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Jugend- und Drogenhilfe. Crystal Meth. Unterschätztes Problem der sächsischen Jugendkultur?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 28 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Jugend und Drogenkonsum
1.1 Spannungsfeld Jugendalter
1.2 Sucht als Flucht

2 Historischer Überblick zur Entstehung der Droge Crystal Meth

3 Verbreitung des Crystal Meth in Sachsen
3.1 Geographische Besonderheiten
3.2 Psychologische Betrachtungsweise und Soziale Begebenheiten

4 Genauere Betrachtung der Droge Crystal
4.1 Chemische Zusammensetzung und Bestandteile
4.2 Wirkung und Nebenwirkung

5 Soziale Arbeit im Kampf gegen die Abhängigkeit
5.1 Prävention
5.2 Intervention
5.3 Längerfristige Maßnahmen
5.4 Nachsorgebetreuung

Vorwort

Bücher über illegale Drogen gibt es heute nicht wenige - von deren chemischer Zusammensetzung über Wirkungsweise bis zu Erläuterungen über Konsumentengruppe und Erklärungsansätze zum Konsum wird alles bereits, mehr oder weniger kompetent, erfasst und erklärt. Auch die Medien leisten ihren Betrag dazu. Kaum jemand kennt sie nicht, die weit verbreitetsten Party-Drogen der Jugendlichen und Heranwachsenden Deutschlands: Ecstasy, LSD, Kokain, Speed. Leider ist es schwer Fachliteratur über das, scheinbar im Schatten dieser genannten, schon einige Jahre verbreitete Methamphetamin Crystal zu erhalten.

Bei meiner Arbeit musste ich mich zum Teil auf Erfahrungsberichte und auf Recherchen aus dem Internet verlassen. Zum Anderen war mir das Praktikum in der Kinder- und Jugendpsychiatrie des „Klinikum Dresdener Strasse“ (Chemnitz) dabei sehr hilfreich näheren Einblick in dieses Thema zu gewinnen. Die Notaufnahme der Krisenintervention, die eine vorübergehende Auffangstation für akut gefährdete drogenkonsumierende Jugendliche darstellte, brachte mir die Möglichkeit, durch diese Kontakte, mich mit diesem Thema intensiver auseinander zu setzen. Die meisten Patienten, die wegen ihrer Drogenprobleme eingeliefert wurden, waren Dauerkonsumenten von Cannabis und/oder Amphetaminen (vorrangig Ecstasy und Crystal).

1 Jugend und Drogenkonsum

Die Konfrontation mit dem Thema Drogenkonsum ist ein Bestandteil unseres gesellschaftlichen Lebens, ganz gleich, ob dabei von legalen oder illegalen Drogen die Rede ist. Inwieweit eine Substanz innerhalb einer Gesellschaft toleriert oder abgelehnt, bzw. man beim Konsum von Gebrauch oder Missbrauch spricht, ist kulturspezifisch abhängig. Illegale Drogen fallen in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz und sind damit verboten, das bedeutet, dass dessen Konsum von der Gesellschaft nicht toleriert und strafrechtlich verfolg wird. Dennoch scheinen immer mehr Jugendliche mindestens einmal probeweise zu konsumieren. Von einer Drogensucht spricht man im allgemeinen dann, wenn die entsprechende Person die, die meiste Zeit mit dem Konsum, und im weiteren Sinne auch mit der Beschaffung, der Droge verbringt und alle anderen Tätigkeiten dem unterordnet. Das Verhaltensmuster des Abhängigen ist geprägt durch zwanghaftes Verhalten seinen „Stoff“ zu konsumieren und dem damit einhergehenden Verlangen bestimmte Gefühls- und Erlebniszustände zu erzeugen.

