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Geschäftsmodelle basierend auf dezentralen Konsensmechanismen

Eine vergleichende Analyse der Wertschaffung anhand von Bitcoin, Ethereum und Backfeed

von Max Ah (Autor)

Bachelorarbeit 2017 42 Seiten

BWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitione n

3. Distributed Ledger Technologies und dezentrale Konsensmechanisme n

4. Vorstellung der Businessmodelle Bitcoin, Ethereum und Backfeed
4.1 Bitcoin
4.2 Ethereum
4.3 Backfeed

5. Analyse der Wertschaffung
5.1 Quantifizierbarkeit der Wertschaffung
5.2 Quellen der Wertschaffung
5.3 Einordnung der Wertschöpfung zu betroffenen Schichten
5.4 Zukünftiges Potential von Distributed Ledger Technologies

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Beispielhafter Verteilter Ansatz von Distributed Ledger Technologies

Abbildung 2: Die Wertschaffung von DLT-Businessmodellen

Abbildung 3: Vorteile Bitcoin (Statista 2016)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Marktanteil, Wechselkurs und Handelsvolumen der Top 3

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Mit der Veröffentlichung des Bitcoin White Papers (Nakamoto 2008) wurde vor weniger als 10 Jahren der Grundstein für eine mögliche disruptive Veränderung von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft gelegt. Bitcoin(W) 1 ist der Allgemeinheit als digitale Währung bekannt. Die Funktionsweise ist für viele jedoch oft unklar (Smith et al. 2016:9). Das Augenmerk der Forschung richtet sich seit der steigenden Popu- larität von Bitcoin(N) vermehrt auf dezentralen Konsensmechanismen und dezent- rale Ledger. Diese werden im allgemeinen Distributed Ledger Technology (Abkür- zung fortlaufend: DLT) genannt. Dadurch ist Bitcoin(N) unabhängig von Interme- diären als Transaktionssystem praktikabel. Diese dezentralen Ledger, die im Zu- sammenspiel mit dezentralen Konsensmechanismen großes disruptives Potential besitzen, Vereinfacht kann DLT als ein verteiltes Transaktions- oder Logbuch gesehen werden, das dezentral auf einem Netzwerk von Computern digital gespeichert wird. Die Relevanz wird durch Studien und Berichte des Weltwirtschaftsforums (McWaters & Bruno 2016), der Europäischen Zentralbank (European Central Bank 2012) und einer Vielzahl anderer Diskussionspapiere bestätigt (bspw. Walport 2016; Brenig et al., 2016; Roßbach 2016; Swan 2015).

Bereits 2015 wurde von Glaser und Bezzenberger angemerkt, dass der Fokus der Untersuchung von dezentralen Konsensmechanismen auf Kryptowährungen liegt. Der Einfluss auf andere Bereiche der Wirtschaft und auf den Staat wurde bisher vernachlässigt (Glaser und Bezzenberg 2015).

Dies wird durch eine Studie im Jahr 2016 bestätigt: Rund 80 Prozent der untersuchten wissenschaftlichen Veröffentlichungen, die sich mit DLT beschäftigen, thematisieren Bitcoin(N). Nur 20 Prozent konzentrieren sich auf andere potentielle Businessmodelle (Yli-Hummo et al. 2016).

In dieser Arbeit wird nicht nur Bitcoin (N), sondern auch Ethereum, eine dezentrale Anwendungsplattform, und Backfeed, ein innovatives Start-Up, untersucht. Diese drei Businessmodelle decken die drei Eingrenzungskriterien von Blockchain -Tech- nologien, Blockchain -Technologie 1.0-3.0, ab (Swan 2015). Sie können mögliche Potentiale in verschiedenen Bereichen der Wirtschaft aufzeigen.

Das Thema der vorliegenden Arbeit ist die ökonomische Analyse der Wertschaffung der auf dezentrale Konsensmechanismen (Abkürzung fortlaufend: DZKM) basier- ten Businessmodelle am Beispiel von Bitcoin(N), Ethereum und Backfeed. Die Leitfrage dieser Arbeit ist: Welche mikroökonomischen Effekte entstehen durch Businessmodelle, die auf dezentralen Konsensmechanismen basieren? Zunächst werden die zur Beantwortung dieser Frage notwendige Begrifflichkeiten definiert. Anschließend wird in dieser Arbeit näher auf die Distributed Ledger Tech- nologies und DZKM eingegangen. Es folgt eine Erläuterung der relevanten Busi- nessmodelle und schließlich die Analyse der Wertschaffung.

