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Eine Schulung für Nachwuchswissenschaftler auf Grundlage des 4CID-Modells (Four Component Instructional Design-Model)

Durchführung einer online Sprechstunde

Hausarbeit 2017 22 Seiten

Pädagogik - Medienpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis:

1. Einleitung
1.1 Zielsetzung:
1.2 4CID-Modell
1.3 Szenario
1.4 Virtualität

2 Theoretischer Exkurs
2.1 Die konstruktivistische Didaktik
2.2 Gute Lehre
2.3 Bezugstheorie des 4CID-Modells

3 Hierarchische Kompetenzanalyse
3.1 Hierarchiefunktion
3.2 Hierarchieerstellung
3.3 (Non-)Rekurrente Fertigkeiten

4. Bildung von Aufgabenklassen
4.1 Funktion
4.2 Vereinfachende Annahmen und Aufgabenklassen:

5 Entwicklung von Lernaufgaben
5.1 Lernaufgaben
5.2 Variabilität
5.3 Mediale Umsetzung
5.4 Didaktische Szenarien

6 Prozedurale und unterstützende Informationen
6.1 Unterstützende Informationen
6.2 Prozedurale Informationen

7 Part-task Practice

8 Fazit
8.1 Verortung im ADDIE-Phasenmodell
8.2 Stärken-Schwächen-Abschätzung

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis:

Tabelle 1: Vereinfachende Annahmen und Aufgabenklassen (eigene Darstellung)

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Darstellung der vier Komponenten für komplexes Lernen (Kirschner & van Merriënboer, 2010, S. 14)

Abbildung 2: Fertigkeitenhierarchie (eigene Darstellung)

1. Einleitung

1.1 Zielsetzung:

Ob im privaten oder institutionellen Raum- digitale Medien haben unsere Lernkultur breitflächig verändert (Niedermeier, Schätz, & Mandl, 2015, S. 239). Kommunikationsformen ändern sich, Lehren und Lernen finden vermehrt im virtuellen Raum statt. Im Rahmen dieser Entwicklung ergeben sich neue Möglichkeiten doch gleichzeitig auch Herausforderungen für Lernende und Lehrende, denn multimediale Bildung erfordert neue Kompetenzen fernab des reinen Präsenzunterrichts und Wissenstransfer unter gewandelten Kommunikationsbedingungen (Niedermeier et. al, 2015, S 246). Der Lehrende ist in virtuellen Lernumgebungen nicht mehr nur reiner Wissensvermittler, er hat darüber hinaus die zentrale Aufgabe, die Lernenden sowohl tutoriell als auch motivational zu betreuen und die Rolle des Beraters einzunehmen (Quilling & Nicolini, 2009, S. 141). Im Zentrum vorliegender Arbeit steht ein beispielhafter Lehrplanentwurf welcher das Ziel verfolgt, Nachwuchswissenschaftler dazu zu befähigen, eine Online- Sprechstunde durchzuführen. Die Erstellung des Schulungsentwurfs erfolgt auf Grundlage des 4C/ID- Modells.

1.2 4CID-Modell:

Bei dem Mitte der 90- er Jahre von Jeroen van Merrienboer vorgestellten „Vier- Komponenten- Instruktionsdesign- Modell[1] handelt es sich um ein empirisch erforschtes lnstruktionsdesign - Modell für komplexes Lernen, welches, gerichtet an Lehrpersonen, Empfehlungen für den Entwurf von Lehrmaterialien zum Erlernen komplexer kognitiver Fertigkeiten präsentiert (Vogel, Weidlich,, Bastiaens, 2017, S. 63). Komplexes Lernen bezeichnet hierbei die Integration von Wissen, Fähigkeiten und Einstellungen, es überträgt in der Schule oder im Unterricht Erlerntes in das alltägliche sowie ins Berufsleben der Lernenden(Kirschner & van Merrienboer, 2009, S. 244). Ein im Sinne komplexen Lernens entwickeltes Schulungsprogramm zielt nicht auf den zusammenhangslosen Erwerb einzelner Fertigkeiten ab, sondern strebt danach, dem Lernenden[2] innerhalb authentischer Lernsituationen die Fähigkeit zu vermitteln, alle für die jeweilige Kompetenz konstituierenden Fertigkeiten in einer koordinierten, ganzheitlichen Art und Weise zu gebrauchen(Van Merrienboer, Clark, & De Crook, 2002, S. 40). Das 4C/ID- Modell beinhaltet die folgenden, in Wechselwirkung zueinander stehenden vier Hauptkomponenten:

1. Lernaufgaben (learning tasks)
2. unterstützende Informationnen (supportive information)
3. prozedurale Informationen (procedural/ just- in- time- information)
4. zusätzliche repetierende Übungen von Teilaufgaben (Part-task Practice) (Van Merriënboer & Kirschner, 2010, S. 14–16).

