachten und Privatjets.31 Der Gesamtmarkt für Luxusgüter weist seit Jahren ein kontinuierliches Wachstum auf und ist in 2016 um 4% auf 1,08 Bio. EUR gestiegen. Mit einer Wachstumsrate von 8% im Vergleich zum Vorjahr, stehen Luxusfahrzeuge weiterhin an führender Stelle. Im Sinne der vorliegenden Arbeit liegt der Fokus auf dem Kernmarkt der Luxusindustrie - dem Markt für persönliche Luxusgüter. Die nachfolgende Betrachtung der Entwicklung des Marktes und der relevanten Marktstrukturen soll einen Überblick über den Markt geben.

3.1 Die Marktentwicklung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Die Entwicklung des weltweiten Marktes für persönliche Luxusgüter von 1995 bis 201632

Die Entwicklung des weltweiten Marktes für persönliche Luxusgüter von 1995 bis 2016 Der Markt für persönliche Luxusgüter umfasst die Produktbereiche Uhren und Schmuck, Accessoires, Tafelgeschirr, Lederwaren, Mode, Parfüm und Kosmetik und ist in den letzten 20 Jahren um das Dreifache gestiegen.33 Jedoch stagnierte der Gesamtumsatz leicht im Vergleich zum Vorjahr und betrug im Jahr 2016 249 Mrd. EUR. Wie in Abbildung 1 dargestellt, hat sich der Markt für persönliche Luxusgüter seit dem Jahr 1995, trotz der Wirtschaftskrise in 2009 und den Währungsschwankungen, weitestgehend positiv entwickelt. Eines der Hauptgründe für den Anstieg der Nachfrage nach Luxusgütern ist das ökonomische Wachstum und der steigende Wohlstand in den BRIC Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika). Insbesondere in diesen Ländern ist die Zahl an Personen mit gehobenem Einkommen in den letzten Jahren rasant gestiegen, wodurch sich eine neue wohlhabende Mittelschicht bilden konnte. Diese stark wachsende vermögende Mittelschicht sorgt in den BRIC Staaten für einen beträchtlichen Bedarf an Luxusprodukten. 34

3.2 Die Struktur des Marktes

3.2.1 Die wichtigsten Regionen und Länder

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Globale Umsatzverteilung im Markt für persönliche Luxusgüter nach Regionen35

Wie in Abbildung 2 veranschaulicht, betrug der Markt für persönliche Luxusgüter im Jahr 2016 in Nord- und Südamerika 82 Mrd. EUR. Jedoch ist der Luxusmarkt im Vergleich zum Vorjahr um 3% (währungsbereinigt) gesunken.36 In Asien ist der Markt für persönliche Luxusgüter ebenfalls um 3% zurückgegangen auf rund 72 Mrd. EUR. In Europa hat sich aufgrund der erhöhten Terrorgefahr und neue Visabestimmungen die Zahl der Touristen deutlich verringert, die einheimische Nachfrage konnte allerdings den Rückgang der Luxusausgaben der Touristen weitestgehend kompensieren, sodass der Markt am Jahresende nur um 1% auf 82 Mrd. EUR zurückging.37 Mit einem Marktvolumen von 12 Mrd. EUR ist der Anteil der restlichen Welt am Gesamtmarkt relativ gleich geblieben.

Die USA bleibt auch im Jahr 2016 mit einem Marktvolumen von mehr als 74 Mrd. EUR der größte Ländermarkt für persönliche Luxusgüter.38 Jedoch hatten Luxusgüterherstellern auch hier mit rückläufigen Umsätzen zu kämpfen. Die Präsidentschaftswahlen bzw. die politische Lage des Landes hat zu erheblichen Ungewissheiten und geringeres Vertrauen der Kunden geführt, was den Verkauf von persönlichen Luxusgütern stark beeinflusst hat. Hinzu kommen die geringe heimische Nachfrage sowie die sinkende Zahl der Touristen, die angesichts des starken US-Dollars vermehrt im eigenen Land einkaufen.

Der weltweit zweitgrößte Markt für persönliche Luxusgüter ist Japan mit 22 Mrd. EUR.39 Mit einem Plus gegenüber dem Vorjahr von 10% bleibt Japan der am schnellsten wachsende Luxusmarkt auf der Welt. In China lag der Umsatz mit persönlichen Luxusgütern bei circa 17 Mrd. EUR, was einem Rückgang gegenüber der Vorjahresperiode von 2% entspricht. Nichtsdestoweniger erholt sich der Markt laut Bain & Company allmählich von der seit 2013 anhaltenden Stagnation.40 Dies ist in erster Linie auf die Zunahme der heimischen Nachfrage der Chinesen zurückzuführen, da die Luxusgüterkäufe im Ausland durch schärfere Zollkontrollen beschränkt wurden.41

Direkt hinter China folgen die größten europäischen Ländermärkte mit Italien, Frankreich, England und Deutschland, wobei für das Jahr 2016 noch keine genauen Zahlen bezüglich der Marktgröße veröffentlicht wurden.42 Angesichts der Terroranschläge in den Städten Paris und Berlin ist die Zahl der Touristen, sowohl in Frankreich als auch in Deutschland, erheblich gesunken. Dementsprechend sind die Ausgaben der Touristen für Luxusgüter ebenfalls zurückgegangen.

England verzeichnete dagegen in 2016 ein Plus von 8% gegenüber dem Vorjahr.43 Grund dafür ist die Abwertung des britischen Pfund nach dem Brexit- Referendum, was die Attraktivität Großbritanniens für einkaufwillige Touristen erhöht. In Hongkong und Macau verläuft der Trend weiterhin abwärts mit einem Minus von 15%.44 Südkorea erholte sich von der MERS-Krise, die durch den Ausbruch des Virus in 2015 ausgelöst wurde, und kann ein Umsatzplus verzeichnen.

