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Die Farbe in Dürers Malerei. Drei Werke zu Beginn des 16. Jahrhunderts

Hausarbeit 2017 21 Seiten

Kunst - Kunstgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biografie Albrecht Dürer

3. Themen und Ikonografie in Werken Dürers

4. Technik, Material, Farbe

5. Ausgewählte Werke Dürers und ihre Farbigkeit
5.1. Die vier Apostel, 1526
5.2. Das Allerheiligenbild, 1511
5.3. Die Anbetung der Könige, 1504

6. Fazit

7. Bibliografie

8. Bildanhang

9. Bildnachweis

1. Einleitung

Der Name Albrecht Dürer (Abb.1) (1471-1528) wird wohl fast jedem bekannt sein. Er hat die Kunst seiner Zeit so geprägt, dass man schon lange nicht mehr von einer „deutschen Renaissance“, sondern von der „Kunst der Dürerzeit“ spricht. Er ist in seiner Kunst so reich und vielfältig angelegt und dem Leben zugewandt. Er blieb durch alle Jahrhunderte im Gedächtnis der Menschen, und seine Wirkung auf die Künstler und auf die gesamte geistige Welt des Abendlandes hat keinen Augenblick ausgesetzt.[1] Dies sind einige Gedanken, mit denen Franz Winzinger sein Buch über Dürer einleitet. Mit diesen Gedanken spielt er schon auf die die Bedeutung dieses großen Künstlers an. In seiner Schaffenszeit steht er um 1500 mitten in der Renaissance, hat allerdings noch die Lehre der Spätgotik inne. Namensgebend für diese Zeit ist der von Wilhelm Pindar geprägte Name „Dürerzeit“.[2] In ihr würde vor allem Malerei, Grafik, Bildschnitzerei und Steinplastik mit Vorliebe als künstlerisches Mittel benutzt. Neben Dürer wirken in dieser Zeit Künstler, wie Mathias Grünewald, Lucas Cranach und Albrecht Altdorfer.[3] Neben seinen Zeitgenossen gehört Dürer zu denjenigen, die man nicht zuerst mit Malerei verbindet. Im Bereich der Grafik und Druckgrafik hat er sich bis an die Spitze gebracht, denkt man an Werke wie „Die Apokalypse“ 1497 (Abb.2) oder „Melancolia I“ 1514 (Abb.3). Nach Lorenz Dittmann soll er sogar Probleme mit der Farbgestaltung gehabt haben, trotz seiner bedeutenden Werke in der Malerei.[4] Im Rahmen des Seminars zur Farbe in der Malerei habe ich mich vor allem auf Dittmann gestützt und seine Ausführung wie Dürer versucht diese Probleme in der Farbigkeit zu beheben. In der Hausarbeit möchte ich mich allerdings, nach allgemeinen Aussagen über die Ikonografie, Technik und Material in seiner Malerei, eher auf ausgewählte Werke beschränken und dessen Farbigkeit, sowie den Aufbau des Bildes und die Beziehungen der Farben zu den Figuren beschäftigen. Desweiteren soll aufgezeigt werden, in wie weit sich Dürers Malerei im Laufe seiner Schaffensjahre verändert, ausgelöst durch Reisen, Bekanntschaften oder eigene Ambitionen.

