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Der transatlantische Sklavenhandel als Antriebsmotor der Globalisierung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 24 Seiten

BWL - Wirtschafts- und Sozialgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung
1.1 Darstellung der Arbeit
1.2 Einleitung

2 Die Sklaverei in der „Neuen Welt"
2.1 Vergleich mit der Sklaverei in der Antike
2.2 Grundzüge der Entwicklung des transatlantischen Sklavenhandels

3 Sklaverei in den USA
3.1 Europäische Industrialisierung als Antrieb der Sklaverei in den USA
3.2 Die USA – Vom Tabak zur Baumwolle
3.3 The Cotton Kingdom – Auswirkungen der Sklaverei auf die Gesellschaft der Südstaaten
3.4 Abolition, innerer Sklavenmarkt und Rassismus– der lange Weg zur Abschaffung der Sklaverei

4 Schlußbemerkungen

5 .Literaturverzeichnis

1 Einführung

1.1 Darstellung der Arbeit

Der transatlantische Sklavenhandel und die Sklaverei der Neuzeit war ein Prozess mit vielen Gesichtern. Dutzende Staaten waren beteiligt und jedes Land hat seine eigene (Sklaven)-)Geschichte Die Erkenntnisse der heutigen Wissenschaft über die Sklaverei der Neuzeit ergeben sich aus einer ganzen Reihe von Spezialstudien.[1] Jede dieser Arbeiten beschäftigt sich mit nur einem kleinem Ausschnitt der Geschichte des transatlantischen Sklavenhandels, einem Abschnitt, in dem Tausende vom Menschen über den Atlantik in die Neue Welt verschleppt wurden. Zahlreiche wirtschaftliche, politische und soziale Aspekte haben den Neubeginn der Wirtschaftsform Sklaverei bedingt.Die Literatur zum Thema „Transatlantischer Sklavenhandel“ läßt sich grundsätzlich in zwei Gruppen teilen: zum einen Werke, die einen Gesamtüberblick über das Thema geben. Auf der anderen Seite stehen Studien, die wiederum nur Teilaspekte des ganzen Spektrums behandeln und diese umfassend beleuchten. Wegen der großen Vielfalt an Literatur steht der Verfasser vor allem vor der Problematik der Selektion und der Abgrenzung des Themas.

In dieser Arbeit liegt der Schwerpunkt auf der Sklaverei in den USA. Das erste Kapitel bietet einen Überblick über die Entwicklung des transatlantischen Sklavenhandels im Allgemeinen. Er betrachtet die Geschichte der Sklaverei von der Antike und liefert Zahlen die den Anteil der einzelnen Kolonialstaaten am transatlantischen Sklavenhandel belegen.

Anschliessend wird im zweiten Teil der Fokus ausschließlich auf die USA gelegt. Es wird zunächst die Hauptthese erörtert, die besagt, daß die verstärkte europäische Nachfrage nach Baumwolle die Verbreitung der Sklaverei in den US-Staaten bedingte. Bei der Analyse des Aufstiegs der englischen Textilwirtschaft wird auch herausgearbeitet , wie sich die Ausweitung des Handels über mehrere Kontinente mit der merkantilistischen Wirtschaftspolitik vereinbaren lies.

Im Anschluss daran werden die entscheidenden Kennzeichen der Sklaverei der USA bestimmt, die soziale Stellung der Sklaven beleuchtet und die Abolitionsgeschichte des Landes genauer betrachtet.

Ziel der Arbeit ist es die Besonderheiten der Sklaverei in den USA heraus zuarbeiten, die sowohl den Aufstieg als auch ihren langsamen Fall bedingten. Um diesen Anspruch gerecht zu werden, ist nötig entsprechende Vergleiche zu anderen Ländern heranzuziehen, denn erst hierdurch können manche Sachverhalte klar dargelegt werden. So wird der gedankliche bzw. der argumentative Bogen im einzelnen etwas weiter gespannt.

Die Verfasserin hält dieses Vorgehen bei einigen Teilaspekten für unabdingbar.

1.2 Einleitung

Nach einer Definition der OECD ist „Globalisierung ein Prozeß, durch den Märkte und Produktion in verschiedenen Ländern immer mehr voneinander abhängig werden – Dank der Dynamik des Handels mit Gütern und Dienstleistungen und durch die Bewegungen von Kapital und Technologie“[2]. Und durch den Handel mit Menschen. Der transatlantische Sklavenhandel der Neuzeit war im Sinne der obigen Definition global. Afrikaner bekämpften sich gegenseitig um Arbeitskräfte zu fangen, die sie in Ihren Küstenstützpunkten an Europäer verkauften. Diese brachten die Gefangenen in die Neue Welt. Dort arbeiteten sie auf Plantagen, deren Güter wieder nach Europa gebracht wurden. Dieser Dreieckshandel, der die ganze Welt wirtschaftlich miteinander verband, dauerte vier Jahrhunderte an. Trotz politischer Unterschiede der europäischen Staaten, waren sie durch die Sklaverei verbunden:

