Lade Inhalt...

Die Familienkonstellation in Schillers "Die Braut von Messina". Fragmentierung und Untergang einer Herrschergenealogie

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 19 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Fragmentierung der Familie
2.1 Zum Geleit: Inzest und Flüche in Schillers Drama
2.2 Die Rolle des Fürsten
2.3 Donna Isabella – Unschuldige Mutter oder Wiege des Bösen?
2.3.1 Heimlichkeit und Fluch des Fürsten
2.3.2 Das Verhältnis Donna Isabellas zu ihren Söhnen
2.4 Die Rolle der Kinder
2.4.1 Bruderzwist und Geschwisterinzest
2.4.2 Neid, Hass und Eifersucht – Die Rolle des Don Cesar
2.4.3 Beatrice – Titelheldin oder Spielball der Männlichkeit?

3 Fazit

4 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Mit seiner Tragödie Die Braut von Messina unternahm Friedrich Schiller ein dramatisches Experiment. Das 1803 fertiggestellte Werk entstand in Anlehnung an die antiken Tragödien. Schiller folgte der Bestrebung einen „Wettstreit mit den alten Tragikern [zu] versuchen“[1] und orientierte sich dabei vor allem an der „strengen Form“[2] der antiken Vorbilder. Was Schiller mit der antiken Strenge assoziierte, kann anhand eines Briefes an Iffland vom 24.02.1803 verdeutlicht werden. Demnach komme sein Werk formal den alten Tragödien nahe, denn er verwende „eine einfache Handlung, wenig Personen, wenig Ortveränderung, eine einfache Zeit von einem Tag und einer Nacht, vornehmlich aber der Gebrauch des Chors, so wie er in der alten Tragödie vorkommt.“[3] Schiller, der keine Nachahmung vorliegender antiker Tragödienstoffe initiieren wollte, sondern den Versuch – und dabei kommt seine Gesinnung als Denker der Weimarer Klassik zum Vorschein[4] – einer Verbindung antiker und moderner Elemente zu unternehmen suchte, agierte entgegen des zeitgenössischen Theatergeschmacks.

Sein Publikum interessierte sich lediglich für das „Vergnügen des Zuschauers“[5] und verstand die Kunst nicht, wie es in der Antike der Fall war, als zentrales, politisches, soziales und individuelles Selbstverständigungsmedium. Es erscheint daher nicht verwunderlich, dass die Wirkung der Uraufführung Der Braut von Messina, die am zweiten April 1803 abgehalten wurde, zwiegespalten war.[6] Ein mäßiger Erfolg ließ sich vor allem bei der Hofgesellschaft verzeichnen, die pikiert bezüglich des prekären Inhalts des Dramas reagierte.

Ins Zentrum der tragischen Handlung setzt Schiller die Herrscherfamilie Messinas, die im Dramenverlauf durch Verfluchung, Inzest und Mord bis zum Zerfall des eigenen Geschlechts fragmentiert wird. Wie äußert sich die Fragmentierung innerhalb des Dramas und welche Figur oder Instanz des trägt die Schuld für das Auseinanderfallen der Familie?[7] Die vorliegende Seminararbeit leistet einen Beitrag zur Beantwortung dieser Fragen und legt den Fokus innerhalb des Schiller’schen Dramas auf die Fragmentierung des Herrschergeschlechts in Messina. Ihr liegt die Annahme zu Grunde, dass die Herrscherfamilie durch ihr eigenes Verschulden Stück für Stück auseinanderbricht, somit der völligen Auslöschung näherkommt und letztendlich sich selbst vernichtet. Jedes Familienmitglied leistet dabei seinen Beitrag und fragmentiert jeweils einen Teil der eignen Familie.

