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Der Einsatz von Experten in der Kriegsberichterstattung am Beispiel des dritten Golfkrieges

Hausarbeit 2003 11 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Experten und Informationsgehalt

3. Experten und Sachlichkeit

4. Resümee

1. Einleitung

Der dritte Golfkrieg war für das deutsche Fernsehen ein Großereignis, wie es dies zuvor nur selten gegeben hatte. „Medienspektakel“, wie zum Beispiel die Flut an der Elbe, oder die vorangegangenen Bundestagswahlen, wurden im Ausmaß der Berichterstattung bei weitem übertroffen. Fast zwei Drittel aller Beiträge, die in der ersten Kriegswoche gesendet wurden, hatten den Irakkrieg im zum Thema, wobei die zahlreichen Sondersendungen noch nicht mitgerechnet sind.[1]

Woher diese unwahrscheinliche Dominanz der Kriegsberichterstattung kam müsste noch genauer untersucht werden und soll auch nicht Gegenstand dieser Arbeit sein. Festzuhalten bleibt allerdings, dass speziell der Irakkrieg eine derart immense Medienaufmerksamkeit genoss, wie sie ihm in diesem Umfang eigentlich, zumindest in Deutschland, nicht zustand. Weder kam er unerwartet, noch war Deutschland unmittelbar beteiligt. Fakten waren spärlich und wenn man sie hatte, war die Quellenlage zumeist alles andere als sicher, außerdem hatte Deutschland keine „innigen“ Beziehungen zum irakischen Volk gepflegt. So kann man letztendlich zur Erkenntnis kommen, dass der Krieg immer eine Faszination des Grauens darstellt, also Angstgefühle auslöst, somit ein erhöhtes Informationsbedürfnis hervorruft und letztendlich seinen eigenen Unterhaltungswert hat.[2] Man kann sagen, dass in Kriesenzeiten die Zuwendung der Rezipienten zu den Massenmedien, insbesondere zu den elektronischen Medien stark ansteigt, in der Hoffnung so schnell wie möglich über aktuelle Vorgänge und deren Einfluss auf das eigene alltägliche Leben informiert zu werden.[3]

Das Bedürfnis nach Informationen und Bildern wollte befriedigt werden und die Medien, allen voran das Fernsehen, taten auch alles daran, diesem Bedürfnis nachzukommen. Krieg bringt Einschaltquoten, also musste man sowohl schnell, als auch möglichst kompetent sein, bzw. kompetent wirken und damit war man von Anfang an in einer Zwangslage. Zum einem gab es nur wenig Informationen und wenn doch, dann waren die Quellen meist sehr fragwürdig. Nur selten zuvor dürfte es ein Medienereignis gegeben haben, bei dem so oft der Zusatz gebracht wurde, dass man sich nicht sicher sei, oder auch dass man im Moment noch nichts sicher sagen kann, also eigentlich gar nichts weiß. Auch bediente man sich häufig des Mittels die Quelle zu benennen und gleichzeitig hinzuzufügen, dass die Information von offizieller Seite noch nicht bestätigt sei, so dass Verantwortlichkeiten hin und her geschoben wurden.

Zum zweiten benötigt das Medium Fernsehen nicht nur sichere Informationen, sondern vor allen Dingen braucht es Bilder, wenn man die immensen Sendezeiten, die man dem Irakkrieg einräumte, füllen wollte, aber auch Bilder waren alles andere als zahlreich. Korrespondenten befanden sich, auch wenn sie „eingebettet“ waren, meist nicht dort, wo der Krieg tatsächlich stattfand und Übertragungen direkt aus Bagdad konnten auch „nur“ Rauchsäulen zeigen und Mutmaßungen darüber anstellen, was diese denn jetzt bedeuten könnten, bzw. was denn da getroffen wurde.

Die Kriegsberichterstattung war also in der Zwangslage, diese „Lücken“ füllen zu müssen, einerseits den Zuschauer mit zuverlässigen Informationen und Bildern zu versorgen, die eine absolute Mangelware darstellten und andererseits das Programm mit Kriegsgeschehnissen zu füllen, ohne sich ständig zu wiederholen und somit langweilig zu werden.

Auch muss festgestellt werden, dass man das Publikum gerade mit Kriegsbildern und Informationen aus Krisengebieten nicht unkommentiert allein lassen kann, ein Fehler, wie er auch im letzten Golfkrieg leider, trotz aller Versuche kompetent zu sein, immer wieder aufgetaucht ist. So kann man zum Beispiel Bilder, wonach ein irakischer Bauer einen amerikanischen Helikopter abgeschossen haben will, nicht ohne Kommentar für sich stehen lassen, da sie absoluten Unsinn vermitteln und eigens dafür gedacht sind, das irakische Volk zu mobilisieren.[4]

Um diese Zwangslage zu lösen gab es im deutschen Fernsehen eine Art „Rekrutierung“ von Experten, wie man das zuvor kaum gekannt hatte. Man könnte von einem Wettlauf um quotensichere Kriegsberichterstattung reden, bei dem manche Sender schon im Vorfeld Fachleute für die gesamte Dauer des bevorstehenden Krieges exklusiv verpflichtet haben, eine Praxis, wie sie in den USA schon lange gängig ist.[5]

2. Experten und Informationsgehalt

Ein Kriegsverlauf ist von vornherein nicht berechenbar, da er eine viel zu komplexe Angelegenheit darstellt. Nicht nur das Verhalten der einzelnen Kriegsparteien kann unmöglich vorhergesagt werden, auch andere Komponenten spielen in Kriegszeiten eine wichtige Rolle für den Verlauf eines Krieges. Gerade am Beispiel des Irak kann dies sehr deutlich gezeigt werden.

[...]


[1] Medien Tenor, 15.April 2003, S.33

[2] ebd. S.34

[3] Gleich, Uli: „Qualität im Journalismus am Beispiel der Kriegsberichterstattung“, Media Perspektiven

[4] Scheele, Martin: „Nicht mit dem Krieg auf Quotenfang gehen“; Manager-Magazin.de; 08.08.03

[5] Küppers, Kirsten: „Die Krieger aus der Talkshow“; TAZ 19.03.03

Details

Seiten
11
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638397957
ISBN (Buch)
9783638824170
Dateigröße
596 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v41554
Institution / Hochschule
Universität Erfurt – Philosophische Fakultät
Note
1,7
Schlagworte
Einsatz Experten Kriegsberichterstattung Beispiel Golfkrieges Medien Kriegen Konflikten

Autor

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Titel: Der Einsatz von Experten in der Kriegsberichterstattung am Beispiel des dritten Golfkrieges