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Teilen statt Erwerben. Das Aufkommen, die Entwicklung und Zukunftsprognosen der Sharing Economy am Beispiel der Automobilbranche

Bachelorarbeit 2018 86 Seiten

BWL - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Abbildungsverzeichnis

II Tabellenverzeichnis

III Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Themeneinführung und Relevanz
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Bachelorarbeit

2 Theoretischer Bezugsrahmen
2.1 Sharing als Ökonomisches Prinzip
2.2 Das Aufkommen der Sharing Economy
2.3 Grundlagen der Sharing Economy
2.3.1 Die Transaktionsmodelle der Sharing Economy
2.3.2 Segmente der Sharing Economy
2.4 Shared Mobility - Carsharing
2.4.1 Themeneinführung - Carsharing
2.4.2 Arten des Carsharings
2.4.3 Arbeitsrelevante Anbieter des Carsharing
2.4.4 Die Entwicklung der Carsharing-Branche
2.4.4.1 Generationsbedingte Einflüsse
2.4.5 Motive zur Nutzung von Carsharing-Angeboten
2.4.5.1 Ökonomischer Aspekt
2.4.5.2 Ökologischer Aspekt

3 Empirische Studie: Quantitativer Fragebogen zur Akzeptanz der Carsharing-Angebote
3.1 Forschungsfragen
3.2 Forschungshypothesen
3.3 Forschungsmethodisches Vorgehen
3.3.1 Festlegung der Quotenmerkmale
3.3.2 Stichprobengröße
3.3.3 Fragebogen
3.4 Datendarstellung und Auswertung
3.4.1 Der Erfolg der Carsharing-Branche in Abhängigkeit zur Region
3.4.2 Der Erfolg der Carsharing-Branche in Abhängigkeit zum Alter
3.4.3 Die Verschiebung der Werteordnung
3.4.4 Ökologie- und Nachhaltigkeitsgedanke als wesentlicher Faktor
3.4.5 Kostenersparnis als wesentlicher Faktor der Carsharing-Nutzung
3.4.6 Hindernisse der potenziellen Carsharing-Kunden
3.4.7 Das Carsharing-Angebot als etabliertes Trendprodukt
3.5 Interpretation der Ergebnisse
3.5.1 Die maßgeblichen Treiber der Carsharing-Branche
3.5.1.1 Digitalisierung
3.5.1.2 Flexibilität
3.5.1.3 Kostenersparnisse
3.5.1.4 Irrelevante Elemente
3.5.2 Nischenprodukt oder etabliertes Trendprodukt?
3.5.3 Ausblick

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Management Summary

Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht auf Konsumentenebene die maßgeblichen Treiber der Sharing Economy mit besonderem Fokus auf der Automobilbranche (Carsharing). Hierbei werden zunächst im theoretischen Bezugsrahmen die Grundlagen des kollaborativen Konsums näher betrachtet, um ein Grundverständnis für den weiteren Verlauf der Arbeit zu schaffen. Um tiefer in die Thematik einsteigen zu können wird im Anschluss daran das Themengebiet der Shared Mobility mit dem Schwerpunkt auf Car2Go und DriveNow im Free-Floating-Bereich detailliert beschrieben.

Zudem wurde im Zuge dieser wissenschaftlichen Arbeit eine quantitative Studie durchgeführt, welche die aktiven Carsharing-Nutzer sowie die potenzielle Nutzerschaft im Alter zwischen 18 und 60 Jahren zu deren Nutzungsverhalten befragt. Dadurch sollen Erkenntnisse über die Ursachen gewonnen werden, die maßgeblich für den Erfolg der Carsharing-Branche verantwortlich sind. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf mögliche Auswirkungen der Automobilbranche ableiten. Zudem können mit Hilfe der Studie Erkenntnisse über Handlungsempfehlungen und zukünftige Entwicklungen gewonnen werden.

Abstract

This bachelor's thesis examines the key drivers of the sharing economy at the consumer level, with a special focus on the automotive industry (car sharing). In this context, the theoretical framework is first of all used to examine the fundamentals of collaborative consumption in order to create a basic understanding for the further course of the work. In order to gain a deeper insight into the topic, shared mobility with a focus on Car2Go and DriveNow in the free-floating area will be described in detail.

