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Ist ein autoritärer Erziehungsstil der Ausweg aus der Bildungskatastrophe in Deutschland?

Eine Analyse elterlicher Erziehungsstile und deren Auswirkungen auf die Schulleistungen von Schülern der Sekundarstufe I

Hausarbeit 2017 14 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die „Zweite Bildungskatastrophe“

3. Ansätze der Erziehungsstilforschung in Deutschland

4. Erziehungsstile
4.1 Autoritäre Erziehung
4.2 Autoritative Erziehung

5. Empirische Befunde
5.1 Erziehung und Lernmotivation
5.2 Erziehung und Schulabsentismus

6. Erziehung und Schulnoten

7. Diskussion und Ausblick

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ein Großteil dessen, was eine Person in ihrem Leben erreicht, basiert auf den Erfahrungen, die sie in ihrer Kindheit gemacht hat, im Zuge der Sozialisation oder schlicht durch den Einfluss und die Erziehung ihrer Eltern. Überwiegend letztere Kategorie wird in der Bildungsforschung häufig als wesentliche Begründung für den Schulerfolg von Kindern herangezogen. Daran ist vorerst nichts zu beanstanden, denn unzählige empirische Studien berichten über einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Bildungserfolg der Eltern und deren Kindern. Dass der sozioökonomische Status jedoch vorzugsweise der Hauptindikator der elterlichen Einwirkung ist, scheint umstritten zu sein. Wie Binz et al. (2010) in ihrem Literaturüberblick anmerken, ist der finanzielle Hintergrund eines Kindes nicht der einzige Faktor, der eine Rolle im Bildungsverlauf spielt, dennoch definieren lediglich etwa neun Prozent der deutschen Studien zur sozialen Herkunft das Erziehungsverhalten als Schwerpunktindikator (Binz, Schneider, & Seiffge-Krenke, 2010). Ausländische Studien berücksichtigen die Art der Erziehung allem Anschein nach deutlich häufiger (31 %). So konnten Odongo et al. (2016) beweisen, dass der elterliche Erziehungsstil einen statistisch signifikanten Einfluss auf die Schulleistung hat.

Ziel dieser Arbeit soll es daher sein, vor dem Hintergrund der „Zweiten Bildungskatastrophe“ (BMFSFJ, 2002), welche im Jahre 2000 von der PISA-Studie konstatiert wurde, die Frage zu klären, ob ein autoritärer elterlicher Erziehungsstil sich positiv auf die Schulleistungen von Jugendlichen in der Sekundarstufe I auswirkt und somit das deutsche Bildungsergebnis im internationalen Vergleich verbessern würde. Dabei wird eine Gegenüberstellung der beiden wesentlichen Erziehungsstile autoritativ und autoritär nach Baumrind (1991) vorgenommen.

Zuvor soll ein kurzer Überblick hinsichtlich der Positionierung Deutschlands im internationalen Bildungswettbewerb gegeben werden um die drastische Bezeichnung einer Katastrophe zu begründen. Anschließend werden Ansätze zur Erziehungsstilforschung in Deutschland geliefert, welche Ausschluss darüber geben sollen, welches Erziehungsverhalten in den hiesigen Regionen vorherrscht und für eine Analyse geeignet wäre. Nach der Differenzierung der Erziehungsstile werden anhand von empirischen Studien Hypothesen aufgestellt und systematisch auf ihre Gültigkeit überprüft. Zur Beurteilung der Schulleistung werden die drei Indikatoren Lernmotivation, Schulabsentismus und Schulnoten berücksichtig. Dies soll schlussendlich zu einer Beantwortung der eingehend gestellten Frage führen.

2. Die „Zweite Bildungskatastrophe“

Die PISA-Studie (Programme for International Student Assessment) ist ein international angelegter Schulleistungsvergleich, der in einem Zyklus von drei Jahren die Kompetenzen von Schülern im Alter von 15 Jahren in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften untersucht. Ziel der Studie ist es, den teilnehmenden Nationen die Möglichkeit zu bieten die Qualität ihres Schulsystems hinsichtlich der Vorbereitung der Schüler auf ein teilhabendes Leben in der Gesellschaft zu bewerten (Baumert, et al., 2002, S. 2).