Die vorliegende Ausarbeitung entstand im Kontext des Proseminars „Fragmentierte Familien“, das im Wintersemester 2016/2017 an der Ludwig-Maximilians-Universität München abgehalten wurde und ist angeregt durch aktuelle Forschungsergebnisse, die zu dem thematischen Schwerpunkt der Fragmentierung bedauerlicherweise lediglich in geringem bis keinem Umfang vorhanden sind. Ergebnisse zu anderen Aspekten des Dramas liefern jedoch einen wichtigen Beitrag zur Bearbeitung des Fragmentierungsmotivs.[8] Die Ausarbeitung fußt vor allem auf den Forschungsergebnissen von Matthias Buschmeier und Claudia Benthien. In seinem Aufsatz über die Familien-Ordnung am Ende der Weimarer Klassik fragt Buschmeier nach dem Zusammenhang von genealogischen und politischen Konstellationen mit der Poetik der Tragödie. Dabei verbindet er Schillers und Goethes Dramen, die die Umwälzungen um 1800 als Scheitern genealogischer Herrschaftslegitimation beschreiben. Den Untersuchungen zufolge befinden sich Schillers späte Dramen auf der Höhe des Klassizismus.[9] Claudia Benthien versucht hingegen in ihrer Untersuchung über das Tribunal der Blicke die Tragödie um 1800 mittels der Scham- und Schulddynamik zu interpretieren. Das Buch ist in einen kulturtheoretischen und einen dramenanalytischen Teil gegliedert. Für die vorliegende Ausarbeitung ist vor allem der zweite Abschnitt des Buches bedeutsam, da vier Trauerspiele von Heinrich von Kleist und Friedrich Schiller, unter anderem die Tragödie Die Braut von Messina, einer modellhaften Analyse unterzogen wurden. Benthien liefert in diesem Zusammenhang grundlegende Informationen über die Familienkonstellation, den Bruderhass und die Fluchdynamik innerhalb des Werkes. Ihre Ausführungen liefern somit, gewollt oder ungewollt, eine solide Grundlage zur Beantwortung der Fragmentierungsfrage im Schiller’schen Drama.[10]

2 Fragmentierung der Familie

In seinem Trauerspiel Die Braut von Messina baut Friedrich Schiller auf mehreren Ebenen Aspekte familiärer Fragmentierung ein. Entsprechende Passagen des Dramas lassen sich einerseits sehr deutlich herausarbeiten. Es ist beispielsweise offensichtlich, dass die Familie mit dem Ableben des Familienoberhauptes, des Fürsten von Messina, noch vor Beginn der dramatischen Handlung fragmentiert wurde.[11] Auch die erneut aufflammende Auseinandersetzung zwischen den Söhnen des Fürsten, Don Manuel und Don Cesar, die das Land in einen blutigen Bürgerkrieg stürzt, lässt eindeutig einen Zerfall des Fürstenhauses erkennen. Andererseits lassen sich jedoch auch versteckte Hinweise auf ein Auseinanderbrechen des Herrschergeschlechts und somit dessen Fragmentierung aufzeigen. Diesbezüglich sind vor allem zwei Motive, die Inzest- und Fluchkonstellation innerhalb der fürstlichen Linie, hervorzuheben. Im Folgenden soll eine Analyse des Schiller’schen Dramas auf der Ebene der Familienfragmentierung vorgenommen werden. Hierbei sind die unterschiedlichen Rollen der einzelnen Familienmitglieder zu beleuchten, um abschließend gegebenenfalls die Schuldfrage zu klären. Bevor die Analyse des Werkes stattfindet, sind jedoch grundlegende Informationen bezüglich des Inzest- und Fluchmotivs in Schillers Tragödie erforderlich.

2.1 Zum Geleit: Inzest und Flüche in Schillers Drama

Die Braut von Messina ist vorrangig durch zwei dramatische Motive charakterisiert. Innerhalb des Handlungsverlaufs kommen, auf verschiedenen Ebenen, jeweils drei inzestuöse Beziehungen und Verfluchungen zum Vorschein, die zum Voranschreiten der Familienfragmentierung führen. Eine detaillierte Auseinandersetzung mit diesen Motiven folgt in der anschließenden Analyse. An dieser Stelle soll zunächst die Frage erläutert werden, warum sich Schiller dieser Motive bediente.

Michael Titzmann fand, anhand seiner Untersuchung zur inzestuösen Situation in der Literatur im 18. und 19. Jahrhundert, heraus, dass diese literarische Zeitspanne durch ein generelles Interesse am thematischen Bereich des Inzests gekennzeichnet war. Es scheint sogar, als habe „die Ausgestaltung inzestuöser Situationen in der Literatur [selten] eine größere Faszination ausgeübt […], als in jener Zeit“.[12] Titzmann kommt zu dem Ergebnis, dass die literarische Auseinandersetzung mit dem Inzestmotiv seit den 20er Jahren des 18. Jahrhunderts einen deutlichen, geradezu sprunghaften Anstieg zu verzeichnen hatte. Unter den angeführten beispielhaften Werken findet sich unter anderem auch Die Braut von Messina wieder.[13] Schiller griff mit dem Inzestmotiv also einen etablierten dramatischen Aspekt auf und potenzierte ihn in dreifacher Hinsicht. Doch was macht das Interesse am Inzestuösen aus?

