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Ein Modell für Gruppengespräche: Die themenzentrierte Interaktion (TZI)

Referat (Ausarbeitung) 2003 12 Seiten

Psychologie - Beratung, Therapie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Kurzbiografie und Ideen Ruth Cohns
(Referentin: Katrin Blume)

III. Regeln und Richtlinien für die Gruppeninteraktion

IV. Themenzentrierte Interaktion im Unterricht
(Referentin: Katharina Müller)

V. Schlusswort mit Gedanken zum praktischen Spiel
(Koordinator des Spiels: Michael Daume)

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Zum Einstieg möchte ich einen kleinen Überblick über die Themenfolge in diesem Seminar geben und gleichzeitig erläutern, wie ich die themenzentrierte Interaktion nach Ruth Cohn hier eingebettet sehe.

Nachdem in den ersten Sitzungen der Veranstaltung Professor Ludwig eine grundlegende Übersicht über den Schwerpunkt B des Kernstudiums aufzeigte und in Ansätzen die Begriffe ‚Lernen, Sozialisation, Entwicklung und Erziehung’ definierte, begannen wir mit dem eigentlichen Schwerpunkt ‚Kommunikation’.

Die ersten Referenten beschrieben und erläuterten unter anderem Manipulation und Täuschung sowie Störungen (Watzlawick), die beim Kommunizieren auftreten können.

Als Nächstes versuchten wir mit gewissen Verfahren, Kommunikation zu analysieren. Dabei kam es fast allen Referenten vor allem auf den Praxisbezug an. Immer wieder wurden Beispiele aus Alltagssituationen eingebracht und diese mit Hilfe von Gesprächsanalyse-Verfahren untersucht. Schwerpunkte hier waren vor allem „das Vier-Aspekte-Kommunikationsmodell“ und die „Kommunikations- und Persönlichkeitsstile“ nach Schulz von Thun.

Umso weiter das Seminar voranschritt, desto praxisnaher wurde es nach meiner Ansicht. Denn nach den eben geschilderten Aspekten der Kommunikation kamen wir zu den problemzentrierten Gesprächen, die unter anderem Themen wie „Aktives Zuhören“, „Ich-Botschaften“ und die „niederlagelose Methode“ (Gordon) umfassten.

Nachdem das Semester schon weit vorangegangen war, kamen wir dann nur noch zum Thema „paradoxe Kommunikation und Intervention“, bevor unser Vortrag über die themenzentrierte Interaktion auf dem Programm stand.

Ich beurteile es als absolut richtig, diesen Punkt an den Schluss der Veranstaltung zu setzen, da in gewisser Weise noch einmal schon Gehörtes aufgegriffen wird (beispielsweise Teile der Regeln und Richtlinien der TZI) und es einen hohen – wenn auch teilweise bestreitbaren - Praxisbezug aufweist. Daher hat sich unsere Gruppe auch dazu entschlossen, neben vielen praktischen Beispielen im Vortrag selbst auch eine Art Rollenspiel einzubringen, welches TZI erlebbar und lebendig machen soll.

II. Kurzbiografie und Ideen Ruth Cohns

Ruth Cohn erblickt am 27. August 1912 in Berlin das Licht der Welt. Als Kind jüdischer Eltern – der Vater war Bankier - wächst sie in gesunden Familienverhältnissen auf. Schon früh, so wird aus späteren Kindheitsbeschreibungen deutlich, entwickelt sie ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsbewusstsein, das in ihrer späteren Arbeit, besonders bei sozialen Aspekten herausgestellt wird.

Als sie siebzehn Jahre alt ist, stirbt ihr Vater plötzlich, worauf sie beschließt, schnell erwachsen werden zu müssen, weil sie sich für das Wohlergehen ihrer Mutter pflichtig fühlt und auch aktiv Verantwortung übernehmen möchte.

Bei einem Zusammenkommen mit einer Psychiaterin kristallisiert sich schnell der Berufswunsch heraus, auch in diesem Arbeitsfeld später tätig zu werden, weil ihr ohnehin die Begegnung mit Hilfsbedürftigen sehr am Herzen liegt.

