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Destinationsanalyse der Nachbarstaaten Costa Rica und Nicaragua unter besonderer Berücksichtigung der Auswirkungen des Ökotourismus

Bachelorarbeit 2017 86 Seiten

Touristik / Tourismus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kurzfassung

Abstract

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Inhalte, Ziele und Methodik
1.2 Darstellung der Destinationsanalyse

2. Ökotourismus
2.1 Entstehung des Ökotourismusbegriffes und dessen gegenwärtige Konkretisierung
2.2 Abgrenzung der Begriffe Öko- und Naturtourismus
2.3 Auswirkungen des Ökotourismus
2.3.1 Ökologische Auswirkungen
2.3.2 Ökonomische Auswirkungen
2.3.3 Soziokulturelle Auswirkungen

3. Politischer Rahmen mit Bezug auf den Tourismus
3.1 Rahmenbedingungen in Costa Rica
3.2 Rahmenbedingungen in Nicaragua

4. Destinationsanalyse Costa Rica
4.1 Einteilung nach Größe und geographischen Aspekten
4.2 Zielgruppenanalyse nach Gästestruktur und Reisemotiven
4.3 Touristisches Angebot
4.3.1 Ursprüngliches Angebot
4.3.2 Abgeleitetes Angebot
4.3.3 Ökotouristisches Angebot

5. Destinationsanalyse Nicaragua
5.1 Einteilung nach Größe und geographischen Aspekten
5.2 Zielgruppenanalyse nach Gästestruktur und Reisemotiven
5.3 Touristisches Angebot
5.3.1 Ursprüngliches Angebot
5.3.2 Abgeleitetes Angebot
5.3.3 Ökotouristisches Angebot

6. Zwischenfazit

7. Folgen des Ökotourismus für Costa Rica und Nicaragua
7.1 Stärken
7.2 Schwächen
7.3 Chancen
7.4 Risiken

8. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Kurzfassung

Diese Bachelorarbeit thematisiert das Thema Ökotourismus am Beispiel der beiden mit- telamerikanischen Nachbarstaaten Costa Rica und Nicaragua. Bei dieser nachhaltigen Art des Reisens, bei der ein ökonomischer Gewinn, die Integration der lokalen Bevölke- rung sowie der Naturschutz im Vordergrund stehen, treten positive als auch negative Auswirkungen in den Bereichen der Ökologie, Ökonomie und Soziokultur auf. Die als negativ zu bewertenden Auswirkungen sind jedoch geringer als bei allen anderen Tou- rismusformen und besonders für Entwicklungsländer setzt der Ökotourismus neue Hoff- nungen für Menschen und Umwelt. Zu beachten ist jedoch, dass die Biodiversität auch beim Ökotourismus zerstört wird und sich die Kultur der lokalen Bewohner abwandeln kann. Analysiert werden die beiden Destinationen Costa Rica und Nicaragua mit dem Fokus auf die touristischen Angebote beider Destinationen, denn das kaum Unterschiede hinsichtlich der geographischen Aspekte bestehen, wird im Voraus aufgezeigt. Die bishe- rigen Zielgruppen und die existierende Angebotsvielfalt des Ökotourismus demonstrie- ren, weshalb Costa Rica weltweit als Spitzenreiter im Ökotourismus gilt. Die Berücksich- tigung des politischen Rahmens ist dabei essentiell, denn dieser bestimmte bereits in der Vergangenheit die Fortschritte beider Länder im Ökotourismus sowie dem Umwelt- schutz. Ferner beeinflusst dieser politische Einfluss die Urlauber in ihrer Entscheidung für oder gegen eine Reise in diese Länder. Um die Folgen des Ökotourismus speziell für Cos- ta Rica und Nicaragua zu verdeutlichen werden die aktuellen Stärken und Schwächen dieser Tourismusart in den Ländern ermittelt sowie die derzeit bekannten Chancen und Risiken für die Zukunft dargestellt. Deutlich wird hierbei, dass der Ökotourismus auch innerhalb der analysierten Länder nicht immer nur Vorzüge für Land und Leute mit sich bringt und die Handlungen der Beteiligten nicht vollständig durchdacht sind.

Schlagwörter:

Costa Rica; Nicaragua; Ökotourismus; Destinationsanalyse; Auswirkungen

Abstract

This bachelor thesis deals with the ecotourism subject by using the Central American states Costa Rica und Nicaragua as an example. This sustained type of travelling, in which an economic profit, the integration of locals and conservation of nature is essen- tial, also turns up with positive and negative impacts in the range of ecology, economics and socioculture. In consideration to all the other types of tourism the negative impacts of ecotourism can be valued lower and especially for developing countries ecotourism places new hopes on people and environment. However, also with ecotourism the biodi- versity will be destroyed and the culture of locals could change in the future. Because of the geographical location there are no relevant differences regarding the geographical aspects of Costa Rica and Nicaragua. That’s the reason why the focus of this analysis is on tourist offers in both countries. The present target groups and the existing diversity of offers in ecotourism demonstrate why Costa Rica is the world’s leader in ecotourism. Taking account of the policy framework is essential, since this has already determined the progress of both countries in ecotourism and environmental protection. It also af- fects tourists in their decision for or against a trip to these countries. To illustrate the consequences of ecotourism especially for Costa Rica and Nicaragua, the current strengths and weaknesses regarding to ecotourism in the countries are determined, as well as the nowadays known opportunities and risks for the future. That ecotourism with- in the countries analyzed does not always come with advantages for the country and also that the actions of all participants are not fully thought through is made clear at the end.

Keywords:

Costa Rica; Nicaragua; Ecotourism; Destination analysis; Impacts

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Inhalte, Ziele und Methodik

1996 hat der Kongress der Welt-Tourismus-Organisation die steigende Nachfrage im Ökotourismus erkannt. Dieser Kongress hat im lateinamerikanischen Puerto Varas in Chile stattgefunden. Jedoch ist bereits in den achtziger Jahren eine erste Form des Ökotourismus in Nordamerika erschienen.1 Dies zeigt, dass die Ursprünge des Ökotou- rismus auf dem amerikanischen Kontinent liegen. Mit Costa Rica und Nicaragua werden in dieser Arbeit also Länder des Ursprungskontinentes für den Ökotourismus analysiert.

Erstes Ziel dieser Literaturarbeit ist die Darstellung der Entstehung des Ökotourismus, basierend auf einer Recherche von ökotouristischer Literatur. Da aber der verantwor- tungsvolle Tourismus häufig in verschiedene Kategorien unterteilt wird2 und es auch di- verse Begriffe wiederum nur für den Ökotourismus gibt3, schreitet diese Arbeit mit der Abgrenzung der oftmals miteinander verwechselten Begriffe Öko- und Naturtourismus fort. Die Abgrenzung wird anhand von Literatur zu diesem Themenbereich durchgeführt. Basierend auf ökotouristischer Literatur ist ein weiteres Ziel der Arbeit eine Auseinander- setzung aus wissenschaftlicher Sicht mit den Auswirkungen des Ökotourismus auf die Ökologie, Ökonomie und die Soziokultur einer Destination im Allgemeinen.