Inzestuöse Beziehungen wurden seit jeher, mit wenigen Ausnahmen[14], als „etwas Unerhörtes, ein Monstrum, eine Übertretung, die Abscheu und Schrecken verbreitet“[15] angesehen. Ein festgeschriebenes Inzestverbot gab es jedoch de facto nie. Es ist ein gesellschaftliches Tabu, das nicht vorkommt beziehungsweise nicht vorzukommen hat. Sollte es dennoch auftreten, sind negative Sanktionen zu erwarten. Das Besondere am Inzest, was für Schiller wahrscheinlich auch Anreiz für eine Auseinandersetzung mit dem Thema war, ist die Verbindung der Universalität der Natur mit der Normativität der Kultur, also die Verbindung der natürlichen Ebene der Triebe und Instinkte mit dem zwingenden Charakter der Gesetze und Institutionen. Levi-Strauss zu Folge bildet das Inzestverbot eine soziale Grundlage, die als einzige unter allen gesellschaftlichen Regeln zugleich den Charakter der Universalität besitzt.[16]

Schlussendlich kennzeichnet der Inzest für Schiller die Entfaltung eines Familien- und Sozialisationskonfliktes. Im späten 18. Jahrhundert entwuchs Politisches vermehrt dem privaten Raum. Familiäre Gemeinschaften provozierten durch ihr Beziehungsgeflecht, die fehlende Außenorientierung und der damit verbundenen Reduktion des Geschlechts auf eine wenige Mitglieder beschränkte bürgerliche Kern- und Kleinfamilie die Übertretung der tabuisierten Inzestschranke.[17] Diese Diskrepanz ist auch in Die Braut von Messina sichtbar. Sowohl die Brüder, als auch Isabella agieren auf der Basis einer zwiespältigen Handlungsmotivation.[18] Einerseits repräsentieren sie auf einer politischen, öffentlichen Ebene das Herrschergeschlecht Messinas und sind diesbezüglich in gewisse Aufgaben eingebunden. Ihre wichtigste politische Funktion, die Schutzfunktion gegenüber ihrem Volk, gewährleisten sie jedoch nur mangelhaft.[19] Andererseits werden die Figuren von Motiven auf privater Ebene geleitet, die ausnahmslos ihrem natürlichen Triebverhalten entspringen und den politischen Beweggründen wiedersprechen.[20]

Neben dem Inzestmotiv verwendet Schiller auch zahlreiche Flüche, die sich gegenseitig bedingen und potenzieren. Grund und Folge dieser Flüche sind Verstöße gegen die genealogische Ordnung. Ausgelöst wird die Kettung von Flüchen durch den Urahnen des Herrschergeschlechts. Er spricht, nach dem Raub der eigenen Gattin durch seinen Sohn, einen Geschlechterfluch aus. Dieser „genetische Defekt“[21] stellt die Bedingung für die künftigen Verfluchungen und führt letztlich zu Geschwisterinzest, Brudermord und Selbstzerstörung des eigenen Geschlechts.[22]

Über die Gründe für Schillers Gebrauch der Motive lässt sich faktisch nur mutmaßen. In Anlehnung an seine philosophischen Schriften erscheinen die vorangegangen Ausführungen allerdings sehr plausibel. Schiller war bestrebt die ästhetische Illusion des zeitgenössischen Theaters zu zerstören. Menschen sind nicht in der Lage ihr eigenes Schicksal zu verändern und können diesem nicht entgehen, wenn sie sich nicht ihrer ästhetischen Vernunft bedienen und nur ihrem Triebverhalten folgen. Die Braut von Messina veranschaulicht den selbst initiierten Untergang des Herrschergeschlechts, der aus einem rein affektbestimmten Verhalten der Familienmitglieder resultiert. Die Figuren sind unfähig, sich ihrer Vernunft zu bedienen und richten sich damit selbst zu Grunde.[23]