2. Biografie Albrecht Dürer

Wie bereits erwähnt befand sich Dürer in einem Abschnitt der Renaissance. Er war nicht nur deutscher Maler und Zeichner, sondern versuchte sich auch als Holz- und Kupferstecher und sogar Kunstphilosoph. Geboren wurde Dürer am 21.Mai 1471 in Nürnberg, wo er auch am 6. April 1528 verstarb.[5] In Nürnberg hatte er die meiste Zeit seines Lebens verbracht, bis auf einige Malreisen. Vorerst ging er mit 15 Jahren in die Lehre bei dem Kunstmaler Michael Wohlgemut, nachdem sich schon früh sein zeichnerisches Talent herausgestellt hatte. 1490-94 wanderte er am Rhein entlang, wohnte an verschiedenen Orten oder Arbeitete in Werkstätten. Nachdem er in seiner ersten Malreise Zeit hatte, sein künstlerisches Wissen anzuwenden, kehrte er nach Nürnberg zurück und heiratete Agnes Fray (Abb.4). Die Beziehung der beiden kann man nicht gerade als liebevolle Ehe bezeichnen, viel mehr diente sie zum Zweck. Die Mitgift seiner Frau verschaffte es Dürer, sich als Maler selbstständig zu machen. Nachdem er einige Jahre Auftragsarbeiten ausgeführt hatte, hatte er nun das Mittel des Druckes entdeckt, mit dem sich seine Werke zahlreich vervielfachen konnten. Somit war ihm das finanzielle Einkommen und künstlerische Freiheit gesichert. 1505 reiste er nach Italien. Dort entstand die Auftragsarbeit „Das Rosenkranzfest“ 1506 (Abb.5). Den folgenden Jahren in Nürnberg widmete er nicht nur zahlreichen Werken, sondern auch der Politik. So gelang ihm die Aufnahme in den Stadtrat und der Kontakt zu Kaiser Maximilian I. Seine letzte Reise unternahm Dürer 1520-21 in die Niederlande. Dort schätzte man ihn genauso wie in Deutschland. Betrachtet man schlussendlich die Bandbreite von Themen mit denen sich Dürer auseinander setzte, so zeigt sich seine Vielfältigkeit. Angefangen bei Werken zur Perspektive und den Maßen des menschlichen Körpers in seinem Werk „Underweysung“ (Abb.6), fertigte er zahlreiche Detailstudien an. Bekannt ist er für viele seiner religiösen Themen aus dem Alten und Neuen Testament, zu Heiligenlegenden und dem Marienleben. Nicht zu vergessen erinnert man sich auch an seine Werke über Tiere und Pflanzen, welche er teilweise aus Erzählungen heraus auf das Papier brachte und bis heute noch bestaunt werden, wegen seiner Realitätsnähe.

3. Themen und Ikonografie in Werken Dürers

Betrachtet man die Werke Dürers, so zeigt sich nicht nur das breite Thema der sakralen Malerei, welches für die Malerei der damaligen Zeit typisch war. Die Werke wurden für öffentliche oder Private Andacht in Auftrag gegeben. Daneben zeigt sich allerdings auch noch der Themenkreis der Bildnismalerei.[6] Durch Gemälde mit nichtreligiösem Inhalt bricht Dürer gelegentlich aus der Erwartung eines zeitgenössischen Malers, brachte allerdings auch neue Möglichkeiten der Themenwelt in der deutschen Malerei und somit einen Fortschritt. Eine weitere Neuerung die Dürer mit sich brachte war das Malen nicht nur nach Auftrag, sondern auch auf Vorrat, welche er dann frei verkaufen konnte. Diese Gemälde befassten sich stets mit Marienbildern oder Christusköpfen. Dürers sakrale Werke umfassen vor allem Andachtsbilder, mit meist nur einer