Zur Analyse der Wertschaffung werden die erläuterten Businessmodelle quantifiziert, d.h. mit Zahlen unterlegt, und in einem neu herausgearbeiteten Modell bewertet. Dafür werden zwei vorhandene Modelle zu einem neuen zusammengeführt: Das neue Modell soll zum einen aus einem Modell zur Quelle der Wertschöpfung von Amit und Zott (2001) und zum anderen aus einem Bewertungsmodell für auf dezentralen Konsensmechanismen basierenden Geschäftsmodellen von Brenig et al. (2016) entstehen (Amit und Zott 2001; Brenig et al. 2016).

Nach der Analyse wird ein Einblick in zukünftiges Potential von DLT basierten Businessmodellen gegeben und ein abschließendes Fazit dieser Arbeit formuliert.

2. Definitionen

In diesem Kapitel werden die in dieser Arbeit häufig verwendeten Fachtermini de- finiert:

Intermediär:

Der Begriff „Intermediär“ stammt aus dem Lateinischen und steht für Vermittler. Die Aufgabe von Intermediären ist es, Transaktionen zwischen Handlungspartner n zu gestalten und auftretende Transaktionskosten zu verringern (Clement und Schrei- ber 2016: 260). Ein Beispiel für einen Finanzintermediär wäre eine Bank.

Peer-to-Peer-Netzwerk

Das Peer-to-Peer Netzwerk bezeichnet ein Netzwerk aus Computern, die nicht über einen zentralen Server miteinander verbunden sind. Jeder Computer ist gleichzeitig Server und Client und kann sich an dem Netzwerk beteiligen (vgl. Clement und Schreiber 2016: 363; Sixt 2016:13).

Ledger:

Als Ledger kann ein Buch, eine Datei oder eine andere Aufzeichnung über Trans- aktionen bezeichnet werden. Die moderne Umsetzung von Ledgern erfolgt mittels Datensätzen, wie sie in allen modernen Buchungsätzen zu finden sind. Im Laufe der Zeit erwies sich ein zentraler Ansatz der Buchführung bzw. des Ledgers als nützlich, der eine vertrauenswürdige dritte Aufsicht, auch Intermediär genannt, benötigt (vgl. Walport 2016: 18).

Distributed Ledger:

Distributed Ledger steht für eine meist öffentliche Datenbank, die dezentral über ein Peer-to-Peer Netzwerk auf viele Teilnehmer verteilt ist. Aufzeichnungen von Vorgängen werden oft chronologisch geordnet in einem fortlaufenden Ledger gespeichert. Es können nur neue Aufzeichnungen hinzugefügt werden, wenn die Teilnehmer mehrheitlich den neuen Vorgang akzeptieren (vgl. ebd.).

Distributed Ledger Technology:

Die DLT beschreibt allgemein dezentrale Hauptbücher, die Blockchain -basiert oder durch andere DZKM realisiert werden können (vgl. Walport 2016: 18). Dezentrale Konsensmechanismen:

DZKM sind dem Distributed Ledger zugrundeliegende Protokolle, mit deren Zu- sammenspiel Businessmodelle, wie Bitcoin(N), Ethereum oder Backfeed, realisiert werden. Die genannten Protokolle sind bspw. Proof-of-Work oder Proof-of-Value (vgl. ebd.).

Blockchain:

Eine Art der Datenbank, die eine gewisse Anzahl an Aufzeichnungen (meist von Transaktionen) zu Blöcken zusammenfügt. Die Blöcke sind chronologisch geordnet und stehen durch eine kryptographische Signatur im Bezug zu einander (vgl. ebd.). Als Bitcoin - Blockchain wird, in dieser Arbeit die Datenbank von Bitcoin(N) bezeichnet und Ethereum - Blockchain die Datenbank von Ethereum.

Smart Contracts:

Smart Contracts sind Verträge, deren Bedingungen in Softwarecodes programmiert werden. Sie können automatisch durch die Erfüllung der vorher programmierten Bedingungen in Kraft treten und sich somit selbst, ohne die vorherige Bestätigung durch Dritte, auslösen (vgl. ebd.).