„Abhängigkeit des seelischen und körperlichen Wohlbefindens vom Suchtmittel sowie Angst vor Abstinenzerscheinungen, treiben dann zur weiteren und immer höher dosierten Einnahme, bedingt durch den Einbau des Mittels in die regulären Stoffwechselvorgänge.“

(Lexikon der Psychologie, S. 471)

1.1 Spannungsfeld Jugendalter

Das Jugendalter ist in mehrfacher Hinsicht eine Lebensphase der Veränderung und des Übergangs. Einerseits kommt es zu biologischen Veränderungen: Wachstumsschub, Sexualreife und Herausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale. Andererseits ist Jugend keine überwiegend biologische Erscheinung, sondern vor allem eine Übergangsphase in sozialer Hinsicht. Die Ausprägung dieser Sozialisationsphase ist eng mit der historisch entstandenen ökonomischen politischen und kulturellen Situation einer Gesellschaft verbunden. Jugendliche stehen einer Reihe von Entwicklungsaufgaben gegenüber, die sie bewältigen müssen, um ein befriedigendes Leben als Erwachsener führen zu können. Das Kind ist in persönlichen Beziehungen, wirtschaftlichem Lebensunterhalt, Werten und Normen sowie Freizeit- und Konsumverhalten weitgehend auf die Eltern ausgerichtet und von ihnen abhängig. Erwachsensein bedeutet hingegen, in diesen Bereichen selbständig und eigenverantwortlich zu handeln. Im Bereich der persönlichen Beziehungen muss sich der Jugendliche sozial und emotional von den Eltern lösen, andererseits vermehrt soziale Beziehungen zu Gleichaltrigen und damit Gleichgestellten aufnehmen. Dazu gehört auch die Aufnahme und schließlich Stabilisierung sexueller Beziehungen. Im wirtschaftlichen Bereich besteht die Entwicklung zunächst im Erwerb von Qualifikationen in Schule, Studium oder Ausbildung, während der eigentliche Übergang ins Berufsleben erst recht spät erfolgt. Ziel der Ausbildungszeit ist, die Grundlagen für eine berufliche Existenz zu schaffen, die einerseits eine materielle Versorgung sicherstellt, andererseits möglichst weit den eigenen Interessen und Berufswünschen entspricht. Dabei haben Erfolg oder Misserfolg in diesem Bereich große Auswirkungen auf die berufliche und soziale Stellung im späteren Leben. Eine weitere Entwicklungsaufgabe ist der Aufbau eines eigenen Werte- und Normensystems, wozu auch ein politisches Bewusstsein gehört. Im Freizeitbereich schließlich geht es um den Aufbau eines eigenen Lebensstils, was die gezielte Nutzung von Konsumwaren- und Kulturangeboten umfasst, aber auch bedeuten kann, sich an der Schaffung und Veränderung kultureller Angebote zu beteiligen. Auch dass für den Freizeitbereich nur die Nutzung von Konsumangeboten als Entwicklungsziel gilt, nicht aber aktives Gestalten, zeigt, dass die Zusammenstellung ein recht enges Bild von einer gelungenen Entwicklung vermittelt. Entwicklungsaufgaben können nicht nur das widerstandslose Erfüllen von Erwartungen umfassen, vielmehr besteht die Entwicklung zum Erwachsenen gerade auch darin, sich gewissen Erwartungen zu widersetzen und eigene Entscheidungen zu treffen. Da die Bewältigung dieser Entwicklungsaufgaben sich nicht von selbst ergibt oder nach einer einfachen Methode - etwa durch bloßes Nachahmen - erreicht werden kann, stehen Jugendliche automatisch vor einer Reihe von Problemen. Außerdem bringt ihm das Erwachsenwerden nicht nur große Möglichkeiten zur individuellen Gestaltung, sondern ebenso den Zwang zu Entscheidungen und die Gefahr, die selbst- oder fremdgesetzten Ziele nicht zu erreichen. Besondere Erschwernisse ergeben sich durch strukturelle Hindernisse. Strukturelle Hindernisse liegen etwa in fehlenden zufriedenstellenden Berufsmöglichkeiten, aber auch in der unterschiedlichen wirtschaftlichen und kulturellen Ausgangssituation der Jugendlichen. Von den Widersprüchen im Status ist vor allem die lange wirtschaftliche Abhängigkeit vom Elternhaus gegenüber der früheren weitgehenden Unabhängigkeit im Freizeitbereich und den sozialen Beziehungen zu erwähnen. Sowohl den Grundproblemen als auch den Erschwernissen, die ihrer Lösung entgegenstehen, stehen alle Jugendliche gegenüber. Allerdings sind die Hindernisse je nach sozioökonomischer Situation der Herkunftsfamilie, Erziehungsstil der Eltern und Verhältnissen in Schule oder Ausbildung unterschiedlich ausgeprägt.

