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Wird die eigene Identität durch die Nutzung sozialer Medien beeinflusst?

Identität und Selbstdarstellung in sozialen Medien

Hausarbeit 2016 12 Seiten

Medien / Kommunikation - Technische Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlage
2.1 Self-Awareness
2.2 Impression Management

3 Anwendung der Theorie auf soziale Netzwerke
3.1 Verstärkte Self-Awareness und Impression Management
3.2 Studie zur Selbstdarstellung

4 Soziale Netzwerke und Privatsphäre
4.1 Wichtigkeit von Privatsphäre
4.2 Schutz der Privatsphäre

5 Fazit

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Schon immer haben die Menschen versucht, sich ihrer selbst bewusst zu werden und nach außen hin ein bestimmtes Bild von sich zu vermitteln, zum Beispiel indem man nicht über häusliche Probleme spricht und sich als intakte Familie darstellt. In der heutigen Zeit jedoch ist das Thema der Selbstdarstellung durch soziale Netzwerke präsenter denn je, da oft die Frage aufgeworfen wird, ob man sich dort eine zweite Identität erschafft. Ich habe mich dazu entschieden, eine Seminararbeit über dieses Thema zu verfassen, da ich selbst viel Zeit in sozialen Netzwerken verbringe und teilweise aus eigener Erfahrung spreche.

Im Folgenden gehe ich der Frage nach, ob sich die eigene Identität durch die Nutzung sozialer Medien verändert bzw. beeinflusst wird und welche Rolle dabei die eigene Selbstdarstellung im Netz spielt, ob man sich selbst eher treu bleibt oder ein Alter Ego erschafft. Des Weiteren untersuche ich, wie wichtig der Schutz der Privatsphäre und persönlicher Daten, die im Internet kursieren, in diesem Zusammenhang ist und wie dieser geleistet werden kann.

Um eine Grundlage für die Analyse dieser Leitfragen zu schaffen, werde ich zuerst im Abschnitt „Theoretische Grundlage“ die Begriffe einer sozialpsychologischen Theorie, „Self-Awareness“ und „Impression Management“, vorstellen, die ich als passend für dieses Thema erachte. Anschließend werde ich diese Begriffe auf einige Beispiele der Nutzung sozialer Medien anwenden, um zu untersuchen, welchen Einfluss soziale Netzwerke auf die Identität und Selbstdarstellung haben. Im Abschnitt „Verstärkte Self-Awareness und Impression Management“ folgt das Beispiel eines Models, welche meine Behauptung bestätigt. Die Studie im darauffolgenden Abschnitt liefert jedoch andere Ergebnisse. Schließlich werde ich auf den Schutz von Privatsphäre vor allem im Internet eingehen und meine Position mit einigen Beispielen veranschaulichen. Zum Schluss folgt noch ein Fazit.

2 Theoretische Grundlage

Als theoretische Grundlage dieser Hausarbeit beziehe ich mich auf die Begriffe „Self-Awareness“[1] und „Impression Management“[2], die von Aronson/Wilson/Akert (2008: 133) in deren gemeinsamem Werk erläutert werden.

2.1 Self-Awareness

Das Konzept der Self-Awareness hat das Ziel, sich selbst objektiv zu beobachten und zu beurteilen, um eigenes Selbstverständnis zu erlangen. Dies geschieht indem man seine Aufmerksamkeit bewusst auf sich selbst richtet, um sein aktuelles Verhalten oder Gedanken gemäß innerer Normen und Werte zu beurteilen. Stimmt das Verhalten mit den eigenen Wertvorstellungen überein, war die Self-Awareness positiv. Falls nicht, hat man je nach Situation die Wahl, sein Verhalten den inneren Normen und Werten wieder anzupassen oder wenn dies nicht möglich ist oder man es nicht möchte, dem Zustand der Self-Awareness zu entfliehen. Der Versuch, dem Selbst zu entfliehen, kann dann in extremen Situationen wie Alkoholmissbrauch oder Essanfällen enden, um für kurze Zeit negative Gedanken über sich selbst abzuschalten. (ebd.: 134-135)

Versuche haben jedoch auch ergeben, dass sich Menschen im Zustand der Self-Awareness, z.B. vor einem Spiegel, eher an ihre moralischen Prinzipien halten. So kann die intensive Beschäftigung mit dem Selbst auch zur Verbesserung des Gespürs für Richtig und Falsch führen. (ebd.: 136)