Figur, für den privaten Gebrauch. Neben Christi als Erlöser oder Dornengekrönten hat er in großer Anzahl Marienbilder gemalt. Heiligenbilder finden sich eher selten. Im Zentrum seiner Werke stehen sieben Altäre, welche Themen aus der gesamten christlichen Ikonografie zeigen. Die Doppeltafel mit den vier Aposteln (Abb.7), welche im Späteren noch weiter erläutert wird, gehört neben der von Adam und Eva zu den Bildern welche nicht mehr zu der religiösen Malerei zählen. Sucht man Themen aus dem Alten Testament, so ist bei Dürer nur ein Werk zu finden: „Loth flieht mit seiner Familie aus Sodom“. Diese befindet sich auf der Rückseite eines Werkes zur Menschwerdung Christi. Es ist die erste Darstellung dieses Themas in der Tafelmalerei.[7] Die Werke mit Themen des neuen Testaments dagegen sind zahlreich. Dürer beschäftigte sich mit dem Leben Christi und Mariae, sowie der Kreuzigung, Auferstehung und mariologischen Themen. Wie bereits erwähnt durchbricht Dürer einige Male seine selbst gelegten Grenzen der sakralen Themen. Auch Mythologie und Allegorie beeinflussen ihn, so z.B. Herkules. Auch suchte er Möglichkeiten in denen er sich an der Darstellung menschlicher Proportionen versuchen konnte, wie bei „Lukretia“ (Abb.8).[8] Eine weitere Möglichkeit Individualität mit einzubringen ist die Bildnismalerei, d.h. die Wiedergabe der individuellen Züge eines Menschen. Die Gemalten werden als Portrait im Profil oder Halbprofil dargestellt. Oft zeigte sich die Darstellungsweise eines Diptychons, wie sie auch bei Dürer in fünf Fällen zu finden ist. Meist findet man in Dürers Portraits die Dreiviertelstellung vor einfarbigem Hintergrund, die Hände beieinander. Auch sich selbst, sowie seinen Vater hat er in dieser Weise portraitiert.[9] Zum Ende des 15. Jahrhunderts ändert sich diese Darstellungsweise. Die frontale Stellung wird eingeführt mit aufliegenden Unterarmen am Bildrand, sowie einen Landschaftsausblick als Hintergrundgestaltung. Später wird dieser durch eine Wand mit Vorhang abgeschlossen und das Portrait auf den Kopf beschränkt. Zum Abschluss seiner Schaffensjahre ist die Ikonografie seiner Porträtmalerei nicht mehr einheitlich. Schlussendlich lässt sich in den Werken Dürers bis 1500 durch ikonografische Untersuchungen ein Einfluss niederländischer Kunst erkennen, wie schon der Kunsttheoretiker Erwin Panowsky (1892-1968) feststellte.[10] Ab 1505 war sein eigener Stil dahingehend ausgereift, dass er sich entschloss, sich hauptsächlich der italienischen Ikonografie zu widmen. Sein Spätwerk dagegen ist geprägt von der Abkehr der allgemeinen Ikonografie und dem Fokus auf das Individuum.