Vor dem Hintergrund der geringen staatlichen Ausgaben für Bildung warnt Georg Picht im Jahre 1964 vor derersten Bildungskatastrophe, die Deutschland ereilen wird. Im Zuge der Veröffentlichung der PISA-Ergebnisse des Jahres 2000 wird von der „zweiten Bildungskatastrophe“ (BMFSFJ, 2002, S. 10) gesprochen. Die Ergebnisse zeigen, dass deutsche Jugendliche sowohl in den Lesekompetenzen (M= 484), als auch in den mathematischen (M= 490) und naturwissenschaftlichen Fähigkeiten (M= 487) unter dem Mittelwert aller OECD-Staaten (M= 500) liegen (Baumert, et al., 2002, S. 8). Das bedeutet, dass 22,5% der Jugendlichen der Risikogruppe für schwache Leseleistungen angehören. Diese Bilanz veranlasste den Wissenschaftlichen Beirat für Familienfragen beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) von der sogenanntenzweiten Bildungskatastrophezu sprechen. Jedoch sieht der Beirat die Katastrophe nicht als Endpunkt, sondern als Wendepunkt der deutschen Bildungsreform. Dafür rücke der Kontext informeller Bildung in der Familie als Grundelement für den Schulerfolg der Kinder immer weiter in den Vordergrund. Dies unterstützt die These von Binz et al. (2010), dass die Wechselwirkungen innerhalb einer Familie von großer Bedeutung für die Schullaufbahn von Schülern sind. In diesem Sinne kommt es auf die Qualität des elterlichen Erziehungsverhaltens an, was folglich Anstoß für diese Arbeit ist. Dafür soll die Erziehung nach Art und Weise (Stil) differenziert werden. Welche Erziehungsstile in Deutschland von Eltern angewendet werden und somit eine mögliche Grundlage zur Analyse des Erziehungsverhalten bilden, wird im folgenden Absatz geklärt.

3. Ansätze der Erziehungsstilforschung in Deutschland

Dass diePädagogik der Kälteim Laufe der Zeit zunehmend an Zuspruch verloren hat, brauch nicht weiter diskutiert werden. Dementsprechend lassen sich gewisse Veränderungen in den Erziehungszielen und deren Umsetzung in Deutschland feststellen. Wie sich die Gesellschaft modernisiert hat, so hat sich auch das Eltern-Kind-Gefüge modernisiert. Dieses charakterisiert sich durch Nähe und eine positive Beziehung in der die Erziehung vor allem der Autonomie der Kinder gilt (Nave-Herz, 2012, S. 67), was einem autoritativen Erziehungsstil entspricht. Insbesondere das Miteinander-Reden ist laut Nave-Herz ein wichtiger Faktor, der zu einem besseren Familienklima in der heutigen Zeit beigetragen hat. Dieser Sachverhalt hat sich vor allem in gesellschaftlichen Gruppen durchgesetzt, die von einem höheren sozialen Status profitieren.

Demgegenüber herrscht laut Liebenwein (2008, S. 245) ein autoritäres elterliches Erziehungsverhalten im traditionsverwurzeltem Milieu vor, welches neben der bürgerlichen Mitte das zweitgrößte Milieu in Deutschland bildet. Grund hierfür liegt in erster Linie an der Orientierung an eigenen Erfahrungen der elterlichen Erziehung und der damit verbundenen klaren Eltern-Kind-Hierarchie. Etwa ein Drittel der Eltern bevorzugen eine größere Distanz zu ihren Kindern und damit einhergehend einen autoritären Erziehungsstil (Nave-Herz, 2012, S. 68).

Da sich aus der verwendeten Literatur der autoritäre und der autoritative Erziehungsstil kristallisiert haben, werden leidglich diese als Basis weiterer Untersuchungen herangezogen, da zu wenig nationale Studien andere Arten des Erziehungsverhaltens erhoben haben, was hauptsächlich an der geringen Repräsentativität einer kleinen Stichprobe liegen wird. Zudem lässt sich der autoritäre Stil deutlich vom autoritativen Stil abgrenzen. Daher werden nun die beiden ausgewählten Erziehungsstil näher erläutert und mit dem schulbezogenen Kontext in Verbindung gesetzt.