In addition, a quantitative study was carried out in the course of this scientific work, which questions the active car sharing users and the potential users between the ages of 18 and 60 about their usage behavior. The aim is to gain insights into the reasons for the success of the car sharing industry. This can be used to draw conclusions about the possible effects of the automotive industry. In addition, the study can be used to gain insights into recommendations for future developments.

Schlüsselbegriffe

Carsharing

Digitalisierung

Sharing Economy

Stationsbasiertes Carsharing

Stationsunabhängiges Carsharing

Key Words

Carsharing

Digitalization

Free-floating

Sharing Economy

Station-based carsharing

Danksagung

Im Vorwege dieser Bachelorarbeit zur Erlangung des Bachelor of Arts möchte ich zunächst meiner Familie danken, die mich während meiner gesamten Studienzeit tatkräftig und in jeder Situation unterstützt hat. Die diesbezüglich finanzielle, aber auch mentale Unterstützung hat mir das Studium an der Hochschule Macromedia – University of Applied Sciences im Bereich „Internationales Management“ und die damit zusammenhängenden Lebenserfahrungen erst ermöglicht.

I Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Entwicklung der Internetnutzer von 1995-2016

Abbildung 2: Beziehungsmuster des kollaborativen Konsums

Abbildung 3: Struktur des Business-to-Consumer Modells

Abbildung 4: Struktur des Peer-to-Peer Mdells

Abbildung 5: Vergleich zwischen dem Free-Floating und dem Stationsbasierten Carsharing

Abbildung 6: Wirtschaftlichkeitsanalyse der Carsharing-Modelle im Vergleich zum eigenen Auto

Abbildung 7: Darstellung der Carsharing-Nutzerschaft in den Großstädten (Stationsunabhängig)

Abbildung 8: Darstellung der Carsharing-Nutzerschaft in kleineren Regionen (Stationsbasiert)

Abbildung 9: Darstellung der Hauptbeweggründe der Carsharing-Nutzung

Abbildung 10: Darstellung des durchschnittlichen Fahrstils der Carsharing-Nutzer

Abbildung 11: Darstellung der größten Hindernisse der potenziellen Carsharing-Kunden

Abbildung 12: Darstellung der Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit dem Thema Carring

Abbildung 13: Darstellung der Empfehlungsbereitschaft

Abbildung 14: Wahrnehmung der Zukunftsaussichten des Carsharings aus Sicht der Konsumenten

II Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Hauptbereiche der Sharing Economy

Tabelle 2: Die größten Carsharing-Anbieter nach Flottengrße

Tabelle 3: Die Carsharing-Nutzungsintensität in Abhängigkeit zum Ater

Tabelle 4: Die Verschiebung der Werteordnung (Statussybol/Ökologie)

Tabelle 5: Die Verschiebung der Werteordnung (Work-Life-Balance/Bereitschaft zu neuen Trends)

Tabelle 6: Die Carsharing-Nutzungsintensität in Abhängigkeit zum Haushaltsnettoeinkommen

Tabelle 7: Kostengegenüberstellung: Eigenes Fahrzeug im Vergleich zur Carsharing-Nutzung am Beispiel eines BMW1er

III Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Themeneinführung und Relevanz

„Someday we´ll look back on the 20th century and wonder why we owned so much stuff” (Walsh, 2011). Bryan Walsh, leitender Redakteur der Time International, hat mit diesem Zitat bereits vor sechs Jahren deutlich gemacht, dass unserer Gesellschaft mit den Folgen der Sharing Economy eine fundamentale Änderung bevorsteht. Denn die Sharing Economy stellt den Beginn einer neuen Ära dar. Einer Ära, die die Wirtschaft in vielen Bereichen grundlegend verändern wird. Rachel Botsman und Roo Rogers deckten in ihrem Buch „What’s Mine is Yours: The Rise of Collaborative Consumption“ auf, wie der neue Trend zu einem Wertewandel im Konsumentenbewusstsein führt. Diese Entwicklung wird unter anderem durch neuartige Technologien und dem Web 2.0 forciert (vgl. Botsman, Rogers, 2011, S. 44).