„Was die atlantische Welt bis Mitte des 19 Jahrhunderts zusammengehalten hat, (..) war die Skalverei“[3]

- und das Bedürfnis der Europäer nach Zucker: sechzig bis siebzig Prozent aller verschifften Afrikaner wurden in die Zuckerkolonien Europas verbracht.[4] Jede dieser Kolonien hat ihre eigene Geschichte der Sklaverei, und doch fällt auf: in den Köpfen der Menschen hat sich vor allem ein Land als Nation der Sklaverei verfestigt: Die USA. Das mag vor allem an den großen Filmproduktionen Hollywoods, wie „Vom Winde verweht“ liegen. Doch auch bei einer wissenschaftlichen Betrachtung ist die Geschichte der US-Sklaverei eine andere als die der Zuckerkolonien in der Karibik. Unterschiede bestehen vor allem im späten Eintritt in den transatlantischen Handel, die Güter die auf den Plantagen angebaut wurden, sowie den gesellschaftlichen Auswirkungen auf das noch junge Land. Doch auch trotz dieser Besonderheiten war auch die USA nur Teil einer Zeit in der die Weltwirtschaft eng an den Verkauf von Menschen geknüpft war – eine Zeit in der sich in Europa die Grundgedanken der Menschenrechte bildeten, wurden sie in den Kolonien dieser Länder mehr mißachtet denn je.

2 Die Sklaverei in der „Neuen Welt"

2.1 Vergleich mit der Sklaverei in der Antike

“Slavery is not only one of the most ancien, but also one of the most long-lived forms of economic and social organization.“[5]

Sklaven gab es bereits in der Antike in Italien, Griechenland, Portugal und Spanien. Meist handelte es sich um Kriegsgefangenen, die danach im Heimatland verkauft wurden. Charakteristisch für diese Epoche war die Aufnahme einer kleinen Anzahl von Sklaven in der Familie und im Haushalt.[6] Doch auch die „Massenhaltung“ von Sklaven wie später in der Neuen Welt eher selten gab, war in Griechenland und vor allem in Rom die Plantage nicht unbekannt.

„(…)large gangs of slaves were to be found in Roman agriculture. In general, however, slaves were not to be found in such large concentrations.“[7]

Doch die Plantagesklaverei war selten und kann mit denen, die sich in 15. Jahrhundert entwickelte nur schwer verglichen werden. Sie Sklaverei der Neuzeit war „ein Neuanfang und keine Renaissance“[8] Denn anders als in der Antike war die Sklaverei meist in die Kolonien in Übersee verbannt und spielte sich nicht vor der eignen Haustür ab. Auch die Rasse spielte eine viel größere Rolle. Dabei darf man die Rasse nicht mit rassistisch gleichsetzen. Rassistische Motive wurden, wie im folgenden noch dargestellt wird, erst später den wirtschaftlichen vorgeschoben. Dass die Hautfarbe eine entscheidendeRolle spielt hatte weniger damit zu tun, dass man die Rasse als minderwertig einstufte, als dass man sie als hochwertige Arbeitskräfte schätzte. Anders als in der Antike, in der jeder versklavt werden konnte außer das eigene Volk, beschränkte man sich in der „Neuen Welt“ aus ökonomischen Gründen weitestgehend auf Afrikaner.

Ein weiterer großer Unterschied: Eine Rückführung der Sklaven war wegen der großen geographischen Entfernung unmöglich. Ein freigelassener Sklave im alten Rom, konnte seine Heimat wieder aufsuchen, die schwarzen Sklaven der Karibik blieben und gründeten eigene Gesellschaften.[9] Mit dem Niedergang des alten Roms und dem Beginn des Mittelalters endete fand die Sklaverei im großen Stile ein vorübergehendes Ende.

„(...)Eventually, Roman Slavery was transformed into serfdom, aform of servitude that migrated some of the harsher features of the older system. While serfdom was one of the most charakteristic condition of labor in the middle ages, slavery was never fully eradicated.“[10]

So hielten beispielsweise die Genuesen und die Venezianer, den Sklavenhandel in einem geringen Umfang aufrecht.[11]