Fortlaufend mit Beginn des dritten Kapitels wird Bezug auf die beiden zu analysierenden Länder, Costa Rica und Nicaragua, genommen. Ergänzend zur Literatur ist eine Online- Recherche ab Kapitel drei unerlässlich, da wenig Literatur, insbesondere zu Nicaragua, vorhanden ist. Dabei wird in Kapitel drei zunächst eine Auswertung zu den politischen Rahmenbedingungen durchgeführt. Dieser Schritt soll zum Verständnis der touristischen Gegebenheiten und Möglichkeiten beider Länder, welche in den Kapiteln vier und fünf aufgeführt sind, beitragen.

Durch die Auswertung von Journals, Monographien und Sammelbändern werden mit Ergänzung von Onlinerecherchen, Informationen von touristischen Anbietern sowie Sta- tistiken die Länder Costa Rica und Nicaragua anhand der Destinationsanalyse (siehe Ka- pitel 1.2) präsentiert. Die sich daraus ergebenen Unterschiede der aneinandergrenzen- den Staaten, werden in einem Zwischenfazit mit Einfluss der politischen Situation hervorgerufen und eine Beurteilung der Länder im touristischen Sinne erfolgt. Zugleich enthält das Zwischenfazit eine kurze Abwägung der Auswirkungen des Ökotourismus im Allgemeinen.

Ökotourismusexperten blenden laut Pleumarom (1997) häufig die negativen Auswirkun- gen des Tourismus aus. Experten nach ist der Ökotourismus jedoch eine sehr positive Form des Tourismus, denn dass die Touristenankünfte in einer Destination steigen, kann niemand verhindern.4 Um Pleumaroms Aussage zu beurteilen, wird in dieser Arbeit ein besonderer Fokus auf die Folgen des Ökotourismus der Länder Costa Rica und Nicaragua gelegt. Daher werden im Anschluss anhand von Literatur- sowie Onlinerecherchen die aktuellen Stärken, Schwächen sowie die zukünftigen Chancen und Risiken des Ökotou- rismus herausgearbeitet. Wearing und Neil (2000) fassen die Auswirkungen des Touris- mus laut den Aussagen einiger Einheimischen wie folgt zusammen: „Tourism is like fireǤ It can cook your food or burn down your houseǤ“5 Dahingegen bezeichnen die Einheimi- schen in Costa Rica, jenes Geld, welches durch den Anstieg des Ökotourismus den Ein- heimischen zu Gute kommt, als „grünes Gold“Ǥ6

Das Fazit am Ende dieser Arbeit soll zeigen, ob Ökotourismus wirklich sogenanntes grünes Gold ist, oder negative Auswirkungen lediglich ausgeblendet werden.

1.2 Darstellung der Destinationsanalyse

Die Destinationsanalyse befasst sich mit den wichtigsten Aspekten der Länder Costa Rica und Nicaragua, um diese genauer kennenzulernen und die Vorzüge im touristischen

Sinne herauszuarbeiten. Die Länder werden jeweils unabhängig voneinander betrachtet und im ersten Schritt allgemein der Größe nach sowie auf ihre geographischen Aspekte untersucht. Nach Freyer (2015) gehören hierzu die Kontinente, heruntergebrochen über Länder, Regionen und Städte bis hin zu Orten als eigenständige Destination sowie die Klimazonen, Landschaftsformen und Strukturen der Besiedlung. Von dieser Perspektive aus schreitet die Analyse mit den touristischen Gegebenheiten fort. Hierzu wird analy- siert, welche Zielgruppen sich in den Ländern aufhalten. Bei der Zielgruppenanalyse wird jedoch lediglich auf die Aspekte der Gästestruktur nach Quelldestination und deren Rei- semotiven eingegangen, um herauszufinden, welche Nationalitäten die Länder jeweils anziehen und um Gründe für die Auswahl der Destination zu finden. Auch das touristi- sche Angebot der Länder wird, untergliedert nach ursprünglichen, abgeleiteten und ökotouristischen Angeboten, ermittelt.7

Freyer (2015) zählt die Natur, Kultur und die allgemeine Infrastruktur zum ursprünglichen Angebot. Die Natur wird durch die vorhandene Flora und Fauna, die verschiedenen Landschaften und natürliche Anziehungspunkte beschrieben, während in der Kultur auch auf Soziokulturelles wie Traditionen, Sprache und Museen eingegangen wird. Die allge- meine Infrastruktur enthält Informationen zur Ver- und Entsorgung, der Bildung und dem Verkehrswesen. Abgeleitete Angebote sind laut Freyer (2015) jene Infrastrukturen, die einen Ort erst zu einer Destination im Sinne des Tourismus machen. Hierbei gehören speziell für den Tourismus geschaffene Anlagen wie Beherbergung und Verpflegung so- wie touristische Dienstleistungen und Freizeitangebote. Auch extra für den Tourismus geschaffene Events zählen dazu.8

Laut Ellenberg (2008) ist der Ökotourismus Zentralamerikas Markenzeichen.9 Daher wird als letzter Punkt der Destinationsanalyse auf das bislang vorhandene ökotouristische Angebot beider Länder eingegangen.

2. Ökotourismus

2.1 Entstehung des Ökotourismusbegriffes und dessen gegenwärtige

Konkretisierung

Der Weg zum Ökotourismus beginnt bereits 1810 mit der Idee, einen Schutz für beson- dere Naturlandschaften einzurichten. Das erste Gebiet jedoch wird erst 1864 in den USA geschützt. Schritt für Schritt folgt daraufhin weltweit die Gründung weiterer Schutzge- biete und Nationalparks.10 Mit Zunahme der Fernreisen in den 1970er Jahren wurde der Menschheit erstmals bewusst, dass der Tourismus nicht nur ökologische, sondern auch soziale Auswirkungen hatte.11 Der Ökotourismus entsteht, wie das erste Naturschutzge- biet, ebenfalls in Nordamerika, allerdings erst in den 1980er Jahren. Er steht seither für eine Art des Reisens, welche nicht nur die Abnutzung von Naturräumen durch Touristen verringern-, sondern gleichermaßen den Reisenden die Umwelt stärker ins Bewusstsein rücken sollte.12 Ebenfalls in den 80er Jahren erkennt die Tourismusindustrie, dass Urlau- ber eine gute Qualität der Umwelt gleichermaßen mit einer hohen Produktqualität ver- binden. Dies führt dazu, dass die TUI (Touristik Union International) als erster großer Tourismuskonzern auf diversen Veranstaltungen über die Wichtigkeit dieses Themas aufgeklärt- und zudem einen Umweltbeauftragten eingestellt hat.