Diese werden im weiteren Verlauf der Arbeit näher erläutert. Das 4C/ID-Modell eignet sich für vorliegenden Schulungsentwurf, da eine authentische Lernumgebung geschaffen wird, in der die Teilnehmer online-basierte Dienste und Softwarehandhabung nicht nur theoretisch behandeln, sondern unmittelbar im virtuellen Raum üben, mit diesen umzugehen und eventuell auftretende Probleme zu lösen. Die gestellten Aufgaben entsprechen denjenigen, die sich einem online- Tutor in dessen Tätigkeitsfeld stellen, sie sind authentisch und praxisnah.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Darstellung der vier Komponenten für komplexes Lernen (Kirschner & van Merriënboer, 2010, S. 14)

1.3 Szenario:

Die FernUniversität in Hagen plant als Angebot für neu eingeschriebene Studierende der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften, online- Sprechstunden zum Thema „ Einführung in das Fernstudium“ abzuhalten. Die Tutorien sollen als zusätzliche Ressource zur Unterstützung der Studienanfänger dienen. Aus diesem Grund bietet die Universität Doktoranden des Fachbereiches, die momentan konkret in die Entwicklung von E-Learning-Angeboten eingebunden sind, eine Weiterbildung an- diese mündet in der Befähigung der Nachwuchswissenschaftler, online Sprechstunden durchzuführen. Innerhalb der Thematik haben die Nachwuchswissenschaftler die freie Wahl zwischen den Schwerpunkten „Studiengänge und -struktur“, „Lern- und Arbeitstechniken im Fernstudium“, „Klausurvorbereitung“, „Zeitmanagement“ und „wissenschaftliches Schreiben“ Es werden drei Nachwuchswissenschaftler geschult, die jeweils über einen eigenen Laptop verfügen, auf dem das Live- Konferenz- Programm Adobe Connect installiert ist. Die Handhabung ist den Teilnehmern bekannt. Die Kommunikation mit den Studierenden erfolgt über Moodle, mit dem Lehrgebiet wird per Email kommuniziert. Die Schulung erstreckt sich über einen Zeitraum von neun Wochen, eine Woche pro Lernaufgabe ist bei drei Lernaufgaben je Aufgabenklasse einkalkuliert. Um die Lernenden mit möglichst vielen Anwendungsgebieten neuer Medien vertraut zu machen, findet die komplette Schulung für die Nachwuchswissenschaftler virtuell statt. Während der virtuellen Treffen werden sie von einem erfahrenen Dozenten[3] der FernUniversität mit Kenntnissen im 4C/ID betreut. Die notwendige Technik, welche in der Praxis bei online- Sprechstunden eingesetzt wird, steht zur Verfügung, somit fallen keine zusätzlichen Kosten an.

1.4 Virtualität:

Im E-Learning wird zwischen rein virtueller Lehre, Präsenzunterricht und Blended Learning (Kombinationsform) unterschieden (Baumgartner, 2017, S. 39). Bei vorliegendem Schulungsentwurf handelt es sich um rein virtuelle Lehre. Die online- Sprechstunde wird nicht zusätzlich oder unterstützend zu einer Präsenzveranstaltung angeboten, sondern sie ersetzt den Präsenzunterricht. Es ergibt sich somit ein Virtualitätsgrad von 100%.

2 Theoretischer Exkurs

Im theoretischen Teil der Arbeit wird zunächst das didaktische Konzept der konstruktivistischen Didaktik dargestellt und mit dem 4 CID- Modell verglichen. Des Weiteren wird „gute Lehre“ anhand des Prozess- Produkt- Paradigmas beschrieben und abschließend die psychologische Einbettung des 4C/ID-Modells erläutert