2.2 Grundzüge der Entwicklung des transatlantischen Sklavenhandels

Der Handel mit schwarzen Sklaven begann mit den Erkundungsreisen der Portugiesen nach Westafrika. Mitte des 15 Jahrhunderts begannen sie Handelsstationen an der Westküste Afrika aufzubauen und starteten schon bald mit dem Ankauf schwarzer Sklaven, die ihnen von afrikanischen Zwischenhändlern „geliefert“ wurden. Die Menschen wurden als Arbeitskräfte auf die Inseln vor der Westküste Afrikas (siehe Abb. 1) gebracht, wo die ersten Zuckerkolonien entstanden waren. Denn der Grund für Verschleppung der Afrikaner war vor allem der gestiegene Bedarf an Zucker in Europa, ein sehr arbeitsintensives Gut, für dessen Anbau man dringend Arbeitskräfte benötigte. Als nächstes stiegen die Spanier in den Zuckeranbau und damit in den Sklavenhandel ein. Mit der Entdeckung der „Neuen Welt“ durch Christoph Kolumbus 1492 bildete dieser Kontinent einen großen neuen Markt für schwarze Sklaven und bezeichnet den Beginn des transatlantischen. Erste Aufzeichnungen eines spanischen Kolonialherren zeigen, dass 1502 die ersten Schwarzen in diese Gebiete gebracht wurden.[12] Damit verloren die alten Zuckerinseln wie die Canaren oder Sao Thomé weitgehend an Bedeutung. Sie wurden von den Plantagen der neuen Welt abgelöst

„During the last half of the sixteenth century. The center of sugar production and of black slavery shifted across the atlantic to the Western Hemisphere“[13]

Das Spanische und portugiesische Zuckermonopol, dass durch die enorme Produktivität der Kolonien in Übersee wie Brasilien oder Spanisch Amerika (z.B. Haiti) bedingt war, endete im 17. Jahrhundert, als Briten, Franzosen und Holländer stärkste Macht in der Karibik wurden.[14] Zu dieser Zeit war der transatlantische Skalvenhandel bereits vollen Gang. Neben den Zucker wurden auf den Plantagen auch Reis, Indigo und Tabak angebaut. Doch die „große Mehrheit der Sklaven, die in die (...) Kolonien gebracht wurden waren in der Zucker-Produktion und den angrenzenden Industrien beschäftigt.

Die meisten dieser Menschen wurden nach Brasilien verschifft: Mit 41 Prozent war die portugiesische Kolonie der größte Empfänger der Menschenlieferungen. 47 Prozent der Afrikaner gelangten in die britischen und französischen Kolonien. Rund 7 Prozent wurden in den holländischen, schwedischen und dänischen Besitzungen beschäftigt. Nur 7 Prozent kamen in die USA oder jene Kolonien die später zur USA wurden.[15] Nachfolgende Karte veranschaulicht diese Verteilung auf die einzelnen Kolonien:

Abbildung 1: Die Hauptimporteure von schwarzen Sklaven 1451 – 1870 (Angaben in Tausend)[16]

Die genaue Anzahl der Menschen, die aus Afrika in die neue Welt verschleppt wurden wird zwischen 9,5[17] bis 12 Millionen geschätzt:

„Während des gesamten atlantischen Sklavereizyklus gelangten 11 bis 12 Millionen Afrikaner in den Sklavenhandel -–hinzu kommen diejenigen, die auf dem Weg zur Küste oder auf der Jagd starben.“[18]

Der relativ geringe Anteil der USA am gesamten Welthandel hängt damit zusammen, daß sie erst zu einer Zeit am Handel mit Sklaven beteiligt waren, als sich in den anderen Ländern bereits ein Ende der Sklaverei abzeichneten. Die genaue Entwicklung der Sklaverei in diesem jungen Land und seine Rolle im transatlantischen Skalvenhandel sind Thema des nächsten Abschnitts.

[...]


[1] Osterhammel, Jürgen, Sklaverei und die Zivilisation des Westens, Carl Friedrich von Siemens Stiftung, München, 2000 S. 14

[2] Von Plate, Bernhard, Grundelemente der Globalisierung, aus Informationen zur politischen Bildung, S.1

[3] Osterhammel, Sklaverei und die Zivilisation des Westens, S. 26

[4] Fogel, Robert William, Without consent or Contract, W.W. Norton & Company, New York, 1989, S. 18

[5] Fogel, Without consent or Contract, S.17

[6] Osterhammel, Sklaverei und die Zivilisation des Westens, S.38ff

[7] Walvin, James, Slavery and the Slave Trade, University Press of Mississippi, 1983, S. 3 f.

[8] Osterhammel, Sklaverei und die Zivilisation des Westens, S. 38

[9] Osterhammel, Sklaverei und die Zivilisation des Westens, S.28

[10] Fogel, Without consent or Contract, S.17

[11] Wirz, Albert, Sklaverei und kapitalistisches Weltsystem, Surkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1984, S.12

[12] Fogel, Without consent or Contract, S.18

[13] Fogel, Without consent or Contract, S.20

[14] Fogel, Without consent or Contract, S.20

[15] Fogel, Without consent or Contract, S.18

[16] Fogel, Without consent or Contract, S.19

[17] Fogel, Without consent or Contract, S.18

[18] Osterhammel, Sklaverei und die Zivilisation des Westens, S. 44 f.

Details

Seiten
24
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638397278
ISBN (Buch)
9783638762458
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v41479
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Note
2,3
Schlagworte
Sklavenhandel Antriebsmotor Globalisierung

Autor

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Titel: Der transatlantische Sklavenhandel als Antriebsmotor der Globalisierung