Der Regenwald als Beispiel für bedrohte Artenvielfalt und der Verlust von Biodiversität in den Tropen während der 90er Jahre führt zu erneutem Handlungsbedarf. Der WWF (World Wildlife Foundation) kreiert zu diesem Zeitpunkt ein neues ökotouristisches Kon- zept, was besonders auf die Entwicklungsländer zugeschnitten wird, um diese Länder zu unterstützen.13 Seit Mitte der 90er Jahre gehört auch die Bildung und Aufklärung in der natürlichen Umwelt zum Begriff des Ökotourismus hinzu.14 Ende der 90er Jahre ist das Ziel der Ökotouristen nach Stock (1997a), immer mehr an dem Leben der Einheimischen einer Destination teilzuhaben und somit Authentizität zu erleben.15

Eine einheitliche Definition des Ökotourismus existiert bislang nicht16, jedoch ergänzen sich ein starkes Umweltbewusstsein und die Achtsamkeit auf Nachhaltigkeit in sämtlichen Bereichen der Tourismuswirtschaft gegenwärtig zum Begriff des Ökotourismus.17 Die Reisen zu Naturdestinationen, die finanziellen Vorteile für Naturschutz und lokale Einwohner sowie der Respekt der lokalen Kultur und die Unterstützung der Menschenrechte erweitern die Auslegung.18 Diese Aspekte gleichen die negativen Auswirkungen des Reisens auf eine andere Art und Weise wieder aus.19 Anhang B) Abbildung 1 zeigt die vereinfachte Darstellung des Ökotourismus graphisch.

2.2 Abgrenzung der Begriffe Öko- und Naturtourismus

Ökotourismus versteckt sich häufig auch unter anderen Oberbegriffen. Synonyme sind beispielsweise „bewusster Tourismus“, „verantwortungsvoller Tourismus“, „ethischer Tourismus“ oder auch „Pro-Armut Tourismus“.20 Oftmals werden auch die Begriffe des Ökotourismus sowie des Naturtourismus als gleichwertig angesehen. Dennoch können beide Begriffe voneinander abgegrenzt werden.21 Im einfachen Sinne ist Ökotourismus jener Tourismus, welcher in natürlichen Umgebungen stattfindet.22 Dies ist allerdings vergleichbar mit dem Naturtourismus, welcher vor allem für das Erleben der Natur mit allen Sinnen steht. Beim Ökotourismus jedoch ist das Informieren der Touristen ebenfalls ein wichtiger Faktor. Informationen sind in diesem Fall als Aufklärung über die Bedro- hungen von Natur und Umwelt, sowie die dazugehörigen Einflüsse der Menschheit zu verstehen. Sobald ein Besucher als Naturtourist unterwegs ist, dabei aber zusätzlich Informationen über eventuell bestehende Bedrohungen der Flora und Fauna oder auch zu Projekten in der Naturdestination erhält, gilt dieser zugleich als Ökotourist.23 Auch der Aspekt der positiven Lebensentwicklung der lokalen Bevölkerung ist Teil des Öko-, jedoch nicht zwingend des Naturtourismus.24

Ferner beschränken sich Naturtouristen auf Zielgebiete, welche unberührte Naturräume vorzuweisen haben. Die Wildnis wird während der Reisen gesucht.25 Naturtouristen kön- nen jedoch die Natur und Kultur einer Destination negativ verändern,26 denn der Aspekt der Nachhaltigkeit wird von ihnen nicht berücksichtigt.27 Naturreisende minimieren auch nicht die negativen Einflüsse des Massentourismus und schützen während ihrer Reisen nicht die Umwelt. Im Ökotourismus hingegen ist letzteres zwingend erforderlich28 und diese Art von Tourismus ist immer nachhaltig.29 Zusammengefasst, ohne Berücksichti- gung aller typischen Charakteristika, ist Ökotourismus eine steuernde und kontrollierte Art des Naturtourismus sodass der Aspekt der Nachhaltigkeit hervorsticht.30

2.3 Auswirkungen des Ökotourismus

“You may never know what results come of your action, but if you do nothing there will be no resultǤ” Mahatma Gandhi (1869 - 1948)31

Gandhis Zitat lässt sich auch auf die Auswirkungen des Ökotourismus übertragen, denn die Menschen starteten einen Versuch, die negativen Auswirkungen des Tourismus zu minimieren ohne genau zu wissen, was ihre Schritte zukünftig bewirken werden.

2.3.1 Ökologische Auswirkungen

Ökotouristen haben die Möglichkeit Flora und Fauna zu beobachten und gleichzeitig einen Beitrag zu deren Schutz zu leisten.32 Dieser Beitrag wird durch freiwillige Teilnah- me an Umwelt- oder Naturschutzprojekten erreicht,33 kann aber auch durch monetäre Unterstützung geleistet werden.34 Besonders die ärmeren Länder der Erde können durch Naturreisende, welche z.T. als Ökotouristen unterwegs sind, Maßnahmen für den Natur- schutz überhaupt erst finanzieren.35 Diese Länder finanzieren ihre Schutzgebiete durch Eintritts- und Nutzungsgebühren sowie durch den Verkauf von Waren und Dienstleistun- den in den Gebieten. Auch Spendengelder werden häufig freiwillig überreicht.36

Wie sehr die Natur bedroht ist, wie viele Tier- und Pflanzenarten bereits ausgestorben sind und wie viele vom Aussterben bedroht sind, lernen Ökotouristen in den Zielgebieten kennen. Diese emotionale Informationsaufnahme kommt der Umwelt zu Gute, denn sie leitet zu einem sanfteren Umgang mit Natur und Umwelt in der Zukunft.37 In Verbindung mit seiner Reise stellt sich ein Ökotourist ständig die Frage, wie er die Erderwärmung so gering wie möglich halten kann. In diesem Zusammenhang möchte ein Ökotourist nur wenige Aktivitäten im Zielgebiet nutzen, um auch nachfolgenden Generationen noch das Reisen zu ermöglichen.38 Die Emotionen der Ökotouristen führen gelegentlich auch zu zukünftigen Patenschaften für Tier- oder Pflanzenarten oder ganzen Ökosystemen. Nicht selten findet das Erlangen von Kenntnissen zum nachhaltigen Umgang mit Flora und Fauna und eine tatkräftige Unterstützung in den Zielgebieten auch in Form von Freiwilligenarbeit statt. Das Lernen kann jedoch aufgrund der verschiedenen Schutzge- bietskategorien (s. Anhang A) Tabelle 1) nicht in allen Schutzgebieten angeboten werden. Diese Kategorien ermöglichen einen nachhaltigen Umgang mit der Natur, da in strengen Naturschutzgebieten der Ökotourismus nicht erlaubt ist und Nationalparks speziell für die Umweltbildung genutzt werden können. Der strenge Schutz spezieller Gebiete steht somit noch über dem Tourismus.39

