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Das Modell zur Akkulturation von John Berry und seine theoretischen Grundlagen. Darstellung und kritische Würdigung

Hausarbeit 2005 33 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung: Zweck und Anlage der Arbeit

2 Biographische Daten zu Berry

3 Grundbegriffe und theoretische Grundpositionen Berrys
3.1 Cross-Cultural Psychology und Intercultural Relations
3.1.1 Der zusammengesetzte Begriff „Cross-Cultural Psychology“
3.1.1.1 Der Begriff (Cross-)Cultural
3.1.1.2 Der Begriff Psychology
3.1.1.3 Synthese der Einzelbegriffe (Cross-)„Cultural“ und Psychology
3.1.2 Der zusammengesetzte Begriff „Intercultural Relations“
3.2 Der Unterschied zwischen der emischen und der etischen Perspektive und ihre Auswirkungen auf die Cross-Cultural Psychology nach Berry
3.2.1 Pikes Unterscheidung von emischen und etischen Perspektiven
3.2.2 Folgerungen aus den Merkmalen etischer und emischer Ansätze für die Cross-Cultural Psychology

4 Das Modell der Akkulturation nach Berry
4.1 Allgemeine Aspekte des Themas Akkulturation
4.1.1 Die Relevanz des Themas Akkulturation
4.1.2 Die „klassische“ Definition von Akkulturation und der Forschungsstand zur Zeit der Entwicklung von Berrys Modell
4.2 Die Vorstellung von Berrys Modell der Akkulturation
4.2.1 Akkulturationsstrategien als Idealtypen
4.2.2 Die Vier-Felder-Matrix der Akkulturationsstrategien
4.2.2.1 Die Strategie der Integration
4.2.2.2 Die Strategie der Marginalisierung
4.2.2.3 Die Strategie der Assimilation
4.2.2.4 Die Strategie der Separation
4.2.2.5 Die Vier-Felder-Matrix

5 Anwendungsfelder des Modells der Akkulturation nach Berry
5.1 Das Anwendungsfeld Gesundheit
5.2 Akkulturation und ökonomische Aspekte
5.3 Akkulturation, Ethnozentrismus und Politik (sozio-kulturelle Dimension)

6 Ausblick

1 Einleitung: Zweck und Anlage der Arbeit

Diese Hausarbeit befasst sich mit einem der prominentesten Vertreter der Cross-Cultural Psychology, John W. Berry und seines Modells der Akkultura­tion. Dabei wird nach einer Aufstellung der biographischen Daten Berrys das erwähnte Modell dargestellt und erläutert. Seine bisherigen Anwendungsfelder werden anhand ausgewählter Aufsätze Berrys, die er über seine Untersuchun­gen publizierte, aufgezeigt.

Die vorliegende Untersuchung soll zugleich einen Einstieg in Berrys Werk und einen groben Überblick seiner Forschungen über Akkulturation geben. Sie ist wie folgt aufgebaut:

In Ziffer 2 werden die wissenschaftlichen Leistungen Berrys überblicksartig nachgezeichnet. In Ziffer 3 erfolgt eine Klärung wichtiger Grundbegriffe, die für das Verständnis wesentlicher Aspekte von Berrys Werk notwendig sind. Danach folgt der Hauptteil der Arbeit. In diesem wird zuerst das Berrysche Modell der Akkulturation vorgestellt und erläutert (Ziffer 4), um danach die Anwendungsfelder dieses Modells genauer unter die Lupe zu nehmen (Ziffer 5). Dies soll anhand exemplarischer Bei­spiele geschehen, der theoretische Gesamtrahmen soll dabei jedoch stets im Blickfeld bleiben, so dass eine grobe Ordnung des Werks Berrys zur Akkultu­ration vorgenommen werden kann.

Die Untersuchung wird durch einen Ausblick abgerundet, in dem ein Resümee gezogen wird und der Verfasser eine kritische Würdigung von Berrys Modell vornimmt.