1.2 Sucht als Flucht

Sucht als ausweichendes Verhalten wird beschrieben als regelmäßiges Ausweichen vor angeblich unlösbaren und unerträglichen Konflikten. Die Flucht in scheinbar bequeme Lösungen ist verbunden mit dem Verlust über die Kontrolle dieses Verhaltens. Mangelnder Nachschub verursacht Entzug und es besteht extreme Rückfallgefahr und Verhaltensautomatismus. Ausweichendes Verhalten beinhaltet alle Verhaltensweisen, die geeignet sind, einem Problem aus dem Wege zu gehen. Solche Verhaltensweisen können sein: weglaufen oder schlagen, Rauchen, Essen, Alkohol, Medikamente und Drogen. (Jedoch neben dem Ausweichen können die Verhaltensweisen auch anderen Zielen dienen.)

Eine Theorie besagt, Sucht sei erlerntes Verhalten, eine emotionale Fixierung, die durch Lernen erworben wird. Der Ausdruck dabei ist stereotypes Verhalten, welches die Stärke eines natürlichen Triebes hat. Die Sucht richtet sich auf eine spezifische Lust oder auf die Vermeidung einer spezifischen Beschwerde. Lerntheoretische Konzepte der Psychologie im Sinne von Erklärungsmodellen wären: Klassische und operante Konditionierung, Erlernte Hilflosigkeit, Modellernen. Eine andere Theorie sieht die Sucht als Regression, wobei Kindheit und Jugend die Grundlage für die spätere Persönlichkeitsentwicklung darstellen. Traumatische Erfahrungen wirken sich nachhaltig auf die Person aus. So z.B. undifferenzierte Objektbeziehung, mangelnde Selbstachtung und Selbstablehnung. So ist die Sucht ein Verhaftetsein (Regression) in eine frühkindliche Entwicklungsstufe. Anders ausgedrückt ist die Sucht hier eine vorübergehende Ich-Entlastung, um vorhandene neurotische Konfliktentspannung. Sucht wird mitunter auch als Copingstrategie angesehen. Aus der Medizin liegen zahlreiche Modelle zur Drogenforschung vor. Im Mittelpunkt des Interesses steht hier der bereits abhängige Klient. D.h. die abhängige Person selbst, das Milieu in dem sie sich aufhält, als auch bestimmte Altersstufen die als gefährliche Perioden angesehen werden. Anhand dieser Risikofaktoren setzen u.a. auch Präventionsstrategien an.

Ein anderer Ansatzpunkt ist der Blick auf die Normalbiographien von Jugendlichen, sog. Kompetenzmodelle. Diese beinhalten neben emotionalen und kognitiven auch handlungsbezogene Kompetenzen. Also die Möglichkeiten der Identitätsbildung im sozialen Kontext. Abhängigkeit kann auch Sozialisationsstörung als Ursache haben. Diese Gefahr besteht dann, wenn sich verschiedene Sozialisationsinstanzen wie Familie, Peer-groups, Schule u.a. Institutionen gegenseitig behindern. So können hier beispielsweise Einwanderer angeführt werden. Jugendliche erfahren den Widerspruch zwischen Wertvorstellungen ihrer Herkunftsfamilien und Wertvorstellungen ihrer neuen Umgebung, welcher sehr belastend ist. Genauso können aber auch Sozialstörungen, bedingt durch Stressfaktoren, wie Über- oder Unterforderung gegenüber schulischen Leistungen auftreten. Ebenso wird Abhängigkeit häufig der immer stärkeren Konsumwelle und Medieneinfluss in Verbindung gebracht. Zwischenmenschliche, stabile Beziehungen werden immer mehr abgelöst durch ein sog. Konsumprinzip, d.h. sämtliche Bedürfnisse werden mit apersonalen Mitteln befriedigt. Diese Konsumorientierung oder besser ausgedrückt, eine passive Lebensgestaltung fördert die Ausbildung von süchtigem Verhalten.

