Lade Inhalt...

Die Außenpolitik Großbritanniens zwischen 1917 und 1997

Hausarbeit 2004 21 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Westeuropa

Leseprobe

Inhalt:

0. Vorwort

1.1 Historische Grunddaten
1.2 Grunddaten Großbritanniens

2. Die Außenpolitik Großbritanniens zwischen 1917 und 1939
2.1 Das Ende des 1. Weltkrieges
2.2 Die Washingtoner Konferenz und die „special relationship“
2.3 Die Verträge von Locarno
2.4 „Statute of Westminster“
2.5 Die Konferenz von Stresa
2.6 Das Münchener Abkommen

3. Die Außenpolitik Großbritanniens zwischen 1945 und 1956
3.1 Das Ende des Zweiten Weltkrieges
3.2 Die Unabhängigkeit Indiens
3.3 Die Suez-Krise

4. Großbritanniens verstärktes Engagement in Europa
4.1 Großbritanniens erster Aufnahmeantrag zur EG
4.2 Rückzug „East of Suez“
4.3 Großbritannien wird Mitglied der EG
4.4 Die Falkland-Kriege
4.5 Die Wiedervereinigung Deutschlands
4.6 Die Rückgabe Hongkongs an China

5. Nachwort

6. Literaturverzeichnis

0. Vorwort:

Diese Hausarbeit befasst sich mit der Analyse der Außenpolitik von Großbritannien seit dem Ende des 1. Weltkrieges. Ich werde versuchen einen historischen Bogen zu spannen, beginnend bei dem 1. Weltkrieg, über den 2. Weltkrieg bis hin zur Rückgabe Hongkongs an China im Jahre 1997.

Wenn man an Großbritannien denkt, so denkt man vermutlich primär an eine Kolonialmacht, die sich in vielen Teilen der Erde mit Kolonien und zahlreichen Protektoraten imperialistisch profiliert hat.

Bei den Vorbereitungen zum Referat über die Außenpolitik von Großbritannien über den oben genannten Zeitraum, musste ich allerdings feststellen, dass in der Außenpolitik die Töne des Imperialismus leise geworden sind. Die Schlüsselfunktion zum Verständnis der Außenpolitik liegt eher in den Begriffen des „Containment“, des „Appeseament“ und der Wirtschaft. Was bedeuten diese Begriffe und was vor allen Dingen bedeuten sie in der Außenpolitik? Gibt es einen „roten Faden“ der sich als Richtschnur durch die Zeit der Außenpolitik als ein konstantes Handlungsmuster zieht?

Die folgende Hausarbeit befasst sich mit den Begriffen von Containment und Appeasement im historischen Kontext. Ich werde versuchen in dieser Hausarbeit zu zeigen, wie sich Appeasement und Containment in der Zeit seit dem 1. Weltkrieg entwickelt haben und welche weiteren Einflüsse die Außenpolitik prägten. Die Vorgehensweise bei dieser Ausarbeitung der Begriffe und Einflüsse wird chronologisch und nicht nach Themengebieten erfolgen, um besser verdeutlichen zu können, welche Ursachen und welche Folgen bestimmte Entscheidungen und Handlungen in der Außenpolitik hatten.

Zu einer besseren Übersicht habe ich die chronologischen Entwicklungen in drei Teile aufgespalten: der erste Teil beschreibt die Zeit nach dem 1. Weltkrieg, der zweite Teil die Zeit nach dem 2. Weltkrieg und der dritte und letzte Teil soll die Ereignisse seit der Aufnahme Großbritanniens in die EG bis zur Rückgabe Hongkongs an China untersuchen. Zu Beginn jedoch erfolgt eine Auflistung der wichtigsten historischen Ereignisse, die Jürgen Bellers seinem Kapitel über die Außenpolitik Großbritanniens voranstellt.[1] Anhand dieser erfolgt die chronologische Bearbeitung des Themas.

1.1 Historische Grunddaten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[2][3]

1.2 Grunddaten Großbritanniens

Großbritannien zählt im internationalen Vergleich zu den eher kleinen Staaten, was aber in keiner Weise darüber hinwegtäuschen kann, dass es zu den ehemals mächtigsten Nationen der Welt gehörte. Derzeit umfasst Großbritannien im engeren Sinne (England, Schottland und Wales) eine Fläche von 243,307 km2 und 59,3 Mio. Einwohner, die Hauptstadt ist London. Das politische System ist eine parlamentarische Monarchie, deren Staatsoberhaupt seit 1952 Königin Elizabeth II. ist und dessen Regierungschef seit 1997 Anthony Charles Lynton („Tony“) Blair ist.