4. Erziehungsstile

Als Erziehungsstil werden „Muster elterlicher Verhaltensweisen und Einstellungen in der Erziehung ihrer Kinder“ (Hurrelmann, 2015, S. 369) bezeichnet. Mit anderen Worten versuchen Eltern durch ihr Verhalten ihrem Kind gegenüber eine als subjektiv positiv empfundene Intention zu übermitteln. Die Art und Weise, wie etwas vermittelt wird lässt sich anhand der Muster bestimmten theoretischen Konstrukten zuordnen. Der Erziehungsstil eines Menschen ist wiederum auf das inkorporierte kulturelle Kapital (Bourdieu, 1992) zurückzuführen und daher elementar zur Analyse von Familienbeziehungen. Zur Unterscheidung des Erziehungsverhaltens von Eltern und dessen Auswirkungen auf die Schulleistungen von Kindern, muss zuvor eine theoretische Einordnung der verschiedenen Erziehungsstile getroffen werden. Baumrind unterscheidet in ihrem für die Sozialwissenschaften elementaren Werk zwischen autoritativen, autoritären, permissiven und zurückweisend-vernachlässigenden Eltern (Baumrind, 1991), welche sich grundsätzlich hinsichtlich ihrer Ausprägung von Kontrolle und Wärme differenzieren. Wie bereits erwähnt werden in dieser Arbeit lediglich der autoritative und der autoritäre Erziehungsstil impliziert.

4.1 Autoritäre Erziehung

Das Konstrukt der autoritären elterlichen Erziehung (authoritarian parenting) baut laut Baumrind (1991) auf einer für die Kinder streng strukturierten Umgebung auf, die durch klare Regeln manifestiert wird. Das grenzt das Kind in seiner Entwicklung eines selbstbestimmten Ichs ein und führt dazu, dass die Bedürfnisse der Eltern nach Kontrolle und Macht über die eigenen Bedürfnisse gestellt werden. Gängige Machtmittel, die zur Durchsetzung des Willens der Eltern genutzt werden, sind Zwang, Drohungen und Bestrafungen (Papastefanou & Hofer, 2002, S. 185). Diese Form der Erziehung bewirkt einen Angstzustand im Kind, der weniger durch die Angst der Bestrafung, sondern mehr durch den „Verlust sozialer und emotionaler Bindung“ (Fuß, 2006, S. 103) verursacht wird. Denn obwohl die Beziehung zwischen Vater und Kind oder Mutter und Kind nicht auf elterlicher Wärme aufbaut, kann eine autoritäre Erziehung nach Fuß nur auf Grundlage einer zuvor erfolgten emotionalen Bindung funktionieren. Eltern, die diesen Erziehungsstil verfolgen, haben wie zuvor erklärt, selbst restriktive Erziehungsverfahren erfahren und wenden diese zum Teil unbewusst an ihren eigenen Kindern an. Damit einher gehen Statusorientierung und die Betonung konventioneller Werte, die durch eine fanatische Kontrolle gesichert werden sollen (Liebenwein, 2008, S. 34).

Diese Beschreibung der Erziehung bezieht sich auf ein generelles autoritäres Verhalten von Eltern.

Im Schul-Kontext reformiert sich dagegen der Hintergrund desauthoritarian parentinghinsichtlich der Erziehungsziele, die mit einer strengen Regulation verfolgt werden. Im Zuge der ansteigenden Bedeutung von Bildungsabschlüssen wird mit folgender Begründung davon ausgegangen, dass Eltern, wenn es um die Existenz ihrer Kinder geht, höhere Bildungsaspirationen hegen und daher vermehrt auf einen autoritären Erziehungsstil zurückgreifen um einen gewissen Leistungsdruck auf ihre Kinder auszuüben. Diese Annahme beruht auf den gesellschaftlichen und arbeitsmarktbezogenen Veränderungen, welche in den letzten Jahrzehnten stattfanden. Die höheren Bildungsaspirationen werden mit den Übertrittsdaten auf das Gymnasium belegt, welche zeigen, dass innerhalb von zehn Jahren (2001-2011) zwölf Prozent mehr Schülern nach der Grundschule das Gymnasium besucht haben (Anger, 2014, S. 92) Während zur Schulzeit der aktuellen Elternkohorte noch ein Hauptschulabschluss reichte um eine Berufsausbildung zu absolvieren, so wird heute zunehmend die mittlere Reife oder Abitur vorausgesetzt. Dies löst ein Gefühl von Angst seitens der Eltern aus, die einen möglichen Statusverlust oder das Versagen ihrer Kinder auf dem Arbeitsmarkt fürchten und daher zu einem autoritären Erziehungsverhalten neigen (Fuß, 2006, S. 106). Dass elterliche Autorität zumeist bei bildungsferneren Gruppen vorkommt, wird hierdurch ebenfalls bestätigt.