2.2 Die Rolle des Fürsten

Die elterliche Beziehung zwischen Messinas Fürsten und Donna Isabella entspringt einem „frevelnd[24] Ehebett“[25], das eine inzestuöse Beziehung offenbart. Isabella war eigentlich dem Vater des Fürsten versprochen. Der Chor macht, als Instanz einer „idealen Person“[26], die durch Überlegenheit gegenüber den handelnden Personen gekennzeichnet ist, diesen Umstand deutlich. Nachdem Don Manuel dem ihn zugeschriebenen Chor-Part seinen Frauenraub – er entführt seine Geliebte einvernehmlich aus dem Kloster in dem sie aufwuchs – und die anstehende Verlobung mit seiner Dame offenbart, wird „Dieser Ehe segenlose Bund, / […] Dieses Klosterraubs verwegne Tat“[27] mit dem „Raub“ des „alten Fürsten ehliches Gemahl“[28] verglichen.[29]

Mit seinem Brautraub begeht Messinas Fürst jedoch nicht nur eine Missetat gegen seinen Vater, den Urahn seiner Familie, sondern auch gegen seine künftigen Kinder, da er durch sein Verhalten den Großvater von der Familie isoliert. De facto stellt diese Isolation auch die erste Instanz einer Familienfragmentierung dar. Beschämt, in seiner Männlichkeit verletzt und durch Zorn geleitet, schüttet der Vater „Grauenvolle Flüche schrecklichen Samen / Auf das sündige Ehebett“[30] seines Sohnes. Die väterliche Entblößung der Männlichkeit sieht Claudia Benthien sogar als eine symbolische Kastration, die zur „sexuellen Depotenzierung“[31] führe. Die heraufbeschworene Missgunst des Urahnen, der sich durch den Brautraub auch in seiner patriarchalen Vormachtstellung einer Bedrohung ausgesetzt sieht, wird in Form eines Familienfluches die tragischen Ereignisse im Drama initiieren. Als Folge dieses Ahnenfluches erwächst aus „unbekannt verhängnisvollem Samen“[32] die Zwietracht zwischen Don Cesar und Don Manuel sowie die inzestuöse Beziehung zwischen den Geschwistern.[33] Es entsteht ein Generationen übergreifender „Scham-Schuld-Zyklus“[34], durch den Feindschaft, Hass und unkontrollierte Affekte bedingt werden.

Vor den Folgen des Fluches versucht der Fürst sich und sein Geschlecht mit allen Mitteln zu schützen und macht dabei auch keinen Halt vor dem Gebrauch des männlichen Kindesmordgebotes.[35] Nachdem ein „seltsam wunderbarer Traum“[36] von einem arabischen Orakel in die Richtung gedeutet wurde, dass eine weibliche Nachfahrin dem Fürsten „Die beiden Söhne [töten] und sein ganzer Stamm/ Durch sie vergehn“[37] werde, nutzt der Fürst besagtes Gebot und gibt den „grausamen/ Befehl, die neugeborene/ Ins Meer zu werfen.“[38] Er fragmentiert also in einer zweiten Instanz seine eigene Familie. Es bleibt seinen Augen jedoch verborgen, dass ihn seine Gattin hintergeht und die gemeinsame Tochter rettet.

[...]


[1] Barone, Paul (2004): Schiller und die Tradition des Erhabenen, Erich Schmidt: Berlin, S. 323.

[2] Benthien, Claudia (2011): Tribunal der Blicke. Kulturtheorien von Scham und Schuld und die Tragödie um 1800, Böhlau: Köln [u.a.], S. 167.

[3] Barone, Schiller und die Tradition des Erhabenen, S. 323.

[4] Die zentrale Frage der Weimarer Klassik ist: Wie lassen sich Antike und Moderne miteinander vermitteln, obwohl beide eine tiefe, sich weiter öffnende Kluft trennt? (Vgl. Buschmeier, Mathias (2008): Familien-Ordnung am Ende der Weimarer Klassik. Zum Verhältnis von Genealogie, Politik und Poetik in Schillers 'Die Braut von Messina' und Goethes 'Die natürliche Tochter', in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte, Hf. 82 (1), S. 26-57, hier S. 28).

[5] Ebd. S. 27.