Nehmen wir an, Sie sind der Meinung, Sie sollten mit dem Rauchen aufhören, und sehen eines Tages ein Spiegelbild von sich selbst, eine Zigarette rauchen, in einem Schaufenster. […] Ihr Spiegelbild wird Ihnen die Diskrepanz zwischen Ihrem Verhalten und Ihren inneren Normen bewusst machen. Wenn Sie Ihr Verhalten dann mit diesen in Einklang bringen (zum Beispiel mit dem Rauchen aufhören) können, werden Sie dies tun. Fühlen Sie sich jedoch nicht dazu in der Lage, wird es Ihnen Unbehagen bereiten, sich in einem Zustand der [Self-Awareness] zu befinden, weil Sie mit einem unangenehmen Feedback von sich selbst konfrontiert werden. (ebd.: 135)

2.2 Impression Management

Das Impression Management ist „der Versuch des Menschen, andere dazu zu bringen, ihn so zu sehen, wie er gesehen werden möchte“ (ebd.: 154). Dies bedeutet, dass man selbst kontrollieren möchte, welche Wirkung man auf andere Menschen hat und sein Ziel anhand verschiedener Strategien verfolgt.

Eine beliebte Strategie ist die Selbstwerterhöhung, „die Neigung, [sich] auf positive Informationen über [sich] selbst zu konzentrieren und sie zu präsentieren sowie negative Informationen zu minimieren“ (ebd.: 156).

Die Verfolgung dieser Strategie kann sogar dazu führen, dass man seine eigene Selbstwahrnehmung manipuliert. (ebd.: 156)

3 Anwendung der Theorie auf soziale Netzwerke

Beim Erstellen und der Verwendung eines Profils in einem sozialen Netzwerk denkt man über sich selbst nach, was die eigene Identität ausmacht und was davon man wie im Internet darstellen möchte. Oft ist die Benutzung sozialer Netzwerke also eine Kombination aus Self-Awareness und Impression Management.

3.1 Verstärkte Self-Awareness und Impression Management

Ein Beispiel für die wachsende Bedeutung von Self-Awareness und Impression Management heutzutage ist das Model Essena O'Neill. Sie eröffnete mit 16 Jahren ein Konto bei Instagram, einer Online-Plattform zum Teilen von Fotos und Videos, und lud über drei Jahre hinweg mehr als 2000 Bilder von sich und ihrem Leben hoch. Mit 19 zog sie jedoch einen Schlussstrich und trat aus allen sozialen Netzwerken aus mit der Begründung, soziale Medien seien eine Scheinwelt (Judith Horchert). Kurz vor der Löschung ihres Kontos erzählte sie die Geschichten, die sich hinter einigen ihrer Bilder verbargen, beispielsweise ein Bikinifoto von ihr an einem Strand, für welches sie sechs Stunden lang nichts gegessen hatte, damit ihr Bauch flach aussah, und sie ihre Schwester, die das Foto aufnahm, mehrmals anschrie, weil Essena mit dem Ergebnis nicht zufrieden war. Für ihre Follower[3] jedoch wirkte das Foto wie ein spontaner Schnappschuss aus dem Urlaub. (Judith Horchert)

Aus eigenen Beobachtungen und Teilnahme an sozialen Netzwerken, komme ich zu dem Schluss, dass solche Konten und Profile ein gutes Beispiel für Impression Management in der heutigen Zeit sind. Sie zeigen sorgfältig ausgewählte Ausschnitte aus dem Leben eines Menschen, um ihn in einer bestimmten Art und Weise widerzuspiegeln und so seine Mitmenschen in ihrer Wahrnehmung der Person zu beeinflussen. Auffällig ist, dass hauptsächlich positive Lebensereignisse mit anderen geteilt werden, wodurch man die Strategie der Selbstwerterhöhung verfolgt. Viele Menschen schaffen sich so eine zweite Online-Identität, eine idealisierte und stark kontrollierte Version der eigenen Persönlichkeit und scheuen sich nicht, diese der Welt zu präsentieren. Im Vergleich zu Zeiten, in denen es das Internet nicht gab, ist das Impression Management so nicht mehr nur auf den Freundes- und Bekanntenkreis beschränkt, sondern heute für alle Menschen weltweit sichtbar, sobald man sich dazu entscheidet, sein Leben online darzustellen.