3.Distributed Ledger Technologies und dezentrale Kon- sensmechanismen

In diesem Kapitel wird zunächst auf die DLT eingegangen, gefolgt von der Erläute- rung dezentraler Konsensmechanismen. Dabei werden speziell die Konsensmecha- nismen Proof-of-Work und Proof-of Value erläutert. In einem weiteren Abschnitt werden Distributed Ledger Technologies und dezentrale Konsensmechanismen an- hand von Bitcoin(N) erklärt und abschließend die Entstehung der Bitcoin-Block- chain thematisiert.

Distributed Ledger Technology

Die in dieser Arbeit im Fokus stehende Technologie, die eine Durchführung wirtschaftlicher Prozesse mit weniger Intermediären ermöglichen soll, wird als Distri buted Ledger Technologies bezeichnet.

Distributed Ledger sind dezentralisiert organisierte Kontobücher, Verzeichnisse o- der Register. Durch die Erweiterung mit einem Konsensmechanismus, mit Proof- of-Work oder Proof-of-Value, stellen sie die Notwendigkeit von zentralen Autoritä- ten in Frage. Zentrale Autoritäten sind in diesem Zusammenhang bspw. Verwaltun- gen oder andere Intermediäre, die Transaktionen durchführen, validieren und au- thentifizieren. Die Konsensmechanismen können durch ihre Programmierweise die oben genannten Tätigkeiten vollziehen, ohne die Anwesenheit eines Intermediäres. Distributed Ledger Technologies verfolgen einen verteilten, dezentralen Ansatz. Die Teilnehmer an diesem verteilten Netzwerk werden als Nodes bezeichnet. Die Nodes bilden ein Peer-to-Peer-Netzwerk. Je nach Ansatz kann ein Node von einzel- nen Individuen über den Heim-Computer betrieben werden, aber auch von ganzen Unternehmen oder Ländern. Jeder Node besitzt die gleichen Informationen über den Ledger (vgl. Roßbach 2016). Um dies zu gewährleisten besitzt jeder Node eine Ko- pie des aktuellsten Ledgers (siehe Abbildung 1: 6).

Abbildung 1: Beispielhafter Verteilter Ansatz von Distributed Ledger Technologies

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: Roßbach 2016)

Da durch Konsensmechanismen die Informationen auf dem Ledger verifiziert wer- den, müssen zur Manipulation des Ledgers die Mehrzahl der Kopien verändert wer- den. Dafür muss eine sehr große Anzahl an Nodes gehackt werden, was sehr auf- wendig ist.

Durch die vollständige Redundanz, die durch die Verteilung des Ledgers herbeigeführt wird, entsteht ein Schutz vor Manipulation. Dieser Schutz muss in zentralisiert organisierten Ansätzen durch teure Sicherheitsvorkehrungen gewährleistet werden. Da in diesem Ansatz keine zentrale Institution zur Versicherung der Transaktion benötigt wird, kann das große Auswirkungen auf die Art und Weise der Transaktionsvorgänge haben (vgl. Roßbach 2016).

Swan (2015) teilt Distributed Ledger Technologies in drei Hauptkategorien ein: Blockchain 1.0, Blockchain 2.0 und Blockchain 3.0. Die erste Kategorie bezieht sich vor allem auf Kryptowährungen (bspw. Bitcoin(N)), die zweite auf Verträge (bspw. Ethereum) und die dritte auf Regierungs- und Organisationsmöglichkeiten jenseits von Währungen oder Verträgen (Swan 2015).

Damit diese Distributed Ledger Technologies allgemein funktionieren können, müssen drei Voraussetzungen erfüllt werden: Anwendbarkeit, Einigkeit und Kor- rektheit (vgl. Roßbach 2016). Anwendbarkeit bedeutet in diesem Sinne, dass ein praktisch sinnvoll zu nutzendes System entstehen muss, das in der Realität auch einsetzbar ist. Dazu zählt auch, dass Double-Spending, d.h. die mehrfache Ausgabe von den gleichen Bitcoins(W) (Nakamoto 2008), verhindert wird und die Transakti- onen in angemessenen Zeitfenstern durchgeführt werden. Einigkeit ist gegeben, wenn alle Nodes langfristig auf dem gleichen Informationsstand sind und die Infor- mationen auf den Ledgern nachträglich nicht veränderbar sind. Um Richtigkeit zu gewährleisten, müssen in einem funktionierenden Distributed Ledger Mechanismen vorhanden sein, die falsche Transaktionen verhindern (Schwartz et al. 2015).