2 Biographische Daten zu Berry

John Widdup Berry ist emeritierter Professor an der Queen´s University (Kingston/Ontario/Kanada). Er erlangte 1963 den Bachelor of Arts an der Sir George Williams University in Montreal (Kanada) und beendigte sein Studium an der University of Edinburgh (Schottland) 1966 mit dem Ph. D.. Er war von 1966-1969 an der University of Sidney (Australien) und lehrte von 1969 bis 1999 an der Queen´s University. J. W. Berry erhielt zahlreiche Preise und Aus­zeichnungen und ist in mehreren psychologischen Vereinigungen aktiv. Seine Auslandsaufenthalte beinhalteten Lehrtätigkeiten und Forschungsaufträge unter anderem in den USA, Argentinien, Norwegen, Großbritannien, Finnland, Schweden, Deutschland, Indien, China und Japan. Professor Berry lehrt zur­zeit über die Themengebiete Cross-Cultural Psychology und Intercultural Re­lations. Seine angegebenen Forschungsschwerpunkte sind:

- Intercultural relations in plural societies
- Psychological adaption to acculturation
- Ecological and cultural factors in human development
- Comparative methodology

Des Weiteren ist er (Mit-)Herausgeber oder im Beirat von zehn psychologi­schen oder medizinischen Fachzeitschriften, wie dem International Journal of Psychology, der Applied Psychology oder dem Journal of Cross-Cultural Psy­chology.

Wie anerkannt Berry ist, lässt sich auch anhand der großen Anzahl von Beru­fungen in Kommissionen von Regierungen bzw. supranationaler Einrichtungen und Organisationen sehen.

Es lässt sich für diesen Abschnitt zusammenfassend festhalten, dass Berry ein äußerst angesehener, vielseitiger und produktiver[1] Wissenschaftler ist.

Dies kann in den kommenden Abschnitten anhand ausgewählter Werke Berrys nachgewiesen werden. Dazu wird dann das Modell der Akkulturation nach Berry dargestellt werden. In den darauf folgenden Abschnitten soll sodann auf­gezeigt werden, in welchen Kontexten dieses Modell bei Berry verwendet wurde. Zuerst ist es jedoch notwendig die Bedeutung zentraler Begriffe für das Modell der Akkulturation zu klären, damit verstanden wird, auf welche Grund­begriffe und theoretische Grundpositionen Berrys Modell der Akkulturation notwendigerweise zurückgreifen muss.

3 Grundbegriffe und theoretische Grundpositionen Berrys

Berrys Werk lässt sich, wie oben beschrieben, grob in die Forschungsrichtun­gen Cross-Cultural Psychology und Intercultural Relations einordnen. Es muss daher zunächst geklärt werden, was unter den zusammengesetzten Begriffen „Cross-Cultural Psychology“ und „Intercultural Relations“ verstanden wird. Des Weiteren wird in diesem Abschnitt die bei Berry wichtige Unterscheidung der emischen und etischen Perspektive dargestellt.

3.1 Cross-Cultural Psychology und Intercultural Relations

Die beiden Begriffsdefinitionen zeigen den Rahmen auf, in dem viele von Ber­rys Arbeiten publiziert wurden. Auch das in Gliederungspunkt vier zu entfal­tende Modell Berrys zur Akkulturation ist innerhalb dieses Rahmens zu sehen.

3.1.1 Der zusammengesetzte Begriff „Cross-Cultural Psychology“

Cross-Cultural Psychology ist, wie schon in der Überschrift angedeutet, ein zusammengesetzter Begriff. Er besteht aus den Teilen (Cross-)Cultural und Psychology. Diese Ein­zelbegriffe sollen zuerst getrennt analysiert werden, um dann ihre zusammen­gesetzte Bedeutung klären zu können.

3.1.1.1 Der Begriff (Cross-)Cultural

„Cross-Cultural“ wird von Miller (2004), einem Wissenschaftler der Princeton University, mit „dealing with or comparing two or more cultures” umschrieben. Es handelt sich also um eine Sichtweise, die zwei oder mehr Kulturen vergleicht, bzw. behandelt.

„Cross-Cultural“ kann als Abgrenzung zu verwandten Begriffen wie „cross-national“ oder „cross-societal“ verstanden werden. Bei „cross-national“ geht es um den Vergleich von mindestens zwei Nationalitäten, bei „cross-societal“ geht es um den Vergleich von Gesellschaftssystemen.

Was genau unter „Cultural“ bzw. unter dem zugehörigen deutschen Substantiv „Kultur“ zu verstehen ist, soll im nächsten Abschnitt erörtert werden.

