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Die Modelle der ICF, ATL und AEDL

Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit; Aktivitäten des täglichen Lebens; Aktivitäten und existentielle Erfahrungen des Lebens

Hausarbeit 2017 21 Seiten

Psychologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF)
1.1 Funktionsfähigkeit und funktionale Gesundheit
1.1.2 Normalitätskonzept
1.1.3 Das bio-psycho-soziale Modell der ICF
1.2 Kodierung der klassifizierten Items
1.2.1 Körperfunktionen (b) und Körperstrukturen (s)
1.2.2 Kontext- bzw. Umweltfaktoren (e)
1.2.3 Aktivitäten und Teilhabe: Lebensbereiche (d)

2. Exkurs: Das ATL und AEDL-Modell
2.1 Das ATL-Modell nach Liliane Juchli
2.1.1 Wach sein und schlafen
2.1.2 Sich bewegen
2.1.3 Sich waschen und kleiden
2.1.4 Essen und trinken
2.1.5 Ausscheiden
2.1.6 Körpertemperatur regulieren
2.1.7 Atmen, Puls und Blutdruck
2.1.8 Sich sicher fühlen und verhalten
2.1.9 Raum und Zeit gestalten - arbeiten und spielen
2.1.10 Kommunizieren
2.1.11 sich als Frau oder Mann fühlen
2.1.12 Sinn finden im Werden, Sein, Vergehen
2.2 Das AEDL-Modell nach Monika Krahwinkel

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Laut dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden waren im Jahre 2014 etwa 27% der deutschen Bevölkerung über 60 Jahre alt; das machte 22,2 Millionen der damals 81,2 Millionen Einwohner aus (2016, s. 10). Da körperliche Funktionen im Alter allmählich nachlassen und die alternde Generation dadurch in diversen Bereichen des Lebens eingeschränkt sein kann, lässt sich auf die Betroffenen das Modell der ICF (Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit) sehr gut anwenden. Dasselbe gilt für das ATL- Modell (Aktivitäten des täglichen Lebens) nach Juchli und das AEDL-Modell (Aktivitäten und existenzielle Erfahrungen des Lebens) nach Krahwinkel, welche heutzutage bereits Anwendung in vielen Krankenhäusern Deutschlands finden. Die Notwendigkeit dieser Modelle wird also mit der steigenden Lebenserwartung und der wachsenden Seniorenpopulation immer deutlicher.

Jedes Modell für sich ist von großer Wichtigkeit im interdisziplinären Kontext, doch ergänzen sie sich auch sehr gut. Das ICF-Modell hat viele Gemeinsamkeiten mit den Modellen der ATL und AEDL, welche im Folgenden genauer beschrieben werden sollen.

1. Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF)

Die ICF (engl.: International Classification of Functioning, Disability and Health) wurde im Jahre 2001 von der Weltgesundheitsorganisation (WFIO) entwickelt und klassifiziert die funktionale Gesundheit bzw. Funktionsfähigkeit und die Beeinträchtigungen von Menschen.

Die ICF bezieht sich jedoch nur auf Einschränkungen, die durch physische Krankheiten, oder anderweitige Gesundheitsstörungen laut ICD (engl.: International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) auftreten, und nicht auf Einschränkungen, die beispielsweise durch problematische sozioökonomische oder ethnische Ausgangssituationen hervorgerufen werden (Schuntermann, 2013, s. 13).

Je genauer die bestehenden Problematiken nicht nur diagnostiziert, sondern auch einheitlich und standardisiert dokumentiert werden, desto optimaler und bedarfsgerechter können jene Problematiken präventiv oder intervenierend behandelt werden.

״Eine einheitliche Sprache zu funktionalen Problemen dient hier als Brücke zwischen behandelndem Arzt und Träger sowie zwischen den verschiedenen Trägern als Voraussetzung für einen Antrag auf Leistungen, [...] für eine begründete Gewährung von Leistungen und für eine zielgerichtete und schnelle Zuweisung zu entsprechenden Einrichtungen.“ (Schuntermann, 2013, s. 15) Somit stellt die ICF eine Ergänzung der ICD dar.

1.1 Funktionsfähigkeit und funktionale Gesundheit

Die Funktionsfähigkeit beschreibt all jene Aspekte, die die funktionale Gesundheit ausmachen. Laut ICF sieht man Menschen als funktional gesund an, wenn

1. ihre Körperfunktionen (inklusive des seelischen und geistigen Aspekts) und ihre Körperstrukturen der allgemeinen Norm entsprechen,
2. sie das tun können, was (laut ICD) gesundheitlich uneingeschränkte Menschen tun können, und
3. sie Zugang zu jenen Lebensbereichen haben, die für sie selbst von Bedeutung sind, und sie sich in diesen Lebensbereichen auf die Art und Weise entfalten können, ״wie es von einem Menschen ohne Beeinträchtigung der Körperfunktionen oder -Strukturen oder der Aktivitäten erwartet wird“ (Schuntermann, 2013, S.21).

