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Ein Reichsfürst als Hochmeister - Zwei Welten prallen aufeinander

Seminararbeit 2005 12 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsangabe

Einleitung

1. Friedrichs Ernennung zum Hochmeister

2. Der Hochmeister Friedrich von Sachsen (1498-1510)
2.1 Außenpolitische Erfolge
2.2 L´état c´est moi – Friedrichs Innenpolitik
2.2.1 Was ist eine Hofordnung?
2.2.2 Friedrichs Hofordnung – Ausdruck eines überlegenen fürstlichen Herrschaftsanspruches?

Fazit

Literatur

Einleitung

Das 15. Jhd. war für den Deutschen Orden eine einzige Katastrophe: Die Vernichtung eines Heeres bei der Schlacht von Tannenberg, die Auseinanderset­zungen mit den Ständen und der darauf folgende 13-jährige Krieg brachten den Deutschen Orden in eine prekäre Lage. Zum einen war das Gebiet des Deutschen Ordens vollständig von feindlich gesinnten Ländern umschlossen (Polen und Li­tauen), was nun kein Novum darstellte, aber zum anderen fehlte ihm der Rückhalt der Stände auf dem eigenen Territorium, eine Situation, die sich bis in einen Krieg zugespitzt hatte.[1] Darüber hinaus war der Deutsche Orden auch finanziell nicht mehr in der Lage, seine Position unter diesen Rahmenbedingungen aufrechtzuer­halten. Die ständigen und langwierigen Kriege, die mittlerweile zu einem großen Teil von Söldnertruppen geführt worden waren – die Zeiten der Ritterheere war vorüber – und die weiteren militärischen Verpflichtungen gegenüber Polen, infolge des II. Thorner Friedens (1466), zehrten den Haushalt auf.[2] Neben den Gebietsver­lusten durch die verlorenen Kriege bedrohte vor allem eine Vereinbarung des II. Thorner Friedens die autonome Existenz des Ordenlandes:[3] Der Hochmeister des Deutschen Ordens sollte dem polnischen König einen Huldigungseid leisten und sich somit der polnischen Krone unterwerfen. Der Vorgänger von Friedrich von Sachsen, Hochmeister Johann von Tiefen, konnte zwar den Huldigungseid bisher umgehen, aber er sah sich nicht in der Lage, den dauernden Forderungen des polnischen Kö­nigs zur Heeresfolge, nicht Folge zu leisten. Von einem dieser Hilfszüge gegen die Osmanen 1497 kehrte er nicht zurück. In dieser für den Deutschen Orden äußerst schwierigen Situation wurde nun der junge Reichsfürst Friedrich von Sachsen zum neuen Hochmeister gewählt.

Die vorliegende Hausarbeit will diesen für die weitere Entwicklung des Deut­schen Ordens schicksalsträchtigen Schritt untersuchen. Dabei wird es darum gehen, die Intentionen zu hinterfragen, die der Wahl eines jungen Reichsfürsten zum Hochmeister zugrunde gelegt haben mochten. Anschließend soll dargestellt werden, in wel­cher Form Friedrich den Deutschen Orden beeinflusste. Hierfür wird seine Hofordnung herangezogen, an der die Entstehung eines Fürsten­hofes mit all den damit verbundenen Veränderungen unter Friedrich dargestellt werden soll. Dabei wird es insgesamt weniger darum gehen, Friedrichs Wirken als Hochmeister im Ganzen zu betrachten, als vielmehr den Schwerpunkt der Untersuchung auf die Veränderungen innerhalb des Ordens zu legen.

1. Friedrichs Ernennung zum Hochmeister

Nachdem der Deutsche Orden fast ein Jahr lang ohne einen Hochmeister auskommen musste, wurde Friedrich von Sachsen (1473–1510) in der Hoffnung zum Hochmeister des Deutschen Ordens gewählt, er möge die Ansprüche des polni­schen Königs ge­mäß des II. Thorner Friedens zurückweisen können. Bereits Johann von Tiefen († 1497) hatte den jungen Friedrich zu seinem Nachfolger auserkoren.

Friedrich war der jüngere Sohn von Herzog Albrecht von Sachsen aus dem Hause Wettin. Da er der Zweitgeborene war, war ihm eine klerikale Karriere vor­herbestimmt. Vielleicht auch aus diesem Grund wurde ihm eine umfangreiche hu­manistische Ausbildung ermöglicht. So studierte er in Leipzig, aber auch in Siena und Bologna (1491-1495). Anschließend hielt er sich bis zu seiner Wahl am Hof des Erzbischofs Berthold von Henneberg in Mainz auf.[4]

Nachdem Johann von Tiefen während eines Hilfszuges für den polnischen König gegen die Osmanen verstarb, war Friedrich auch die Unterstützung seines Förderers, Berthold von Henneberg, sicher. Doch nicht nur der Erzbischof von Mainz unterstütze das Vorhaben, sondern sogar Kaiser Maximilian I. Wieso nun konnte sich Friedrich einer solchen Beliebtheit erfreuen? Vielleicht war der wichtigste Grund seine verwandtschaftliche Bande mit dem polnischen König, Jan Olbrecht (oder auch Johann Albrecht in deutscher Lesart), der seinem Vater, Kasimir IV., 1492 auf den Thron gefolgt war, da Friedrichs Bruder, Georg von Sachsen, 1496 die Tochter Kasimirs IV. bzw. die Schwester Jan Olbrechts, Barbara, geheiratet hatte. Der Kö­nig von Polen, der ärgste Gegner des Deutschen Ordens, war Friedrichs Schwager! Darüber hinaus war Friedrich auch der Cousin von Königin Christine, der Königin von Dänemark, eine im Ostseeraum wichtige Macht.[5]

[...]


[1] Vgl.: Boockmann, Hartmut: Der Deutsche Orden: 12 Kap. aus seiner Geschichte. 3., durchg. Auflage. München 1989, S. 201-210

[2] Siehe: Sach, Maike: Hochmeister und Grossfürst. Die Beziehungen zwischen dem Deutschen Orden in Preussen und dem Moskauer Staat um die Wende der Neuzeit. Stuttgart 2002, S. 47

[3] Vgl. zu den Gebietsverlusten des Deutschen Ordens aufgrund des II. Thorner Friedens: Ebd.: S.44 f.

[4] Über den Kreis der Humanisten, der Friedrich umgab und sicherlich nachhaltig beeinflusste, siehe:

Kurt Forstreuter: Vom Ordensstaat zum Fürstentum. Geistige und politische Wandlungen im Deutschor­densstaat Preußen unter den Hochmeistern Friedrich und Albrecht. (1498-1525). Kitzingen/Main 1951, S. 23-32

[5] Sach, Maike: Hochmeister und Grossfürst. Die Beziehungen zwischen dem Deutschen Orden in Preussen und dem Moskauer Staat um die Wende der Neuzeit. Stuttgart 2002, S. 51

Details

Seiten
12
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638397506
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v41505
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Geschichte
Note
2
Schlagworte
Reichsfürst Hochmeister Zwei Welten Proseminar Deutsche Orden Schlacht Tannenberg Adaption Niedergang

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