Zu den Nachbarstaaten gehören Frankreich, Belgien, die Niederlande, Deutschland, Dänemark, Island und Norwegen. Die größten Handelspartner für Großbritannien sind die USA, Deutschland und Frankreich.[4]

Großbritannien gehörte bis 1945 zu den Nationen mit den größten und zahlreichsten Kolonien und galt somit als das Musterbeispiel des Imperialismus.

2. Die Außenpolitik Großbritanniens zwischen 1917 und 1939

2.1 Das Ende des 1. Weltkrieges

Der erste Weltkrieg erschütterte die Welt zutiefst. Acht Millionen Tote und zwanzig Millionen Verletze[5] zeigten eine neue Art von Vernichtung auf, wie sie bisher unbekannt war. Großbritannien hatte hiervon selbst eine Million Tote und zwei Millionen Verletzte zu beklagen.[6]

Eine Eigenheit Großbritanniens war es, dass es trotz seiner verhältnismäßig kleinen Fläche (wenn man Großbritannien im engeren Sinne, s.o. betrachtet) bis zum ersten Weltkrieg „¼ der Erdoberfläche“[7] unter seinem Einfluss verzeichnen konnte. Die Inseln Englands mit Schottland und Nordirland weisen sehr wenig eigene Ressourcen auf, was den internationalen Handel für die eigene Wirtschaft erforderlich macht. Durch die Kolonien, Protektorate und späteren Dominions formte sich unter Einfluss der anderen international großen Mächten wie Frankreich, den USA, Deutschland usw., Großbritannien zu einer Wirtschaftsmacht und einer Handelsnation. Die international etablierten Handelsverflechtungen waren allerdings nach dem ersten Weltkrieg völlig zusammengebrochen, der Gewinn des nach dem Krieg geführten Handels wurde von Wiederaufbau und Reparationszahlungen verzehrt und erschwert; ehemals große Staaten zerbarsten nach dem Weltkrieg, während andere ihren Platz einnahmen.[8]

Die Grundtendenz der britischen Außenpolitik bezüglich Europa lässt sich als reserviert betrachten. Das Hauptinteresse galt schließlich nicht dem Kontinent und der politischen und wirtschaftlichen Lage, wie sie sich nach dem ersten Weltkrieg entfaltete, sondern vielmehr den Kolonien, Protektoraten und Dominions, die mehr und mehr nach Autonomie strebten[9].

Besondere Probleme dieser Art bereitete Irland. Irland strebte nach Unabhängigkeit von ihren Besatzern den Briten. Bereits während es ersten Weltkrieges tobten blutige Auseinandersetzungen (z.B. Osteraufstand, 1916) die erst 1921 durch einen Vertrag zwischen Großbritannien und Irland entschärft werden konnten. Dieser Vertrag sicherte dem Süden (bis auf Nord-Irland, auch: Ulster) dominion-ähnlichen Status zu, d.h. eine relativ autonome Regierung, die allerdings auf den König vereidigt wird.[10]

Neben Irland strebten aber auch andere ehemalige Kolonien und „Protektorate“ nach mehr Autonomie und so erhielten beispielsweise Kanada, Australien, Neuseeland und Südafrika einen Dominionstatus. Nach dem Balfour-Bericht 1926 sind die Dominions und das Mutterland Großbritannien im engeren Sinne...

„…autonomous communities within the British Empire, equal in status, in no way subordinate to one another ther in any aspect of their domestic or external affairs, though united by a common allegiance to the Crown and freely associated as members of the British Commonwealth.”[11]

Fünf Jahre später schließlich wurde diese Definition verfassungsrechtlich verankert (siehe weiter unten: 2.4 „Statute of Westminster“).

2.2 Die Washingtoner Konferenz und die „special relationship“

Einen besonderen Meilenstein ihrer „special relationship“ haben die USA und Großbritannien auf der Washingtoner Konferenz (12.11.1921 - 06.02.1922) gelegt. Ohne das Eingreifen der USA, dass zwar spät geschah, aber dennoch weitere Verluste und Schäden in großer Höhe verhinderte, wäre Großbritannien wesentlich schlechter aus dem 1. Weltkrieg hervorgegangen. Zum einen aus diesem Grund, zum anderen aber weil Großbritannien hohe Kriegsanleihen von den USA bezogen hatte, verzichtete Großbritannien auf seine Vormachtstellung zur See gegenüber den USA; ein herber Rückschlag für die einstige Super- und Handelsmacht zur See.[12]