Im Gegensatz zu den zuvor genannten positiven ökologischen Auswirkungen kommen jedoch die touristischen Aktivitäten nicht zwingend der Umwelt zur Gute. Denn überall wo Tourismus stattfindet, erhöht sich auch die Anzahl an Menschen in der Natur.40 Aller- dings können viele potentielle Ökotourismusdestinationen eine Vielzahl an Menschen nicht bewältigen, da Wasser, Transportmöglichkeiten und Müllsysteme nicht ausrei- chend vorhanden sind.41 Diese Probleme werden durch Lärmaufkommen sowie Luft- und Wasserverschmutzung ergänzt.42 Auch Stronza (2008) beschreibt, dass die natürlichen Lebensräume für touristische Aktivitäten genutzt werden und somit Flora- und Fauna zerstört wird.43 Buckley (2004) ergänzt, dass auch ohne eine steigende Besucheranzahl jeder Mensch seine negativen Abdrücke in der Natur hinterlässt, auch wenn dieser gut über Artenschutz informiert ist und sich vorsichtig verhält.44 Butler (1992) beschreibt den Weg des Ökotourismus daher als einen langsameren Weg - den Massentourismus als schnelleren Weg - der Zerstörung von natürlichen Ressourcen.45

2.3.2 Ökonomische Auswirkungen

Bereits während der Anfänge des Ökotourismus sucht die reisende Gesellschaft einen Abstand zum Massentourismus und empfindet die Förderung der lokalen Ökonomie für die Einheimischen als wichtig.46 Durch ein steigendes Interesse der Urlauber an Natur und Umwelt können Tourismusattraktionen eine deutlich höhere Besucherzahl errei- chen. Voraussetzung hierfür ist, dass die Attraktionen an Umweltaspekte angepasst werden oder diese Attraktionen von Beginn an mit der Berücksichtigung der Umwelt entstanden sind. Tierparks, Zoos oder auch Bauernhöfe, welche durch diverse Program- me über Artenbedrohungen informieren, können somit ihr Angebot ohne Weiteres zum Ökotourismusangebot machen.47 Zu den positiven ökonomischen Effekten gehören ebenfalls die neu geschaffenen Arbeitsplätze48, welche z.T. in der Managementebene vergeben werden. Dies liegt daran, dass viele Betriebe, teilweise mit internationaler Füh- rung, die Einheimischen mit in die Entscheidungen einbeziehen wollen, um vor Ort ak- zeptiert zu werden.49 Durch anreisende Ökotouristen in touristisch eher unerschlossenen Destinationen steigt zugleich die Nachfrage nach Unterkünften, Wäschereien und Inter- netcafés.50

In Bezug auf die Gegenwart erhöht sich die Möglichkeit einer steigenden Einkommensgenerierung durch den Ökotourismus.51 Ein Grund für die erhöhten Einnahmen ist, dass Ökotouristen nachweislich mehr Geld während ihrer Reise ausgeben als andere Touristen. Kann ein Anbieter nachweisen, dass dieser nachhaltig wirtschaftet, sind Ökotouristen sogar bereit etwa 8,5 Prozent mehr zu bezahlen.52 Mit Blick auf die Zukunft kann diese Art von Tourismus aber auch generell die eine Einkommensgenerierung im Bereich Tourismus fördern, denn Flora und Fauna einer Destination werden geschont und stehen den Touristen somit länger als Attraktion zur Verfügung.53

Ergänzend kann vom Ökotourismus auch der Gesundheitstourismus in derselben Desti- nation profitieren. Denn die Beibehaltung der ursprünglichen Natur bedeutet ebenfalls die Beibehaltung eines ansprechenden Landschaftsbildes, welches für den Gesundheits tourismus erforderlich ist. Beide Tourismusbranchen verbindet das Interesse zum Um- weltschutz und so können diese gegenseitig voneinander profitieren und sich ergänzen.54

2.3.3 Soziokulturelle Auswirkungen

55Teil der Soziokultur ist das Erwerben von verschiedenen Kenntnissen56, welche beim Ökotourismus vermittelt werden. Reisende im Sinne des Ökotourismus erweitern ihr Wissen während des Urlaubes im Bereich des lokalen Naturschutzes als auch im Bereich der ggf. vorhandenen Umweltprobleme. Dabei wird den Reisenden die Verantwortung gegenüber der Umwelt bewusster und das eigene Verständnis zur Umwelt wird erwei- tert.57

Besonders die Entfernung zum Alltag einschließlich der Probleme gilt als bedeutend für die Entscheidung als Ökotourist zu reisen. Die Natur ermöglicht es, Touristen die Distanz zu Problemen zu schaffen, sodass der Kopf freier- und eine Aufnahme an Informationen über den Naturschutz vereinfacht wird. Im Alltag können solche Informationen nur schwert verinnerlicht werden. Des Weiteren entsteht zwischen den Ökotouristen selbst eine Gemeinschaft, welche das soziale Umfeld der Touristen positiv beeinflusst und zu- gleich der Seele guttut.58 Möglich ist auch, dass Ökotouristen sich zukünftig durch ihre Reise politisch für den Umweltschutz engagieren oder zumindest ihren eigenen Lebens- stil nachhaltig gestalten.59

Nach den soziokulturellen Auswirkungen der Reisenden wird im Folgenden die Seite der Einheimischen betrachtet.

Während andere Entwicklungsstrategien für soziale Komponenten der lokalen Bewoh- nerschaft bereits gescheitert sind, wird alle Hoffnung für eine positive Entwicklung der Bevölkerung in den Ökotourismus gesetzt. Zur sozialen Entwicklung gehören ebenfalls der Abbau von Armut und ein höheres Einkommen durch neu geschaffene Arbeitsplätze. Allgemein führt dies zu einem erhöhten Lebensstandard und dem Erlernen neuer Spra- chen, welche für die Berufsausübung notwendig sind.60 Während der Arbeit können die Einheimischen neue Kontakte, sei es zu Touristen, Forschern oder Lerninstituten, knüp- fen. Ohne Ökotourismus entstehen Netzwerke wie diese oftmals nicht. Die Ankunft der Ökotouristen führt auch dazu, dass die lokalen Einwohner sich wieder ihren alten Traditi- onen widmen, diese leben und an sie glauben, und somit auch einen Stolz für die eigene Kultur entwickeln oder vertiefen.61 Auch das Umweltbewusstsein der lokalen Bevölke- rung erhöht sich im Allgemeinen und62 durch eine ökotouristische Entwicklung wird auch die Infrastruktur einer Destination verbessert,63 was zugleich das Leben der Einheimi- schen angenehmer gestalten lässt.