[6] Auch die Rezeption Schillers ist seit seinen Lebzeiten zweigeteilt. Einerseits glorifizierte und erhob man Schiller zum Säulenheiligen und zur nationale Identifikationsfigur, die sich auf dem Sockel von Denkmälern wiederfand und ins Zentrum einer theatralischen Festkultur rückte. Andererseits wurde er seit der Romantik zur Zielscheibe von Spott, der vorrangig durch seinen forcierten Pathos und sein emphatischen Idealismus hervorgerufen wurde (vgl. Schiller: Sasse Günter [Hrsg.] (2005): Schiller. Werk-Interpretationen, Universitätsverlag Winter: Heidelberg, S. 7 f.).

[7] Auf die Frage der Schuld wird in dieser Seminararbeit nur bedingt eingegangen. Für eine dezidierte Bearbeitung dieses thematischen Schwerpunkts siehe Carruth, W. H. (1902): Fate and Guilt in Schiller's Die Braut von Messina, in: PMLA, Hf. 17 (1) (1902), S. 105-124.

[8] Informationen zum aktuellen Forschungsstand zur Tragödie finden sich bei Claudia Benthiens Forschungsbericht zum aktuellen Tragödiendiskurs (vgl. Benthien, Claudia (2012): Ethos, Pathos, Ideologie – ein Forschungsbericht zum aktuellen Tragödiendiskurs, in: IASL, Hf. 37(2), S. 411-461).

[9] Vgl. Buschmeier, Familien-Ordnung, S. 26-57.

[10] Vgl. Benthien, Tribunal der Blicke.

[11] Schiller, Friedrich [Mit Anm., Literaturhinweisen und Nachwort; hrsg. v. Matthias Luserke-Jaqui] (2015): Die Braut von Messina oder Die feindlichen Brüder. Ein Trauerspiel mit Chören, Ditzingen: Reclam, V. 13-15: „Nicht zweimal hat der Mond die Lichtgestalt/ Erneut, seit ich den fürstlichen Gemahl/ Zu seiner letzten Ruhestätte trug […].“

[12] Denneler, Iris (1996): Die Kehrseite der Vernunft. Zur Widersetzlichkeit der Literatur in Spätaufklärung und Romantik, Wilhelm Fink: München, S. 44.

[13] Neben der Braut von Messina führt Titzmann Titel wie Tiecks Blonder Eckbert, Lessings Nathan der Weise, Schillers Don Carlos oder Fouques Der Zauberring an (Vgl. Denneler, Die Kehrseite der Vernunft, S. 44).

[14] Zu nennen ist beispielsweise das alte Ägypten, in dem es erstrebenswert war sich im Kreise der Familie fortzupflanzen, um eine besondere Reinheit des eigenen Geschlechts gewährleisten zu können, was faktisch – so zeigt es die moderne Medizin – jedoch eher kontraproduktive Auswirkungen mit sich zieht.

[15] Lévi-Strauss, Claude [übers. v. Eva Moldenhauer] (1981): Die elementaren Strukturen der Verwandtschaft, 1. Aufl., Suhrkamp: Frankfurt am Main, S. 55.

[16] Vgl. ebd., S. 45-55.

[17] Vgl. Denneler, Kehrseite der Vernunft, S. 52.

[18] Vgl. Lange, Sigrid (1993): Die Utopie des Weiblichen im Drama Goethes, Schillers und Kleists, Lang: Frankfurt am Main [u.a.], S. 129.

[19] Der brüderliche Streit projiziert sich auf die Gesamtbevölkerung Messinas und artet in einen blutigen Bürgerkrieg aus. Die Ältesten der Stadt sind nicht mehr gewillt das Schauspiel weiter tatenlos zu betrachten und drängen ihre Regentin Isabella zu einer Versöhnung ihrer Söhne. Sollte es ihr nicht möglich sein die Brüder zu vereinen, könnten sich die Bürger Messinas auch einem anderen Fürsten unterwerfen (Vgl. Schiller, Braut von Messina, V.63-74).