Da bei Transaktionen über DLT dritte, vertrauensschaffende Teilnehmer fehlen, müssen verschiedene Voraussetzungen gegeben sein, um die Funktion der Interme- diäre zu erfüllen. Hierzu dürfen die Distributed Ledger erstens nicht manipulierbar sein, das bspw. mit Hilfe von Kryptographie, digitalen Signaturen und hashing rea- lisiert wird. Des Weiteren muss autorisiert werden, was auf dem Ledger dokumen- tiert wird. Der Konsens der Gruppe repräsentiert den gemeinschaftlich gewählten, für richtig empfundenen Inhalt des Ledgers. (Evans-Greenwood et al. 2016; Walport 2016).

Distributed Ledger Technologies können ihr Potential nur durch Anwendungen entfalten, die sich diese Technologie zu Nutzen machen (Walport 2016).

Dezentrale Konsensmechanismen

Dezentrale Konsensmechanismen wurden bereits 1992 von Chen et al. untersucht. Durch das große Interesse, das Bitcoin(N) seit Veröffentlichung zufiel, ist auch die zugrundeliegende Technologie dahinter mehr in den Fokus von Entwicklern und der Allgemeinheit gerückt (Chen et al. 1992; Nakamoto 2008; Schwartz et al. 2016). Die DZKM haben viele enthusiastische Unterstützer, die durch den richtigen Ein- satz, ein hohes disruptives Potential für möglich halten (Boroujerdi und Wolf 2015). Das Bitcoin(N) White Paper (Nakamoto 2008) zeigte erstmals einen praktikablen Lösungsansatz zur dezentralen Konsensfindung bei digitalen Systemen: Wirtschaft- liche Prozesse, die von Intermediären geprägt waren, können darin auch ohne deren Eingriffe vollzogen werden.

Aktuelle Situation

Direkte Transaktionen ohne Intermediär sind zwischen Handelspartnern in vielen Branchen üblich. Als Beispiel kann hierfür der Einzelhandel aufgeführt werden. Der Kunde betritt ein Geschäft und zahlt sein Produkt bar. Der Anbieter erhält die Be- zahlung direkt vom Kunden, ohne direkt auf einen Intermediär, wie bspw. eine Bank, angewiesen zu sein. In anderen Bereichen, wie bei Banktransaktionen oder auch Übertragung von Nutzungsrechten oder Immobilien, sind Intermediäre von Nöten (vgl. Roßbach 2016). Diese Intermediäre haben die Aufgabe, Transaktionen zu verifizieren und diese auf eine rechtlich korrekte, und von den Handelspartnern vereinbarte Art und Weise ablaufen zu lassen. Jeder Intermediär, der an einem Pro- zess beteiligt ist, betreibt ein eigenes geschlossenes Verzeichnis oder Transaktions- aufzeichnungssystem, das zentral nur von dem zuständigen Intermediär verwaltet wird. Die einzelnen Phasen einer Transaktion wandern somit von einem zentral or- ganisierten System zu dem nächsten.

Es besteht das Risiko, dass durch Intermediären wirtschaftliche Prozesse aus Sicht der Teilnehmer verlangsamt und verteuert werden. Eine hohe Abhängigkeit von In- termediären kann eine zusätzliche Eigenschaft für Handelspartner darstellen. Zur Verdeutlichung wird das ein skizzenhaftes Beispiel eines Grundstückkaufes aufgeführt (vgl. Roßbach 2016). An einer Transaktion, wie bspw. die Übertragung von einem Grundstück in Deutschland an einen Käufer in den USA, können mehrere Intermediäre beteiligt sein. In Deutschland muss ein Notar den Grundstückübertrag bestätigen und in die Landessprache übersetzen lassen. Der Notar ist ein Interme- diär. Die Übersetzung wird von einem anderen Intermediär (z.B. einem Übersetzer) vollzogen und die übersetzte Transaktionsbestätigung wird über einen weiteren In- termediär (bspw. die Post) an die verantwortliche Behörde in den USA übertragen. Dort muss diese von der Behörde wiederum verifiziert werden. Jeder Intermediär erhält eine Vergütung für seine Leistung, was die Transaktion zwischen den eigent- lichen Handelspartnern teurer, langsamer, aber auch sicher macht. Einerseits ist zwar die Sicherheit durch die behördliche Verifizierung der Abläufe gegeben. Da bei dem zentralisierten Ansatz der Intermediäre jeder Behörde ein eigenes Regis- ter/Kontobuch/Ledger führt, andererseits entstehen hierbei auch jeweilige Single- Poin -of-Failures (Glaser und Bezzenberger 2015).