Als sich Anfang der 30er Jahre die politische Situation in Deutschland zuspitzt, und sie im Studium zum ersten Mal Kontakt mit antisemitischer Gewalt, die sie zuvor nur aus Erzählungen ihres Vaters kennen gelernt hatte, erfährt, fasst sie den Plan, in die Schweiz auszuwandern um dort ihr Psychologiestudium fortzusetzen. Ihre Mutter und den Bruder kann sie nicht zum Mitkommen überreden. In Zürich erweitert sie ihr Studium noch auf andere geisteswissenschaftliche Fächer wie zum Beispiel Philosophie, Theologie usw. Wichtige Erkenntnisse für die spätere Entwicklung ihrer themenzentrierten Interaktion gewinnt sie aus der Kombination dieser Wissenschaften.

Im Jahre 1940 flieht sie in die Vereinigten Staaten, weil sie einer Falschmeldung Glauben geschenkt hatte, dass die deutschen Truppen in die Schweiz einmarschierten, was sich im Zweiten Weltkrieg aber nicht bewahrheitet hatte.

Nachdem sie sich mit ihrem Mann Helmut und der gerade erst geborenen Tochter Heidi in den USA eingelebt hat, lernt sie einige junge Psychologiestudenten kennen und tritt in die National Psychological Association for Psychoanalysis (NPAP) ein, in die auch Nicht-Mediziner wie Ruth Cohn aufgenommen werden.

In den 50er Jahren kommt sie zu ersten, in der Psychoanalyse revolutionären Ideen, in denen sie beispielsweise die Wichtigkeit des Analytikers hervorhebt und ihn mit dem Prinzip der Gegenübertragung direkt mit einbezieht. Bis zu dieser Zeit galt nämlich ein Analytiker, der vom Schicksal des Patienten betroffen war, als nicht ausgereift; somit entsendete man ihn in Trainingslager um weitere Gegenübertragung zu vermeiden.

Cohn merkt, dass dies nicht mehr ausreicht. Da sie in der National Psychological Association for Psychoanalysis (NPAP) keine Mitstreiter für diesen Tabubruch findet, eröffnet sie im Jahre 1955 mit anderen Therapeuten einen Workshop zur Thematik der Gegenübertragung. In dieser Zeit wird ein wichtiger Ansatz der themenzentrierten Interaktion geboren: die Person des Therapeuten / der Therapeutin wird in ihrer Funktion erweitert; nicht mehr nur der/die Gruppenleiter/in sein spielt eine Rolle, sondern Cohn sieht sich als Partnerin im Leben der Patienten. Diese Einheit wertet sie als persönliche Befreiung und Bereicherung, aber gleichzeitig machen auch die Patienten enorme Fortschritte, denn in der Gruppe stehen die gegenseitige Hilfe und Gleichberechtigung im Vordergrund. Diese neuen Methoden der Gruppentherapie und der damit verbundene Erfolg werden in psychoanalytischen Bereichen schnell populär.

Daraufhin zieht sich Ruth Cohn einige Jahre zurück um ihre Ideen auszureifen und die pädagogische Arbeitsweise der themenzentrierten Interaktion zu entwickeln.

Nachfolgend gründet sie im Jahre 1966 das Workshop Institute for Living Learning (WILL) in New York und verbreitet auch in Europa ihre Pädagogik.

Verschiedenste Auszeichnungen wie der „Psychologist of the Year“ (1971), die Ehrendoktorwürde an der Universität Hamburg (1979) und schließlich das Große Bundesverdienstkreuz (1992) sind die Ergebnisse dieses Lebenswerkes.

Auch heute noch lebt Ruth Cohn an der Ecole de l’humanitaté in der Schweiz.

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Details

Seiten
12
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638398930
ISBN (Buch)
9783640401833
Dateigröße
597 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v41675
Institution / Hochschule
Universität Kassel – Fachbereich Erziehungswissenschaften
Note
2
Schlagworte
Modell Gruppengespräche Interaktion Sprechen Verstehen Beratung Konfliktmanagement Handlungsformen

Autor

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Titel: Ein Modell für Gruppengespräche: Die themenzentrierte Interaktion (TZI)