Ebenso zeigt das Beispiel der Essena O’Neill, dass sie durch die öffentliche Darstellung ihres Lebens dazu gebracht wurde, zu reflektieren, ob diese Ausschnitte tatsächlich ihr Leben und ihre Persönlichkeit darstellen. Durch Self-Awareness kam sie schließlich zu dem Schluss, dass sie sich selbst nicht realistisch, sondern idealisiert darstellte und dies nicht ihren Normen und Werten entsprach. So entschied sie sich, ihr Verhalten zu ändern, um sich selbst treu zu bleiben und löschte all ihre Bilder. Die Nutzung sozialer Netzwerke kann also die Self-Awareness erhöhen, da man sich kontinuierlich mit sich selbst und seiner Wirkung auf andere beschäftigt.

3.2 Studie zur Selbstdarstellung

Im Rahmen einer Studie zur Selbstdarstellung und sozialen Wahrnehmung in sozialen Netzwerken der Psychologen Mitja Back, Juliane Stopfer und Boris Egloff von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz wurden jedoch ganz andere Ergebnisse geliefert. In Zusammenarbeit mit amerikanischen und deutschen Kollegen wurden insgesamt 236 deutsche und amerikanische Profile von Nutzern sozialer Medien untersucht. (www.uni-mainz.de)

Mit Fragebögen wurden die tatsächlichen Persönlichkeitseigenschaften der Profilbesitzer sowie ihre idealisierten Selbstbilder (d.h., die Vorstellungen davon, wie sie gern wären) erhoben. Als Persönlichkeitseigenschaften wurden die sog. Big Five erfasst: Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Neurotizismus und Offenheit für Erfahrungen. Anschließend sahen fremde Beurteiler die Nutzerprofile und gaben ihren Persönlichkeitseindruck an. Die Fremdurteile wurden dann mit der tatsächlichen Persönlichkeit sowie dem Selbstideal der Profilbesitzer verglichen. Es zeigt sich, dass die spontanen Eindrücke der fremden Beurteiler mit den tatsächlichen Eigenschaften der Profilbesitzer übereinstimmen und nicht durch deren Selbstidealisierung verfälscht werden. (Prof. Dr. Mitja Back , ebd.)

Ich schließe aus dieser Studie, dass die Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken grundsätzlich eher der Realität entspricht als einer idealisierten Form der eigenen Identität. Es sollte jedoch hinzugefügt werden, dass die Studie 2009 durchgeführt wurde und sich seitdem die Nutzung sozialer Netzwerke mehr als verdoppelt hat und einen höheren Stellenwert erlangt hat. Dies zeigt folgende Statistik (Abb. 1):

Abbildung 1: % Internetnutzer vgl. 2009-2015 (www.tobesocial.de)

Nichtsdestotrotz beweist die Studie außerdem, dass man sich bei der Nutzung sozialer Netzwerke intensiver mit sich selbst und seiner Identität beschäftigt, das Konzept der Self-Awareness nutzt, da man so eine Möglichkeit hat, sich selbst auszudrücken. Durch Feedback Anderer erfährt man, ob das eigene Impression Management erfolgreich ist, denn „zum einen können die Nutzer einander informieren, wer sie sind [und] sie [kommen] dem Bedürfnis nach, von anderen wahrgenommen zu werden“ (Prof. Dr. Mitja Back).

4 Soziale Netzwerke und Privatsphäre

In der menschlichen Interaktion hat man mehr oder weniger direkte Kontrolle darüber, was man dem Gegenüber über sich selbst mitteilt und erhält sofort eine Reaktion. Bei sozialen Medien verliert man jedoch schnell die Kontrolle darüber, welche Daten man von sich preisgibt oder von anderen über sich selbst veröffentlicht werden.

[...]


[1] „Self-Awareness“ zu Deutsch: Selbstaufmerksamkeit

[2] „Impression Management“ zu Deutsch etwa: Steuerung der eigenen Wirkung

[3] Follower: jemand, der Nachrichten eines bestimmten Autoren oder zu einem bestimmten Thema über einen Online-Dienst verfolgt

Details

Seiten
12
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668647909
ISBN (Buch)
9783668647916
Dateigröße
617 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v414137
Note
1,0
Schlagworte
soziale Medien Selbstdarstellung Identität privacy instagram facebook self impression management

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