Abhängigkeit und die Werte einer Gesellschaft stehen ebenfalls eng bei einander. Unsere Leistungsgesellschaft ist gekennzeichnet durch Schnelllebigkeit und raschem Wertewandel. Der Einzelne fragt sich nach dem Lebenssinn, denn Orientierungsvorbilder bleiben immer mehr aus. Die Ausbildung von abhängigen Verhaltensweisen ist die Folge. Denn die Anonymität von zwischenmenschlichen Beziehungen nimmt beträchtlich zu. Die Gesellschaft mit ihren Strukturen begünstigt also süchtiges Verhalten.

2 Historischer Überblick zur Entstehung der Droge Crystal Meth

Crystal Meth, umgangssprachlich Crystal oder Crystalin, gehört zur Gruppe der Methamphetamine. Seit über 5000 Jahren wird in China das natürliche Ephedrin, gewonnen aus der „ma huang“ – Pflanze, genutzt. Amphetamin wurde zuerst 1887 von dem Chemiker Edelana synthetisiert. Ursprünglich fand es im medizinischen Bereich, unter anderem zur Erweiterung der Bronchien und Schlafhemmung, seine Anwendung. 1924 entdeckten zwei Amerikaner, dass Ephedrin eine ähnlich Struktur und Wirkung wie der Neurotransmitter Epinephrin (Adrenalin) hat; daraufhin gewann in der Medizin die Nutzung von Ephedrin (Asthmabehandlung) an Bedeutung. Drei Jahre später erkannte man, dass Amphetamine als bester und billigster Ersatz für Ephedrin eingesetzt werden konnten und die Nutzung verstärkt sich über die nächsten Jahrzehnte Erst in den 30er Jahren dieses Jahrhunderts setzte eine Reihe psychologischer Studien ein, in denen die Leistungsfähigkeit unter Amphetamineinfluss getestet wurde. 1933 erkannte man wie wirkungsvoll die Psyche durch Amphetamin stimuliert werden konnte. Es zeigte sich, dass die Spitzenleistungen nicht deutlich erhöht werden, Amphetamin aber Ermüdungen und Schläfrigkeit wirksam bekämpft und darum höhere Dauerleistungen gestattet. Im Laufe der Zeit wurde Amphetamin in der Medizin immer häufiger versuchsweise Eingesetzt und erprobt: Bei Kreislaufproblemen, Fettleibigkeit, Neurosen oder Parkinsonismus. Zwischen den Firmen Boehringer, Bayer, Merck und Temmler entstand ein erbitterter Konkurrenzkampf bei der Forschung nach antriebs- oder leistungssteigernden Stoffen.

Bis heute wurden etwa 200 verschiedene Drogen, aufbauend auf Amphetamin, synthetisiert. Ebenso das weitaus stärkere Methamphetamin. Im Jahr 1919 entwickelt (1914 erstmals durch Ernst Schmidt erwähnt) und unter dem Namen Pervetin vertrieben, fand es zuerst Verwendung als Dopingmittel und Wachmacher für Studenten und überbot in seinen Anwendungsgebieten die Wirkung des Amphetamin um ein Vielfaches. Ende der dreißiger Jahre wurde es begeistert von der NS-Führung aufgenommen und im zweiten Weltkrieg viel genutzt, um Piloten im Einsatz lange wach zu halten. Im Übrigen sollen alle im Weltkrieg beteiligten Armeen Amphetamine eingesetzt haben, um die Soldaten wach zu halten, Ausdauer und Belastbarkeit zu steigern, Hunger und Schmerz zu unterdrücken und Aggressionen zu fördern, um so für die Kriegsführung leistungsstärkere Armeen zu erhalten. Erste Nebenwirkungen, wie totale Erschöpfungserscheinungen und erhöhtes Unfallrisiko durch Konzentrationsmängel, traten auf. Trotzdem wurde es auch noch nach dem Krieg während der Wiederaufbauarbeiten konsumiert. Amphetamin und verwandte Stoffe sind noch heute bekannte Mittel zum Doping. Heute spielen Amphetamine außer im Sport, auch bei Menschen (zum Beispiel Prominente wie den Everly Brothers), die in hektisches Geschäfts- und Privatleben eingespannt sind, bei der sogenannten Polytoxikomanie (gleichzeitiger Konsum verschiedener Rauschdrogen) der „Party-Drogen-Generation“ usw. eine Rolle. Einige zu medizinischen Zwecken genutzte Amphetamine sind im Anhang 3 des Betäubungsmittelgesetzes verankert und werden als verschreibungspflichtige Medikamente, z. B. zur Behandlung von ADS/ ADHS - Störungen bei Kindern und Jugendlichen (Ritalin), angewandt.

