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China im Zeichen der Kulturrevolution - Verlauf und kritische Darstellung

von Henry Müller (Autor) Falko Kubersky (Autor)

Hausarbeit 1996 31 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Ferner Osten

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

I. EINLEITUNG
1. Motivation
2. Ziel und Gang der Untersuchung

II. ZIELVORSTELLUNGEN ALS AUSLÖSER DER KULTUR- REVOLUTION

III. VERLAUF DER KULTURREVOLUTION
1. Die Februar-Thesen
2. Die besondere Rolle der Rotgardisten
3. Die ‘Januar-Revolution’ und die Einbeziehung der Volksbefreiungsarmee
4. Gründung der „Dreier-Allianz“
5. Der Wuhan-Zwischenfall

IV. DARSTELLUNG DER ERGEBNISSE AUF DEM IX. PARTEITAG 1969

V. AUSSENPOLITISCHE AUSWIRKUNGEN DER KULTUR- REVOLUTION

VI. SCHLUSSBETRACHTUNG

LITERATURVERZEICHNIS

„... Die stärksten Revolten und ernsthaftesten Unruhen ereigneten sich stets gerade dort wo die [...] Grundherren die schlimmsten Grausamkeiten begangen hatten. [...] Wer schlecht ist und wer nicht, wer am schlimmsten gewütet hat und wer etwas milder war, wem eine strenge Strafe gebührt und wer mit einer leichteren davonkommen darf - über all das führten die Bauern ganz genau Rechnung, und selten kam es vor, daß das Maß der Sühne das der Schuld übersteigt. Zweitens ist eine Revolution kein Gastmahl, kein Aufsatzschreiben, kein Bildermalen oder Deckensticken; sie kann nicht so fein, so gemächlich und zartfühlend, so maßvoll, gesittet, höflich, zurückhaltend, und großherzig durchgeführt werden.

(Mao Tse-tung)[1] )

I. Einleitung

1. Motivation

Das Thema dieses Referats ist durch eine sehr konträre Betrachtungsweise in der Literatur geprägt, es ist daher nur folgerichtig, daß auch die Ergebnisse, die die Kulturrevolution mit sich gebracht hat, unterschiedlich beurteilt werden. Wie bei allen politischen Richtungskämpfen oder Ideologien sind auch hier Fürsprecher, aber auch entschiedene Gegner der Kulturrevolution zu finden. Es ist daher auch eine Aufgabe der vorliegenden Arbeit, die Vorgänge der „zehn katastrophalen Jahre“[2] möglichst objektiv, wobei hier die eigene politische Einschätzung und Sichtweise als Streuungsmaß, und damit als Fehler und subjektive Komponente berücksichtigt und einkalkuliert werden muß, darzustellen.

Gerade diese Jahre der chinesischen Geschichte, verbunden mit ihren politischen, aber auch wirtschaftlichen Auswirkungen für die Gesellschaft haben uns darin bestärkt, dieses Thema für unser Referat zu wählen. Da sicherlich das komplette Gebiet der Kulturrevolution zu umfangreich ist, um es im Rahmen dieser Arbeit untersuchen und durchleuchten zu können, haben wir uns selber Schwerpunkte gesetzt, die im späteren Verlauf von uns betrachtet und beschrieben werden.

2. Ziel und Gang der Untersuchung

Um die zu untersuchenden Punkte in einen Zusammenhang zu bringen, wird in der vorliegenden Arbeit als erstes versucht, die Ziele, die sich die Kulturrevolution - und damit auch Mao Tse-tung - gesetzt haben, zu definieren, da aus diese Zielen der Sinn und die Vorgehensweise Maos und der Maoisten deutlich und verständlich wird. Da die Ziele an sich, damit aber in der Bevölkerung weder praktisch noch ideologisch umgesetzt sind, wird es im späteren darauf ankommen, in einem eher geschichtlichen Teil die Abläufe der Kulturrevolution, oder zumindest Kernelemente dieser wiederzugeben. Durch diesen Gliederungspunkt

wird versucht, mit reiner Beschreibung der Ereignisse und Zusammenhänge, zu erklären, wie das ‘W as’ durchgesetzt wurde. Da das ‘Was’ natürlich für die folgenden Jahre und damit auch Entwicklungen Chinas Auswirkungen hatte und eventuell auch noch hat, wird es in einem weiteren Punkt darauf ankommen Ereignisse und Auswirkungen seit den sechziger Jahren aufzuzeigen, wobei hier vor allen der IX. Parteitag und die Auswirkungen auf die Person Mao Tse-tung und den Personenkult um ihn näher und intensiver betrachtet werden.