Exkurs: Kultur

Kluge (2002, S. 545 f.) gibt als Herkunft für Kultur das lateinische cultura zu colere, „bebauen, pflegen“ an. Gemeint seien zuerst der Landbau und die Pflege von Ackerbau und Viehzucht. Später wird dies in übertragener Bedeutung verwendet, gemeint ist nun eine „Erziehung zum geselligen Leben, zur Kenntnis der freien Künste und zum ehrbaren Leben.“

Tyler, (1871, S. 215) gibt folgende Definition von Kultur an:

„Culture or civilization is that complex whole which includes knowledge, belief, art, law, morals, custom, and many other capabilities and habits acquired by man as a member of society.”

Tyler, E. B., (1871). The Origins of Culture, S.215, zitiert nach Voigt (2004).

In einem UNESCO-Dokument (1995), das den Namen “Our Creative Diversity“ trägt, wird Kultur als “the total and distinctive way of life of a people or society” bezeichnet, doch auch diese Definition kann nicht befriedigen.

Simmel (1918) nennt den Wandel der Kulturformen zum Beispiel einen Gegenstand der Geschichte in ihrem größten Sinne.

Zusammenfassend kann daher gesagt werden, dass es keinen einheitlichen, in der Scientific Community von allen Mitgliedern akzeptierten Kulturbegriff gibt und daher die Gefahr besteht, dass dadurch schwammige Aussagen und weitereichende Missverständnisse möglich sind.

Daraus ergibt sich die Konsequenz in der späteren Untersuchung, falls dies nötig ist, auf unterschiedliche Vorstellungen von Kultur einzugehen und diese präzise herauszuarbeiten.

Exkurs Ende

3.1.1.2 Der Begriff Psychology

Unter Psychologie wird die Wissenschaft vom Erleben und Verhalten des Menschen verstanden.

3.1.1.3 Synthese der Einzelbegriffe (Cross-)„Cultural“ und Psychology

Wie lassen sich die beiden Einzelbegriffe Cross-Cultural und Psychology zusammenfügen? Es liegen unterschiedliche Definitionen verschiedener Autoren dazu vor, was unter „Cross-Cultural Psychology“ zu verstehen ist. Drei verschiedene werden hier auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten überprüft. Dabei soll Berrys Verständnis von Cross-Cultural Psychology mit der Auffassung anderer Autoren kontrastiert werden:

1. Triandis, Malpass und Davidson (1972, 1): “Cross-cultural Psychology includes studies of subjects from two or more cultures, using equivalent methods of measurement, to determine the limits within which general psychological theories do hold, and the kinds of modifications of these theories that are needed to make them universal.”
2. Brislin, Lonner und Thorndike (1973, 5): “Cross-Cultural Psychology is the empirical study of members of various culture groups who have had different experiences that lead to predictable and significant differences in behaviour. In the majority of such studies, the groups under study speak different languages and are governed by different political units.”

3. Berry, Poortinga, Segall und Dasen (1992, 2): “Cross-cultural Psychology is the study of similarites and differences in individual psychological functioning in various cultural and ethnic groups; of the relationships between psychological variables and sociocultural, ecological, and biological variables; and of current changes in these variables.“

Einigkeit scheint bei erster Betrachtung bei dem zu herrschen, was den oben herausgearbeiteten Bereich des Adjektivs „Cross-Cultural“ betrifft. Doch was darüber hinausgeht, wird nicht von allen Autoren in gleicher Weise betont. Die erste Definition bleibt offen und teilweise unbestimmt; unter „equivalent methods of measurement“ kann Alles und Nichts verstanden werden. Die zweite Definition hebt den empirischen Bezug hervor, „Cultural“ wird hier näher bestimmt. Die dritte, sehr anspruchsvolle Definition von drei Autoren, unter denen sich Berry findet, zeigt die Vielfältigkeit auf, die der Betrachtungsgegenstand mit sich bringt: psychologische, sozio-kulturelle, ökologische und biologische Variablen müssen in Modelle der Cross-Cultural Psychology integriert werden. An diesem Anspruch, sich nicht mit zu einfachen Modellvorstellungen zufrieden zu geben und der Komplexität der Wirklichkeit gerecht zu werden, muss sich Berrys Modell der Akkulturation messen lassen.

[...]


[1] Der stichpunktartige Lebenslauf und die Bibliographie umfassen alleine knapp 30 Seiten

Details

Seiten
33
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638396691
ISBN (Buch)
9783638649544
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v41399
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
ohne Benotung
Schlagworte
Darstellung Würdigung Modells Akkulturation John Berry Grundlagen

Autor

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