4. Technik, Material, Farbe

Dürers Grundprinzipien in der Maltechnik lassen sich nach genauer Betrachtung der Gemälde schon erkennen. Neben detailreichen Vorstudien, welche in etwa schon die gleiche Größe wie in dem späteren Gemälde besitzen, ist für Dürer eine sorgfältige Auswahl und Ausführung der Farben besonders wichtig. Zudem bereitete er die Kompositionen genauso vor. Dies zeigt, dass Dürer zu den Künstlern gehörte, welch ihre Werke vorher Tagelang genau planten und sich nicht von Spontanität am Werk leiten ließ. Dazu passt die bei Holtafelgemälden verwendete Maltechnik der Schichtmalerei.[11] Hierbei wird zuerst ein Kreidegrund auf die Tafel aufgetragen, der danach geglättet und geschliffen wird. Nun kann die Vorzeichnung aufgetragen werden. Diese wurde entweder mit Pinsel, Feder oder auch Kreide ausgeführt, wobei Dürer bei kleineren Werken auf eine Vorzeichnung verzichtete. Nach Anzelewsky zielt Dürers Malerei vor allem auf Plastizität. Dies schafft er, in dem er seine Werke mit neutraler Farbe untermalt und dabei die Hell- und Dunkelwerte schon festlegt und im gleichen Stadium schon Figuren und Gewänder modelliert. Für die Untermalung verwendete er entweder ein kühles Grau oder wärmere Brauntöne, je nach Farbcharakter des Bildes. Wenn Dürer sich nun im nächsten Schritt dem Gemälde widmet, beginnt er mit dem Hintergrund, welcher in gleichgültigen Farben gestaltet ist, um danach die Figuren farblich anzupassen. Dürer trägt hier die Farbe wechselnd entweder deckend oder durchscheinend auf. Ungewöhnlich ist, dass z.B. im Werk „Salvator mundi“ (Abb.9) Partien der Vorzeichnung sichtbar sind, wobei es sich allerdings auch um Fehler in der Restauration handeln könnte. Das Dürer vor allem als Zeichner bekannt ist, kann man auch in seinen Gemälden wiedererkennen. Oft setzte er in seinen Frühwergen bestimmte Konturen durch schwarze oder dunkelbraune Konturen ab oder setzte Striche in die Masse der Haare. Diese zeichnerischen Elemente verschwinden immer mehr in seinem Spätwerk. Ansonsten änderte sich Dürers Maltechnik im Laufe der Jahre nur wenig. In seinem Werk „Glimmsche Beweinung“ zeigt sich eine andere Technik, die „Al prima“ Technik, welche sich der rosa und hellblauen Berglandschaft zeigt.[12] Betrachtet man die Oberfläche seiner Werke, so kann man nur noch an wenigen unbeschädigten Werken die emailartige Glätte erkennen. Diese und die transparente Farbe bekam er durch die Verarbeitung des Farbmaterials und dessen Aufbereitung. Trotz fehlender genauer Untersuchungen muss die Farbe besonders fein gestoßen und wahrscheinlich Nussöl aus Bindemittel verwendet worden sein. In Dürers Leinwandbildern lässt sich eine ebenso feine Materialverwendung und Malerei feststellen. Hier verwendete er die Temperatechnik auf feinen Leinwandtüchlein von ca. 0,3 mm Stärke, welche er mit Leim und Alaun grundierte. Auch hier erfolgte die Vorzeichnung mit dem Pinsel, dabei wurde gleich der Hintergrund getönt. Bei der Gestaltung des Bildes versetzte er seine Farbe mit Ei, bevor er seine Gemälde mit den Lokalfarben begann. Der Grund, warum eine große Anzahl von Werken Dürers auf Leinwand gefertigt wurden, ist allerdings nicht eine höherer Qualität, sondern die schnelle Bearbeitung. Die letzte Gruppe der Gemälde Dürers ist die Pergamentmalerei. Sie stehen in der Gestaltung der Zeichnung wieder sehr nah, trotzdem müssen sie zur Malerei gezählt werden. Bei diesen miniaturartigen Bildern, z.B. „die Blaurake“ (Abb.10) lehnt er sich an die niederländische Malerei des 15. Jahrhunderts an und verwendete ebenfalls Pinselgold, welches die Werke neben dem kostbaren Malgrund noch in ihrem Werk steigerte. Mit den passenden Worten Anzelewsky seine Ausführungen zur Technik und dem Material in Dürers Arbeit: „Dürer beherrschte alle maltechnischen Möglichkeiten seines Zeitalters von der Miniatur bis zum monumentalen Tafelgemälde meisterhaft und hat sie seinen künstlerischen Intentionen und den Wünschen der Auftraggeber angepaßt.“[13]