Da diese Teile der Arbeit - wie oben bereits genannt, einen hoffentlich objektiven Charakter besitzen werden -, wird es im letzten Teil unserer Untersuchungen eher darauf ankommen, den objektiven Pfad zu verlassen, und aus unserer Sichtweise, aber auch geprägt durch die Literatur, die Auswirkungen der Kulturrevolution darzustellen und diese kritisch zu würdigen.

II. Ziele und Auslöser der Kulturrevolution

Die ersten Einflüsse, die später die Kulturrevolution begünstigten, reichen bis in die späten fünfziger Jahre zurück. Damals gab es in der Partei- und Staatsführung heftige Auseinandersetzungen um den Entwicklungsweg und das Entwicklungstempo Chinas. Nachdem es bereits 1958 zur Bildung von großen landwirtschaftlichen Volkskommunen mit einem hohen Grad der Kollektivierung aller gesellschaftlichen Funktionen gekommen war[3], sollte 1959 die Politik des ‘Großen Sprungs nach vorn’ eine zusätzliche Beschleunigung des gesellschaftlichen Umbaus, aber auch des wirtschaftlichen Erfolges, mit sich bringen.

Diese Neuorientierung konnte nur kurzfristig zu den erhofften Zielen führen, doch bereits in dieser Phase zeigte sich Mao Tse-tung mehr und mehr durch die auftretenden Konsequenzen, wie ein mögliches Profitsystem, einer damit einhergehenden Reprivatisierung oder der Entstehung von materieller Anreizen verunsichert und befürchtete einen Rückfall in den Kapitalismus.[4] Dieser Konflikt führte im Zentralkomitee zu einem Fraktionskampf, der mit wirtschaftlichen Schieflagen in den Jahren 1960 bis 1962, sowie der Einstellung aller sowjetischen Hilfen, wirtschaftlicher und personeller Art, einher ging.[5] In dieser Situation konnten sich die ‘Rechten’ mit einem restaurativen Programm in Grundzügen durchsetzen, bei dem auch Teile der Landwirtschaft reprivatisiert wurden.

Der Konflikt führte dann über Mao Tse-tung zu den Überlegungen, die in späteren Jahren die Kulturrevolution einleiten sollte, da die ‘Linke’ bemüht war, Ansätze zu einer Gegenmobilisierung zu finden.[6] Von ihm sollte kein bloßer Machtkampf ausgehen, sondern es sollte vielmehr eine tiefgreifende und alle gesellschaftlichen Schichten erfassenden Revolution sein, zur Transformation des Bewußtseins des Menschen.[7] Als konkrete Gründe für die Auslösung der Kulturrevolution durch Mao werden meist folgende Gründe genannt:

1. Den Sowjetischen Einflusses in der Partei entfernen,[8]
2. Die bürgerlichen Einflüsse in der Partei verringern,[9]
3. „Entbürokratisierung und Enthierarchiserung der Partei,
4. Die Sinisierung des Marxismus durch die ‘Mao Tse-tung-Idee’.“[10]

Die Auflage des kleinen roten Buches ‘Worte des Vorsitzenden Mao’[11]von Mao Tse-tung ist als ein Instrument zu sehen, das unter Punkt 4 angegebene Ziel noch mit Nachdruck zu unterstreichen. Mit Mao-Zitaten sollte und wurde versucht, die Bevölkerung ideologisch auf ihn einzutrimmen.[12]

Die Maßnahmen führten jedoch zuerst nicht zu den von Mao Tse-tung gewünschten Ergebnissen, er beantragte daher auch innerhalb der Partei, den Kampf gegen den oppositionellen Tendenzen zu verschärfen, um gegenüber der Bevölkerung ein größeres Machtpotential zu besitzen. Seine Vorschläge wurden zurückgewiesen, und er mußte erkennen, daß er keine legalen Mittel besaß, um sich gegen den Einfluß der Opposition wehren zu können. Er zog sich daher aus Peking zurück und versuchte, aufgrund seiner guten Beziehungen zum Shanghaier Stadtkomitee und zur Führung der Volksbefreiungsarmee[13], mit deren Hilfe eine publizistische Kampagne gegen Peking einzuleiten. Da die VBA Druck auf die Hauptstadt ausüben konnte, kam es zu einem Gegenschlag aus Peking und zu den ‘Februar-Thesen’ - als einen Auslöser der ‘Großen Proletarische Kulturrevolution’.[14]