Eine vorhandene funktionale Problematik kann unter Umständen auch eine Eigendynamik entwickeln (z.B. Arbeitslosigkeit), welche letztendlich schwerwiegender sein kann, als die primäre Krankheit an sich. Ebenso zu beachten ist, dass selbst eine geheilte Erkrankung noch zu einer funktionalen Problematik führen kann. Dies ist beispielsweise bei psychischen Krankheiten der Fall sein; selbst, wenn die Krankheit geheilt wurde, kann es passieren, dass der betroffene Mensch durch die Stigmatisierung immer noch von der Teilhabe in bestimmten Lebensbereichen ausgeschlossen wird. Das heißt, keine Krankheit zu haben und laut ICD gesund zu sein, bedeutet nicht auch funktional gesund zu sein (Schuntermann, 2013, s. 35f).

Eine Person wird außerdem nicht nur auf bio-medizinischer Ebene betrachtet, welche körperliche und mentale Aspekte miteinbezieht, sondern auch als handelndes, gleichberechtigtes, und selbst bestimmtes Wesen in seiner Umwelt und Gesellschaft. So werden auch ihre individuellen Kontextfaktoren mitberücksichtigt (Schuntermann, 2013, s. 22).

1.1.1 Normalitätskonzept

Das Modell der funktionalen Gesundheit beruht auf dem Normalitätskonzept, welches eine Norm beschreibt, die statistisch gesehen für die Mehrheit der Menschen gilt. Schuntermann (2013) beschreibt dies am Beispiel des Lesens. Es gehört in unserer Kultur zur Norm, lesen zu können, und diese Fähigkeit auch anzuwenden. Wenn die Aktivität des Lesens in entsprechende Lebensbereiche (Beruf, Freizeit) integriert wird, beschreibt dies die Teilhabe. Liegt nun eine

Funktionsstörung vor, beispielsweise im Sinne einer Weitsichtigkeit, wird nicht nur die Aktivität Lesen eingeschränkt, sondern auch die Teilhabe. Durch eine geeignete Brille kann zwar die Funktionsstörung nicht beseitigt werden, jedoch wird die Aktivität und Teilhabe wieder gewährleistet (S. 22f).

Schuntermann betont allerdings auch die Problematik der ״unkritische[n] Übernahme des Normalitätskonzeptes als normative Forderung“ (2013, s. 23), da sich eine Person bereits so gut mit ihrer vorhandenen Funktionsstörung arrangiert haben kann, sodass eine (beispielsweise operative) Behebung dieser Funktionsstörung letztendlich zu einer größeren Beeinträchtigung führt. Er nennt das Beispiel eines, bereits im Kindesalter, erblindeten Jungen. Sollte dieser nach mehreren Jahrzehnten der Anpassung durch einen Eingriff plötzlich wieder sehen können, könnte dies im Endeffekt problematischer sein, als die Blindheit (S. 23).

1.1.2 Das bio-psycho-soziale Modell der ICF

Das Modell der ICD bezieht sich auf die bio-medizinische Ebene, mit der Menschen betrachtet werden können, und trägt durch ihre internationale Gültigkeit (unter Personal des Gesundheits- und Sozialwesens) zu einem vereinfachten Verständnis für physische und psychische Erkrankungen bei. Wenn es allerdings um die bio-psycho-soziale Ebene geht und darum, welche Auswirkungen bestimmte Erkrankungen auf das Leben der Betroffenen haben, stößt die ICD an ihre Grenzen und die ICF kommt zum Einsatz (Schuntermann, 2013, s. 14).

Eine vorhandene Beeinträchtigung bezüglich der funktionalen Gesundheit wird hier ״hauptsächlich als ein gesellschaftlich verursachtes Problem und im Wesentlichen als eine Frage der vollen Integration Betroffener in die Gesellschaft“ betrachtet, wodurch die Beeinträchtigung an sich kein Merkmal dieser Person darstellt, sondern vielmehr ״ein komplexes Geflecht von Bedingungen“ (Schuntermann, 2013, s. 32), geschaffen von der Umwelt.

Die nachfolgende Abbildung zeigt das bio-psycho-soziale Modell der ICF.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Das bio-psychosoziale Modell der ICF (Schuntermann, 2013, s. 32)

Laut diesem Modell variiert die funktionale Gesundheit durch das vorhandene Gesundheitsproblem (einer ICD-Diagnose) und den Kontextfaktoren. Wenn ein Gesundheitsproblem eine funktionale Problematik verursacht (d.h. eine Störung der funktionalen Gesundheit), nennt man dies einen Primärprozess, da dies den am häufigsten auftretenden Prozess darstellt (Schuntermann, 2013, s. 32).

Sekundärprozesse beschreiben jenen Ablauf, in dem ein anderes Element des bio-psycho-sozialen Modells den Ausgangspunkt für eine bestehende Problematik darstellt. Beispielsweise kann der personenbezogene Faktor einer Homosexualität, gemeinsam mit der Tatsache keine Bezugsperson zu haben, mit der man sich darüber unterhalten kann (Umweltfaktor), zu einer Depression führen (Gesundheitsproblem laut ICD); wird diese chronifiziert kann dies eine Erwerbsunfähigkeit (Teilhabestörung) bedingen und zur Frühberentung führen, was wiederum den ICF-Bereich ״seinen Lebensunterhalt bestreiten“ beeinflusst (Schuntermann, 2013, s. 32f).