5. Ausgewählte Werke Dürers und ihre Farbigkeit

5.1. Die vier Apostel, 1526

Zur Bestimmung der Farbigkeit ist es notwendig, sich einmal einige Werke Dürers genauer anzusehen. Als erstes Beispiel soll hier das Diptychon „Die vier Apostel“ (Abb.7) aufgeführt werden. Geschaffen wurde das Werk 1526 als letztes großes Werk Dürers. Mit den Maßen 212,8 x 76,2 bzw. 212,4 x 76,3 cm befindet es sich heute als Eigentum der Wittelsbacher Landesstiftung in der Alten Pinakothek in München.[14] Dargestellt sind die vier Apostel auf Lindenholz, wobei die beiden Teile eine Einheit bilden. Unter den Heiligen sind Bibelzitate angebracht, mit welchen sie das Stadtregiment ermahnen. Links im Bild ist der jugendliche Johannes mit einem aufgeschlagenen Buch dargestellt. Dominant das Bild einnehmend zeigt er sich in einem weiten Mantel mit Blick in sein Buch. Dahinter ist, nur teilweise zu erkennen, der ältere Paulus mit seinem Schlüssel. Den Kopf hat er nach vorn geneigt. Dazu steht im rechten Bild Apostel Paulus mit Schwert und Buch, ebenfalls den größten Teil der Fläche einnehmend, in weitem Gewand. Er scheint Johannes gegenüber zu stehen. Dahinter erscheint der Evangelist Markus mit der Schriftrolle. Der Hintergrund ist ungewiss in dunkler Farbe, fast schwarz gehalten. Der Fußboden zeigt sich durch eine graue Fläche. Durch die Größe der Figuren richtet sich der Fokus auf die vier Apostel. Durch die neutralen, unbunten Farben des Hintergrundes, wird der Blick auf die farbigen Gewänder gelenkt, welche durch ihre Weite von Kraft und Festigkeit zeugen. Die Farbskala zeigt sich von den Primärfarben Rot und Gelb, in dem Umhang des Johannes, zu der Mischfarbe Grün in seinem Gewand, bis hin zu dem strahlend weißen Umhang des Paulus. Die beiden Apostel im Hintergrund sind durch weniger auffällige Farbnuancen gezeichnet. Das Grün- Blau und Schwarz- Grau hebt sich kaum vom Hintergrund ab. Somit ist der farbliche Fokus auf die Personen im Vordergrund gelegt. Auch die Symbole der einzelnen Apostel sind durch jeweils kontrastierende Farben wie Weiß und Geld dargestellt. Während die linke Bildhälfte in warmer Farbigkeit erscheint, erstrahlt die rechte Seite in kühlem Weiß und Grau, grisaille- artig. Dies verleiht Paulus eine steinerne Härte. Nur die Braun- Orangenen Töne des Inkarnats und des Buches zeigen Anteile warmer Farben. Hier zeigt sich ein halbbuntes Dual aus Grau und Braun. Betrachtet man neben der Farbskala die Farbabstufungen, so fällt auf, dass Dürer Aufhellungen lediglich in helleren Abstufungen der Farbe ausübte. Nur in starken Lichtreflexen z.B. beim Metallglanz des Schwertes verwendete er Weiß. Durch den Lichteinfall von rechts oben zeigt sich vor allem in den Gewändern Schatten. Diese deutete er durch verschiedene Grau Töne an, nicht wie bei Dittmann behaupte durch Schwarz.[15] Man könnte nun behaupten, Dürer habe Johannes und Paulus ganz gezielt in den Vordergrund rücken wollen, einmal gezeigt durch ihre farbigen leuchtenden Farben und desweiteren durch ihre Bild einnehmende Größe. So könnten sie für Dürer eine spezielle Bedeutung gehabt haben. Johannes als Liebling Jesu, „Der von Gott beschenkte“, welcher die Mutter Gottes in seiner Obhut hat.[16] Und Paulus, geprägt von Weisheit und Tiefem Glauben an Christus, welcher als Märtyrer starb.[17] Nach Karl Arndt und Bernd Moeller ist dies jedoch nur eine freie Entscheidung des Künstlers. Es soll ihm darum gegangen sein ein Höchstmaß an figürlicher Monumentalität und Stabilität zu erreichen.[18] Wendet man sich zum Schluss noch einmal den Vorzeichnungen des Werkes zu, so ist dieses auch in der Hinsicht interessant, da nur wenige schriftliche Zeugnisse erhalten sind. Lediglich drei Blätter, mit Bleizinngriffel gezeichnet, geben Aufschluss über eventuelle Unterschiede zwischen Vorzeichnung und Endwerk. Neben Betrachtung mit dem bloßen Auge würde dieses mit wissenschaftlichen Methoden untersucht. Es wurde aufgrund von röntgenologischen und infrarot- reflektografischen Untersuchungen festgestellt, dass Dürer in seinem Gemälde einige Korrekturen vorgenommen hatte.[19]