Besuchen Ökotouristen die Einheimischen, lässt sich jedoch feststellen, dass Einheimi- sche ihre Lebensweise mit jener der Touristen vergleichen. Den Einheimischen wird da- bei ein falsches Bild der Touristen vermittelt, da während der Reise die sonst alltäglichen Arbeiten und Anstrengungen der Besucher nicht zu beobachten sind.64 Gleichermaßen versuchen die Einheimischen das Verhalten der Besucher anzunehmen, sodass die ur- sprüngliche Kultur verändert wird.65 Der Vergleich mit den Touristen und die Anpassung an die Besucher können daher auch als negative soziokulturelle Auswirkungen in der Zieldestination angesehen werden.

Weitere Auswirkungen sind in Anhang A) Tabelle 2 dargestellt.

3. Politischer Rahmen mit Bezug auf den Tourismus

3.1 Rahmenbedingungen in Costa Rica

Nach der Abschaffung des Militärs im Jahr 1949, mit Ende des Bürgerkrieges in Costa Rica, entsteht ein Raum für Neues im Land. Dieser Raum wird mit Gedanken bezüglich des Umweltschutzes gefüllt. Das Land gilt zwar als Entwicklungsland, ist aber gleicher- maßen auch Vorreiter im Ökotourismus und in der Umweltschutzpolitik.66 1969 wird mit dem Forstwirtschaftsgesetz ein wichtiger Schritt zum Nationalparksystem gesetzt. Das Gesetz soll ab diesem Zeitpunkt die Umwelt- und die Artenvielfalt schützen und wird erstmals 1970 im Cahuita Nationalmonument angewendet.67 Costa Rica ist eines der Länder auf der Erde, welches einen besonderen Fokus auf den Schutz von Klima und Na- tur legt. Dadurch ist eine umfangreiche Umweltpolitik in Costa Rica unerlässlich.68 Be- reits in einigen Schulen wird die Wichtigkeit der Umweltpolitik in Form des Pflichtfaches „Angewandter Umweltschutz“ den Schülern nahegebracht.69 Das vorhandene Umwelt- ministerium setzt sich für Besucherlimitation in den Nationalparks und Naturreservaten ein, um den Schutz der Artenvielfalt auch zukünftig gewährleisten zu können.70

Des Weiteren schlägt Costa Rica einen anderen politischen Weg ein, als seine amerikani- schen Nachbarn und wird daher auch die Schweiz Mittelamerikas genannt.71 Denn der Staat unterstützt den Tourismus im Land durch Subventionen für touristische Unter- nehmen und gleichermaßen erleichtert die Regierung diesen Unternehmern auch den Zugang zu Krediten.72 Ebenfalls hat Costa Rica sich das Ziel gesetzt, im Jahr 2021 das erste Kohlenstoffdioxid-neutrale Land auf der Erde zu sein. Präsident Óscar Arias war

3 Politischer Rahmen mit Bezug auf den Tourismus 13

einer der wichtigsten Personen, die Costa Rica in diese Richtung gebracht hat.73 Anhang

A) Tabelle 4 zeigt ergänzend die wichtigsten politischen Veränderungen in Costa Rica, welche auch entscheidend für die Tourismusentwicklung im Land gewesen sein könnten.

3.2 Rahmenbedingungen in Nicaragua

Nicaragua wird weltweit oftmals als das Gegenteil von Costa Rica gesehen. Das Land wird mit dunkler Haut, Armut und einer undemokratischen Regierungsform in Verbindung gebracht.74 Diese Vorurteile bilden für potentielle Zentralamerika-Reisende eine unsichtbare Barriere für die letztliche Einreise in das Land.

Während in Costa Rica in den 1970er Jahren bereits das Forstwirtschaftsgesetz angewendet wird, verbringt Nicaragua diese Jahre mit Streiterein bezüglich seiner Regierung und verhindert somit jeden möglichen touristischen Aufschwung im eigenen Land.75 Die Bürgerkriege im Land in den 1980er Jahren bringen Nicaragua in eine finanzielle Krise, denn überwiegend wird Geld in den laufenden Bürgerkrieg gesteckt. Ab 1990 wird das Land konservativ durch Violeta Chamorro regiert und so ist Nicaragua nach 16 Jahren, im Jahr 2006, das zweitärmste Land in ganz Lateinamerika.76

Zur selben Zeit führt die Armut im Land dazu, dass viele der Einwohner Nicaraguas nur noch durch das Abbrennen des Regenwaldes überleben können, denn dadurch ist neues Ackerland gewinnbar. Neben dem Abbrennen ist aber auch die Abholzung des Regen- walds unkontrolliert. Eine Organisation in Nicaragua, welche im Rahmen eines Projektes zusammen mit einem Entwicklungsprojekt aus Österreich die Rodung des Waldes stop- pen will, erlangt jedoch trotzdem Erfolge in der Aufklärung der Einheimischen über die Wichtigkeit von nachhaltigem Ackerbau. Auch können durch die teilnehmende Bevölke- rung bereits 2008 wieder einige Hektar an Regenwald aufgebaut werden.77

2007 folgt durch den Amtsantritt von Daniel Ortego eine Wende in der politischen Geschichte Nicaraguas, denn erstmals werden sozialstaatliche Handlungen durchgeführt und es starten Programme zur Bekämpfung der Armut im Land.78

2017 wird deutlich, dass Nicaraguas Regierung auch im Bereich des nachhaltigen Tou- rismus mitwirkt und eine Umweltpolitik mit Verantwortung umsetzen möchte; und das trotz des nicht unterzeichneten Klimaabkommens in diesem Jahr. Für Ökotouristen, wel- che den Schutz der Umwelt als essentiell betrachten, kann die Nichtunterzeichnung in erster Hinsicht ein Grund sein, sich gegen eine Reise nach Nicaragua zu entscheiden. Doch die Gründe für die Nichtunterzeichnung des Klimaabkommens haben nichts damit zu tun, dass Nicaragua nicht auch nachhaltig handeln möchte. Es muss berücksichtigt werden, dass die Unterzeichnung nicht stattgefunden hat, da Nicaragua der Meinung ist, dass das Klimaabkommen weder den Klimawandel abhalten, noch Länder schützen kann in denen unbedingt gehandelt werden muss. Ebenfalls fühlt sich das Land nicht als Ver- antwortlicher für den Klimawandel und versucht trotzdem die Emission zu reduzieren.79

Bis dato setzt die Regierung durch, dass jede Gemeinde im Besitz einer Abteilung für natürliche Ressourcen ist. Ebenfalls wird die Armee im Land zu Umweltzwecken einge- setzt, indem sie die Meeresschildkröten schützen, während ein anderer Teil in den Tro- penwäldern Patrouille läuft, um die Wälder vor illegaler Abholzung zu bewahren.80 An- hang A) Tabelle 5 stellt die wichtigsten politischen Veränderungen in Nicaragua, welche auch entscheidend für die Tourismusentwicklung im Land gewesen sein könnten, dar.