4.2 Autoritative Erziehung

Autoritative Eltern kennzeichnen sich durch ein ausgewogenes Gleichgewicht von kontrollierendem Verhalten und Wärme. „They are assertive, but not intrusive or restrictive“ (Baumrind, 1991, S. 62), d.h. ihre Vorstellungen eines wohl erzogenen Kindes sind evident, jedoch ist der Handlungsspielraum der Kinder nicht durch Angst begrenzt. Zudem sind ihre Methoden zur Erziehung laut Baumrind ausschließlich unterstützend und anleitend und nicht bestrafend. Das autoritative Konstrukt entspricht einem in Kapitel 3 erläuterten modernen Eltern-Kind-Gefüge, das auf Kommunikation und Selbstständigkeit beruht. Dafür sollen die Kinder angesichts einer „rationalen Erziehung an familialen Entscheidungen beteiligt werden“ (Fuß, 2006, S. 111). Autonomieförderung sowie das Wohlbefinden des Kindes sind gemäß Fuß (2006, S.111 f.) Merkmale einer autoritativen Erziehung. Dies wirkt sich im Umkehrschluss positiv auf die Lernmotivation, sowie auf das eigene „Fähigkeitsselbstbild Heranwachsender“ (Wild & Hofer, Familien mit Schulkindern, 2002) aus.

Betrachtet man autoritatives Erziehungsverhalten situationsspezifisch, also auf den schulischen Kontext angewendet, wird deutlich, dass die Kinder nicht durch extrinsische Faktoren, wie Bestrafung, Tadel oder Androhung von Gewalt, motiviert werden sollen, sondern durch selbstständiges Lernen intrinsisch motiviert den Unterricht besuchen und dafür zuhause lernen. Dies fördert die schulische Leistungsfähigkeit, setzt jedoch emotionale Zugewandtheit und eine strukturierte Lernumgebung im Haushalt voraus (Exeler & Wild, 2003). Dass ein unterstützendes Elternverhalten im Sinne einer autoritativen Erziehung die berufsbezogene Exploration von Heranwachsenden fördert, unterstützt zudem die vorangegangene These der zunehmenden intrinsischen Motivation autoritativ erzogener Kinder (Kracke & Hofer, 2002).

5. Empirische Befunde

Die beiden zuvor vorgestellten theoretischen Konstrukte des autoritären und autoritativen Erziehungsstils werden nachfolgend durch empirische Studien auf ihre Auswirkungen bezüglich der Schulleistungen von deutschen Schülern der Sekundarstufe I untersucht. Dabei wird zu Beginn des Abschnittes eine Hypothese aufgestellt, welche anschließend empirisch belegt oder widerlegt wird. Anhand dessen soll schlussendlich eine Beantwortung der eingangs gestellten Forschungsfrage getroffen werden. Die ausgewählten Hypothesen beziehen sich auf die abhängigen Variablen Lernmotivation, Schulabsentismus und Schulnoten, welche jeweils in Relation zum autoritären Erziehungsverhalten gesetzt werden. Somit wird erreicht, dass zur Beantwortung der These dieser Arbeit mehrere Dimensionen einbezogen werden können.

5.1 Erziehung und Lernmotivation

Hypothese 1: Autoritäre Erziehung wirkt sich positiv auf die Lernmotivation von Schülern aus.

Die erste Hypothese folgt der Annahme, dass durch die rigide Erziehung und der damit verbundenen Angst vor schulischem Versagen der Kinder, welche durch einen autoritären Erziehungsstil vermittelt wird, die Lernmotivation von Schülern steigt.