In den letzten Jahren sind vermehrt Plattformen entstanden, die den kollaborativen Konsum in den Mittelpunkt stellen und so alle Menschen vereinen, die an der eigentumslosen Konsumform teilhaben möchten. Gerade bei der „Generation Y and Z“ zeichnet sich eine neue sozioökonomische Bewegung ab, die das Phänomen der Sharing Economy stark vorantreibt. Insgesamt gaben 82 Prozent der 18 - 29-Jährigen an, mindestens eines der vielen Sharing Angebote genutzt zu haben (vgl. PricewaterhouseCoopers GmbH, 2015, S. 7). Dadurch müssen sich auch die Unternehmen laufend verändern und zukünftige strategische Ausrichtungen überdenken. Beispiele für neue Geschäftsmodelle, die aus dem kollaborativen und selbst organisierten Verhalten der Menschen entstanden, sind Uber und DriveNow (Transport), Airbnb (Unterkunft), Spotify (Medien / Unterhaltung) und auxmoney (Finanzen). Diese Unternehmen läuteten jeweils eine Revolution der jeweiligen Branche ein.

Mit voranschreitender Technik wird dies auch in Zukunft immer bequemer und unkomplizierter werden. Dies geht ebenfalls aus einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung hervor, die im Jahre 2015 von PricewaterhouseCoopers (PwC) zum Thema der „Share Economy“ durchgeführt wurde. Dabei gaben 46 Prozent der Teilnehmer an, in der Vergangenheit mindestens ein Share Economy-Angebot genutzt zu haben. Zudem planen 64 Prozent der Befragten, in den nächsten zwei Jahren mindestens eines dieser Angebote zu nutzen (vgl. PricewaterhouseCoopers GmbH, 2015, S. 5).

Unter dem Stichwort „Teilen statt Erwerben“ haben die Carsharing-Nutzer die Möglichkeit, ihre Mobilität zu wahren, ohne Anschaffungskosten tätigen zu müssen. Das Produkt und dessen Instandsetzung bleiben hier in Händen des Unternehmens. Dieses Prinzip hat sich in den letzten Jahren besonders in Ballungsräumen bewährt und liefert eine neue Art der eigentumslosen Konsumform in der Automobilbranche.

Allgemein wird gesellschaftsübergreifend die Mobilität als wesentliches Grundbedürfnis verstanden, welches einem stetigen Wandel ausgesetzt ist. Die Veränderungen werden dabei jeweils an den Bedürfnissen der nachfragenden Bevölkerung ausgerichtet. Dies erfordert, durch die hohe Dynamik des Mobilitätssektors, eine konsequente, zukunftsorientierte Handlungsweise der anbietenden Unternehmen (vgl. McKinsey, 2016, S. 7). Bei der Entwicklung der letzten Jahre ist es also nicht verwunderlich, dass sich das gesamte Shared-Mobility-Segment in einer starken Wachstumsphase befindet. Die Boston Consulting Group ermittelte in einer Studie, dass der Umsatz in der weltweiten Carsharing-Branche ab dem Jahr 2021 jährlich um die 4,7 Milliarden Euro betragen wird. Zeitgleich wird ein Rückgang des Pkw-Absatzes um 550.000 Fahrzeuge pro Jahr erwartet (vgl. Handelsblatt, 2016). Somit wird die Shared Mobility in Zukunft immer präsenter für die Stakeholder. Gerade deswegen ist es immens wichtig, die maßgeblichen Treiber dieses Phänomens zu ermitteln.

Insgesamt ist das Konzept des Teilens und Mietens nicht neu. Mit der Sharing Economy wurde allerdings ein Oberbegriff geprägt, der die Veränderung der letzten Jahre in Bezug auf das Internet, Nachhaltigkeitsthemen und das gesteigerte Bewusstsein gegenüber der Umwelt, der schwungvollen Entwicklung neuer Technologien und der gegenseitigen Kollaboration im World Wide Web durch Social Media Plattformen in sich vereint und der Menschheit das Ausmaß der globalen Vernetzung zum Ausdruck bringt (vgl. Slencak, 2013, S. 4).