Eine größere Bedeutung bekamen Amphetamine im Laufe der Jahre als antriebssteigernde Droge. Billiger als Kokain (deshalb auch die Bezeichnung "Arbeiterkoks") konnte es unter dem Namen „Speed“ diese Droge vielerorts zurückdrängen.

3 Verbreitung des Crystal Meth in Sachsen

Einen Hauptanteil zur Verbreitung chemischer Drogen hatte die, in den 80er Jahren aufgekommene, Rave- bzw. Technomusikbewegung, die mit der Entstehung einer neuen Jugendsubkultur einherging. Bei Techno geht es um das individuelle und gemeinsame Vergnügen beim Tanzen und das Partyfeiern, welches durch die Neuerung der Discomusik eine neue Dimension bekommen hat. Die Musik und ihre Wirkung - besonders unter Drogeneinfluss - ist das vorwiegend Revolutionäre. Obwohl Techno nicht mit Drogen gleichgestellt werden sollte, werden in diesen Kreisen der Musikbewegung auffallend mehr illegale Drogen, vor allem Amphetamine (Ecstasy) und vor allem in Sachsen auch das Methamphetamin Crystal, konsumiert. Im Lebensstil konzentriert sich die Identität des Raver hauptsächlich auf das Wochenende, während sie in der Woche dem Schul- oder Arbeitsalltag nachgehen, ohne sich von anderen zu unterscheiden. Technopartys waren seit den Anfängen eng mit dem (psychedelischen) Drogengebrauch verbunden. Techno (oder die ,,Generation XTC") wird auch als Wiederkehr des ,,Lebensgefühls von LOVE" bezeichnet. Die Technoszene ist inzwischen in verschiedenste Stilrichtungen aufgesplittert wie zum Beispiel Goa-Trance, auch Psy(chedelic)-Trance genannt. Goa-Trance entstand in den (ehemaligen) Hippie-Zentren wie Goa oder Ibiza (s.o.). Die auch in Deutschland immer häufiger stattfindenden Goa-Veranstaltungen zeichnen sich durch magisch und mythisch anmutende Ambiente aus. Es lässt sich aber feststellen, dass Drogen und Techno sehr gut zusammenpassen. Häufig werden leistungssteigernde Drogen als „Aufputscher“ im Zusammenhang mit Techno benannt, z.B. um die langen Disco-Nächte (bzw. Wochenenden) durchzuhalten: Man will Spaß haben auf der Party und muss Fit sein, frei nach dem Motto - Intensiver leben. Länger tanzen. Mehr Sex haben. Dieser Leistungsdruck hat neben der Arbeitswelt nun auch schon den Freizeitbereich erfasst. Durch Drogen will man ihm standhalten.

3.1 Geographische Besonderheiten

Die meistverbreitete Droge der Technomusikbewegung ist noch immer Ecstasy, jedoch ist, in zu Tschechien grenznahen Gebieten, Crystal Meth ebenso sehr häufig vertreten. Am Institut für Rechtsmedizin der Universität Leipzig wurde festgestellt, dass seit etwa Mitte der 90er Jahre, das hauptsächlich aus der Tschechischen Republik kommende Methamphetamin, dort unter dem Namen Pervetin bekannt, immer mehr Einzug in die regionale Technoszene findet. Anhand von zahlenmäßigen Entwicklungen sowohl bei Sicherstellungen als auch durch positive Untersuchungsergebnisse, wird auf die scheinbar immer breitere Anwendung verwiesen. Auch wird kritisiert, dass dieses im Rahmen der Drogenpolitik noch immer nicht ernst genug behandelt wird und das Problem als solches bagatellisiert wird und einer gründlichen Prüfung bedarf.