2.1 Die konstruktivistische Didaktik

Erste Gedankenansätze konstruktivistischer Didaktik finden sich bereits bei Comenius (Vogel, Weidlich, Bastiaens, 2017, S. 26), zu weiteren Vertretern zählen Dewey, Piaget und Wygotski (Reich, 2008, S. 72). Die konstruktivistische Didaktik postuliert, dass Lernprozesse nicht von außen initiiert werden können, sondern auf aktiver Wahrnehmung, Organisation sowie Koordination durch den Lernenden basieren, welcher sein Wissen sowie seine Wirklichkeit aufgrund bereits vorhandener Erfahrungen und in Interaktion mit seiner sozialen Umwelt auf je individuelle Weise immer wieder selbstständig herstellt (Reich, 2008, S. 74). Der Lehrende hat laut konstruktivistischer Didaktik weder die Möglichkeit, noch die Aufgabe, Lernprozesse zu erzeugen, dennoch kann er die Wahrscheinlichkeit des Lernens erhöhen, indem er die Zugänglichkeit des Lernstoffs für den Lerner erleichtert und Erfahrungen ermöglicht (Terhart, 2017a, S. 38). Im Sinne selbstbestimmten Lernens sind laut konstruktivistischer Didaktik auch Medien auszuwählen: Sie stellen, beispielsweise in Form von Simulationen und adaptierbaren E- Learning- Umgebungen, dem Lernenden genügend Freiräume zur experimentellen Wissenskonstruktion zur Verfügung, anhand derer der Schüler seinen Wissenshorizont eigenständig erweitert (Vogel, et al.., 2017, S. 29). Zwar ist auch das Instruktionsdesign lernerzentriert ausgerichtet (Vogel, et al., 2017, S. 40), allerdings ist es im Unterschied zu den konstruktivistischen Grundannahmen durch ein höheres Maß an Lenkung gekennzeichnet. Die im Konstruktivismus geforderte Autonomie des Schülers wird weit weniger berücksichtigt, indem ein vorgegebener Fahrplan konzipiert wird, auf welchen der Lernende selbst kaum Einfluss hat.

2.2 Gute Lehre:

Das Prozess- Produkt- Paradigma entstand im Rahmen der empirischen Unterrichtsforschung (Helmke, 2014, S. 41) und beschreibt empirische Zusammenhänge zwischen Prozessmerkmalen von Unterricht sowie Produktmerkmalen auf Seiten der Schüler, um auf diese Weise „gute Lehre“ zu definieren (Helmke, 2014, S. 43). Im genannten Kontext zeichnet sich ein optimales Produkt durch messbaren Lernzuwachs auf Seiten der Schüler aus, dies beinhaltet neben Lernleistungen Kriterien wie soziale Kompetenzen, die Entwicklung der Individualität und die Zufriedenheit der Lernenden mit dem angebotenen Unterricht (Terhart, 2017b, S. 58). „Gute Lehre“ als Prozess bezieht sich auf Merkmale des Lehrenden, dabei werden Kriterien wie Methoden, Techniken und Kompetenzen der Lehrperson im Unterricht betrachtet, aber auch die Fähigkeit, Schülern fördernd und beratend zur Seite zu stehen (Terhart, 2007, S. 22). In vorliegendem Lehrplanentwurf entspricht der Prozess der gesamten Schulung der Nachwuchswissenschaftler. Die Konzeption und Umsetzung der Lernaufgaben, der Einsatz von Just- In- Time- und unterstützenden Informationen sowie der Part- Task- Practice dienen der Optimierung des Lern- Prozesses der Teilnehmer. Das Produkt der Schulung wird erst nach Abschluss der Lehrmaßnahme ersichtlich und wird an dieser Stelle als wünschenswerter Zielzustand beschrieben: Die Nachwuchswissenschaftler verfügen über alle zur Planung, Durchführung und Nachbereitung einer Online- Sprechstunde nötigen Kompetenzen und sind in der Lage, diese in der Praxis anzuwenden, zu koordinieren und zu integrieren.