1.2 Zielsetzung und Aufbau der Bachelorarbeit

Zielsetzung der Bachelorarbeit ist es, die maßgeblichen Treiber der Entwicklung in der Carsharing-Branche zu untersuchen, um daraus mögliche Auswirkungen auf die Automobilindustrie ableiten zu können. Diese Arbeit konzentriert sich auf das Verhalten der Konsumenten. Aus der Untersuchung des Verhaltens der Konsumenten können Verbesserungsvorschläge für das Carsharing-Angebot geliefert werden. Des Weiteren wird untersucht, ob sich die Carsharing-Angebote in einem Nischenmarkt bewegen oder sich bereits zu einem etablierten Trendprodukt entwickelt haben. Daraus lassen sich im Nachhinein Annahmen zur weiteren Entwicklung dieser Branche ableiten. Aufgrund der Aktualität dieses Themas gibt es zum gegenwärtigen Zeitpunkt kaum wissenschaftlich fundierte Untersuchungen bezüglich der tatsächlichen Treiber des Carsharings. Die vorliegende Bachelorarbeit liefert durch eine explorative Datenanalyse Aufschluss über das Nutzungsverhalten der Konsumenten und stellt das Potenzial der Sharing Economy dar.

Zu Beginn der Arbeit bekommt der Leser einen Einblick in die Grundlagen der Sharing Economy, um sich ein Grundverständnis für den weiteren Verlauf der wissenschaftlichen Arbeit aneignen zu können. Dabei werden das Aufkommen der Sharing Economy, die verschiedenen Transaktionsmodelle und die Segmente genauestens beleuchtet. Da der technologische Fortschritt und damit einhergehend die Digitalisierung ausschlaggebend für das sich stetig verändernde Konsumverhalten ist, liegt in dieser Bachelorarbeit ein Schwerpunkt auf diesem Bereich. Um tiefer in die Thematik einsteigen zu können, wird in Kapitel „2.4 Shared Mobility - Carsharing“ zunächst der Ursprung und die Relevanz ermittelt. Zudem werden mit der Entwicklung der Branche, den generationsbedingten Einflüssen und einer Analyse der Motive zur Carsharing-Nutzung weitere Themen detailliert betrachtet. In Kapitel 3 „Empirische Studie: Quantitativer Fragebogen zur Akzeptanz der Carsharing-Angebote“ werden anfangs die Forschungsfragen und Hypothesen präzisiert. Darauf aufbauend wird das Forschungsmethodische Vorgehen der Datenerhebung und die Datendarstellung und Auswertung vorgestellt. Dafür werden sämtliche Hypothesen anhand der erhobenen Daten untersucht. Im Anschluss daran findet ein Ausblick statt, in dem mögliche Zukunftsentwicklungen beschrieben werden. Im Anschluss daran erfolgt eine zusammenfassende Darstellung aller Ergebnisse in einem Fazit.

2 Theoretischer Bezugsrahmen

Um im Rahmen dieser Bachelorarbeit die maßgeblichen Treiber der Carsharing-Entwicklung untersuchen zu können, bedarf es zunächst einer Betrachtung des theoretischen Bezugsrahmens nach aktuellem Forschungsstand. Dafür wird der grundlegende Begriff „Sharing“ definiert und dessen genaue Bedeutung näher durchleuchtet. Im Anschluss daran werden die Grundlagen und das Aufkommen der Sharing Economy detailliert dargestellt, damit darauf aufbauend eine Einführung in das Thema Carsharing erfolgen kann.

2.1 Sharing als Ökonomisches Prinzip

Einen Definitionsansatz für den Begriff „Sharing“ im Zusammenhang mit der Sharing Economy liefert der US-Amerikanische Wissenschaftler und Autor Russel Belk in seinem Buch „Why not share rather than own?“ (Belk, 2007, S. 127). Dort beschreibt er Sharing als einen Prozess und alternative Form, etwas zu distribuieren. So kann etwas von einem anderen zum eigenen Zweck erhalten und genutzt werden. Weiter fördert Sharing den Zusammenhalt der Gemeinschaft, sichert Ressourcen und schafft neue Synergien (vgl. Belk, 2007, S. 126f).