3.2.2 Die wichtigsten Industriezweige

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Weltweiter Markt für persönliche Luxusgüter nach Produktsegment45

Auf dem weltweiten Markt für persönliche Luxusgüter dominiert das Segment Accessoires mit 75 Mrd. EUR (siehe Abb. 3).46 Mit einer jährlichen Wachstumsrate im zweistelligen Bereich (10% p.a. von 2010 bis 2015) ist es auch der am schnellsten wachsende Industriezweig.

Die zwei wichtigsten Produktbereiche innerhalb dieses Sektors sind Lederwaren bzw. Handtaschen mit einem Einzelhandelsumsatz von 44 Mrd. EUR im Jahr 2016 und Schuhe mit 16 Mrd. EUR.47 Ebenso gehören Sonnenbrillen und Handschuhe zu dem Segment der Accessoires. In diesen Produktkategorien agieren große Luxusmarken wie Louis Vuitton, Chanel, Gucci, Prada und Hermès. Das Segment der sogenannten „hard luxuries“ umfasst die Produkte in den Bereichen Uhren und Schmuck. Mit seinen 54 Mrd. EUR macht dieses Segment 22% des Gesamtmarktvolumens für persönliche Luxusgüter aus. Der Luxusuhrensektor hat in 2016 weiterhin mit Umsatzrückgängen zu kämpfen und verzeichnete mit einem Umsatz von 36 Mrd. EUR ein Minus von 8%.48 Der Sektor für Luxusschmuck brachte einen Umsatz von rund 16 Mrd. EUR ein. Zu den Hauptprodukten dieses Sektors zählen Halsketten, Ohrringe, Ringe, Broschen und Armbänder. Das Beautysegment erzielte einen Umsatz von insgesamt 52 Mrd. EUR und ist von 2015 auf 2016 um 4% gewachsen. Die stärksten Regionen mit dem höchsten Umsatzvolumen in den Bereichen Make-up und Parfüm sind Asien und Amerika.49 Die Luxusmodeunternehmen erreichten einen Umsatz von 57 Mrd. EUR, dies entspricht einen Anteil von 23% am gesamten Luxusgütermarkt weltweit.50 Die Demokratisierung des Luxus und der damit einhergehenden Exklusivitätsverlust setzt in diesem Sektor vermehrt Unternehmen unter Druck.51 Dennoch stehen die Zukunftsaussichten für die großen internationalen Luxusmodehäuser gut, was insbesondere an den wachsenden Märkten in Asien und Lateinamerika liegt.

3.2.3 Die größten Luxusgüterhersteller der Welt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Ranking der 10 weltweit größten Luxusunternehmen nach Umsatz52

[...]


1 Balzac 2010, S. 29f

2 Vgl. Thieme 2017, S. 147

3 Vgl. Zhang/Kim 2012, S. 1

4 Vgl. Thieme 2017, S. 187

5 Vgl. Thomas 2007, S. 5

6 Vgl. Kapferer 2001, S. 349

7 Vgl. Eming 2015, S. 7

8 Vgl. Shanahan 2010, S. 67

9 ebd.

10 Vgl. Lasslop 2005, S. 472; ReithMeyer 2003, S. 9

11 Sombart 2013, S. 71

12 Vgl. Berry 1994, S. 240

13 Vgl. Schlittler/Tietze 2016, S. 49

14 Vgl. Braun 1997, S. 28

15 Vgl. o.V. 2013

16 Vgl. Kapferer 2015, S. 8

17 Kapferer/Bastien 2012, S. 139

18 Vgl. Prüne 2013, S. 167

19 ebd.

20 Vgl. Dubois/Laurent/Czellar 2001, S. 8

21 Kapferer/Bastien 2012, S. 66

22 Vgl. Büttner/Huber/Regier u.a. 2008, S. 12

23 Vgl. Thieme 2017, S. 17

24 Kapferer 2015, S. 155

25 Vgl. Dubois/Laurent/Czellar 2001, S. 13

26 ebd.

27 ebd., S. 14

28 ebd., S. 15f

29 Lasslop 2005, S. 475

30 Vgl. Kapferer/Bastien 2012, S. 146f

31 Vgl. D’Arpizio/Levato/Zito u.a. 2016, S. 5

32 eigene Darstellung nach D'Arpizio 2016, S. 12

33 Vgl. D’Arpizio/Levato/Zito u.a. 2016, S. 7

34 Vgl. Berghaus/Müller-Stewens/Reinecke 2014, S. 17

35 eigene Darstellung nach D'Arpizio 2016, S. 20

36 ebd.

37 Vgl. D’Arpizio/Levato/Zito u.a. 2016, S. 1

38 Vgl. D'Arpizio 2016, S. 23

39 ebd.

40 Vgl. D’Arpizio/Levato/Zito u.a. 2016, S. 13

41 ebd., S. 1

42 ebd.

43 eigene Darstellung nach ebd., S. 1

44 Vgl. Bain & Company 2016

45 eigene Darstellung nach D'Arpizio 2016, S. 35

46 Vgl. D’Arpizio/Levato/Zito u.a. 2016, S. 23

47 ebd.

48 Vgl. D'Arpizio 2016, S. 35

49 ebd.

50 ebd.

51 Vgl. König 2012, S. 36

52 eigene Darstellung nach Kate/Ben/Nick u.a. 2017, S. 23

Details

Seiten
72
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668665231
ISBN (Buch)
9783668665248
Dateigröße
921 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v416990
Institution / Hochschule
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung Konstanz
Note
1,3
Schlagworte
Luxus Luxusgütermarkt China

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Titel: Einflussfaktoren auf die Entwicklung des Luxusgütermarktes in China