III. Verlauf der Kulturrevolution

1. Die Februar-Thesen

Durch Mao Tse-tung´s Provokationen sah sich Peking gezwungen zu antworten und stellte die ‘Februar-Thesen’ auf, dessen Inhalt zur Eskalation beitrug. Die Thesen enthielten sowohl Kritik am Parteiführer als auch Kritik am Vorgehen der Intellektuellen. Vor allem aber war Peking bemüht, eventuellen Säuberungsaktionen politischer Gegner dadurch vorzubeugen, daß sie die Maoisten prophylaktisch an die entsprechenden Passagen im Parteistatut errinnerte. Mao Tse-tung nutzte diesen Umstand des offenen Disputs und sah gleichzeitig seine guten Beziehungen zum Militär als Instrument, um politischen Druck auf das Pekinger Stadtkomitee auszuüben. Die Armeezeitung begann, offene Kritik an der intellektuellen Opposition zu üben und erklärte, hinter dieser ständen ‘noch gefährlichere Ungeheuer’, die man entlarven müßte.[15] Im Mai 1966 verfaßten die Maoisten ein ‘Rundschreiben des ZK’, indem sie die Februar-Thesen verwarfen. Durch den offenen Disput der beiden Gruppen, kam es immer mehr zu der Frage, wer die politische Macht im Land innehaben würde. Um seine Ziele zu erreichen, gewann es für eine der beiden Gruppierung immer mehr an Gewicht, die Macht über die VBA und die Propagandazentren auf sich vereinigen zu können.

Durch die guten Kontakte, die Mao Tse-tung zu dem Militär bereits pflegte, war es nun in seinem Interesse auch die Medien auf seine Seite zu bringen. Durch einen taktischen Schachzug gelang es ihm, auch auf diesem Sektor ein Standbein mit hohem Gewicht zu erlangen. Die Nachricht Mao Tse-tung würde bei bester Gesundheit im Fluß Yantzuchiang schwimmen, wurde als Hinweis gewertet, Mao Tse-tung würde wieder in die Hauptstadt zurückkehren und von dort aus versuchen seine Politik durchzusetzen.

[...]


[1] Vgl. Nee, Victor, Layman, Don: Das Problem der Trennung von Hand- und Kopfarbeit in der chinesischen Kulturrevolution, Frankfurt am Main 1971, S. 50f.

[2] Vgl. Pan, Lynn: The New Chinese Revolution, London 1987, S. 18.

[3] Vgl. Mellenthin, Knut: Der Pekinger Prozeß, Hamburg 1981, S. 10.

[4] Vgl. Groeling, Erik v.: Chinas langer Marsch - wohin?, Stuttgart-Degerloch 1972, S. 65.

[5] Vgl. Moravia, Alberto: Die Kulturrevolution in China, München 1968,

[6] Vgl. Mellenthin, Knut: Der Pekinger Prozeß, Hamburg 1981, S. 10f.

[7] Vgl. Arbeiterbuch 1: Eins teilt sich in Zwei - Originaltexte der chinesischen Kulturrevolution, Hamburg 1975, S. 3.

[8] Vgl. Moravia, Alberto: Die Kulturrevolution in China, München 1968, S. 51.

[9] Vgl. Martin, Helmut, Bartke, Wolfgang: Die Massenorganisationen der Volksrepublik China, Hamburg 1975, S. 36.

[10] Zitat nach: Franz-Willing, Georg: Neueste Geschichte Chinas, Paderborn 1975, S. 237.

[11] Vgl. Martin, Helmut: China ohne Maoismus ? - Wandlungen einer Staatsideologie, Reinbek 1980, S.41.

[12] Vgl. Moravia, Alberto: Die Kulturrevolution in China, München 1968, S. 43ff.

[13] im folgenden VBA genannt

[14] Vgl. Groeling, Erik v.: Chinas langer Marsch - wohin?, Stuttgart-Degerloch 1972, S. 67ff.

[15] Vgl. ebenda, S.68.

Details

Seiten
31
Jahr
1996
ISBN (eBook)
9783638125680
Dateigröße
987 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v4142
Institution / Hochschule
Universität Bremen – Politikwissenschaft
Note
1,5
Schlagworte
China Zeichen Kulturrevolution Verlauf Darstellung Sowjetunion Gegenwart

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