Einen weiteren Definitionsansatz bietet Yochai Benkler, Juraprofessor an der Harvard Law School. Dieser beschreibt den Prozess, der beim Sharing vonstattengeht, als “nonreciprocal pro-social behavior“ (Benkler, 2004, S. 275), also als nicht reziprokes, prosoziales Verhalten. Als Sharing kann daher ein positives, konstruktives und hilfsbereites Verhalten verstanden werden, welches nicht vollends wechselseitig ist und zudem noch den Definitionsansatz von Russel Belk erfüllt (vgl. Benkler, 2004, S. 275 - 276).

Bis heute gibt es keine einheitliche Definition zu dem Begriff der Sharing Economy, da dieser in den letzten Jahren vorrangig durch die Medien geprägt worden ist. Mit der Zeit sind viele verschiedene Definitionen gebildet worden, die im Kern weitestgehend einheitlich sind. Zusammenfassend lässt sich behaupten, dass eine gegenseitige Kollaboration von Nutzern im World Wide Web, die als Individuen agieren und gleichlaufend für die Gemeinschaft einen Wert schaffen, in der Sharing Economy im Vordergrund steht (vgl. Botsman, Rogers, 2011, S. xv). Somit kann der Begriff ohne Probleme synonym zum kollaborativen Konsum verwendet werden, der das Teilen, Mieten und Tauschen von immateriellen und materiellen Ressourcen (Fähigkeiten, Zeit, Raum und Objekte), mit Hilfe neuer Technologien, ermöglicht. Dadurch wird deutlich, dass Sharing als Ökonomisches Prinzip zweckrational eine Nutzenmaximierung für private Haushalte und eine Gewinnmaximierung für Unternehmen verfolgt und somit weitaus mehr ist als das Teilen im herkömmlichen Sinne.

2.2 Das Aufkommen der Sharing Economy

„Teilen ist nicht neu“ (Demary, 2014, S. 95). Schon vor Hunderten von Jahren wurden Bücher und inzwischen andere Medien aus Bibliotheken ausgeliehen. Seit mehreren Jahrzehnten gibt es bereits Genossenschaften, die Werkzeuge, Maschinen und andere größere Investitionen teilen. Dennoch gab es in den letzten Jahren einen regelrechten Boom, bei dem die Idee, die eigenen Waren oder Dienstleistungen zu teilen oder zu vermieten, an großer Bedeutung gewann (vgl. Demary, 2014, S. 95).

Die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs der Share Economy wurde bereits im Jahre 1984 von dem amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Martin Weitzmann geprägt. Dabei befasste Weitzmann sich mit dem damaligen Problem der langfristigen Inflation und Stagnation in der Volkswirtschaft. Zudem ging es darum, möglichst effiziente Lösungsmöglichkeiten zu finden. Hierbei entstand erstmals die Idee, auf Unternehmensebene sogenannte Kompensationsmodelle zu integrieren, die auf Basis von Mitarbeiterbeteiligungen am Gewinn geschaffen werden konnten. Die damalige Innovation eines „Share Systems“ sollte helfen, die USA aus der Ölkrise und einer enormen Staatsverschuldung zu befördern (vgl. Weitzmann, 1984, S. 2-4).

Dennoch ist die Bezeichnung der Sharing Economy erst seit kurzem für viele ein Begriff. Laut Google Trends wurde nach diesem Terminus weltweit erstmals im März 2010 gegoogelt. In Deutschland wurde erstmalig im Mai 2013 nach diesem Ausdruck gesucht (vgl. Demary, 2014, S. 95). Wie also konnte das Prinzip des Sharings in den letzten Jahren wirtschaftlich so immens an Bedeutung gewinnen? Wie konnte ein Prozedere, das schon seit vielen Jahren bekannt ist, jetzt plötzlich so den Markt verändern?