2.3 Bezugstheorie des 4CID-Modells:

Die Cognitive Load Theorie (CLT) stellt eine der psychologischen Theorien dar, auf welcher das 4C/ID aufbaut. Die CLT wurde von John Sweller begründet und im gleichnamigen Werk veröffentlicht (Sweller, Ayres, & Kalyuga, 2011). Die CLT bezieht sich ausdrücklich auf die Analyse und Optimierung von Lehr-/Lernprozessen im Bereich des Instruktionsdesigns (Sweller et al., 2011, S. 4). Sie geht davon aus, dass bei dem Entwurf von Lehrmaterialien das Konzept der menschlichen Gedächtnisleistungen zu berücksichtigen ist (Sweller et al., 2011, S. 15). Gemäß CLT besitzt der Mensch ein eingeschränktes Arbeitsgedächtnis und ein nahezu unbegrenztes Langzeitgedächtnis (Sweller et al., 2011, S. 212). Für optimalen Lernerfolg ist es nötig, die Belastung für das Arbeitsgedächtnis minimal zu gestalten und dennoch möglichst viel Information für das Langzeitgedächtnis zur Verfügung zu stellen (Sweller et al., 2011, S. 16). Die CLT beschreibt drei Belastungstypen für das Arbeitsgedächtnis: die intrinsische kognitive Belastung (intrinsic cognitive load), die extrinsische kognitive Belastung (extraneous cognitive load)und die lernbezogene kognitive Belastung (germane cognitiveload) (Sweller et al., 2011, S. 240–242). Die intrinsische kognitive Belastung bezieht sich auf die Anzahl gleichzeitig zu tätigender Aufgaben, während die extrinsische kognitive Belastung durch eine Überforderung des Lernenden von Außen, beispielsweise durch eine schlecht vorbereitete Lernumgebung entstehen kann (Sweller et al., 2011, S. 240). Die lernbezogene kognitive Belastung verbindet bewusst neue Informationen mit bereits vorhandenen, sie verringert so die intrinsische kognitive Belastung für den Lernenden (Sweller et al., 2011, S. 57). Bei der Konstruktion von Lernumgebungen ist laut CLT die intrinsische Belastung auf den Entwicklungsstand der Lernenden abzustimmen und die extrinsische Belastung zu reduzieren, um so der lernbezogenen Belastung einen möglichst großen Anteil der kognitiven Kapazität zuzuweisen (Sweller et al., 2011, S. 57).Die Konzepte der CLT fließen in die Gestaltungsempfehlungen des 4CID- Modells ein: Mit der Anordnung der Aufgabenklassen nach zunehmender Komplexität wird die intrinsische Belastung an die wachsende Expertise der Lernenden angepasst. Die extrinsische Belastung wird mittels Unterstützung zu Beginn jeder Aufgabenklasse reduziert, somit bleibt genügend kognitive Kapazität für die Bewältigung lernbezogener Belastung frei (Van Merriënboer. & Kirschner, 2010, S. 23)

3 Hierarchische Kompetenzanalyse

3.1 Hierarchiefunktion:

Für die Erstellung eines vollständigen Instruktionsdesigns ist es nötig, sich die Bestandteile der Zielkompetenz- die konstituierenden Teilfertigkeiten- bewusst zu machen. Sie machen die erfolgreiche Ausübung der Gesamtkompetenz erst möglich (Van Merriënboer & Kirschner, 2017, S. 232). Die Bezüge der Teilfertigkeiten zueinander werden in der Fertigkeitenhierarchie dargestellt. Hier werden temporäre (=horizontale) und konditionale (=vertikale) Beziehungen der Teilfertigkeiten durch deren Gliederung im Hierarchiesystem bestimmt. Des Weiteren wird zwischen wiederkehrenden (rekurrenten) und nicht-wiederkehrenden (non-rekurrente) Fertigkeiten unterschieden. Diese Differenzierung ist bedeutend, weil die Fertigkeiten anhand verschiedener Instruktionsmethoden erlernt werden(van Merriënboer et al., 2010, S.241-243). Somit bildet die Kompetenzanalyse die Basis für alle weiteren Schritte. Hierzu zählt auch die Konzeption der Aufgabenklassen sowie der Lernaufgaben. In vorliegender Arbeit wird die Teilfertigkeit „Präsentationsfolien erstellen“ bei der Konzeption der Lernaufgaben berücksichtigt.

3.2 Hierarchieerstellung:

Zur Erstellung der Fertigkeitenhierarchie für die Gesamtkompetenz „Eine online- Sprechstunde durchführen““ wurde auf folgende Quellen zurückgegriffen: „ Der Tele-Tutor: Betreuung Lehrender und Lernender im virtuellen Raum “ (Böhm, 2006),. Ausbildung von E- Tutoren zur Betreuung von Studierenden ( Niedermeier., Schätz & Mandl,2015) und „ Erfolgreiche Seminargestaltung: Strategien und Methoden in der Erwachsenenbildung “ (Quilling & Nicolini, 2015). Auf der ersten Ebene der hier dargestellten Hierarchie werden vier Teilfertigkeiten unterschieden, die in einer temporären Relation zueinanderstehen und nacheinander erlen- und durchführbar sind. Dies bedeutet, dass der Nachwuchswissenschaftler die Sprechstunde zunächst plant und anschließend vorbereitet. Im nächsten Schritt führt er die Sprechstunde durch bevor er sie am Ende des Prozesses nachbereitet. Als Beispiel für einander konditional bedingende Kompetenzen dient das Fertigkeitenpaar „Power Point anwenden“ und „Präsentationsfolien gestalten“. Die Beherrschung von Power Point ist eine obligate Voraussetzung dafür, eine Präsentation gestalten zu können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Fertigkeitenhierarchie (eigene Darstellung