4. Destinationsanalyse Costa Rica

4.1 Einteilung nach Größe und geographischen Aspekten

Costa Rica liegt in Mittelamerika und ist größentechnisch mit dem Bundesland Nieder- sachsen vergleichbar.81 So gehören etwa 52.000 Quadratkilometer Land zu Costa Rica. Das Land grenzt im Norden an Nicaragua, im Süden an Panama und ist im Westen vom pazifischen Ozean, sowie im Osten vom karibischen Meer umgeben.82 An schmalster Stelle befinden sich 119 Kilometer Land zwischen den beiden Meeren.83 Außerdem liegt das Land auf der sogenannten Brücke zwischen den Kontinenten Nord- und Südameri- ka.84 Eingeteilt ist Costa Rica in sieben Provinzen und die Hauptstadt ist San José.85

Der von Nordwest nach Südost verlaufene Gebirgskamm teilt das Klima in Costa Rica in zwei Zonen. Dabei ist östlich des Gebirgskammes ein immer-feuchtes Klima festzustel- len, während das Klima zur Pazifikküste hin wechselhaft-feucht ist. Aufgrund der Unter- schiede, z.T. durch klimatische Extreme, ist das Klima als tropisch anzusehen. Weiterhin ist Costa Rica eines der regenreichsten Länder der Erde. An der Atlantikküste fällt der Regen während des ganzen Jahres wobei keine Trockenzeit existiert. An der Pazifikseite hingegen gibt es eine Regenzeit von acht bis neun Monaten und dementsprechend eine regenfreie Zeit von drei bis vier Monaten, in der kaum Niederschläge zu verzeichnen sind. Man spricht in der Regenzeit von Winter und in den trockenen Monaten von Som- mer. 27 Grad Celsius beträgt die Durchschnittstemperatur in den Tief-, 21 Grad Celsius in den Hochebenen. Die Temperaturen schwanken im ganzen Jahr um nicht mehr als drei Grad Celsius - die Jahreszeiten charakterisiert nach Temperaturen entfallen daher.86

In Costa Rica zeichnen sich die drei verschiedenen Landschaftsformen, Gebirge, Hügel- land und Tiefebene, ab. Dabei entspricht die Fläche der jeweiligen Landschaftsformen in etwa einem Drittel des Landes. Der Kontrast zwischen Pazifik- und Atlantikküste wird auch in den Landschaftsformen deutlich. Die Atlantikküste ist vergleichsweise flach, die Pazifikküste gebirgig. Die Pazifikküste erstreckt sich auf 1016km Länge, die Küste der Karibik auf 212km.87 Hinzukommend gehören zahlreiche Inseln zu Costa Rica. UNESCO Welterbestätte ist die „Isla de Coco“Ǥ88 97-mal kleiner als der größte See Nicaraguas,89 ist mit 85km² der größte See Costa Ricas, der Lago Arenal.90 Kapitel 4.3.1 zeigt weitere na- türliche Aspekte auf.

In Costa Rica leben etwa 4.800.000 Menschen91 und somit nur halb so viele92 wie im grö- ßentechnisch vergleichbaren Niedersachsen.93 Die dichteste Besiedlungsstruktur findet man im Zentraltal.94 Hier befinden sich auch die Provinzen San José und Cartago, in de- nen zusammen etwa die Hälfte aller Bewohner Costa Ricas leben.95 Grund dafür ist der fruchtbare Boden, verursacht durch die Vulkane und die klimatischen Bedingungen. Im Zentrum des Zentralteils liegt auch die Hauptstadt San José, in der ein Zehntel der Ge- samtbevölkerung lebt.96 94 Prozent der Gesamtbevölkerung sind Mischlinge aus spani- schen Vorfahren und Weißen, sogenannte Mestizen. Weitere drei Prozent sind Schwar- ze, welche sich hauptsächlich an Costa Ricas Karibikküste angesiedelt haben. Die restliche Bevölkerung besteht aus Indios97, Chinesen und anderen Nationalitäten.98 Etwa eine halbe Million Menschen aus Nicaragua leben ebenfalls in Costa Rica, teilweise auch illegal.99

4.2 Zielgruppenanalyse nach Gästestruktur und Reisemotiven

Die ersten Ökotouristen in Costa Rica sind die Einheimischen selbst, nachdem die Mittel- schicht zwischen den 1950er und 1960er Jahren nach dem zweiten Weltkrieg ansteigt. Ausländische Touristen sind vor den 80er Jahren hauptsächlich Wissenschaftler, welche die Artenvielfalt des Landes untersuchen.100 Etwa die Hälfte aller internationalen Touris- tenankünfte von 1995 bis 2006 machen Besucher aus den USA sowie aus Nicaragua aus. Insgesamt stammen zwischen 1995 und 2006 die internationalen Gäste zu mehr als 80 Prozent vom amerikanischen Kontinent. Die übrigen Anteile sind auf alle anderen Länder der Welt verteilt. 2016 sind die Deutschen die Hauptzielgruppe der Reisenden aus Euro- pa. 37.046 Deutsche von insgesamt 219.671 europäischen Gästen reisen demnach im ersten Halbjahr nach Costa Rica.101 Insgesamt verzeichnet Costa Rica 2,9 Millionen inter- nationale Touristenankünfte im Jahr 2016.102 Aktuelle Zahlen internationaler Touris- musankünfte sowie deren Reisemotive sind in Anhang A) Tabelle 6 dargestellt.