Die ehemalige Überlegenheit musste aufgegeben werden und die Flottenstärke wurde zwischen den USA, GB, Japan, Frankreich und Italien mit 5:5:3:1,75:1,75 festgesetzt.[13]

2.3 Die Verträge von Locarno

1925 kam es zu den Verträgen von Locarno auf Initiative Stresemanns hin. Die fünf Verträge behandelten: 1. Den Sicherheits-, Rhein- oder Westpakt 2. Das Schiedsabkommen zwischen Deutschland und Belgien 3. Das Schiedsabkommen zwischen Deutschland und Frankreich 4. Den Schiedsvertrag zwischen Deutschland und Polen und 5. Den Schiedsvertrag zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei.[14] Während Großbritannien zwar direkt nach dem Ersten Weltkrieg mitverantwortlich war für die harten Bedingungen der Versailler Verträge (Alleinschuld Deutschlands, 296 Mrd. Goldmark Reparationsschuld, zahlbar in 42 Jahresraten, usw.) war es unter anderem den zerstörten Wirtschaftsstrukturen zu verdanken, dass Großbritannien sich 1925 in den Verträgen von Locarno dazu entschloss, Deutschland bei einem schnellen Wiederaufbau zu helfen, der schließlich auch Großbritannien zu einem schnelleren Wiederaufstieg nach dem Weltkrieg verhelfen sollte.[15]

2.4 „Statute of Westminster“

Bereits unter Punkt 2.1 wurde auf die Krise in der Irlandfrage eingegangen. Die Balfour-Formel, die den ehemaligen Kolonien mehr Eigenständigkeit zugestand, wurde im „Statute of Westminster“ 1931 erneut bestätigt und dahingehend erweitert, dass Großbritannien weniger Einfluss auf die Legislative des jeweiligen Dominions hatte. Der Sammelname der Institution, zu dem sich die Dominions in freiwilliger Form zusammenschlossen, ist das „British Commonwealth of Nations“.[16]

Innerhalb dieses Commonwealth gab es sieben souveräne Staaten: Großbritannien, Irischer Freistaat, Kanada, Neufundland, Australischer Bund, Südafrikanische Union und Neu-Seeland. Das Statute of Westminster hatte allerdings keinen Einfluss auf die unverändert erhalten gebliebenen Kronkolonien und Protektorate in anderen Teilen der Welt.[17]

[...]


[1] Vgl. Bellers, Jürgen „Handbuch der Außenpolitik. Von Afghanistan bis Zypern“, Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH 2001, München, Wien Oldenbourg, S.96.

[2] Vgl. Bellers, Jürgen, a.a.O., S.96.

[3] Kimmel, Adolf „Die Verfassungen der EG-Mitgliedstaaten“, DTV Würzburg, 3.Auflage 1993, S.416 ff.

[4] Vgl. Handelskammer Hamburg, Link: http://www.hk24.de/HK24/HK24/produktmarken/index.jsp?url=http%3A//www.hk24.de/HK24/HK24/produktmarken/international/investitionen_im_ausland/laenderinformationen/grossbritannien-hk24.jsp , 11.01.2003.

[5] www.wissen.de

[6] Vgl. Bellers, Jürgen, a.a.O., S.96.

[7] Bellers, Jürgen, a.a.O., S.102.

[8] Vgl. Bellers, Jürgen, a.a.O., S.96.

[9] Vgl. DTV-Atlas Weltgeschichte, Band 2 „Von der frz. Revolution bis zur Gegenwart“, DTV- GmbH, 31. Auflage Mai 1997, S.424.

[10] Vgl. DTV-Atlas, a.a.O., S.448.

[11] Bellers, Jürgen, a.a.O., S.96.

[12] Vgl. Bellers, Jürgen, a.a.O., S.97.

[13] Vgl. Microsoft Encarta 98 „Washingtoner Konferenz“.

[14] Vgl. DTV-Atlas, a.a.O., S.413.

[15] Vgl. Bellers, Jürgen, a.a.O., S.98.

[16] Vgl. DTV-Atlas, a.a.O., S.448.

[17] Vgl. DTV-Atlas, a.a.O., S.448.

Details

Seiten
21
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638398640
ISBN (Buch)
9783638790734
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v41641
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,3
Schlagworte
Außenpolitik Großbritanniens Vergleichende Analyse

Autor

Zurück

Titel: Die Außenpolitik Großbritanniens zwischen 1917 und 1997