Immer mehr Jugendliche in Tschechien greifen zu Drogen

(Volltext) “Immer mehr Jugendliche greifen in Tschechien zur Droge. Im letzen Quartal des Jahres 2000 hatten Kontaktzentren 1146 neue Abhängige registriert, rund die Hälfte von ihnen konsumiert die berühmt berüchtigte Droge tschechischer Provenienz, Pervetin. Das Durchschnittsalter der Drogenkonsumenten bewegt sich um 20. Mehr über aktuelle Daten und Fakten aus diesem Bereich erfahren Sie von unserer freien Mitarbeiterin Marcela Pozarek:

Im vierten Prager Stadtteil ließ die Polizei am Montag (9.4.) dieser Woche in einer Wohnung eine Gang von vier Drogendealern auffliegen. Die Polizei verhörte im Vorfeld insgesamt 69 Abhängige und stellte 430 Fälle von Heroinverkauf in der Höhe von mindesten 200 000 KC (Tschechische Kronen – MD) fest. Der Hauptakteur der Gang, ein 26-jähriger Mann aus Mittelböhmen, verkaufte seine Ware über Mobiltelefon und schickte jeweils einen Mitarbeiter an den Übergabeort. Nach diesem einfachen Muster verfahren neuerdings viele ins Drogengeschäft Involvierte, wie Anfang dieser Woche der Leiter der Nationalen Antidrogenzentrale, Jiri Kormorous, vor der Presse bekannt gab. Drogendealer hätten ihren Stil geändert, massenweise komme Technik, wie etwa Mobiltelefon zum Einsatz. Zeiten und Orte der Übergabe würden sich ständig ändern und in die klassische tschechische Domäne, dem Geschäft mit Pervetin, seien, so Kormorous, russische Verbrecherorganisationen eingedrungen. Was lange nur in größeren Städten zu kriegen war, sei jetzt überall, auch in der Provinz zu haben. Einen weiteren Trend, den die Polizeibehörden feststellten, sind so genannte Dealerwohnungen, wo mehrere Händler, sozusagen via Versand Drogen verkaufen. Diese Form von Distribution würde vor allem von Roma sehr genutzt. Der Koordinator für Drogenepidemie, Vladimir Polanecky, bemerkte zu der Präsenz von Narkotika lapidar, dass man Drogen heute ganz einfach in jeder Disco bekommen könne und so wundere es nicht, dass Tschechien im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ein tragischer Spitzenreiter bezüglich dem Alter von Drogenkonsumenten sei. Es gäbe, so Polanecky, sogar einige Fälle, wo 12-Jährige mit Drogen beginnen, der Durchschnitt liege bei 20 Jahren. An tschechischen Technopartys ist der Konsum von Ecstasy gang und gäbe. Der Facharzt der Drogenberatungsstelle, Ivan Douda, fasste die Gefahr der Technodroge, der Drogen überhaupt, wie folgt zusammen: ‚Das Problem hängt nicht mit dem Stoff allein zusammen, es hängt vor allem mit der totalen Veränderung von Interessen und Werten zusammen. Das normale Leben wird für Ecstasy Konsumenten plötzlich fad und grau. Sie haben große Schwierigkeiten sich damit zurechtzufinden.‘” (ykk)

Prag, den 10.4.2001 (RADIO PRAG IS, deutsch)

[...]

Details

Seiten
28
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783668647541
ISBN (Buch)
9783668647558
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v414010
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
1,7
Schlagworte
Sozialpädagogik Drogen Crystalin Jugendkultur Sachsen Methamphetamin Jugend Drogenkonsum Jugend- und Drogenhilfe Crystal Meth

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