Costa Rica ist das einzige Land in Zentralamerika, in dem Touristen auch nur für einen Strandurlaub anreisen. Dieser Urlaub wird in Guanacaste oder Quepos an der Pazifikküs- te oder südlich von Puerto Limón an der Karibikküste verbracht.103 Hauptreisemotiv ist allerdings der Ökotourismus und das natürliche Angebot ist jenes, welches die meisten Ökotouristen in Anspruch nehmen. So besuchen 70 Prozent aller Touristen die Strände, 53 Prozent betrachten Flora und Fauna und ebenfalls 53 Prozent wandern durch die Na- tur. Unter den zehn meist durchgeführten Aktivitäten (siehe Anhang A) Tabelle 7) ist nur 4 Destinationsanalyse Costa Rica 18 das Shopping nicht mit dem natürlichen Angebot Costa Ricas verbunden. Trotzdem gehen etwa 41 Prozent aller Touristen während ihrer Reise auf eine Shoppingtour.104

4.3 Touristisches Angebot

4.3.1 Ursprüngliches Angebot

Da Costa Rica zwischen zwei verschiedenen Kontinenten liegt, verfügt es auch über die Artenvielfalt beider Kontinente.105 Das Land, welches lediglich 0,03 Prozent der gesam- ten Landmasse auf der Welt einnimmt, deckt etwa fünf Prozent der weltweiten Biodiver- sität ab.106 Über die Anzahl der Artenvielfalt sind sich Experten hingegen nicht einig (sie- he Anhang A), Tabelle 8). Jedoch lässt sich feststellen, dass mindestens 200 Säugetierarten und 800 Vogelarten das Land bewohnen.107 Insgesamt beheimatet Costa Rica mehr verschiedene Arten an Pflanzen und Tieren als die USA und Kanada zusam- men.108 Insbesondere der Tukan109 wird mit Costa Ricas Fauna in Verbindung gebracht. Aber auch die Eiablage der Riesenschildkröten am Strand kommt einem Naturschauspiel gleich.110 Die 70 teilweise erloschenen und teilweise aktiven Vulkane111, grüne Bergketten und Viehweiden, trockene Tropenwälder sowie feuchtheiße Urwälder und Regen- und Nebelwälder zeigen die verschiedenen Landschaften des Landes auf. Hinzu kommen noch die kilometerlangen Sandstrände und die heißen Savannen.112 Klimabedingt exis- tieren der tropische Regenwald an der Karibikküste sowie Savannen und tropische Tro- ckenwälder im Nord-Westen des Landes das ganze Jahr über.113

Wichtige Anziehungspunkte sind der Nebelwald von Monteverde, in dem sich Flora und Fauna besonders gut beobachten lässt und der Regenwald im Nationalpark Tortuguer- o.114 Tortuguero besteht aus 110km langen Kanälen, auf denen man vom Boot aus See- kühe und hunderte Vogelarten beobachten kann.115 Auch die Vulkane Arenal, Poás und Irazú locken viele Besucher an. Mit einer Höhe von 3432 Metern ist der Irazú der höchste Vulkan in Costa Rica, der Poás beeindruckt durch sein türkisfarbenes hochgradig ätzen- des Kraterwasser und der aktive Arenal spuckt nachts Lava. Vom 3820 Metern hohen Berg Cerro Chirripó lassen sich zeitgleich der Pazifik und das karibische Meer betrach- ten.116 Der Cerro Chirripó ist auch der einzige Berg zwischen dem mittelamerikanischen Guatemala und dem südamerikanischen Kolumbien, der mit einer Gletscherspitze ab- schließt.117 Auch eine Vielzahl an verschiedenen Gewässern kann in Costa Rica besucht werden. Hierzu gehören die heißen Thermalquellen in der Nähe des Vulkans Arenal, der Arenalsee, zahlreiche Wasserfälle in den Regenwäldern sowie der pazifische- und atlanti- sche Ozean.118 Die Strände sind teilweise mit schwarz-vulkanischem Sand bestückt, an- dere bieten hellen Sand. Strände verbunden mit subtropischer Natur, kleinen Inseln so- wie einer hohen tierischen Artenvielfalt findet man im Nationalpark Manuel Antonio.119

Das soziokulturelle Angebot beinhaltet die einmalige Kultur der Einheimischen.120 Zu dieser zählen Kunsthandwerksarbeiten, die Herstellung von Schmuck und Alltagsgegen- ständen aus Holzschnitzereien und Töpferarbeiten. Hervorzuheben ist die Herstellung von Ochsenkarren, welche bis 1890 dem Transport von geerntetem Kaffee dienen. Ge- genwärtig sind die Ochsenkarren Statussymbol und werden zu dekorativen Zwecken weiterverarbeitet.121 Ostern ist das bedeutendste Fest im Lande und wird mit Prozessio- nen gefeiert.122 Aber auch der día del negro, zelebriert jährlich am 31. August, ist ein wichtiges kulturelles Fest der einheimischen Bevölkerung. Besonders die afro-karibische Kultur wird dabei gefeiert, aber eigentlich gilt der Tag der gesamten Mischbevölkerung. Die Multikultur wird daher mit Musik, reichhaltigem Essen und künstlerischen Auftritten gefeiert.123 Die weitere Kultur der Costa-Ricaner ist durch die Europäer geprägt.124 Kultu- relle Sehenswürdigkeiten sind im Land nur selten zu finden,125 daher wird die Natur in Costa Rica auch oftmals als sein Tempel bezeichnet. Zu den wichtigsten Museen gehören das Museo Nacional und das Museo de Oro.126 Diese befinden sich, wie die meisten der vorhandenen Museen, in San José. Da jedoch 95 Prozent der Einheimischen in Costa Rica dem katholischen Glauben angehören, ist auch jedes kleine Dorf mit einer Kirche verse- hen. Eine wichtige Kirche ist die Kirche von Cartago, zu der jedes Jahr tausende von kranken Pilgern unterwegs sind, um dort eine Wunderheilung zu erlangen.127 Die Landes- sprache in Costa Rica ist Spanisch. Allerdings gibt es einige Unterschiede zu dem europä- ischen Spanisch. Nicht nur ein anderer Akzent wird gesprochen, sondern das Spanisch ist auch sehr von dem Englisch der Karibikküste geprägt.128

Zur allgemeinen Infrastruktur ist zu erwähnen, dass annähernd die gesamte Bevölkerung in Costa Rica von staatlichen Betrieben mit Strom versorgt wird.129 Die Trinkwasserver- sorgungsrate der Bevölkerung liegt bei 97 Prozent.130 Beachtlich dabei ist, dass der Strom ohne Ausnahme von erneuerbaren Energien erzeugt wird.131

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1 Vgl. Viegas, 1998, S. 15f.