Abgesehen davon können auch induzierte Prozesse entstehen, welche sich beispielsweise bei Familienmitgliedern oder Freunden entwickeln können (Schuntermann, 2013, s. 33).

Zu berücksichtigen ist allerdings, dass ein bestimmtes Gesundheitsproblem zwar bei vielen Betroffenen die gleichen Aktivitätseinschränkungen zufolge haben kann, dies jedoch nicht in allen Fällen zutreffen muss (Schuntermann, 2013, s. 33).

1.2 Kodierung der klassifizierten Items

Klassifizierte Komponenten der ICF beinhalten die im Nachfolgenden genauer erläuterten Körperfunktionen, Körperstrukturen, Aktivitäten und Teilhabe, sowie die Umweltfaktoren. Jede der Komponenten wird mit einem Buchstaben abgekürzt:

b für Körperfunktionen (body functions)

s für Körperstrukturen (body structures)

d für Aktivitäten und Teilhabe (life domains), und

e für Umweltfaktoren (environmental factors)

Auf den jeweiligen Buchstaben folgt eine Reihe von (maximal fünf) Zahlen, denen allen ein bestimmtes Item zugeteilt ist. Die erste Ziffer erläutert das Kapitel, in dem das Item zu finden ist. Die zweite und dritte Ziffer zusammen beschreibt das Item an sich, das sich innerhalb dieses Kapitels befindet. Die jeweils vierte oder fünfte Ziffer, insofern sie vorhanden sind, beschreiben das Item nochmals differenzierter (Schuntermann, 2013, s. 71).

1.2.1 Körperfunktionen (b) und Körperstrukturen (s)

Zu den Körperfunktionen zählen folgende sogenannte Kapitel:

- mentale Funktionen

Flierzu gehören beispielsweise die Items ״Funktionen des Bewusstseins“, ״Funktionen der Intelligenz“, ״Funktionen des Schlafes“, ״Funktionen von Temperament und Persönlichkeit“, und ״Emotionale Funktionen“

- Sinnesfunktionen und Schmerz

Mit Beispielitems ״Funktionen des Sehens“ und ״Funktionen des Riechens“

- Stimm- und Sprechfunktionen

Beispielsweise der ״Funktionen des Redeflusses und Sprechrhythmus“

- Funktionen des kardiovaskulären, hämatologischen, Immun- und Atmungssystem

Mitinbegriffen der Items ״Blutgefäßfunktionen“, ״Blutdruckfunktionen“, ,Atmungsfunktionen“ und ״Funktionen des Immunsystems“

- Funktionen des Verdauungs-, Stoffwechsel- und des endokrinen Systems Inklusive den Items ״Funktionen der Nahrungsmittelassimilation“ und ״Funktionen der Aufrechterhaltung des Körpergewichts“

- Funktionen des Urogenital- und Reproduktionssystems Beispielitems ״Flarnbildungsfunktionen“, ״Miktionsfunktionen“, ״sexuelle Funktionen“ und ״Menstruationsfunktionen“

- neuromuskuloskeletale und bewegungsbezogene Funktionen

Flierzu gehören die Items ״Funktionen der Gelenkbeweglichkeit“, ״Funktionen der Beweglichkeit der Knochen“ und ״Funktionen der Muskelkraft“

- und die Funktionen der Haut und Hautanhangsgebilde Beispielsweise die Items ״Schutzfunktionen der Haut“, ״Funktionen des Haars“ und ״Funktionen der Nägel“

Zu den Körperstrukturen gehören anatomische Teile des Körpers, wie Organe, Gliedmaßen und ihre Bestandteile, bezogen auf die jeweiligen, eben genannten, Körperfunktionen.

Beispielsweise - auf die mentalen Funktionen bezogen - das Kapitel: die Struktur des Nervensystems (mit den Items ״Struktur des Gehirns“, ״Struktur des Rückenmarks und mit ihr im Zusammenhang stehende Strukturen“, ״Struktur der Hirnhaut“, ״Struktur des sympathischen Nervensystems“, ״Struktur des parasympathischen Nervensystems“) (Schuntermann, 2013, s. 167-191).

1.2.2 Kontext- bzw. Umweltfaktoren (e)

Als Kontextfaktoren werden die Umstände und Verhältnisse des kompletten Lebenshintergrundes eines Menschen bezeichnet, welche sich in Umweltfaktoren und personenbezogene Faktoren unterteilen.

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Details

Seiten
21
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668652620
ISBN (Buch)
9783668652637
Dateigröße
1011 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v413683
Institution / Hochschule
IB-Hochschule, Berlin
Note
1,0
Schlagworte
ICF ATL AEDL Pflege Gesundheit Gerontologie Gerontopsychologie Krankenpflege Pflegewissenschaft Psychologie Modell Aktivitäten Lebens Funktionsfähigkeit Behinderung Altenpflege

Autor

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Titel: Die Modelle der ICF, ATL und AEDL