[20] Anzuführen sind beispielsweise die leidenschaftliche Verbindung der Brüder zu ihrer Mutter beziehungsweise ihrer Schwester Beatrice. Außerdem lassen sich auch triebgeleitete Verhaltensweisen bei Isabella und Beatrice nachweisen. Messinas Fürstin intrigiert zum Beispiel gegen ihren Gatten aus einem natürlichen Mutterinstinkt heraus, der ihre die Rettung ihres Kindes vorschreibt. Beatrice hingegen lässt sich durch ihr Lust- und Triebverhalten sowohl auf die Beerdigung ihres Vaters, unwissend über die familiäre Verbindung zu jenem, als auch durch Don Manuel aus dem göttlichen Kloster entführen.

[21] Buschmeier, Familien-Ordnung, S. 30.

[22] Vgl. ebd.

[23] Vgl. Daemmrich, Horst S. (1967): The Incest Motif in Lessing's "Nathan der Weise" and Schiller's "Braut von Messina", in: Germanic Review, 42 (3), S. 184-196, hier S. 190 f.

[24] Einen Frevel kennzeichnet den Verstoß gegen die göttliche oder menschliche Ordnung aus bewusster Missachtung, Auflehnung oder Übermut.

[25] Schiller, Braut von Messina, V. 962.

[26] Schiller betitelt in seiner Vorrede Über den Gebrauch des Chors in der Tragödie den Chor als „ideale Person“. Der Chor ist gegenüber den anderen Figuren überlegen. Schiller hat dem Chor einen doppelten Charakter zugeschrieben. Einerseits sieht der Chor die Ereignisse aus einer zuschauerähnlichen Perspektive und ist somit im Bilde über sämtliche Ereignisse, die an den handelnden Figuren im Drama vorbeigehen. Andererseits agiert der Chor als selbsthandelnde Person und stellt dabei die „Blindheit, Beschränktheit, dumpfe Leidenschaftlichkeit der Masse“ dar (zitiert nach: Schiller, Braut von Messina, S. 162).

[27] Schiller, Braut von Messina, V. 955-957.

[28] ebd., V. 960 f.

[29] Vgl. Denneler, Die Kehrseite der Vernunft, S. 51; zudem: Wittkowski, Wolfgang (2012): Die Braut von Messina: Die Arroganz der Macht, in: Wittkowski, Wolfgang/ Kufner, Stephanie (Hrsg.): Schiller. Ethik, Politik und Nemesis im Drama, Peter Lang: Frankfurt am Main [u.a.], S. 373-394., hier S. 381.

[30] Schiller, Braut von Messina, V. 964-966.

[31] Benthien, Tribunal der Blicke, S. 172.

[32] Schiller, Braut von Messina, V. 24

[33] Vgl. Endres, Johannes (2000): ‚Nathan’ entzaubert. Kontinuität und Diskontinuität der Aufklärung in Schillers ‚Die Braut von Messina’, online zuletzt abgerufen unter: http://www.goethezeitportal.de/db/wiss/schiller/braut_endres.pdf (13.03.2017), S. 13; außerdem: Benthien, Tribunal der Blicke, S. 171 f.

[34] Benthien, Tribunal der Blicke, S. 171.

[35] Dass Kindesmord ist ein traditionelles Mittel zur Wahrung der genealogischen Ordnung. Ein Blick auf die griechische Mythologie sowie das Alte und Neue Testament offenbaren bereits eine Gefährdung der eigenen genealogischen Folge durch die negativen Folgen einer Missachtung des Gebots (vgl. dazu Wittkowski, Die Braut von Messina: Die Arroganz der Macht, S. 386).

[36] In seinem Traum sieht der Fürst „Zwei Lorbeerbäume wachsen, ihr Gezweig / Dicht in einander flechtend – zwischen beiden / Wuchs eine Lilie empor – Sie ward / Zur Flamme, die der Bäume dicht Gezweig / Und das Gebälk ergreifend prasselnd aufschlug, / Und um sich wütend, schnell, das ganze Haus / In ungeheurer Feuerflut verschlang“ (Schiller, Braut von Messina, V. 1309-1315).

[37] Schiller, Braut von Messina, V. 1319-1324.

[38] Ebd., V. 1325-1327.

Details

Seiten
19
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668660182
ISBN (Buch)
9783668660199
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v415999
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,0
Schlagworte
Schiller Braut von Messina Familienkonstellation Fragmentierung Inzest

Autor

Zurück

Titel: Die Familienkonstellation in Schillers "Die Braut von Messina". Fragmentierung und Untergang einer Herrschergenealogie