2 Vgl. Danielli; Sonderegger, 2009, S.18ff. .3 Vgl. Mader, 2017

4 Vgl. Pleumarom, 1997, S. 74ff.

5 Vgl. Wearing und Neil, 2000, S.72

6 Vgl. Miller, 2012, S.71

7 Vgl. Freyer, 2015, S.332ff.

8 Vgl. ebenda, S.323ff.

9 Vgl. Ellenberg, 2008, S.54

10 Vgl. Danielli; Sonderegger, 2009, S.28f.

11 Vgl. Strasdas, 2017, S.33

12 Vgl. Viegas, 1998, S. 2

13 Vgl. Strasdas, 2017, S.35ff.

14 Vgl. Tisdell; Wilson, 2012, S. 8

15 Vgl. Stock, 1997a, S.7ff.

16 Vgl. Mader, 2009, S.5

17 Vgl. Viegas, 1998, S. 2

18 Vgl. Honey, 2008, S.29ff.

19 Vgl. Fuad-Luke, 2009, S.21

20 Vgl. Mader, 2017

21 Vgl. Viegas, 1998, S. 4

22 Vgl. Diedrich, 2008, S.4

23 Vgl. Viegas, 1998, S. 4

24 Vgl. Stronza, 2008, S.4

25 Vgl. Viegas, 1998, S. 17ff.

26 Vgl. Danielli; Sonderegger, 2009, S.19

27 Vgl. Dickhut, 2017, S.116

28 Vgl. Stronza, 2008, S.4

29 Vgl. Dickhut, 2017, S.116

30 Vgl. Tisdell; Wilson, 2012, S.9

31 Zit. von Gandhi

32 Vgl. Miller, 2016, S. xii

33 Vgl. Viegas, 1998, S. 8

34 Vgl. Dickhut, 2017, S.113

35 Vgl. Viegas, 1998, S.18

36 Vgl. Dickhut, 2017, S.127

37 Vgl. Viegas, 1998, S. 9

38 Vgl. Fuad-Luke, 2009, S.15

39 Vgl. Dickhut, 2017, S.107ff.

40 Vgl. Viegas, 1998, S. 13

41 Vgl. Miller, 2012, S.21

42 Vgl. Buckley, 2004, S.12

43 Vgl. Stronza, 2008, S.7

44 Vgl. Buckley, 2004, S.11

45 Vgl. Wearing und Neil, 2000, S. 46 zit. nach Butler 1992

46 Vgl. Miller, 2012, S.3

47 Vgl. Viegas, 1998, S. 7ff.

48 Vgl. Miller, 2012, S.13

49 Vgl. Job; Woltering, 2009, S.108

50 Vgl. Miller, 2012, S.19

51 Vgl. Miller, 2016, S. xii

52 Vgl. Wearing und Neil, 2000, S. 120

53 Vgl. Miller, 2016, S. xii

54 Vgl. Rathmann, 2016, S.68

55 Soziokultur beschreibt die Gesamtheit der sozialen, kulturellen und politischen Bedürfnisse sowie auch die Interessen einer Gesellschaft

56 Vgl. Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V., 2009

57 Vgl. Viegas, 1998, S. 3ff.

58 Vgl. ebenda, S.9ff.

59 Vgl. Buckley, 2004, S.9

60 Vgl. Miller, 2012, S.7ff.

61 Vgl. Stronza, 2008, S.4

62 Vgl. Pleumarom, 1997, S.82f.

63 Vgl. Miller, 2012, S.19

64 Vgl. Vorlaufer, 1996, S.61 zit. nach Wirth 1976, S. 215ff.

65 Vgl. ebenda, S.61 zit. nach Prahl u. Steinecke, 1979, S.100ff.

66 Vgl. Miller, 2012, S.1ff.

67 Vgl. ebenda, S.62

68 Vgl. Globalisierung-Fakten, 2005-2017

69 Vgl. Knoblauch, 1991, S.136

70 Vgl. Viegas, 1998, S.37

71 Vgl. Miller, 2012, S.32

72 Vgl. Ellenberg, 2008, S.53

73 Vgl. Miller, 2012, S.1ff.

74 Vgl. ebenda, S.33

75 Vgl. Ellenberg, 2008, S.52

76 Vgl. Knecht, 2008, S.18f.

77 Vgl. Haunschmid, 2008, S.24f.

78 Vgl. Leonhard, 2008

79 Vgl. Nicaragua-Forum Heidelberg, 2015

80 Vgl. Gleeson; Egerton, 2016, S.288

81 Vgl. Viegas, 1998, S.37

82 Vgl. Wearing und Neil, 2000, S.86

83 Vgl. Knoblauch, 1991, S.95

84 Vgl. Wearing und Neil, 2000, S.86

85 Vgl. Nuhn, 2008, S.20

86 Vgl. Knoblauch, 1991, S.94ff.

87 Vgl. Knoblauch, 1991, S.94ff.

88 Vgl. Costa Rica Tourism Board, 2017a

89 Vgl. Vianica.com, o.J.

90 Vgl. arenalnet. 2002-2015a

91 Vgl. Auswärtiges Amt, 2017

92 Vgl. Statista, 2017

93 Vgl. Viegas, 1998, S.37

94 Vgl. Knoblauch, 1991, S.95

95 Vgl. SeBa World, 2008

96 Vgl. Knoblauch, 1991, S.95ff.

97 Indios = Indigene, also ursprüngliche, Bevölkerung

98 Vgl. Costa-Rica-Portal, o.J.

99 Vgl. Ellenberg, 2008, S.56

100 Vgl. Miller, 2012, S.57

101 Vgl. Global Communication Experts GmbH, 2016102 Vgl. ICT, o.J.

103 Vgl. Lumsdon; Swift (2001), S.90

104 Vgl. Miller, 2012, S.2ff.

105 Vgl. Wearing und Neil, 2000, S.86

106 Vgl. Tropenwanderer, 2015-2017

107 Vgl. Quellen in Anhang A) Tabelle 8

108 Vgl. Miller, 2012, S.2

109 Tukan = Vogelart, erkennbar durch seinen bunten Schnabel

110 Vgl. Knoblauch, 1991, S.45ff.

111 Vgl. Müller, 2005, S.14

112 Vgl. Viegas, 1998, S.37

113 Vgl. Knoblauch, 1991, S.95

114 Vgl. Travel-to-nature, 2014b

115 Vgl. Müller, 2005, S.76

116 Vgl. Travel-to-nature, 2014b

117 Vgl. Ellenberg, 2008, S.45

118 Vgl. Travel-to-nature, 2014b

119 Vgl. Müller, 2005, S.50ff.

120 Vgl. Miller, 2012, S.33

121 Vgl. Knoblauch, 1991, S.138f.

122 Vgl. Müller, 2005, S.25

123 Vgl. Ramos Zanca, 2013

124 Vgl. KulturLife, o.J.

125 Vgl. Knoblauch, 1991, S.137

126 Vgl. Müller, 2005, S.11ff.

127 Vgl. Knoblauch, 1991, S.44ff.

128 Vgl. KulturLife, o.J.

129 Vgl. Löding, 2008, S.15

130 Vgl. AG Friedensforschung, 2009

131 Vgl. WirtschaftsWoche, 2015

Details

Seiten
86
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668652705
ISBN (Buch)
9783668652712
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v414736
Institution / Hochschule
Hochschule München
Note
2,0
Schlagworte
Ökotourismus Costa Rica Nicaragua Auswirkungen Destinationsanalyse

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Titel: Destinationsanalyse der Nachbarstaaten Costa Rica und Nicaragua unter besonderer Berücksichtigung der Auswirkungen des Ökotourismus