Jeder Intermediär ist bei dem oben beschriebenen Szenario so wichtig, dass ein Aus- fall dessen zum Nichtvollzug der Transaktion führt. Um einen Ausfall zu verhin- dern, müssen hohe Instandhaltungskosten für die Sicherheit, bspw. Schutz gegen Diebstahl oder Manipulation, aufgebracht werden. Da dies für jeden Prozessschritt der Fall ist, entstehen so schnell hohe Kosten, an denen auch die Handelspartner beteiligt werden.

In Anbetracht der großen Anzahl an Intermediären und der somit auch quasi unbe- teiligten Mitverdienern an wirtschaftlichen Prozessen, wäre eine effizienzsteigernde Möglichkeit, einen Handelsablauf mit einer geringeren Abhängigkeit von Interme- diären zu schaffen.

Vor der Veröffentlichung des Bitcoin White Papers (Nakamoto 2008) war die Vertrauensschaffung bei digitalen Transaktionen ein signifikantes Problem, das Intermediäre unentbehrlich machte. Transaktionen zwischen Handelspartnern, die sich nicht kannten, waren nur mit hohem Risiko des Zahlungsausfalls verbunden. Transaktionskosten wurden durch den Einsatz von Intermediären erhöht und Abläufe verlangsamt. Micropayments waren wegen zu hoher Kosten wirtschaftlich unrentabel. Es existierte kein Mechanismus, der Transaktionen ohne vertrauensschaffende Intermediäre ermöglichte (Nakamoto 2008).

Die Probleme, die zur digitalen dezentralen Konsensbildung gelöst werden mussten, waren vor allem das Double-Spending-Problem und das Problem des „byzantini- schen Fehlers“ (Swan 2015: 2). Das Double-Spending-Problem bezieht sich vor- nehmlich auf digitale Finanztransaktionen und bezeichnet die doppelte Ausgabe von Zahlungsmitteln. Es galt zu verhindern, dass bei digitalen Transaktionen, digitale Währung, die theoretisch unendlich kopierbar wäre, doppelt herausgegeben oder überwiesen werden kann. Die Bezeichnung byzantinischer Fehler kommt von dem „Problem der byzantinischen Generäle“ (Lamport 1982). Es bezeichnet einen Fehler in der Informationstechnik, bei dem fehlerhafte Vorgänge auftreten können. Das byzantinische Problem wird durch mehrere Generäle beschrieben, die gemeinsam über einen Angriff auf dem Schlachtfeld entscheiden müssen. Da sie räumlich ge- trennt sind, müssen sie Boten zur Überbringung der Angriffsentscheidung unterei- nander versenden. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass einer der Generäle die anderen betrügt und falsche Informationen versendet. So wissen die Generäle nicht, ob noch ein weiterer Bote mit anderen Informationen unterwegs ist (Lamport 1982).

Die beiden Konsensmechanismen, die in dieser Arbeit im Fokus stehen, sind Proofof-Work und Proof-of-Value.

Proof-of-Work

Ein Proof-of-Work Konsensmechanismus kommt bei Bitcoin(N) und Ethereum zum Einsatz. Der Proof-of-Work -Algorithmus ist, wie der Name bereits erahnen lässt, ein Arbeitsnachweis für erbrachte Leistung. Dieser Nachweis wird durch das Erstel- len von Blöcken einer Blockchain erbracht. Diese Blöcke werden durch das Lösen von rechnerischen Rätseln, die von einem Hash-Alghorithmus gestellt werden, an- gefertigt. Die Lösung der Rätsel erfolgt mit einer Brute-Force -Suche2. Die Rätsel erfordern einen großen Arbeitsaufwand für die Computer der Nodes, jedoch lässt sich die korrekte Lösung leicht auf ihre Richtigkeit überprüfen. Diese Lösungen werden an das Netzwerk von Nodes gesendet. Wenn die Lösung des Rätsels richtig ist, wird diese von dem gesamten Netzwerk akzeptiert (vgl. Nakamoto 2008). Jeder gelöste Hash ergibt somit eine Stimme in dem Netzwerk und entmutigt Manipula- toren bei der Teilnahme an dem Netzwerk (Böhme et al. 2016). Mit dem Proof-of- Work wird auch die benötigte Rechnerleistung zur Erstellung der Blöcke festgelegt (Sixt 2016: 41).