Der Aufschwung der kollaborativen Konsumform lässt sich vor allem durch den technologischen Fortschritt der letzten Jahre begründen. Die Digitalisierung unserer Zeit ist die Basis für zuvor noch nicht dagewesene wirtschaftliche Aktivitäten. Denn seinerzeit war stets eine persönliche Interaktion für das Teilen und Mieten erforderlich. Das hatte zur Folge, dass die meisten Geschäftsmodelle lediglich auf regionale Märkte begrenzt werden mussten. Zudem waren die damit verbundenen Transaktionskosten mitschuldig an dem weitaus geringeren Umfang des Teilens (vgl. Demary, 2015, S. 96).

Durch das Web 2.0 haben sich also neue Kommunikationswege und Möglichkeiten ergeben, miteinander zu interagieren. Letztendlich musste noch einige Zeit vergehen, bis es durch die Verbreitung von leistungsfähigen Endgeräten für die Mehrheit der Population möglich war, zu jeder Zeit an beinahe jedem Ort online zu sein. Zudem schaffte die sogenannte Open-Source-Bewegung, die für die Entstehung der Weblogs, Wikis und anderen sozialen Plattformen steht, eine „neue und offene Kommunikationskultur des gemeinsamen Interessenaustausches und gegenseitiger Kollaboration“ (Slencak, 2013, S. 6). Dabei ist insbesondere Facebook als Vorreiter zu nennen (vgl. Jarvis, 2011, S. 2). Der US-amerikanische Journalist Jeff Jarvis beschrieb das Facebook-Phänomen als neue Industry, die auf dem Sharing Prinzip aufbaut und bei dem alle Partizipierenden eine gewisse Initiative ergreifen, um die Gesellschaft so unbewusst neu zu formen und zu verändern (vgl. Jarvis, 2011, S. 14). Der sprunghafte Anstieg der Internetnutzung ist also Grundlage für eine neue Welt. Das folgende Schaubild zeigt die Entwicklung der tatsächlichen Nutzer des Internets aus den letzten zwanzig Jahren.

Abb. 1: Entwicklung der Internetnutzer von 1995-2016. Quelle: Matta, Ronald (2016).

Die neu entdeckte Freiheit und die Zusammenarbeit, die das online sein einem jeden Nutzer ermöglicht, lassen laufend neue Geschäftsmodelle entstehen, die auf einem bekannten, aber schon vor langer Zeit vergessenen Ansatz beruhen. Das veranlasst viele dazu, den permanenten Besitz an materiellen Dingen zu überdenken (vgl. Tapscott, Williams 2006, S. 46).

Durch das aktive Teilhaben der Gesellschaft an den sozialen Medien und dem Web 2.0 wurde eine neue Ära der Sharing Economy eingeleitet.

2.3 Grundlagen der Sharing Economy

Die heutige Gesellschaft legt ihren Fokus immer häufiger auf eine effiziente und umweltschonende Umgebung. Die Sharing Economy soll demnach helfen, Teil einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Gesellschaftsordnung zu sein. Dieses für viele noch neuartige Geschäftsmodell befreit die Menschen von einer Abhängigkeit zu dominanten Unternehmen und Dienstleistern. So können mit ähnlichen Ressourcen häufig Bedürfnisse erfüllt werden, die im traditionellen Konsummuster nicht möglich sind. Ein Konsument kann zu jeder Zeit ein Nutzer oder auch Anbieter sein. Dadurch werden „als ungerecht eingeschätzte Geschäftsmodelle zerstört und es wird möglich, sich von Regeln zu befreien, die deren Bestand schützen“ (Theurl, 2015, S. 88). Grundsätzlich wird die Sharing Economy schon jetzt als Instrument verstanden, das Zusammenleben in unserer Gesellschaft zu verändern, da vermehrt altruistische Anreizstrukturen und Koordinationsmechanismen in den Fokus rücken (vgl. Theurl, 2015, S. 88). So werden in Zukunft vor allem „jene Unternehmen wettbewerbsfähig sein, die kollaborative Gemeinschaftsgüter herstellen“ (Theurl, 2015, S. 88).

Die Sharing Economy und dessen Geschäftsmodelle bestehen aus zwei Kernelementen. Das erste Kernelement und die Basis der Sharing Economy bildet das Bewusstsein und die Anteilnahme an einer besseren Auslastung bestehender Kapazitäten. Da die Beschaffung der meist langlebigen Güter wie Wohnraum und Fahrzeuge häufig nicht uneingeschränkt teilbar sind, bietet die Sharing Economy bestimmte Mechanismen, die es ermöglichen, die verfügbaren Kapazitäten effizienter zu nutzen. Zudem werden die Durchschnittskosten durch die verbesserte Auslastung erheblich gesenkt.