5.2. Das Allerheiligenbild, 1511 (Abb.11)

11 Jahre zuvor beschäftigte sich Dürer mit einem ebenfalls religiösen Thema, der Dreifaltigkeit. Das einteilige Altar- Tafel- Bild befindet sich heute im kunsthistorischen Museum in Wien. Mit den Maßen von 135x 123 cm ist es in Öl auf Pappelholz gemalt.[20] Dem rechteckigen Bild fehlen die oberen zwei Ecken, somit schließt es im oberen Teil halbrund ab. Fast den gesamten Hintergrund des Bildes nimmt der Himmel ein, nur ein schmaler Streifen am Bildende zeigt eine Landschaft. Die zahlreichen Personen sind auf Wolken gebettet. Zentral in der oberen Hälfte des Bildes ist die Dreifaltigkeit abgebildet. Gottvater hält den toten Christus am Kreuz, während darüber die Taube als Verkörperung des heiligen Geistes schwebt. Umgeben ist die Trinität von mehreren Heiligengruppen. Die größte Gruppe bildet einen Streifen vom linken zum rechten Bildrand. Dort befinden sich die Oberhäupter von Kirche und Staat mit Geistlichen und Laien. Links sind die Kirchlichen mit Päpsten, Kardinälen, Mönchen und Nonnen. Dazwischen befindet sich der Stifter Matthäus Landauer. Rechts zwischen den weltlichen Ständen mit Kaiser, Königen, Fürsten, Rittern, Bürgern und Bauern befindet sich Feldhauptmann Wilhelm Haller, der Schwiegersohn Landauers. Auf Höhe der Dreifaltigkeit bilden sich links und rechts zwei Gruppen. Links die Märtyrerinnen, von Maria angeführt und rechts Personen des Altentestaments. An ihrer Spitze Johannes der Täufer und Moses, dahinter Propheten und Könige.[21] Der obere Bildrand ist aus Scharen von Engeln geschmückt. In der Farbigkeit lässt sich eine breite Palette aufzählen. Vorherrschend ist die Farbtriade Rot, Gelb, Blau. Diese tritt in leuchtender Farbigkeit in den wichtigsten

[...]


[1] Winzinger, Franz: Albrecht Dürer, Hamburg 1971

[2] Strieder, Peter: Deutsche Malerei der Dürerzeit, Stuttgart 1966, S.3

[3] Lorenz, Hans Holger: Dürers Arbeiten zum Bauernstand, http://www.bauernkriege.de/duererbauer.pdf, (19.03.2017)

[4] Dittmann, Lorenz: Farbgestaltung in der europäischen Malerei, Köln 2010, S.91

[5] Mißfeld, Martin: Albrecht Dürer, http://www.martin-missfeldt.de/maler/albrecht-duerer/ (19.03.2017)

[6] Anzelewsky, Fedja: Albrecht Dürer. Das Malerische Werk, Berlin 1971, S.56

[7] Vgl. Anzelewsky, S.56-57

[8] Vgl. Anzelewsky, S.81

[9] Vgl. Anzelewsky, S.83-85

[10] Vgl. Anzelewsky, S. 87

[11] Vgl. Anzelewsky, S.89

[12] Vgl. Anzelewsky, S. 90

[13] Vgl. Anzelewsky, S.91

[14] Schawe, Martin: Dürer, Albrecht: Vier Apostel, https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/D%C3%BCrer,_Albrecht:_Vier_Apostel, (25.03.2017)

[15] Vgl. Dittmann, S.94

[16] Hackmann, Matthias (Hrsg.): Legenda Aurea. Die Heiligenlegenden des Mittelalters, Köln 2008, S. 39

[17] Vgl. Hackmann, S. 160-66

[18] Arndt, Karl und Moeller, Bernd: Albrecht Dürers „Vier Apostel“. Eine kirchen- und kunsthistorische Untersuchung, Heidelberg 2003, S. 18

[19] Vgl. Arndt, S.16-17

[20] Barth, Volker: „Das Allerheiligen- Altar- Tafel- Motiv“ von Albrecht Dürer, http://wize.life/themen/kategorie/kultur/artikel/29989/das-allerheiligen-altar-tafel-motiv-von-albrecht-duerer-... (27.03.2017)

[21] Vgl. Barth

Details

Seiten
21
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668654723
ISBN (Buch)
9783668654730
Dateigröße
3.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v415677
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
2,3
Schlagworte
Farbe Kunst Albrecht Dürer Malerei 16. Jahrhundert Werke

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Titel: Die Farbe in Dürers Malerei. Drei Werke zu Beginn des 16. Jahrhunderts