3.3 (Non-)Rekurrente Fertigkeiten:

Im 4C/ID Modell wird innerhalb der Lernaufgaben zwischen wiederkehrenden (rekurrenten) und nicht wiederkehrenden (non-rekurrenten) Fertigkeiten unterschieden (Van Merriënboer & Kirschner, 2010,S 90-98). Rekurrente Fertigkeiten werden durch Automatisierung erlernt und meist unbewußt auf Grundlage gleicher kognitiver Schemata ausgeführt (Van Merrienboer et al., 2002, S. 90). In vorliegender Hierarchie stellt die Fertigkeit „Technik überprüfen“ eine rekurrente Fertigkeit dar, da diese unabhängig vom Inhalt der Sprechstunde stets nach ein- und demselben Schema abläuft. Non-rekurrente Fertigkeiten wiederum werden für Aufgaben benötigt, welche nicht durch Automatismen erlernt werden, sondern den Lernenden vor einen kognitiven Problembewältigungsprozess stellen (Van Merriënboer & Kirschner, 2010, S. 94). In vorliegendem Entwurf handelt es sich bei der Fertigkeit „Präsentationsfolien erstellen“ um eine non-rekurrente Fertigkeit, da diese, abhängig vom Sprechstundeninhalt, dessen Dauer sowie der Teilnehmerzahl in ihrer Ausübung variiert.

4. Bildung von Aufgabenklassen

: Im folgenden Kapitel werden vereinfachende Annahmen identifiziert und daraus die Aufgabenklassen entwickelt. Im Vorfeld jedoch wird die Funktion der Aufgabenklassen erläutert.

4.1 Funktion:

Um Lernende nicht schon zu Beginn einer Schulung mit zu komplexen Lernaufgaben kognitiv zu überlasten, werden diese in Aufgabenklassen organisiert (Van Merriënboer & Kirschner, 2010, S. 19). Jede Aufgabenklasse umfasst Lernaufgaben des gleichen Schwierigkeitsgrades, welcher von Klasse zu Klasse sukzessive ansteigt- hierbei werden bereits in der ersten Aufgabenklasselasse alle Aspekte der Gesamtkompetenz in einfacher, aber doch ganzheitlicher Form trainiert (van Merrienboer & Kirschner, S. 69).

4.2 Vereinfachende Annahmen und Aufgabenklassen:

Aufgabenklassen können auf vier verschiedene Arten sequenziert werden (Vogel et al., 2017, S. 70), in vorliegender Arbeit wird auf das Sequenzprinzip der vereinfachenden Annahmen zurückgegriffen. Hierbei wird nach dem „simple- to- complex“- Prinzip vorgegangen: Zu Beginn einer Aufgabenklasse wird der geringste, als letztes der höchste Schwierigkeitsgrad geschult (Vogel et al., 2017, S.69). Auf die Darstellung der übrigen Sequenzprinzipien wird an dieser Stelle verzichtet, um den vorgegebenen Rahmen der Hausarbeit einzuhalten.

Tabelle 1: Vereinfachende Annahmen und Aufgabenklassen (eigene Darstellung)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dauer des Tutoriums: Das Abhalten einer Online- Sprechstunde erfordert vom Tutor stets einen gewissen Grad an Konzentrationsfähigkeit, da mehrere Tätigkeiten gleichzeitig durchzuführen sind. Der Anspruch an die Nachwuchswissenschaftler und deren Konzentrationsvermögen steigt mit Zunahme der Sprechstundendauer. Der Zeitfaktor bestimmt auch die Komplexität und Intensität der Ausarbeitung der Präsentationsfolien. Somit ist der Aufwand in der ersten Aufgabenklasse wesentlich geringer als in den darauf folgenden.

Anzahl der Teilnehmer: Je mehr interessierte Studierende an der Sprechstunde teilnehmen, desto höher sind die Ansprüche an den Tutor, da er seine Aufmerksamkeit auf mehrere gleichzeitig zu betreuende Diskussionsthemen zu lenken hat.

[...]


[1] In vorliegender Arbeit 4C/ID- Modell genannt

[2] Aus Gründen der Einheitlichkeit wird in voriegender Arbeit der maskuline Genus gebraucht

[3] Im Folgenden „Experte“ genannt

Details

Seiten
22
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668664142
ISBN (Buch)
9783668664159
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v416710
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Institut fürSozial- und Kulturwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Mediendidaktik 4C/ID- Modell Schulungskonzept

Autor

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