Das zweite Kernelement ist das Zusammenbringen der einzelnen Parteien und die Organisation der Bezahlmethoden. Die Implementation und Ausgestaltung der einzelnen Plattformen im Internet bringen Nachfrager und Anbieter zusammen. Auf diese Art und Weise können neue Geschäftsmodelle und Innovationen erfolgreich und schnell am Markt integriert werden (vgl. Theurl, 2015, S. 88).

Die Ausbreitung der Sharing Economy am Markt wird zudem durch die Nutzung verschiedener Regelungslücken und die Nichtakzeptanz einiger branchenüblicher Vorschriften beschleunigt. Denn in der Non-Share Economy werden Vorgaben zu beispielsweise Markteintritt, Arbeitsrecht, Hygiene, Brandschutz und Steuern sehr streng überprüft. Dies führt zu neuen, vereinfachten Wettbewerbsbedingungen. Dies hat zur Konsequenz, dass laufend überprüft werden muss, welche Regeln in der Sharing Economy tatsächlich notwendig sind (vgl. Theurl, 2015, S. 88).

Zusammenfassend bedienen sich Nachfrager und Anbieter an internetbasierten Plattformen, um Dienstleistungen oder Produkte nutzen oder auszutauschen zu können. Die Geschäftsbeziehungen finden zwischen privaten Nutzern sowie zwischen Unternehmen und Privatpersonen statt. Dabei sind die Plattformen immer so konzipiert, dass sie für alle Beteiligten stets einfach, schnell und global betrachtet funktionieren.

In der Fachliteratur werden diese Beziehungsmuster nach den im folgenden Schaubild dargestellten Begriffen definiert (vgl. Botsman, Rogers, 2011). Diese werden zudem im folgenden Kapitel (2.3.1) näher erläutert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3.1 Die Transaktionsmodelle der Sharing Economy

Das Business-to-Consumer Modell (B2C) wird im Bereich der Sharing Economy von Wirtschaftsunternehmen zur Erweiterung ihrer Geschäftsbereiche genutzt. Hier ist kein Eigentumsübergang an den Nutzer vorgesehen. Das Produkt, dessen Instandsetzung und weitere laufende Posten bleiben in den Händen des Unternehmens. Der Konsument erwirbt lediglich das Recht zur vorübergehenden Nutzung (vgl. Demary, 2014, S. 6). Diese Form des Sharings findet primär im Bereich der Mobilität (DriveNow, Car2Go, Hamburg StadtRAD) statt. Zum näheren Verständnis dient die folgende Grafik.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Struktur des Business-to-Consumer Modells. Quelle: Demary (2014).

Bei dem Peer-to-Peer Modell (P2P) wird Sharing ausschließlich zwischen Privatpersonen betrieben. Dabei gibt es stets einen Peer-Provider (Anbieter) und einen Peer-Consumer (Nachfrager). Zudem gibt es die Position der Koordination, der Anbieter-Nachfrager-Aktivitäten strukturiert. Dies übernimmt der sogenannte Intermediär, eine Unternehmung der Sharing Economy. Diese Unternehmen betreiben eine Plattform im Internet, um eine Basis für eine Abwicklung der Transaktionen zu sein (vgl. Demary, 2014, S. 5). Die folgende Grafik dient der Veranschaulichung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Struktur des Peer-to-Peer Modells. Quelle: Demary (2014).

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Details

Seiten
86
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668706248
ISBN (Buch)
9783668706255
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v416923
Institution / Hochschule
Macromedia Fachhochschule der Medien Hamburg
Note
1,3
Schlagworte
Carsharing Digitalisierung Sharing Economy Stationsbasiertes Carsharing Stationsunabhängiges Carsharing

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Titel: Teilen statt Erwerben. Das Aufkommen, die Entwicklung und Zukunftsprognosen der Sharing Economy am Beispiel der Automobilbranche