Zur Untersuchung dieser Hypothese wird sich auf die Studie „Familiale Sozialisation und schulische Lernmotivation“ von Wild & Wild (1997) bezogen, welche als Kriteriumsvariablen die schulischen Aspirationen und die Lernmotivation definieren. Die ausgewählten Daten zur Analyse stammen aus den Jahren 1992 bis 1994, wobei während der ersten Erhebung rund 500 Jugendliche aus der 9. Klasse, sowie 350 Mütter und 305 Väter an der Befragung teilnahmen. Die Schüler waren auf alle Schultypen (Hauptschule, Realschule und Gymnasium) nahezu gleichverteilt. Anhand eines Fragebogens wurden Lernmotivation, schulische Aspirationen und der elterliche Erziehungsstil abgefragt. Hinsichtlich der Einschätzung der Jugendlichen bezüglich des Erziehungsverhaltens ihrer Eltern sollte jedoch angemerkt werden, dass vor allem Kinder die eine autoritäre Erziehung erfahren starke Loyalität zu ihrem Sorgepflichttragenden hegen. Dies deckt sich mit der bereits angesprochenen Angst vor Bindungsverlust (Fuß, 2006, S. 103). Ein Loyalitätskonflikt kann sich unter Umständen auf das Ergebnis der Befragung dieser Kinder auswirken. Nichtsdestotrotz weisen die verwendeten Items der Studie eine hohe Sensibilität auf und können daher zur Analyse verwendet werden.

Entgegen der ersten Hypothese, dass autoritäre Erziehung die Lernmotivation fördert, konnten Wild & Wild eine negative Korrelation der beiden Variablen feststellen (beide Variablen besitzen ein negatives Vorzeichen) (Wild & Wild, 1997, S. 66). Eine Ursache hierfür könnte darin liegen, dass eine rigide Erziehung dem Kind keinen Freiraum lässt eigene Ideen zu entwickeln und auszuprobieren. Autorität steht immer in Zusammenhang mit Abhängigkeit und Fremdbestimmung (Fuß, 2006, S. 105), was für das Kind bedeutet, dass es ohne die extrinsischen Anreize von zu Hause keine Motivation zum Lernen in der Schule hat. Dies trifft ebenfalls auf die schulischen Aspirationen autoritär erzogener Kinder zu. Ein autoritativer elterlicher Erziehungsstil wirkt sich dagegen positiv auf beide Kriteriumsvariablen aus, was bedeutet, dass die erste Hypothese verworfen werden kann. Anhand der Ergebnisse eines Struktur-Gleichungs-Modells postuliert die Studie den Erziehungsstil als wirksamen Prädiktor für die Lernmotivation von Schülern.

5.2 Erziehung und Schulabsentismus

Hypothese 2: Autoritäre Erziehung verringert die Anzahl unentschuldigter Fehltage von Schülern.

Die zweite Hypothese teilt die Ansicht, dass Kinder unter Leistungsdruck seltener die Schuleschwänzen, da dies von autoritären Eltern nicht geduldet und sanktioniert wird.

Der Einfluss der Familie auf das sogenannte „Schulschwänzen“ wird von Dunkake (2009) ausgewertet und fungiert für diese These als Leitwerk. Das Schulschwänzen habe „gravierende Folgen für den Bildungserwerb“ (Dunkake, 2009, S. 25) und wird daher als wirkmächtig in Bezug auf Schulleistungen gesehen. Als Datengrundlagen dient eine Erhebung des Max-Planck-Instituts Freiburg aus dem Jahr 1999, bei der etwa 2800 Schüler der 8. Bis 10. Jahrgangsstufe, die eine Sonderschule, Gesamtschule, Haupt- oder Realschule und Gymnasium besuchen, befragt wurden. 30 Prozent der Schüler gaben an, dass sie die Schule bereits ein oder mehrere Tage unentschuldigt nicht besucht haben (70 Prozent verneinten die Frage). Dunkake unterscheidet dabei jedoch zwischen dem Fehlen als „Kavaliersdelikt“ (Dunkake, 2009, S. 152), was vor allem für Schüler zutrifft, die ein oder zwei unentschuldigte Fehltage im Schuljahr haben. Mit zunehmender Häufigkeit schwindet die Anzahl der Schüler rapide.

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Details

Seiten
14
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668662810
ISBN (Buch)
9783668662827
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v416917
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,3
Schlagworte
erziehungsstil ausweg bildungskatastrophe deutschland eine analyse erziehungsstile auswirkungen schulleistungen schülern sekundarstufe

Autor

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