Proof-of-Value

Im Gegensatz zu Ethereum und Bitcoin(N) kommt bei Backfeed kein Proof-of-Work Protokoll zum Einsatz, sondern ein alternativer Konsens-Algortithmus namens Proof-of-Value, der bei der dezentralen Konsensfindung helfen soll. Das Proof-of-

Value Protokoll stützt sich auf subjektive, menschliche Auswertungen und Bewer- tungen der jeweiligen Netzwerkbeiträge, die je nach Netzwerk variieren können. Es besteht aus einem Peer-to-Peer -Bewertungssystem zur Bestimmung des wahrge- nommenen Wertes der verschiedenen Beiträge. Des Weiteren gibt es ein Reputati- onssystem, durch das die Nodes abhängig von der Wertigkeit ihrer Beiträge beurteilt werden. Je nützlicher ein Beitrag eines Nodes war, desto mehr Zustimmung erhält er von den restlichen Nodes. Das Reputationssystem gibt einem Node, der von dem Netzwerk nützlich empfundene Beiträge verfasst, mehr Gewicht für Bewertungen anderer Meinungen. Ein weiterer Bestandteil des Proof-of-Value ist ein Token-ba- siertes Wirtschaftsmodell, bei dem der Token-Marktwert durch den wahrgenomme- nen Wert der Beiträge bestimmt wird (Allen 2016; Davidson et al. 2016). Die Kon- sensfindung erfolgt bei Proof-of-Value nicht durch Maschinen, sondern durch Men- schen statt (Backfeed 2015a). stattfinden

Distributed Ledger Technology und Dezentrale Konsensmechanismen am Bei spiel der Bitcoin-Blockchain

Zum Verständnis der Funktionsweise der Bitcoin - Blockchain werden zunächst die groben Bestandteile des Bitcoins(N)-Systems dargestellt.

Bitcoin(N) wurde als dezentrales Peer-To-Peer Währungssystem entworfen. Über das Bitcoin-Netzwerk wird mit der gleichnamigen Währung gehandelt.(Nakamoto 2008). Die Durchführung von Transaktionen sind mittels des Bitcoin -Netzwerks möglich, , sogar ohne eine Überprüfung eines Intermediärs. Der Intermediär wäre für die Vertrauensschaffung zwischen den Handelspartnern mitverantwortlich. Die Blockchain mit dem Proof-of-Work Protokoll und kryptographischen Signaturen, die dem Bitcoin -Netzwerk zugrunde liegt, ist die Grundlage zur gemeinsamen Kon- sensfindung.

Zur Erreichung des dezentralen Konsenses wird bei Bitcoin(N) ein Proof-of-Work Protokoll verwendet. Dezentraler Konsens bedeutet, dass Einigkeit bei allen Nodes darüber herrscht, zu welchem Zeitpunkt welche Anzahl an Bitcoins(W) welchem Node gehören (Sixt 2016: 31ff).

[...]


1 Bitcoin (W) steht für die Einheit der Kryptowährung, Bitcoin (N) steht für das Peer-to-Peer Netz- werk

2 Bei einer Brut-Force-Suche werden, vereinfacht dargestellt, alle möglichen Zahlenkombinationen zur Lösung eines Rätsels getestet, bis die richtige Kombination zur Lösung gefunden wurde

Details

Seiten
42
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668650008
ISBN (Buch)
9783668650015
Dateigröße
940 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v414114
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
1,7
Schlagworte
Bitcoin Ethereum Backfeed Distributed Ledger Konsensmechanismen Dezentral Kryptowährungen Buterin Nakamoto Blockchain Wertschaffung Funktionsweise dezentrale Geschäftsmodelle

Autor

  • Max Ah (Autor)

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Titel: Geschäftsmodelle basierend auf dezentralen Konsensmechanismen